Dagegen die Elefanten

Buch fünf der deutschen Longlist ist das offenbar obligatorische aus dem “Jung und Jung-Verlag” und das dritte der 1955 geborenen in München lebende Dagmar Leupold, das auf der deutschen Longlist stand. “Die Witwen” habe ich gelesen und Dagmar Leupold ist sicherlich eine Sprachkünstlerin, nicht so inhaltslos wie Andrea Winkler, aber die Sprache und schöne Worte spielen eine große Rolle und in diesem Buch wird wahrscheinlich von einem Sonderling, Herrn Harald, Garderobier in einem Opernhaus erzählt. Ein mittelalter bis älterer Herr wahrscheinlich, ein Junggeselle mit seinen Schrullen.

Wegen der Schuppenflechte hat er immer weiße Handschuhe an, gibt ihm jemand Trinkgeld sagt er “Ich trinke nicht” und während der Vorstellung lernt er Italienisch aus einem alten Italienischbuch, das er einmal gefunden hat oder übergeblieben ist.

Übergeblieben ist dann auch ein Mantel in dem sich eine Pistole befindet. Das wird auch in der Beschreibung erwähnt, passiert aber erst auf Seite neunzig oder so. Herr Harald nimmt die Pistole, es ist eine Schreckschußpistole erfährt er später aus dem Internet, nach Hause und steckt sie in einem Römertopf und dann in den Backofen.

Hui was würde da in den handlungsgetriebenen Romanen passieren? Da beginnt dann wahrscheinlich schon die Krimistory. Hier passiert auch ein wenig. Einmal taucht der Mantel an anderer Stelle auf, dann verpackt er ihn in einem Plastiksack und wirft ihn in den Mistkübel, ein Knopf wird auch gefunden und einmal, ein paar Monate später taucht ein Mann auf und fragt nach dem Mantel. Herr Harald liest auch in der Zeitung von einer Leiche die gefunden wurde, grübelt viel darüber nach und fühlt sich von der Polizei verfolgt, so weit so what.

Das Buch spielt in einem Jahr von Februar bis Februar und Herr Harald geht auch an seinen freien Abenden in Konzerte und lernt da eine Notenumblätterin kennen. Das heißt, er will sie gerne kennenlernen, nennt sie Johanna oder Marie und trifft sie dann auch zweimal in seiner Garderobe, einmal allein und einmal zu einer Weihnachtsvorstellung mit ihrer Nichte und um auf die Pistole zurückzukommen. Die packt er einmal in eine Aktentasche und geht ins Konzert damit, wo aber ein junger Mann die Noten umblätterte.

Was er mit der Pistole wollte, habe ich nicht ganz verstanden, ist aber wahrscheinlich nicht so wichtig, denn Dagmar Leupold habe ich in Besprechungen gehört, ist eine langsame Erzählerin, die es mehr mit der schönen Sprache als mit der Handlung hat, die also auch von einer Katze erzählt, die Herrn Harald zuläuft und dann tageweise bei ihm wohnt, die er sehr versorgt und mit ihr zum Tierarzt fährt. Er wird dann auch krank und am Ende braucht er eine neue Brille, an die er sich offenbar noch nicht gewöhnt hat und erleidet damit am Ende einen Autounfall.

Ein ungewöhnliches leises Buch, stimmt. Die Worte sind wichtig, Herr Harald hat Worte des Monats, die er in ein Notizbuch schreibt und mir sind auch einige sehr schöne Worte dabei aufgefallen. “Pausendeserteur”, für die, die, die Oper in der Pause verlassen, beispielsweise und natürlich hat das Buch keine spannende Handlung, sondern erzählt den Alltag dieses Sonderlings.

Dagmar Leupold tut das zweifellos sehr schön und liebevoll und bietet daher eine starke Gegenstimme zu den lauten spannungsbezogenen Romanen, die ja auch gefordert werden. Bei den Bloggern wird es sehr gelobt und ich bin jetzt gespannt, ob es auf die Shortlist kommt und würde es von den fünf Büchern, die ich bis jetzt gelesen habe, an die zweite Stelle reihen.

Die erste wäre “Dschinns”, wahrscheinlich würde dann der Strunk folgen und dann der “See” und der “Simple Eingriff” oder wäre das umgekehrt?

Und wenn jetzt jemand wissen will, was das Ganze mit Elefanten zu tun hat, das ist wahrscheinlich eine Schrulle oder ein Spracheinfall von Dagmar Leupold, denn Herr Harald liebt Tierfilme, schaut sich einmal einen über Elefanten an und sagt dann in der Kneipe, in der ein manchmal Cola trinkt, diesen Satz, als sich die Stammgäste über ihn lustig machen.

Auf See

Buch vier der heurigen deutschen Longlist ist, glaube ich, ein sogenannter Öko-Scienceficton, ein Genre, das in Zeiten der Klimakrise sehr modern scheint und viel geschrieben wird und die 1986 geborene Theresia Enzenberger, die Tochter von Hans Magnus, die schon “Blaupause” geschrieben hat,spielt mit alle Tastaturen der Utropie oder der gegenwärtigen realen Situation.

Das Ganze scheint ein bißchen in der Zukunft zu spielen, die Welt scheint kaputt zu sein und da hat sich einer auf eine Blase in die Seestatt, eine Insel in der Ostsee, zurückgezogen und dort eine scheinbare Ökoutopuie aufgebaut. Dalebt er mit seinen Anhängern und seiner siebzehnjährigen Tochter Yara und an der soll ein Experiment von einem Mustermenschen ausprobiert werden.

