Nach den vielen Lesungen der letzten Wochen, der neun im Jänner gelesenen Bücher, Leselustfrust hat mich wirklich da ein bißchen animiert, bewußter mit meinen SUBs umzugehen, wenn ich hundert Bücher im Jahr lese und noch an die fünfundzwanzig Jahre Zeit habe, könnte ich ja wirklich alles, was ich geerbt und angesammelt habe, lesen, wenn man seine Bücher nicht auch nochmals lesen sollte, ich zumindest den Ein Euro Schnäppchen selten widerstehe und mir vermehrt mit Hinweis auf das Literaturgeflüster nicht Bücher schnorren würde…., könnte man meinen, die eigene Schreibwerkstatt ist etwas in den Hintergrund geraten.
Meine liebe Kollegin Irmgard Gelter hat sich bei ihrem Besuch Anfang Jänner auch erkundigt, ob ich meine Schreibaktivitäten auf das Literaturgeflüster verlegt habe?
Entwarnung, dem ist nicht so, auch wenn das Bloggen für mich sehr wichtig ist und ich in der Gesellschaft für Literatur, gestern in der alten Schmiede und auch bei der Eugenie Gedenklesung schon darauf angesprochen werde, das eigene Schreiben steht natürlich nach wie vor ganz vorn und da bin ich auch gut unterwegs.
Habe ich 2009 ja zwei kürzere Erzählungen und die die “Krisenwelt” verfaßt.
“Sophie Hungers Krisenwelt” liegt immer noch auf Alfreds Schreibtisch, der es jetzt setzen oder, wie man das bei der Internetelektronik nennt, soll. Bis Seite 106 ist er, glaube ich, schon gekommen. Dann geht es wieder an das Korrigieren. Die ersten Fotoversuche für das Titelbild haben wir auch schon gemacht. Eine Messie-Wohnung wäre passend und in Harland gibt es ein paar sehr angeräumte Zimmer, den Klappentext hat mir die Andrea Stift versprochen.
Ich korrigiere derzeit an “Heimsuchung oder halb eins” und bin mir da noch nicht ganz sicher, ob das jetzt eine Erzählung oder ein Roman geworden ist?
Wahrscheinlich ein Zwischending. Knapp achtzig Rohseiten mit derzeit 45.384 Wörtern sind es jetzt und ich denke, daß ich mit dem Korrigieren in der Endphase bin, obwohl ich mir bis März dafür Zeit genommen habe. Wenn ich mit der Rohfassung zufrieden bin, brauche ich noch ein Nachwort. Ich werde ja den Untertitel “Ein Nanowrimo-Novel”, anfügen und das Titelbild mit dem Winner oder dem Teilnehmerlogo bzw. dem Zertifikat grafisch gestalten. Da sollte ich im Anhang erklären, was der “Nanowrimo” ist?
Dazu habe ich gedacht, fasse ich die Berichte zusammen, die ich für Jacqueline Vellguth geschrieben habe. Vom Cover habe ich also schon Vorstellungen, auch von wem ich gern den Text hätte, angefragt habe ich noch nicht und korrigiere derzeit neben meiner Praxis, den Veranstaltungen und dem Lesen fleißig vor mich.
Die Organisation des Tags der Freiheit des Wortes fällt nun ja weg, dafür hat mich Petra Ganglbauer, die das jetzt macht, vor ein paar Tagen angeschrieben und mich zu der Veranstaltung eingeladen. Der Anlaß der Bücherverbrennung scheint jetzt zu fehlen, denn die Veranstaltung wird am 9. Juni am Uni Campus sein. Themenschwerpunkte werden die Beschränkung der geistigen Freiheit, Scheinfreiheit, Sprachverrohung und Zensur sein. Dazu habe ich natürlich allgemein was zu sagen und speziell sind “Die Schmerzansichten der Kätzin Murana” passend und mit den maximal sieben Leseminuten werde ich auch hinkommen.
Die “Mittleren Teil IV” müssen weiter organisiert werden, das Flugblatt entwerfen, die Lesenden zu einer Vorbesprechung einladen und ich habe mir auch vorgenommen, ein neues Vorwort schreiben, bisher habe ich immer dieselbe Einleitung verwendet, da die Veranstaltung ja an anderen Orten stattgefunden hat. 2006 im Literaturhaus, 2008 in Vorarlberg, 2009 im Amerlinghaus.
Jetzt will ich mir was Neues einfallen lassen und bewerben muß ich es in ein paar Wochen auch. Wenn ich dazwischen noch meine Steuererklärung schreibe, wird sich das wahrscheinlich ganz gut so ausgehen, daß ich mich ab März an das Schreiben von etwas Neuem machen kann. Die ersten vagen Ideen gibts bereits, habe ich schon geflüstert.
Aber auch den ernstgemeinten Vorsatz, mir dazu wirklich Zeit zu lassen. Im Vorjahr war ich nach dem “Haus” ein wenig ausgebrannt. Das ist diesmal nicht so. Ich glaube im Gegenteil, daß ich durch das fleißige Blogschreiben und mein intensives Privatstudium der Sprachkunst, einen Schritt nach vorn gekommen bin und wieder einmal optimistisch an den neuen großen Roman denke, der mich sowohl von innen als auch nach außen weiterbringen kann. Das denke ich zwar jedes Jahr, bin aber wirklich zuversichtlich.
Im März werden wir nach Leipzig zur Messe fahren und haben das mit den Hundertmarks schon ausgemacht, danach ist die Frauenlesung und bezüglich des Frauenschreibworkshops, an dem ich im vorigen November im Rahmen der Mariahilfer Frauenwochen teilgenommen habe, ist da die Idee gekommen, 2010 aus den Texten vorzulesen. Da kam vor einigen Tagen die Anfrage einer Frau vom Bezirk und ich habe zugesagt.
Es ist also viel los und ich habe noch einen Haufen anderer Pläne, was ich 2010 alles machen und gewinnen könnte, aber dazu brauchts Feedback und Unterstützung anderer und daran haperts ja bei mir. Also mich auf das, was ich geben kann, konzentrieren und heute werde ich, nach dem ich die fünfzehn Euro für den Krenek Abend doch nicht zahlen wollte, mit Ludwig Lahers Einleben in die Badewanne verschwinden und da habe ich noch einen Nachtrag.
War bei Rudi Lasselsbergers freundlichen Büchergaben, mit denen er mich gestern überschüttet hat, doch auch “Europa erlesen” mit dem Schwerpunkt Linz, das 2008 von Ludwig Laher herausgegeben wurde und eine umfangreiche Sammlung von Linz Texten darstellt. Rudi Lasselsberger hat einiges drinnen, Judith Gruber Rizy, Ruth Aspöck seltsamerweise nicht, obwohl sie dort gelebt hat, aber natürlich Eugenie Kain, da gibt es Ausschnitte aus den “Flüsterliedern” und dem “Hohe Wasser”.
Also sehr spannend darin zu schmökern, aber jetzt werde ich mich der starken Johanna und der kleinen Steffi mit dem Down Syndrom widmen.
