Jurek Beckers “Schlaflose Tage”, sind die Beschreibung einer Midlifekrise a la DDR.
Lehrer Simrock ist sechsunddreißig Jahre alt und spürt mitten im Unterricht zum ersten Mal sein Herz. Daraufhin erschrickt er heftig, legt sich in den Rasen, denkt an seine Sterblichkeit und über den Sinn des Lebens nach, was dazu führt, daß er seine Frau Ruth und die pubertierende Tochter Leonie, die lesend unter dem Tisch liegt und dem Vater nur zerstreute Antworten gibt, verläßt, zu seiner Mutter zieht und beschließt ein guter Lehrer zu werden, der die Schüler kritische Geister werden läßt.
Also fordert er sie auf, nur dann zur 1. Mai Feier zu erscheinen, wenn sie es wirklich wollen, worauf nur acht Schüler kommen und er einen Rüffel vom stellvertretenden Direktor bekommt.
Simrock lernt indessen in einem Tanzlokal Antonia kennen, die wegen einer Unvorsichtigkeit im dritten Semester ihres Physikstudiums von der Universität gewiesen wurde und zieht bei ihr ein.
Um den wahren Sinn des Lebens kennenzulernen, beginnt er in den Ferien ein Monat lang in einer Brotfabrik zu arbeiten und im zweiten mit Antonia nach Ungarn zu fahren, die dort einen Fluchtversuch über die österreichische Grenze unternimmt.
Simrock geht zur Schule zurück und verspricht den Schülern den Unterricht zu ändern, sie sollen nachher ins Geschichtskabinett kommen, um ihre Änderungswünsche mitzuteilen, worauf er alleine bleibt, da es die Schüler vorziehen, im Schulhof zu raufen. Er ist auch der einzige, der dem Oberleutnant, der den Schülern die nationale Volksarmee schmackhaft machen soll, kritische Fragen stellt, was zu seiner Entlassung aus dem Schuldienst führt und Simrock veranlaßt wieder Brotausfahrer zu werden, um beim Anblick eines Rettungswagens an den kleinen Schmerz erinnert zu werden, der sein Leben so sehr verändert hat….
Eine Fibel des positiven Widerstandes, wird das Buch vom Deutschlandfunk genannt, das der 1939 in Lodz geborene, 1997 an Krebs gestorbene Jurek Becker, 1978 geschrieben hat, der das Ghetto von Lodz und einige KZs überlebte, 1945 nach Ost-Berlin kam, mit dem Ghetto-Roman “Jakob der Lügner” berühmt wurde und 1975 den Nationalpreis für Literatur der DDR bekam. 1976 wurde Wolf Biermann ausgebürgert, 1977 trat Becker aus dem Schriftstellerverband aus und zog mit DDR Genehmigung in den Westen, wo 1978, die “schlaflosen Tage” erschienen und er 1996 das Drehbuch für die erfolgreiche Fernsehserie “Liebling Kreuzberg” schrieb.
Ich habe das 1986 erschienene “Bronsteins Kinder” und “Amanda herzlos”, 1992 erschienen, gelesen.
2010 liest sich der Schelmenroman, in dem der DDR Protest ironisch sanft geschildert wird, als Erinnerung an eine Zeit, die man sich gar nicht mehr vorstellen kann, werden die Midlife- und die Sinnkrisen heute ganz anders ausgelebt.
Desinteressierte Schüler und frustrierte Lehrer wird es aber noch immer geben. Die DDR dagegen nicht und wegen Fluchtversuch über die österreichiche Grenze wird man nicht mehr siebzehn Monate eingesperrt, sondern abgeschoben. Die Frage was ein guter Lehrer ist, stellt sich aber immer noch und ich könnte mir vorstellen, daß die, die heute eine Herzattacke erleiden und über den Sinn des Lebens grübeln, angesichts der überfüllten Schulklassen, dem beschränkten Hochschulzugang und der mangelnden Lesefähigkeit der Migranten- oder anderer benachteiligter Kinder, genauso verzweifelt an die Wand rennen und auch mit der Festung Europa, den neuen Sicherheitsbestimmungen und Überwachungsszenarien unserer westlich freien Globalisierungswelt, so manche Probleme haben, die sich vielleicht nicht so friedlich einfach lösen lassen, wie es Jurek Beckers naiver Tor Karl Simrock versucht. Und die Stelle verliert man bei nicht angepassten Verhalten, wo alles evaluiert und qualitätsüberprüft wird, heute wahrscheinlich noch viel leichter und steht dann auf der Straße oder kann einen Pensionsantrag stellen, während die DDR wenigstens versuchte, den glücklichen Brotausfahrer zurückzuholen.
Eine kleine Anmerkung habe ich noch, der Plattensee liegt nicht an der österreichischen Grenze, aber wahrscheinlich hat man das in den DDR Schulen nicht gelernt, wo die Landkarten ja mit dem nichtsozialistischen Ausland endeten.
Terminkollisionen
Heute war der Tag der Doppelverpflichtungen, nämlich um 15 Uhr die Vobereitung zur Kunst und Kulturmesse, die am 1. und 2. Juni im Amtshaus Margareten stattfinden wird und das Kennenlernen der neuen Jurymitglieder vom Ohrenschmaus um 15 Uhr 30 im Parlament. Da die Einladung ins Amtshaus früher gekommen ist, habe ich dem Franz Joseph Huainigg etwas später oder morgen vorgeschlagen, war aber nicht zu verschieben, es soll aber im Juni ein Jurorentreffen mit Ludwig Laher und Felix Mitterer geben und so bin ich vor drei in die Schönbrunner Straße marschiert. War trotz der blumigen Worte und der Witze des Herrn Bezirksvorstehers, das akademische Viertel, weiß oder rot, hätte der Qualtinger gesagt, irgendwie ernüchternd, denn auf Grund der Wünsche der vorjährigen Nachbesprechung soll die Veranstaltung diesmal an zwei Tagen stattfinden, nämlich am 1. Juni von 18 – 22 und am 2. Juni von 10 – 18.
Programm also Lesungen, soll es nur am 1. Juni geben, die Frau Rökl wird nicht mehr moderieren, sondern wahrscheinlich der Herr Bezirksvorsteher und die Lesungen sollen nicht länger als fünfzehn Minuten dauern, um die Rundgänge nicht zu stören und werden auch nicht mehr Nonstop, sondern in Intervallen mit Pausen stattfinden. Es waren ohnehin nicht so viele Leute da, die nur lesen wollten. Die meisten waren bildende Künstler, außer der Elisabeth Chovanec habe ich niemanden gekannt. Ich habe mich für eine Lesung angemeldet, für den Dienstag einen Büchertisch bestellt und bin nun sehr gespannt, die Veranstaltung im Vorjahr und der gute Besuch wurden jedenfalls gelobt.
