Iin den letzten Tagen waren ein paar Kleindetails zu erledigen, ich habe der GAV meinen Veranstaltungsvorschlag für 2010 gemailt.
Die Mittleren – Teil IV, Lesung von Frauen mit Ruth Aspöck, Andrea Stift, Eva Jancak, Susanne Schneider und Cornelia Travnicek, Christa Nebenführ hat mir ja abgesagt, damit ich mir keine Hoffnungen mache, daß sie ihre ästhetischen Kiterien vielleicht doch noch revidiert, wenn sie mich nur oft genug hört. Ich habe mich streng an die Vorlage gehalten, die ich von der letzten GAV-GV im Kopf hatte, 2010 nur mehr eine Veranstaltung pro Person und treue Leser meines Blogs wissen ja, daß ich mich seither sehr mit dieser Frage beschäftigt habe. Natürlich “Tag der Freiheit des Wortes”, aber im Literaturhaus geht es nicht mehr, weil ich da ja keine Kontrolle habe, daß ich die Veranstaltung so machen kann, wie ich will. Natürlich könnte ich Jessica Beer von der Hauptbücherei fragen, aber wenn man immer auf die Nase fällt und den Eindruck hat, daß sich für das was man tut, nicht wirklich jemand interessiert und ohnehin ein bißchen depressv ist, fehlt halt die Kraft, also nur mehr die Frauen Veranstaltung, ein paar Leuten habe ich das auch schon angedeutet.
Magdalena Knapp-Menzel hat mir zurückgemailt, daß sie nicht sicher ist, ob die Beschränkung auch für die großen GAV-Veranstaltungen gilt , sie wird aber Christine Huber fragen und die hat geschrieben, die Beschränkung gilt nur, wenn zuviele Veranstaltungen eingereicht werden und das weiß man noch nicht, aber wenn du mich fragst, ich finde es gut, wenn die Veranstaltung im Sinne der Rotation jemand anderer macht.
Jennifer Witura hat mich zur Feedbackrunde wegen der Margaretner Art eingeladen, die ist am 25. 5, da werde ich in Sizilien sein, also habe ich mein Feedback schriftlich abgegeben, das nächste Mal vielleicht ein Honorar und bitte das Foto mit dem Bezirksvorsteher.
Cornelia Travnicek hat die Aussendung für ihr im August erscheinendes neues Buch “Fütter mich” gemacht und mir ein Rezensionsexemplar für das Literaturgeflüster versprochen und mit Frau Heidegger bahnt sich ein weiterer Diskurs über das Gratislesen und dem Mist in der Literatur an, das sind ja alles Themen, die mich sehr beschäftigen. Außerdem gabs am Donnerstag eine Veranstaltung im Institut für Wissenschaft und Kunst in der Berggasse 17, das ist gleich neben der berühmten Adresse und das ist eine große Bibliothek und ein kleiner Vortragssaal, wo ich schon im intimen Kreis derselben Stammbesucher die tollsten Symposien und Vorträge über meist nicht mehr sehr bekannte, vergessene Dichterinnen, die in der Nazizeit ins Exil gehen mußten, hörte. Diesmal war Gina Kaus an der Reihe. Ich habe den Namen gekannt und trotzdem wieder verwechselt. Nun ja, ich bin ein bißerl legasthen und habe gedacht, es wäre ein Portrait in dem Buch “Zeitlos” der Evelyne Polt-Heinzl drinnen, war es aber nicht. Kenne ich ihn halt von woanders und der Vortragsaal war ziemlich leer, als Hildegard Atzinger ihre Diplomarbeit “Gina Kaus -Schriftstellerin und Öffentlichkeit” vorgestellt hat, eine 1893 geborene Autorin, die in Wien und Berlin gelebt hat und in der Zwischenkriegszeit eine Bestsellerautorin von Unterhaltungsromanen, in der neuen Sachlichkeit, das heißt in einer leicht lesbaren für alle zugänglichen Sprache geschrieben hat. Sie war Kaffeehausliteratin und Besucherin der literarischen Salons und mit Franz Werfel, Karl Kraus, und Robert Musil ect. befreundet. Für eine Novelle hat sie mit vierundzwanzig Jahren den Fontane Preis bekommen, eine Frauenzeitschrift gegründet und dort die Arbeiterfrauen zur Beratung an Ärzte, Anwälte und Psychologen vermittelt. Nach dem Anschluß ist sie in die USA emigiriert, hat dort Filmdrehbücher und ihre Memoiren geschrieben. Inzwischen ist sie vollkommen vergessen, obwohl sie in der Zwischenkriegszeit berühmt war. Eine der anwesenden Damen hat dann noch erzählt, daß man den Memoirenband “Von Wien nach Hollywood” am Samstag, um einen Euro beim Schottentor kaufen konnte, ein Herr der über Robert Neumann forschte, hatte die passenden Briefe zur Hand und wir standen zu fünft oder sechst noch lang in der Bibliothek bei Rotwein und Kabberkeksen und es war ein interessantes Gespräch über eine vergessene Autorin, die auch auf der Liste der verbotenen Bücher stand, ein intimes Literaturerlebnis.
Sofort verhaften
Es ist ein wahrer österreichischer Politklamauk, wenn es so etwas gibt, das Märchen “Sofort verhaften”, des Ganzkörperschriftstellers Magnus Amens respektive Stephan Eibel Erzberg.
Dabei beginnt die Geschichte in Rom, denn dorthin reist der Schriftsteller mit einem Reisestipendium in das berüchtigte Atelier Austria, um den Wurm in seinem Märchen zu finden, da den auch der das Gesuch bearbeitende Kulturbeamte nicht finden kann.
Dort spazieren die beiden Schriftsteller auf der Piazza Navona herum, beziehungsweise geht ihre Phantasie spazieren und so gerät der arme Magnus mit der Größenphantasie in das Aufnahmeprozedere der römischen Carabinieri und zwar müssen die dreimal um den Berninibrunnen gehen, schreiten sie schön genug, haben sie in gestochener Schrift einen Strafzettel zu schreiben, dabei kommt es zu einer Schlägerei, in deren Folge Magnus Amen verhaftet wird und in seiner Zelle großartige Phantasien spinnt.
Danach trifft er, er Fünfzigjährige, der zu etwas Fettleibigkeit neigt, die er nie bekommen hätte, wäre er im Heimatstädtchen Eisenerz verblieben und hätte dort während seiner Tätigkeit als Nettolohnverrechner auf dem Klo weiter seine vierundzwanzig Bändchen Spaßprosa geschrieben, nur leider wurde er nach Abschluß seiner Lehre zum allerhöchsten Chef geschickt und mußte daraufhin so laut lachen, daß er in diesen Anfallsorgien das Büro verließ und nach Wien marschierte.
So wurde er fett und Schriftsteller, kam nach Rom und trifft am Katzenplatz die Jugendliebe Gabi wieder, die mit ihm über autobiographische Romanfiguren diskutiert und nicht verstehen will, daß seine Protagonisten jemand anderer sind, obwohl sie ja von Amens Jugend in Eisenerz berichten.
