Die Mittagsfrau

Es ist eine fast klischeehafte Geschichte, der schön konstruierte Roman, mit dem die 1970 geborene Julia Franck, 2007 den deutschen Buchpreis bekommen hat, um eine, wie im Klappentext steht, faszinierende Frau, die vielleicht die Großmutter der Autorin ist.
Der kleine Peter wird nach Ende des Krieges von seiner Mutter Alice, die eigentlich Helene heißt, mit einem Koffer, in dem Geld, die Adresse eines Onkels und ein aus Horn geschnitzter komischer Fisch steckt, auf einem Bahnhof zurückgelassen.
Im Epilog trifft man ihn zehn Jahre als ausgenützte Arbeitskraft des Onkels wieder, die Mutter kommt auf Besuch und verschwindet, während der im Westen lebende Vater noch immer Geld schickt.
Dazwischen liegt der Mittelteil und das Leben Helenes, die mit ihrer Schwester Martha in Bautzen aufwächst.
Die jüdische Mutter lebt dort fremd und sonderlich, wird vom Hausmädchen Mariechen versorgt, vom Vater angeschwärmt, trägt aber komische Hüte, sammelt nutzlose Sachen und behandelt ihre Töchter sehr brutal.
Der Vater, der eine Druckerei betreibt, in der er die Gedichte seiner Freunde druckt, zieht in den ersten Weltkrieg, verliert dort Bein und Auge und sehnt sich nach seiner Frau, die seine Briefe nicht beantwortet.
Er kommt zum Sterben heim, die Töchter sind zwischen fast erwachsen, Helene fünfzehn, Martha einige Jahre älter.
Die Mutter liegt im Bett und weigert sich den Vater zu sehen. Helene führt die Druckerei und möchte in Berlin studieren.
Martha, die inzwischen Krankenschwester geworden ist, schmuggelt Morphium vom OP nach Hause und versorgt den Vater und sich selbst damit und nach des Vaters Tod, fahren beide Schwestern mit dem Auto des Professors zuerst nach Dresden, um weiter mit dem Zug, das wilde Berlin der Zwanzigerjahre bei ihrer Tante Fanny zu erobern.
Helene arbeitet dort in einer Apotheke, während Martha mit ihrer Freundin Leontine, die inzwischen Ärztin geworden ist, dem Kokain verfällt und Helene nicht recht weiß, ob sie den Studenten Carl Wertheimer heiraten soll, bis der dann stirbt und das dritte Reich, Helene, die keinen Ariernachweis erbringen kann, in die Arme des Wilhelm Sehmisch treibt, der sie Alice nennt, ihr Papiere besorgt und sie auch heiratet, aber tief erschrickt, als er erkennt, daß sie keine Jungfrau mehr ist, schließlich hat sie ja drei Jahre, während sie für ihr Abitur lernte, in Carls Zimmer mitgewohnt.
So daß ihr Wilhelm schließlich doch erlaubt, als Krankenschwester zu arbeiten, als sie schwanger wird, bzw. sie dazu zwingt und danach verschwindet und nur noch Geld für den kleinen Peter schickt, der von Schwester Alice sieben Jahre lang, allein und ziemlich mühsam groß aufgezogen wird.
Als der Krieg zu Ende ist, packt sie ihm den Koffer, um ihm zu dem unbekannten Onkel zu schicken, während sie sich auf die Suche nach ihrer Schwester in ihr früheres Leben macht.
Es passiert sehr viel in dieser Geschichte einer starken oder auch schwachen Frau, die sowohl sympathisch als auch unsympathisch wirkt und wahrscheinlich mehr die ganze Epoche, als eine einzige Person beschreibt.
Für die, die es nicht erlebt haben, werden von einer Autorin, die auch erst viel später geboren wurde, in einer poetisch schönen Sprache, die von Veilchen und von Bücher handelt, in der es aber auch manchmal nach Urin stinkt, die ersten vierzig Jahre des vorigen Jahrhunderts beschrieben.
Das wilde Berlin der Zwanzigerjahre mit allen seinen Ausschweifungen, aber auch der Wunsch nach Frauenemanzipation und Frauenbildung, das Grauen des ersten Weltkriegs und ein wenig schwächer die Klischees der der NS-Zeit und Helene bzw. Alice wankt und schwankt in allem eifrig aber auch sehr passiv mit und wir, die wir das lesen, haben danach unsere Geschichte und die unserer Eltern vielleicht ein bißchen besser verstanden.

