Vor einem Jahr ist Elfriede Gerstl gestorben. Ich habe im Literaturgeflüster darüber berichtet, war beim Begräbnis und die anschließende Gedenkveranstaltung im Cafe Korb und die Präsentation des postum erschienenen Gedichtbandes “lebenszeichen – gedichte – träume – denkkrümel” , versäumt, weil ich mit Alfred in Italien war, in Wien wird man aber sowieso ständig an sie erinnert.
So hat Herbert J. Wimmer bei der Poet Night und der Lyrik im März Texte von ihr gelesen, der oft in der alten Schmiede zu treffen ist, im Radio gabs “Tonspuren” zum ersten Todestags und Elfriede Haslehner organisierte im Rahmen der Frauen lesen Frauengruppe des ersten Lesetheaters am Dienstag, eine Gedenklesung im Literaturhaus, die zwar den Titel “alle Tage Gedichte” hatte, Monika Giller, Judith Gruber-Rizy, Heidi Hagl, Hilde Langthaler, Angelika Raubek, Gabriela Schmoll und Hilde Schmölzer, trugen aber auch Gedichte aus anderen Bänden, sehr viel Prosa und das Hörspiel “Berechtigte Fragen”, das in einem dieser orangen Jugend und Volk Büchlein der Siebzigerjahre erschienen ist, vor und auch Auszüge aus dem 1977 erschienenen Montageroman “Spielräume” und das war sehr interessant, ist mir Elfriede Gerstl hauptsächlich als Lyrikerin in Erinnerung.
So habe ich mir die Urform der “Wiener Mischung” vor vielen Jahren gekauft, die “Alle Tage Gedichte” von ihr zum Geburtstag geschenkt bekommen, den “papierenen Garten” und noch ein “Freibord” -Heft mit ihr getauscht, denn Elfriede Gerstl war eine, die gerne Bücher mit mir tauschte und auch sonst eine sehr freundliche Frau, die nicht nein sagte, wenn man sie zu einer Lesung lud, auch wenn sie dadurch überfordert wurde und die mir durch ihre charakteristischen Gedichte in Erinnerung ist.
“gemüt-licher käfig”, “von den identitäten”, “vom wünschen”, “mitunter hab ich diesen körper nicht in griff”, “vom essen gehen oder was werde ich heute wieder alles stehen lassen”, “stress muß sein”, “vom kauffaul sein”, ect, alles sehr prägnante Verse und ich habe sie auch oft gehört.
Hat es ja 1999, als sie den Georg Trakl und den Erich Fried Preis bekommen hat, auch eine Lesetheaterauffühung im Literaturhaus gegeben und ihre Sprache ist sehr einprägsam. Es ist auch interessant, daß sie, obwohl sie eine bekannte Wiener Spaziergängerin gewesen ist, die in der Innenstadt ihre Runden von Lokal zu Lokal machte, auch sehr unbekannt gewesen ist, so ist sie ja in Hilde Schmölzers “Frau sein und schreiben” nicht enthalten und auch Cornelia Travnicek hat vor einem Jahr in ihrem Blog von einem Germanistikstudenten geschrieben, dem der Name nichts sagte.
Also eine interessante Lesung, vor allem das 1973 entstandene Hörspiel, das so markante Aussagen hatte, daß man glauben konnte, es wäre jetzt geschrieben worden, hat mich sehr beeindruckt und wurde von den Lesefrauen sehr gut vorgetragen und nachher hat mich sehr berührt, daß, während Judith Gruber mit dem Spendentopf herumgegangen ist, Silvia Bartl auf mich zukam und sich verabschiedet hat, weil es ihr letzter Tag im Literaturhaus war. Traurig, da nicht helfen zu können und ein unbehagliches Gefühl, wenn die guten Wünsche in der Luft verhallen.
Elfriede Gerstl ist jedenfalls oft ins Literaturhaus gekommen und hat auch die Erinnerungslesung an die verstorbenen GAV-Kollegen am 2. November initiiert, da habe ich mich in den letzten Jahren ja gedrückt, weil da das Nanowrimo war, aber jetzt sehr intensiv an die Dichterin gedacht, die erst in den späten Lebensjahren Anerkennung fand und, die, wie sie mir 1999 bei meinem Geburtstagsfest sagte, nicht gut schlafen konnte.
Podium-Werkstattheft
Im Literaturhaus wurde am Montag das neue Podium-Heft “Werkstatt 2010” vorgestellt.
Die niederösterreichische Literaturzeitschrift wurde 1971 von Alfred Gesswein gegründet und später von Alois Vogel herausgegeben. In den Achtzigerjahren als ich noch hoffnungsfroh meine Texte an die Literaturzeitschriften schickte, habe ich von Alois Vogel eine Karte bekommen, daß er meinen Slavica Text in der Nummer 63 herausbringen will und hat mich gefragt, was wir als Titel nehmen sollen? Wir haben uns für “So einfach ist das” entschieden und der Text “Einige Überlegungen zur Selbstmordgefährung oder ausschlaggebend ist, daß der Tod auch nach Teheran kommt”, den ich für das Selbstmordprojekt der GAV geschrieben habe, und bei einem von Manfred Chobot organisierten Symposium in der alten Schmiede vorgestellt habe, ist in der Nummer 81 erschienen und Auszüge aus meinem nie veröffentlichten Roman “Das alternative Leben oder Quellen des Glücks” gibts im Podium 90. Das war offenbar auch so ein Werkstattheft, wie die soeben erschienene Doppelnummer.
Seither sind keine Texte mehr von mir im Podium erschienen, wohl aber eine Rezension zur Globalisierungsnovelle von Alois Eder, da ich gelegentlich meine Bücher als Rezensionsexemplare hinschicke, die Hannes Vyoral, immer freundlich entgegennimmt.
Alois Vogel ist inzwischen verstorben, das Heft ist viel dicker geworden und erscheint, wie Barbara Neuwirth, die durch den Abend führte, erklärte, meist als Themenheft und ich kann mich erinnern, daß ich im bewegten Jahr 2000 sehr viele Themenhefte mit meinen Texten beschickte.
Inzwischen habe ich das Herumschicken aufgegeben, nur meine Bücher schicke ich noch zum Rezensieren hin und Hannes Vyoral war auch diesmal freundlich, hat er mir doch, als ich das Literaturhaus betreten habe, gleich ein Podium in die Hand gedrückt und der Werkstattbericht, der in dem Heft enthaltenen Autoren, ist sicher interessant.
Viele bekannte Namen, viele GAV-Autoren, die auch bei der Freiheit des Wortes gelesen haben und einige jüngere Talente. Gelesen haben Annett Krendelsberger, Monika Vasik, Manfred Chobot, Axel Karner und Barbara Neuwirth, die auch einige andere in dem Band enthaltende Texte kurz vorstellte, erzählte noch, daß die Autoren ein kurzes Statement, wie sie schreiben, ihren Texten vorangestellt haben. Annett Krendelberger hat begonnen und die habe ich erst vor kurzem beim Gerhard Jaschke Abend in der alten Schmiede gehört. Annett Krendelsbergers Work on progress hieß “Beweislast” und handelt vom Tagebuch einer schwangeren Frau, die sich klarwerden will, ob sie sich für oder gegen das Kind entscheiden soll und durch Barbara Neuwirths Einleitung erfuhr ich auch, daß die 1967, in Wien geborene Annett Krendelsberger einige Male beim FM4 Wettbewerb gewonnen hat.