Vorher wurde aber Amen zu einem Nerverl und litt an Alpträumen bzw. Schlaftstörungen, die ihn in die physikalische Schocktherapie zu Frau Professor Zumfleisch in die psychiatrische Abteilung des AKHs treibt.
Der zweite Teil des Romanzo Anarcho spielt auf dem Friedhof von Eisenerz, wo Amen Sonnenbrillen und Liegestühle an die Gräber schleppt, um die große Grube zu einem Swimmingpool zu machen, um sich dort mit seiner Gabi zu treffen, während deren Gatte, der Spitalsarzt Hans Winkler, Amen zuerst dazu drängt, das von seiner verstorbenen Tante Steffi ererbte Vermögen in das sogenannte Projekt Afrika zu investieren und ihn dann zum Jubiläumspatient des Krankenhaus von Eisenerz macht und der Klamauk geht lustig weiter.
Zuerst schickt Gabi Magnus ein abgeschnittenes Fingerspitzerl, daß er dann nicht aus seinem Körper bekommt, so daß Dr. Suhl zu einem Luftröhrenschnitt greifen muß, den er mittels Kronenzeitung vermarktet.
Und am Schluß kommt es, wenn ich richtig verstanden habe, zu einem Staatsbegräbnis, bei dem gesoffen und gegrölt wird, was das Zeug hält, die Leute applaudieren, lachen, kudern und der Polizeikommandant wackelt aus dem Polizeiauto, um seinem Stellvertreter schließlich “Sofort verhaften” zu befehlen.
So weit so gut, die kurze Inhaltsbeschreibung dieses Ereignisreigens. Das meiste habe ich dabei noch gar nicht erwähnt, so spielen der Rosenträgerorden und die falschen oder richtigen Fußballkugeln von Romana Botolucci, die bei Diktator Mussolini als Textilrestauratorin beschäftigt ist und Rosenverkäufer eine wichtige Rolle und den Spitalspatienten werden Witze erzählt, weil nachgewiesen wurde, daß das die Aufenthaltsdauer erheblich verringern kann.
Ein wirklich spannendes Opus Magnus, der Ganzkörperroman eines Ganzkörperschriftstellers, das in dem Jahr, seit dem es erschienen ist, schon für sehr viel Aufsehen sorgte.
So hat Stefan Eibel Erzberg den Roman vor einem Jahr in einer Marathonlesung in dem ebenfalls im Buch erwähnten Dreiraumanatomietheater von Hubsi Kramar uraufgeführt und schickt mir auch regelmäßig Zeitungsrezensionen, die zeigen, wie gut der Roman von Publikum und Kritik angenommen wurde.
Im November gab es ein Gespräch in der Sendung “Von Tag zu Tag” und eine darauffolgende Klage der F-Partei, die aber, wie ich hörte, inzwischen zurückgezogen wurde.
Ein spannendes Romanerlebnis also, das Ganzkörperspektakel des Ganzkörperschriftstellers, der wie ich bei der Lesung in der alten Schmiede feststellen konnte, großen Anklang in der Wiener Psychiaterszene fand und der mir immer viele und lange Mails über seine psychischen Befindlichkeiten schreibt und der mich, wie er mir immer versichert, angeblich sehr verehrt, was von einem Ganzkörperschriftsteller, sehr angenehm ist!
Außerdem scheint er Christa Nebenführs strengen ästehtischen Ansprüchen zu entsprechen, denn er liest am 13. August bei der Sommerlesereihe des Literaturkreises Podium zum Thema “Schlaf” um 20 Uhr im Cafe Prückel, hingehen wenn man zu diesem Zeitpunkt in Wien ist und Buch und Autor kennenlernen will.
ART-Magareten
Gleich die nächste Veranstaltung, die sogenannte Kunst und Kulturmesse des Bezirks Margareten im Rahmen der Wiener Festwochen, Roman Gutsch hat mich im März auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht und ich war bei der ersten Vorbesprechung. Vorher habe ich angefragt, wie es mit dem Honorar aussieht und zur Antwort bekommen, daß die Künstler ihre Werke kostenlos präsentieren können.
“Sehen Sie, liebe Frau Heidegger, das verstehe ich auch unter dem neoliberalen Literaturbetrieb, das vielleicht besonders!”
Denn da hat sich in den letzten Tagen bezüglich meines Artikels “Zwischen den Festen” ein interessanter Diskurs angebahnt.
Ich muß gestehen, mir gefällt der Begriff “neoliberaler Literaturbetrieb”, er ist schön griffig und plakativ und stimmt sicher auch, denn der Neoliberalismus, der, wie Frau Heidegger so schön schreibt, die besondere Freiheit der Wirtschaft durch politische Freiheit bedingt, hat natürlich seinen speziellen Literaturbetrieb und da heißt es zum Beispiel, jeder hat die Chance sich zu präsentieren. Honorar gibt es zwar nicht, du kannst aber deine Bücher auflegen und brauchst keine Standmiete zahlen.

Büchertisch
Sehr schön, also habe ich meine Büchertasche am Montag gar nicht ausgepackt und nach der Kinderdiagnostik Dienstag Nachmittag den Befund liegen lassen und bin in das Amtshaus Margareten marschiert. Ich kam zwar erst um 18. 35 dran und habe die Lesung von Elisabeth Chovanec, einer, wie es so schön genannt wird, anderen Margaretner Künstlerin versäumt und auch den Büchertisch nicht gleich gefunden. Denn der, der für mich reserviert war, war von einer Dame besetzt, die vertrieben wurde und meine Bücher hingeräumt.
Zu der kostenlosen Lesemöglichkeit wurde mir noch der kostenlose Eintrag im “Margareten kulturell – Künstler Almanach” angeboten, der an alle Margaretner Haushalte verschickt wird und das ist schon was, die Psychotherapeuten müssen für diesbezügliche Bezirkseintragungen bezahlen.
Nur leider nützt der gute Wille nichts, denn unter meinem Namen steht jetzt www.stimmgewitter.at und das ist erstens die Homepage des Augustin Chors und zweitens genau das Gegenteil vom Literaturgeflüster.
Also wieder einmal Pech gehabt. Im Internet Bezirkskünstlerverzeichnis bin ich ohnehin noch nicht drin, das wäre also eine Chance www.jancak.at und literaturgefluester.wordpress.com richtig einzutragen.

Kunstkolchose ahoj
Es kam dann bald die Kunstkolchose ahoj mit “Globalisiertes Taschentheater im Weltformat” an die Reihe, das war ein Kasperltheater, das von Alfreds Tischler Franz Mayr, der uns ein Bett und die Küche in der Krongasse gemacht hat, seiner Frau Carina Nekolny und noch einem Mann aufgeführt wurde, vorher setzte sich der Bezirksvorsteher neben mich, nahm eines meiner Bücher in die Hand und sagte “Jetzt reden Sie mit mir!”, während uns ein Fotograf knipste.
