Adventaktionen

Ich bin ja, wie ich immer schreibe nicht besonders religiös, halte mich aber gerne an Rituale und so gibt es im “Literaturgeflüster” im Monat Dezember immer Adventliches.

“Leselustfrust”  der ich vor acht oder neun Jahren ja gerne kommentierte, hat mich auf die Idee gebracht, also habe in dieser Zeit Weihnachtsbücher gelesen, habe vom Punschtrinken , von der xxxx-small und anderen Weihnachtsaktionen, wie den literarischen Spazierguang durch den siebenten, Veranstaltungen, die es in dieser Form nicht mehr gibt, berichtet.

Ich habe auch die Weihnachtsbücher, die ich im Schrank gefunden habe gesammelt und auf meine Leseliste gesetzt, aber dann hatte ich so viele andere Bücher zu lesen, daß ich sie wieder hinuntergestrichen habe, habe heuer aber ein Buch das ich mir von meinem Geburtstagsgutschein gekauft habe und werde vielleicht noch Weihnachtsgedichte dazubekommen.

Ich habe auch selber einiges Weihnachtliches aus meiner Werkstatt anzubieten. Da gibt es das “Weihnachten 2000” Gedicht, das ich damals im Rahmen der Schreibwerkstatt der Gewerkschaft geschrieben habe und den “Adventkalender”, die Geschichte von dem der vom Himmel fällt, um die Welt zu retten, die glaube ich im “Best of I oder II enthalten ist und dann war da die Idee von der “Nika Weihnachtsfrau”, die ich einige Zeit mit mir herumgetragen habe, bevor ich sie im November 2015 im Rahmen des “Nanowrimos” zu schreiben angefangen. Vorher gab es schon den “Bücheradventkalender” und einige Schreibversuche zu diesem Thema in der Schreibgruppe.

2015 habe ich schon angefangen einzelne Tage aus der “Nika” zu bloggen, so daß nach und nach das ganze Buch im Blog zu finden sein wird, dachte ich mir und habe Jahr für Jahr wenn nichts anderes zu erwähnen war, einen Tag hinzugefügt.

Heuer habe ich aber noch eine Leseliste von etwa dreißig Neuerscheinungsbüchern die abzulesen sind, je eines von der öst und zwei von der dBp sind noch dabei, das wäre dann das dortige achtezehnte, weil mir zwei der deutschen Liste ja fehlen und das Buch der Bettina Wilpert für den Bloggerdebutpreis muß ich auch noch lesen.

Da werde ich die veranstaltungsfreien Tage höchstwahrscheinlich mit den Rezensionen füllen und es wird vielleicht nichts bezüglich der “Nika” weitergehen, habe ich gedacht, mir da aber schon eine besondere Aktion für den heurigen Advent ausgedacht.

Eine wäre ja mir jeden Tag ein Buch aus den Schrank zu ziehen und es zu lesen. Unmöglich, geht nicht bei dreißig noch ungelesen Büchern. Ich könnte aber, habe ich gedacht, abgesehen von den kleinen Adventfreuden, die ich mir jeden Tag machen will, also für mich ein höchstpersönliches Fenster der Freude öffnen, ein Buch aus dem Schrank ziehen, mir eine Süßigkeit oder etwas anderes, beim Yves Rocher vielleicht, kaufen, etcetera, eine besondere Aktion für meine Leser, wenn man so will auch Werbung für mich selber machen und jeden Tag, wenn ich am Schrank vorüber gehe, eines meiner Bücher mit einer schönen Widmung hineinlegen.

Das muß nicht unbedingt die “Nika” sein von der ich wahrscheinlich auch nicht mehr so viele Exemplare haben, so daß es mir wie ihr bald, wie heuer mit dem “Haus”, als es Manfred Lager Regall zu meiner Geburtstagsaktion haben wollte und der “Mimi” ging, die ich zu der Lesung auf die “Buch Wien” mitnehmen wollte, ich werde aber schauen, was noch da ist und sonst je ein anderes meiner inzwischen fast vierzig selbstgemachten bücher, wenn ich an einem Tag zwischen eins und vierundzwanzig an einem Schrank vorübergehen sollte, hineinlegen. Komme ich an mehr vorbei, kann ich auch die aus meiner Tasche nehmen, da habe ich meisten zwei Stücke darin. Ein paar der Volksstimmeanthologien, wo meistens ein Kapitel aus einem meiner Bücher drinnen ist, habe ich auch noch.

Also aufgepasst, wem es von meinen Wiener Lesern interessiert, da gibts vielleicht was zu finden, ansonsten habe ich zu vermelden, daß ich jetzt die vom Alfred lektorierten Seiten der “Unsichtbaren Frau” zum Endkorrektat habe. Das Cover ein Bild von einer Demo vielleicht muß noch kommen, dann wird wahrscheinlich als zusätzliches Adventschmankerl noch die Vorschau mit Gewinnspiel und Aufruf zur Leserunde geben, das Buch selber wird höchstwahrscheinlich nicht mehr fertig werden und dann gibts auch noch die “Magdalena” zu korrigeren, die ich auch nach Harland zu einem ausführlicheren Weihnachtswirtierretreat mitnehmen kann.

Ein paar Einladungen und Weihnachtsfeiern wirds vielleicht auch noch geben, vielleicht mach das Doml wieder was, da könnte ich dann die Stelle mit der Praktikantin in New York, wo sie aufpassen muß Jonathan Franzen und Daniel Kehlmann nicht Rotwein auf die Hose zu schütten vorlesen, denn die Urform der Slavenka Jagoda ist mir ja dort begegnet.

Die Ruth die inzwischen umgezogen ist, veranstaltet am achten Dezember einen Flohmarkt, wo man ihre alten Bücher und anderes Inventar kaufen kann, ein “Buchquartier” im Museumsquartier gibt es an diesem Tag auch und schon am Montag vorher wieder den “Ohrenschmaus”, das ist der zwölfte, wenn ich mich nicht irre, also einen schönen Advent liebe Leser und weil ich nicht genau weiß, ob sich das Verlinken immer ausgehen wird, verweise ich hier auf die Tage, wo man etwas von meinem Adventkalender für die, die sich durch die Lüken wühlen möchten, finden kann und wenn ich im nächsten Jahr vielleicht eine kürzere Leseliste habe, kann es  weitere Fenster geben.

1, 5, 7, 9, 19, 20, 24, 25, 29 und 30

Öffnen muß man sie selbst, um keinen Spoileralarm zu bekommen.

Die Zeit der Ruhelosen

Das wahrscheinlich letzte Buch in diesem Jahr ist noch ein Nachtrag des Frankreich-Schwerpunkt der Frankfurter Buchmesse und der war für mich eine Überraschung, denn, daß die französische Gegenwartsliteratur so aktuell politisch ist,habe ich nicht gewußt.

Eduard Louis “Im Herzen der Gewalt” habe ich mir zum Geburtstag schenken lassen und werde wahrscheinlich erst im nächsten Jahr, wenn überhaupt, zum Lesen kommen.

Sophie Divris “Als der Teufel aus dem Badezimmer kam” habe ich schon gelesen und viel Übereinstimmung mit meinem Schreiben gefunden, habe ich diese Themen ja auch in meinen Texten bearbeitet und von der  1972 geborenen promovierten Juristin Karine Tuil, habe ich vor einiger Zeit die “Gierigen” im Schrank gefunden.

Da bin ich auch noch nicht zum Lesen gekommen, dafür habe mich “Die Zeit der Ruhelosen” die letzten Tage begleitet und was soll ich sagen, es ist ein verstörendes Buch, eines das von sehr viel Gewalt geprägt ist und das Leben der Reichen und der Schönen in Frankreich schildert, die auch nicht glücklich sind.

Ein Frankreich nach dem Irak Krieg, das Buch spielt etwa 2009 oder 2010 habe ich mir ausgerechnet und Romain Roller kommt schwer traumatisiert von einem Afghanistan-Einsatz zurück und wird bevor er wieder nach Frankreich darf in einem Luxushotel  in Zyperbn ein paar Tage lang von Psychologen behandelt.

Dort ist auch die Journalistin Marion Decker und die ist mit einem der reichsten Männer Frankreichs, dem Chef einer Telecom-Firma Francois Vely verheiratet, der oder dessen Vater eigentlich Levy hieß, sich aber vom Judentum abwandte oder sich ihm nie zugehörig fühlte.

Der ist auch ein gebrochener Mann, hat sich seine zweite Frau doch aus dem Fenster gestürzt, als er Marion heiratenwollte, sein Sohn Thiboult ist inzwischen zum Judentum konvertiert und nennt sich Moldechai und Vely, weil sehr an moderner Kunst interessiert, posiert bei einem Interview auf einem Sessel, der eine unterdrückte afrikanische Frau darstellt.

Das löst eine Well der Empörung aus, Vely wird des Rassismus verdächtigt und als Jude beschimpft und bekommt ausgerechnet von dem ehemalisgen Streeworker Osman Diboula, einem Schwarzen, der Berater des Präsidenten war, aber inzwischen in Ungnade gefallen ist, weil er sich nicht von einem Rechten beschimpfen lassen wollte, Unterstützung.

Ja, so geht es zu, im Frankreich in den Zweitausenzehnerjahre, die starken Männer koksen und trinken und werden erpresst, die Frauen tauchen eher als Schemen auf und im dritten Teil des Buchen finden sich alle im Irak ein.

Roller kehrt, obwohl schwer traumatisiert, als Sicherheitsmann dorthin, Osman, der beim Präsidenten wieder Gnade gefunden hat, wird Staatssekretär des Äußeren und soll in Bagdad eine Messe besuchen. Er kommt auf die Idee, Francois zu bitten, ihn dorthin zu begleiten und der wird dort entführt und letztlich als Geisel erschossen.

“Eiskalt, fesselnd, furios”, geschrieben, steht am Buchrücken und man bleibt wirklich mit einem beklemmenden Gefühl, ob der Gewalt, der Verzweiflung, der Depression, die im heutigen modernen Leben herrscht und uns umgibt, zurück.

“Furios erzählt Karine Tuil von Menschen, die getrieben sind vom Wunsch nach Anerkennung, Geld und Macht, ein gradioses Gesellschaftspanorama unserer Zeit”, steht noch im Klappentext.

Jetzt bin ich auf die “Gierigen” gespannt und weise auf mein letztes Adventkalenderfenster hin, das es in diesem Jahr zu öffnen gibt.

Was bisher geschah läßt sich hier erfahren und die “Nika,Weihnachtsfrau”, vor zwei Jahren im Rahmen des “Nanowrimos” geschrieben, ist wahrscheinlich auch ein Gesellschaftspanorama unserer Zeit, zumindestens eines im kleineres Rahmen, das sich  vielleicht während der Flüchtlingskrise auf der Wiener Mariahilferstraße abgespielt hat.