Osterferien und Gerstl-Nachruf

Eigentlich wollte ich heute über meine Osterferien in Harland berichten. Zwei sehr beschauliche Tage habe ich schon hinter mich gebracht. Das Wetter ist schön und sonnig, ich habe ein bißchen in den Blogs geblättert.
Lillyberry hat über Denis Schecks “Druckfrisch” berichtet und sich darüber mokiert, daß sich der mit den Bestsellerlisten vor ein Fließband stellt und das ihm schlecht erscheinende einfach in den Müll befördert. Sieben von den zehn Titeln auf der Spiegelliste ist das passiert. Interessant, daß er den Uwe Tellkamp und Daniel Kehlmanns “Ruhm”, dabei ausgenommen hat, den Daniel Glattauer aber nicht, was eine heftige Diskussion im Internet über die Rolle der Kritiker auslöste. Ich bin ja auch der Meinung, wie Lilly Berry, daß man Bücher nicht unbedingt auf diese Art und Weise verreißen muß, sondern man ihnen ruhig mit mehr Achtung, Interesse und Wertschätzung entgegentreten könnte, da Bücherschreiben ja nicht einfach ist.
Dann bin ich Rad gefahren, heute war ich beispielsweise in Herzogenburg und gestern beim Schloß in Ochsenburg, wo angeblich Schubert aufgetreten ist, es gibt jedenfalls eine Gedenktafel dazu.
Ich war ich auch viel in der Badewanne, habe in Julia Francks “Mittagsfrau” gelesen, mit der ich gerne in der Karwoche fertigwerden würde, um vielleicht übermorgen eine Rezension zu schreiben, um Otto Lambauer eine Osterfreude zu machen und die Wellnessprogramme habe ich mir auch herausgesucht.
Wir haben schließlich Fastenzeit und das auf sich schauen und gut mit sich umgehen, um zu mehr Ruhe zu kommen und die positiven Kräfte wirken zu lassen, kann in Zeiten wie diesen, wo ohnehin nicht viel gelingt und man nur Horrormeldungen über die Wirtschaftslage hört, nicht schaden.
Schließlich habe ich von meinen Radfahrten, nicht nur Fühlingsblumen, sondern auch Bärlauch, den ich sehr mag, mitgebracht und billige Erdbeeren gab es beim “Lidl “auch.
Ostergrüße sind gekommen, Frans Postma hat sich aus Holland gemeldet und an meinem Work on progress habe ich auch weitergeschrieben.
So weit so gut und als ich darüber einen schönen Blog schreiben wollte, habe ich noch bei Christiane Zintzen vorbeigeschaut und von ihr erfahren, daß Elfriede Gerstl heute gestorben ist. (Nachzulesen bei in/ad/ae/qu/at).
Was mich sehr betroffen hat, habe ich sie ja gut gekannt, da sie eine war, die auch mit mir geredet hat und mich immer freundlich grüßte.
So kann ich der kleinen alten Dame mit den roten Haaren und den schönen Hüten, die als Original durch die Wiener Innenstadt marschierte und oft bei den literarischen Veranstaltungen zu sehen war, ein paar Erinnerungen nachwerfen.
Einmal bin ich neben ihr in der alten Schmiede gesessen, da ist Kurt Neumann auf mich zugekommen und hat mir gesagt, daß er nicht die Einladungslisten des Wespennestes bestimmt. Da stand eine Veranstaltung im Programm, zu der man eingeladen werden mußte, aber als ich anrief, um eine Einladung zu dem Festakt ins Semper-Depot zu bekommen, hat mir Walter Famler mitgeteilt, daß ich leider nicht zu den auserwählten Autoren gehöre.
Ich hatte es schon verkraftet und wollte stattdessen zur Stern-Preisverleihung gehen, da hat mich die freundliche alte Dame einfach mitgenommen und mich auch Frederic Morton vorgestellt. Es war ein unvergeßlicher Abend mit einem tollen Buffet, vielen Wespennestheften und Alexandra Millner habe ich dort auch getroffen.
Bei meinem literarischen Geburtstagsfest hat Elfriede Gerstl einmal auch gelesen und wir haben mehrmals Bücher miteinander ausgetauscht.
Mich hat es sehr getroffen und ich war auch sehr überrascht, obwohl ich mich zu erinnern glaube, daß Rolf Schwendter bei der Volksstimme-Buchpräsentation schon angedeutet hat, daß es ihr nicht gut geht.
Ich verabschiede mich also von der Dichterin und wem es interessiert, auf meinen Artikel zum Volksstimmefest im September, gibt es ein schönes Bild von ihr, da wird nun auch ein Stammgast fehlen.
Und liebe Cornelia Travnicek, ich glaube nicht, daß Elfriede Gerstl eine coole Omi war, die auch schon mal Bullshit schrieb (frautravnicek.wordpress.com) und sie war sicher auch schon vor ihrem Tod eine gute Dichterin, auch wenn das in diesem Österreich erst sehr spät bemerkt wurde.
Ich glaube, erst so richtig, nach dem sie den Fried- und den Traklpreis mit einem Aufwaschen bekam.
Sie hat, wie sich in ihren Texten nachlesen läßt, sehr darunter gelitten und jetzt hat das literarische Wien wieder eine Dichterin weniger. Ob wir das wohl aufholen können?