Männer in Schwierigkeiten
Ich weiß zwar nicht, ob das auf Kurt Neumann zutrifft, aber der war gestern in den Tonspuren in Ö1. Wiederholung gibts am Donnerstag um 16 Uhr nach dem neuen Sendeschema:
“Der Literaturmacher Dr. Kurt Neumann, Literaturvermittler, Arzt, Kritiker, Dichter, der seit 1977 das Literaturprogramm der alten Schmiede formt….”
Am 25. war die Vorpremiere im “Zauberberg” des Klangtheaters im Radiokulturhaus. Da hieß das Feature zwar “Die Wonnen der Wörter”, wird aber dasselbe sein, obwohl ich auch das nicht so genau weiß. Denn am 25. war ich beim VocalgeStöber, aber gestern hab ich das Portrait gehört und einen Einblick in die alte Schmiede von einer anderen Seite bekommen, denn da sind die großen Literaten Robert Menasse, Robert Schindel, Franz Schuh, Friederike Mayröcker, Barbara Frischmuth, Michael Köhlmeier ect zu Wort gekommen und haben ihre Lobeshymnen auf Kurt Neumann und die alte Schmiede angestimmt. Die Assistentin Petra Meßner, die ja, was auch interessant ist, ihre erste Einführung bei den Textvorstellungen von Eugenie Kains “Schneckenkönig” machte, erzählte von Kurt Neumanns großen Rucksack mit den vielen Büchern, die er in die alte Schmiede schleppt, bzw. kommt er mit den Fahrrad dorthin gefahren und trinkt zum Frühstück Tee mit Mannerschnitten. Gelobt wurde auch, ich glaube von Robert Menasse, daß man in der alten Schmiede lesen kann, auch wenn das Buch noch nicht erschienen ist.
Das stimmt und so hatte ich meine erste Lesung im sogenannten Literatureck und später in den Textvorstellungen, 1987, 1988, 1989 aus Manuskripten. Jack Unterweger hat mich 1990 dorthin gebracht, als die “Hierachien” erschienen waren.
Dann dachte ich, es geht so weiter mit den Textvorstellungen, war aber nicht so. Ich habe zwar 1995 moderiert von Ruth Aspöck dort gelesen und 1997 machte ich eine Frauenlesung, die Vorläuferin der “Mittleren”, vermittelt durch Gerhard Kofler. Die nächste Lesung war aber erst 2002 und da in der Halbpreisschiene gemeinsam mit Uwe Bolius um 17 Uhr in den Energieferien in einen ziemlich leeren Raum und dann im Oktober 2007 mit dem “Wiener Stadtroman” moderiert von Reinhard Wegerth, im vorigen März habe ich “Und Trotzdem” vorgestellt. Das waren wieder Textvorstellungen. So gesehen, kann ich nicht bestätigen, daß es ein Einheitshonorar gibt und ich glaube auch, daß es in der alten Schmiede ein spezielles Publikum gibt, nämlich die Dichterrunden. Wenn zum Beispiel Friederike Mayröcker liest, kommen alle Großen: Angelika Kaufmann, Julian Schutting, Bodo Hell ect.
Dann gibt es Lesungen für Schulklassen, Symposien und spezielle Reihen mit klingenden Namen, wie zum Beispiel die, wo Walter Grond letzte Woche gelesen hat.
Kurt Neumann ist sehr belesen wurde gelobt, ihn haben die Literaten viel zu verdanken und ich erinnere mich an Begegnungen mit DDR Literaten, als es die DDR noch gab und an viele andere spannende Highlights, die es vielleicht auch nicht mehr gibt.
Die Textvorstellungen, wo eingeleitet von einem freien Mitarbeiter immer einige Literaten zu einem bestimmten Thema lesen, gibt es noch immer. Heute hieß das Thema “Männer in Schwierigkeiten” und da stellte Reinhard Wegerth Ludwig R. Fleischer, Rudolf Lasselsberger und Ernst Wünsch vor.
Also mindestens zwei bekannte, denn von Ludwig R. Fleischer, der 1952 in Wien geboren, von Beruf Lehrer und Kleinverleger ist und einmal einen der kleineren Bachmannpreise gewonnen hat, habe ich schon einige Bücher gelesen. Z.B. “Der Castellaner”, “Rakotimer” und das Weihnachtsbuch “Die Herbergsuche”. Es gibt aber noch viel mehr Bücher, bezeichnet er sich ja als manischen Schreiber, sehr oft kommen Lehrer mit Alkoholproblemen in seinen Texten vor und hintereinander gelesen ergeben die Romane ein dichtes Sittenbild österreichischer Provenienz steht in Wikipedia.
Diesmal wurde der Erzählband “Das Buch der Käuze” vorgestellt. Die Geschichte “Der Stellvertreter” handelt von einem Oberarzt, der bei der Feier, als er zum stellvertretenden Primar aufgestiegen ist, soviel gesoffen hat, daß er mit vergipsten Armen im Spitalsbett aufwacht.
Dann kam der 1956 geborene Rudi Lasselsberger, bestens bekannt im Literaturgeflüster durch seine launigen Kommentare und stellte den fröhlichen Wohnzimmer Band “Willi auf Kur” vor und das ist ein genauso witziges Buch, wie der Autor selbst, nämlich handgeschrieben mit Zeichnungen, eingelegten Wirts- und Kaffeehausrechnungen und einem Autogramm vom Hermann Nitsch. Ich habe das Buch getauscht und weiß nun nicht, ob ich es rezensieren kann, werde es aber versuchen. Vor der Lesung gab es wieder eine der Lasselsberger Aktionen, die ich schon von der Szene Margareten kannte. Er warf Erdnüsse in das Publikum, zog sich das T- Shirt aus und ein Leiberl mit der Aufschrift “Willi ist brav” an und überreichte seinem Verleger Fritz Widhalm und seiner Nichte ein Glücksschwein und das alles las er auf einem Manifest vor.
Der dritte Beitrag war etwas weniger aktionistisch, obwohl sowohl Hermann Nitsch als auch das aktionistische Kasperltheater darin vorkam. Nämlich Ernst Wünschs “Sprizz bitter”, wie Fleischers Buch bei Sisyphus erschienen und das erschien mir bekannt, habe ich ja von dem Autor vor einiger Zeit ein Hörspiel aus diesem Stoff gehört. Die Männer, die da in Schwierigkeiten sind, sind ein arbeitsloser Hobbydichter und ein alternder Theatermacher, der einen Koch, Heizer und Ghostwriter sucht und vor fünfzig Jahren das aktionistische Kasperltheater erfunden hat, das eigentlich von Ernst Wünsch selber stammt.