Dann kam Axel Karner an die Reihe, den ich von der GAV und seiner Mitwirkung beim Tag der Freiheit des Wortes kenne, er las aus einem Gedichtzyklus, der im Herbst bei Wieser erscheinen wird. Ein Alphabet der Tiere oder “Chanson grillee, wo es von A bis Z zu jedem Buchstaben, ein Tier und ein Gedicht geben wird.
Eingeleitet wurde das Ganze von einem Prosatext “Schlachtvieh”, angeregt von einer Lithografie des mexikanischen Malers Francisco Toledo, dann kamen die politischeren Wirtschaftsgedichte, der 1960 geborenen, als Ärztin tätigen Monika Vasik, die 2003 den Lise Meitner Preis gewonnen hat und die ich blöderweise mit der 1963 geborenen Gabriele Vasak, die 1998 bei Milena “Mausersegeln” geschrieben hat, verwechselte und am Schluß den altbekannten GAV-Kollegen Manfred Chobot, der schon lange im Podium ist und dessen Work on progress aus Traumgeschichten besteht.
Das Publikum war, wie Barbara Neuwirth erwähnte, voll von Autoren. Bruni Langthaler, Elfriede Haslehner, Ilse Tielsch, Erich Schirhuber, Eleonore Zuzak u. u. u.
Außerdem habe ich mich lang mit Franz Blaha unterhalten und als ich beim Wein stand, ist die Schauspielerin Eva Agai, die ich vom Klub logischer Denker kenne und schon lange nicht mehr gesehen habe, auf mich zugekommen und mir erzählt, daß sie mit Monika Vasik in die Schule gegangen ist und deshalb im Hintergrund ihre kritischen Anmerkungen zu den Wirtschaftsgedichten gelesen hat.
“Wirtschaft? Warum gerade Wirtschaft? Für mich wär das nichts! An Gedichten läßt sich nichts verdienen, also sind sie nicht wirtschaftlich!”
Es war eine sehr interessante Veranstaltung unter Freunden, wie Christiane Zintzen in ihrem Blog so schön schreibt und Barbara Neuwirth bedauerte in ihren Schlußwort, daß das die letzte Veranstaltung ist, die Silvia Bartl betreut und die habe ich auch gesehen und die Bibiane hat die Getränke ausgeschenkt, fotografiert und ist mit dem Gästebuch herumgegangen.
Leben ohne Geld
Im letzten “Augustin”, den Alfred am Samstag nach Harland brachte, gibt es einen interessanten Artikel, der ehemaligen Lehrerin und Psychotherapeutin Heidemarie Schwermer, einer Pilgerin aus der Kostnix-Welt, wie als Überschrift steht, die seit vierzehn Jahren aus der Konsumwelt ausgestiegen ist, von dem ich mich sehr angesprochen fühle, versuche ich ja zwar nicht ohne, aber mit möglichst wenig Geld zu leben.
Die nordeutsche Psychotherapeutin, die nach Wien gekommen ist, um den “Augustin”, dessen Kostnix-Bücherladen und den offenen Bücherschrank zu besuchen, hat 1994 einen der ersten Tauschringe in Deutschland gegründet, dann ist sie zuerst für ein Jahr aus der Kaufwelt ausgestiegen, hat ihre Wohnung aufgegeben, ihre Sachen verschenkt und lebt seither vom Hüten fremder Wohnungen und dem, was sie dort in den Eisschränken findet, hat zwei Bücher darüber geschrieben und ist in diversen Talkshows aufgetreten.
Ein Buch heißt “Das Sterntalerexperiment”, das man kaufen kann, das zweite “In Fülle Sein – ohne Geld”, kann man kostenfrei auf ihrer homepage lesen. Das habe ich jetzt ein bißchen getan und es, weil ich sehr sparsam bin, nicht ausgedruckt, sondern quergelesen, deshalb gibts keine richtige Besprechung, sondern ein paar Gedanken, weil ich einiges aus eigener Erfahrung kenne.
Das Buch erscheint mir an einigen Stellen ein bißchen esoterisch und religiös angehaucht, aber die Grundidee, daß die Welt lebendiger wird, wenn sich die Menschen gegenseitig helfen und man dadurch zu den inneren Werten kommen kann, wenn man gibt und nimmt und nicht alles wegwirft, wie das Brot im Supermarkt, kann ich nachvollziehen und finde es faszinierend.
Es gibt Übungen, Beschreibungen und Lebenserfahrungen. Heidemarie Schwermer reist herum, hütet fremde Wohnungen, geht auf den Markt Obst und Gemüse sammeln oder nimmt sich ein schönes gut erhaltenes Buch aus dem offenen Bücherschrank und schreibt von ihren Erfahrungen, wie sie in Panik vor dem leeren Kühlschrank steht, dann Brennessel sammelt und als die gekocht sind, ruft eine Freundin an und bringt eine Schachtel mit Lebensmittel vorbei.
An diesen Punkt wäre ich ein wenig skeptisch, beziehungsweise würde ich fürchten, daß die Freundinnen bei mir nicht kommen, deshalb gebe ich auch meine Wohnung nicht auf, bin aber, um zu meinen persönlichen Erfahrungen zurückzukommen, offenbar bin ich ein paar Jahre jünger, daher keine Kindheitskriegsererlebnisse mit Hunger, aber mit sehr sparsamen Eltern aufgewachsen, so daß der Konsumverzicht, das Notwendige, nicht das Überflüssige für mich immer schon sehr wichtig waren. Ich habe es nicht immer gelebt. Sondern als Studentin viele teure Bücher gekauft und auch später große Reisen, zum Beispiel nach Japan, gemacht und in einigen Luxushotels übernachtet, so daß das Loslassen erst später richtig gekommen ist und mir das mit möglichst wenig Geld leben, inzwischen als brauchbare Lebensform erscheint, die auch gut gelingt.
Ich schreibe auf meinem Blog immer wieder vom Büchertauschen oder, daß ich nicht so gern ins Kaffeehaus und zu Veranstaltungen gehe, wo Eintritt zu zahlen ist, da hat mich einmal eine Leserin gefragt, ob ich so arm bin, daß ich das nicht mache?
“Nicht wirklich!”, hab ich ihr geantwortet, es ist eher eine Lebensform und ein Stück Unabhängigkeit.
So, daß das meiste Geld, das ich ausgebe für meine Steuer und die Sozialversicherung ist. Da unterscheide ich mich von Heidemarie Schwermer und auch, daß ich mit meinen limitierten Kassenverträgen, ziemlich schnell das Grundgehalt habe und damit Zeit zum Schreiben, was mir sehr wichtig ist.
Ich putze mir auch selber und bezahle keine Putzfrau, denke aber, daß die Psychotherapie, etwas ist, das man den anderen geben kann, wenn man sie erlernt hat, das ist ja das Schwermersche Grundprinzip und wie sie Handy und Internet bezahlt, ist mir nicht klargeworden.
Mein Blog ist mein Geschenk an die Menschheit und dazwischen schreibe ich meine Literatur. Gehe viel zu Fuß, nicht unbedingt spazieren, sondern zu Veranstaltungen und Terminen. Das ist gesund und das bewußte Leben, von dem auch Heidemarie Schwermer schreibt.