Den Sektempfang versäumt und noch Zeit genug mich meinen Korrekturen zu widmen, da am Abend wieder die Wilden Worte im Amerlinghaus waren. Ich hatte mir zwar die Lesung mit dem Erwin Riess “Herr Groll und der rote Strom” in der alten Schmiede angemerkt, aber im Amerlinghaus war Andreas Unterweger Gast mit seinem Roman “Wie im Siebenten”, von dem ich schon viel gehört habe und der im letzten halben Jahr fast, wie ein Kultbuch gehandelt wurde. Also habe ich die alte Schmiede versäumt. Es war aber sehr leer im Amerlinghaus. Sechs Besucher habe ich gezählt, zwei waren die Andrea Stift und die Uli Makomaski und das Buch scheint sehr interessant. Ein Roman, der aus lauter Abschnitten besteht, die klingende Namen haben, wie “Etwas Großes”, “Etwas Wichtiges” und das Leben in einem kleinen Zimmer im siebenten Bezirk von Judith und dem Ich Andreas schildert, einem einfachen Leben, wie im siebenten Himmel, zu dem nichts als das Schreiben des ersten Buches und das Gitarre spielen gehört, das sich aber trotzdem mit dem Verhungern, dem Sterben und dem Krieg beschäftigt und im letzten Kapitel, das Andreas Unterweger vorgelesen hat, von nichts als der Liebe handelt und einem Kinderbuch mit zwei Hasen, die sich diese bis zur Erschöpfung ausmessen.
“So groß, wie bis zum Mond und zurück…”
Ein Buch in einer sehr bedächtigen Sprache, mit vielen Wortwiederholungen und einigen Zeichnungen, so sind, wie ich beim Durchblättern gesehen habe, Regentropfen auf der Seite eingezeichnet, wo es um den Regen geht, also etwas ungewöhnlich und ein neuer Ton.
Leselustfrust hat es nicht besprechen können. In der Diskussion erzählte Andreas Unterweger, daß er ein halbes Jahr in einem alten Haus im siebenten Bezirk mit Klo auf dem Gang gelebt hat, jetzt lebt er am Land und er spielt noch Gitarre.
Danach gab es wieder Wunschgedichte, die freie Wildbahn blieb verschwunden, ich habe mir ein Gedicht zum Frühlingserwachen mit den Worten “Rotstilzchen” und “Bärlauch” gewünscht und Richard Weihs deutete so etwas an, daß er dabei ist, die Wunschgedichte zu veröffentlichen, was sicherlich auch spannend ist.
Am Nachhauseweg habe ich noch die Elke getroffen, mit deren Tochter, die Anna in die Schule gegangen ist, die mir erzählte, daß sie jetzt einen orientalischen Ausbildungslehrgang macht und sich seither nicht mehr so Literatur interessiert, wie sich alles ändert, habe ich sie ja früher oft in Literaturveranstaltungen getroffen.
Tag der Zivilcourage und Fest für Andreas Okopenko
Das Fest zum achtzigsten Geburtstag von Andreas Okopenko, der mir mit seinem “Lexikonroman”, seit 1973 in Gedächtnis ist, “Kindernazi”, “Traumberichte”, “Affenzucker” ect folgten, einer der großen österreichischen Dichter und wahrscheinlich auch der Wiener Gruppe zuordbar, hatte ich mir vorgemerkt und war der Meinung, daß es am Sonntag im Literaturhaus stattfindet, so daß ich von den Osterspaziergängen nach Wien zurückgekommen, mich den Kleindetails annehmen kann.
“Mimis Bücher” ausdrucken und am Mittwoch mit dem Manuskript noch einmal zur Hauptbücherei marschiert, um dort die Korrekturen vorzunehmen. Das hatte ich mir ja für die Recherche vorgenommen, da ich aber so schnell bin, bin ich noch einmal beim Bücherschrank vorbeigegangen, da war ich ja ein Monat nicht und habe ein paar Eva Jancak Bücher und zwei alte Volkstimmeanthologien hingetragen.
Bei der Gerhad Jaschke Veranstaltung am Mittwoch hat mir Ilse Kilic zugeflüstert, daß ich im Amerlinghaus anrufen soll, denn da gibt es bezüglich der eingefrorenen Subventionen am 29. 4. eine große Protestveranstaltung vor dem Burgtheater, ob ich da lesen will? Programme und Einladungen sind ebenfalls gekommen und so formte sich mein Wochenendprogramm.
Da die Anna am 14. 4. ihren 26. Geburtstag feiert, waren wir mit ihr in einem Restaurant in der Neubaugasse Mittagessen, um dann mit ihr Kletterschuhe und einen Karabiner auszusuchen und am Nachmittag gab es nicht nur Flohmarkt in den Wiedner Höfen, sondern auch den “Tag der Zivilcourage” der Margaretner Kommunisten.
Wolf-Goetz Jurjans will ja Bezirksrat werden und lud unter dem Motto “Es reicht. Für alle. Gegen Armut, Rassismus und Rechtsextremismus”, zu einem Rundgang durch Margareten ein. Beginn um 15 Uhr am Siebenbrunnenplatz, dann konnte man schnell den Bacherpark, Rotstilzchen, Kettenbrückengasse-Hochhaus und John Harris besuchen oder sich von Thierry Elsen durch die Vergangenheit von couragierten Margaretnerinnen führen zu lassen, um sich um 17 Uhr beim Schütte-Lihotzky-Park am Mittersteig zu treffen und den zehnten Todestag der berühmten Architektin zu begehen. Um sechs gab es noch eine Begegnung mit einem Widerstandskämpfer.
Da das Herumsuchen mit der Anna dauerte, bin ich erst nach fünf zum Schütte-Lihotzky Park gekommen, Bekannte begrüßt und mit Polizeibegleitung bis zum “Halikarnas” mitgegangen, ins Restaurant bin ich nicht, da ich nicht so viel konsumieren will und außerdem von Elisabeth Chovanec eine Einladung zu der Ausstellung ihrer Acrylbilder in Spachteltechnik mit lyrischen Texten, in der Siebenbrunnenfeldgasse, bekommen hatte und das passte zum Drüberstreuen.
Als ich nach sieben zurückgekommen bin, wollte ich meinen Blogbeitrag über die Samstagsaktivitäten mit dem Titel “Samstagstratsch” verfassen, das Unbewußte drängte zum Glück nachzuschauen, ob das Fest für Andreas Okopenko wirklich am Sonntag ist und da hatte ich es, es war am Samstag.
Das passiert mir manchmal, daß ich etwas verwechsle, ich bin halt ein bisserl legasthen, also mit den Bus schnell hingefahren und fast wirklich zum Buffet hingekommen oder nicht ganz.
Die Eröffnungsrede von Ralph Klever habe ich zwar versäumt und auch die Lesungen mit den Lieblingsgedichten von Friederike Mayröcker und Herbert J. Wimmer, als ich kam, begann gerade Günther Kaip zu lesen und Karin Ivancsics sagte, daß die anderen schon ihre Lieblingsgedichte weggelesen haben und überreichte mit der kleinen Tochter von Günther Kaip, dem Dichter, der zerbrechlich in der ersten Reihe saß, einen Blumenstrauß, weil er sich immer um die Jugend gekümmert hat, auch Heinz Lunzer schloß sich im Rahmen der Erich Fried Gesellschaft, die diese Veranstaltung organisierte, an, die Damen vom Literaturhaus brachten Sekt und das Buffet war eröffnet.