Es war also wieder interessant und ich bin gespannt auf Rudi Lasselsbegers Kommentar, der mir schon genauso witzige Reime und Wortspenden geschrieben hat, wie sie auch in dem Buch vorzukommen scheinen. Er hat auch seine gesammten Kolik- und Rampenveröffentlichungen auf dem Literaturtisch aufgelegt und mich nach der Lesung mit seinen Werken und Postkarten reich beschenkt, so daß ich literarisch sehr bepackt nach Hause gegangen bin, denn Morgenschtean Hefte von der El Awadalla Lesung, Helga Pankratz, Manfred Chobot und Axel Karner Lesung vom 25. sind zur freien Entnahme auch aufgelegen. Das Rezensionsexemplar von Ludwig Lahers “Einleben” ist inzwischen auch gekommen.
Alle Farben der Sonne und der Nacht
“Alle Farben der Sonne und der Nacht”, hat die 1916, in Prag geborene Lenka Reinerova, ihren 2003 bei Aufbau erschienen Erinnerungsband, der zwei wichtige Kapitel ihres Lebens schildert, genannt, obwohl ein Freund ihr davon abriet, da man meinen könnte, ein Buch über van Gogh in die Hand zu bekommen.
Dabei geht es in dem Band der letzten deutsch schreibenden Literatin Prags, die 2008 dort gestorbenen ist, um etwas ganz anderes. Beschreibt sie doch, wie sie, an einem Frühlingstag im Jahre 1952, sie war gerade aus dem Rundfunk entlassen worden, beteiligte sich an einer Arbeitsbrigade für ein noch schöneres Prag und wollte am Abend mit ihrem Mann ins Kino gehen, plötzlich verhaftet wurde und fünfzehn Monate in Untersuchungsgefängnis verbrachte, obwohl sie eine gläubige Kommunistin war, die sich, seit dem sie in ihrer Jugend aus Geldmangel das Gymnasium verlassen und in das Büro einer Papiergroßhandlung eintreten mußte, für eine bessere und schönere Zukunft eingesetzt hat.
Das Buch schildert in einer sehr poetischen Sprache, die Verhöre in dem berüchtigten Ruzyne Gefängnis, wo sie mit verbundenen Augen zu den Herren Referenten geholt wurde und Vergehen gestehen sollte, von denen sie keine Ahnung hatte, war sie doch nach Jahren des Exils und der Ermordung ihrer Familie, nach Prag zurückgekommen, um ihre Ideen von einer besseren Welt zu verwirklichen, während die Stalins Säuberungsaktionen zum Opfer fiel…
So beschreibt Lenka Reinerova, die kleinen Bilder dieser fünfzehn Monate Haft, erzählt von einer blonden Schreibkraft im rosa Sommerkleidchen, die verspätet ins Vernehmungszimmer kommt, weil sie an dem heißen Sommertag noch einen Sprung ins Schwimmbad machen mußte und dafür dem Untersuchungsbeamten himbeerrote Limonade mitbringt, die sie mit ihm trinkt, während die Gefangene durstig überbleibt.
Der dicke Vernehmungbeamte, der sich seinen Revolver nachbringen läßt und während der Vernehmung seine Sternchen auf der Uniform poliert, während er seine Gefangene zur Vernunft bringen und von ihr Geständnisse haben will, wird der “chinesischer Gutsbesitzer” genannt, weil er so aussieht, wie der Verfolger des “Mädchen mit den weißen Haaren”, dem Propagandafilm, den sie sich am Freitag ihrer Verhaftung ansehen wollte.
Dann gibt es noch das “Prachtexemplar”, einen jüngeren Beamten, der aus ihr Geständnisse herauspressen möchte und so denkt sie über ihr Leben nach und erzählt von ihrer Jugend, in der sie, nachdem sie aus der Papiergroßhandlung entlassen wurde, Journalistin bei der Arbeiter-Illustrierten-Zeitung wurde und dort, die aus Deutschland emigrierten Intellektuellen und Dichter, unter ihnen Bert Brecht und Helene Weigl zu betreuen hatte.
Sie denkt auch an die jungen Kommunisten, die gleich ihr für den Frieden arbeiteten und große Ideale hatten, aber in Auschwitz oder Birkenau, wie ihre Mutter und ihre Schwestern umgekommen sind, während sie schon einmal in Paris, in das sie 1939 emigirierte, verhaftet wurde und einige Zeit in einem Frauenlager in Südfrankreich verbrachte, bevor sie ins Exil nach Mexiko entkommen konnte. Dann ist sie nach Prag zurückgekommen und verbringt fünfzehn schreckliche Monate in einer Einzelzelle oder mit der Antikommunistin Dana, darf weder lesen, noch Pakete empfangen und sehnt sich verzweifelt nach ihrer kleinen Tochter Anna, bis sie nach Stalins Tod, ihre Kleider, ein Bündel fremdes Geld, weil es inzwischen eine Währungsreform gegeben hat und ein Weihnachtsgeschenk ihres Mannes in die Hand gedrückt bekommt und in die Freiheit entlassen wird.
Mit fast bizarren Bildern, in denen immer wieder, sowohl die Farben der Nacht, als auch die der Sonne, ihre symbolträchtige Bedeutung finden, hat die alte Dame fünfzig Jahre später diese unverständlichen Monate ihres Lebens beschrieben und an alle ihre Freunde gedacht, die dieses Schreckensregime nicht überlebten.
Auf ihre plötzliche Entlassung folgte eine Verbannung in die Provinz und eine Rehabilitierung 1964. 1968 wurde sie aber aus der KP ausgeschlossen und mit Schreibverbot belegt, so daß ihre Erinnerungsbücher erst ab 1989 erschienen sind und Lenka Rainerova als letzte Autorin mit dem berühmten Prager Deutsch, die viele Dichter und Intellektuelle, wie Egon Erwin Kisch oder John Heartfield kannte, in die Literaturgeschichte einging.
Sonntagsvergnügen
Der leichte Schneefall heute morgen hat mich etwas irritiert, hatte ich doch geplant, da wir wegen der Eugenie Kain Gedächtnislesung das Wochenende in Wien geblieben sind, einen dieser Margaretenspaziergänge zu machen, den der read!!!ing room, der Raum der sogenannten Alltagskultur, den es seit 2002, in der Anzengrubergasse gibt, freundlicherweise jedes Monat bei Schönwetter anbietet.
“Das neue und alte Matzleinsdorf”, “Weibs.bilder”, “Über Siebenrunnen mußt du gehen”, heißen die Angebote, heute war das letztere dran, also bin ich nach zehn hingegangen und war sehr erstaunt, daß sich nach und nach über zwölf Personen einfanden.
Margareten ist sicher interessant und da ich seit 1997 in diesem Bezirk lebe und vorher schon in der Reinprechtsdorferstraße gearbeitet habe, weiß ich ein bißchen darüber, wie ich schon berichtet habe.