Ich tausche meine Bücher und bekomme ziemlich viele geschenkt, die ich sammle. Diesbezüglich bin ich nicht unbedingt für Besitzlosigkeit und was vermutlich ein Nachteil ist, ich kaufe eher billige Kleidungsstücke, die vielleicht in nicht so fairen Bedingungen entstanden sind, da ich aber ziemlich genügsam bin, spare ich viel Energie und das Fliegen habe ich mir auch wegen der Sicherheitsbestimmungen abgewöhnt, weil ich durch einen Nacktscanner nicht so gern gehe und reiselustig bin ich im Gegenteil zu Alfred und Heidemarie Schwermer auch nicht sehr.
Da genügt mir die Sommerfrische in Harland und das Radfahren an der Traisen. Die Literaturveranstaltungen, die ich besuche, sind umsonst und ein Leben mit möglichst wenig Geld, macht, glaube ich, unabhängig, deshalb praktiziere ich es auch.
Im Gegensatz zu Heidemarie Schwermer habe ich aber das Gefühl, daß das Tauschprinzip in unserer Gesellschaft nicht so hoch angesehen ist, so bin ich zweimal bei Kolleginnen, als ich mit ihnen Bücher tauschen wollte, ziemlich angeeckt, die das fast als Beleidigung und Mißachtung angesehen haben und ich wundere mich auch manchmal, wenn ich meine selbstgemachten Bücher präsentiere, über das Erstaunen, daß das auslöst, weil ich damit nichts verdiene.
Der Konsumverzicht ist etwas tief in mir Verwurzeltes, ein Wert mit dem ich sehr zufrieden bin, so haben mir der Artikel, die Website und die Bücher Heidemarie Schwermers sehr gefallen und wie erwähnt, früher hätte ich mirs ausgedruckt, jetzt habe ich an das Geld und das Papier gedacht, das ich damit erspare und Platz habe ich auch nicht mehr viel in den Regalen, das ist auch ein Argument gegen das Buch an sich und für das Internet.
Reine Glückssache
Da dies der vierhundertste Artikel und nicht schon, wie ich irrtümlich dachte, Nummer fünfhundert ist, gibts eine Besprechung eines Buchs aus dem offenen Bücherschrank, das ich fast übersehen hätte, war das orange Janet Evanovich Bändchen “To the nines”, doch so abgegriffen, um von mir sofort als Band neun, der Stephanie Plum Krimis erkannt zu werden.
Und Nummer eins “Einmal ist keinmal”, diente ja als Vorlage für Jens Lindners “Döner for one”, das der Piper Verlag wegen allzu großer Nähe zum Original, im Februar vom Markt genommen hat und daher nur mehr in Restbeständen zu finden ist und da dachte ich ja einmal, das wäre was für den Bücherschrank, aber das und das Original habe ich dort nicht gefunden, dafür aber Band neun auf Englisch. Damit habe ich mich jetzt zwei Wochen lang abgeplagt und dabei eine interessante Endeckung gemacht, denn vorher war mir die 1943, in New Jersey geborene, Janet Evanovich kein Begriff und ich wußte auch nichts von ihren Stephanie Plum Krimis. Fünfzehn bzw. sechzehn gibt es schon, wobei die letzten beiden noch nicht auf Deutsch erschienen sind und die englischen Originalausgaben haben alle Zahlen im Titel.
“One for the money” ist “Einmal ist keinmal”, “To the nines” – “Reine Glückssache” und dazwischen “Two for the Dough” bishin zu “Sizzling Seexteen”, im Deutschen gibt es ganz andere Titel, die Zahlen sind ab Band fünf verschwunden und die Titelbilder der deutschen Ausgaben zieren flotte Illustrationen von Natascha Römer, die fast immer eine rothaarige Frauengestalt zeigen, die auch die deutschsprachige Website von Janet Evanovich gestaltete.
Nun denn Stephanie Plum ist Kautionsdetektivin und war früher Dessouseinkäuferin, das spielt in Band neun keine Rolle mehr, hat ein chaotisches Privatleben und eine große Familie, das kommt noch vor. Stephanie arbeitet im Büro ihres Vetters Vinnie und soll sich auf die Spuren des verschwundenen Inders Samuel Singh machen. Es gibt zwei Männer in ihrem Leben, den Polizisten Joe Morelli und dann noch den Söldner Ranger, bewacht wird sie auch von mehreren Bodyguards, die sie begleiten und auf sie aufpassen, es gibt zwei Assistentinnen Connie und die ehemalige Prostituierte Lula, die sich in dem Band gerade von ihrem Übergewicht durch eine Fleischdiät zu einer Modelfigur hinunterfrißt, was zu köstlichen Szenen führt.
Dann gibt es auch noch die köstliche Familie, die kochende Mutter, die schwangere Schwester Valerie, die Großmutter und Morellis Mutter und Großmutter, die Kuchen bringen und Stephanie ständig ihren Tod vorhersagen.
Stephanie soll aber Samuel Singh finden und während sie in seiner Firma forscht, erhält sie Rosen und Fotos von toten Frauen, dazu noch Warnungen mittels E-mails. Sie fliegt mit Lula, Connie und ihren Bodyguards nach Las Vegas, um dort Singh zu finden, was, da das Buch 2003 erschienen ist, zu köstlichen Schilderungen führt, als Lula ihr geröstetes Huhn durch die Sicherheitskontrollen schmuggeln will.
In Las Vegas geraten sie in ein Casino und finden Singhs Leiche, vorher wurden schon einige Personen erschossen und während Lula Singhs Hund zurückbringt, fährt Stephanie zu Valeries Entbindung ins Krankenhaus und wird dort beinahe von der grünhaarigen Fischerkatze erschoßen, die sie auch vom Mörderspiel informiert, als dessen nächstes Opfer Stephanie auserkoren wurde. Sie wird gerettet, verliert nur ein paar Haare, während Fischerkatze, der in Wirklichkeit, der neunzehnjährige Steven Klein war, vom Webmaster erschossen wird und sich Stephanie nun mit ihren Bodyguards auf die Suche nach diesen Webmaster begibt, der sie in Singhs Fabrik zurückführt, wo es drei Männer gibt, auf die der Verdacht fällt.
Am Schluß wird nicht nur Stephanie in diese Fabrik entführt, sondern auch Valeries Freund Albert, der gefesselt auf einer Bombe sitzt, während Lula, die inzwischen einiges abgenommen hat, an Seilen baumelt, Stephanie wird von ihren zwei Männern gerettet, der Webmaster erschoßen und während Valerie mit ihrer Familie und dem Baby vorübergehend in Stephanies Appartement zieht, verbringt die, die Nacht bei Morelli, um von deren Mutter und Großmutter geweckt zu werden, die frischgebackenen Kaffeekuchen bringen und von weiteren Träumen erzählen….
Am Wochenende, das ich in Harland verbracht habe, habe ich außerdem, den neuen Henning Mankell Krimi “Der Feind im Schatten”, der am 30. 4. erscheinen wird, probegelesen und mir beim “Schubert” das Buch zum Welttag des Buchs geholt, in dem es leider nur Geschichten von Männern gibt.
Welttag des Buches
1995 hat die Unesco den Todestag von Shakespeare und Cervantes zum Welttag des Buchs erklärt.