Zwischen Weihnachten und neuem Jahr

Ich bin, glaube ich, so 2009 oder 2010 durch “Leselustfrust”, deren Blog ich damals ja sehr intensiv gelesen habe, daraufgekommen, daß die Tage zwischen Weihnachten und neuem Jahr, die letzten Tage zwischen den Jahren etwas Besonderes haben.

Etwas Magisches habe ich auf irgendeinem Blog auch einmal gelesen und das Besondere ist wahrscheinlich, daß man Rückschau und Vorschau halten kann, das Jahr ausklingen lassen, die Vorsätze für das Neue schaffen, die Steuererklärung vorbereiten, die Abrechnung machen oder auch zu den Standeln gehen und die Glücksbringer für das neue Jahr oder die Flasche Sekt für die Silvesterfeier kaufen.

Daß ich kein besonderer Silvestertyp bin, habe ich, glaube ich schon einmal geschrieben. Früher, als ich noch zeitiger müde war, war es für mich auch sehr schwierig, da bin Mitternacht aufzubleiben. Jetzt bin ich meistens so lange wach und blogge auch oft noch, um diese Zeit und seit ich den Alfred kenne, habe ich zu Silvester auch etwas unternommen.

An dasVorher kann ich mich nicht so erinnern, glaube aber nicht, daß ich da sehr oft weggewesen bin, dann waren wir eine Zeitlang beim Martin in der Porzellangasse eingeladen und die letzten Jahre öfter bei der Hilde Schmölzer, heuer werden wir wieder in Harland sein und dort den Jahreswechsel zelebrieren und diese letzte Jahreswoche ist für die magischen Zwischentage auch besonders gut geeignet.

Denn eine ganze letzte Woche, da ja sowohl der heilige Abend, als auch Silvester ein Sonntag ist und dazwschen eine ganze Woche oder drei mal zwei Tage, die alle ihren besonderes Rythmus hatten.

Montag, Dienstag die Weihnachtsfeiertage, die ich faul in Harland verbrachte, schon mal an meinem Jahresrückblick schrieb und dann auch ein bißchen Radfahren war, beziehungsweise  Weihnachtsbücher gelesen habe.

An Geschenken habe ich heuer keine Bücher bekommen, nur vom Alfred die zwei literarischen Kalender, die ich meistens von ihm bekomme, von der Anna eine Porzellanbadewanne gefüllt mit einem Schwamm und verschiedenen duftenden Badeessenzen.

Dann habe ich mich mit der Anna am übernächsten Tag gleich zerstritten, damit das Fest nicht so friedlich ist und bin Mittwoch Früh wieder nach Wien gefahren, wo ich zwei lange und sehr intensive Praxistage hatte, so daß für die zwischen der Jahre Ästhetik keine Zeit war.

Oder wohl, den zweiten Band der “Kunst in Cartoons” oder “Cartoons über Kunst”, habe ich durchgeblättert und am Donnertagabend relativ spät wieder nach Harland zurück, weil zwei halbe und ein ganzer Befund zu schreiben und auch noch die Abrechnung zu machen war und jetzt wieder zwei beziehungsweise drei Tage ausspannen und faul in das neue Jahr hinübergleiten.

Dafür läßt es sich auch schon Pläne mache,denn es wird ja wieder ein Jubiläumsjahr und werde meine Vorausschau auch gleich vorbereiten, die Silvesterdekorationen herausholen und wenn es geht mit dem Rad nach Wilhelmsburg fahren.

Silvesterknaller gab es auch schon zu hören und meine Leseliste zu Ende lesen, beziehungsweise die Bücher, die sich nun doch für 2017 nicht mehr ausgehen, auf die des nächsten Jahr verschieben.

Da bin ich, nachdem die letzten Jahre seit 2013 eher rückläufig waren, wieder gut unterwegs, denn ich lese nämlich gerade in der Carine Tuil das hundertsiebzigste Buch, ein oder zwei werden es in diesem Jahr vielleicht noch werden, wow und es liegen ja im Bad in Wien auch schon die Frühlingsbücher von 2018 bereit.

Das Dummie von “Besser spät als nie” wird in Wien wohl gerade ausgeliefert werden und ich kann es mir dann wahrscheinlich am Dienstag von irgendwo abholen und durchkorrigeren, so daß das Buch demnächst hoffentlich erscheinen kann.

Da hoffe ich wieder auf eine Leserunde, obwohl die letzte zwar stattgefunden hat, aber wahrscheinlich kein so besonders großer Erfolg war und die “Unsichtbare Frau” ist natürlich auch noch zu korrigieren, die habe ich mir in Wien neu ausgedruckt und kann sie jetzt wieder druchgehen.

Ob ich die nächsten Tage dazu kommen werde, ist zwar fraglich, es eilt aber auch nicht wirklich, weil mir ja ohnehin alle zurufen “nNicht so schnell, wir korrmen mit dem Lesen nicht mehr nach!”

Nun gut, es ist,wie es ist und heute abend gibt es auch noch ein Webinar der Jurenka Jurk, damit ich 2018 zu meinem Romanjahr machen kann.

Nun da ist die “Unsichtbare Frau” zu korrigieren, eine Idee für das nächste Projekt habe ich zwar schon, aber das ist nichts wirklich Neues und ich bin ja, wie ich fürchte noch immer etwas ausgeschrieben und fange schon fast an, dem Uli zu glauben, wenn er meint, ich hätte nicht das richtige sprachliche Gespür.

Nun ja, nun ja, eine kleine Pause zum Innehalten und Verweilen bevor es wieder an das Durchstarten geht, ist in den Zwischenjahrstagen sicher gut und dann, wie aufmerksame Leser vielleicht schon vermuten, gibt es  immer noch den Adventkalender, denn weil ich eine schnelle Schreiberin bin, zieht sich der über den gesamten Dezember, also habe ich noch zwei Türchen füer meine Leser, das 29. und morgen am 30., wird es vorläufig das letzte geben.

Wer die anderen versäumt hat, hier kann man mit Llücken, die sich in den nächsten Jahren wahrscheinlich füllen werden, nachlesen was bisher geschah:

1 5 7 9 19 20 24 und 25 ein paar Goodies gibt auch. Nämlich zweimal 5, 13, 17 und 23 und wer es wissen will, die Urform meiner Nika ist auch schon in den “Dreizehn Kapiteln” zu finden.

Also da vielleicht ein bißchen nach und vorauslesen und  gemütlich in das neue Jahr hinübergleiten, mit all den Vorsätzen, wie es besser werden kann, einen Verlag finden, einen Preis gewinnen, endlich einmal den ultimativen Bestseller schreiben etcetera etcetera….

Die Wirklichkeit wird und hat mich auch schon eingeholt, ist da nämlich gestern ein Brief von den “Manuskripten”, der Literaturzeitschrift, an die ich früher meine Sachen immer hingeschickt habe und die ich schon seit langen, als Abo der Stadt Wien beziehen, ein Brief gekommen, nein, keine Druckzusage sie wollen siebenundzwanzig Euro für das Abo von mir. Vielleicht hat da, weil wir ja eine neue Regierung haben, die Stadt Wien schon eingespart.

Ich habe angerufen, um mich zu erkundigen, konnte aber zwischen den Jahren natürlich niemanden erreichen.

Das Wetter hat viele Haare

Jetzt kommt der bei “Kremayr&Scheriau” erschiene Erzählband, der 1975 geborenen Renate Silberer, die ich, glaube ich, aus der “Alten Schmiede” und den “Lockstoffen” kenne, der eigentlich keiner ist, handeln die elf Geschichten, die durch kurze “Momentaufnahmen” verbunden sind, doch von den Geschwistern Annemarie und Konrad und sind, wie im Klappentext steht, oft”traumhafte Momene und Spuren der Erinnerung, die zu einem neuen Bildführen.”

Eine Hilda gibt es auch, die ist von irgendwo weither zu ihrer Cousine Ester in die Stadt gekommen, um mit ihrer Krankenschwesternausbildung Gld zu verdienen. Jetzt lebt sie in einem großen Haus mit ihrem Mann und möchte gerne mit “Deckweiß” die grauen Stellen in ihrem Zimmer bemalen.

Sie gibt aber auch Annemarie Interviews für deren Dissertation, dazu treffen sich die beiden in einen Cafe und die “Münder” und die “Zungen” spielen in den Geschichten auch eine große Rolle.

Konrad besucht das Haus des Großvaters und blättert in alten Familienaufnahmen. Franziska die Urgroßmutter mußte ihren Sohn weggeben, hat ihn später aber wieder zurück auf den Hof geholt und Ester und Hilda gehen tanzen. Ester die sich von Manfred trennen will, betrinkt sich dabei und während sie ihren Rausch auschläft, kommt Manfred in die Küche und Esters Kleid das jetzt Hilda trägt, wird dabei zerrissen.

Birgit Birnbacher hat mit “Wir ohne Wal” einen Roman geschrieben, der aus lauter Kurzgeschichten besteht, der durch die handelnden Personen verknüpft ist und der mich dadruch sehr verwirrte.

Hier scheint es anders zu sein, denn man kann, die im Buch ausgewisenen sehr poetischen surrealen Erzählungen durchaus zu einer Romanhandlung verknüpfen, wie man auch bei “Amazon” nachlesen kann und sich wieder einmal die Frage stellen, was ein Roman eigentlich ist und wie weit Geschichten ineinander verwoben sein müßen, um zu einem solchen zu werden?

In “Flugzeuge” treffen wir jedenfalls auf Hanni und Karli in deren Garten ein Flugzeug abstürzt, eine sehr poetische Geschichte und in der nächsten “Vor dem Verschwinden” taucht eine schwangere Ich-Erzählunerin auf und kommt nach Hause. Später begreift man, daß es Annemarie ist, die eine Freundin namens Hanni hat, die zwei Geschichten weiter ihr erstes Kind Mareike gebärt. Dazwischen gibt es noch eine Konradgeschichte, wie der mit seinen zwei Töchtern ins Elternhaus zurückkommt, die Kinder wollen nicht essen, der Sohn liest seine alten Tagebücher und den Karli, der eigentlich ein Charly oder Karl sein möchte, treffen wir in der nächsten Geschichte wieder.

Zu Mareike kommt auch noch die kleine Leni und in der Wohnung gibt es Schlangen und das du, zu dem die Mutter Annemarie immer spricht ist Manfred und der hatte ja einmal etwas mit einer Ester und in der letzten Geschichte sind die beiden getrennt.Annemarie zieht mit den Kinder aus, verdingt sich durch Bügelarbeiten und die Eltern können sie leider nicht unterstützen.

Sehr poetisch, die romanhaften Geschichten der Renate Silberer, die aus dem Buch auch bei der “Buch-Wien” gelesen hat, Preise und Stipendien gewonnen hat und ich wieder einmal sehr gespannt bin, was ich von der Autorin noch hören und lesen werde können.

Und zum Adventkalender geht es hier 5 7 9 19 20 24 25 29 30.