So hat sie einen dichten Stundenplan, Yoga, Biologie, etcetera von Privatlehrern. Sie hat auch einen Therapeuten und wird mit Pharmaka zugestopft, die zu Schlafwandeln führen, denn ihre Mutter so hat sie gehört, war verrückt, ist gestorben und Yara soll dieses Schicksal erspart werden.

Kinder gibt es keine in der Ökoblase, die inzwischen langsam am Verfallen ist und von Mitarbeitern ,die auf einem Mitarbeiterschiff leben, versorgt werden. Einmal hat Yara mit einem solchen Kind gespielt, das wurde aber untersagt. So absolviert sie ihren Stundenplan, ißt zu Mittag im Gemeinschaftsraum. Der Vater läßt sich sein Essen für teures Geld vom Festland bringen und macht auch weite Reisen dorthin und Yara beginnt ihm nachzuspionieren, erkennt, daß das Ganze eine Blase ist, verliebt sich in ihre Yogalehrerin Rebecca, die der Vater vom Festland mitbringt und bereitet ihre Flucht nach ihrem achtzehnten Geburtstag auf das Festland vor, um ihre Mutter zu suchen, die wie sich herausstellt, gar nicht gestorben ist.

Denn in einem zweiten Strang des Buches wird immer wieder von einer Helena erzählt. Die ist Künstlerin und ein Guru, hat eine Sekte aufgebaut und das Berlin in dem sie lebt, scheint auch etwas verfallen. Leute leben in ihren Autos. So holt sich Helena Sophie und deren Tochter Mira zu sich in ihre Wohnung. Helena hat viel Geld und einen Bruder namens August, eine Freundin namens Kamilla und einen Widersacher namens Arthur, der mit den Anhänger der Sekte in die Seestatt namens Vineta will.

Yara und Helena kommen zusammen, wohnen zuerst in einem Hotel und gehen dann, weil sie sich von Nicholas, dem Vater,, Sicherheitsmänner verfolgt fühlen, in eine Zeltstatt in den ehemaligen Tiergarten und ein sogenanntes Archiv gibt es auch.

Das sind kleine Geschichten über Ernest Hemingways Bruder beispielsweise, aber auch, wie es zur der Gründung der Seestatt kam und was aus ihr geworden ist.

Ein interessantes aber auch etwas verstörendes Buch, das mir am Anfang gut gefallen hat, später weniger. Da habe ich es zu wenig gegliedert und auch als zu handlungsarm empfunden.

Theresia Enzenberger ist aber hart an der Utopie, die uns vielleicht in den nächsten Zeit erwarten wird und erzählt das in einer starke Sprache. Ich habe wieder nicht alles verstanden und die Archivgeschichten auch eher übersprungen.

Ein simpler Eingriff

Buch drei der diesjährigen deutschen Longlist, Yael Innokais “Ein simpler Eingriff”, von der ich noch nie etwas gehört habe, obwohl die 1989 in Basel geborene, aus der Redaktion von P.S kommt und im Nachwort Kaska Bryla ausdrücklich für die Begleitung am Text dankt.

Ein dünnes Buch, hundertsiebzig Seiten, habe ich gelesen und das PDF gehabt, am Cover ist eine Krankenschwester mit einem altmodischen Häubchen zu sehen und das Buch scheint auch in der Nachkriegszeit zu spielen.

Aus dem Klappentext hätte ich entnommen, daß das Buch so etwas wie “The Handmaid Tale” sein könnte, stimmt aber nicht. Es ist stattdessen ein sehr leises Buch, das in drei Teilen vom Leben der Krankenschwester Meret erzählt. Wo das Buch spielt ist auch nicht klar. Den Namen nach würde ich Deutschland schätzen. Meret ist also Krankenschwester, wohnt in einem Schwesternwohnheim, wo sie mit dem Fahrhrad in die Klinik fährt. Dort assistiert sie einem Doktor, der einen simplen Eingriff an impulsiven Patienten, damit sie ruhiger und angepasster werden, durchführt, eine Art Lobotomie wahrscheinlich, obwohl das Wort nicht erwähnt wird.

Es gibt drei Teile, Marianne Sarah, Meret ernannt und Marianne ist eine Tochter aus reichen Haus, an der ein solcher Eingriff durchgeführt werden soll und Merets Aufgabe ist es mit den Patienten vorher und während des Eingriffs Karten zu spielen, denn der Eingriff wird im Wachzustand durchgeführt.

Dann gibt es noch zu Sarah eine Art lesbische Beziehung, denn die ist ihre Mitbewohnerin im Schwesternwohnheim und Meret kommt auch aus einer problematischen Familie. Es gibt eine Schwester namens Bibi und einen Bruder namens Wilm und Bibi, reißt immer aus, reist immer herum und schreibt dann Karten aus Amerika oder so obwohl sie nie dort war.

Der Eingriff an Marianne geht schief. Sie gerät ins Wachkoma und Meret fängt zu zweifeln an, noch dazu da sie eine frühere Patientin triff, die jetzt in einer Wäscherei arbeitet und Sara erzählt von einer Freundin, der offenbar dasselbe passierte.

Sie besucht dann auch Marianne in dem Pflegeheim in das sie gebracht wurde und eine Rückblende, die mich etwas verwirrte hat es auch gegeben, denn Marianne stirbt an Medikamentenversuchen, Sarah und Meret fahren aber trotzdem mit ihr im Rollstuhl zu Sarahs Mutter.