Ich erzählte ihm, daß die “Viertagebuchfrau”, das er erwischte, von den ersten hundert Tagen der blau-schwarzen Regierung im Jahre 2000 handelte, aber ehe ich fertig war, war das der Fotograf. Herr Wimmer unterbrach mich, sagte knapp “Ich wünsche viel Erfolg!” und verschwand zum nächsten.
Nun ja, es lebe der neoliberale Literaturbetrieb, man kann es aber auch anders nennen. Es gab Getränke und Brötchen, Frau Heidegger will das ja gerne wissen und während ich mit meiner Erzählung “Novembernebel” an die Reihe kam, beobachtete meine Schulfreundin Edith Brocza die älteren Damen, die ihre Tupperdosen aus der Tasche zogen und die Brötchen einpackten, das ist nicht neoliberal, ich muß aber gestehen, ich mache das auch manchmal.

Lesung
Diesmal saß ich aber auf der Bühne, Frau Rökl vom readingroom hat mich sehr schön angekündigt und plagte mich mit dem Mikrophon. Zu dem Zeitpunkt wo ich las, war es sehr laut, weil die Türen zu dem Raum mit dem Buffet und dem, wo die bildenden Künstler ihre Werke ausstellten, offen waren und dann standen auch die Raucher am Gang. Ich habe den Beginn vom “Novembernebel” gelesen, danach ein paar Brötchen gegessen, Wein getrunken und mich mit Edith Brocza, Alfred und noch einigen anderen unterhalten.
Nach mir kam Kurt Raubal mit seinem “Enten”-Sprechtheater an die Reihe und Tanja Ghetta brachte Ausschnitte aus einem Kabarettprogramm, wo es um neue Bestattungsriten ging und das hat mich betroffen, war ich doch am Montag am Ottakringer Friedhof beim Begräbnis meiner alten Freundin Monika Jensen, der ich literarisch viel zu verdanken habe und dann ist die Franka Stein in meinem Wirtschaftsroman inzwischen eine Begräbnisrednerin geworden, das habe ich mir von Daniela Schmeiser abgeschaut.
Danach folgte der Star des Abends, was außer mir aber, glaube ich, niemand wußte, nämlich die Buchprämien und Rauriser Preisträgerin Julya Rabinovich mit ihrem Roman “Spaltkopf”.
Das, was sie gelesen hat, habe ich zwar schon in der Gesellschaft für Literatur gehört, ihre Mutter hat sich aber kurz neben mich gesetzt, meine Bücher angeschaut und sich mit mir unterhalten. Neben meinem Platz gab es auch noch die Peep Show “Pornolyrics”, davon habe ich nicht viel mitbekommen und nach Julya Rabinovich sang Haymon M. Buttinger seine “Rauhen Romanzen”.
Danach rief Gabi Rökl, die das Programm moderierte, alle noch anwesenden Künstler auf, auf mich hat sie dabei vergessen, aber macht nichts, habe ich doch inzwischen gelernt, mich zu melden und ihr zuzuwinken.
Bücher habe ich zwar keine verkauft, aber der Herr Bezirksvorsteher gab mir noch einmal die Hand und ich habe auch zwei unverbindliche Einladungen für ebenfalls kostenlose Lesungen, nämlich einmal in der Augustin Schreibwerkstatt und in dem readingroom, bekommen. Mal sehen was daraus wird.
Mir hat es gefallen, denn ich interessiere mich für Literatur, schaue gern über den Tellerrand und meinen Teilbefund habe ich inzwischen auch geschrieben.
Und etwas Erfreuliches zum Schluß. Lillyberry hat auf ihrem blog gemeldet, daß die Bücher aus ihrer Geburtstagsaktion doch noch kommen werden.
Tag der Freiheit des Wortes

Rudolf Lasselsberger

Podzeit-Lütjen/Schrappeneder/Veran/Wegerth
Hier mein Bericht zum “Tag der Freiheit des Wortes”, den ich heuer das achte Mal organisierte. 2001 zum ersten Mal noch im Hörsaal 1 im Neuen Institutsgebäude im großen Stil mit großem Budget, 2002 hat es Rolf Schwendter im Literaturhaus gemacht, ursprünglich sollte es Konstantin Kaiser organisieren. Ab 2003 habe ich es dann sehr engagiert im Literaturhaus gemacht.
Ursprünglich wurde diese Massenlesung der GAV in den Achtzigerjahren von Josef Haslinger anläßlich der Bücherverbrennung der Nazis am 10. Mai 1933 initiert, die sich gegen Zensur, Unterdrückung, Gewalt etc. wandte.
Es gab oft ein bestimmtes Thema und es haben an die fünfundzwanzig Leute oder mehr dabei gelesen.

Makart/Pessl/Northoff/Petrik
Zweimal wurde die Veranstaltung von Gösta Maier in Kärnten, einmal in Klagenfurt, einmal in Villach, organisiert.
Beide Male habe ich gelesen und die Lesung sehr lang und es sehr anstrengend empfunden, die vielen Texte nicht durcheinander zu bringen, so daß ich mich auf zwanzig Lesende beschränkte.
Irgendwann hat Nikolaus Scheibner auch eine Veranstaltung zu diesem Thema machen wollen, so daß das ursprüngliche Budget halbiert wurde, ich bin mit zwanzig Lesenden aber ausgekommen, nur in letzter Zeit wurde es so beschränkt, daß sich nur noch achtzehn Lesende ausgegangen sind und ich Angst hatte, daß sich zuviele Leute aus den Bundesländern anmelden.
Johann Barth hat das immer getan, Janko Ferk und Christoph Janacs öfter, so daß ich heuer schon Mitte Jänner Rolf Schwendter absagen mußte.

Losch/Janacs/Lasselsberger/Karner
Ich habe, als die Veranstaltung, nach der letzten Lesung in Villach, 1997 war das, glaube ich, unter den Tisch gefallen wäre, bei einer GAV GV angeregt sie weiterzumachen, so daß sie 2000 Petra Ganglbauer organiserte, danach habe ich das übernommen, weil das Thema interessant und wichtig ist, aber natürlich auch, weil ich selber lesen will und das ja nicht so oft kann und bin vor allem am Anfang viel herumgerannt und habe versucht viel Werbung dafür zu machen, was gar nicht leicht war, weil oft die Unterstützung fehlte.
Es waren aber immer schöne Lesungen, es gibt Stammleser, aber auch immer wieder Neuanmeldungen und es war auch immer eine gelungene Mischung von eigenen Texten bzw. Texten von Autoren, die Opfer der Bücherverbrennungen wurden.
Robert Huez und Rolf Schwendter haben für das Literaturhaus und die GAV eröffnet, danach habe ich ein kurzes Einleitungsreferat gehalten.

Ebner/Gruber/Rizy/Haidegger
Ich finde es jedes Jahr faszinierend, wie das alles von selbst zusammenpasst. Denn ich betreibe keine Vorauswahl, sondern gebe den Aufruf in die GAV-Nachrichten und lasse jeden lesen, der sich meldet.