Ein paar Lücken in der Handlung gibt es also noch, in ein paar Jahren wird es hier wahrscheinlich alles im Dezember zu lesen geben und für ungeduldige habe ich noch ein paar Exemplare, die man bei mir bestellen kann.

Weihnachtsretreat

Es ist soweit, der vierundzwanzigste Dezember, ein Sonntag, ich kann mich gar nicht erinnern, den schon einmal an einem Sonntag erlebt zu haben, wo alles ein bißchen anders ist und sich der Wirtschaftsbund mit dem Erzbischof darüber streitet, ob jetzt die Geschäfte offen haben dürfen oder nicht?

Wir sind seid Donnerstag Abend in Harland und vorher war es in meiner Praxis ein wenig hektisch, denn ich glaube, neun Stunden und einmal Diagnostik. Zum Glück wurden die nach fünf, aber alle abgesagt, so daß wir schon um neun oder so mit dem Laptop und der Büchertasche, ein Packerl für die Anna war auch dabei, in Harland waren und vom Ouzo gleich gegrüßt wurden.

Fünf frei Tage und dann kommt der Abrechungsstreß und wahrscheinlich dreimal ADHD-Diagnostik hintereinander, aber jetzt ausschlafen und sich erholen, denn ich bin ja noch immer ein bißchen krank.

Fünf Bücher habe ich mir zum Lesen mitgenommen, ja die Leseliste ist noch lang, obwohl jetzt schon die Frühjahrsbücher kommen und meinen Text, meine “Unsichtbare Frau” habe ich ja auch zum Korrigeren. Also fünf Tage Writerretreats, obwohl wir in Harland wie ja schon öfter beschrieben, so unsere Rituale haben.

Am Samstag Markt und der war diesmal besonders voll, obwohl die Doris Kloimstein in Innsbruck, aber den Herbert von der Wandergruppe haben wir dort getroffen und mit ihm Kaffee getrunken und dazwischen habe ich meine “Frau” auf   48 857 Worte hinunterkorrigiert, bin die hundertdrei Seiten, die das Ganze in  fünfunddreißig Szenen jetzt hat, einmal durchgegangen.

Alle Szenen sitzen noch nicht, kann ich meinen Kritikern gleich verraten, sonst finde ich es nicht so schlecht, aber ich bin sehr politisch, sehr realistisch, mit dem Erzählen übe ich mich auch und mit der schönen Sprache habe ich es wahrscheinlich noch immer nicht so.

Mal sehen, die Feiertage liegen ja heuer günstig, Montag, Dienstag ist ja auch noch Zeit zum Korrigieren, bevor es wieder nach Wien geht und ich mir das Ganze ausdrucken kann.

Die Rudolfshöhe ist diesmal bis zu Silvester geschlossen, Radfahren werde ich warhscheinlich trotzdem ein bißchen und der Alfred bereitet jetzt gerade das Gansel mit dem Rotkraut und den Knödel zum Sonntagsschmaus.

Den Christbaum im unteren Wohnzimmer haben wir gestern geschmückt, die Kekse und das Früchtebrot sind eingekauft, früher hat sie der Opa gebacken und um fünf wird es wahrscheinlich wieder die Bescherung geben, wer sich die eZit bis dahin versüßen will, kann mit mir ein bißchen in das Jahr 2015 zurückschauen, denn ich öffne wieder ein Adventkalenderfenster.

“Donnerstag, 24. Dezember

Dann war es ihr trotz aller besten Vorsätze nicht gelungen in der Mittagspause alle Geschenke zu besorgen, wie sie am Donnerstag dachte, als sie auf die Uhr schaute. Es war kurz vor eins. Eine Stunde war sie noch im Dienst. Um zwei schloß das Kaufhaus, wie auch alle anderen Geschenke, um vier sollte sie sich mit Ruth und Vera treffen, um zu den Eltern hinauszufahren und in ihrer Wohnung lag nur eine Bonbonniere für die Mutter und eine Flasche Whisky für den Vater. Die Bücher, die sie für Ruth und Vera besorgen wollte, fehlten, denn die waren in ihrem Kaufhaus nicht zu bekommen. Dazu müßte sie sich in den “Thalia” oder in das Buchgeschäft das schräg gegenüber lag, begeben. Das war sich gestern nicht mehr ausgegangen, obwohl sie sich bemüht hatte. So war sie um zwölf im Anzug und mit Mütze in den “Merkus-Markt” gegangen, hatte sich dort eine Leberkäsesemmel für den Hunger, den Whisky und die Bonbons besorgt. Da war sich noch ein Schokoladeweihnachtsmann für Jessica ausgegangen, wie sie befriedigt dachte, als sie sich mit ihren Beutestücken in die Schlange vor die Kasse stellte, die sehr lang war und die Einkaufskörbe ihrer Vorkäufer sehr gefüllt, so daß es über zehn Minuten gedauert hatte, bis sie an die Reihe gekommen war und da war ihre Mittagspause fast vorbei. Trotzdem hatte sie es sich verdrießen lassen, in das Kaufhaus zu gehen, um den geplanten Strampelanzug für Zoe-Philippa zu besorgen, als sie sich aber über an der Infotafel erkundigen wollte, wo sie die Babyabteilung fand, war Widerling Seidler neben ihr gestanden und hatte auf seine Uhr geschaut.

“Schon fünf nach eins, Frau Magister und Sie stehen noch nicht auf der Straße?”, hatte er seinem Spottnamen Ehre machend, gefeixt.

“Oder sollten Sie die Mittagspause verspätet angetreten haben? Und was sehe ich, Sie haben noch einige Päckchen, die Sie besser in der Garderobe verstauen sollten! Husch, husch, auf die Straße, Ihr Dienst ist noch nicht vorbei! Noch haben wir einen Einkaufstag und den Tag vor dem heiligen Abend sollte man nicht unterschätzen, wie uns die Marktanalysen lehren! Denn da wollen alle einkaufen, die bis jetzt noch nicht dazu gekommen sind!”, sagte er mit einem Blick auf die Bonbonniere und die Whiskyflasche, die aus Nikas Einkaufssack ragte.

Beim “Merkur-Markt” haben Sie auch noch eingekauft! Das sehen wir nicht gern, daß Sie unsere Konkurrenz bemühen, damit können Sie nicht auf die Straße! Also, husch, husch, in die Garderobe und dann auf die Straße, wenn Sie wollen, daß ich Ihr Minus übersehe und ich Ihnen keinen Schlechtpunkt eintrage!”, hatte er gedroht und Nika hatte sich verkniffen, ihn zu fragen, ob er sie dann bei der Nachweihnachtsfeier ausladen würde und nur Dragana Nikolic zugewinkt, die zu ihr hinübersah und sie mitleidig anlächelte.

“Aje, aje, Chef!”, hatte sie geantwortet und von ihm wissen wollen, ob er schon alle Geschenke beisammen habe Widerling Seidler hatte ihr nicht geantwortet und auch höchstwahrscheinlich keinen, der ein Geschenk von ihm wollte. Obwohl er, das war nicht zu übersehen, einen Ehering an der Hand trug.

“Die arme Frau!”, hatte sie gedacht, als sie in die Garderober gehetzt war, den Sack in ihrem Spind neben dem Buch von Clemens Setz gestellt hatte und überlegte, daß sie ihrer Nachbarin auch ein Geschenk bereiten mußte. Was sollte sie für sie besorgen? Ein Buch kam für die Büchersammlerin wohl nicht in Frage, aber wenn sie solche für die Schwester und für Vera besorgen wollte, wäre sie am richtigen Ort, dachte sie und schaute noch einmal auf die Uhr. Zehn nach eins! In fünfzig Minuten schlossen die Geschäfte, ihr Dienst war vorbei und Widerling Seidler konnte sie mal kreuzweise, denn sie wollte ohnehin nicht als Osterhäschen in der Karwoche in einem braunen Plüschanzug mit zwei großen Ohren über die Mariahilferstraße hüpfen. Das würde sie sich sparen und ihre Dissertation sollte bis dahin schon fertig sein, so daß sie dann wahrscheinlich auf der Suche nach einem unbezahlten Praktikumsplatz war und keine Zeit für solche Späße hatte und jetzt würde sie mit ihrem Sack in dem die letzten Zettel und die letzten Süßigkeiten steckten, langsam die Mariahilferstraße hinuntermarschieren und beim “Weltbild” eine kleine Pause machen. Das konnte ihr Widerling Seidler nicht verwehren, dachte sie aufmüpfig und steckte einem kleinen Mädechen ein “Stollwerck” zu. Überhörte, daß die  entnervte Mutter, die sich selber in einem Geschenknotstand zu befinden schien “Du sollst doch nicht so viel Süßes essen, Margareta! Denk doch an heute Abend!”, rief, sondern atmete durch und antwortete “Keine Sorger, gnä Frau, die Weihnachtsfrau ist schon da und von ihr darf  Margareta ein “Stollwerck” nehmen! Sagt man doch, einmal ist keinmal und der Weihnachtsfriede ist schon angebrannt!”

Überhörte auch das empörte “Skandal!”, der Mutter und lächelte sie betont fröhlich an. Dann hatte sie deas Buchgeschäft erreicht und lief in die Sachbuchabteilung. Ein Babypflegebuch für Ruth und etwas Psychologisches für Vera. Da war schon etwas über das “Helfersyndrom” und einen “Wien-Führer” für Fatma Challaki und Hassan Arawani konnte sie auch besorgen. Denn daraus ließ sich sicher ebenfalls Deutsch lernen und richtig, den Bücherschrank würde sie Fatma empfehlen, das war bestimmt ein geeigneter Ort für die syrische Germanistikstudentin.

“Vierzig Euro achtzig, Weihnachtsfrau!”, forderte eine sichtlich erschöpfte Verkäuferin von ihr. Nika zuckte leicht zusammen und blickte auf den letzten Fünfzigeuroschein in ihrem Portemaonnaie. Da ging sich wohl ein Strampelanzug für Zoe-Phillipa nicht mehr aus und sie hatte ohnehin keine Zeit mehr einen solchen zu besorgen, denn am Westbahnhof würde sie den nicht bekommen. Also nach dem Sonderangebot greifen, das an der Kassa lag. Ein kleines Bilderbüchlein mit einem Weihnachtsmann am Cover, um neun Euro achtzig. Das ging sich gerade aus, weil noch ein paar Euro Münzen in ihrem Geldfach lagen, die sich vielleicht in einen Weihnachtsstern für Laura Augustin verwandeln ließen. Dann fehlte zwar noch die Flasche Wein, die sie Max Schröder mitbringen hatte wollen und für Harald hatte sie auch noch kein Geschenk.

“Uje, uje!”, dachte sie noch einmal erschrocken und hoffte auf ein Geldgeschenk von ihrer Mutter, mit dem sie am ersten Weihnachtsfeiertag wchnell auf den Westbahnhof fahren  konnte.

“Frohes Fest, Weihnachtsfrau!”, wünschte die Verkäuferin, steckte die Bücher in ein Säckchen und hielt ihr den Kassenzettel hin.