Frau Bezirksrat Steininger hat mich das erste Mal durch den Bezirk geführt, dann gabs die Troubles mit der Lesung in der Szene Margareten, die zu der Erzählung “M.M. oder die Liebe zur Germanistik” führte. Da bin ich einige Wochen durch den Bezirk gegangen, habe recherchiert und fotografiert…
Anni Bürkl hat einmal über einen ihrer read!!!ing room Spaziergänge in ihren Blog geschrieben, zu Ostern zog das Lesetheater durch Margareten, da habe ich den read!!!ing room kennengelernt und inzwischen zweimal dort gelesen und heute der Spaziergang durch Margareten, die Nikolsdorfergasse hinunter und an dem Haus vorbei, das 1911 in einem zeitlosen Stil errichtet wurde, der Hofer hats renoviert, die Bären und die Flamingos sind immer noch zu bewundern, wenn es gelingt in das Haus hineinzukommen.
Gegenüber liegt das neue Hartmannspital, wo die Schwester Restituta zugehörig war und der Salingerpark, weil Rudolf Salinger seine Werkstätte gegenüber hatte.
Ansonsten gab es in Margareten einmal sieben Brunnen und keine direkte Verbindung in den ersten Bezirk und dort wo wir gegangen sind, waren die Spinner und die Weber zu Hause. Das Atelier eines berühmten Schneiders ist immer noch da und am Mittersteig gab es einmal eine Synagoge, das Schild das daran erinnert, ist an der Sonderjustizanstalt angebracht, weil die Hausbesitzer etwas dagegen hatten, es an ihr Haus zu tun und in der Siebenbrunnengasse 21 hatte Bernhard Altmann seine Zwirnfabrik, während seine Frau Adele, die, mit dem berühmten Klimt-Bild ist.
An der Ecke Zentagasse hat einmal die Familie Eckstein gelebt und einer der Eckstein Brüder war mit Bertha Diener, besser bekannt als Sir Galahad verheiratet. Die berühmten Frauen der Zentagasse werden aber erst bei der Frauenführung am 21. Feburar erwähnt.
Wir gingen also weiter bis zum Siebenbrunnenplatz und da gab es noch viel zu erfahren, die Geschichte eines öffentlichen Parkes, der sich durch Bürgerbeteiligung gebildet hat z. B. und über die Volkshochschule, wo ich erst am Montag war.
Es war also interessant und vieles neu, obwohl ich dachte, ich weiß schon einiges über Margareten. Also ist es gut, sich auch die beiden anderen Spaziergänge zu geben, mal sehen, ob wir am 21. 2. in Wien sind.
Dann gab es noch am Nachmittag ein interessantes Programm, nämlich im Filmmuseum den dritten Teil des “Film.Stadt.Wien.-Projektes”, nämlich den Hobbyfilm der Dreißigerjahre, das hat etwas mit der Ausstellung “Kampf um die Stadt zu tun”, deshalb haben wir auch die Renate Sassmann dort getroffen.
Zuerst gab es vier kurze Filme, die Familienaufnahmen meist von damals sehr bekannten Industriellenfamilien waren, die ihre Autos, ihre Badevergnügen, aber auch den Wiener Prater um 1940 filmten und dann gab es eine sogenannte Sensation, nämlich die Welturaufführung eines 1928 von einem Ottakringer Filmclub hergestellten einstündigen Kriminalspielfilms “Der grüne Kakadu”.
Hauptakteur dieses Filmclubs war der Rauchfangkehrermeister Franz Hohenberger, Regisseur und Hauptdarsteller und das Wirtshaus “Der grüne Kakadu”, in dem der Film spielt, wurde von einem Tischler im Hof der Familie aufgebaut und die Hausbewohner spielten mit, wie die Tochter erzählte und der Film war wirklich interessant und lustig. Viel gelernt über Wien und Christian Katt haben wir im Filmmuseum auch getroffen.
Eugenie Kain Gedenklesung
Im Gartensaal des Volkskundemuseum gab es die vierte Volksstimmeanthologiepräsentation in Gedenken an Eugenie Kain, eine reine Autorinnenlesung mit Ruth Aspöck, Judith Gruber-Rizy, Elfriede Haslehner, Eva Jancak, Hilde Langthaler, Carina Nekolny, Lale Rodgarkia-Dara, Hilde Schmölzer und Simone Schönett.
Es war sehr spannend und sehr voll. Die zehn Reihen mit den je fünf Sessel besetzt und die Veranstaltung sehr schön angekündigt, mit einem großen Plakat vor dem Museumseingang und einen großen Büchertisch.
Die Familie Kain war anwesend, die Mutter, die Tante und eine gute Freundin, die KPÖ Granden, aber auch Rudi Lasselsberger, Silvia Bartl und viele Autorinnen.
Im Buch sind außer Eugenie Kain sieben vertreten. Es haben aber zehn gelesen und so war die Textauswahl eine Kombination mit Texten von Eugenie Kain, denen aus dem Buch und einigen neuen. So hat Carina Nekolny nicht auf dem Volksstimmefest gelesen und auch Simone Schönett habe ich noch nicht gehört.
Es hat aber gepasst und war eine wilde Mischung von linken Wörtern und Randgruppenliteratur.
“Randschriften” heißt auch der Text, den Eugenie Kain für die Anthologie geschrieben hat. Mit dem Untertitel “Offenbar Radaubrüder.”
Ruth Aspöck hat ihn vorgelesen und Christoph Kepplinger wies in der Einleitung darauf hin, daß sich gestern bei dem Polizeieinsatz gegen die Burschenschaftsballdemonstration ähnliches abgespielt hat. Daß sich Eugenie Kain mit Rändern beschäftigt hat, ist bei der Lesung auch sehr schön herausgekommen.
Ich habe mit Auszügen aus meinen Blogeinträgen, der Todesmeldung und den Bericht über die alte Schmiede Lesung im April begonnen. Da ist es ihr, hat mir die Freundin der Familie, die im Cafe der Provinz neben mir gesessen ist, später erzählt, sehr gut gegangen.
Ich habe bei der Lesung dagegen gestottert, weil ich nicht sicher war, ob die Blogauszüge zu verstehen waren.
Judith Gruber Rizy ist nach mir gekommen und hat mit “Vom Schwimmen in der Donau”, einen Text gelesen, den Eugenie Kain in Gedenken an Franz Kain geschrieben hat, der die Beziehung zwischen einem schreibenden Vater und einer schreibenden Tochter sehr gut beleuchtet hat. Die Bücher des Vaters hat sie nur heimlich und verstohlen gelesen und weil sie eine schlechte Schrift hatte, hat sie in den Ferien einen seiner Texte abschreiben müßen, statt mit ihren Freundinnen ins Schwimmbad zu gehen.
Interessant, daß hier die Erzählstimmen vom “ich” zum “sie” hinüberschwenken und die Ränder kommen auch natürlich vor. Auch bei Carina Nekolny, einer Linzerin, die eine Geschichte aus ihrem Buch “Stimmen/ Ränder” gelesen hat, in dem es um die Anni Holzer aus der Schwedensiedlung gegangen ist, die ihren Bären in der Handarbeitsstunde total lässig gestrickt hat und dabei noch die coolsten Geschichten von einem reichen Onkel und einem Tierarztvater erfunden hat, über die sie selber lachen mußte.