Reinhard Wegerth hat mit 1989 und dem Fall der Ostgrenzen begonnen, worauf Traude Veran mit einem Text über Arigona Zogaj folgte.
Mechthild Podzeit Lütjen hat Mascha Kaleko vorgestellt und ein Gedicht von ihr gelesen und Peter Pessl, was ich besonders interessant fand, ein paar frühe Gedichte von Friederike Mayröcker und von einem Interview mit ihr berichtet in dem sie ihre Angst, im dritten Reich als entartete Dichterin verfolgt zu werden, schilderte.

Baco/Biron
Der mich beeindruckenste Text war aber der von Georg Biron, der schlicht und einfach damit begann, daß die Dichter jetzt alle Freiheit für ihre Worte hätten, denn sie könnten schreiben, was sie wollten und ihre Texte auch selber drucken und im Internet ihre Meinungen über Politik und Literaturbetrieb veröffentlichen, schade nur, daß es niemanden interessiert und der Dichter als politische Instanz nicht mehr so gefragt ist und das ist ja das, was ich mir auch oft denke.
Ich habe, wie schon erwähnt, die auf fünf Minuten gekürzte Fassung der roten Schuhe aus dem “Haus” gelesen, Judith Gruber Rizy hat sich in einem Zwischentext aus ihrem neuen Roman “Drift” auch mit Wörtern beschäftigt und dann gab es noch eine Reihe von anderen beeindruckenden Texten, die ich gar nicht alle aufzählen kann, so daß ich zum Schluß wieder zum eigentlichen Anlaß zurückkehre.
“Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch noch Menschen!”, hat Heinrich Heine geschrieben und Oskar Maria Graf hat in der Arbeiterzeitung vom 12. Mai 1333 gefordert “Verbrennt mich!”, Erich Kästner war dabei und hat zugesehen, wie seine Bücher mit denen von Sigmund Freud, Franz Kafka, Oskar Kokoschka, Theodor Kramer, Joseph Roth, Felix Salten, Kurt Tucholsky, etc. in die Flammen geworfen wurden. Rudolf Brunngrabers “Karl und das zwanzigste Jahrhundert” stand auch auf der Liste der unerwünschten Bücher.
Das ist jetzt vorbei, aber bei der Gedenkfeier zum Ende des Krieges am Samstag im ehemaligen KZ Ebensee sind ein paar Vierzehn- bis Sechszehnjährige vermummt mit Hitler-Gruß und Schreckpistolen aufgetreten, weil sie provozieren wollen und ein ehemaliger KZ-Aufseher wird erst jetzt von den USA nach Deutschland zu Gericht gebracht.
[Alle meine Fotos von der Lesung unter http://www.jancak.at/TdFdW/ ]
Karl und das zwanzigste Jahrhundert
Als ich vor einigen Jahren Rudolf Brunngrabers “Heroin” gelesen habe, das ich außer “Zucker aus Cuba” und “Radium” aus dem Bücherschrank meiner Eltern erbte, habe ich gedacht, daß ein so sachbuchartiger Roman ohne rechten Plot und Spannungssteigerung heute wohl nicht mehr verlegt werden würde.
Er war aber bis zu den Fünfzigerjahren, glaube ich, sehr bekannt und habe auch alte Hefte der Büchergilde Gutenberg bzw. Ausschnitte daraus, in denen sein Name sehr oft vorkommt.
“Zucker aus Cuba” habe ich ebenfalls gelesen, da gibt es dann mehr Handlung und das ist wahrscheinlich auch der bekannteste Roman. Ruth Aspöck hat ihn in ihrer Edition “Die Donau hinunter” noch einmal aufgelegt, ist mit der Brunngraber Tochter Erika befreundet, die auch ein Stück auf der Radreise vor zwei Jahren mitgefahren ist und immer wieder zu Ruths Veranstaltungen kommt und Ruth wollte, hat sie mir gesagt, auch eine Brunngraber Biografie schreiben, was sicher wichtig wäre, denn wenn man bei Google nachschaut, findet man nicht sehr viel, außer den Hinweis, daß Teile der Biografie noch nicht erforscht sind.
Durch den Bücherkasten meiner Eltern bin ich schon sehr früh mit dem Namen in Berührung gekommen, habe irgendwann auch von “Karl und das zwanzigste Jahrhundert” gehört, mir das Buch von Valerie Szabo-Lorenz, wie schon beschrieben, ausgeborgt, gelesen und zurückgegeben.
Sehr viel ist, glaube ich, von meiner ersten Badewannenlektüre in Harland bei St. Pölten nicht hängengeblieben. Es ist durch die schon beschriebenen Punkte nicht leicht zu lesen, obwohl es sehr viel Hintergrundinformation bietet.
Und der Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, die Dreißigerjahre und wie es zu dem Weiteren gekommen ist, hat mich immer schon interessiert.
Jetzt bin ich durch die Beschäftigung mit meiner neuen Romanarbeit, bzw. durch ein Radiokolleg vor ein paar Wochen wieder auf das Buch gestoßen, wollte es mir von Ruth ausborgen und Alfred hat es mir bestellt und so habe ich jetzt die Steidl Ausgabe, aus dem Jahr 1999, nicht die aus der Büchergilde Gutenberg, die ich wahrscheinlich damals gelesen habe.
Mein zweiter Eindruck, des 1933 erschienenen Romans, des 1901-1960 lebenden Autors, historisch interessant, aber ein uns nicht mehr vertrauter Stil, der Versuch mit sehr pappmacheartig wirkenden Protagonisten aufzuzeigen, daß der Einzelne gegenüber der Geschichte hilflos ist.
Vielleicht ist Brunngraber deshalb in Vergessenheit geraten, wurde er doch, wie auf der Rückseite steht und mir auch Ruth erzählte, durch dieses Buch bekannt.
Es beginnt mit einer seitenlangen Analyse der Wirtschaftsdaten aus dem damaligen Amerika und geht erst dann zu dem persönlichen Schicksal des Karl Lakners über, der von all dem, von Carl G. Barth, Rockefeller etc., keine Ahnnung hat, als er 1893 in einem Findelhaus in Hernals zur Welt kommt. Es gibt die als das kleine Weib, genannte Mutter, die sich ihr Leben lang abplagt und fast dabei verhungert, obwohl Karl nach ihrem Tod in einer Schachtel, die inzwischen wertlos gewordenen Geldscheine findet, die er aus dem Weltkrieg brav nach Hause schickte und den versoffenen Vater, der als Straßenbahnschaffner regelmäßig die zwanzig Gulden Fahrgeld vertrinkt, die er am nächsten Dienstag bei seiner Dienststelle abliefern muß.
Keine sehr glückliche Jungend also im Margareten des Vorvorkriegswien. Karl arbeitet, was er nur kann, in einem Blumengeschäft und für eine Pfandleihanstalt und möchte Lehrer werden, weil, wie er bei der Aufnahmsprüfung schreibt, am Ende immer ein reines Herz, ein frommer Wille und eine hohe Idee überbleibt.