1998 habe ich das in Wien mitbekommen, denn da war diesbezüglich sehr viel los. So wurde ein vom österreichischen und ein vom deutschen Hauptverband herausgegebenes Buch, eine Anthologie von Texten gut verkäuflicher Bücher, in Österreich war das eine Sammlung der Gegenwartsautoren, verschenkt und ich bin an diesem Tag in die Rasumofskygasse gegangen, um mit Gerhard Kofler meine Frauenlesung, die ich damals in der alten Schmiede hatte, zu besprechen und habe mir die Bücher in den Buchhandlungen um den Stefansplatz geholt.
Es gab auch in den anderen Buchhandlungen viele Gratisbücher, so hatte der Hintermeier eine Kiste, aus der man sich was aussuchen konnte, da war etwas von Peter Weiss dabei und Donauland hatte eine Buchhandlung auf der Mariahilferstraße aufgemacht und Herzerln, Bücher und Bleistifte verteilt und auch der Libro oder Amadeus hatte ein eigenes Gratisbüchlein, das der Famler herausgegeben hat.
Da war ein paar Jahre lang viel los und ich habe mir den 23. April im Kalender eingetragen, um mir zwischen meinen Stunden, den Gratisbüchersegen zu holen und vor den Buchhandlungen standen Werbemädchen mit Rosen, die sie verteilten, weil man in Spanien am Tag des Buches, den Frauen Rosen schenkt.
Die deutsche Anthologie wurde am ehesten eingestellt oder war in Österreich nicht mehr zu bekommen, Amadeus ging in die Krise und wurde zum Thalia und Walter Famler zum Generalsekretär der alten Schmiede.
Das Geschenkbuch des Hauptverbandes gibt es noch immer und das ist eine sehr schön gemachte Anthologie zu einem bestimmten Thema. Ein paar Jahre hat es die Evelyn Polt-Heinzl gemacht.
2007 waren wir mit Ruth Aspöck um diese Zeit auf der Donauradreise, da kann ich mich erinnern, daß ich in Straubing und in Regensburg nach dem deutschen Buch suchte, es gab aber nur die Ausgabe für Kinder. Dann sind wir in St. Pölten aus dem Zug ausgestiegen, der Thalia hat gerade zugemacht, beim Schubert habe ich das Buch dann noch bekommen. Das Thema war, glaub ich, “Buchhandlungen”.
2007 und 2008 hat es auch eine Bücherstraßenbahn “Buch am Zug” oder so gegeben, die den ganzen Tag mit Programm und Interviews am Ring entlang gefahren ist.
2007 habe ich das versäumt, 2008 bin ich ein Stück mitgefahren, habe von den Interviews zwar nicht sehr viel mitbekommen, weil man nicht sehr nahe rankonnte, es wurden aber Bananen und kleine Marmeladegläser verteilt.
Das gibt es ebenfalls nicht mehr und seit einigen Jahre ist es auch schwierig, das Gratisbuch zu bekommen, weil das nicht mehr alle Buchhandlungen hatten, da die Büchhändler dafür bezahlen müßen. Bei der Buchwoche und der Buch-Wien liegt es zwar auf, im Vorjahr hat mich der freundliche Buchhändler auf der Margaretenstraße auf die Wiedner Hauptstraße geschickt und heuer, habe ich bei www. buecher.at gelesen, können die Buchhändler für Helmut A. Gansterers Zusammenstellung “Erlesene Reisen”, einen Euro verlangen, die dann den Roten Nasen gespendet werden.
Also hoffe ich es bei der Buch Wien zu finden, wenn ich dorthin komme, lese ohnehin nicht so gerne Anthologien und habe auch genügend Bücher und, daß der Buchhandel in der Krise ist, weil das E-Book kommen soll, weiß ich auch.
Im Kurier gab es jedenfalls vor ein paar Tagen einen Artikel, auf was man sich einläßt, wenn man E-Books liest, welche Rechte man dann hat oder eben nicht hat.
Aber die E- Books sind ohnehin nicht so begehrt, höre ich ja immer, die Leute sagen, daß sie damit nicht lesen, weil sie ein Buch in der Hand halten, riechen und angreifen wollen.
In einer Radiodiskussion habe ich gehört, daß die Österreicher 9, irgendenwas Bücher im Jahr lesen und die Deutschen 8,.. .
Da liege ich weit darüber und seit ich meine Bücher rezensiere, lese ich überhaupt bewußter und versuche meine SUBs zu überschauen und in Griff zu bekommen.
Ich fühle mich von den E- Books und dem Aussterben der Bücher auch nicht bedroht, denn für die zwanzig Jahre, die ich wahrscheinlich noch gut lesen kann, die Sehkraft läßt ja irgendwann nach, bin ich versorgt und bis es vielleicht keine Bücher mehr gibt, bin ich schon gestorben und hinterlasse einige tausend Stück.
Daß ich keine Bücher kaufe, die zwanzig Euro kosten, habe ich mir auch schon lange angewöhnt. Als Studentin habe ich das getan, jetzt gehe ich zu den Ein-Euro-Wühlkisten, tausche oder in neuester Zeit zu diesen Bücherschrank.
Den Hauptverband wirds nicht freuen, mich aber schon, habe ich bezüglich meiner eigenen Bücher, den illegalen, wie es Martin Potschka einmal nannte, ein anderes Trauma, denn ohne ISBN Nummer und Verlag, ist es schwer Anerkennung und Beachtung zu finden.
Da habe ich gestern wieder eine Internetseite gefunden, wo man seine Bücher präsentieren kann, aber Bods und Zuschußverlagserzeugnisse sind natürlich ausgeschlossen.
Das ist auch ein Kampf gegen Windmühlen, da bin ich wieder beim Cervantes und Christiane Zintzen hat in ihrem Blog einen interessanten Artikel über die Netzliteratur. Da ist nämlich am 9. April in der FAZ ein Artikel gegen Blogs erschienen, deren Wert abgesprochen wurde. Was ich ebenfalls nicht finde, bin ich ich ja immer fasziniert, was man alles in den Blogs so finden kann. Zum Beispiel denke ich, daß sich der Hauptverband für Bücherblogs interessieren sollte, weil die Leute da ja genau beschreiben, was sie so lesen.
Sie lesen zwar meistens das, was mich nicht so unbedingt interessiert, nämlich Chick lit, fantasy, Krimis ect, aber das sind wahrscheinlich, die Bücherkäufer und der Hauptverband hat auf seiner Seite auf eine Aktion hingewiesen, wo zum Tag des Buches eine zeitgemäße Bezeichnung für bibliophile Menschen gesucht wird.
Bücherwurm und Bücherratte haben ausgedient, weil eine wenig schmeichelhafte Bezeichnung für Menschen, die gern lesen, wie soll man das also besser nennen?
Bis neunten Mai kann man, unter info@literaturmanagement einen Vorschlag machen und ein Buch übers Lesen dabei gewinnen.
Ich habe mir Markus Zusaks “Die Bücherdiebin” ausgesucht und “EWKUAAs – Engagierte Wissen- Kultur und Antialpabetisierungsaktivisten” vorgeschlagen.
Mal sehen, ob ich das Buch bekomme und was bei der Aktion herauskommt, denn Lesen ist natürlich wichtig, das Faszinierende am Internet ist aber, daß sich da immer mehr Menschen finden, die darüber schreiben und ich glaube auch, daß das ein bißchen Unabhängigkeit bringen kann, denn man kann ja seine Bücher wirklich selber machen und selbst bewerben und auf meinem Blog kann ich auch darüber schreiben und sogar ein Filmchen drehen, wenn ich das will.