“Ebenfalls!”, antwortete Nika wieder fröhlich und dachte daran, daß sie die Geschenke eine halbe Stunde vor Widerlich Seidler verstecken mußte. Am brsten steckte sie sie in ihren Weihnachtssack in dem sich ohnehin nur mehr wenig Werbematerial befand. War es jetzt doch schon fünf nach halb zwei und die, die sich immer noch auf der Mariahilferstraße befanden, hatten für sie und ihre Werbezettel wahrscheinlich ohnehin keine Zeit.”

 

Was bisher geschah gibt es in Fragmenten hier zu lesen 1, 5, 7, 9, 19, 20 beziehungsweise auch hier, hier, hier und hier und das nächste Fensterchen öffnet sich schon morgen.

Frohes Fest wünsche ich noch allen meinen Lesern und Leserinnen und hoffe ihr habt es schön und werdet die gewünschten Geschenke bekommen!

Zwanzigster Dezember

Obwohl auf der Uni schon Ferien, war heute wieder das Partisanenliteratur-Workshop in der Dokumentationsstelle für ost- und mitteleuropäische Literatur. Herr Eder hat mir jetzt den Rest von Ladislav Mlackos “Engelchen” geschickt. Das werde ich in den Weihnachtsferien lesen, bis jetzt bin ich noch nicht datz gekommen.

Also haben wir am Nachmittag wieder nach Sujetketten gesucht und danach bin ich nach Grinzing hinausgewandert, das heißt eigentlich nur bis zur U-Bahn Station Währingerstraße, weil wir uns da zu einer Weinverkostung bei Herrn Fischer von der Firma Marimport getroffen haben und weil dazu nicht besonders viel Literarisches zu schreiben ist, gibt es hier wieder ein Adventkalenderfenster.

Das 1. 5. 7. 9. und 19. gibt es auch schon und hier voila:

“Sonntag, 20. Dezember

Am Sonntag prangte, wie erwartet ein prächtiger Adventkranz mit einer roten Schleifen, goldenen Kugeln und vier brennenden Kerzen hinter dem Kalenderfenster und Nika hastete, nachdem sie, um halb zwölf aufgewacht war, in die Küche, um nachzuschauen, was im Kühlschrank zu finden war? Denn sie war gestern nicht zum Einkaufen gekommen und jetzt war sie auch nicht in der Stimmung zum West oder Hauptbahnhof zu fahren, um in den überteuerten Supermärkten, die dort zu finden waren, das Mittagessen zu besorgen. Das war der Nachteil der Berufstätigkeit, beziehungsweise das Risiko einer Weihnachtsfrau, die zwar die anderen zum Konsumieren verlocken sollte, selbst aber keine Zeit dazu hatte. Kaffee war im Küchenkasten aber zu finden und im Eisschrank war ein Rest Milch. Zwar nicht viel und die war schon abgeflaufen, aber für das Frühstück reichte es und dann würde sie Spaghetti kochen. Befanden sich doch solche in einem Einweckglas und eine Dose Sugo gab es auch! Das Mittagessen war gerettet und um fünf würde sie sich mit Harald Schwabeneder, der ihr interessante Neuigkeiten versprochen hatte, in dem Cafe, das sich am Dach der Hauptbücherei befand, treffen und da konnte sie sich zum Punsch einen Schunken-Käsetoast bestellen und würde nicht verhungern. Dreieinhalb Arbeitstage noch, dann war ihr Weihnachtseinsatz vorbeil. Sie würde sich ihr Geld vom Konto holen können, wenn das Kaufhaus schon überwiesen hatte und braucht nicht zu kochen, da sie mit Ruth und Vera bei ihren Eltern in Gänserndorf, wo diese seit Papas Pensionierung wohnten, feiern würden und die Lachsforelle, die die Mutter versprochen hatte, klang verlockend. Da würde es auch Weihnachtskekse geben, denn die Mutter war eine hervorrrragendende Konditorrin, dachte Nika und griff nach der Dose, in der sich noch die Reste von denen befinden mußten, die sie vor zwei Wochen gebacken hatte. Drei müde Stück waren noch vorhanden, zwei Vanilllekipferln und eine verünglückte Rumkugel. Die in den Kaffee getaucht. Die Spaghetti würde es später geben. Durschen und Anziehen würde sie sich später, denn heute war ihr freier Tag und sie vom gestrigen Kampfshopping müde und erschöpft.

“Das war der stärkste Einkaufssamstag!”, hatte Dragana Nicolic zu ihr gesagt, die sie am Abend in der Personalgarderobe übrhtrtoffen hatte und die auch sehr erledigt ausgehesehen hatte.

“Dreieinhalb eher schwache Tage noch, dann ist es vorbei!”, harte sie hinzugefügt und sich bei ihr erkundigt, ob sie schon alle Weihnachtsgeschenke besorgt  hatte? Sie hatte nicht, hatte sie doch  Zeit dazu und mußte wohl die morgendliche Mittagspause dafür opfern und sich da, statt sich in der Kantine mit Widerlich Seidler zu vergnügen, ein mitgebrachtes Leberkäsesemmel in den Mund stopfern.

“Haben Sie auch einen Brief von Herrrn Schröder bekommen? Was halten Sie davon?”, hatte Jessicas Mutter gefragt und ihr das gleiche blaue Kuverrt hingegengestreckt, das ihr die Kleine am Vormittag übergeben hatte.

“Herr Schröder ladet mich und Jessi am Vormittag zu einer Weihnachtsfeier ein  und Sie sollen auch dabei sein”, fügte sie hinzu und Nika hatte Daragan Nikolic geaworet, daß sie kommen würde.

“Denn wissen sie, am Heiligenabend bin ich mit meiner Scwester  und deren Freundin bei meinen Eltern! Am Christtag hat mich die Freundin einer Freudin eingeladen! Am Stefanitag habe ich aber noch nichts vor und komme gern, denn ich habe mich in den letzten Wochen sowohl mit dem alten Max, als auch mit ihrer Tochter angefreundet”

“Dann sind Sie versorgt und werden nicht einsam sein!”, hatte Jessicas Mutter vermutet und hinzugefügt, daß sie sich für Jessi freue.

“Ich habe Ihnen doch erzählt, daß die Kleine darunter leidet, daß sich ihr Vater nicht um sie kümmert. Ich habe mich vor zwei Jahren von ihm getrennt, weil er mich mit seiner Bürokollegin betrogen hat! Die hat ihm jetzt den kleinen Dominik, Jessicas Halbbruder, geboren und seither scheint er vergessen zu haben, daß er eine Tochter hat und wenn Sie es Jessi nicht erzählen, kann ich Ihnen verragten, daß ich den “Legobaukasten”, den sie sich wünscht, besorgt habe und ihr notfalls vorschwindeln werde, daß er von ihrem Vater ist,  wenn sich der Marco nicht meldet! Das darf ich doch und ist nicht gelogen?”, erkundigte sie sich dann erschrocken bei der Weihnachtsfrau, die nickend geantwortet hatte, daß sie denke, daß sie das schon könne?

“Eine kleine Weihnachtsschwindelei ist des Weihnachtsfriedens wegen sicherlich erlaubt!”

Das dachte sie auch jetzt, als  das letzte Vanillekipferl im Mund verschwunden war und sie das Wasser für die Sphaghetti aufsetzte. Um fünf würde sie Harald treffen und mit ihm ins Cafe am Dach gehen. Welche Neuigkeiten, er wohl für sie hatte? Es gab doch keine besonderen, hatte sie doch eben erst mit ihrer Schwester telefoniert, um sich einen Treffpunkt für die Fahrt nach Gänserndorf auszumachen und die hatte ihr verraten, daß ihr davor graue.

“Denn weißt du, Schwesterchen, ich habe den Schwangerschaftsblues! Zumindestens nennt Vera das so und muß schon kotzen, wenn ich nur an die fette Lachsforelle und den Teller mit den Weihnachtskeksen denke. Meine Frauenärztin meint zwar,  das ist normal und macht jede Schwangere durch! Aber bei uns ist in letzter Zeit mehr als das fröhliche Weihnachtskotzen angesagt! Setzt mir das Jugendamt doch wegen Joe Prohaska zu! Die Mama und der Papa schauen Vera noch immer scheel an und werden sich sicher nicht entblöden, mir zuzuflüstern, wie nett  doch ein Vater für Zoe-Philippa wäre und die Mama hat in irgendweiner Gratiszeitung ein Bild von ihm gesehen und hört nicht auf, mir vorzuschwärmen, was für ein toller Mann der gute Joe ist und, daß er sicher ein hervorragender Vater wäre”

“Das mußt du nicht so ernst nehmen!”, hatte Nika die Schwerster geröstet und an den sich betrinkenden Joe Prohaska gedacht, der bei der Premierenfeier, kein besonderes Vorbild abgegeben hatte.  Gut, das war der Zorn auf ihre Schwester gewesen, daß er sich betrunken hatte. Aber wenn sie das dem Jugendamt meldete, ließen die die Idee von der geteilten Vormundschaft vielleicht fallen und Ruth in Ruhe, dachte Nika und war sich nicht sicher, ob sie nicht Joe Prohaska verpetzen solle?  Ob das von einer Weihnachtsfrau erwartet wurde? Die Spaghettti hatten aber gut geschmeckt! So hatte sie um vier uhr Nachmittag doch die Zähne geputzt und sich unter die Dusche gerstellt. War in Jeans und eine blaue Bluse geschlüpft. Saß eine halbe Stunde später Harald Schwabeneder gegenüber, schaute auf den Gürtel und lächelte ihn verliebt an, als sie ihm Max Schröders blauen Brief entgegenstreckte und sich erkundigte, ob er Lust hätte mit ihr zu einer weihnachtlichen Jause am Stefanitag zu kommen?

“Würde ich sehr gern, aber da hat mich meine Mama zu einem Oma und Tantenbesuch in ein Altersheim verdonnert!”, sagte er bedauernd.

“Aber am Christtag komme ich natürlich zu der Freundin deiner Freundin mit und passe auf, daß ihr der junge raker und der alte Deutschlehrer nicht zu nahe kommen!”

“Und ich passe auf dich auf!”, antwortete Nika lächelnd, hob ihr Punschglas und wollte von ihm wissen, welche Neuigkeiten zu erwarten seien?

“Diese da, Weihnachtsfrau!”, rief Harald Schwabeneder fröhlich und zeigte auf das Paar, das zwei Tische weiter saß und verliebt Händchen hielt.

“Was sagst du, zwischen Doro Zelinski und Joe Prohaska hat es gefunkt und die Schauspielerin, die ich vorgestern zu interviewen die Ehre hatte, hat mir auch verraten,  daß sie Single ist und gerne Mutter werden möchte!

