Wilde Worte – neue Bücher

Fischer & Gratzl

Fischer & Gratzl

Um für das Literaturgeflüster zu berichten, bin ich zu den Wilden Worten, der monatlichen Reihe von und mit Richard Weihs, Franz Hütterer und Michaela Opferkuh marschiert, da ja die literarischen Programme erst langsam anlaufen und Dagmar Fischer und Heidelinde Gratzl mit ihrem Duo “Der Fisch zur blauen Linde”, haben mich auch interessiert. Habe ich Dagmar Fischer schon einige Mal bei der “Poet Night” gehört, es gibt drei Gedichtbände in der Edition Doppelpunkt und sie war auch Annas Turnlehrerin in der Rahlgasse. In der Szene Margareten hat sie auch eimal gelesen und heute unter dem Thema “Lyrik ertastet” eine szenische Lesung dargeboten.
Dann gab es wieder Wunschgedichte. Diesmal habe ich mir eines zum Thema “Winter” gewünscht”, denn ich höre jetzt die ganze Zeit das “Es ist so kalt”- Gejammere, obwohl ich den Winter eigentlich mag.
Und es gibt auch schon die neuen Bücher, die im neuen Jahr vielleicht den deutschen Buchpreis gewinnen.
Ein Kanditat dazu wäre Daniel Kehlmann, denn der hat jetzt einen neuen Roman geschrieben, der eigentlich ein Erzählband in neun Geschichten ist. Einer findet eine neue Identität in einem neuen Handy, während sich eine sterbende Frau von einem Schriftsteller ein neues Leben wünscht.
Interessant der demnächst bei Rowohlt erscheinende Roman “Ruhm”. Er wird ab den 16. ausgeliefet, war aber schon seit dem Wochenende in den Zeitungen und im Radio.
Und zum 20. Todestag von Thomas Bernhard soll es einen neuen Bernhard geben. “Meine Preise”, das neun Texte zu neun Preisen, drei Preisreden und eine Absichtserklärung enthalten soll.
Ich kann zwar Thomas Bernhard eigentlich nicht mehr lesen, weil ich Schwierigkeiten mit dem vielen Negativen und den Beschimpfungsorgien habe. Als Verhaltenstherapeutin, wo man ja das Positive fördert, eigentlich ganz klar. Obwohl die Sprache wirklich schön, melodisch und oft genug genial ist.
Die letzten Sätze beispielsweise haben mich einigemale umgeworfen. Bei dem Theaterstück “Ja” z.B., aber auch bei den “Alten Meistern”, da kann ich mich erinnern, daß ich, als ich noch mit der Anna von Wien nach St. Pölten gependelt bin, den neuerschienenen Roman gelesen habe, wo es in dreihundert oder mehr Seiten darum geht, ob der Held ins Burgtheater gehen soll und dann geht er endlich und die Vorstellung war natürlich fürchterlich, da habe ich, im Wartesaal von Hütteldorf herzlich aufgelacht. Aber jetzt will ich das nicht mehr hören oder lesen und muß es auch nicht.
Aber das Literaturhistorische interessiert mich sehr und um das Preisgeschimpfe ranken sich ja die Legenden. “Das war ja, als er den kleinen, nicht den großen Staatspreis bekommen hat und wo ist nun der Dichterling?”, fragte die Frau Minister.
Franzobel hat, glaube ich, auch darüber geschrieben.
Die trotz Testament, zwanzig Jahre nach dem Tod erscheinenden Texte interessieren also sehr. Jetzt muß ich nur schauen, daß ich sie geschenkt bekomme. Alfred habe ich das vorhin schon geflüstert und bis 12. Februar ist auch noch Zeit.
Dann kann ich noch berichten, daß ich im alten Jahr für das neue wieder etwas gewonnen habe und zwar Karten für die Premiere der ersten Folge des zehnteiligen Zyklus “Freud und die Folgen” im Schauspielhaus, wo jede Woche von einem anderen Regisseur ein Freud Thema, wie Traum, Witz, Tabu, Verdrängung etc. zu einer fünfzigminütigen Sitzung aufgearbeitet wird.
Da war ich Samstag mit dem Alfred und habe mir die Folge 1, “Kokain” angesehen.
Freud Zitate, beispielsweise von einer jungen Frau in schwarzem Kleid gelesen, die sich wohllüstig auf der Couch räkelt und dann liegen alle auf dem Boden und wälzen sich im weißen Pulver, während zu Beginn die Assistentin im weißen Mantel die Eintretenden mit den Worten “Entschuldigung, ist das Ihre erste Analyse, das Wartezimmer ist schon voll?”, anspricht.
Sehr verfremdet also, dem Publikum hats aber gefallen und beim Uwe Tellkamp bin ich schon auf Seite 689 angelangt.