Ein interessantes Buch, das sehr gelobt und sogar als Siegerbuch gesehen wird, ich aber eigentlich eher als sehr leise und etwas altmodisch empfand, das aber einen eigenen Rhythmus und eine eigene Sprache hat.

Auf die Shortlist würde ich nicht schätzen, aber mal sehen, wie das die Juroren sehen, ich bin gespannt.

Die neue österreichische Buchpreisliste

Den österreichischen Buchpreis gibt es ja seit 2016 und da habe ich von Anfang an mitgelesen und auch vorher immer Spekulationen angestellt, wer da wohl auf die Liste kommen könnten?

Diesmal habe ich das, wie auch beim deutschen Buchpreis mit einer kleinen Geschichte getan, eine Idee, die mir in Kroatien gekommen ist und die ich auch in meinen Work on Progress , das jetzt im Rohtext vorläufig fertig ist, gebrauchen kann.

Spekulationen wer wohl da auf der Liste stehen wird, finde ich spannend und da würde ich mir den neuen Roman von Doron Rabinovici, den ich bei “Rund um die Burg” kennengelernt habe, wünschen, den neuen Thomas Stangl, den ich bei den O-Tönen gehört habe, die neue Marlene Streeuwitz und dann die Bücher, die auch auf der deutschen Buchpreisliste stehen und alles was ich an österreichischen Neuerscheinungen gelesen habe und jetzt voila, die neue Buchpreisliste und die drei Debutvorschlägen sind da.

In der Jury sind Edith Ulla Gasser, Bernhard Bastien, Stefan Gmündner, Günther Stocker und Katharina Teutsch gesessen. Und was habe die aus den hundertdreiunddreißg Büchern aus zweiundsechzig Verlagen ausgesucht?

Der Doron fehlt, das kann ich gleich verraten und bedauern, aber sonst klingt es ganz spannend und wieder ist sowohl Neues als auch Altes dabei. Also voila:

  1. Helena Adler “Fretten”
  2. Iris Blauensteiner “Atemhaut”
  3. Markus Grundtner “Die Dringlichkeit der Dinge”
  4. Monika Helfer “Bettgeschichten und andere”
  5. Reinhard Kaiser-Mühlecker “Wilderer”
  6. Anna Kim “Geschichte eines Kindes”
  7. Robert Menasse “Die Erweiterung”
  8. Teresa Präauer “Mädchen “
  9. Verena Rossbacher “Mon Cheri und unsere demolierten Seelen”
  10. Thomas Stangl “Quecksilberlicht”

Bei den Debuts wurden

1.Lena-Maria Biertimpel “Luftpolster”

2.Sirka Elspaß “ich föhne mir meine wimpern”

3.Anna-Maria Stadler “Maremma”

ausgesucht.

Also ein paar Treffer, ein Buch das ich schon gelesen habe und zwei die auch auf der deutschen Liste stehen, bei der ich gerade das dritte Buch gelesen habe, also lesen, lesen, lesen und dann kommt auch noch irgendwann der Schweizer Buchpreis dazu und das Bloggerdebut gibt es ebenfalls.

Dschinns

Buch zwei der deutschen Longlist, “Dschinns” von Fatma Aydemir, das, glaube ich, schon im Februar erschienen ist und sogar in der “AS” vorgestellt wurde. Das habe ich aber versäumt und auch das Debut der 1986 in Karlsruhe geborenen Fatma Aydemir nicht gelesen. Sie hat dann einen Sammelband “Eure Heimat ist unser Albtraum” herausgegeben und mir von daher als recht aggreessiv oder aufmüpfing erschienen.

“Dschinns” ist das aber gar nicht, sondern eigentlich ein recht konventionelles und mir durchaus realistisch erscheinendes Buch, obwohl “Dschinns” die inneren Stimmen oder das Böse das in und um uns passiert und in den Häusern lauert, es eigentlich nicht ist oder doch natürlich und jeder hat wohl seine Dschinns egal ob er in Wien, Karlsruhe, Istanbul oder einem anatolischen Dorf geboren wurde.

Da ist einmal Hüsesyn, eigentlich ein Kurde, aber das durfte man in der Türkei nicht sein, ohne verfolgt zu werden, so ist er in den Sechzigerjahren wahrscheinlich nach Deutschland gegangen, um das große Geld zu verdienen. Jetzt ist er sechzig, das Buch spielt 1999, in Pension gegangen und hat sich eine Eigentumswohnung in Istanbul gekauft, um dort mit seiner Frau Emine seinen Lebensabend zu verbringen. Kaum angekommen erleidet er einen Schlaganfall und nun reist die Familie, die Frau Emine und die vier Kinder, sowie die zwei Enkel, um der Beerdigung beizuwohnen.

Das Buch ist in sechs Teilen geschrieben, eines gehört dem Vater, dann haben die Kinder Ümit, Sevda, Hakan und Perihan je eine Stimme und interessant, zwei davon kommen zu spät zum Begräbnis. Ja der Weg von Deutschland nach Istanbul ist weit und ein Flug wahrscheinlich nicht so schnell zu bekommen.