“Ich bin nicht lesbisch und lebe auch nicht in einer Frauenbeziehung!”,  hat sie noch dazu gesagt und von mir wissen wollen, ob ich glaube, daß sie sich auf ihren “Faust” einlassen könne und ob er der Drohbriefschreiber sei? Da habe ich sie beruhigen können, denn mein Freund Konfrad, den ich ebenfalls getroffen habe, geht von einem Nachahmungstäter aus und die Polizei hat auch einen Psychopathen im Visier, der das schon öfter machte!  Also habe ich die gute Doro beruhigt und jetzt treffen wir sie hier mit Joe Prohaska, das ist doch interessant!”, hatte Harald Schwabeneder ausgerufen und die Hand gehoben, um ihm und Dorothea Zelinski zuzuwinken. Dann beugte er sich zu ihr, zog ein kleines Weihnachtsengerl aus der Tasche, das er ihr mit strahlednen Lächeln überreichte und behauptete, daß es ihr Schutzengelchen sei und auf sie aufpassen würde, wenn sie sich am Weihnachtsabend nicht sehen und erst am Christtag Weihnachten feiern könnten.”

So und das nächtste Adventkalenderfenster, wird es wahrscheinlich am 24. geben.

 

Weihnachtsfeier in der Dokumentationsstelle für ost- und mitteleuropaische Literatur

Die Dokumentationsstelle für ost- und mitteleuropäische Literatur kenne ich seit der Zeit, als  der 1961 in Magdeburg geborene Stephan Teichgräber von dort, die Organisation der literarischen Veranstaltungen der Szene Margareten übernommen und mich dazu eingeladen hat.

Das war glaube ich 2004, ich hätte aber schon 2002 dort lesen sollen, damals hat mich eine sozialistische Bezirksrätin zur Lesung eingeladen, ich hab vergessen nach dem Honorar zu fragen und die damalige Leiterin der Bibliothek bzw. der Herr Winter von der SPÖ hat mich, als ich mich danach erkundigt habe, wieder ausgeladen, obwohl die Einladungskarten schon gedruckt waren.

Dann gabs aber Honorar und ich habe aus “Tauben füttern” gelesen. Stephan Teichgräber hat mich, glaube ich, interviewt und nach den italienischen Krimis gefragt und er hat auch ein paarmal die “Goldene Margarete”, den Lteraturwettbewerb der Szene Margareten organisiert.

Da standen viele ost- und mitteleuropäische Autoren, wie beispielsweise Milena Oda auf dem Programm, die gar nicht anwesend waren, weil  keine Übernachtungs- und Fahrtkosten bezahlt wurden und eine Zeitlang habe ich von Stephan Teichgräber auch Mails über die Aktivitäten der Dokumentationsstelle bekommen.

Dann darauf vergessen, beziehungsweise, als 2009 der Osterspaziergang des ersten Wiener Lesetheaters durch Margareten zog, waren wir dort und Stephan Teichgräber habe ich meistens auch von bei den GVs der IG Autoren gesehen und auch bei dem Fest des Hauptverbandes zu dem mich die Frau Führer einmal eingeladen hat.

Dann habe ich wieder Einladungen zu Veranstaltungen der Dokumentationsstelle bekommen, war bei einer Zeitschriftenpräsentation und beim literarischen Lenz im Theaterbrett und im vorigen Semester habe ich sozusagen in einem Privatissmum mit ihm die Literartur des Centropes untersucht und dieses Semester geht es um die Partisanenliteratur, die wir zu dritt besprechen, ein Luxus und auch ein Kleinod des Margaretner Literatur und Kulturlebens, das ja sehr vielfältig ist.

Da gibt es den “Read!!ingroom”, die “Dokumentationsstelle”, die in einem Teil des Kindergartens der Kinderfreunde in der Spengergasse untergebracht ist und sicher noch sehr viel und vor zwei Jahren habe ich ja am siebzehnten Dezember meine noch unveröffentlichte “Nika” im “Read!!ingroom” präsentiert und heuer am neunzehnten gabs in der Dokumentationsstelle eine Weihnachtsfeier und weil ich ja auf Weihnachtsfeiern stehe, aber natürgemäß nicht zu sehr vielen eingeladen werde, bin ich auch hingegangen und weil ich ich meiner Handtasche mit dem Weihnachtsmotiv, die ich  im Dezember verwende, die “Nika” in der Tasche hatte und aus der auch am 7. Dezember, als mich Anton Blitzstein zu seinem achtunfünfzigsten Geburtstag eingeladen hat, gelesen wurde, habe ich mir gedacht, ich bringe Stephan Teichgräber außer einer Flasche Wein, zum Essen und zum Trinken sollte man was mitnehmen, auch die “Nika” mit und wenn es gewünscht wird, lese ich den neunzehnten Dezember vor, das Fenster, das es im “Literaturgeflüster” schon gibt und das ich hiermit auch verlinke.

Um sechs hats begonnen, ich hatte um fünf ein Erstgespräch, wo ich gleich den Antrag geschrieben habe, so daß ich erst um halb sieben in der Dokumentationsstelle war. Es waren aber ohnehin erst Stephan Teichgräber und eine Dichterin aus Weißrußland da, die mir sagten, daß die meisten erst um sieben kämen.

Es gab einen Adventkranz, Börek, Brötchen, Kuchen, Kekse und und, das neunzehnte Fenster wurde gelesen und die neue Regierung bot auch Gesprächsstoff, ein wahrscheinlich nicht sehr weihnachtlichter, es war aber heute kalt und als ich die Dokumentationsstelle wieder verlassen habe, hat es auch geschneit.

Und zur Vollständigkeit, für die, die sich in den Adventkalender vertiefen wollen.

Das 1. 5. 7. und 9. Fenster war schon dran, am 24. wirds wahrscheinlich das nächste Fenster in diesem Jahr geben, die vom 25. 29 und 30. Dezember werden auch noch kommen und wie es weitergeht, mal sehen, ich bin gespannt.

Wer das ganze Buch lesen und vielleicht zu Weihnachten verschenken will, bei mir melden, ich habe noch ein paar Exemplare.

Winterschwimmer

Nun kommt das zweite Weihnachtsbuch der Saison, die bei “Aufbau” erschienenen “Weihnachtsgeschichten” des 1962 in Berlin geborenen Alexander Osang, der in Leipzig Journalistik studierte und nach der Wende als Chefreporter bei der “Berliner Zeitung” gebarbeitet hat.

Die vierzehn in dem Buch enthaltenen Geschichten sind mit einer Ausnahme schon in der “Berliner Zeitung” erschienen und handeln in Zeiten der Bankenkrise, des Neoliberalismus und ähnlichen Erscheinungen im ehemaligen DDR-Gebiet in der Weihnachtszeit.

Die Helden steht im Klappentext haben die “besten Zeiten schon hinter sich”, das dürfte sich wahrscheinlich aufs Alter beziehen, obwohl es sich  auch um Vierzighährige handelt und sie sind eigentlich Angehörige durchaus erfolgreicher Berufe, wie der Immobilienmakler, der  vorm Weihnachtsabend einer anderen Maklerin seine eigene Wohnung verkauft oder ihr den Schlüßel überläßt und sich mit einem Schlafsack in die Dachgeschoßwohnung zurückzieht, die er vorher zwei Interessierten gezeigt hat und, die sich sich vermitteln läßt.

Sehr skurille Geschichten also, die von Ausgeschlossenheit, Langeweile, Überdruß am schönsten Tag des Jahres handeln, die aufhorchen lassen und das Leben wahrscheinlich so zeigen, wie es  ist, wenn die Weihnachtsgass ein wenig angebrannt ist und der Christbaum schief, wie  in der Geschichte von den “Weißenseer Wölfer”, das sind die Geschäftsleute rund um den Weißensee, die von ihrer Bank zu einem “Weihnachtsbaumschlagen” eingeladen wurden. Das heißt, sie ziehen mit einer Säge  in das abgegrenzte Waldgebiet, die Frauen warten beim Lagerfeuer und beim Wunsch und drinnen im Wald erweist sich die Konkurrenz, die es eben im Neoliberalismus gibt, wo man im Kampf unbedingt um jeden Preis, den schönsten Baum zu bekommen, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht.

“Die Schneekönigin” ist eine Fernsehmoderatorin, die mit ein paar Freundinnen ein heruntergekommes Schloß aufgekauft hat und dort Weihnachten verbringen will. Sie geht mit ein paar Gläsern Champus in die Sauna, wirft sich dann in den Schnee, wie das eben so üblich ist, kann dann aber  nicht mehr in die Anlage hinein, soß daß sie dann in einem Müllsack gewickelt sich sozusagen auf Herbergsuche begeben muß, weil eben heute jeder aus Angst vor dem Fremden den Hilfesuchenden die Tür verschließt.

Dann erfährt einer, während des Christbaumeinkaufes, daß sein Vater in Thailand gestorben ist und muß in der Heiligen Nacht nach Bangkog zur Identifizierung fliegen und bei der “Kette” wird es besonders arg. Da bringt ein Vorgesetzter nach der Weihnachtsfeier im Taxi eine junge Angestellte nach Haus, läßt sie aber aussteigen und will nichts von ihr, sie hat aber seine Jacke, wil ihr kalt ist und in der ist eine Kette von seiner Mutter, die er seiner Frau schenken soll. Sie hat die Jacke aber schon in die Caritas Box geschmissen. Er bekommt sie nicht mehr zurück, wird als er den Container aufstemmen will, gefilmt, das Video wird ins Internet gestellt und er verliert, wie beim “Fegefeuer der Eitelkeit” keine Frau und seine Stellung.

In “Weißes Rauschen”, geht es zu einem Rundfunkmoderator, der am Heiligen Abend Platten auflegt, die Anrufer fragt, ob sie einsam sind und sich dabei lächerlich macht und dann  geht es in eine Altersheim und zu einem Pfleger, der dort Nachtdienst hat und dem ein Patient  stirbt. Alles nicht sehr weihnachtlich, aber durchaus realistisch und sehr beeindruckend geschrieben.

In “Drei deutschen Eichen”, geht es um eine Reihenhausanlage in Florida, in die sich hauptsächlich deutsche Rentner eingekauft haben, dort ihre private Sicherheitsarmee aufgebaut haben und nun bersprechen, ob es sinnvoll ist Saddam, der gerade gefangengenommen wurde, zu erschießen?

Sehr eindringlich und überraschend auch die nächste Geschichte, die in Berlin Mahrzahn spielt, in dem ein neues Flüchtlingszetrum gebaut werden soll, wogegen die Bürger jeden Montag demostrieren, so daß die Polizei schon die Baustelle, beziehunsweisen den Sportplatz, der sich dort befindet, bewachen muß.

Held ist Lars Petzold mit seinem Hund Pieck, der nach einem nicht so unsympathischen DDR-Politiker heißt, denn ein Hund namens Honecker geht ja nicht und der geht nicht Zigarettenholen, nein, denn das darf man in politisch korrekten Zeiten ja nicht mehr, trotzdem ist er mit allem unzufrieden.