Zum neunzigsten Geburtstag von Edith West

Nachdem ich jetzt zwei Tage in Wien war und meine Praxis machte, bin ich gerade wieder nach Harland angekommen, um hier Ostern zu verbringen.
Am Ostermontag fahren wir dann zum Margaretner Osterspaziergang zurück und vorhin war ich im Republikanischen Club bei einer Veranstaltung der Theodor Kramer Gesellschaft “Die Mühen der Gebirge und der Ebenen”- Edith und Arthur West zum neunzigsten Geburtstag von Edith West.
Das Zitat entstammt einem Gedicht von Brecht zur Emigration, das Gebirge ist dabei das Gastland da hinter einem liegt, die Ebenen bedeuten die Rückkehr in das Heimatland, hat Konstantin Kaiser erklärt, der mit Edith West ein Gespräch führt, vorher und nachher gab es Arthur West Gedichte und die Veranstaltung war sehr interessant, so daß es sich lohnte, dafür erst um zehn nach Harland zu fahren, da ich den Rest der Woche freihabe und mich dem Schreiben und der Osterwellness hingeben kann.
Dafür habe ich auch die Buchpräsentation des neuen Jaschke Buchs im Literaturhaus versäumt. Da mir Silvia Bartl aber gestern den Text mailte, mit dem sie den “Tag der Freiheit des Wortes” im Literaturhausprogramm ankündigen will und ich ihr zwar zurückschrieb, daß ich meinen eigenen Text haben will, aber fürchte, außer mich im nächsten Jahr für die “Mittleren IV”, als meine GAV-Veranstaltung, zu entscheiden, ich habe auch schon Ideen, wem ich dazu einladen kann, nichts wirklich dagegen tun kann, war das vielleicht eine gute Alternative, die Ärger erspart.
Ich zähle zwar nicht unbedingt zu Edith Wests Freundeskreis, kenne sie und Arthur West aber schon sehr lang.
Darüber habe ich schon mehrmals geschrieben.
Im Arbeitskreis schreibender Frauen in den späten Siebzigerjahren habe ich die Beiden im “Rotpunkt” in der Reinprechtsdorferstraße kennengelernt und da glaube ich mich zu erinnern, daß Edith West bei der Vorstellung sagte, sie würde nichts schreiben, außer Briefe an ihre Familie in England und Arthur West hat mich später zu den Lesungen beim Volksstimmefest eingeladen bzw. habe ich mich dazu angemeldet und als er 2000 gestorben ist, habe ich beim Volksstimmefest bzw. im Rahmen des Lesetheaters ein paar Mal seine Gedichte vorgelesen.
Jetzt gab es ein Gespräch über Edith Wests Emigration nach England, wohin sie mit ihrer Mutter und ihren fünf Geschwistern gegangen ist, dort Arthur West bzw. Rosenthal, wie er damals hieß, kennenlernte, bzw. hatte sie ihn schon gekannt, weil sie in Wien in der gleichen Straße gewohnt haben.
Dann kam die große Liebe, Erich Fried war Trauzeuge, Theodor Kramer ist mehrmals zum Essen gekommen, was die Familie sehr belastete, weil er ein starker Esser war und das Essen damals rationiert.
1946 oder 1948 ist das Ehepaar mit dem Sohn Hans nach Wien zurück, weil sich Edith West als Wienerin bezeichnete, die diese Stadt zum Leben brauchte und beispielsweise, nie in St. Pölten leben wollte, was im Publikum zu reger Diskussion führte.
Wie überhaupt sehr viel gefragt wurde. Über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus oder wie das mit dem Stalinismus war, zum Beispiel.
Edith West und ihr Geburtstag ist da bei der Rolle der Sozialdemokraten in den Dreißigerjahren fast ein wenig in den Hintergrund geraten und wie es nach 1950 war, ist überhaupt nicht mehr zur Sprache gekommen.
Aber ab Ende der Siebzigerjahren habe ich sie, Arthur West und Erika Danneberg ja gekannt und ihre Wege ein wenig mitverfolgt.
Nachher gab es noch Wein und Soletti und ich habe mich ein bißchen mit Judith Gruber-Rizy, Konstantin Kaiser und Werner Grüner unterhalten, bevor es nach Harland in den Osterurlaub ging.

Parlamentssession und erster Osterspaziergang

Gestern war ich im Parlament, denn da gab es im Raabzimmer eine Vorbereitungssitzung zum nächsten Ohrenschmaus und es war auch, nachdem ich mich durch die Sicherheitskontrollen geschleust hatte, eine interessante Sitzung mit Franz Josef Huainigg, dem Preisinitiator und dem Organisationsteam. Ich hoffe, daß jetzt alles klar ist und es keine Schwierigkeiten mehr gibt.
Ich hatte mich auch gut vorbereitet und ein Referat von Professor Berger zu den Begriffsdefinitionen herausgesucht und mir die Punkte überlegt, die ich besprechen wollte.
Jetzt brauchen wir noch einen Termin für die Jurysitzung, der Ort und das Datum der Preisverleihung stehen ja schon fest.
Erster Dezember im Museumsquartier. Jetzt muß noch der Ausschreibungstext ausgesendet werden, es gibt diesmal keine Pressekonferenz und natürlich die Texte geschrieben und eingesandt, bis es wieder Preisträger und eine hoffentlich schöne Preisverleihung geben wird. Es war spannend und aufregend und eine neue Lernerfahrung.
Am Abend habe ich in Praxis und Wohnung die Fenster für den Frühling geputzt. Dazwischen gab es noch Damentag bei der Firma Leiner, mit Sekt, Gemüsesäften und Schokoladeriegeln und heute sind wir wieder nach Harland gefahren.
Da gab es dann gleich eine literarische Veranstaltung, nämlich den Osterspaziergang der literarischen Gesellschaft St. Pölten, um bzw. am Viehofner See. Das Wetter war ja wunderbar, warm und sonnig und so war es ein schöner Spaziergang.
Mein dritter in St. Pölten, vor Jahren bin ich einmal an der Traisen bis zum Spratzener Bootshaus gegangen und habe eine “Ostereigeschichte” aus der “Viertagefrau” gelesen. 2000 war das, im Jahr eins der blau-schwarzen Regierung. Dann gab es ein paar Jahre Pause. Voriges Jahr bin ich wieder mitgegangen. Das war am Ostersamstag im Stadtwald und ich habe meinen St. Pöltner Text “Harland-Stadt” gelesen und heute eben Viehofner See, bei strahlend schönem Wetter.