Ümit, der jüngste ist fünfzehn und wurde und das erscheint mir etwas unrealistisch von seinem Sporttrainer zu einem deutschen Therapeuten geschickt, weil er etwas mit einem Jungen hatte, damit er ihn wieder “normal” machen kann. Das ist heute wohletwas anders und Sevda, die Älteste ist Analphabetin oder nie in die Schule gegangen, weil sie bis sie zwölf oder dreizehn war, bei der Großmutter aufwuchs, bevor sie die Eltern nach Deutschland holten. Dann hat sie zwar einen Deutschkurs besucht, sollte aber gleich verheiratet werden. Beim ersten Mann weigerte sie sich. Den Zweiten hat sie genommen. Der hat sich aber als Nichtsnutz erwiesen und seine Abende in Klubs bei Freunden verbracht. So mußte sie in der Nacht als Büglerin arbeiten und die Kinder waren allein zu Haus, als dort die Rechtsradikalen ein Feuer legten. sie floh mit den Kindern zu ihren Eltern. Die schickten sie aber wieder zurück. Sie trennte sich trotzdem, übernahm eine Pizzeria und steckte dem obdachlos gewordenen Mann sogar immer etwas Geld zu.

Perihan, die jüngere Schwester schaffte ein Philosophiestudium, Hakan ist Gebrauchsautohändler und kommt zum Begräbnis zu spät, weil die Polizei ihn zu einem Drogentest zwingt. Es kommt zu einer Aussöhnung zwischen Sevda und der Mutter und am Schluß kommt es, um das Ganze auch dramatisch zu machen, zu einem Erdbeben. Ja die Dschinns lassen einen nicht aus und es hat auch noch ein anderes Kind gegeben, das Emine weggenommen wurde und sie sich nicht wehren konnte.

Der Vater wird als ambivalent geschildert, sich zu Tode arbeitend, nach außen rauh, aber die Entscheidungen hat die Mutter getroffen und die konnte auch nicht aus ihrer Haus heraus und die Dschinns zurücklassen.

Ein sehr realistisches Buch, denn ich habe lang mit einer Türkin gearbeitet, die als Vorbild der Sevda dienen könnte. Sehr spannend über die ehemaligen Gastarbeiterkinder zu erfahren, die es geschafft haben, auf Buchpreislisten stehen oder bei der TAZ arbeiten.

Viele schaffen das noch nicht so problemlos obwohl die türkischen Mädchen, wie ich im laufe meines Praxisleben erfahren konnte, auch schon aufs Gymnasium gehen, auch wenn sie die Matura vielleicht noch nicht schaffen. Ihre Töchter werden es vielleicht und ich könnte mir vorstellen oder wünschen, daß das Buch auf die shortlist kommt, obwohl ich ja bis jetzt nur ein anderes Listenbuch gelesen hat.

Die neue deutsche Longlist

Vom “Deutschen Buchpreis”, den es schon seit 2005 gibt, wo zuerst zwanzig deutschsprachige Neuerscheinungen ausgewählt werden, dann auf eine Shortlist geschrumpft und zur Eröffnung der Frankfurter-Messe das Preisbuch ausgezeichnet wird, habe ich, das habe ich schon geschrieben, zuerst gar nicht sehr viel mitbekommen und mir höchstens ein oder zwei Bücher davon zum Geburtstag oder zu Weihnachten gewünscht.

Mit dem Bloggen ist das dann anders geworden, da hat mich Christiane Zintzen zuerst auf die Leseproben aufmerksam gemacht, die in Österreich, glaube ich, noch immer nicht zu bekommen ist und “Buzzaldrin” hat mich dann auf die Idee des “Buchpreisbloggens” gebracht, da heißt möglichst alle Bücher lesen und darüber schreiben, der liebe Otto tut das auch schon lange und das praktiziere ich nun schon seit 2015 ,und ich kann das wirklich nur jeden empfehlen das auch zu tun, denn man lernt sehr viel dabei und damit das noch besser besser gelingt, überlege ich mir seit einigen Jahren auch schon vorher, was darauf kommen sollte und was ich davon schon gelesen habe?

Einen diesbezüglichen Blogartikel ,gibt es ja schon. Was könnte darauf kommen habe ich mich gefragt und daß es möglichst viele Bücher sind, die ich schon gelesen habe, denn dann bin ich damit schneller fertig.

Ich habe ja irgendwie das Gefühl, daß ich derzeit eher wenig und sehr langsam lese, aber einige deutschsprachige Neuerscheinungen sind schon darunter, also hätten

Tamar Noort “Die Ewigkeit ist ein guter Ort”

Finn Job “Hinterher”

Helmut Krausser “Was mit Jeanne begann”

Heinz Strunk “Ein Sommer in Niendorf”

Tom Kummer “Unter Strom”

Anselm Neft “Späte Kinder”

Arno Camenisch “Die Welt” und

Jan Böttchers “Das Rosen-Experiment”

darauf stehen können.

Das wären neun Treffer gewesen. Einer ist es dann geworden und ich habe mich im Vorfeld auch umgehört, was noch darauf stehen könnte? Welche Neuererscheinungen gibt es und wer hat sie geschrieben?

Da gibt es ja neue Bücher von Norbert Gstrein, Marlene Streeruwitz, etcetera. Fatma Aydemir hat schon eines im Früjhjahr herausgemacht, das wie ich bei den “Buchpreisbloggern”n, die eine Vorschau gaben, herausgehört, große Chancen haben und die, das ist interessant, haben auf ihrer Lliste auf die “weißen alten Männer”, die ich vorgeschlagen hätte, vergessen und auf die Frauenpower gesetzt. Da waren auch einige Tips dabei, auf die ich mich freue, wenn ich sie mal finde und hatten viele Treffer.

Ich hatte nur einen, nämlich

1.Heinz Strunk Ein Sommer in Niendorf”, der ja schon im Vorjahr auf der Liste gestanden hat.

2. Dann wie erwähnt Fatma Aydemir “Dschinns”, das ich gerne lesen möchte und das PDF schon habe.

3.Carl Christian Elze “Freudenberg” noch nie etwas von Buch und Autor gehört.