Viele Bekannte, Bodo Hell, Marie Therese Kerschbaumer, Ruth Aspöck, Robert Eglhofer, Dine Petrik, Rolf Schwendter u. u. u.
Ich fragte Bodo Hell, wie es in Rauris war, darüber wollte ich bei meinem Samstagsklatsch berichten, da derzeit die Rauriser Literaturtage stattfinden und es in Ö1 ein Gespräch mit Peter Esterhazy über die Zukunft des Buches gegeben hat und erst am Sonntag ausführlich über einen weiteren Großen der österreichischen Gegenwartsliteratur.
Bodo Hell war kurz angebunden, ich unterhielt mich lang mit Robert Huez über die Lage des Literaturhauses, meine Kränkung und die Entlassung Silvia Bartls, ein bisschen mit Karin Ivancsics und ließ mir von Ralph Klever, das Andreas Okopenko Buch “Erinnerung an die Hoffnung”, gesammelte autobiographische Aufsätze, schenken, wo ich nachlesen kann, was ich versäumte und während sich die anderen beim Buffet drängten, saß der Dichter in der ersten Reihe, unterhielt sich mit den Gratulanten und gab Autogramme.
Es war eine beeindruckende Veranstaltung und gut, daß ich zur zweiten Hälfte zurechtgekommen bin.
Business Class
Bei “Business Class” von Martin Suter “Geschichten aus der Welt des Managements”, handelt es sich um ausgewählten Kolumnen des Autors, die in der Weltwoche, ab 1992 erschienen sind.
Der Schweizer Martin Suter wurde 1948 in Zürich geboren, machte eine Ausbildung zum Werbetexter und wurde mit sechsundzwanzig Jahren Creative Direktor einer Werbeagentur. Seit 1991 ist er literarisch tätig und erhielt für seine Kolumnen, die bis 2007 erschienen sind, 1995 den Preis der österreichischen Industrie beim Joseph Roth Wettbewerb in Klagenfurt und wurde dadurch berühmt.
Seither sind viele Romane von ihm erschienen. So z.B. “Lila lila”, “Der Teufel von Mailand”, “Der letzte Weynfeldt” und zuletzt “Der Koch” und von den Business Geschichten gibt es auch noch weitere Bände “Neue Geschichten aus der Welt des Managements”, “Unter Freunden”, ect.
Ich habe beim offenen Bücherschrank vor ein paar Wochen, offenbar den ersten Band erwischt und von Martin Suter noch nie etwas gelesen, wohl aber einige Interviews und Lesungen in Leipzig beispielsweise, gehört und da ich ja nicht so gerne Kurzgeschichten habe, habe ich mit dem Lesen etwas gezögert, mich jetzt aber doch darüber gemacht und es war spannend, sowie eine fremde Welt.
Ein bißchen was darüber kenne ich ja von meinen Supervisionen im Krankenhausbereich, aber die Welt des Managements ist mir nicht so vertraut, da ich mich eher unter Literaten bewege, wo es natürlich auch dieselben Muster gibt und bei den satirischen Geschichten über den Literaturbetrieb kenne ich mich auch ein bißchen aus.
Also eine fremde Welt oder eine irgendwie vertraute, auf jeden Fall geht es in den oberen Etagen ziemlich brutal und abgehoben zu und es ist auch eine Welt der Männer, die Martin Suter schildert.
Die Frauen der Männer in den oberen Etagen kommen, als Hausfrauen und Mütter oder Köchinnen für die Businessessen bzw. als Sekretärinnen vor. Schmieden dann und wann aber auch die schönsten Ränkelspiele.
So die Frau hinter Hostettler beispielsweise, von der er sich bei seinen Aufstiegsplänen beraten läßt und die Idee bekommt, daß er bei der Beförderung zum Mitglied des Direktoriums vielleicht deshalb übergangen wurde, weil er zu farblos ist. So redet ihm die schöne Maja, eine vorgespielte Freundin ein, damit Chef Wellauer ihn befördert, sie hätte nichts dagegen, so täuscht Hostettler sechs Wochen lang eine Affaire vor und bezieht dafür jeden Freitag im Hilton ein Doppelzimmer mit Champagnerimbiß für zwei, bis er sich seiner Sache so sicher ist, das fingierte Schäferstündchen abzubrechen und um halb zehn nach Hause fährt. Vor dem Gartentor parkt Wellauers BMW…
Wie Martin Suter bevorzugt Männer schildert, die alles für ihre Karriere tun, jahrelang das Firmenego mit Businessanzug, blauem oder weißen Hemd und farbiger Krawatte, verkörpern um, wenn das Management verlangt, sich am Casual Tuesday so zu kleiden, wie sie sind, verzweifelt im begehbaren Kleiderschrank zu stehen.
Eine Welt, wo die Männer sich ihren Aufstieg richten, mit den richtigen Leuten sprechen, die falschen ignorieren und auf den jeweiligen Parties im Smalltalk günstige Gelegenheiten suchen, bzw. wochenlang die Nächte in ihrem Büro verbringen, um sich für die mögliche Beförderung, die richtigen Chefmöbel auszusuchen, die den entsprechenden Eindruck machen und sie sich nichts vergeben, um durch das Licht in ihren Zimmer, wo sie doch einen guten Eindruck machen wollten, sich, um die Chance ihres Lebens bringen, denn wenn man schon als Vizedirektor Überstunden braucht, ist man nicht die richtige Entscheidung…
Hart und brutal die Welt der Macht und farblos die Männer zwischen und vor den oberen Etagen, langweilig und gestresst und wenn sie mittels teurer Abschaltkurse, das verändern wollen, bringen sie es nicht zusammen und schaffen die Entkoppelung nur mit Psychopharmaka….
Die Frauen verlieren sie an ihre Chefs oder Konkurrenten und wenn sie nicht aufpassen, werden nicht sie, sondern diese befördert, obwohl sie alles dafür machen, sich beim Überlebenstraining in die Finger schneiden, durch ungewohnten Bärlauch Durchfall bekommen, Lehm kneten, einen Unterstand bauen und im Regen übernachten, um vom zynischen Chef gesagt zu bekommen “Ich habe eine schlechte Nachricht, Sie werden es aber überleben….!”
35 Jahre Freibord
Am 61. Geburtstag von Gerhard Jaschke, 7. April 1949, gab es in der alten Schmiede, die Päsentatation des 34. Jahrgangs der Literaturzeitschrift “Freibord”, die Gerhard Jaschke 1975 oder 1976 gemeinsam mit Hermann Schürrer gegründet hat.