Das will ich, glaube ich, nicht, soll aber am 28. 5. das Literaturgeflüster im Amerlinghaus in Ilse Kilics Veranstaltung zum “Alltäglichen Leben” vorstellen und da hab ich jetzt die Einleitung geschrieben und da ich nur fünfzehn Minuten Lesezeit habe, werde ich den Startartikel zur “Sommerfrische”, die “Spurensuche” und noch einige Kommentare zur “Poet Night” lesen.
Andrea Grill in der Nationalbibliothek
Im Oktober 2008 habe ich nach einem Blogeintrag von Otto Lambauer, die er damals noch schrieb, mich in den “Wochenendrecherchen” mit einigen jüngeren österreichischen Gegenwartsautorinnen beschäftigt. Andrea Stift, Andrea Grill, Andrea Winkler und Linda Stift, das Verwechslungspotential ist damals noch sehr groß gewesen und ich habe jede von ihnen durch eine Lesung oder ein Buch flüchtig gekannt. Andrea Grill durch ihr Familienalbum “Der gelbe Onkel” , das ich bei einer Lesung im Literaturhaus kennenlernte, dann hat sie 2007 beim Bachmannpreis gelesen, bei Andrea Winkler war es ähnlich, da habe ich “Hanna und ich” gekannt, auf Andrea Stift bin ich durch Otto Lambauer gestoßen und bei Linda Stift habe ich von ihren Büchern “Kingpeng” und “Stierhunger” mehr oder weniger viel gehört.
Der Herbst 2008 war aber sehr intensiv, so bin ich bald danach mit Andrea Stift in Kontakt gekommen, Andrea Grill hat mit “Tränenlachen” eine Buchprämie bekommen und mit Andrea Winkler habe ich mich nach dem Bachmannpreis 2009 intensiv beschäftigt, hat mich ja ihre Sprache sehr beeindruckt und Andrea Grill habe ich immer wieder bei Veranstaltungen im Literaturhaus im Publikum gesehen, bzw. als Übersetzerin aus dem Albanischen beim Fried Symposium erlebt. In Leipzig, bin ich ich während ihrer Lesung im Österreichcafe aufgeregt herumgelaufen und habe entweder ein Weinglas oder den Wieserstand gesucht, von ihrer Lesung aber nicht viel mitbekommen, dadurch neugierig geworden, so daß es gerade richtig kam, als mir Janko Ferk, das Programm des literarischen Salons in der österreichischen Nationalbibliothek schickte. Er liest dort im Juni, Andrea Grill aber schon am 22. 4. aus “Das Schöne und das Notwendige”, das mir in Leipzig entgangen ist, so bin ich heute in das Oratorium gegangen und da war ich, nicht sehr oft.
Einmal bei einem Thomas Bernhard Symposium, dann hat Daniel Kehlmann 2003 sein “Ich und Kaminski” dort vorgestellt und 2008 Cornelia Travnicek “Der Asche meiner Schwester” mit der bin ich dann auch in Kontakt gekommen und die Lesung heute war ebenfalls sehr interessant. Ob sich daraus ein persönlicher Kontakt ergibt, weiß ich nicht, aber, daß es ein sehr ungewöhnliches Buch ist, daß da vorgestellt wurde.
Der junge Mann, der die Lesung eingeleitet hat, hat von einem außergewöhnlichen Talent gesprochen und den Lebenslauf als Biologin, die albanische Übersetzerin und auch die verschiedenen Wohnorte, wie Bologna und Amsterdam erwähnt.
Im Klappentext wird das Buch eine ökologische Parabel genannt, der Falter nennt es ein üppiges Märchen unserer Zeit, der junge Mann hat das Buch in blumigen Worten sehr ausführlich beschrieben, so daß man es gar nicht mehr lesen muß.
Es geht um eine Männerfreundschaft, zwei Männer von denen einer anfangs durch die Züge betteln geht, dann einen Kathedralenruhestifter kennenlernt, dessen Geld verspielt, wobei der auf die Idee kommt, den teuersten Kaffee der Welt, hergestellt als Fermentierung aus dem Dickdarm einer Schleichkatze, in seiner Wohnung zu erzeugen.
Eine Valentina spielt auch noch eine Rolle und die ist mir bekannt erschienen, bis einer aus dem Publikum fragte, ob das aus dem Bachmanntext ist?
Fiat, der eigentlich Ferdinand heißt, wird in einen Zoo, als Tierpfleger geschickt, um dort die asiatische Schleichkatze, eine Mischung aus Katze und Marder, die sehr stinkt zu stehlen, die den teuersten Kaffee der Welt ausscheißt, ein Pferd kommt auch irgendwo vor, daß sich in der Küche aufbläht, da mußte ich an Erich Kästner und den 35. Mai denken, Andrea Grill meinte, es hat sich bei ihr irgendwie so ergeben und erzählte, daß sie Teile des Buches in der Nationalbibliothek geschrieben hat. Es kommt auch ein berühmtes holländisches Buch aus dem Jahr 1901 vor, das Andrea Grill stolz präsentierte und die Stelle, wo Fiat auf der Straße die Bettlerin Valentina trifft, mit ihrer albanischen Übersetzerin von “Tränenlachen”, las.
Was mich vor allem faszinierte ist die Ungewöhnlichkeit des Buches und Andrea Grills Vielseitigkeit, denn das passt in den literarischen Trend nicht hinein, die traut sich was, könnte man denken, dieses üppige Märchen ist sehr originell und offenbar mit viel Lust geschrieben.
Es besteht aus vierzig Kapitel, wo jedes die Überschrift einer Kaffeesorte trägt, es gibt hundert Kaffeesorten, wir trinken aber nur zwei, erklärte Andrea Grill und dann noch diesen Katzenkaffee, den es wirklich gibt, aber der Roman ist offenbar doch ein Märchen und entsprechend unrealistisch, da diese Schleichkatze, ja die roten Blüten frißt, die beiden Männer kaufen den Kaffee aber im Supermarkt und setzen ihn dem asiatischen Katzenmarder nochmals vor.
Also wieder was gelernt über die Ungewöhnlichkeit der österreichischen Gegenwartsliteratur, die es offenbar doch gibt, man muß sich nur trauen. …
Was mir nicht gefällt ist das Töten vom Schmetterlingen, weder als Liebesbeweis noch zum Erstellen einer Dissertation.
Rosa Mayreder Buchpräsentation
In der Musiksammlung der Wien Bibliothek gab es heute die Buchpräsentation von Rosa Mayreders “Zivilisation und Geschlecht”, ein Lesebuch herausgegeben von Eva Geber.
Rosa Mayreder, die 1858 geborene und 1938 verstorbene Frauenrechtlerin, Kulturphilosophin, Librettistin, Schriftstellerin und Malerin ist sicherlich eine interessante Frau, die seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr Tagebuch, mit dem “Haus in der Landskrongasse” ihre Autobiografie schrieb und mit Marie Lang und Auguste Fickert 1893, den allgemeinen österreichischen Frauenverein gründete und für Hugo Wolf, das Libretto für seine Oper “Der Corregidor”, schrieb. Deshalb fand die Buchpräsentation in der Musiksammlung in der Bartensteingasse statt, da dort gerade eine Ausstellung zum hundertfünfzigsten Geburtstag von Hugo Wolf läuft, in den “Loosräumen” einer ehemaligen großbürgerlichen Wohnung, also einem sehr interessante Ambiente, in dem ich noch nie war.