Da sind mir die “Geschichten aus dem Kürnbergwald” eingefallen.
Linz ist offenbar eine starke Gegend mit einer starken Sprache.
Hilde Langthaler hat auch ein paar Eugenie Texte gelesen, aus “Sehnsucht nach Tamanassent” und etwas aus einem dieser Linz 09 Kataloge, während andere Eugenie Kain gar nicht gekannt haben. So Lale Rodgarkia-Dara, einen Text aus ihrem Romanprojekt gelesen, eine Globalisierungsgeschichte, wo es, wenn ich richtig verstanden habe, um eine Litauerin in Brüssel gegangen ist, die eine spritzig frische Sprache hat.
Linz war weit weg, um Ränder ist es trotzdem gegangen und das auch bei dem Text von Simone Schönett, der im Magazin zur “Kultur der Endlichkeit” enthalten ist. Das Heft enthält Texte über das Sterben und hat mich sehr beeindruckt.
Ursula Knolls Text fällt auch in diese Kategorie.
Zwei sehr beeindruckende Stunden mit linken Wörtern, starken neuen Texten, neben den bewährten Anthologiebeiträgen und einem Abschiednehmen von Eugenie Kain, die sehr berührten.
Nachher ging es ins Cafe der Provinz, in die Maria Treu Gasse gleich nebenan und das hat auch mit Literatur zu tun, weil man dort nicht nur Crepes und Palatschinken, sondern auch die Bücher der Bibliothek der Provinz kaufen kann.
Am Schluß kommt wieder eine Todesmeldung. D. J. Salinger der Autor vom “Fänger im Roggen” ist am 27. Jänner gestorben.
7 Tage im Februrar
Bei einem meiner letzten Buchlandungs-Ein-Euro-Käufen war auch ein Jugendbuch, das ich schnell zu mir steckte, weil ich den Namen des Autors kannte, nämlich “Sieben Tage im Feburar” des 1949, in St. Pölten geborenen und dort lebenden Hauptschullehrers Robert Klement, das das Sprengstoffattentat auf die Roma-Siedlung in Oberwart am 4. Februar 1995 pädagogisch aufarbeitet und da sich dieser Tag demnächst zum fünfzehnten Mal jährt, war es passend das Buch zu lesen.
Noch dazu da ich mich an das politische Geschehen in Österreich vor fünfzehn Jahren gut erinnern kann. Inzwischen wissen wir schon einiges darüber und mehr als der Autor, der das 1998 bei Jungbrunnen erschienene Buch, drei Jahre nach dem Attentat geschrieben hat und dafür ein Jahr in der Roma-Siedlung am Stadtrand von Oberwart recherchierte.
So ist die Schilderung der Romafamilie auch sehr gut gelungen. Zwar wird noch sehr oft das Wort Zigeuner verwendet, was inzwischen eher als Schimpfwort und politisch unkorrekt gilt. Das Buch ist aus der Sicht des vierzehnjährigen Josef Simon, dem Sohn eines der Opfer geschrieben und versucht den anderen Vierzehnjährigen das Leben in einer Romasiedlung näher zu bringen. Von den Vorurteilen, der Arbeitslosigkeit und den Schwierigkeiten des fünffachen Familienvaters, der meist ohne Arbeit ist, finanziell über die Runden zu kommen, das Haus auszubauen, ein neues Auto zu kaufen und seine Kinder zu ernähren, wird berichtet.
Robert Klement versucht auch das dritte Reich und dessen Umgang mit den Zigeunern den Jugendlichen näherzubringen und tut das mit der Figur des Großvaters, der im KZ mit seiner Geige überlebte und einem anderen Überlebenden, der das einige Tage nach dem Attentat dem jungen Josef, der von seiner Romaherkunft nichts wissen und abhauen will, erzählt.
Dazwischen gibt es die Parallelhandlung des Anton Ehm und das ist ein konstruiertes Psychogramm, während sonst die echten Namen verwendet werden. Von Franz Fuchs wußte man damals offenbar noch nichts. So ist ein alter Mann und Einzelgänger daraus geworden, der aus seinen Minderwertigkeitsgefühlen heraus schon in der Schule Bomben bastelte, seinen Haß auf alles Fremde nach dem Tod seiner Frau weiter entwickelte und außerdem erwachsene Kinder hat. Also eine etwas andere Biografie.
In der Literaturhausbesprechung von Riki Winter steht etwas von für den pädagogischen Gebrauch aufgearbeitet und, daß sich der Stoff der guten Absicht widersetzt und irgendwie so habe ich auch empfunden und mir gedacht, daß sich die Jugendlichen, die das lesen, erstens vielleicht nicht so gern belehren lassen wollen und zweitens auf die vielen geschilderten Fehlverhalten am Ende noch neugierig werden und irgendwie erscheint es mir auch sehr genau beschrieben, was man alles machen muß, damit die Polizei zu keinen DNA- und Fingerabdrücken kommt.
Da ich nicht mehr vierzehn bin, weiß ich nicht, wie ich das Buch in diesem Alter empfunden hätte, jetzt scheint mir das Thema interessant und es ist auch sicher wichtig, sich daran zu erinnern.
Den Roma geht es, wie man weiß, inzwischen auch nicht sehr viel besser, sie landen vielleicht nicht mehr so oft in Hilfsschulen, weil es die so nicht mehr gibt. Wirkliche Bildungschancen scheinen sie aber auch noch nicht zu haben und um zur Literatur für Erwachsene zurückzukommen. Elfriede Jelinek hat sich in “Stecken Stab und Stangl” auch mit diesem Thema auseinandergesetzt.
Vom Open House zu Walter Grond
Als ich vorige Woche von der Bibliothek der ungelesenen Bücher nach Hause gekommen bin, habe ich vom Tag der offenen Tür an der Hochschule für angewandte Kunst gelesen. In der Sendung “Schon gehört” wird auch immer darauf hingewiesen, ich war aber noch nie dort, weil ich mir meine Zeit einteilen muß. Aber diesmal schaute ich nach, ob es etwas zum Studium der Sprachkunst gab und fand im Internet den Hinweis, daß um 15 Uhr Robert Schindel den Lehrgang vorstellt und anschließend die Studierenden ihre im Semester entstandenen Texte lesen.
Bei der Macht.Geld.Literatur? Diskussion habe ich ja meinen Unmut geäußert, daß von den 345 Bewerbern nur 16, heute habe ich gehört, es wären 347 gewesen, aufgenommen wurden, worauf ich mit Marietta Böning ins Gespräch kam, die an der Stabsstelle für Pressearbeit tätig ist. Sie hat gemeint, daß wir uns treffen könnten und so habe ich sie angerufen und sie im Hauptgebäude auch gleich gefunden. Sie war nur im Streß, weil sie die Studenten herumführen mußte, die dann aber in der Vorlesung über Design hängen blieben. Es gab einen Infotisch mit Glückskeksen und jede Menge Material und viele junge Leute, die sich für das, was an der Hochschule passiert, interessierten. Ich war mit Marietta Böning bei der Demonstration einiger Diplomarbeiten und da ging es nicht nur, um visuelle Poesie sondern auch darum, durch künstlerische Filme, die Leute vom unnötigen Stromverbrauch abzuhalten und die Stiegl Braukunst-Edition 2009 “Born to the wild” gab es auch am Infotisch.