LitGes

LitGes


Daher gab es auch viele Interessenten. Von denen ich eigentlich nur Alois Eder, Robert Egelhofer und Ruth Aspöck kannte. Wir sind diesmal auch nur ein kleines Stück gegangen. Den halben See entlang mit vier Lesestationen.
Auf der zweiten habe ich “Die Führung” gelesen, weil das auch ein Text mit St. Pöltner Bezug ist und irgendwie auch gut zu Ostern passt.
Bei der dritten hat Alois Eder ein kurzes Frühlingsgedicht vorgetragen und ist dann gegangen, während es hier das berühmte Picknick gab, mit Ostereiern, Brot und Bärlauchaufstrich. Am Rückweg gab es dann noch eine Station. Hier hat Robert Egelhofer ein auf englisch verfasstes Sonett auf den Osterspaziergang der St. Pöltner Poeten gelesen. Dann sind wir noch lange bei der Seedose gesessen und haben unsere St. Pöltner Beziehungen ausgetauscht.
So ist ja Irene Wondratsch eine geborene St. Pöltnerin, bzw. war ihr Großvater hier Bürgermeister und ihr Vater, stellte sich heraus, der Freund eines älteren Herrn, der mit seiner Frau mitgegangen ist.
Ruth Aspöck hat in ihrer “Edition die Donau hinunter” von Irene Wondratsch die Romane “Paris im Fieber wär mir lieber” und “Ein Haus eine Spur ein Roman” herausgebracht und von Doris Kloimstein, der Linzerin, die einmal Obfrau der LitGes war, den Roman “Kleine Zehen”.
Gäste aus Vorarlberg gab es und Eva Riebler, die glaube ich jetzt, Obfrau der literarischen Gesellschaft ist, hat mir das etcetera zum Thema “Kind” geschenkt, in dem viele Bekannte publizieren, wie Christoph Janacs, Christa Nebenführ, Beppo Beyerl, Axel Karner…. und eine Besprechung von Cornelia Travniceks “Die Asche meiner Schwester” ist auch enthalten.

lex liszt 12

lex liszt 12 / Verlagsleiter

lex liszt 12 / Verlagsleiter

Wegen Katharina Tiwald, die ich bei dieser IG-Autorenveranstaltung im Augarten Radius kennengelernt habe und Clemens Berger, der in den Tonspuren sein Portrait und einen Artikel im Standard hatte, bin ich heute ins Literaturhaus zu der Verlagspräsentation und dem Fest des burgenländischen Verlags gegangen.
Das war toll und auch wieder nicht. Auf jedenfalls wurde die Creme der Creme der burgenländischen Literatur vorgestellt. Die jungen und die alten Literaten.
Sie nehmen nämlich auch Debutromane und wollen den jungen Autoren ihre erste Veröffentlichung verschaffen, die dann, wie beispielsweise Clemens Berger, in die höherere Verlagswelt aufsteigen. Im Burgenland müßte man leben, da würde meine literarische Karriere vielleicht anders ausschauen und auch die älteren, wie Manfred Chobot, der heute morgen mit seinem “Genie und Arschloch” im Leporello war.
Sieben Autoren haben ihre Texte gelesen, außer den schon genannten war noch Jutta Treiber da, die ihren sechzigen Geburtstag feierte und schon weit über zweitausend Lesungen absolviert hat.

Robert Frittum

Robert Frittum

Katharina Tiwald

Katharina Tiwald

Dann noch, außer Susanne Toth, ein paar jüngere Männer, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Einen würde ich als Talent bezeichnen, bei den anderen weiß ich es nicht.
Peter Wagner hat durch das Programm geführt. Nachher gab es ein Konzert und ein Buffet mit Speck, Braten und fetten Aufstrichen, nicht sehr passend zur Fastenzeit, aber sehr begehrt und so haben sich die Leute darum gedrängt, daß die Bibiane ihre liebe Not mit den Trinkern hatte und ich mich wieder einmal überessen habe.
Da Jutta Treiber Autogrammkarte aufliegen hatte, habe ich mir eine von ihr unterschreiben lassen, obwohl ich keine Autogrammjägerin bin und mit Manfred Chobot smallgetalkt.
Heinz Janisch habe ich gesehen, der mir sagte, daß er morgen nicht zu der Ohrenschmaus Besprechung kommen kann und Alfred hat sich mit einem Lehrer unterhalten, den wir immer bei der Auge Weihnachtsfeier treffen.
Alfred hat das Buch von Katharina Tiwald “Eine Messe für eine” gekauft, das nächste Woche, im Kosmos-Frauenraum aufgeführt werden wird.
Ein tolles Fest, mit vielen Leuten und Dichtern, von denen ich schätzen würde, daß sie nicht so lang und so viel, wie ich schreiben.
Warum schaffen sie es und ich nicht, was mache ich nur falsch?, könnte man fragen. Ich tue es nicht. Denn ich habe meine depressive Phase überwunden und zu schreiben angefangen.
Die ersten eineinhalb Seiten zu dem Text mit dem vorläufigen Arbeitstitel “Wirtschaftsroman” sind verfaßt, ein vorläufiges Konzept, sowie die ersten drei bis vier Szenen festgelegt.

Clemens Berger, Peter Wagner

Clemens Berger, Peter Wagner

Wollfgang Milldendorfer, Gerhard Altmann

Wollfgang Milldendorfer, Gerhard Altmann

Ich bin sehr fleißig und und nachdem ich am Vormittag sehr niedergeschlagen war, habe ich, nachdem dann alles unvermutet aus mir herausgeflossen ist, wieder gedacht, das ist jetzt die Chance auf den großen Roman und seine Entwicklung.
Denn wie es weitergeht, weiß ich noch nicht.
Das hängt auch von der Wirtschaftskrise ab. Nur soviel, daß ich es Episodenroman nennen würde, wie den “Ruhm” von Daniel Kehlmann, kann ich schon sagen.
Es beginnt mit der Entlassung Sophie Hungers. Ich weiß, das hatte ich schon. Zum Beispiel in der “Begrenzten Frau”, soll aber geschichtenmäßiger weitergehen.
Sophie Hunger quizt zum Beispiel, liest ihre noch ungelesenen Bücher und denkt sich dabei ihre Geschichten aus.
Und am Donaukanal und im Rathauspark trifft sie nicht die berühmten Männer, sondern Hertha Werner, die sich rührend um ihre Enkelkinder kümmert, während die Tochter Valerie ihre Wohnung vermüllt und den ehemaligen Postbeamten Felix Harter, der als Securitymann vor ihrem Supermarkt steht.
So weit so gut und noch sehr unverbindlich, aber ich habe zu schreiben angefangen und gedacht, daß ich es kann und schon lange praktiziere und wenn es auch niemanden interessiert, ist es so.