Gerhard Jaschke, der sich seit Gerhard Koflers Tod, das Generalsekreatariat der GAV mit Christine Huber teilt, kenne ich schon lange, denn ich habe, wahrscheinlich auch seit 1975, 1976 regelmäßig und sehr schüchtern meine Texte an diversen Literaturzeitschriften geschickt, die sie meistens ignorierten, von Gerhard Jaschke habe ich irgendwann eine Antwort bekommen, daß er mich gern kennenlernen will. Da bin ich, kann ich mich erinnern, zu einer IG Autorenveranstaltung in der Volkshalle im Wiener Rathaus gegangen und habe mich ihm vorgestellt. Zwei Texte im “Freibord” und zwar “Beboachtungen beim Postaufgeben” in der Nummer 54 und “Herzliebster Johann”, einen Text, den ich für den Marianne von Willemer Preis geschrieben habe, in der Nummer 109/110, habe ich auch veröffentlicht.
Zu weiteren Veröffentlichungen ist es nicht gekommen, aber ich habe Gerhard Jaschke vorige Woche meine “Erinnerungen an Helmut Eisendle” geschickt. Mal sehen, was daraus wird. Ich kenne die avantgardistische experimentelle Zeitschrift, die irgendwie eine Außenseiterposition in der österreichischen Literaturlandschaft einnimmt, ebenfalls schon lange und besitze eine kleine Sammlung der so typischen schwarz-weißen Hefte mit den experimentellen Zeichnungen.
So zum Beispiel, “Ausgezeichnet” , das irgendwann in den frühen Achtzigerjahren, würde ich mals schätzen, mit einem halbnackten Gerhard Ruiss am Klo am Titelbild mit Texten von allen Stipendiaten des Jahres von Bumuk und Stadt Wien herausgekommen ist, in dem ich immer wieder gerne nachschlage, so hat Werner Herbst damals den Preis der Stadt Wien bekommen und unter den Stipendiaten waren Manfred Wieninger, Paulus Hochgatterer, Christian Steinbacher, Antonio Fian u. u. u.
Aber auch mit Elfriede Gerstl habe ich einmal ein Buch gegen ein Freibord Heft getauscht und ich habe noch andere Hefte, so hat mich Gerhard Jaschke, als er Generalssektretär wurde, einmal welche aussuchen lassen und mir auch später einige geschenkt.
Es ist sicher eine interessante Zeitschrift und Gerhard Jaschke ein Original, avantgardistisch im Ansatz, aber auch offen für anderes, sonst hätte ich die zwei Texte ja nicht drinnen und dann wieder sehr speziell.
Gerhard Jaschke, der gern mit Werner Herbst gemeinsam aufgetreten ist, hat vor eineinhalb Jahren einen Schlaganfall gehabt und im Vorjahr seinen sechzigsten Geburtstag gefeiert.
Jetzt gabs die Präsentation des 34. Jahrgangs und das geschah mit einer Reihe von Lesungen. So hat Herbert J. Wimmer die Lesereihe mit Gerstl Texten begonnen und zwar las er einige ihrer Postkartentexte, die auch in der alten Schmiede aufliegen und Elfriede Gerstl hat mit Gerhard Jaschke das Freibord zum Thema Traum herausgebracht. Danach kamen einige jüngere, durchaus bekannte Autoren, wie Silke Hassler, Christian Futscher, Thomas Havlik, Regina Hilber und Annette Krendelsberger. Musik und zwar recht schwarze Wienerlieder gab es von Thomas Hosja und Helmut Emersberger. Gerhard Jaschke las aus seinen Frankfurter Notaten “rund um die grüne soße”, einen Text, den ich schon vom letzten xxxxxxx-small kenne, wo er mit seinem Freibord-Buchverlag auch immer auftritt und Peter Matejka aus der Festschrift zum sechzigsten Geburtstag “ich hoffe, ich störe” und einen Spezial guest, der nicht im Programm angekündigt war, gab es auch und zwar die lettische Dichterin Liana Langa, die gemeinsam mit Kurt Neumann ihren Gedichtzyklus “Die Unzugehörigen” vortrug, der in der Zeitung “Der Hammer” abgedruckt ist.
Nachher gabs ein wirklich gutes georgisches Buffet mit einer Art Geburtstagstorte und einige bekannte Gesichter, Ilse Kilic, Fritz Widhalm, Eva Dite, Silvia Bartl, die noch bis Juni im Literaturhaus ist, Thomas Northoff, Monika Giller, Christine Huber und Elfriede Haslehner, die sich wieder einmal wunderte, was ich so viel zu schreiben habe. Seit ich das Literaturgeflüster betreibe, schreibe ich ja immer mit, was für die Konzentration und zum Nachschlagen höchst angenehm ist und einige Leute wundert.
Ich weiß, ich schreibe der Elfriede zu viel und habe mich auch früher in Veranstaltungen gesetzt und dort an meinen Texten geschrieben, was ebenfalls ihren Unmut erregte, ich aber nicht mehr mache, obwohl ich denke, das das Literaturhaus und die alte Schmiede eigentlich geeignete Orte zum Schreiben sind…
Osterspaziergang des ersten Wiener Lesetheaters
Am Ostermontag gleich den nächsten Osterspaziergang durch den unteren Teil von Wieden, der um 13 Uhr im Otto Wagner Pavillvon am Karlsplatz begonnen hat und von Susanne Schneider liebevoll organisiert wurde. Leider war das Wetter nicht so schön, wie am Samstag und ich bin auch ziemlich knapp auf den Karlsplatz gekommen, weil wir erst am Vormittag nach Wien gefahren sind und der Anna auch noch die Osterhasen vorbeigebracht haben.
Der Otto Wagner Pavillon ist architonisch sehr interessant. Dazu haben die Szenen aus den “Letzten Tagen der Menschheit”, die Werner Grüner las, sehr gut gepasst, obwohl sie an der Sirk-Ecke spielen. Danach las Rolf Schwendter etwas von Elias Canettis “Fackel im Ohr”, nämlich die Stelle, wo er in die Kraus Vorlesung ins Konzerthaus ging und dort seine Veza kennenlernte.
Danach fragte mich ein Mann, ob ich von Ex libris sei und die nächste Station, war ein etwas regenverkürzter Rundgang über den Karlsplatz, historischen Museum der Stadt Wien, das jetzt Wien Museum heißt, Karlskirche, Resselpark mit dem Resseldenkmal und TU. Am Rilkeplatz habe ich mit Klaus Schwarz eine Kostprobe aus dem Erika Mitterer – Rilke Briefwechsel gelesen, hat ja Erika Mitterer als junge Frau Rainer Maria Rilke begeistert Gedichte geschickt, die sehr nachempfunden waren und Rilke hat begeistert geantwortet.
Manfred Loydolt hat beim Zauberflötenbrunnen am Mozart Platz, die Papagenoarie gesungen und wir sind über das ehemalige Johann Strauss Theater in der Favoritenstraße 8, wo später die neue Scala war, in den Grün Raum gegangen.