Er ist Pressesprecher bei der Bahn und seine Frau schenkt und kocht ihm alles, was er nicht will. Die Fischsuppe zu Weihnachten beispielsweise, obwohl er Fische haßt, wie das Holzfällerhemd, den Rucksack, etcetera.

Er geht mit Pieck mal raus oder nein, er geht schon mit ihm zum Kiosk des Herrn Wang, um von ihm eine Zigarette zu kaufen, weil er ja offiziell nicht mehr raucht.

Der schenkt ihm, weil Weihnachten ist, zwei und so tappt er mit einer am Ohr, die andere im Mund in ein Fensehteam, das von ihm wissen wil, was die Bürger zu dem Flüchtlingsheim sagen und seine Frau Cathrin hat ihm fünf Minuten nachgeschaut, bis sie ganz sicher war, daß er nicht mehr zurückkommt, sich dann ein Glas Weißwein eingeschenkt und ein zweites und sich damit vor den Fernseher gesetzt und sieht nun was?

Ja, Überraschung, sie sieht ihrern Mann, in einem Hemd, das sie haßt, wie ihr auch die Fischsuppe auf die Nerven geht, die sie nur für ihn kocht. Sie bliebe lieber bei den Würstchen mit Kartoffelsalat, die sie früher gegessen haben, in die Kamera sagen “So leid mir das für Sie tut. Ich finde es richtig, dass wir uns um Flüchtlinge kümmern. Nicht nur zu Weihnachten.ich finde auch nicht, dass man die Stadtbezirke gegeneinander ausspielen sollte!” und dann fragt er noch, ob die Reporterin weiß, wer Roul Wallenberg war, nachdem der Platz heißt, wo das Heim errichtet werden soll?

“Nein!”, sagt die Reporterin.

“Wallenberg war ein schwedischer Geschäftsmann, der im Zweiten Weltkrieg vielen Juden in Ungarn das Leben rettete. Anschließend haben ihn dann die Russen verschleppt. man hat ihn nie gefunden.”, wird dann erklärt.

“Wow!”, denkt wahrscheinlich Cathrin vor dem Fernseher und richtet für ihren Mann den Aschenbecher her.

Eine tolle Geschichte, gerade wegen ihr, sollte man das Buch  lesen.

Es ist zwar schon ein bißchen knapp vor Weihnachten, aber vielleicht geht es sich noch aus, sie jemanden, der sich vielleicht auch ein bißchen bedroht und unglücklich fühlt, unter dem Christbaum zu legen und dann geht es gleich weiter mit dem Aufzeigen der neuen deutschen und wahrscheinlich auch österreichischen Wirklichkeit.

Da ist Robert Reiter, ein arbeitsloser Journalist und jetziger Besitzer eines alternativen Reisebüros.

Die Bank hat unterstützt, im Geschäft steht ein Computer, es gibt eine Milchglasscheibe, so daß man Reiter dahinter sitzen sehen kann und so  denkt sich alternative Reise aus, beispielsweise die, wie man unter 2500 Euro um die Welt reisen kann. Die Kunden buchen zwar höchsten mal ein Themernhotel und so wird er bald mal mit der Bank sprechen müssen. Da geht die Türe auf und ein Mann kommt herein, der ein Ticket nach Grönland will, um dort mit “Fräulein Smilla” den Schnee zu spren und nicht wiederzukommen und das diabolische ist noch dabei, daß es auf der Straße gegenüber, auch so ein Start-up-Unternehmen gibt, wo eine junge Frau hinterm Schreibtisch sitzt und zu ihr sieht Reiter den Mann auch noch gehen.

Ein bißchen, wie Martin Suters “Businessclass”, im Weihnachtstouch sind die Geschichten, die Alexander Osang da jährlich für seine <zeitung schrieb und haben alle einen unverwechselbaren Ton der erzählt, wie man wirklich abseits von allem Kitsch und Glammer Weihnachten feiert, etwa wenn der <mann vor sechzehn <jahre einen Schlaganfall erlitt und seither, wie “Balou” der Bär oder ein Kind durch das Leben taumelt.

Oder eine Managerin soll eine unrentable Geschäftsstelle auflösen, bekommt von ihrem Geliebten ein unverbindliches Geschenk und steckt dann ein paar Stunden, mit ihm, einem Betriebsrat und dem obersten Chef im Lift,  bevor es doch nach unten geht und der Portier fröhlich “Merry Christmas” sagt.

In der Titelgeschichte geht es, um ein Weihnachtssonderangebot einer Sauna und Schwimmbadfirma und dann schleicht sich noch einer unerkannt, als Weihnachtsmann in seine eigene Familie ein.

Sehr bedrückend und ungewöhnlich Weihnachten einmal so zu sehen, würde ich sagen und wie schon bei meiner Lieblingsgeschichte getan, das Buch als Geschenkt  empfehlen, denn es bleibt, glaube ich, ein etwas anderer Blick auf das schönste Fest des Jahres zurück, wenn man sich durch diese Geschichten gelesen hat.

Und was den Adventkalender betrifft, gibt es hier zwar kein  Fenster, aber am siebzehnten Dezember vor zwei Jahren, habe ich die “Nika” im “Readingroom” vorgestellt.

Punschtrinken und neuntes Adventkalenderfenster

Zu den Weihnachtsritualen gehört das jährliche Punschtrinken mit der Anna, wo wir regelmäßig auf den Spittelberg gingen. Dort durch den Adventmarkt streunten und dann meistens im Hof des Amerlinghauses einen Orangen- oder Ingwerpunsch tranken, der Alfred bevorzugte Feuerzangenbowle.

Jetzt wohnt die Anna aber in Harland und so sind wir am Nachmittag mit dem Bus nach St. Pölten gefahren und haben eine Weihnachtsmarktrunde gemacht.

Zuerst im Sparkassenpark, wo alles feierlich beleuchtet war und wir die Feuerzangenbowle probierten, die sehr köstlich schmeckte. Es war zwar ziemlich kalt, es waren aber überall Ofen aufgestellt, wo man sich wärmen konnte und dann sind wir noch auf den Rathausplatz gegangen, wo es traditoneller ist und wir schon einmal mit dem Karli waren. Da habe ich, kann ich mich erinnern Eierlikörpunsch getrunen, was ich wieder machte, der aber glaube ich, etwas anders schmeckte und weil das Punkschtrinken zum Advent passt, gibt es hier prompt das neunte Adventkalenderfenster und die Nika geht mit ihrem Freund  auch auf einen Weihnachtsmarkt, aber das passiert, glaube ich, erst später. Jetzt wird erst einmal die Mordsache aufgeklärt, weil es eigentlich eine Art Krimi werden sollte, obwohl ich keine Krimis schreiben kann.

“Mittwoch, 9. Dezember

Am Mittwoch prangte nicht zu übersehen, das Konterfei von Andrea Herbst auf der Gratiszeitung

“Wende in der Mordsache Kronauer? Hat Stieftichter ihren jahrelangen Peiniger erschlagen?, stand groß geschrieben und darunter teilte die Zeitung ihren Lesern mit, daß die Hausmeisterin Andrea Herbst, um halb sechs am letzten Montag das Haus betreten und an Veras Türe läuten gesehen habe. Slavica Miletevic hatte gerade den Boden aufgewaschen und so Gelegenheit gehabt, alles genau zu beobachten und das junge Mädchen, das eine große Sporttasche getragen hatte, war ihr aufgefallen, weil sie sich gewundert hatte, was ein so junges Mädchen in der Praxis einer Psychotherapeutin verloren habe?

“Aber die Welt wird immer verrückter und eigentlich wundere ich mich über gar nichts mehr!”, hatte die Frau noch hinzugefügt.

“Daß die Leute zum Zahnarzt gehen, ist selbstverständlich, aber ein so junges Mädchen sollte eigentlich keinen Therapeuten brauchen!”, hatte sie gedacht, die Achseln gezuckt und war mit ihrem Schrubber und dem Wasserkübel ein Stockwerk hinuntergestiegen, um dort weiterzuwaschen. Als sie in der Zeitung gelesenhatte, welche <patientin die Therapeutin behandelte, sei ihr erst Recht ein Schauer der Angst den Körper hinuntergeronnen und eigentlich wolle sie,  wenn sie ehrlich war, als Mutter von zwei Kindern, die oft genug allein in der Wohnung seien, nicht, daß solche Menschen im Haus ein- und ausgehen! Vorher habe sie sich nichts dabei gedacht! Aber jetzt würde sie immer Angst bekommen, wenn sie einkaufen oder in die Waschküche mußte und die Kinder allein waren! Wer weiß, was sonst noch für Leute zu der Therapeutin gingen und wenn die den Kindern auflauerten, sie verführten oder ihnen Gewalt antäten? Das wolle sie in ihrem Wohnhaus eigentlich nicht! Aber bei dem jungen Mädchen, das da die Praxis betreten hatte,  hatte  sie das nicht vermutet! Vor dem hatte sie sich nicht gefürchtet und nur “Armes Kinderl!”, gedacht. Dann hatte sie in den nächsten Tagen von dem Mordfall gelesen und sich an die Sporttasche erinnert, die das Mädchen über der Schulter hängen hatte. So ein Leuchter mit dem der Täter erschlagen worden war, hätte da sicher Platz gehabt! Sie hatte zwar keine verdächtige Geräusche aus der Wohnung gehört! das nicht, was sie auch nicht konnte, war sie doch zuerst in dem ersten Stock, dann in das Erdgeschoß hinuntergegangen und zuletzt in ihrer Wohnung verschwunden, so daß sie das junge Mädchen auch nicht das Haus verlassen gesehen hatte! Die Polizei, bei der sie ihre Beobachtung gemeldet hatte, hatte ihr das Foto von Adrea Herbst gezeigt und sie hatte sie sofort erkannt!

“Das ist sie gewesen!”, hatte sie ausgerufen! Die Gratiszeitung hatte wieder eine Schlagzeile und vermutete in Andrea Herbst die Mörderin ihres Stiefvaters.

“Hat Stieftochter ihren  Peiniger erschlagen?”, fragte sie in großen Lettern  und Nika schüttelte den Kopf, hatte sie doch gedacht, daß Peter Kronauer einem Schlaganfall erlegen war. So hatte es ihr die Schwester am Telefon gesagt und Harald, der sie wieder abgeholt hatte, hatte das auch bestätigt. Es war eindeutig ein Schlaganfall, wenn Peter Kronauer auch Spuren von diesem Leuchter im Gesicht hatte. Aber vielleicht war er darauf gefallen und Andrea Herbst hatte den Leuchter in Veras Praxis, den diese vorher noch nie gesehen hatte, gebracht? Das war eine Erklärung! So könnte es gewesen sein, dachte Nika, steckte die Zeitung in ihren Rucksack und stieg aus. Vielleicht hatte die Stieftochter ihr Trauma noch nicht bewältigt? Vielleicht ärgerte es sie auch, daß ihr Stiefvater, statt eingesperrt zu sein,  einfach einmal in der Woche zu einer Therapeutin ging? Das hatte sie in ihren vorigen Interviews so angedeutet! Das war die Erklärung und Ruth und Vera konnten aufatmen! Vera ihre Patienten weiter behandeln und Ruth hatte genug zu tun, sich mit dem Vater ihres Kindes zu einigen, beziehungsweise diesen loszuwerden und sie mußte in ihr Kostüm schlüpfen und damit auf die Mariahilferstraße hetzen.