Ein Abend für Joseph Roth

Und wieder gab es eine hochkarätige Veranstaltung im Literaturhaus, obwohl ich eigentlich in die alte Schmiede zur Präsentation des neuen Thomas Stangl Buchs oder zum “Lektorinnen-Dilemma” in den Augarten Radius wollte.
Zumindest hatte ich mir das aufgeschrieben, dann habe ich mich für das Literaturhaus und die Präsentation des neuen Joseph Roth Films zu dessen siebzigsten Todestag und der Präsentation der Joseph Roth Gesellschaft, die das Ehepaar Lunzer gegründet hat, entschieden.
Zwei neue Bücher wurden auch vorgestellt. Es war sehr voll und ich bin sehr spät gekommen, so daß ich gerade noch einen der zusätzlich aufgestellten Sessel erwischt habe.
Dabei war ich ohnehin früh daran, weil ich noch vor sechs am Postamt war, um die Bücher aufzugeben, die ich mit Andrea Stift getauscht habe.
“Reben” und “Klimmen” gegen “Und trotzdem” und “Nobembernebel”, so daß es wieder etwas Aktuelleres zu lesen und zu besprechen gibt.
Dann bin ich aber in den Thalia auf die Mariahilferstraße gegangen, um nicht zu früh zu kommen und danach war alles voll.
Es war auch eine schöne Veranstaltung. Und der Dichter, der vor siebzig Jahren seinem Alkoholkonsum erlegen ist und an den gesellschaftlichen Zuständen sehr verzweifelte, interessiert mich sehr.
Zwar nicht so sehr wie das Ehepaar Lunzer, die sich in ihrer Pension dem großen Dichter widmen, ich war aber auch im vorigen Jahr in der Joseph Roth Ausstellung und habe auch in der “Radiosonate” darüber geschrieben.
Und die Urfassung des inzwischen neuaufgelegten Buches habe ich auch in Harland. Das habe ich mir 1994 von meinem Vater zu Weihnachten schenken lassen und für die Reise in die Ukraine habe ich mich damals auch interessiert. Bin aber nicht mitgefahren, weil ich meinen Vater zu betreuen hatte.
Es gibt jetzt jede Menge Joseph Roth Veranstaltungen. 3 Sat hat einen diesbezüglichen Schwerpunkt und am Mittwoch wird dieser neue Film im Fernsehen ausgestrahlt.
Im Literaturhaus hat Elisabeth Reichart die Eröffnungsrede gehalten und auf die Bachmann und die “Drei Wege zum See” hingewiesen, die mich als junges Mädchen und Studentin ebenfalls interessiert haben.
Ich habe mir vor dreißig Jahren im Gartenhaus meiner Eltern auch die Verfilmung des Radetzkymarsches angesehen und mich darüber geärgert, daß in dem ganzen Epos nur eine einzige Frau vorkommt und die kommt noch sehr schlecht weg.
Elisabeth Reichart hat in ihrem Vortrag darauf hingewiesen.
Dann hat Heinz Lunzer die neue Gesellschaft vorgestellt und Wilhelm von Sternburg die neue Biografie.
Dabei hänge ich noch an der von Soma Morgenstern, denn die wurde ja im Vorjahr vorgestellt und am Schluß wurde ein Stückchen von dem Film gespielt, den ich nicht zur Gänze sehen werde, denn ich bin ja eine Fernsehverweigerin.
Nachher gab es Wein und Knabbergebäck. Ich bin wieder isoliert herumgestanden und habe mich sehr übersehen gefühlt. Dabei ist Ruth Aspöck gekommen und hatte mich auch vorher angerufen und mich auf den St. Pöltner Osterspaziergang aufmerksam gemacht, der diesen Samstag zum Viehofner See führen wird.
Aber immer wenn ich etwas sagen wollte, ist jemand gekommen und hat mich unterbrochen.
Elisabeth Reichart hat mich aber schließlich doch gegrüßt und ich habe Robert Huez ein Flugblatt für den 11. Mai gegeben und gefragt, ob er eröffnen wird?
Mal sehen ob er kommt. Ich bin ja offensichtlich nicht besonders interessant. Aber ich bin, wie ich bin und interessiere mich sehr für Literatur.
Momentan trödle ich mit meinen unfertigen Buchprojekten herum. In dem Bemühen vielleicht doch zu einem Verlag zu kommen, werde ich bei der “Radiosonate” bis Ende April warten, bis ich es wieder selber mache und “Das Haus” muß der Alfred noch korrigieren und ich sollte etwas Neues schreiben.
Bin aber nicht bereit dazu. Deshalb quizze ich herum, obwohl ich da nicht mehr weiter komme.
Ich bin jetzt bei 282.000 Punkten und schneller werde ich nicht.
Wenn ich aber jetzt zu schreiben anfange, fürchte ich, kommt nur eine Wiederholung heraus.
In den letzten Jahren ist das Schreiben nur so aus mir herausgesprudelt, jetzt scheine ich ein wenig ausgepowert und da ist es logisch sich Zeit zu lassen.
Ich bin aber auch ein wenig mißtrauisch, habe ich ja nicht wirklich jemanden, der mich motiviert, wenn ich es nicht selber tue.
Über Anni Bürkls Blog bin ich jetzt auf eine Autorin gestoßen, www.juliakroehn.at, die 1975 in Linz geboren ist und von ihren drei Standbeinen schreibt mit denen sie sich in der Literatur bewegt.
Historische Romane, Kinderbücher und dann gibt es noch etwas Krimiartiges, das unter einem Pseudonym erscheinen soll.
Und sie feilt und rechercheriert sich von einem zum anderen und ist voller Zuversicht dabei.
Das ist das andere Ende der Dimension, während ich tun kann was ich will und es trotzdem nicht zu schaffen scheine.
Ich gebe aber nicht auf und habe jetzt wieder ein Literaturprogramm, das mich in den nächsten Tagen wahrscheinlich ins Literaturhaus führen wird, bevor es am Wochenende nach Harland geht.