Buchpräsentation

Jetzt ein Hinweis in eigener Sache:
Die erste Präsentation der Anthologie:
Linkes Wort am Volksstimmefest 2008 – “1918-1938-1968-2008 aus dem Bilanzbuch des 20 Jahrhunderts” mit Texten von Ruth Aspöck, Fritz Babe, Eugen Bartmer, Manfred Bauer, Lidio Mosca Bustamante, Manfred Chobot, Peter Clar, Stephan Eibel Erzberg, Gerald Grassl, Judith Gruber-Rizy, Yasmine Hafedh, Karin Jahn, Eva Jancak, Axel Karner, Werner Lang, Toni Mantler, Güni Noggler, Helmut Rizy, Gerhard Ruiss, Stefan Schmitzer, Simone Schönett, Christian Schreibmüller, Richard Schuberth, Rolf Schwendter und Benjamin Turecek, herausgegeben von Roman Gutsch und Christoph Kepplinger, erhältlich ab 16. Dezember 2008 im Globus-Verlag www.linkes-wort.at
wird am 22. Jänner 2009 im Kulturzentrum 7Stern, Siebensterngasse 31, 1070 Wien um 19 Uhr vorgestellt.
Ich hoffe, daß meine Fans und auch alle anderen kommen werden und noch ein Hinweis, da ich ja generell zu längeren Beiträgen tendiere:

Vom 14. -18. Jänner findet in Kooperation mit der Universität Wien, dem Volkstheater und dem Essl Museum das vom Elfriede Jelinek-Forschungszentrum veranstaltete (bei dem auch Christoph Kepplinger tätig ist) Symposium “Ritual. Macht.Blasphemie.- Kunst und Katholizismus in Österreich” statt.
Näheres zum Programm gibts auf www.elfriede-jelinek-forschungszentrum.com
Ich werde zwar wahrscheinlich nicht hingehen, ist aber sicher interessant für alle Kurzentschlossene.