“Hallo, Frau Magister, wie war es am gestrigen Feiertag? Gab es genug zu tun? Wie ich höre, kommen Sie mit Ihrem Job gut zurecht! Die Muttis und die Kinder sind zufrieden und loben sie sehr! Nur, daß Sie zuviel Süßigkeiten austeilen, habe ich ebenfalls gehört und darüber wollte ich mit Ihnen sprechen! Sie scheinen ein gutes Herz zu haben! Das ist an sich nicht schlecht! Da man aber sparsam sein und nicht übertreiben soll, merken Sie sich bitte, für jedes Kind ein Zuckerl, beziehungsweise ein Schokoladestückchen und die Erwachsenen bekommen das Prospekt! Das gilt auch für die alten Männer! Die Sandler und die Alkoholiker können Sie guten Gewissens irgnorieren, denn die kaufen ohnehin nicht bei uns und bitte keine Privatgespräche! Ihre Freunde treffen Sie am besten nach der Arbeit, wenn Sie dazu noch Energie haben und nicht dazwischen!”, mahnte Widerling Seidler sie, der wieder im Haus schien und sich ihr in den Weg stellte, als sie aus der Damengarderobe kam und ins Erdgeschoß wollte. Wer hatte sie verpetzt? Hatte vielleicht Rade Jovanovic sie verraten? Aber den hatte sie gestern genauso wenig wie Widerlich Seidler gesehen. Vielleicht war es eine der Verkäuferinnen gewesen oder ein Kaufhausdetektiv,  der sie am Montag mit Fatma Challaki sprechen gesehen hatte. Aber die war bald gegangen und am Feiertag waren weder sie, noch Hassan Arawani zu sehen gewesen. Nur die kleine Jessica Nikolic war gekommen und hatte, das stimmte, wieder tief in den Sack gegriffen und eine Handvoll Zuckerln herausgeholt. Dabei war sie also erwischt worden und sollte vorsichtiger sein, denn Jessica Nikolic war, wie sie sich selbst bezeichnete, eine Personaltochter! Kind einer alleinerziehenden Verkäuferin, die sich zu Hause langweilte. Deshalb war sie am Feiertag auf die Mariahilferstraße gekommen.  War aber, weil ihre Mutter Angst vor ihrem Chef hatte, nicht ins Kaufhaus, sondern zu Max Schröder gegangen, um für ihn einhzukufen  und im Haushalt zu helfen. Das konnte nicht verboten sein und ging Klaus Seidler nichts an. Also die Achseln zucken, Herrn Widerling anlächeln “Aye, Aye, Chef!”, antworten und treuherzig versprechen, das nächste Mal bei der Zuckerlverteilung nicht so großherzig zu sein!

“Wissen Sie, das ist ohnehin im Sinn der meisten Mütter,  die ihre Kinder vor dem Zahnarzt warnen und alten Männern habe ich auch nicht soviele Süßigkeiten gegeben! Nur vielleicht ein oder zweimal ist es mir passiert,  daß einer in meinen Sack greifen wollte, aber da werde ich jetzt streng sein und aufpassen!”, hatte sie geantwortet und “Wiederlich!”, gedacht.

“Eigentlich ist mein Job widerlich, wenn ich Herrn Widerlich anlügen muß, weil ich sowohl Jessica, als auch Max Schröder einen Nikolo und einen Krampus zuviel gegeben habe! Und das war alles, denn den FPÖ-Wählern, die vielleicht die Informationsträger sind, habe ich nichts gegeben und Hassan Arawani hat nichts aus meinem Sack genommen! Aber ich werde aufpassen und mich genau umschauen, wenn ich der kleinen Jessica wieder ein Zuckerl mehr gebe, was ich ganz ehrlich möchte, weil ich finde, da sich ein Weihnachtswichtel, das dem alten Max beim Einkaufen hilft, ein solches verdient hat! Aber heute ist sie in der Schule und wird vielleicht nicht kommen! Hassan Arawani ist nicht zu sehen und der alte Max ist auch nicht da! Also kann nichts passieren!”, hatte sie gedacht, als sie auf die Straße trat und sich umgesehen hatte. Dann war sie zusammengezuckt, als Klaus Seidler, der ihr gefolgt war, mit der Gratiszeitung vor ihrem Gesicht hin- und herwackelte und “Haben Sie das gelesen?”, fragte.

“Der Mordfall in der Praxis der Freundin Ihrer Schwester geht weiter! Die Stieftochter hat den Stiefvater mit einem Weihnachtsleuchter erschlagen! Wenn Sie mich fragen, ist es nicht schade, um den Kerl und eigentlich tut es mir viel mehr leid,  wenn die Kleine ins Gefängnis muß!”

“Muß sie wahrscheinlich nicht, weil sie mit Fünfzehn noch nicht straffähig ist und wenn Sie es nicht weitersagen, Herr Seidler, kann ich Ihnen verraten, was mir meine Schwester erzählt hat, die es von einem Journalisten hörte, der es von einem Polizeijuristen weiß! Peter Kronauer ist an einem Schlaganfall gestorben! Er hatte zwar Spuren von  diesem Leuchter auf der Stirn, ist aber wahrscheinlich bei seinem Sturz darauf gefallen! Die Stieftochter, die zur Zeit der Therapiestunde, offenbar die Praxis betreten hat, könnte höchstens den Leuchter auf das Klo gestellt haben! Das ergibt aber keinen Sinn und ist auch nicht so wichtig! Beziehungsweise habe ich keine Zeit darüber nachzudenken, muß ich doch meine Zettel verteilen und auf meine Süßigkeiten aufpassen, damit ich nicht zuviel vergebe, damit Sie nicht wieder mit mir schimpfen! Ich werde also sehr genau sein!”, versprach Nika hinterhältig, griff in ihren Sack und hielt eines der Prospekte einer älteren Dame hin, die begierig danach schnappte und keinen Krampus oder Nikolo von ihr haben wollte.

“Bis später also, Herr Seidler! Vielleicht sehen wir uns in der Kantine!”, versprach sie vage und überlegte, ob sie in einer stillen Minute ihre Schwester anrufen sollte, um sich zu erkundigen, was sie von dem Besuch von Kronauers Schwester in Veras Praxis hielt?”

Neugierig geworden.

Das 1. 5. und 7. Fenster gibt es hier, die vom 19. 25. 29. und 30. werde noch kommen,  vielleicht streue ich sogar zwischendurch wieder etwas ein und ein paar Schmankerl wird es am 13. und am 23. Dezember auch noch geben.

Anton Blitzsteins Geburtstag mit Nika-Lesung

Das GAV-Mitglied und Mondkalb- und Katzenzeichner Anton Blitzstein, den ich, glaube ich, durch den “Ohrenschmaus”, wo er immer einreicht und fast etwas gewonnen hätte, kennengelernt habe, aber nein, das war, glaube ich, schon vorher in einer seiner Ausstellungen, die er zum hundertsten Geburtstag des OWS gestaltet hat, hat mich zu seinem achtundfünzigsten Geburtstag eingeladen.

“Serviert werden selbstverständlich Leckereien aus der vegetarischen BlitzsteinKüche”, stand auf der Einladung und ich hatte, glaube ich, schon vor zwei Jahren eine, konnte da aber nicht kommen und habe daher nur das grüne Mousse gekostet, die es anläßlich einer anderen Ausstellung gegeben hat.

Diesmal hat es zwar auch eine Paralelleveranstaltung gegeben, nämlich das “Auge-Weihnachtsfest”, das zufäligerweise in dem Haus stattfindet, wo einmal Soma Morgenstern lebte.

Da ist diesmal nur der Alfred hingegangen, ich bin nach meiner fünf Uhr Stunde mit der  U4 nach Heiligenstadt hinausgefahren, wo Anton Blitzstein unweit des berühmten Karl Marx Hofes am zwölften Februarplatz, wie das jetzt heißt, auch in einem der schönen alten Gemeindebauten, eine Wohnung hat, die eigentlich eine Galerie mit Bett, beziehungsweise Eßtisch ist, in der alle seine Bilder hängen und ein Regal mit seinen schönen Keramikfiguren gibt es auch.

In der U-Bahn, bin ich neben einem Großvater und seinem Enkelsohn gesessen, die beide auch nach Heiligenstadt fuhren. Der Opa hat den Enkel, es war offenbar ein Erstklasser Rechnungen abgefragt. Hat dann wissen wollen, wie die Lehrerin heißt und, ob die Kinder aufstehen müßen, wenn die sie sie etwas fragt?

Nein, und die Kinder heute reden ihre Lehrer mit den Vornamen an. Dann wollte der Opa noch wassen, wann der Enkel, der offenbar bei ihm und der Oma übernachtete, schlafengehen würde?

“Um zwölf Uhr Mitternacht!”, war die Antwort.

“Das müssen wir der Oma erst beibringen!”, hat der Opa nach einer Pause gesagt.

Noch eine Pause. Dann kam vom Enkel: “Das war ein Scherz!”

So weit die kleine U- Bahn Leute Beobachtungs Anektodte. Mal sehen, in welchen meiner Bücher das einmal Einklang finden wird?

Dann habe ich schon bei Anton Blitzstein angeläutet, der mir am Montag sagte, daß er zwölf Leute eingeladen hat, aber nicht alle kommen würden.

Gekommen ist  nur eine Freundin und die vegetarische Küche hat sich  auch als ein thailändisches Huhn, also etwas nicht ganz Vegeetarisches entpuppt. Im Anschluß gab es noch einen Schokoladekuchen mit Zuckerglasur und ich habe Anton Blitzstein aus den zwei Büchern, die ich in der Handtasche hatte, der “Nika”, denn im Dezember trage ich in der Weihnachtstasche, die ich einmal von einer Klientin bekommen habe, den Adventkalender mit mir herum und dann das das Neue, aussuchen lassen, was er als Geschenk haben will. Er hat sich für das “Bibliotheksgespenst” entschieden und die “Nika” habe ich der Freundin, als die wissen wollte, was ich schreibe, gezeigt.

Darf ich ein Stück lesen!”, hat sie mich gefragt und hat dann laut den siebenten Dezember vorgelesen und voila, eröffnet sich meinen Lesern, als Überraschung heuer doch noch ein neues Adventkalenderfenster.