Brunngraber wird uns im Laufe des Romanes zeigen, wie es damit den Bach hinuntergeht.
Aber vorerst absolviert Karl mit Not und Mühe das Lehrerseminar, der Staubsauger wird erfunden und die Vitamine, er bekommt vom Lande Niederösterreich keine Anstellung, weil man keine Lehrer braucht, obwohl er sich bei Eintritt in die Schule verpflichten mußte, sechs Jahre lang als Lehrer tätig zu sein. Zum Glück kommt der Krieg, den Karl bejaht, wie später auch den Anschluß Österreichs an Deutschland, weil man da vielleicht nicht so schnell verhungert und in diesem geht es vorerst auch bergauf. Karl wird Oberleutnant und verwundet und als er 1918 zurückkommt, sind die Eltern verstorben, er findet die wertlosen Banknoten und Lehrer braucht die Stadt Wien auch nicht mehr, weil kriegsbedingt keine Kinder geboren wurden.
Es folgt ein Intermezzo in Schweden und eine Männerfreundschaft, bis es dann in dem “Der gepflasterte Weg zur Hölle” benannten Abschnitt zum bitteren Finale kommt. Karl schreibt Gesuche und inseriert um zwanzig Schilling, seine gute Ausbildung, die Kriegserfahrung, er war sogar Fliegeroffizier, spricht drei Sprachen und kann gut zeichnen und rennt sich die Füße ab, von einer Arbeitslosenstelle zu der nächsten, von der er aber auch nur negative Bescheide bekommt, versetzt den Wintermantel und quartiert sich bei Witwen ein, die er, nachdem sie statt Geld, Liebe von ihm wollen, verschämt verläßt, um zuletzt bei einem Maler wegen seiner schielenden Augen nackt Modell zu stehen und sich für die Annahme des nötigen Wintermantels so sehr schämt, daß er schließlich mit den fünf Schillingen einer mitleidigen Prostituierten in den Selbstmord rennt.
Ein drastischer Roman, der knapp und klar die Vorboten von dem beschreibt und wissenschaftlich zu erklären versucht, was später geschehen ist. Was fehlt, ist wie beschrieben, die Handlung.
Heute müßte das Elend sicherlich viel spannender, wahrscheinlich in einer Krimihandlung aufpoliert sein, um Leser zu finden. Man kann aber gut den Unterschied zu der Krise heute sehen. Verglichen mit den Dreißigerjahren, geht es uns ja traumhaft gut, wir sind vom Verhungern und der Obdachlosigkeit meilenweit entfernt, werden nur psychologisch durch die Angstgerüchte zugemüllt, die meisten jedenfalls und in diesem Österreich bzw. Europa.
Trotzdem sind es gerade die endlosen Wirtschaftsberichte, die die Krise heute verständlicher machen. Schade, daß das Buch so vergessen ist, Geschichte läßt sich daraus lernen, das spannende Schreiben wahrscheinlich nicht.
Zwischen den Festen
Gestern habe ich von neun bis zwanzig Uhr meine Wochenstunden gemacht und dazwischen die in Bozen geschriebenen Szenen eingetippt. Um halb neun war ich damit fertig und bin auf den Rathausplatz zu dem Freiluftkonzert und Festwocheneröffnung gegangen bzw. gefahren, da auf den Wiener Linien ab siebzehn Uhr freie Fahrt war, denn da war ich schon länger nicht. Diesmal stand es unter dem Motto: Wien/Lissabon/Paris/New York.
Willi Resetarits hat eröffnet bzw. gesungen und ich habe, obwohl ich ziemlich spät gekommen bin, einen Platz ziemlich vorn gefunden. Das heißt um viertel zehn lassen sie die Prominenz vor dir in das Sperrgitter hinein und wenn du Pech hast, stehst du hinter einem Großen, war diesmal aber nicht so. Juliette Greco hat gesungen, Wolfgang Ambros, Eva Jantschitsch, Dulce Pontes, Lynne Kieran, Wienerlieder, portugiesischen Fado, existenzialistische französische Chansons und kraftvollen Soul und am Schluß ist einer auf die Bühne gekommen und hat in die Menge gerufen “Am Heldenplatz marschieren die Nazis auf!”, es kam die Security und das Publikum rief “Zeit wirds!”, aber Willi Resetarits hat die Botschaft wiederholt und ich bin am Rückweg über den Heldenplatz gegangen, weil ich die übervollen U-Bahnen füchtete. Dort war nur ein einsames Polizeiauto und vorher habe ich Thomas Northoff getroffen, der mir erzählte, daß er sich von seiner Freundin das Buch ausgeborgt hat, aus dem er am Montag im Literaturhaus lesen wird.
Das war also die Festwocheneröffnung, die ich mir gern gebe, zwar nicht sehr literarisch, aber das wird es am Dienstag bei der Margareten Art und heute ging es mit den Festen weiter, Europatag auf der Freyung und im Stadtpark gabs ein dreitägiges Genußfestival, auf dem ich schon im vorigen Jahr war und das ist toll, weil man sich an den verschiedenen Ständen durchkosten kann, Käse, Schinken, Schokolade, Marmelade, Säfte, alles durcheinander und dazwischen auf der Wiese sitzen und schreiben.
Vorher hab ich noch im Bett meine fünf Szenen korrigiert und ein paar Blogs gelesen, Cornelia Travnicek beklagte auf Frau Travnicek in Wien, daß sie schon zum dritten Mal nicht zum Literaturkurs in Klagenfurt eingeladen wurde.
Dabei hätte ich gedacht, sie wird heuer beim Bachmannwettbewerb lesen und im Herbst den Priessnitzpreis bekommen, so wie Olga Flor, Angelika Reitzer oder Gerhild Steinbuch, aber offenbar wird das immer schwerer und die Zahl der Schreibenden immer mehr.
Wenn zehn Autoren von über hundert Bewerbungen ausgesucht werden, bleiben eben viele über und das gehört zum Trend, hörte ich ja im Morgenjournal, daß man nur mehr in die AHS aufgenommen wird, wenn man lauter sehr gut im Zeugnis hat, was schon die Volksschüler zu den Nachhilfelehrern treibt und den freien Hochschulzugang gibts auch schon lang nicht mehr.
Alles ist Selektion, nur die Besten bekommen die Chance zum Weiterlernen, eigentlich pervers, denn das sollte jeder dürfen, denke ich und die Besten können es vielleicht auch schon, aber da liege ich nicht im Trend und habe diese Woche auf meine Anfrage bezüglich der Mittleren IV auch gehört, “Ich kann von mir nicht eingeladene Autorinnen nicht immer wieder beobachten, ob mir nicht vielleicht doch etwas gefällt, meine subjektive Entscheidung ist bindend. Punkt!”
Da bin ich anderer Meinung und könnte eine Reihe von Gegenbeispielen und Irrtümern angeben, auch von mir selbst, denn ich halte bekanntlich nichts vom neoliberalen Literaturbetrieb, interessiere mich für vieles und da bin ich, wie ich immer wieder merke, in der Minderheit.