Flieh, mein Freund

Der schnodderig vor sich hin monologisierende Louis Blaul, den alle, bis auf die Sekretärin seines Vaters, Lolly nennen, hat es nicht leicht im Leben.
Da ist einmal seine Kurzsichtigkeit und sein Silberblick, so daß er sich hinter getönten Brillengläsern versteckt.
Dann wächst er noch bei Oma Mia und Opa Jupp auf und enttäuscht den, den Stress mit Keksen killenden Vater damit, daß er das Abi hinschmeißt und nicht in seine Werbbeagentur einsteigen will.
Stattdessen scheint er in einer Berliner Abbruchwohnung neben einer Rentnerin mit Darmproblemen zu wohnen, die nächtens nach ihrer toten Katze schreit.
Es gibt aber noch andere Probleme.
Da ist seine Beziehung zur Krankenschwester Vanina, die in einer WG mit gutbetuchten Frauen lebt, mit der sich Dr. Lolly zwar in einer wahren Sexualorgie ergehen kann, die Beziehung dann aber doch nicht so schafft.
Erstens sträuben sich die Wohngemeinschaftsfrauen gegen den Mann in ihrer Wohnung und in Lollys Elendsquartier ist Tante Wolle sauber zu machen, so daß Vanina keine Energie mehr für ihren Lolly bleibt und dann sind da noch seine Eltern.
Der karrieregeile übergewichtige Vater, dem man seine Open Air Konzerte und Hippie-Vergangenheit gar nicht glauben will und der durchgeknallten esoterischen Mutter Mary, von der man laut Lolly nur selten Gutes hört, weil sie nur Postkarten aus irgendeinem Winkel der Welt schreibt und dann Geld von ihrem Sohn benötigt.
Nach und nach kommt das Elend des jungen Mannnes auf der Suche nach der ersten Liebe heraus.
Denn während der Vater, kurz nachdem er Mary geschwängert hat, seinen Bart abgeschnitten und die Werbeagentur eröffnet hat, hat sich Mary zum Studium nach Spanien begeben und wurde dort im fünften Monat schwanger zum Drogen Schmuggeln nach Mexiko geschickt.
Danach erlebt sie elf Jahre Haft in der Schweiz und so wächst der kleine Lolly bei den Großeltern auf, verweigert das bürgerliche Leben und reist von der Mutter unterstützt, dann doch seiner Vanina nach, die mit der betuchten Freundin Mara nach Rom verschwunden ist, weil sie mit ihm nicht zum Zelturlaub wollte.
Sehr witzig und komisch wird hier das Elend eines jungen Mannes auf dem Weg ins Erwachsenwerden, von, wie im Klappentext steht, einem der besten deutschen Erzähler, beschrieben.
Der 1953 geborene Ralf Rothmann hat bei Suhrkamp schon eine ganze Reihe von Romanen herausgebracht.
Den 2000 erschienenen “Flieh mein Freund”, habe ich vor einigen Wochen aus der Buchlandung-Schnäppchen-Kiste gezogen und vorhin in der Badewanne gelesen.
Dann habe ich noch die Erzählung “Der Windfisch” in Harland, die ich noch lesen muß. Und den Autor habe ich, 1999, im Museumsquartier kennengelernt, als er bei der damals noch existierenden, von Alexandra Millner kuratierten Literatur im März Veranstaltung gelesen hat.

Schreibideen und Buchpräsentation

Gestern habe ich zwei neue Literaturblogs entdeckt.
Nämlich lillyberry.de und Karen Wiborgs Blogroman “Sechzig Grad”.
Beide sind sehr interessant und kommen gerade richtig. Lilly Berrys Blog “Wir werden Romanautoren”, befaßt sich, wie ja auch der meine, mit dem Schreiben lernen, Fernstudien, Bücherrezensionen und noch vielem mehr und wird von von einer Studentin betrieben, die sich nach einer Figur ihres großen Vorbilds John Irving nennt und heute hat der Blog Geburtstag.
Aus diesem Grund gibt es ein Gewinnspiel, bei dem man dreiunddreißig Bücher gewinnen kann. Ich habe meine Wunschliste hingeschickt und das hat mich auf die Idee gebracht, daß ich im Juli, wenn das Literaturgeflüster Geburtstag hat, auch ein Gewinnspiel veranstalten kann.
Auf den zweiten Blog bin ich ich durch federwerk.de gestoßen und da stellt eine Autorin ihren Roman Kapitel für Kapitel ins Internet und beschreibt ihren Schreibprozeß und das führt wieder zu mir.
Denn ich will meine Schreibprozesse ja ebenfalls beschreiben und habe jetzt auch etwas Neues vor.
Momentan bin ich zwar noch im Suchprozeß und im Gegensatz zu den früheren Texten, nicht so weit zu beginnen.
Es sprudelt noch nicht aus mir heraus. Ich habe eher einen brausenden Kopf und brauche wohl eine längere Schreibfindungsphase.
Obwohl die ersten Schreibnotizen habe ich am Freitags schon gemacht. Da bin ich nach dem klinischen Fallseminar, wo es sinnigerweise um die Wirksamkeit von Antidepressiva gegangen ist, mit dem Notizbuch durch die Stadt gezogen, bzw. habe ich mich mit einem Becher Kaffee und einer Osterpinze in den Kliniktreffpunkt des AKHs gesetzt und die Ideen geordnet.
Da gibt es ja den Einfall über die Wirtschaftskrise zu schreiben und den Namen einer Protagonistin, der mir auf dem Weg nach Leipzig eingefallen ist.
Sophie Hunger oder Hunge könnte sie heißen und eine arbeitslos gewordene oder ausgebrannte Lektorin sein, die bei ihren ungelesenen Büchern sitzt und sich mit den vorhandenen Romanfiguren die phantastischsten Geschichten ausdenkt, während sie durch das Radio die Auswirkungen der Krise miterlebt.
Da muß ich mich noch gründlich auf Studien begeben und bei der Demo gegen die Finanzkrise heute kann ich gleich beginnen.
Am Abend bin ich zu der Präsentation von Hilde Schmölzers neuem Buch “Frauenliebe. Berühmte weibliche Liebespaare der Geschichte”, ins WUK-Frauenzentrum gegangen, weil ich aber nicht wußte, daß das nur für Frauen ist, hat sich der Alfred, den ich zum Fotografieren bestellt hatte, sehr geärgert.
Also keine Fotos, nur ein Bericht.
Judith Gruber Rizy, Elfriede Haslehner und Ingeborg Reisner waren da und mit Ingeborg Reisner habe ich wieder über das Bücherverlegen gesprochen und wir haben uns über das alte Problem gestritten, ob man einen Verlag haben soll oder nicht?
Hilde Schmölzer hat von der Frauenliebe gelesen und ein paar Proben aus den Kapiteln “George Sand”, “Gertrude Stein” und Anna Freud” vorgestellt.
Dann gabs noch eine Diskussion und ich habe eine Frau, die EDV Kurse macht, gefragt, woran es liegen kann, daß ich beim Literaturquiz nicht schneller werde.
Sie meinte, ich solle meine Speicherkapazität überprüfen. Man kann also auch bei einer Frauenlesung in einer Frauenrunde etwas lernen.