Rosa Mayreder war mir dagegen schon bekannt, hat doch Hilde Schmölzer 2002, bei Promedia, eine Biografie “Ein Leben zwischen Utopie und Wirklichkeit” herausgebracht und mir das Buch zum Geburtstag geschenkt, bzw., als wir uns 2000 oder 2001 in dem Gartenhäuschen der Bruni trafen, davon erzählt.
“Mayreder nicht Mairöcker”, hat sie mir einige Male zugerufen, als ob ich das verwechselt hätte. Aber beide Namen waren mir schon damals bekannt und das Buch habe ich, als ich es bekommen habe, gelesen, die bei Mandelbaum erschienene Autobiografie “Das Haus in der Landskrongasse” dagegen nicht. Aber das wäre ohnehin schwierig gewesen, da es mit den Rechten Schwierigkeiten gegeben hat, wie Michael Baiculescu erzählte, so daß das Buch eingestampft werden mußte.
Das ist jetzt vorbei, siebzig Jahre nach dem Tod werden die Rechte freigegeben, so daß Rosa Mayreder wieder erscheinen kann, wenn sie ihre Leser findet und sich die Herausgabe wirtschaftlich trägt.
Mit dem von Eva Geber, der Herausgeberin der “AUF”, die jetzt bald ihren fünfunddreißigjährigen Geburtstag hat, herausgegebenen Essayband bzw. Lesebuch wurde ein Anfang gemacht und es gab in den sehr schönen Jugendstilräumen ein Gespräch zwischen Eva Geber und Michael Baiculescu.
Hilde Schmölzer hat ihre Biografie auf den Büchertisch gelegt und mir von ihrem Vorlaß erzählt und Eva Geber erzählte ein bißchen was von der radikalen Frauenrechtlerin, die eine schwierige Kindheit hatte, nämlich einen patriachalen Vater und eine schwache Mutter, die ein ehemaliges Kindermädchen war und zwölf Geschwistern, darunter einige Brüder, für die die beste Bildung vorgesehen waren und weil sich die kleine Rosa frühzeitig für die “Rechte des Weibes” interessierte, hat sie mit ihnen Latein und Griechisch gelernt und später sehr radikale und freie Ansichten entwickelt, auch wenn sie manchmal etwas widersprüchlich waren.
Im Jänner 1938 ist sie, zum Glück, wie Eva Geber meinte, gestorben, denn kurz darauf wurden die Frauenvereine ja verboten und es war lange still, um die Rechte der Frau, die erst in den Siebzigerjahren, wahrscheinlich mit und durch die AUF-Frauenbewegung, eine Renaissance fanden.
Eva Geber hat jedenfalls in einer Bücherwühlkiste ein altes von einem Frauenverein herausgegebenes Buch gefunden, in dem ein Rosa Mayreder Portrait enthalten war und die Frauenbewegung hat die große Frauenkämpferin für sich entdeckt und ihre Werke herausgebracht.
Eva Geber las ein Kapitel über die “Rechte des Weibes”, es gab eine Diskussion, in der gefragt wurde, warum die jungen Frauen so wenig kämpfen und darüber, ob die Frauen selber schuld an ihrer Unterdrückung sind, wo alle lebhaft widersprachen, aber ein bißchen stimmt es wahrscheinlich schon, beziehungsweise habe ich die Frauen oft am wenigsten solidarisch erlebt und hatte auch bei Hilde Schmölzer, als ich ihr mein neues Buch zeigte, ein bißchen das Gefühl, daß sie es nicht so ernst nimmt, aber es ist sicher schwer, in einer Situation in der das Boot sehr voll ist und der Platz, der einer bleibt sehr eng und schmal, wenn man da vorwärts kommen will, ist es nicht so einfach, die anderen nicht zu übersehen.
Danach gab es Brot und Wein, ich habe mich mit Renate Saßmann, Hilde Schmölzer und einer Stammbesucherin, deren Namen ich nicht weiß, unterhalten und am 6. Mai wird im ersten Wiener Lesetheater Anita C. Schaubs “Tanzende Rose”, im Amerlinghaus aufgeführt und am nächsten Dienstag gibt es im Literaturhaus eine Gedenkveranstaltung zum ersten Todestag von Elfriede Gerstl und vor dem Burgtheater gibt es am Donnerstag, den 29. 4., eine große Protestverstaltung bezüglich Amerlinghaus, es ist also auch heute nicht so leicht und man muß ebenfalls viel kämpfen, um seine Rechte nicht zu verlieren.
Arno Geiger Lesung
Heute Abend gab es in der alten Schmiede ein Gespräch und eine Lesung über Arno Geigers im Feburar erschienenen Roman “Alles über Sally”.
Den 1968 in Bregenz geborenen, ersten deutschen Buchpreisträger, kenne ich aus einer Zeit, als er noch nicht berühmt gewesen ist. Nämlich seit Juni 1996, als er das erste Mal beim Bachmannpreis, einen Text über eine Käthe im Kornfeld gelesen hat, der glaube ich, auch in den Manuskripten erschienen ist. Damals ist er mir aufgefallen, ich habe ihn auf seinen Text angesprochen und etwas später in einer Literaturzeitschift gelesen, daß er auch Martina Schmidt vom Deuticke Verlag aufgefallen ist.
1997 ist jedenfalls die “Kleine Schule des Karusellfahrens” erschienen und wurde im Literaturhaus vorgestellt, eine Präsentation eines Hörspiels habe ich in der alten Schmiede vor langer Zeit auch gehört. 1999 erschien “Irrlichterloh” und 2002 “Schöne Freunde”.
Von beiden Büchern habe ich nicht sehr viel gehört und sie auch nicht gelesen, sondern mich erst wieder mit Arno Geiger beschäftigt, als er 2004 nochmals beim Bachmannpreis gelesen hat und zwar mit einem Stück aus dem Roman mit dem er ein Jahr später den deutschen Buchpreis gewonnen hat. Dazwischen kam noch der Erzählband “Anna nicht vergessen”, da habe ich bei “Rund um die Burg” daraus gehört und auch aus “Es geht uns gut” .
Jetzt der neue Roman, “Alles über Sally”, wo ich schon ein Stück in Ö1 gehört habe und in Leipzig ein Stückchen des Gespräches am blauen Sofa. Kurt Neumann hat ihn als dritten Roman einer Romantrilogie und “Schöne Freunde” als Roman über die Kindheit, “Es geht uns gut”, als Beziehungsroman und “Alles über Sally”, als Eheroman bezeichnet. Oder auch als Ehebruchroman, wie es Arno Geiger nannte, der meinte, daß er ab “Irrlichterloh” eine neue Form des Schreibens gefunden hat. Vorher war er, mehr sprachkritisch unterwegs, wenn ich es richtig verstanden habe, obwohl ich schon die Geschichte aus dem Kornfeld nicht so empfunden habe. Jetzt also mehr erzählend, es ist auch ein Roman, der ständig die Perspektiven wechselt und die Geschichte einer Ehe und des Alterns in diesen Sichtwechsel erzählt. Es geht um zwei Ehepaare oder auch um Sally oder Alfred.Sally ist zweiundfünfzig und Englischlehrerin, Alfred etwas älter und Kustode oder Kurator und die Geschichte beginnt im Sommerurlaub in England, wo sich Sally über Alfreds Stützstrumpf ärgert, der, wie in der Diskussion klar wurde, eine wichtige Rolle im Romans spielt.