Dort mußten wir zwar etwas warten, bis uns eine Barbara aufsperrte, dafür wurden wir mit Kaffee und Tee bewirtet und Bücher gab es auch.
Und schöne Texte, befanden wir uns ja gegenüber dem Theresianum, wo Maria Theresia geboren wurde und heute die berühmte Schule ist, drinnen dürfte sich ein toller Park befinden, der leider nicht öffentlich ist. Jirsi Grusa und Franz Richter waren dort Lehrer, von denen gab es Textproben und noch Mozartbriefe. Dann ging es in die Rainergasse in den Hof der Erika Mitterer Gesellschaft, wo schon der Sohn und Nachlaßverwalter Martin G. Petrowsky wartete. Die Gedenkstätte ist in einem sehr schönen Biedermeierhaus, das der Familie gehört. Es lagen ein paar Zaunkönige zur freien Entnahme auf. Martin G. Petrowsky erzählte ein bißchen über die Erika Mitterer Gesellschaft und da war ich vor ein paar Jahren zufällig bei der Eröffnung. Ich hörte im Radio etwas von der Enthüllung der Gedenktafel, hatte an dem Tag ein Supervisionsgespräch im Prayerschen Kinderspital und ging am Rückweg an dem Haus vorbei, das sich gerade mit den Festgästen füllte. Ein wenig zögernd ging ich hinein. Eleonore Zuzak rief “Die Frau Doktor ist auch überall!” und ich hatte ein bißchen ein schlechtes Gewissen, weil ich keine Einladung hatte, bediente mich aber trotzdem am Buffet und ich glaube mich zu erinnern, daß ich mich mit Paul Wimmer unterhielt. Und ich habe auch einen Text über Erika Mitterer, mit der ich bei “Buch und Wein” anläßlich des Erika Mitterers Symposiums 2001 eine berührende Begegnung hatte und in der Schreibwerkstatt der Gewerkschaft zu dem Thema “Was hatten wir denn an Literatur zu Haus” darüber schrieb. Diesen Text habe ich Herrn Petrovsky geschickt, er kam verkürzt in den “Zaunkönig”, der Zeitschrift der Erika Mitterer Gesellschaft zum hundertsten Geburtstag der Dichterin und den habe ich auch gelesen, allerdings erst im Cafe Frey gegenüber.
Im Hof wieder mit Klaus Schwarz ein Gedicht aus dem Rilke Briefwechsel und Uli Makomaski hat aus “Das Kreuz wird verhüllt – eine Schriftstellerin erinnert sich an 1938” gelesen. Dann war ich gleich nochmals dran, denn ich habe auch meine Erinnerungen zu Helmut Eisendle und der hat auch noch in dem Haus gelebt, wo es das Antiquariat “Buch und Wein” gegeben hat.
Ich habe mich auch mit Manfred Loydolt unterhalten, der mir sagte, daß ich, bei der Feier “Zwanzig Jahre Lesetheater” einen Text lesen soll, den ich einmal fürs Lesetheater geschrieben hab. Franz Hütterer, der später Texte zur Wiener Gruppe las, kam auch ins Cafe Frey und lobte das Literaturgeflüster und wir gingen zur freien Bühne Wieden, die diesbezüglichen Texte hatten wir schon gelesen, also nur den Hof besichtigt und zum Jandl Park in der Schlüsselgasse, wo die Mechthild Podzeit-Lütjen wohnt, uns Ostereier brachte und einen Text verlas, den sie anläßlich der Umwidmung des Schlüsselparks in den Ernst Jandl geschrieben hat, weil Jandl einst Lehrer in der Waltergasse war.
Die nächste Station, das Cafe Classico in der Wiedner Hauptstraße, auch daran geh ich oft vorüber, war ebenfalls sehr interessant. Wurden da ja Texte von Fritz Grünbaum und Karl Farkas gelesen. Dora Schimanko las, wie es zum “Buchenwald-Lied” kam und Sonja Henisch, die Ex-Frau vom Peter, die mir auf dem Weg erzählte, daß sie auch einen Verlag für ihre Bücher sucht, las über die Kaffeehauskultur auf der Wieden und davon, das früher bei H.C. alle an Artmann dachte, während das heute für Strache steht und auf einmal kam es zu einen Disput in dem Cafe, das eigentlich extra für uns aufgesperrt wurde. Es waren nämlich doch noch andere Leute da, offensichtliche Stammgäste, die empört das Lokal verließen, weil sie nicht soviel von Buchenwald und Widerstandskämpfern hören wollten.
“Freundschaft!”, rief ihnen Werner Grüner noch nach und da haben sie auch die Auszüge von Irene Harands “Sein Kampf” versäumt, die eine katholische bürgerliche Dame war und sich dennoch 1935 leidenschaftlich gegen Hitlers engagierte.
Sehr interessant, daß man 2010 Widerstand erregen kann, wenn man Grünbaum, Farkas und Hugo Wiener liest, aber es kam noch viel Interessanter, nämlich im Restaurant Beograd im Freihausviertel, in das wir gingen, weil es dort für Rolf Schwendter eine gute Fischsuppe gibt und sich auch die Wiener Gruppe in den Sechzigerjahren dort traf. Deshalb stand hauptsächlich die Wiener Guppe am Programm: Konrad Bayer, Liesl Ujvary, H.C.Artmann, Oswald Wiener, Gerhard Rühm, Hannes Schneider, Elfriede Gerstl, Friederike Mayröcker, Ernst Jandl. Aber das Beograd, das heuer seinen fünfzigsten Geburtstag feiert, hat Live Musik und die schlug sich sehr mit der Wiener Gruppe. Elisabeth Chovanec hat zwar tapfer Friedrich Achleitners experimentellen Text über die gute Suppe gelesen, aber ein serbisches Lokal und die Texte der Wiener Gruppe sind schon eine wilde Mischung und man lernt viel dabei.
Zum Glück hörten die Musiker um zehn zum Spielen auf, so daß wir mit Ausnahme der Gerstl Texte, Angelika Raubek hatte schon das Lokal verlassen, weiter machen konnten. Susanne Aschner las noch eine Collage von Texten ihrer Tochter und ihrer Mutter, was ebenfalls sehr lehrreich war.
Crazy
“Axolotl Roadkill” ist mehrmals mit Benjamin Leberts “Crazy”, verglichen worden, denn da hat ein Sechzehnjähriger vor elf Jahren auch ein aufregendes Debut hingelegt, bzw. ist ihm mit einem autobiografischen Roman, wo der Ich-Erzähler auch noch Benjamin Lebert heißt, die literarische Sensation gelungen.
1999 wurde auch der Amadeus, damals noch zu Libro gehörend, auf der Mariahilferstraße eröffnet und da gab es ein Magazin, wo über die literarischen Wunderkinder der Saison berichtet wurde.
Rosemarie Poikarov war mit ihrem “Eine CD lang” auch dabei. Auf diese Weise hat sich mir der Name Benjamin Lebert eingeprägt und bei diesem Stattersdorfer Flohmark vor eineinhalb Jahren habe ich mir “Crazy”, gekauft und zunächst vergessen. Die Diskussion, ob es Helene Hegemann, wie Benjamin Lebert gehen wird, ließ es mich hervorholen.