Stefan Schmitzer

Am Donnerstagmorgen habe ich in der Badewanne den “Falter Bücher Frühling” durchgelesen und bin auf einen Veranstaltungstipp gestoßen, der nicht auf meiner Liste stand.
Stefan Schmitzer liest im Museumsquartier aus seinem, bei Droschl erschienenen Roman “wohin die verschwunden ist, um die es ohnehin nicht geht”, einer filmartig erzählten Comic-Ballade mit schnellen Schnitten, unvergesslichen Einstellungen und einer äußerst ungewöhnlichen Athmosphäre, wie im Begleittext stand und ich hatte schon ein Abendprogramm.
Kenne ich doch Stefan Schmitzer, beziehungsweise habe ich ihn vor zwei Jahren beim letzten Ernst Jandl Lyrik Preis, den Paul Wühr bekommen hat, in Neuberg an der Mürz lesen gehört und ihn, wenn ich mich recht erinnere, ein bißchen später in der alten Schmiede darauf angesprochen.
Beim Volksstimmefest wurde seine “ballade vom trendscout” vorgetragen, er selbst ist glaube ich, nicht gekommen und ich wußte, das ist ein aufstrebendes Talent, von dem ich noch hören werde, der 1979 in Graz geborene.
Die Steier haben, siehe auch Mike Markart, große Talente und publizieren in der Zeitschrift “Perspektive” und da mich aufstrebende literarische Talente interessieren, bin ich ins Museumsquartier gegangen und habe dort lange den Raum D des Quartiers 21 gesucht, was nicht einfach war, denn in diesem Schlauch verirre ich mich immer und muß erst herumfragen.
Die Buchpräsentation fand also in einem ziemlich verborgenen Rahmen statt, ein kleiner Raum mit ein paar Sesseln und als ich Platz nehmen wollte, hat mich Stefan Eibel Erzberg angesprochen und mir einen anderen GAV-Autor vorgestellt.
Dann hat die Lesung schon begonnen und war auch interessant.
Noch vor dem dreißigsten Geburtstag zwei Preise und zwei Bücher, hat der neue Droschl-Mitarbeiter den Autor vorgestellt.
Es sind aber drei, der 2007 bei Droschl erschienene Lyrikband “moonlight in clichy” und die bei Leykam erschienene Erzählung “vier schuss”.
Stefan Schmitzer schreibt alles klein und ist auch sonst ein steiler Typ, so saß er mit Buch und Laptop an dem Lesetischchen.
Hat abwechselnd aus seiner Romanballade und Gedichte gelesen und gemeint, er würde immer, kurz bevor die Handlung beginnt, aufhören, damit man sich das Buch auch kauft und dieses ist von beiden Seiten beschrieben, so daß man es oben oder unten lesen kann und handelt von einer Frau, die vor sechzehn Jahren ihr Kind verlassen hat und danach Männer überfällt und auf der anderen Seite von einem Lehrer und einem Jungen, die in einem Wettcafe aufeinandertreffen und während Wohnungseigentum verspielt wird, sich vielleicht als Sohn und Vater outen.
Die Sprache ist stark und ungewöhnlich, cool und gegenwartsorientiert hat der Lektor sie genannt, irgendwie erschien sie mir auch künstlich abgehoben. Sehr technisch und für mich ein wenig atemlos.
Da ich mir das Buch nicht gekauft habe, werde ich es wohl auch nicht lesen und die Handlung dieser Comic-Ballade, was immer das auch ist, Bilder sind jedenfalls keine dabei, ich habe lange in das Buch hineingesehen, nicht wirklich mitbekommen, es hat mich aber an Andreas Okopenkos “Lexikonroman” erinnert, was ich auch dem Lektor mitteilen wollte, den mein literarisches Wissen aber offensichtlich nicht sehr interessierte.