Ratlosigkeit

Jetzt hab ich mir wieder ein Jahr Zeit genommen, den großen Roman zu schreiben und bin auch recht zuversichtlich von der Weihnachts-Winterfrische aus Harland bei St. Pölten zurückgekommen.
Hatte ich ja dort nicht nur mein im Sommer in der hohen Tatra begonnenes Rohkonzept erweitert, sondern Montag Abend auch den Prolog geschrieben und am Dienstag mit dem 1. Buch Klara 1907-1937 begonnen.
In Wien hat mich das Mail der Christa Nebenführ erwartet, in der sie mir ihre bei der Lesung zum 70. Geburtstag von Hilde Schmölzer geäußerte Meinung, daß ich schlecht schreibe und sich das nie ändern wird, etwas umschrieben aber genauso harsch erneuert hat und ich habe mir doch vorgenommen, diesmal drauf los zu schreiben und statt dem ohnehin in mir vorhandenen “ich kann es nicht” das Gegenteil zu denken und habe das, trotz Dämpfer, natürlich immer noch vor.
Nur sitze ich im Augenblick mit den bis jetzt vorhandenen elfeinhalb Seiten fest, denn es ist ja nicht so einfach, dreißig Jahre eines Lebens zu beschreiben, obwohl Details und Charakterskizzen gesammelt sind.
Aber, wie im Literaturgeflüster beschrieben, brauche ich eine Struktur und bin als Verhaltenstherapeutin auch gewohnt, eine solche vorzugeben und bei meinen bisherigen Romanen und Erzählungen hatte ich sie auch.
So schreibe ich meist in Szenen, 1- 94 bei “Der Radiosonate” beispielsweise, und da war es auch das Jahr, an das ich mich gehalten habe, so daß 166 Manuskriptseiten herausgekommen sind.
Bei der “Schokolade” war es der Tag in viertelstünlichen Einheiten in denen sich die handelnden Personen in loser Reihenfolge an den verschiedenen Orten begegnet sind. (Olga Flor hat, glaube ich, in ihrem “Kollateralschaden” etwas Ähnliches gemacht).
Jetzt will ich aber vier Generationen Frauen in hundert Jahren in drei Büchern mit einen Prolog und einem Epilog beschreiben.
Wie komme ich da beim ersten Buch zu sechzig bis achtzig Seiten, wenn ich mich auf die Monologform festgelegt habe?
Die alte Frau, von der man im Prolog erfährt, daß sie gestorben ist, sitzt in ihrem Altersheim vor einer Schachtel Fotos, denkt über ihr Leben nach und schildert gleichzeitig, wie es einer Primarärztin geht, die selbst zur Patientin geworden ist.
Ich weiß nicht, ob ich es auf diese Art und Weise schaffe.
Mit einzelnen Szenen wär es sicher leichter, geht aber, glaube ich, nicht. Vielleicht sollte ich mir die Jahre in Kapitel mit Überschriften einteilen und neu anfangen?
Ein spannender Beginn also, der mich im Augenblick etwas ratlos macht, was ich bei der gestrigen Frauenjause mit meinen Cousinen Irmi und Elisabeth auch geäußert habe.
Ist Elisabeth ja von dem Geniebegriff ausgegangen, daß man das Schreiben nicht lernen kann, sondern es in sich hat und entweder berührt oder nicht.
Was ja von der Leserseite aus gesehen auch stimmt.
Wenn man aber vor einem dreiviertel Jahr im OWS Supervision gemacht und sich auf einem Campingplatz in der hohen Tatra das vier Frauen-Konzept mit der dazugehörigen Familiengeschichte ausgedacht hat, hat man trotzdem noch einen keinen fertigen Roman, der hoffentlich berührt, da braucht man dann die Handwerkstechnik, um nicht auf Seite zwölf steckenzubleiben.
Aber keine Angst, über dieses Stadium bin ich schon hinaus.
Schließlich schreibe ich über sechsunddreißig Jahre und habe schon einiges gelernt, auch wenn Christa Nebenführ das nicht glaubt und es die Schule für Dichtung, bzw. das Leipziger Literaturinstitut damals nicht gegeben hat.
Im Internet kann man sich heute sehr viel holen, was mir, wenn es das vor dreißig Jahren schon gegeben hätte, geholfen hätte, schneller dorthin zu kommen, wo ich heute bin.
Ich glaube aber, auch im letzten Jahr sehr viel gelernt zu haben, seit ich das “Ein Roman in einem Jahr” Projekt des Autorenhausverlags und Jacqueline Nagels schriftsteller-werden.de verfolge und wenn ich nur draufkomme, daß ich das schon selbst erarbeitet habe, ist das ja auch sehr schön.
Im Internet habe ich nach der Frauenjause noch einmal gesucht, was sich über das Psychiatrische Krankenhaus, die Heil und Pflegeanstalt für Nerven- und Geistekranke, bzw. das Otto Wagner Pflegezentrum finden läßt und dorthin werde ich mich am Mittwoch auch begeben, um Studien vor Ort zu machen und dann bin ich gestern mit dem etwas ratlosen Gefühl nicht wirklich weiterzuwissen ins Bett gestiegen, habe Ö1 aufgedreht, um mir die Sendungen zum Gedenken an Gert Jonke vor dem Einschlafen anzuhören und von dem großen Sprachakrobaten Abschied zu nehmen, der den ersten Bachmannpreis gewonnen hat und zu Beginn meinen Schreibens, 1973 oder so, als alles um mich herum konkret und experimentell war, ich aber schon damals realistisch schreiben wollte, bin ich in eine Buchhandlung gegangen, um anzusehen, was es so gibt und bin auf Gert Jonke gestoßen, der mich auch damals ratlos machte.
Ich habe ihn auch später immer wieder gesehen, wenn ich beispielsweise, über eine der Stiegen auf die Mariahilferstraße hinaufgegangen bin und 2003 hat es im Literaturhaus eine Lesung gegen den Irak-Krieg gegegeben, wo die Lesenden alphabetisch aufgerufen wurden, da habe ich vor ihm gelesen und bei der Poet-Night hat er auch mitgemacht.