Das Stückchen “Diagonal”, das ich nach dem Nachhausekommen noch hörte, handelte vom Jahr 1984 und in dem gleichnamigen Buch ist das Bücherlesen ja verboten, weil zu gefährlich, ebenso in Ray Bradburys “Fahrenheit 451” und das führt wieder zum Tag der Freihheit des Wortes und der Bücherverbrennung der Nazis am 10. Mai 1933.
So gesehen ist es sehr erfreulich, daß das gewonnene Buch von Kerstin Hensel jetzt gekommen ist, ich lese aber vorher den Rudolf Brunngraber, weil ich den ja, bzw. seinen Karl Lakner in meinen neuen Roman einbauen will und bevor ich heute zuerst zur Freyung und später in den Stadtpark gegangen bin, habe ich noch das Erinnerungsmail für die Lesung zum Tag der Freiheit des Wortes ausgeschickt.
Im Stadtpark war es dann sehr schön, es gab das größte Muttertagsherz, bestehend aus tausend Einzeltorten, das zuerst vom chinesischen Fernsehen gefilmt und dann gegen eine Spende verkauft wurde, zu bewundern und ich habe Margot Koller mit ihrer Freundin getroffen, die mir versicherte, daß sie am Montag ins Literaturhaus kommt, um auch von einem Freßfestival etwas Literarisches zu berichten.
Kurzurlaub
Am Montag sind wir für zwei Tage nach Bozen gefahren, da Alfred dort eine Security-Tagung hatte. An Büchern habe ich nur “Sofort verhaften” und nicht darin gelesen, sowie meine Manuskriptmappe und mein Notizbuch mitgenommen. Um vier sind wir angekommen, um fünf ist Alfred in der Universität verschwunden, ich bin allein herumgestiegen und habe bald herausgekommen, daß es am Abend eine Lesung gibt und zwar hat im Waltherhaus der Zeit-Kolumnist Harald Martenstein aus seinen Büchern “Männer sind wie Pfirsiche” und “Der Titel ist die halbe Miete” gelesen, da der Eintritt aber sechs Euro kostete, hatte ich nicht vor hinzugehen, bin aber um acht, als ich schon ins Hotel wollte, am Naturkundemuseum vorbeigekommen und dort wurde gerade eine Mineralienausstellung eröffnet. Zwar war das Buffet schon weg, nur der Sacherkuchen wurde gerade angeschnitten und eine Flasche Rotwein hat sich auch noch gefunden und während ich dem Saxophonspieler lauschte, bin ich daraufgekommen, daß fast ausschließlich Männer anwesend waren.
Am Dienstag bin ich an der Etsch entlang und zu der Ruine hinaufmarschiert, bei der Seilbahnstation habe ich eine alte Dame getroffen, die mir bekannt erschien, sie konnte sich zwar nicht an mich erinnern, ich bin mir aber ziemlich sicher, daß es die Dorothea Merl aus Innbruck war, die ich immer bei den IG-Autoren treffe, danach bin ich zum Schloß Runkelstein marschiert und über die Oswald Promenade zur Stadt zurück. Dazwischen habe ich immer wieder geschrieben, fünf Szenen auf fünf verschiedenen Bänken, die ich noch eintippen muß und bin lang in der Althesia-Buchhandlung gesessen und habe in der Südtiroler Literatur geschmökert. Und zwar in den Romanen von Selma Mahlknecht und Anna Maria Leitgeb und in dem Krimi “Mauss” von Peter Oberdorfer, alles in der Edition Raetia erschienen.
Ich war schon einmal in Bozen und zwar bin ich 1978 mit meinen Eltern mitgefahren, als sie eine Südtirol Busreise machten, bin vorwiegend in der Pension geblieben, um zu wandern, dann bin ich aber mehrmals nach Bozen gefahren, habe dort in einer Buchhandlung Agatha Christie Krimis entdeckt, gekauft und gleich gelesen und in einer Konditorei eine “Brigitte” mit einem Artikel über Hertha Kräftner gefunden, die damals niemand kannte.
Am Mittwoch sind wir nach einem guten Frühstück wieder zurückgefahren. Das Stadthotel Citta, in dem wir wohnten, ist, habe ich in den Broschüren vom Touristenverband gelesen, bekannt für seine guten Kuchen und die siebenunddreißig Zeitungen, die dort aufliegen und man trifft sich dort den ganzen Tag, zum Cafe, zum Aperitif, zum Lunch etc. Es gab beim Frühstückskaffee neben Erdbeeren und Obstsalat auch eine gute Kuchenauswahl. Der Sachershop hat sich auch gleich neben dem Hotel befunden, aber das nur nebenbei.
Als wir Montag hingefahren sind, habe ich im Leporello erfahren, daß ich am Abend eine Gerstl-Gedenklesung versäume und gestern Abend habe ich die Lesung von Lidio Mosca Bustamante in der Augustin Schreibwerkstatt versäumt, mußte aber meine Mails aufarbeiten.
Heute bin ich früh aufgestanden, weil ich mich zu so einer kostenlosen Werbefahrt ins Parndorf Outlet Center angemeldet habe und so bin ich in vier Tagen beinahe durch ganz Österreich und jeweils ein Stück darüber gekommen, denn die Werbeveranstaltung hat diesmal in Sopron in einem Gasthaus zwischen dem Mc Donald und dem Tesco stattgefunden. Es ging vier Stunden lang um Q 10 Kapseln, dann kam das kostenlose Pörkölt, zum Kaffee gab es eine Tombola, wo man Reisegutscheine gewann, mit denen man sich gleich für die passende Reise anmelden konnte. Das versprochene ungarische Wurstpaket war eine Stange Extrawurst und das vierundzwanzigteilige Extrageschenk für die Käufer eine Tafel Schokolade. Wie sagte Frau Stephanie im Bus mit gewollt ungarischem Akzent “Na habe ich wieder gelernt, alles ist Schmäh!”, als wir schon ins Outlet Center unterwegs waren, wo wir eineinhalb Stunden einkaufen durften.
Meinen Kritikern wird das wahrscheinlich nicht gefallen, aber ich mag diese Werbefahrten, bieten sie doch Stoff zur Inspiration und ich habe schon ganze Bücher damit ausgeschmückt, so handeln ja sowohl “Die begrenzte Frau” als auch “Die Reise nach Odessa” von solchen Werbefahrten.
Zu Hause habe ich ein Buch im Briefkasten gefunden. Fein, das von Kerstin Hensel ist schon da, habe ich gedacht, es war aber “Karl und das zwanzigste Jahrhundert”, das mir Alfred bestellt hat und das sollte ich ja lesen, um herauszubekommen, wie sich Karl Lakner schreibt.