Alfred liebt jedenfalls Sally über alle Maßen und führt Tagebuch, Sally liebt ihn etwas weniger, sondern mehr das Leben. Dann kommt es zu einem Einbruch in ihre Wohnung, der sie den Urlaub abbrechen läßt und zu dem Ehebruch, den Sally mit dem Mann des zweiten Paars begeht. Alfred zieht sich zurück, obwohl die beiden, die sich in den Siebzigerjahren im österreichischen Kulturinstitut von Kairo kennenlernten, eine offene Ehe führen wollten. Jetzt stellen sie fest, daß sie, wie wohl die meisten Paare, mit der Zeit verbürgert sind und am Ende der Geschichte verläßt der Freund seine Frau und Sally, um mit einer jüngeren davonzugehen. Der Roman endet, wie Kurt Neumann erklärte, mit dem faden Jahresrückblick des ORF und Sally kommt offenbar zu Alfred zurück, der inzwischen, Gag des Autors, ein Gipsbein hat und sie mit seiner Liebe erwartet.
Daran spann sich die Diskussion, ob Alfred nun ein Held oder Waschlappen ist, denn der betrogene Ehemann hat doch, wie bei Madame Bovary und Effi Briest, den Ehebruchromanen des vorvorigen Jahrhunderts, die Ehefrau zu verstoßen, um nicht als Waschlappen zu gelten. Arno Geiger ist aber stolz darauf, daß er seinen Alfred wachsen ließ und hat am Ende des Romanes seinen Lektor angerufen, um ihm “Wolfgang es ist mir doch gelungen!”, mitzuteilen.
Da ist mir zwar Hofmannsthal “Schwieriger” eingefallen, den ich als sehr junge Studentin mit Rudi Blahout, zwanzig Jahre älter als ich, im Theater in der Josefstadt gesehen habe, der mir zuflüsterte, daß man im Verzeihen, die wahre Größe des Ehemannes der Antoinette Hechingen erkennt, aber Arno Geigers Ehebruchroman schildert das einundzwanzigste Jahrhundert und der Autor hat auch etwas über seine Art zu Schreiben erzählt, daß es nämlich eine zweijährige Konzeptionsphase gab, wo er sich Notizen zu seinen Figuren machte und den Roman danach in fünf Monaten realisierte, also aufgeschrieben hat.
Es war sehr voll in der alten Schmiede und das Buch wurde sicher gut verkauft und hoffentlich auch gelesen, während ich es höchstwahrscheinlich nicht lesen werde. Da reicht mir die Lesung und das Gespräch, um einen literarischen Eindruck zu bekommen, habe ich ja nicht nur jede Menge ungelesener Bücher, die ich langsam langsam aufarbeite, sondern heute auch zwei neue bekommen und zwar Milena Mosers “Möchtegern” und das habe ich natürlich nicht im offenen Bücherschrank gefunden, sondern vom Alfred bekommen, der einen Amazon-Gutschein hatte und ganz unerwartet, vom GAV-Kollegen Peter Hodina, mit dem ich mich beim Abendessen bei der letzten GAV-GV lang unterhalten habe, ein Päckchen mit seinem Erzählband “Steine und Bausteine 1” und war ansonsten sehr damit beschäftigt, mich auf Ilse Kilics Veranstaltung “Das alltägliche Leben” vozubereiten, die am 28. Mai im Amerlinghaus stattfinden wird.
Christine
“Christine – Die Geschichte eines mongoloiden Mädchens”, von Anna Gollner, 1981 bei Jungbrunnen erschienen, zeigt sehr anschaulich, wie sich die Zeiten ändern und was alles in dreißig Jahren passieren kann. So heißt, das ja nicht mehr Mongolismus, was im Nachwort von Univ.- Prof. Andreas Rett beschrieben wurde und auch sonst scheint einiges, was die Kärntner Bäuerin, Anna Gollner beschreibt, unvorstellbar und ich hoffe, daß es so nicht mehr passiert.
Es beginnt im Jahre 1962 an einem strahlend heißen Sommertag. Anna Gollner ist einundvierzig Jahre alt, Großmutter und zum sechsten Mal schwanger. Sie fühlt sich schwach und schlecht, der Arzt kann nicht helfen, die Kinder aber freuen sich und so wird am 11. November Christine mit Schlitzaugen, ganz kurzen Fingerchen und fast keinen Hals geboren. Die Mutter ist ahnungslos, der Chefarzt fragt bei der Visite “Sagen Sie, Sie altes Mutterl, haben alle Ihre Kinder bei der Geburt solche Schlitzaugen gehabt?” und antwortet auf ihre Verneinung “Ja, dann, liebes Mutterl, wirst auch mit dem Wutzerl mit viel Geduld Liebe und Freude erleben!”
Anna Gollner bleibt trotz ihrer anderen Kinder ahnungslos, als die kleine Christine mit elf Monaten noch nicht sitzen kann und geht erst zum Hausarzt, als sie den Unterschied am Kind einer Frau sieht, mit der sie entbunden hat, in die Grazer Kinderklinik, wo der Arzt ins Nebenzimmer ruft “Herr Kollege, wollen Sie ein ganz entzückendes kleines Mongi sehen?”
Beide untersuchen und sagen zu der Mutter “Das Kind ist organisch vollkommen gesund. Sie schaffen es schon noch! Die Nächsten bitte!”, so daß die Mutter, die Aufnahmeschwester fragen muß, was “Mongi” bedeutet und an die Wochenzeitschrift, die sie bezieht, mit Rückporto die Frage stellt, was das denn ist?
Mit der Antwort geht sie zum Hausarzt, der sich wundert, wie sie das herausbekommen hat “Oh, diese Frauen!” und antwortet, daß alles was jetzt passiert, von ihrer Liebe, Geduld und Förderung abhängt, so daß die Bäuerin mit dem Kind zu turnen beginnt, damit es doch noch zum Gehen kommt.
Es kommt zu einem weiteren Schicksalsschlag, der kleine Ludwig, fällt vom Tennenboden, so daß er ein Jahr lang im Gipsbett liegt und sie ihn in den Stall schleppen muß, wenn die Kälbchen kommen und ihm ansonsten das Lesen und das Schreiben beibringt.
Das kleine Wunder kommt, als sie mit der kleinen Christine nach Wolfsberg einkaufen fährt, da kommt eine Ausländerin auf sie zu und schickt sie zu Herrn Dr. Wurst, der einmal im Monat im Jugendamt Beratungen macht, denn “Er helfen allen armen Gind!”
Detail am Rande, dabei handelt es sich um jenen Kinderarzt, der 1944 der jüngste Arzt des Großdeutschen Reiches war, später in Klagenfurt die Heilpädagogik aufbaute, zum Papst der Kinderheilkunde und 2000 zu siebzehn Jahre Haft verurteilt wurde, weil er einen ehemaligen Schützling zum Mord an seiner Frau Hilde angestiftet haben soll, 2007 entlassen wurde und 2008 in einem Wiener Pflegeheim achtundachtzigjährig gestorben ist.