4. Theresia Enzensberger “Auf See” auch noch nichts gehört, aber auch schon bekommen.

5. Kristine Bilkau “Nebenan” von der Autorin habe ich schon was gehört.

6. Jan Faktor “Trottel”, da habe ich den Autorennahmen auch gehört

7.Marie Gamillscheg “Aufruhr der Meerestiere”, da habe ich das Debut gelesen und auch schon Lesungen gehört.

8.Kim de L`Horizon “Blutbuch”, auch noch völlig unbekannt, wurde aber, glaube ich, von den Bloggern empfohlen

9.Yael Inokai “Ein simpler Eingriff” ebenfalls noch nicht viel gehört, wurde aber empfohlen und habe es auch bekommen.

10.Reinhard Kaiser-Mühlerecker “Wilderer”, da bin ich ja fast eine Mühlecker-Kennerin, die “Wilderer-Lesung” bei den O-Tönen habe ich aber urlaubsbedingt versäumt

11.Anna Kim “Geschichte eines Kindes”, die Autorin kenne ich, das Buch noch nicht

12. Esther Kinsky “Rombo”, da habe ich die Autorin bei der “Artmann-Biennale” gehört. Sie hat aber glaube ich etwas anderes gelesen

13.Dagmar Lupold “Dagegen die Elefanten” Dagmar Leupold stand schon glaube ich auf der Liste, die Buchpreisblogger haben das Buch empfohlen und bekommen habe ich das PDF auch.

14. Slata Roschal “153 formen des nichtseins”, auch noch völlig ungekannt.

15. Anna Yeliz Schentke “Kangal”, da trifft dasselbe zu

16. Eckhart Nickel “Spitzweg” von Eckhart Nickel habe ich schon was gehört, und gelesen und auf das Buch wurde ich, glaube ich, auch schon aufmerksam gemacht, bin also gespannt

17.Gabriele Riedle “In Dschungeln. In Wüsten- Im Krieg.- Eine Art Abenteuerroman”, klingt spannend und war mir bisher unbekannt.

18. Jochen Schmidt “Phlox”, noch nichts gehört von Buch und Autor.

19. Andreas Stichmann “Eine Liebe in Pjöngjang”, kingt auch sehr spannend und der Autor hat glaube ich schon in Klagenfurt gelesen.

20. Daniela Dröscher “Lügen über meine Mutter”, auch eine noch unbekannte Autorin und ein unbekanntes Buch

So das wars. Einiges Neues dabei, die alten weißen Männer fehlen ziemlich, dreizehnFrauen , sieben Männer und nun bin ich gespannt. Fünf PDFS oder E-Pubps und drei Print-Zusagen habe ich schon bekommen, bei drei muß ich wohl auf die Netgalley warten, wo man die Bücher seit einigen Jahren bekommen kann und ich habe noch einige “Wagenbach-Quartbücher “und eine Printneuerscheinung gelesen, bevor ich mich ans “Buchpreislesen” machen kann.

Wer diskutiert mit mir in Kommentarform über die Bücher? Würde mich sehr freuen, wenn eine rege Diskussion entsteht, denn das ist wahrscheinlich der Sinn der Sache?

Lachen und Sterben

Buch fünf des öst Bps ist wieder eine Essay- oder Textsortensammlung, ja das ist beim österreichischen Buchpreis möglich, zumindest ist Franz Schuh 2017 schon mit seinem “Fortuna.Aus dem Magazin des Glücks” auf der Longlist ,gestanden und ich habe als ich 2005 bei dem Literaturwettbewerb in der Pannaschgasse einen “Thalia Gutschein” gewonnen habe, mir sein “Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche” ausgesucht, das ich zugegeben, nicht verstanden habe. Denn der 1947 Geborene, der Philosophie, Geschichte und Germanistik studierte, ist in seinem Denken sehr theoretisch und springt in seinen Essays leider vom hundertsten ins tausendsten, was es mir, die ich ja immer die Struktur und den Inhalt suche, sehr schwer macht.

Dabei kenne ich ihn schon sehr lange und von seiner literarischen Seite, war der doch vor meiner Zeit 1976-1980 Generalsekretär der GAV, hat da “Wespennest” mitbegründet und ich habe ihn auch bei den verschiedenen Vorträgen gehört. In “Ex Libris” hatte er eine Kolumnse und jetzt ein Buch über “Lachen und Sterben” geschrieben.

Zuerst habe ich, als ich die Liste gesehen habe, “Uje!”, gedacht, dann, als ich im Auszug aus dem Leseprobenbüchlein, das Wort “Corona” und “Risikopatient” gelesen habe, gedacht, das ist vielleicht ein Corona-Buch dann könnte man es ja auch für ein Buch passend zu Allerseelen halten.

Als ich aber, um mich auf meine Besprechung vorzubereiten, bei “Wikipedia” nachgesehen habe, habe ich den Satz “Seit 2020 verbringt Franz Schuh krankheitsbedingt viel Zeit in Krankenhäusern als “Pflegefall”, sehr interessant gefunden, und das Buch von dem ich bis dahin ein Viertel gelesen hatte, besser verstanden, denn es beginnt mit dem Gedicht:

“In diesem Winter und in dem Winter davor habe ich kein einziges Mal meinen Wintermantel getragen. /Das war vielleicht ein Glück! Denn ich bin wieder einmal dicker geworden, dicker, als ich damals war, in dem Jahr, in dem ich den Mantel kaufte. /Vielleicht hätte er mir nicht mehr gepasst, obwohl ich jeden Mantel größer kaufe, als gerade angemessen wäre. “In weiser Voraussicht”, wie man sagt./ Die Frage ist in diesem Frühling ohnedies überholt. Es kursiert die Nachricht, dass manche leute zur “Risikogruppe” gehören. Die muss man entweder schützen oder ihrem Schicksal überlassen.”