Und noch etwas Trauriges, nämlich die Todesmeldung von Monika Jensen, die am 19. April gestorben ist, die eine alte Freundin von mir war und meinen Weg in die Literatur entscheidend mitverfolgte. Zwar war sie eine meiner ersten Kritikerinnen, sie hat mich aber zu der Lesung im Literatureck der alten Schmiede angemeldet, weil ich mich das noch nicht traute und sie hat mich auch in den Arbeitskreis schreibender Frauen gebracht. Kennengelernt habe ich sie in den Siebzigerjahren im Club logischer Denker, wir haben beide Psychologie studiert, sie war in Analyse bei Erika Danneberg und hat damals in dem schönen Margaretenhof gewohnt. Geheiratet haben wir auch im selben Monat, sie war mehrmals bei meinen Geburtstagsfesten, wo auch ihr Mann Michel gelesen hat. In den letzten Jahren hat sich unser Weg verloren, sie war, glaube ich, schon krank und ist nicht mehr aus dem Haus gegangen, während sie ja früher viel unterwegs war. Ich habe aber beim Osterspaziergang mit Christa Mitaroff über sie gesprochen, die den Margaretenhof vorstellte und die ich bei der Monika kennengelernt habe.
Wochenenddetails
Nach dem ich gestern an diesem verlängerten Wochenende auf einen Anruf der Iris wartete, um herauszubekommen, wann das Grillfest, zu dem sie uns eingeladen hat, beginnt, habe ich Kleindetails erledigt.
Das heißt, “Das Haus” noch einmal durchgesehen, da ich drei Fehler gefunden habe, kann ich die Vorschau, wie ich eigentlich dachte, noch nicht auf diesen Blog stellen. Ansonsten wären wir schon ziemlich fertig, Otto Lambauer hat einen schönen Text geschrieben, am Umschlag gibt es drei schöne Fotos, die wir vor vierzehn Tagen auf der Baumgartner Höhe nochmals machten.
Da war ich auch zum ersten Mal in der Kirche drinnen, die gerade offen war und die ist wirklich zu empfehlen.
Das heißt, wir könnten ab nächster Woche, da wir morgen für ein paar Tage nach Bozen fahren und ich am Donnerstag einen dieser Verkaufsausflüge mache, die mir auch immer sehr viel literarische Inspiration bieten, beide Bücher an den Digitaldruck schicken.
Ja beide, denn mein Versuch, es mit “Der Radiosonate” doch bei einem Verlag zu versuchen, hat fehlgeschlagen oder ist, wie so oft bei mir, unter einem schlechten Stern gestanden.
Denn da hatte ich ja, nach dem ich alles nach Harland schleppte, weil in Wien das Internet nicht funktionierte, die Verlagsadresse verloren, ich habe zwar auf der Homepage nachgeschaut, da stand dann eine andere und auf die ist keine Reaktion gekommen. Ich habe einmal nachgefragt, aber nicht angerufen und bin auch nicht nach Klagenfurt gefahren, sondern habe mir gedacht, das ist es jetzt und wird so bleiben.
Aus irgendeinem Grund klappt es bei mir nicht. Ich habe aber siebzehn “selbstgemachte” Bücher. Die ersten fünf bei DigiBuch, die sich irgendwann mit dem Melzer verbunden haben, als der eingegangen ist, habe ich auf der Buchwoche beim Novum angefragt, ob sie mirs drucken, daraus wurden dann die nächsten elf Bücher, die ersten waren sehr schön und billig, als es immer teurer wurde und der Novum “der” Zuschußverlag, hat sich schon der Digitaldruck.at bei mir gemeldet und mir ein Gratisbuch angeboten.
Daraus wurde der “Novembernebel” und das Buch ist auch sehr schön. Es geht sehr schnell und ich kann es machen, wie ich will, das ist der Vorteil, der mir sehr entgegenkommt. Der Nachteil ist die Reaktion der anderen, beispielsweise, daß die Leute, die selber über ihre Kleinverlage schimpfen und die ungeheuerlichsten Geschichten darüber erzählen, das Buch in die Hand nehmen, die Nase rümpfen und soetwas von mitleidig dreinschauen, ohne sich die Mühe zu machen darin zu lesen. Nun gut, ich kann es nicht ändern und nicht aus meiner Haut heraus. Ich habe es ohnehin nur halbherzig versucht, die sogenannten Publikumsverlage können sich ja bei mir melden und man kann mich und meine Bücher auch empfehlen, wenn man über den Tellerrand hinaussehen will und wenn nicht, gibt es immer noch das Literaturgeflüster und da hatte ich gestern meinen größten Leserzugriff.
Nämlich 97 und einige Stammleser- bzw. innen habe ich auch. Und da hat Alfred den blog gestern wiedermal gewartet, das heißt auf Fehler korrigiert und neu verlinkt. Jetzt kommt man beispielsweise, wenn man den Gerstlnachruf liest, auf das Foto vom Volksstimmefest.
Ich habe dazwischen die zweite Aussendung für den 11. Mai gemacht, da es, wenn ich nächstes Wochenenende wieder zurück bin, für die Zeitungen zu spät ist und da habe auch die andere Entscheidung getroffen, bzw. mir die Leserinnenliste für die “Mittleren IV” überlegt und einige Autorinnen angefragt. Die meisten wollen bei mir lesen bzw. fragen selber an.
Dazwischen gab es einige Mails mit Otto Lambauer, der mich im Fernsehen suchte und nicht gefunden hat. Macht ja nichts, ein schönes Foto von mir vor dem Parlament gibts im Literaturgeflüster und die SPÖ-Fotos, auf die man kommt, wenn man auf die Faymann-Homepage geht, deren Adresse auf seiner Autogrammkarte steht, habe ich mir schon Freitags angeschaut.

Lagerfeuer
Dann gabs einen Mittagsschlaf und als ich soweit war, mich auf meinen “Wirtschaftsroman” zu konzentrieren, hatte der Alfred die Iris erreicht und wir sind auf die Gallitzinstraße zum Grill- und Gartenfest zu ihrem 51. Geburtstag, das sie mit ihrer Tochter Lydia veranstalt hat.
Das war sehr intensiv mit einem Feuer in der Gartenmitte und einigen interessanten Gesprächen. Ich habe meine Zettel verteilt, der Iris den “Novembernebel” mitgebracht und heute werden wir wieder ins Gartenhaus schauen und am Abend einen Dokumentarfilm über “Die neue Reise ins bekannte Wien” sehen, wenn die Reservierung fürs Schikanederkino geklappt hat.
Morgen begleite ich Alfred zu einer Tagung nach Bozen, nehme drei Bücher und die Wirtschaftsunterlagen mit und melde mich am Donnerstag oder Freitag wieder.
1. Mai
Obwohls nicht ganz literarisch ist, möchte ich heute von den Maiaufmärschen und meinem Verhältnis dazu schreiben. Oder doch natürlich. Denn in meinen Texten geht es immer wieder darum.
Bin ich ja in einem sozialistischen Haushalt in einem der schönen alten Gemeidebauten des roten Wiens, aus den Mitteln der Wohnbausteuer errichtet, aufgewachsen und als Kind mit meinem Vater und meiner Schwester immer von der Hernalser Remise mitmarschiert. Einmal auch in einem weißen Kleid mit rotweißroten Streifen mit den Kinderfreunden und als ganz kleines Mädchen hat mir jemand einen Buschen Maiglöckchen in die Hand gedrückt, den ich dem Bürgermeister Jonas übergeben mußte, beides war in der Zeitung.