Der 1982 geborene hat inzwischen noch drei andere Romane geschrieben, war 2009 auf der Leipziger Buchmesse, an der New York University kreative Schreibkurse gegeben und das Lübecker Literaturtreffen gegründet und “Crazy”, sieht aus, hab ich mir gestern gedacht, als ich es zum Lesen herausholte, wie ein Jugendbuch und ist wahrscheinlich nicht so sehr mit “Axolotl Roadkill” zu vergleichen oder doch, behandelt es ja die autobiografischen Adoleszenzprobleme eines Jugendlichen, aber schon elf Jahre alt und Drogen kommen darin nicht wirklich vor, Sex und Alkohol schon.
Benjamin Lebert erzählt also mit großen Witz, Wärme und Selbstironie von der Schwierigkeit des Erwachsenwerdens und von einem halbseitiggelähmten Spastiker, der schlecht in Mathematik ist und von seinen Eltern nach Schloß Neuseelen in ein Internat gesteckt wird, damit er endlich die achte Klasse und das Abitur schafft und der sich, obwohl er Sehnsucht nach seiner Mutter hat, vor die Klasse stellt und sich mit “Hallo Leute, ich bin ein Krüppel!”, vorstellt.”
Er bekommt ein Zimmer mit Janosch Schwarze, dem er die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt und von diesem die Antwort bekommt, daß es eben “crazy ist” und freundet sich mit den anderen Gescheiterten, Abgeschobenen, wie dem fetten Felix, Florian, den alle Mädchen nennen, den bettnässenden mutistischen Troy und den dünnen Felix an.
Gemeinsam bestehen die sechs, während der Mathematiklehrer Bejamin schikaniert, ein Schuljahr lang die tollsten Abenteuer, während sie über den Sinn des Lebens philosophieren und Gespräche über Gott führen.
So wird zum Beispiel lang und breit Benjamins zweite Nacht in diesem Internat beschrieben, wo die sechs mit ihren Ängsten und Zweifeln über die Feuerleiter, Bierdosen in den Pyjamas versteckt, in den Mädchenstock klettern und Benjamin von der betrunkenen Marie entjungfert wird. Das zweite große Abenteuer ist die “Flucht” aus dem Internat und die Fahrt nach München, wo sie ein Striplokal besuchen und Benjamin zum Helden wird, weil er der Striperin einen Zehnmarkschein in den Slip steckt. Im Bus nach Rosenheim werden sie von einem alten Mann und Ex- Internatsschüler in die Fittiche genommen und von diesem mit dem Striplokalbesitzer, der auch Lebert heißt, am nächsten Morgen zurückgebracht.
Sie lesen auf der Fahrt Hemingways “Der alte Mann und das Meer” und kaufen sich billige Zigarren, weil richtige Männer das tun. Außerdem gibt es noch die Alltagsprobleme, Benjamins Eltern trennen sich, die Schwester ist lesbisch und am Ende des Schuljahres erhalten die Eltern vom Direktor einen Brief, daß sie ihren Sohn abholen sollen, weil er leider unfähig ist und zu oft am Mädchengang gesehen wurde. Benjamin verläßt also die Freunde seines Lebens, mit denen er Blutsbrüderschaft geschworen hat, um in Zukunft bei seinem Vater zu wohnen und eine Sonderschule zu besuchen, die keine großen mathematischen Ansprüche stellt und die Aussicht das weitere Leben im Rollstuhl zu verbringen, eröffnet ihm die Krankengymnastin auch…
Es ist ein witzig geschriebenes Buch, so nimmt der dicke Felix, auf der “Flucht” nach München einen ganzen Rucksack voller Süßigkeiten mit und läßt sich in dem Striplokal einen Schweinsbraten servieren, ein wenig unrealistisch, denn 1999 mußten sicher keine Sechszehnjährigen nach München “flüchten”, wenn sie das Leben leben wollten und verglichen mit “Axolotl Roadkill” wahrscheinlich “harmlos”, obwohl es auch viel Verzweiflung erzählt. Benjamin beispielsweise von Janosch wissen will, was eine Behinderung ist und wie es ist, die linke Seite zu spüren?
“Auch nicht viel anders als die rechte”, antwortet der, “denn das Leben ist crazy!”
Bei der Hegemann Debatte habe ich gehört, daß der Ruhm Benjamin Leberts inzwischen verschwunden ist oder sich das Feuilleton nicht mehr für ihn interessiert und es stimmt auch sicher, daß andere Sechzehnjährige Ähnliches erleben und wenn sie es aufschreiben, nicht damit gehört werden, weil sie keine so berühmten Väter oder Großväter haben und viele schreiben es nicht auf, weil sie es nicht können und manche Sechzehnjährige werden sich in dem Buch auch wiederfinden.
Ich habe es interessant gefunden, ob es mit dem von Helene Hegemann zu vergleichen ist, weiß ich nicht.
Osterspaziergang der literarischen Gesellschaft St. Pölten
Der Osterspaziergang der literarischen Gesellschaft St. Pölten und der Literaturzeitschrift etcetera fand am Ostersamstag um 15 Uhr, Treffpunkt “Seedose” bei den Viehofner Seen statt.
Am Anfang habe ich dreizehn Teilnehmer, zehn Frauen und drei Männer gezählt, später sind noch zwei Frauen dazugekommen. Ich habe gleich als erste gelesen. Wenn ich nicht direkt etwas über Ostern habe, lese ich immer etwas mit St. Pölten Bezug und das war durch Alfreds Lehrer Sladky und die Wandergruppe, das Kapitiel “Hochschwabblick” aus dem “Haus”, wie bei dem Sladky Geburtstag hab ich es nicht abgestoppt und während des Lesens gedacht, es ist zu lange. Es gab aber eine gute Reaktion und Betroffenheit wegen des Themas. Nachher wurde gleich aus “Gebürtig” weitergelesen. Hat also gut gepasst und auch trotz der “Heil-und Pflegeanstalt am Steinhof” zu der Gegend, durch das unkrainische und ungarische Zwangsarbeiterlager, also ein besinnlicher Beginn. Diesmal sind wir die ganze Seerunde gegangen und nicht wie im vorigen Jahr zu einer Bank und gleich zurück zur Seedose. Das Wetter war auch sehr schön. Leider hat Alois Eder gefehlt, der wie ich mir sagen ließ, nicht mehr zu den Veranstaltungen kommt, weil er mit einer Tante beschäftigt ist. Ruth Aspöck und Robert Egelhofer waren da, ansonsten bekannte Gesichter, die ich von den letzten Jahren kenne, aber keine Namen weiß. So hat bei der nächsten Station eine Johanna aus dem Literaturkreis Traismauer einen etwas österlicheren Text von “Jonas im Bauch des Walfisches” aus der Sicht der Walfischin, der Großmutter der Ich-Erzählerin gelesen und Robert Eglhofer folgte mit einem “Osterspaziergang” betitelten Gedicht, das sich auf die Zeit der Hoffnung zwischen Karfreitag und Ostersonntag in Bezug auf die katholischen Kirche, da gibt es ja jetzt diese Mißbrauchsdebatten und auf die Hoffnungslosigkeit der damaligen Zwangsarbeiter, bezieht.