Und da war ich schon mal hingerissen und dann kam die Anekdote vom “Tod in Wien” wo aus einem Auto, das eine Leiche vom Krankenhaus auf den Friedhof bringen soll, hinausgefallen ist und dann noch ein Gedicht, das vom Tod handelt und die Erklärung, daß es schon vor Corona geschrieben wurde. Dann kommen Essays, die vom Wiener Schmäh, von Canetti und Karl Kraus handeln, den Schuh für sein größtes Idol hält, dann geht es zu Sebastian Kurz, das Buch ist im Frühling erschienen, enthält also nicht die letzten Ereignisse, zu Wolfgang Schüßel, also wieder vom Hundersten zum Tausendsten und ich dachte wieder, wie soll ich das zusammenfassen, habe nachgegoogelt und bin auf ein Gespräch zwischen Armin Thurnher und Franz Schuh im “Kreisky-Forum” gekommen, wo er über die Entstehung des Buches erzählte, das offenbar im Krankenhaus oder danach entstanden ist und wo er sich ähnlich oder auch ganz anders, als Peter Paul Wiplinger mit seiner Krankheit und sich in dem Gespräch auch darüber lustig machte, daß man jetzt, wenn man genesen ist, sogar in ein Restaurant darf, während Nietzsche etwas anderes darunter verstanden hat.

Es gibt die Fragmente der Eitelkeit und die der Einsamkeit und in diesen kommt Franz Schuh zur Eigenverantwortlichkeit, wobei er sowohl den Philosophhen Max Stirner als auch die Philosophin Liz Hirn zitiert und mitten im Corona-Thema ist. Er zitiert den Unterschied zwischen allein und einsam und weist darauf hin, daß man allein geboren wird und auch alleine stirbt.Und dann gibt es noch aus der Stifterschen Erzählung den “Hagestolz”, als Paradetypus für den einsamen Mann.

Es gibt ein Gedicht, das sich mit dem “Tod des Vaters” beschäftigt und den Versuch über den Radioliebling Heinz Conrad, dessen Radiosendung sich bei Franz Schuh sehr eingeprägt hat.

Ein zweites Idol scheint Franz Schuh in dem 1986 verstorbenen Schauspieler und Kabarettisten Helmut Qualtinger zu haben, der mit Carl März den “Herrn Karl” geschrieben hat, diesem österreichischen Typen ist auch ein ausführliches Kapitel gewidmet. Qualtinger den Schuh für sehr österreichisch hält, hat aber auch “Mein Kampf” vorgetragen, “Der Papa wird schon richten”. gesungen und hat glaube ich. als Schauspieler in einen Krimi gespielt, den ich einmal gesehen habe. Er war darüber hinaus noch, glaube ich, ein begnadeter Stimmenimitator, der manche Poltiiker, wie ich gehört habe, sehr verwirrte.

Franz Schuh kommt indessen zur Schauspielkunst und meint, daß auch der Autor oder Philosoph in der Verwandlung zur Kunst kommt. Das soll auch Friederike Mayröcker so gesagt haben. Sie hat einen Einfall, dann transformiert sie ihn und so wird Kunst daraus.

Jetzt habe ich das Kapitel über den Kabarettisten Lukas Resetarits, der im gleichen Jahr, wie Schuh geboren ist und mit fünf Jahren vom burgendländischen Ort Stinaz, wo kroatisch gesprochen wurde, nach Wien Favoriten gekommen ist, vergessen und Der Arzt Georg Ringswandl, der aus diesem Beruf ausgestiegen ist, um Kabarettist zu werden, wird auch erwähnt.

Der Tod kommt, wie schon der Titel sagt immer wieder vor und auch das Lachen, der Witz, der Humor und die politische oder unpolitische Korrectnessen, wird nach dem Schmäh noch in einem eigenen Kapitel erwähnt und das Thema Corona scheint den Intensivpatienten auch sehr beschäftigt zu haben, obwohl er da wahrscheinlich nicht so kritisch, wie ich ist, setzt er sich, manchmal auch sehr humorvoll, damit auseinander und am Schluß gibt es noch ein Drama das bezeichnenderweise “Todesengel” heißt. Lesetheater wird es genannt und setzt sich sowohl mit der Covid-Situation als auch mit den “Todesengeln von Lainz” in den Achtizgern auseinander, wo damals, die Stationsgehilfen wie sie damals noch hießen und über die Pflegehelfer heute politsch korrekter zu Pfegeassistenten wurden, ihre Überforderung in “Mundpflege” ausdrücken und Franz Schuh hat, wie man liest, das Covidjahr 2020, das er größtenteils im Spital und in Pflelgestationen verbrachte, sehr beschäftigt und so ist das Buch eine, wie ich finde sehr gelungene Mischung zwischen persönlicher Betroffenheit und intellektuellen Spitzfindigkeiten.

Am Schluß wird noch erwähnt, daß einige Artikel, wie beispielweise, die über Heinz Conrad oder Helmut Qualtinger schon früher geschrieben und erschienen sind und ebenfalls am Schluß ist sich Fran Schuh nicht sicher, ob Freud recht hat, wenn er den Witz an das Unbewußte bindet.