Die kleine Christine wird jedenfalls von Dr. Wurst bestens betreut und gefördert und kommt mit sieben Jahren in ein Sonderkinderheim nach Klagenfurt und später in eine Vorschulklasse im Pius Institut in Bruck, wo sie von der siebzigjährigen Tante Anna betreut wird, erst in vier oder fünf Wochen besucht werden darf und sich die Mutter später über die Hintertüre in das Kloster schleicht und dort ihr Kind “strafsitzen” sieht. Christine verlernt durch die überforderte Tante Anna Fähigkeiten, die sie schon erlernt hatte, z.B. das selbständig Anziehen und fängt zu mocken an. Dennoch fälllt Anna Gollner aus alles Wolken, als sie die Fürsorgerin ein paar Tage vor Ende der Sommerferien fragt, ob sie schon einen Platz für Christine hätte, weil sie nicht wußte, daß das Heim sie für völlig förderungsunfähig erklärte und nicht mehr behalten will. Christine soll vom Schulbesuch befreit werden, macht aber einen Test beim Bezirksinspektor, den sie besteht und trotzdem nur deshalb wieder in eine Schule kommt, weil die Mutter zufällig hört, daß es in Wolfsberg eine Sonderschule gibt, nur das ist dreiundreißig Kilometer vom Wohnort der Familie entfernt. Wie soll die Mutter Christine dorthin bringen? Einen Fahrtendienst scheint es noch nicht gegeben zu haben, so daß ihr Mann ihr dort eine Wohnung mietet und sie unter der Woche mit Christine, Ludwig und dem Pflegekind Andrea dort wohnt und im Prethal eine alte Nachbarin den Haushalt macht. Der Schulbesuch ist trotzdem ein Erfolg, eine junge Lehrerin kümmert sich um Christine, sie lernt fast das ganze Alphabet und beginnt zu häkeln. Es kommen noch ein paar Schilderungen von Christines Frühreife und den Mühen der Mutter, sie von mißbrauchenden Männern fernzuhalten und den mühsamen Besuchen bei Zahnärzten und die Schilderungen einer Blindarmoperation, wo die Ärzte nicht auf den Rat der Mutter hören und sie dann den Schaden mit der weggerissenen Bauchbinde ausbaden kann.
Schließlich kommt Christine in eine Beschäftigungswerkstätte der Lebenshilfe, ist zu Ende des Buches neunzehn Jahre alt und wie auf der Rückseite steht “Nach den Maßstäben ihrer Behinderung gemessen – ein vollwertiger Mensch!”
Andreas Rett hat, wie erwähnt, das Nachwort geschrieben, das Vorwort stammt von Dr. Martha Kyrle, der damaligen Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Kinderhilfe, die meint, daß sich die UNICEF entschlossen hat, mit der Unterstützung an diesem Buch, um mehr Verständnis für das behinderte Kind zu werben und ihm viele verständnisvolle und aufgeschlossene Leser wünscht.
Es ist wahrscheinlich interessant, das Buch mit Ludwig Lahers “Einleben” zu vergleichen und es bleibt zu hoffen, daß man sein Buch in dreißig Jahren nicht mit genausogroßem Kopfschütteln lesen oder überhaupt erstaunt sein wird, daß es damals solche Kinder, die dann wahrscheinlich auch wieder anders heißen werden, gegeben hat.
Trotzdem ist der Fund aus dem offenen Bücherkasten, zur rechten Zeit gekommen, denn ich korrigiere “Mimis Bücher” gerade in der Endphase, habe die Anna dafür geworben, es auf fachliche Fehler durchzusehen und mir auch den Infotext zu schreiben. Während ich korrigiere, wird die “Heimsuchung” langsam fertig, so gibt es schon das Umschlagbild und den Klappentext habe ich auch geschrieben.
Wendelin Schmidt-Dengler Lesung
In der Gesellschaft für Literatur gabs am Freitag eine interessante Veranstaltung, nämlich die zweite Wendelin Schmidt-Dengler Lesung, die im Gedenken an Wendelin Schmidt-Dengler 2009, im Rahmen der Franz Werfel Tagung ins Leben gerufen wurde, weil Wendelin Schmidt Dengler der wissenschaftliche Leiter des Franz Werfel Programms war, das es seit 1992 gibt und das Literaturwissenschaftlern aus allen Teilen der Welt ermöglicht in Österreich über österreichische Literatur zu forschen.
Jetzt hat Konstanze Fliedl die Leitung des Stipendienprogramms übernommen und zur 2. Schmidt-Dengler Lesung war Friederike Mayröcker eingeladen aus ihrem neuen Buch “dieses Jäckchen (nämlich) des Vogel Greif” zu lesen und fünf Absolventen des Studienprogramms haben die Texte ins Bulgarische, Russische, Pa`a, Ukrainische und Tschechische übersetzt und vorgelesen und das war interessant, Friederike Mayröcker auf Russisch u.s.w. zu hören, da ich ja bei der Lesung aus dem neuen Friederike Mayröcker Buch schon im November in der alten Schmiede war.
Also habe ich es mir angemerkt und dachte mir auch, ich muß früher kommen, sonst sitze oder stehe ich wieder im Hinterzimmer und bekomme nichts mit. Das ist sich dann mit meinen zwei Diagnostikterminen und dem klinischen Mittag zu “ADHS im Erwachsenenalter” nicht ganz ausgegangen, so bin ich fünf vor sieben ins Palais Wilczek gekommen und habe im Hof eine Menge junger Leute stehen sehen, die ich zuerst für Touristen gehalten habe.
Es war auch voll, als ich hinaufgekommen bin und der erste Raum besetzt, ich habe mich neben die Bruni gesetzt, von der ich hörte, daß sie Probleme mit einem Schokoladeosterei hatte, daß sich in einer Darmschlinge festsetzte, so daß sie ins AKH mußte. Jetzt geht es ihr wieder besser und Friederike Mayröcker, hörte ich Konstanze Fliedl sagen, fühlte sich auch nicht ganz wohl, ist aber trotzdem gekommen und hat ungefähr dieselben Texte gelesen, die ich schon vom November kannte. Das ist bei diesen lyrischen Prosastücken, die den banalen Alltag einer Dichterin schildern, ihre Erinnerungen an ihre Freunde, ihre Reisen nach Moskau mit Wendelin Schmidt-Dengler, der dort ständig in einem Russisch Wörterbuch blätterte und Vokabeln lernte, ihren Umgang mit den Schmerz etc., sicherlich kein Schaden und ein deja vue Erlebnis, manches wiederzuerkennen.
“Wenn der Schnee kommt, kommt der Schmerz!”, zum Beispiel, oder die Stelle, wo ihr T.A. sagte “diese Gedichte von Hermann Hesse werden dir sicherlich nicht gefallen. So einig haben wir einander erkannt!”, um zu bemerken, daß wieder alle an der gleichen Stelle lachte.
Nachher gab es ein Buffet mit selbstgemachten Brötchen und sehr gute Petit Fours und ein Gespräch mit dem Lebenskünstler und Yogalehrer, den ich bei dem Buchhandlung Kuppitsch Frühstück kennengelernt habe und der die Bücher gewonnen hat, der mir unbedingt empfahl auf den Rathausplatz zu gehen und mir bei den Steirertagen eine Wasserflasche zu holen.
Sonst habe ich nicht viele Leute gekannt. Zwar waren einige Stammbesucher da, die meisten scheinen aber Mitglieder dieser Franz Werfel Tagung gewesen zu sein und das war ein interessanter Einblick in die Literatur, wie ich ihn nicht oft bekomme.