Es folgten Limericks von dem Herrn Professor von dem ich auch keinen Namen weiß. Eva Riebler las Josef Winkler mit Rom Bezug, denn von dort kam sie gerade zurück, also ein paar Stellen aus “Natura Morta”, das sie nach ihrer Rückkkehr in einem Antiquaritat fand.
Es folgte die Runde um den See zum Aussichtsturm, die ersten gingen, neue kamen und ich mußte natürlich hinauf und bei der dritten Station gab es das berühmte Picknick mit Ostereiern, Vollkornbrot, Aufstrichen, Schnittlauch, Wein und sogar ein kleines Schokoladelämmchen.
Ich teilte die Einladungskarten für den “Tag der Freiheit des Wortes”, die schon gekommen sind, aus, verwies auf den Osterspaziergang am Montag und unterhielt mich mit Ruth Aspöck über ihre derzeitige literarische Produktion. Sie arbeitet immer noch am Montageroman und will etwas über Grillparzers Donaureisen schreiben und da bin ich schon bei meiner aktuellen Textproduktion, denn ich bin gestern fertig geworden.
Jetzt kommt das Überarbeiten. Derzeit hat die Rohfassung 40.664 Wörter, 72 Seiten und 27 Szenen und es war wirklich eine Art Nanowrimo-Writing ohne es so zu nennen. Vom 5. März bis 2. April habe ich geschrieben, mit der Leipziger Unterbrechung, flüßig, leicht und locker und das habe ich beim richtigen Nanowrimo gelernt, nicht mehr mit der Hand, sondern gleich in den Computer. Bei der ersten Szene habe ich es noch so gemacht, aber damit aufgehört, als ich merkte, daß ich es nicht mehr lesen kann. Geht irgendwie schneller und noch ein Unterschied, bis Leipzig habe ich sehr viel und sehr intensiv korrigiert, beim Nanowrimo hörst du ja, daß du das nicht sollst. Das ist, glaube ich, der Übungscharakter, um Schreiblockaden zu lösen, aber die habe ich nicht mehr.
Ohne Novemberzeitdruck kann ich es machen, wie ich es will, mich aber an eine Struktur halten. So merkte ich, daß es mir hilft, immer genau zu wissen, wieviel Worte ich jetzt habe und ob ich dazu vier, sechs Wochen oder länger brauche ist egal. Das Schreiben hat mir diesmal sehr viel Spaß gemacht. In den letzten Tagen hat sich auch die Handlung intensiv entwickelt und ich glaube, daß mir die Geschichte über den Plagiatsvorwurf und das Leben mit Down-Syndrom ganz gut gelungen ist. Man kann natürlich sagen, daß es wieder so eine naive Geschichte mit fröhlichen Ende in der typischen Eva Jancak Sprache geworden ist, man erfährt trotzdem einiges dabei.
In der neuen NÖN gibt es übrigens unter dem Titel “Künstler der Woche” ein paar Zeilen und ein Bild der sehr jungen Cornelia Travnicek, die jetzt ganz anders aussieht und wie man ihrem Blog entnehmen kann, auch Tattoos am Rücken hat.
Ein Foto vom Osterspaziergang kommt auch immer in die NÖN…
Die Schopenhauer-Kur
Bei Irvin D.Yaloms Roman “Die Schopenhauer-Kur” handelt es sich wieder um ein sehr patchworkartiges ineinander verzahntes Konstrukt. Der fünfundsechzigjährige amerikanische Psychoanalytiker Julius Hertzfeldt erfährt bei einer Routineuntersuchung von einem malignen Melanom und gerät in die Krise.
Er gräbt in seinen Krankengeschichten, um herauszufinden, welchen Patienten er geholfen hat und kommt auf den sexbesessenen Philip Slate, bei dessen Therapie vor einigen Jahren, er gescheitert ist.
Er ruft ihn an, um mit ihm zu sprechen und erfährt, nicht ihm, sondern Arthur Schopenhauer ist es gelungen, ihn von seiner Störung zu heilen. Hertzfeldt erlebt Philip Slate, der inzwischen eine philosophische Praxis betreibt, als unsympathisch und widerwärtig, wird jedoch von ihm angerufen und zu einer Vorlesung eingeladen.
Philip Slate, der Hertzfeld nicht fragte, wie es ihm geht, inszeniert nun ein Schaustück, er vertreibt alle seine Studenten aus der Vorlesung, um für ihn eine Einzelvorlesung über Thomas Manns “Buddenbrooks” zu halten und ihm danach zu fragen, ob er ihn supervidieren will? Er würde ihn als Gegenleitung in Arthur Shopenhauers Lehre einführen. Julius Hertzfeldt, dem Philips asoziales Verhalten auffällt, stellt als Bedingung, daß er zuerst sechs Monate lang an seiner Therapiegruppe teilnehmen muß und das Spiel beginnt.
Ab da erfolgt der Roman zweigeteilt, abwechselnd wird das Leben Arthur Schopenhauers und die Therapiesitzungen erzählt, in dem es um den Sex, die Ehe- und die Alkoholpoblematik der Teilnehmer geht.
Philip verhält sich lange distanziert und doziert nur über Schopenhauer, statt seine Gefühle zu zeigen.
Ein Gruppenmitglied, die Dozentin Pam fehlt, weil sie auf einer Indienreise ist, als sie zurückkommt, erkennt sie in Philip ihren Vergewaltiger, der sie als Studentin nicht nur gevögelt hat, sondern darüber auch, wie Don Giovanni eine Liste führte.
Pam greift Philip an, nennt ihn ein Scheusal, er verliert langsam seine Distanz, bis er schließlich weinend zusammenbricht.
Julius Hertzfeldt holt ihn tröstend in die vorletzte Gruppensitzung, zur letzten kommt es nicht mehr, da der Psychiater kurz darauf in starke Schmerzen und ins Koma fällt.
Auch Schopenhauer stirbt. Im letzten Kapitel treffen sich Pam, Philip und Tony, ein anderes Gruppenmitlgied, drei Jahre nach Julius Tod wöchentlich in einem Cafe, Julius hat Philip seine Therapiesesseln hinterlassen, was diesen noch einmal zum Weinen brachte, die beiden Männer führen eine gemeinsame Gruppentherapie.
Ein spannendes Romankonstrukt des bekannten amerikanischen Psychiaters, zwei Sachbücher eines über Arthur Schopenhauer, das zweite über Gruppentherapie, wieder mit einer unerwarteten Wende und vielleicht nicht ganz so dicht gelungen, wie als “Und Nietzsche weinte.”