Die rote Babuschka

Nachdem Franz Josef Huainigg das für Donnerstag geplante Vorbereitungstreffen für den nächsten Ohrenschmaus verschoben hat, habe ich mich aufgerafft, doch in die Hauptbücherei zur Buchpräsentation von Dan Lungu “Die rote Babuschka” zu gehen, da ich die Flugblätter an die Autoren und Autorinnen für den Tag der Freiheit des Wortes aufzugeben habe und darauf gekommen bin, daß mir die großen Kuverts ausgegangen sind.
Mich also vom depressiven Kulturquizspielen weggebracht und das war in doppelter Hinsicht gut.
Denn erstens bin ich jetzt zwar doch über die 280.000 Punkte Grenze gekommen und liege derzeit auf Platz vierzehn. Aber mit der Maus kann ich noch nicht so richtig umgehen und ohne Maus wäre ich zwar jetzt schneller, weil ich die Antworten schon weiß, aber mein Computer ist das nicht.
Schwamm drüber, man kann ohnehin nicht viel dabei gewinnen und wie das die anderen schaffen, weiß ich nicht.
Und bei der Buchlandung gibt es immer noch die Ein-Euro-Schnäppchen Kiste und der Weg in die Hauptbücherei führt daran vorbei, obwohl ich wegen der Kuverts vorher bei Mastnak in der Neubaugasse war, bin ich trotzdem hingegangen und habe mir wieder drei Bücher gekauft.
Und dann war die Lesung nicht nur interessant, es gab seit langem wieder ein Buffet und sehr viel Prominenz.
Der Verlagsleiter vom Residenzverlag (der der bei der Buch Wien mit Toni Möhrwald kochte) und launig berichtete, daß er gerade mit dem Autor von einer Europa Tournee zurückgekommen ist. Zuerst aus Leipzig und da habe ich, glaube ich, auch das Buch bei seinem Stand gesehen und jetzt aus Bolgona.
Annemarie Türk von Kulturkontakt war da, die Leiterin des rumänischen Kulturinstituts und Gabriele Madeja, die sich intensiv mit Jessica Beer von der Hauptbücherei unterhalten hat.
Robert Reinagl hat den Text auf Deutsch gelesen, dann gab es noch den Übersetzer des Buches, das im Original “Die alte Kommunistin” heißt, der mit dem Autor ein Gespräch führte.
Dan Lungu ist Soziologiedozent in Iasi und hat nach der Wende den Club 8 gegen die literarische Medienvormacht Bukarests gegründet und gemeint, daß er ohne Wende wahrscheinlich Ingenieur in der Provinz und Alkoholiker geworden wäre. So hat er den Roman während eines Stipendiums in Paris geschrieben, es ist der zweite, der bei Residenz erschienen ist.
Der erste heißt “Das Hühnerparadies” und ist genauso ein Erfolg wie “Die rote Babuschka”, die jetzt auf Spanisch und Italienisch übersetzt wird und in Frankreich ein paar Preise bekommen hat.
Das rumänische Buch gibt es in zweiter Auflage zu je viertausend Stück und es ist sehr lustig, obwohl es ernste Themen behandelt.
Nämlich von der Ceausescu-Nostalgie der Rentnerin Emilia Apostoae, die der Meinung ist, daß es vor der Wende besser war, weil sie Dank ihrer Parteibeziehungen ohnehin alles hatte, zwar nicht Bananen, nur Zahnpaste mit solchen Geschmack, aber Kaugummi aus Ungarn der die größten Blasen bildete.
Daran knüpfte sich eine Diskussion, die ich nicht ganz verstand, ob Dan Lungu sein Nest beschmutzt, wenn er das beschreibt und ich habe mich belehren lassen, daß die rumänischen Kaugummis keine Blasen bildeten, so daß alle Rumänen von den ungarischen schwärmten, obwohl die um vieles schlechter als die aus dem Westen bzw. aus dem goldenen Amerika waren.
Nun ja, das ist längst vorbei. Dan Lungu ist ein bekannter Dichter geworden und seine Studenten, mit denen er über Lenin diskutieren wollte, fragten “Lenin – wer ist denn das?”, während Robert Reinagls Tochter Flora den Papa nicht versteht, wenn er sagt, daß sie abheben soll, wenn sich das Handy meldet.
Nun ja, der Kommunismus ist zwanzig Jahre vorbei und war in Leipzig das große Thema und Annemarie Türk bringt die rumänische Literatur nach Wien und die ist wirklich vielfältig.
Ich erinnere mich an einige Veranstaltungen in der Herrengasse, aber auch an die lange Nacht im rumänischen Kulturinstitut im November.
Nachher gab es wie beschrieben wieder einmal ein Buffet, aber offensichtlich wird da auch eingespart.
Aber diesmal Kartoffelkroketten, Hühnerflügerl und den guten weißen Käse und die Pilze, die es auch im November bei dem Abendessen im Kulturinstitut gab.
Ich bin an einem Tisch mit einem literaturbegeisterten Herrn und einer Dame aus Armenien gestanden und habe Jessica Beer erzählt, daß ich am nächsten Montag nicht zum Lesezirkel mit dem Thema “Wende” zu Ingo Schulzes “Adam und Evelyn” kommen kann, obwohl ich schon eingelesen wäre, weil ich ja drei Monate den Uwe Tellkamp gelesen habe, worauf sie mir sagte, daß sie sich nicht getraut hätte, dieses Buch zu nehmen, weil sie niemanden kennt, der es ausgelesen hat.
Ein interessanter Abend also mit rumänischer Nostalgie-Literatur, jetzt habe ich noch einige Veranstaltungstips für den Rest der Woche, mal sehen, wie weit ich damit komme und wann ich soweit sein werde, mich in das nächste Romanprojekt einzulassen, bzw. mich auf diesbezügliche Studien begebe.