Ab meiner Matura bin ich, glaube ich, nicht mehr mitgegangen und war nur kurz Mitglied bei der SPÖ und das nicht freiwillig. Und diese Zwangsvereinnahmung, daß man wegen der Wohnung oder dem Job verdonnert wurde, hat mir auch immer mißfallen, sowie die Verbürgerlichung der Genossen, die ich im Gemeindebau hautnah miterleben konnte.
Mein Vater war aber ein aufrechter Sozialist mit hundert Funktionen und Geschäfterln, die Mutter weniger und bei mir ist der Sozialismus im Herzen geblieben.
Dazwischen habe ich aufs Volksstimmefest gefunden und 2001 nach der Regierungswende, war, glaube ich, das erste Mal die Rede, wieder auf den Maiaufmarsch zu gehen. Ich meinte den der SPÖ, die Anna sprach von den Kommunisten, wir waren dann dort und haben die Ruth Aspöck mit der roten Nelke auf den Rückweg vom Rathausplatz getroffen, ich habe meine Zettel für den 10. Mai verteilt, den ich damals das erste Mal, noch im NIG Hörsaal 1, organisiert habe. Wir sind auch auf den schon leeren Rathausplatz gegangen und haben ihn für das Cover der “Viertagebuchfrau” fotografiert, denn da geht die Heldin nach der Wende das erste Mal wieder mit.
Ich habe das erst vor drei Jahren wieder getan. Mit den Margaretner Sozialisten, die sich von Trommlern in Trance trommeln lassen und die Frau Stadtrat Renate Brauner tanzte auf der Seite mit.
Bis zur Tribüne bin ich nicht gekommen, denn da stand die Ulli M. am Spalier und rief erstaunt “Was machst denn du da? Bist du eine Sozialistin?”
Wir sind gemeinsam zur Albertina gegangen, wo der Zug sich teilte, vorn der eine, dahinter der zweite Teil, dazwischen sehr viel Polizei zum Schutz vor den Meinungsdifferenzen.
Das Jahr darauf gab es schon den BAWAG-Skandal, ich war in Harland und bin mit dem Rad nach St. Pölten und auf den dortigen Rathausplatz, da gab es anschließend das Maibaumklettern. Ansonsten ist es in Harland üblich auf den Jahrmarkt nach Wilhelmsburg zu radeln, denn das haben wir früher mit der Anna oft getan.
Voriges Jahr dann die Wiener Wiederholung, diesmal allein zum Rathausplatz, weil später dran, die Margaretner Sektion habe ich am Ring getroffen und am Spalier stand die Ruth Aspöck und bot mir ihre zweite Nelke an.
Ich habe sie nicht genommen, nur die roten Radieschen von den Simmeringer Gärtnern. Wir haben die Brigitte Schwaiger getroffen. Alfred Gusenbauer hielt seine letzte Mairede. Als ich zur Albertina kam, waren die Kommunisten schon fort und ich bin allein über den Ring gelaufen, um den Alfred zu treffen.

Vor dem Parlament
Heuer habe ich es mit der Ruth, als wir sie am Sonntag an der Traisen getroffen haben, gleich so ausgemacht und bin wieder nicht an der Tribüne vorbeimarschiert und mache das wahrscheinlich auch nicht mehr, das wäre wohl zuviel.
“Wo stehst du?”, hat mich Robert Egelhofer gleich gefragt und ich habe ihm “Hier!” geantwortet. Diesmal keine Radieschen, aber offenbar um Volksnähe zu beweisen, sind die Großen diesmal mitmarschiert und so kam auf einmal der Herr Faymann mit seiner Sektion und kannte jemanden, der neben uns stand. Er kam auf uns zu, gab allen die Hand und vor mir hatte ich plötzlich mehrere Kamerateams.
“Jetzt kommen wir ins Fernsehen!”, habe ich zu Robert und Ruth gesagt und habe jetzt ein echtes Faymann Autogramm. Ob sich das in Notzeiten verkaufen läßt, ist zwar unklar, aber noch geht es uns ohnehin sehr gut.
Obwohl ich, als ich gestern Milch kaufen wollte und dabei beim Caritaslager am Mittersteig vorüber mußte, das kaum konnte, drängten sich doch dort sicher an die hundert zum Teil sehr bedürftig aussehende Menschen, um zu der “Jobmeile” zu kommen, die Information über Arbeitsplätze und Essen und Trinken versprochen hat. Das ist jetzt Teil eines Kapitels meines Wirtschaftsromans und wir haben wieder eine Art Hamburger beim Mercato Rosso vor der Löwelstraße, der allerdings sehr teuer war, gegessen. Dann waren wir noch kurz im Museumsquartier und beim Anfang der Marcus Omofuma (der ja heute vor zehn Jahren bei seiner Abschiebung ums Leben kam.) Demo beim Omofumastein,
Und die Grace M. Latigo, die sehr emotionell moderierte, kenne ich, seit ich 1998 muß das gewesen sein, wegen den Kosmos-Theaterfrauen, die damals einen anderen Frauenraum wollten, am Ballhausplatz gelesen habe.
Die nächsten Lesungen
Wieder eine Lesungsvorschau für den Mai und eine herzliche Einladung an alle, die in Wien wohnen:
1.
Zum Gedenken an die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten am 10. Mai 1933 veranstaltet die Grazer Autorinnen Autoren Versammlung seit vielen Jahren die Lesung zum Tag der Freiheit des Wortes:
Montag 11. Mai 2009 um 19 Uhr im Literaturhaus, 1070 Wien, Zieglergasse 26 A
Mit Walter Baco, Georg Biron, Klaus Ebner, Judith Gruber-Rizy, Christine Haidegger, Christoph Janacs, Eva Jancak, Axel Karner, Rudolf Lasselsberger, Thomas Losch, Mike Markart, Thomas Northoff, Peter Pessl, Dine Petrik, Mechthild Podzeit-Lütjen, Reinhold Schrappenender, Traude Veran und Reinhard Wegerth
Organisation und Moderation: Eva Jancak
2.
Einladung zur Kunst und Kulturmesse “ART Margareten”
am 12. Mai 2009 von 17 -21 Uhr im Amtshaus Margareten, 1050 Wien, Schönbrunner Straße 54, Festsaal 2. Stock
Literaturprogramm:
17.00 Begrüßung
17.20 Elisabeth Chovanec “Lyrik”
17.45 Wolfgang Wenninger “emotion-factory”
18.10 Kunstkolchose ahoj “Globalisiertes Welttheater im Taschenformat”
18.35 Eva Jancak aus “Novembernebel”
19.00 Kurt Raubal “Enten”
19.25 Tanja Ghetta “Kabarett:Schleudertrauma”
19.50 Julya Rabinovich aus “Spaltkopf”
20.10. Haymon M. Buttinger “Rauhe Romanzen”