Um drei ging ich zur Vorderen Zollamtsstraße und wurde dabei von einer jungen Frau im schwarzen Kleid überholt, die sich als die Studierende Rhea Kromarova entpuppte, die später ihre Texte las. Oben sah ich gleich Gustav Ernst und Robert Schindel und erzählte ersterem, daß ich seine “Helden der Kunst” im Literaturgeflüster besprochen habe und diskutierte mit ihm, wen ich dabei erkennen hätte sollen. Er hat mir das neue Kolik geschenkt, Texte der Studierenden sind noch nicht drinnen. Es lasen Jan Braun, Elisabeth Mundt und Rhea Kromarova, drei andere waren noch im Publikum, die einzige mir bisher bekannte, Sandra Gugic, habe ich nicht gesehen. Robert Schindel stellte den Lehrgang und die Lehrer vor, Doron Rabinovici wird im nächsten Semester neu dabei sein, Lydia Mischkulnig, ist neben Ferdinand Schmatz und Sabine Scholl ebenfalls dabei und erzählte, daß der Lehrgang nach dem Leipziger Vorbild geplant wurde. Die Studenten sollen in allen Stilen schreiben lernen und dadurch ihre eigene Stärken finden.
Die vorgelesenen Texte waren Beispiele, so hat Rhea Kromarova ihre Übung: Angst zu beschreiben ohne das Wort zu erwähnen “Durch dünne Luft” gelesen.
Jan Braun las drei drei kurze Texte und Elisabeth Mundt die “Verschwundene”, die bei Robert Schindel entstanden ist.
Nachher gab es eine Diskussion die mit der Frage begann, ob dadurch eine Wiener Schule entsteht? Was Robert Schindel energisch bestritt, eine junge Frau fragte, wie die Studenten zufrieden sind und da sagte eine der Studierenden, daß sie in dem einen Semester mehr gelernt hat, als vorher bei drei Jahre Theaterwissenschaft, weil es natürlich toll ist, daß sich sechs bekannte Schriftsteller um sechzen Studenten kümmern, auch wenn man, wie Robert Schindel erwähnte, keine Garantie auf den Nobelpreis hat und die Bewerber bei der zweiten Aufnahmephase, wo von den dreihundert vierzig ausgewählt werden, nicht nur vor Ort einen Text schreiben, sondern auch nach ihrer Stabilität ausgesucht werden, denn nur Senisiblität ist es auch nicht. Ob ein solcher Lehrgang wirklich Sinn macht, bin ich mir nicht ganz sicher und natürlich sollten das alle können, die das wollen. Man kann sich aber jedes Jahr bewerben, bis zu fünfunddreißigmal. Altersbegrenzung gibt es keine, die Frage nach der Überqualifierung, die sich im Herbst ergeben hat, wurde nicht besprochen und es wird wieder öffentliche Lesungen und auch Publikationen geben.
Danach hat hat es gepasst in die alte Schmiede zu der Reihe “Zeit-Spiegel – europäische Boheme und die Auflösung kollektiver Identität” zu gehen, wo Walter Grond seinen Roman “Der gelbe Divan” vorgestellt hat, denn Walter Grond hat sich auch mit den neuen Formen des Erzählens auseinandergesetzt und das Read me Portal mitbegründet. Ich kenne ihn von einigen Diskussionen und so habe ich mich dafür entschieden, obwohl in der Szene Margareten Edith Kneifls Margareten-Krimi vorgestellt wurde.
“Der gelbe Divan”, der von Andreas Puff-Trojan eingeleitet wurde, ist ein sehr kompliziertes Werk. Fünf Jahre hat der Autor daran gearbeitet und es ist, wie er erwähnte, ein Roman in dem er die Zeit in der wir leben, beschreiben wollte. So geht es, sowohl um das Konsumieren, als auch um Globalisierung, den Orient und den Okzident, die französische Revolution, den Kaptialismus und die Kriegsführung, an Hand des Journalisten Paul Clement, der mit seinen Kindern Kleopatra und Rafael lebt und im gelben Divan sitzt, während sie seine Ex-Frau Bele, von der er später ein drittes Kind bekommt, in die Schule bringt, um den Bericht von der Orientreise Gustav Flaubert von 1849-1851 zu studieren, während der Schriftsteller Johann Selbstmord begangen hat…
Das sind nur einige Themen des monomentalen Werkes, sowohl der Autor, als auch Andreas Puff-Trojan boten noch unzählige Aspekte dazu an, obwohl Walter Grond immer wieder zwischendurch betonte, es ist gar nicht so kompliziert.
Zwei der vielen Fragen wären, was passiert, wenn das Volk, die Demokratie und der Leser die Literatur abschaffen will?
Letzteres wird sich wohl von selber klären, so waren beispielsweise nur wenige Leute in der alten Schmiede. Kurt Neumann deutete in der Einleitung an, daß die Rezensenten in unserer schnelllebigen Zeit von dem komplexen Werk überfordert waren, so daß ich fürchten würde, daß sich nicht viele Leser, die Zeit nehmen, dem komplexen Zeitroman auf die Spur zu kommen.
Wie pünktlich die Verzweiflung ist….
Prosa, Lyrik, Biografisches von und über Christine Lavant.
Eva Dite, die ich vom Lesetheater kenne, stellte im Literaturhaus selten gelesene Werke der 1915, als Christine Thonhauser in St. Stefan im Lavanttal geborenen Dichterin vor, die wie sie in ihrer Einleitung erwähnte, eine sehr bekannte österreichische Dichterin ist, aber dann kennt man sie auch wieder nicht, bzw. gilt sie als bigott, esoterisch oder altmodisch…
Eva Dite versuchte jedenfalls sehr energisch, die kranke kleine Frau aus Kärnten, die immer ein Kopftuch trug, aus der Vergessenheit zu holen und ins Literaturhaus zu bringen und das war auch sehr voll und der Lebenslauf der Lyrikerin sehr ungewöhnlich.
Neuntes Kind einer Bergbauernfamilie, lungenkrank, durch eine Mittelohrentzündung fast taub und zu schwach für den Schulbesuch, verdiente sie sich den Lebensunterhalt bis zu ihrer literarischen Anerkennung mit Strick- und Webarbeiten und verbrachte die meiste Zeit ihres Lebens in ihren Heimatsort.
Eva Dite hat neben dem Volksteaterstar Andrea Eckert, auch eine Nichte oder Großcousine eingeladen, die 1972, eine Hausarbeit über die Bilderwelt Lavants verfaßte und Maria-Luise Stainer hat von diesen Besuchen bei der Tante viel erzählt.