Der hat ihn, glaube ich, als Abwehrmechanismus bezeichnet, mit dem ich, die ich ja nicht so viel lustig findei, am Anfang meines Studiums und vielleicht immer noch Schwierigkeiten habe, jetzt aber damit umgehen kann.

Ein interessantes Buch also, das ,das Covid und Spitalsjahr des Franz Schuh sowohl persönlich als auch höchst intellektuell beschreibt, also lesen, lesen, kann ich nur empfehlen. Schade, daß es nicht auf die Shortlist gekommen ist und was die und die restlichen noch nicht gelesenen österreichischen Buchpreisbücher betrifft, bin ich gespannt.

Der versperrte Weg

Buch neunzehn des dBps ist der Roman des oder über den Bruder des 1928 geborenen GeorgeArthur Godschmidt “Der versperrte Weg” in dem er über dessen Leben oder die Beziehung der Brüder schreibt. Am Cover des “Wallsteins-Buchs” sind die beiden Jungen, wie aus einer alten Fotografie herausgeschnitten, zu sehen. Der Kleinere, als Jürgen-Arthur geboren, sieht mit der lockigen Pagenfrisur und dem braunen Kleid oder Hosenrock fast wie ein Mädchen aus, der 1924 geborene Ältere trägt die damals üblichen Kniehosen und das Buch ist, was das Lesen fast ein wenig schwierig machte, aus der Sicht des Bruders, was aber nicht ganz eingehalten wurde.

Der erlebt in der Reibeckchen Bürgervilla ein Trauma, als 1924 der schreiende kleine Jürgen-Arthur geboren wird. Der Vater ist Rechtsanwalt, die Mutter hoffenbar eine leidende Hausfrau. Beide evangelisch getauft und so erlebt Erich, der sich als ein glühender Deutscher fühlt und sein Vaterland liebt ,eine Verunsicherung, als er plötzlich “Judenbub” genannt wird und vom Gymnasium ausgeschloßen wird.

Der Vater verliert offenbar seine Stelle und die Eltern eröffnen den Kndern, daß sie nach England in ein Internat sollen. Das geht schief. So kommen sie nach Italien zu einer freundlichen Dame und dann nach Frankhreich zu einer reichen Cousine der Eltern, die sie aber in ein Iternat schickt. Erich schließt sich zwanzigjährig, als die Deutschen nach Frankreich kamen, der Resistance an. Geht später, weil er sich entwurzelt fühlt und Schwierigkeiten hat, die französische Staatsbürgerschaft zu bekommen, zur Fremdenlegion. Wird Offizier und der Kontakt zu den Brüdern ist offenbar abgerissen und George Arthur Goldschmidt, der auch in Frankreich geblieben ist und viel über seine Familie geschrieben hat, eines der Bücher wurde auch in der “Gesellschaft” bei der “Leseauslese” vorgestellt, schreibt im Nachwort, daß er zu der Idee des Buches kam, als er danach gefragt wurde, wieso der Bruder in seinen Autobiografien bisher nicht vorgekommen ist.

Die Nibelungen

Buch dreizehn des dBps ist das dritte, das sich auf moderne Art und Weise mit historischen Stoffen beschäftigt und diese mehr oder weniger neu deutet, beziehungsweise umschreibt und dieses ist von der 1960 in Hameln geborenen “Büchner-Preisträgerin” Felizitas Hoppe, die ich 1996 in Klagenfurt kennengelernt habe, als sie dort glaube ich aus dem “Picknick der Friseure” gelesen und auch gewonnen hat und es ist wahrscheinlich auch das vierte experimentelle aus der Reihe, auch wenn es nach außen konventioneller als die anderen wirkt und, daß Felizitas Hoppe eine eher schwer zu verstehende oder schwer lesbare Autorin ist, habe ich spätestens beim “Picknick der Friseure” bemerkt und sie ist auch originell, so hat sie, glaube ich, auch ein Buch mit dem Titel “Hoppe” geschrieben und sie kommt in dem vorliegenden im Abspann auch als “Zeugin und Drehbuchautorin” ,bzw. als Erzählerin vor und das Nibelungenlied, das große deutsche Epos, kennen wir wohl alle. Ich habe es beispielsweise als Hauptschülerin, als deutsche Heldensage gelesen und war schwer begeistert.

Später als Studentin bin ich öfter zu den Wagner-Opern gegangen und habe den Stoff ansonsten wieder vergessen und das ist wahrscheinlich das Problem an dem Buch, das man sich, wenn man die Heldensage nicht gut kennt, wahrscheinlich sehr schwer zu verstehen und mitzubekommen und, wie beim Franzobel würde ich fast sagen, daß es wahrscheinlich besser ist, die Sage zu lesen, als Felizitas Hoppes Neudeutung, die sehr kompliziert ist und sehr künstlerisch, das gebe ich schon zu.

“Ein deutscher Stummfilm ” seht am Cover und da gab es ja einen Stummfilm von Fritz Lang und in der Stadt Worms gibt es offenbar “iNbelungenfestspiele” und das Buch tarnt sich auch als eine solche Aufführung und die Erzählerin Felizitas Hoppe, wo mir lange nicht klar war, wer da spricht, führt in einigen Teilen durch die Aufführung, die der “Rhein”, die “Donau “und dann immer wieder “Pause” heißen, wo die Darsteller interviewt werden und so erzählt Felizitas Hoppe, die Geschichte neu, führt einen Laiendarsteller ein, der den Tod spielt und auf einem Boot herumrudert, eine Dreizehn gibt es auch, die Brüder Günther, Gernot und Giselher treten in Kellnerkostümen auf. Krimihild wird “deutsche Superwitwe” genannt und in Wien, wo es die Hochzeit mit Etzel gibt, gibt es eine Tortenschlacht, die offenbar auch in dem Stummfilm vorkommt.