Den ersten und den fünften Dezember gibt es schon und hier also:

“Montag, 7. Dezember

Am Montag war der junge Syrier oder Iraker mit seiner grauen Decke wieder da und starrte Nika, als sie mit Sack und Mütze aus dem Kaufhaus kam, mit seinen traurigen Augen an, als wäre er nicht zwei Tage verschwunden gewesen. Für einen Einzigen, um genau zu sein. Am Samstag, als die Mariahilferstraße von Menschenmassen bevölkert war, hatte er gefehlt. Ob er am Sonntag hier gesessen war, hatte sie keine Ahnung. Denn da war sie nach ihrem süßen Frühstück in Jeans und Parka und ohne Weihnachtsmütze zum Hauptbahnhof gefahren. Hatte sich danach mit einer weißen Schürze dem Backen hingegeben. Als die Vanillekipferln und die Linzeraugen fertig waren und sie sich an das Kneten der Rumkugeln machte, läutete sie an der Tür. Sandra Winter war mit einem schüchteren jungen Mädchen, das ein hellblaues Kopftuch tief in die Stirn gezogen hatte, davor gestanden und hielt ihr einen kleinen Schokonikolaus entgegen.

“Kommt herein!”, hatte Nika aufgefordert, die beiden in ihr Wohn-und Arbeitszimmer gebeten, wo der Couchtisch gedeckt war und auf zwei Tellern Linzeraugen, Vanillekkipfern und schon einige Rumkugeln lagen und es in der Wohnung nach frischen Keksen duftete.

“Ich hole gleich Kaffee bot sie an!” und nahm die Schürze ab.

“Du hast gebacken, fein!”, rief Sandra Winter erfreut. Fatma Challaki sagte nichts, sondern schob ihr Kopftuch ein Stückchen weiter in die Stirn und lächelte Nika schüchtern an.

“Sie sprechen schon ein bißchen Deutsch!”, hatte die sich erkundigt und Sandra nickte energisch.

“Natürlich, ist sie doch in Damaskus in die deutsche Schule gegangen und hat einen österreichischen Deutschlehrer gehabt, der mit seinen Schülerinnen Joseph Roths “Radetzkymarsch” und Thomas Bernhards “Heldenplatz” gelesen hat. Deshalb ist sie auch nach Wien gekommen, nachdem die IS ihren Bruder entführte. Sie spricht ein reineres Deutsch als ich, die ich meinen niederösterreichischen Dialekt nicht so leicht verbergen kann! Sie geht auch jeden Nachmittag auf die Nationalbibliothek und trifft sich dort mit einem Lehrer, um mit ihm über Literatur zu diskutieren und für eine ukarainische Germanistin, die in Odessa über Bertha von Suttner forscht, Material zu sammeln, das dort nicht zu bekommen ist.”

“Ich versuche es!”, sagte die junge Syrierin in tatsächlich reinen Deutsch, wurde ein bißchen rot  und setzte etwas lauter hinzu, daß sie der Freundin ihrer Freundin, die so nett sei, sie in ihrem Wohngemeinschaftszimmer schlafen zu lassen, bis es mit ihrer Aufenthaltsgenehmigung klappte und sie einen Platz in einem Studentenheim bekommen würde, gern behillflich sei und sich als Dolmetscherin zur Verfügung stellen wolle.

“Dann kommen wir gleich morgen auf die Mariahilferstraße, besuchen die Weihnachtsfrau, lassen uns von ihr mit guten Gaben beschenken und Fatma kann sich um den traumatisierten Flüchtling, falls es ein solcher ist, ein wenig kümmern! Es laufen derzeit viele traumatisierte junge Männer und Frauen in der Stadt herum, die verzweifelt versuchen Asyl zu finden und die Vergangenheit loszuwerden! Da ich mich mit Fatma manchmal am Westbahnhof betätige, habe ich einiges mitbekommen! Morgen habe ich aber nicht viel Zeit, denn da muß ich auch zum Westbahnhof, den Zug um halb zwölf nehmen, denn der “Residenz-Verlag” hat mich um zwei bestellt, um mich danach anusehen, ob ich eine geeignete Volontärin bin und sie mich ein paar Wochen in ihrem Verlagshaus schnuppern lassen! Das wäre gut für mich, da meine Eltern in der Nähe wohnen und ich mit dem Rad hinfahren kann! Fatma hätte dann auch mehr Platz! Der Verlag übersiedelt aber, habe ich gehört, nach Salzburg zurück! Also müßte ich bald schnuppern! Mal sehen! Es ist nicht so leicht für uns Geisteswissenschaftler! Das kannst du mir sicherlich bestätigen, obwohl du nur deine Dissertation fertigstellen mußt!”, hatte Sandra gesagt, sich ein Vanillekipferl in den Mund geschoben und “Köstlich, köstlich!”, aufgerufen.

“Du hast Talent zum Backen, liebe Weihnachtsfrau, wenn du keinen Platz als Assistentin findest und dich nicht auf der Mariahilferstraße prostiutieren willst, könntest du dich als Konditorin  versuchen!”, hatte sie gescherzt und mit verlegenen Blick auf Fatma schnell abgebrochen, die das mit der Prostitution nicht verstanden zu haben schien, denn sie hatte sich mit dem gleichen schüchternen Lächeln bedankt, dann ein wenig zögernd nach einer Rumkugel gegriffen und sie in den Mund geschoben. Ob sie der Rum, der dieser Süßigkeit den Namen gab, störte, eine gläubige Muslima durfte, wie Nika sich zu erinnern glaubte, keinen Alkohol trinken, ließ sich sich nicht anmerken. Griff aber nach keiner zweiten, sondern nahm nur noch ein Vanillekipferl und sagte ebenfalls “Das schmeckt sehr gut!”

Das war am Nikolaustag gewesen. Jetzt begann sich die Mariahilferstraße wieder zu füllen. Der Bursche mit der grauen Decke, starrte nach wie vor auf Sandras Weihnachtsmütze und weigerte sich immer noch in ihren Sack zu greifen. Widerlich Seidler war wieder in seinem Büro und hatte sich mit widerlichen Grinsen erkundigt, wie es ihr an ihrem ersten Samstageinsatz ergangen sei und ob sie sich an den süßen Nilkolausfigurene den Magen verdorben habe?

“Die habe ich an die Kinder verteilt, Herr Seidler!”, hatte sie ein bißchen geschummelt und er hatte wieder blöd “Brav, brav!”, gesagt und sie erinnert, daß sie morgen mit einer starken Schicht rechnen könne.

“Morgen ist ein Feiertag, wir haben aber offen und da kommen die Leute nach dem Frühstück und stürmen unser Haus! Da können Sie sich auf einen großen Andrang einstellen, aber das sind Sie jetzt schon gewöhnt!”

“Ich hoffe es, Herr Seidler und werde mich bemühen!”, hatte sie gewantwortet und die Frage unterdrückt, ob sie ihn morgen sehen würde oder ob er den Feiertag zu Hause beziehungsweise in der Kirche verbringen würde? Sie fragte nicht, denn es war ihr egal oder eigentlich lieber, wenn er nicht in ihren Ausschnitt starrte. Das tat inzwischen Mister Trauma, aber er schien ins Leere und nicht auf ihren Busen zu schauen und da kamen schon Sandra und Fatma Challaki, die wieder das blaue Kopftuch tief in die Stirn geschoben hatte.

“Da sind wir, liebe Nika!”, wir haben uns verspätet. Die U-Bahn ist nicht gekommen und wenn ich ehrlich bin, habe ich auch verschlafen! Muß daher gleich weg, aber ihr kennt euch schon und Fatma kennt sich inzwischen auch gut in der Stadt aus und geht dann wieder in die Nationalbibliothek, um sich mit ihrem Deutschprofessor zu treffen!”

“Ich werde es versuchen!”, antwortete die junge Syrierin schüchtern, blickte auf den Deckenmann, der nun auch sie anstarrte und schien nicht recht zu wissen, ob sie stehenbleiben oder ihn ansprechen sollte?

“Vielleicht könntest du ihn fragen, ob er Arabisch versteht?”, ermunterte die forsche Sandra.

“Ich muß zu meinen Zug. Wir sehen uns am Abend und da kann ich vielleicht schon berichten, ob es mit dem Praktikum klappt oder ich in Wien weitersuchen muß!”, sagte sie und Nika setzte nögernd “Das wäre vielleicht hilfreich!”, hinzu. Fatma Challaki zog ihr Kopftuch noch ein bißchen gtiefer in die Stirn, biß sich auf die Lippen, dann machte sie einen Schrittt in seine Richtung und flüsterte ihm etwas zu.

“Hallo, Frau Weihnachtsfrau, hast du etwas Süßes für mich?”, fragte hingegen ein kleiner Mann. Die dazugehörende Mutter zog ihn weg und rief mit schriller Stimme “Du weißt doch, Dario, du sollst nicht soviel Süßes essen! Das ist schlecht für deine Zähne und der Zahnarzt muß dann bohren! Wir gehen in den Supermarkt! Da gibt es eine Saftbar und du magst sicher einen gesunden Gemüsesaft!”

Dario machte ein Gesicht, das deutlich zeigte,  daß er mit dem Vorschlag nicht einverstanden war. Konnte sich gegen die energische Mutterhand aber nicht wehren. Fatma Challaki schien von dem Deckenmann erstaunlicherweise eine Antwort bekommen  zu haben und sie sah in das schöne Gesicht eines Mannes mit Nikelbrille, das ihr bekannt erschien.Ehe ihr einfiel, wo sie es schon gesehen hatte, war er, der Jeans und eine schwarze Lederjacke trug, auf sie zugekommen  und wollte von ihr wissen, ob sie Nika Horvath sei?

“So ist es!”, antwortete sie erstaunt, weil sie ihn noch immer nicht einordnen konnte.

“Dann sind wir bald verschwägert!”, behahptete er mit scharfer Stimme und stellte sich als Joe Prohaska vor.

“Ich bin der Vater Ihrer noch ungeborenen Nichte und habe mir gedacht, meine künftige Schwägerin zu besuchen und mich zu erkundigen, was sie von der Idee Ihrer Schwester hölt, ihr Kind vaterlos aufzuziehen? Als Weihnachtsfrau dürften sie sich für Kinder interessieren und werden wissen, daß die Anwesenheit eines Vaters wichtig für eine gesunde Entwicklung ist! Das wollte ich übrigens Ihrer Schwester persönlich sagen! Aber sie hebt nicht ab und öffnet nicht die Tür, wenn ich bei ihr läute, sondern hat mir nur gemailt, daß ich sie nicht belästigen und nicht stalken soll, weil sie sich sonst bei irgendeiner Menschenrechtsorganisation über mich beschwert! Aber das werde ich vor ihr tun, denn ich habe schon einen Termin beim Jugendamt, das sicher meiner Meinung ist, daß es nichts mit Stalking zu tun hat, wenn ich mich um meine Tochter kümmern will!”

So das wars. Am 19. 25. 29. und 30. wird es noch ein Fenster geben und wer weiß, in welchen meinen Büchern, die “Nika, Weihnachtsfrau” noch ein Kapitel hat, bekommt ein Buch von mir, wenn er sich bei mir meldet.