Die war sehr krank und hat sich auch über einen Kommentar einer Germanistin geärgert, so daß sie ihre Zusage mit der Nichte an ihren Lyrikbänden zu arbeiten, bereute, das aber nicht sagte, sondern ihr, wie das Maria-Luise Stainer nannte, entwischte und meinte, die Nichte solle doch die Gedichte selber kommentieren oder die Leser in die Irre führen, Maria-Luise Stainer ließ aber nicht locker zu einer ernsthaften wissenschaftlichen Arbeit zu kommen. Das Durchgehen der Gedichtbände schien die alte Damen sehr erschöpft bzw. aufgewühlt zu haben, wie die Nichte ebenfalls erzählte.
Eva Dite las noch aus einem Interview, das Christine Lavant einem dänischen Radiosender gegeben hat.
Das Schreiben und das Lesen war dem kranken Mädchen neben dem Handarbeiten immer wichtig, sie hat unter dem Namen Thonhauser ein Romanmanuskript 1932 an einen Verlag geschickt, das abgelehnt wurde, so daß sie ihr Werk vernichtet hat und erst nach 1945, als sie von ihrer Bibliothekarin einen Band Rilke Gedichte aufgedrängt bekam, im Rilkerausch wieder zu schreiben begann. Diese Gedichte sind unter dem Namen ihres Heimattales, zuerst an Paula Grogger, dann an ihren Verleger gekommen und die Lyrikerin war geboren, die 1954 und 1964 den Georg Trakl Preis, 1964 den Wildganspreis und 1970 den großen österreichischen Stattspreis bekam…
Eva Dite las auch einen Prosatext, ein Märchen, das seit 1952 nicht mehr aufgelegt wurde und am Büchertisch lagen eine Reihe, der Lyrikbände, die beim Otto Müller Verlag erschienen sind, auf. Es gibt auch die Holzschnitte von Werner Berg und eine offensichtliche Liebesbeziehung der Lavant zu dem Künstler, wie sie der Nichte bei den Gedichtinterpretationen offenbarte, das sie sehr daran gelitten hat, daß Werner Berg verheiratet war, was Christine Lavant ebenfalls war, aber, wie Eva Dite erzählte, in ihrem Lebenslauf nicht oft erwähnte. Einen Briefwechsel mit Gerhard Lampersberg, den wir aus “Holzfällen” kennen, gibt es auch.
“Die Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus”, die posthum veröffentlicht wurden, wurden nicht erwähnt, ich habe das Buch aber einmal der Anna gekauft.
Am Schluß gab es noch ein Gedicht in Originalaufnahme und vorher ein Viedeo, das die Dichterin 1972 mit der Nichte und deren Freundin zeigte, als die in den damals üblichen VW-Käfer stiegen.
Eva Dite wünschte sich noch viele Lavantabende, die das Werk der Dichterin präsenter machen und das ist sicher interessant.
Ich habe nicht viele der Besucher gekannt, einige vom Lesetheater waren da, mich lang mit Herrn Blaha auch über Silvia Bartls Kündigung unterhalten und Ottwald John, der mich sonst eher übersieht, hat mich gefragt, ob ich etwas von Ernst Kostal weiß, dem es nicht gut gehen soll.
Da werde ich morgen anrufen, denn von Ernst Kostal, der die “Wahnsinnsymposien” im Literaturhaus veranstaltet hat, habe ich schon lang nichts mehr gehört und Robert Huez, dem ich eigentlich erzählen wollte, daß ich das mit der Kündigung sehr schade finde, habe ich nach der Eröffnung nicht mehr gesehen, es gibt aber bei Christiane Zintzen Gerhard Jaschkes Protestbrief zu lesen, den er im Namen der GAV geschrieben hat.
Macht Geld Literatur?
Macht. Geld. Literatur? Unter diesem Titel gab es heute eine Veranstaltung der Grazer Autoren Autorinnen Versammlung und dem Republikanischen Club – Neues Österreich in der Rockhgasse zu den Fragen: Was ist die Arbeit eines Schriftstellers wert? Welche Bedeutung hat sie für die öffentliche Hand? Wieviel Staat braucht die Literatur und wieviel Staat verträgt sie? Droht ein subventionierter Autor zum Staatskünstler zu werden? Oder kann nur der Staat die Kunst vor dem Diktat des Marktes bewahren? Und unter welchen Bedingungen arbeiten heute Autorinnen und Autoren in Österreich?
Mit Claudia Schmied, Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur, Thomas Rothschild, Literaturwissenschaftler, Autor und Journalist, Maria Teuchmann, Geschäftsführerin des Thomas Sessler Verlages, Wolfgang Zinggl, Kultursprecher der Grünen, Sabine Gruber, Schriftstellerin, Moderation Doron Rabinovici.
Da mußte ich natürlich hin und, daß ich Robert Eglhofer und Ruth Aspöck treffen würde, wußte ich seit gestern, denn da gab es in der VHS Stöbergasse eine Aufführung des VocalgeStöber und dazu hat mich Brigitte Werl-eine Psychologiekollegin, die ich kenne, weil mein Vater und ihre Tante in den Siebzigerjahren in der gleichen SPÖ Sektion tätig waren, eingeladen und da traf ich Ruth, Robert und Brigitte Schramm, weil Ruth Aspöck auch in diesem Chor aufgetreten ist und da konnte ich ihr gleich die Tupperdose mitbringen, in der ich am Silvesterabend den übergebliebenen Feinschmeckersalat nach Harland transportiert habe.
Ruth und Robert haben an der Veranstaltung teilgenommen, denn Robert Eglhofer wollte die Ministerin hören, obwohl er skeptisch war, ob sie kommen würde. Ist sie aber, denn Claudia Schmied kommt sehr geduldig zu den diversen Literaturveranstaltung und nimmt freundlich lächelnd daran teil, obwohl die Literatur wahrscheinlich nur einen kleinen Bereich ihres Tätigkeitsbereiches ausmacht oder auch nicht, denn der Diskussionsleiter Doron Rabinovici hat zu Beginn der Veranstaltung sämtliche der oben zitierten Fragen an sie gerichtet und sie hat einen Einleitungsvortrag über Literatur und Wirtschaft gehalten, denn darüber hat sie, als sie noch Lektorin an der WU war, ein Seminar gehalten und als Thomas Rothschild Anton Tschechovs Kirschgarten erwähnte, haben ihre Augen geleuchtet und sie hat begeistert, “Sehr richtig, da kommt ein Zitat vor, daß der Kirschgarten nicht zu einem Kirschengarten werden dürfe!” und mehrmals “Bildung ist wichtig!” ausgerufen.
Ansonsten hat die Geschäftsführerin des Thomas Sessler Verlages, die eine sehr extrovertierte Frau sein dürfte, erwähnt, daß sie sich im Klinsch mit der Ministerin befände, weil ihr Verlag klagt, da Claudia Schmied, Christina Stürmer die Bundeshymne singen ließ und da hat sie zu den Söhnen auch die Töchter hinzugefügt und das darf man nicht, weil unwichtig, wie die ÖVP vermelden ließ, obwohl Frau Rauch-Kallat auch einmal diesen Vorschlag machte, aber das nur nebenbei, denn das gehörte nicht zum Thema.