Jetzt fällt mir erst auf, daß es in beiden Büchern, um das Weinen geht und außerdem ist mir eingefallen, daß ich mich als Studentin vor vielen Jahren auch sehr intensiv mit Schopenhauer geschäftigt, ihn gelesen, aber wahrscheinlich nicht verstanden habe. Im Club der logischen Denker, habe ich 1989, knapp bevor ich das erste Mal nach Amerika flog, gemeinsam mit einem Mitglied namens Güttelbauer einen Vortrag mit dem Titel Optimismus-Pessimismus: Adorno-Schopenhauer gehalten und wurde dadurch in die Rolle der Pessimistin gedrängt, was ich nicht verstanden habe.
Wie mir beim Lesen des Buchen auch lange nicht klar wurde, wieso Schopenauer jemanden vom Sex befreien kann? In den letzten Kapitel kommt die Erklärung und die Wendung, die es auch bei “Und Nietzsche weinte” gab.
Kein Aprilscherz
Thomas Wollinger hat in seinem Blog “Schreiben” heute verlautet, daß sein Roman, für den er sich, glaube ich, noch ein paar Jahre Zeit genommen hat, fertig ist.
“Nun nur noch korrekturlesen, Feedback von Grauko einholen und an den Verlag schicken!”
“Erster April!”, steht darunter und bei mir es natürlich umgekehrt, habe ich ja in den letzten Artikeln, die sich auf “Mimis Bücher” bezogen, hoch und heilig geschworen, mir diesmal wirklich viel Zeit zu lassen, um nicht schon am 31. März fertig zu sein.
So habe ich am 26. 2. geschrieben und etwas dazugefügt, daß ich, bevor ich mit dem Schreiben anfange, ein paar Wochen Material sammeln will. Dann machte ich meine Steuererklärung fertig, bin zum Friseur gegangen und zwei Stunden in die Hauptbücherei und zum Bücherschrank und am nächsten Tag, statt recherchierend herumzufahren, zu Hause geblieben und habe geschrieben und geschrieben. Wie bei mir üblich immer ein, zwei Szenen in voraus, das große Konzept habe ich nicht gehabt, nur ein paar vage Ideen, wie ich die Spannung einbauen und die Protagonisten zusammenbringen kann. Damit bin ich nach Leipzig gefahren, habe das Manuskript mitgenommen, aber liegen gelassen und vorige Woche war auch sehr viel zu tun, daß ich nicht weiter gekommen bin.
Am Samstag dann wieder so eine Phase, wo ich dem Frans Postma nach Holland geschrieben habe: “Ich kann es nicht und alle, die das ohnehin schon lange behaupten, haben ganz recht!”
Dann ist es erfahrungsgemäß aufwärts gegangen und mit den nächsten Szenen weiter. Gestern habe ich nach zwei streßigen Praxistagen und rinnender Nase noch einmal Resumee gezogen, von Zeit lassen und Handlung finden geschrieben. Mich aufs Rad gesetzt, zum “Lidl” gefahren, um 3×4 Zitronen zu kaufen, die Kassiererin hat mir netterweise 4×4 verrechnet und ich habe gedacht und gedacht.
Daß Johannes Staudinger den Buchpreis gewinnen wird, daß die Figur des Peter Wohlein eine eigene Stimme bekommen soll, Mimi mit Frau Tunichtgut nach München fährt, die zweite wieder mit so einer Gratisreise und, daß das Ganze mit dem “Zungenkuß” enden wird, um zu “Mimis Bücher” zurückzukommen.
Einige Szenen geschrieben, von Franz Hütterer, den ich eigentlich verlinken wollte, ein liebes Mail bekommen und einen Kommentar mit dem Ratschlag, doch in einem Behindertenheim ein Praktikum zu machen.
Das ist es aber nicht, weil ich manchmal lernbehinderte Klienten habe, die Anna in diesen Bereich arbeitet und die Literatur von Menschen mit Lernbehinderung habe ich seit drei Jahren auch sehr gut im Kopf und weiß, wo ich sie finden kann.
Zwar muß ich aufpassen, daß die Mimi nicht zu viel und zu kompliziert erzählt, aber gerade diese Figur ist mir, glaube ich, ganz gut gelungen. Da ist der Handlungsstrang mit ihrem Bruder Günther eher vage und zu den Plagiatsgeschichten habe ich auch viel Material.
Janko Ferk hat mir gemailt, daß mein Buch angekommen ist, aber wofür soll er es rezensieren? Gute Frage, da die “Presse” und die “Wiener Zeitung” vielleicht nicht soviel Selbstgemachtes wollen. In einer Literaturzeitschrift vielleicht, habe ich geantwortet, es reicht aber auch, wenn er es mir für das Literaturgeflüster schickt, allerdings erfordert das Lesen einige Stunden Zeit…
Heute Morgen wollte ich eine Ostertour nach Wilhelmsburg unternehmen, habe aber erst zwei Szenen geschrieben und während der Fahrt noch einmal alles durch den Kopf gehen lassen, so daß ich mich vor die Kirche setzte und wie mit der Schneeflockenmethode alle noch kommenden Szenen aufnotierte.
20 Szenen und 30.515 Worte habe ich bis jetzt geschrieben. 26 werden es wahrscheinlich werden, bis sich alle bei der “Zungenkußpreisverleihung” treffen. Wahrscheinlich auch so an die 50. 000 Worte oder ein bißchen weniger. Ich habe nachgeschaut, das “Haus” hat 30.000 Worte und fertig werde ich mit dem Rohentwurf wahrscheinlich nach Ostern oder die Woche darauf.
Was ist dazu zu sagen?
“Ich schaffe es nicht oder toll die Kreativität einer Marathonschreiberin und eine weitere spannende Geschichte übers Schreiben, die in einem halben Jahr fertig sein wird. Diesesmal drei in einem Jahr und der große Roman kann warten, den überlasse ich Jonathan Franzen oder Daniel Kehlmann!”
Bis auf den letzten Satzteil entscheide ich mich für die zweite Variante. Es ist eben so, ich bin wie ich bin und schreibe, wie ich kann. Als ich fünfundzwanzig Szenen aufnotiert hatte, bin ich zu dem Schreibwarengeschäft mit der Antiquariatskiste: “Sehr viel um einen Euro” gegangen und habe mir “Am Ende des Garten” von Erika Pluhar, Roddy Doyes “Das Frittenmobil” und Peter Handke “Wunschloses Unglück” gekauft. Denn dieses Buch sollte man gelesen haben, als ich 1975 oder so in Hamburg war, hat es mir Rudolf Blazejewski für die Reise mitgeben wollen. Dumm wie ich damals war, habe ich es nicht genommen, weil ich Handke für zu experimentell gehalten habe.
Die Zeiten ändert sich und mit den Vorsätzen hapert es manchmal ein bißchen, macht aber nichts und Thomas Wollinger würde ich mal vermuten, wünscht sich für seine Geschichte mit der herzkranken Angelika vielleicht auch ein schnelleres Ende.