Sehr gelehrig mit sicherlich vielen Anspielungen, so heißt die Regisseurin, glaube ich, auch so, wie jemand aus dem Film, durch die Sage gezogen und ich denke wieder ,vielleicht besser die Sage lesen als Felitzas Hoppes Neudeutung, was für sie sicherlich sehr spannend war.

Aber eigentlich will ich mich mit diesen Stoff, der ja auch in der Nazizeit sehr gebraucht oder mißbraucht wurde, nicht sonderlich beschäftigen, denn die Geschichte ist ja sehr blutrünstig. Am Ende sind alle tot. Aber, wie geschrieben, als Zwölfjährige hat mich die Geschichte sehr begeistert, jetzt weniger und so wird auch Feliztas Hoppes Neudeutung nicht auf meine Sortlist kommen, wie sie auch auf der Richtigen nicht steht.

Vater und ich

Nach Vati” kommt gleich das zweite Vater-Buch der heurigen Longlist, es ist zwölfte das ich jetzt schon gelesen habe und das zweite ,der 1972 in schwäbisch Gmünd geborenen Tochter einer türkischen Familie, das ich gelesen habe, das zweite aus der Longlist, das von den aufmüpfigen jungen Frauen stammt, die sich mit Diversitions- oder Migrationsthemen beschäftigt und es klingt weniger aggressiv, als Shidar Bazyars “Kameradinnen” und es ist eigentlich kein Roman, sondern, wie ich meinen würde, eine hundert Seiten dicke Erzählung, die sich mit der Beziehung einer Tochter zu ihrem Vater beschäftigt.

Zu einem türkischen Vater, denn die scheinen sehr autoritär zu sein und dann ist es eben schwer mit ihnen zu reden, wenn man erwachsen ist, selbst wenn man inzwischen in Berlin lebt, als Journalistin im Radio arbeitet und deutsche Freunde hat.

Da ist also Ipek, die iin Berlin lebt und übers Wochenende nach Hause fährt, weil sie und ihre Freundinnen, die Mutter mit deren Freundinnen für ein paar Tage in ein Wellnessthotel geschickt haben und jetzt der Vater betreut werden muß, weil Väter nicht allein sein können.

“Das kann er schon!”, sagt die Mutter zwar. Die Tochter kommt trotzdem und wundert sich, als erstes oder stellt fest, daß der Vater sie nie vom Bahnsteig abholt, sondern immer vorm Auto auf sie wartet.

Er kommt noch zu spät, weil er noch etwas zu besorgen hatte, denn er und die Mutter wohnen in einer ehemaligen Schusterwerkstatt. Der Vater hat hinten seine Tapeziererwerkstatt. Die Mutter eine Schneiderei, hat aber <zettel aufgehängt, daß keine Kundenkommen sollen und so sitzen sich Vater und Tochter eine Weile sprachlos gegenüber. Die Tochter resümiert darüber und auch über ihr Leben als Kind einer Gastarbeiterfamilie, wie sie ihren Eltern die Häseleien der Mitschüler verschwieg. Ein Nachbarbub hat ihr beim Lernen geholfen und als das französische Austauschkind kam, hat sie sich dafür geniert, daß die Eltern nichts verstanden, wenn sie sich mit ihm auf Französisch unterhielt. Dafür hat sie in der Schule behauptet kein Türkisch zu können. Das hat sie aber mit dem Vater gesprochen, mit der Mutter Deutsch.

Der Vater geht in seine Werkstatt, weil da der Hausharzt Dr. Funke kommt, um seine Polsterstühle abzuholen, denn er hat fünf Katzen, die sie ständig zerkratzen, die Mutter schimpft darüber, hält den Doktor für verhaltensgestört und schimpft über ihn, wie auch über ihren Mann, weil das alle türkischen Frauen tun, die ihre Männer für Schwachklöpfe halten.

Das ist interessant, sich diese Hierarchien einmal genauer anzuschauen.

Am Abend wird gegrillt, es gibt Köfte und am nächsten Tag geht der Vater einkaufen. Da muß die Tochter immer zur Haustür kommen und ihm die Einkäufe abnehmen. Eine der Freundinnen kommt und dann nähern sich Vater und Tochter über das Haarschneiden an.

Richtig, das Buch “Mehmet mein Falke” von Yasar Kemal, das die Tochter, dem Vater einmal kaufte, weil es sie an seine Kindheit erinnerte. Der Vater ist auch einmal von zu Hause ausgerissen, weil er die Schule weiterbesuchen wollte und deshalb nach Deutschland gekommen ist, wird auch noch erwähnt. Am Schluß bringt der Vater die Tochter wieder zum Bahnhof und fragt, ob er sie am Bahnsteig begleiten soll?

“Nein!”, antwortet die, weil man alte Gewohnheiten nicht verändert soll und hat sich trotzdem dem Vater angenähert und wir haben viel über das Leben eines türkischen Gastarbeiterkindes, das es geschafft hat, aufzusteigen, gelernt und, daß es Dilek Güngör leiser als Shida Bazyar tat, habe ich sehr gut gefunden und ihren ersten Roman “Das Geheimnis meiner türkischen Großmutter” habe ich schon vor längerer Zeit im Schrank gefunden und wurde, als ich nach unserer Ausmalaktion einige Bücher von Wien nach Harland mitgenommen habe, daran erinnert, daß ich die Autorin schon länger kenne, als ich mich erinnern kann.