Das Thema waren die Staatskünstler und da meinte die Geschäftsführerin, daß der Staat eher die Verlage und nicht die Künstler fördern soll, denn es würde ja nicht gehen, daß alle daher kommen und sich als Autoren bezeichnen und ein Grundgehalt wollen. Thomas Rothschild hätte aber nichts dagegen und Sabine Gruber führte an, daß sie eine priveliegierte Autorin sei, weil sie von ihrem letzten Buch achttausend Stück verkauft hätte, aber nichts dageben hätte, als Staatskünstlerin bezeichnet zu werden, da sie ja auch Staatsbürgerin sei und einmal Staatsstudentin gewesen wäre. Wolfgang Zinggl wurde eher allgemein und Ruth Aspöck meinte, daß die Autoren sehr viel für die Gesellschaft leisten würden, weil sie Papier und Briefmarken und meist auch einen Computer kaufen. Da hat ihr der wortgewaltige Thomas Rothschild widersprochen und mir ebenfalls, als ich meinte, daß die österreichischen Autoren in Klagenfurt meist schlecht wegkommen und es mich stört, daß beim Hochschullehrgang für Sprachkunst von den 375 Bewerbern nur 16 aufgenommen worden wären.
Eine Diskussion, wo ich mit meinen neunzehn Digitalbüchern und meinem Grundgehalt, das ich ich mir zum Glück immer noch mit meinen fünf WGKK Stunden und den zwei bis drei Diagnostikterminen und einer gelegentlichen Supervision leicht und locker verdiene, daneben stehe, denn ich bezahle mir meine Sozialversicherung selber und brauche mich nicht über die Künstlersozialversicherung ärgern und Stipendium habe ich auch nie bekommen, das Schreiben ist mir aber genauso wichtig, wie Sabine Gruber, Doron Rabinobvici, Ruth Aspöck ect.
Die Veranstaltung war sehr gut besucht. Nachher gab es ein Glas Wein und ein paar Soletti und Marietta Böning hat mich auf meine Wortmeldung angesprochen und gemeint, daß sie das mit der Sprachkunst anders sehe, weil sie im Pressereferat der Hochschule für Angewandten Kunst arbeite.
Da gibt es am Donnerstag einen Tag der offenen Tür und da stellen die Sprachstudenten um fünfzehn Uhr ihre Werke bei einer Lesung vor und ich habe vor hinzugehen.
Es war auch Silvia Bartl da, mit der ich mich ein bißchen über die Zustände im Literaturhaus unterhielt, die sehr chaotisch sein dürften und darüber, daß ich, wenn es das Amerlinghaus ab Herbst nicht mehr gibt, in den Readingroom abwandern kann…
Es war also interessant, wenn auch nicht wirklich neu und sonst gibt es zu vermelden, daß heute Clemens J. Setz den Literaturpreis der Stadt Bremen für seinen letzten Roman bekommen hat. Da habe ich, bevor ich der Veranstaltung gegangen bin, ein bißchen herumgegooglet und mir die Laudatio und die Dankenreden der beiden Preisträger ausgedruckt.
Clemens J. Setz bekam den Haupt- Roman Graf den Förderpreis und beide konnten nach Bremen einen Lieblingsautor mitbringen. Clemens J. Setz hat sich für Cornelia Travnicek entschieden und die hat versprochen in ihren Blog über den Preis und die Lesung in der Zentrialbiblothek zu berichten, was auch eine interessante Art der Literaturförderung ist.
Venezianisches Finale
“Venezianisches Finale” von Donna Leon, 1992 in der New Yorker Originalausgabe, 1993 in Deutsch erschienen, ist mein erster gelesener Donna Leon Krimi.
“Nobilita”, habe ich in der Hörbuchausgabe gehört, das “Venezianische Finale” im Fernsehen gesehen und von Commissario Brunetti auch schon viel gehört. Das geht gar nicht anders, selbst wenn man sich nicht für Literatur interessieren sollte.
Einmal war Donna Leon in Wien und hat bei Rund um die Burg, die Kriminacht eröffnet, ich weiß nicht mehr mit welchen Buch. Sie hat auf Englisch gelesen und Alfred wollte gehen, nachdem er im Bücherzelt vorher Ernst Hinterbergers Frau Grete auf den Fuß gestiegen oder mit ihr zusammengestoßen ist. Es kann sein, daß ich während der Lesung mit ihm gegangen bin und einmal habe ich bei Ex Libris Karten bekommen, als ein anderers Buch in einer Josefstadt Matinee vorgestellt wurde. Da ging es, glaube ich, um den Fall, wo Paola vandalistisch aufgetreten ist. Es gab eine deutsche Lesung, Musikbegleitung und ein Interview, nachher für die VIPs ein Buffet, für die anderen den Büchertisch.
Das Buch war interessant zu lesen, obwohl ich die Geschichte von dem Maestro Wellauer, der in dem berühmten Opernhaus La Fenice in der Pause vor dem letzten Akt von La Traviata in seiner Garderobe tot aufgefunden wird, im Kaffeehäferl war Zyankali und es roch nach Bittermandeln, schon gekannt habe.
Der Regisseur ist schwul, die Sopranistin lesbisch und der deutsche Dirigent mit der Nazivergangenheit und der viel jüngeren Frau, hatte ein sehr moralisches Empfinden, so daß er die Sängerin erpresste und auch andere Karrieren verhinderte, was ihn allerdings nicht daran hinderte, die halbwüchsigen Töchter und Schwestern von Gattin und Geliebter zu vergewaltigen.
Am Ende hatte er das Gehör verloren und sich deshalb selber umgebracht.
Commissario Brunetti mit der Gattin Paola, die englische Literatur an der Universität unterrichtet und aus adeliger Familie stammt, klärt das alles souverän auf und betrügt noch seinen Chef dabei, der von ihm peinliche Aufklärungsprotokolle, um acht Uhr morgens haben will, während er am Abend mit Paola und den pubertierenden Kindern Monopoly spielt. Dabei vom Sohn, der doch den Kapitalismus bekämpfen will, ausgebeutet wird, die Tochter Chiara verwaltet die Kassa und entpuppt sich als Mathematikgenie, während Gattin Paola schummelt….
Das weiß man alles schon, gibt es ja inzwischen sehr viele Fälle. Dennoch ist es spannend das Erstlingswerk zu lesen, in dem alles erst erklärt wird. So war ich von der Bedächtigkeit der Schreibweise überrascht und die genauen sozialkritischen Schilderungen von Venedig haben mir auch gut gefallen und, ob die Geschichte, daß es keine italienischen Übersetzungen gibt, weil Donna Leon, das den Venezianern nicht zumuten will, noch stimmt, weiß ich nicht. Ich habe sie aber einmal gehört oder in der Zeitschrift News gelesen.