Kleines Fest des Lesens

Nachdem meine Diagnostik-Klientin nicht gekommen ist und auch die neunzehn Uhr Stunde ausgefallen ist, bin ich doch in die alte Schmiede gekommen.
Vorher war ich noch in Sachen Neujahrsvorsätze aktiv und habe mir das Widerspruchsformular bezüglich Organentnahmen ausgedruckt und mich auch wegen einer Patientenverfügung erkundigt.
Das habe ich schon lange vor mir hergeschoben und so bin ich mit gutem Gewissen in die alte Schmiede aufgebrochen, in der vier unterschiedliche Erzählweisen präsentiert wurden.
Walter Wippersbergs “Eine Rückkehr wider Willen” hab ich zwar versäumt, aber Barbara Neuwirth hat gerade über ihre Erzählung “Das steinerne Schiff” gesprochen, die bei meiner Neuerscheinungsrecherche im November irgendwie an mir vorbeigegangen ist und sie erzählte von ihren Bemühungen, sich die Sprache Keplers anzueignenen, von Donauweibchen und Thayasprüngen, beziehungsweisen anderen Erlebnissen eines phanatsiebegabten kleinen Mädchens. Dann mußten wir ins Schmiedemuseum hinübergehen, weil dort Stephan Alfare gelesen hat, der von Helene Hofmann eingeleitet wurde.
Was mich ein wenig wunderte, hätte ich doch gedacht, er wäre ihr zu realistisch, sie hat es aber gut gemacht, wenn ihr der Autor auch immer wieder widersprochen und die Pointen aus dem Mund gezogen hat.
Helene Hofmann kenne ich aus der Zeit, als ich meine Texte an die Salzburger Literaturzeitschrift “Leselampe” schickte, später ist sie nach Wien gezogen, seither treffe ich sie immer wieder bei Veranstaltungen und bei einem Lesezirkel in der Hauptbücherei habe ich den Eindruck gewonnen, sie hätte einen elitären Literaturgeschmack.
Stephan Alfare schreibt aber sehr realistisch und ist mir aufgefallen, als er sechs oder acht Gedichte ohne weitere biografische Angaben für das Nachwuchsstipendium einreichte, die mir sehr gefallen haben, leider war mir der Name so unbekannt, daß ich mich nicht traute, ihn vorzuschlagen.
Er hat aber bald begonnen bei Selene zu veröffentlichen, bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt gelesen und jetzt seinen zweiten Roman bei Luftschacht herausgebracht.
Von Alfred bekomme ich gelegentlich seine Bücher zu Weihnachten, so z.B. “Meilengewinner”, aber auch “Das Begräbnis” und “So wie ich dich anstarre, sehe ich auch aus”, die ich bis auf das letzte auch gelesen habe und wo ich immer sehr beeindruckt vom starken Tonfall des gebürtigen Vorarlbergers und früheren Totengräbers war.
Es war also interessant, wenn auch wenig Publikum, danach ging es wieder in den Hauptraum zur Lesung des ehemaligen Selene-Chefs Alfred Goubran, der jetzt bei Kitab eine Novelle mit dem Namen “Tor” herausgebracht hat, beeindruckende Kindheitserinnerungen des 1964 geborenen Autors, der erklärte, es mache ihm gar nichts, als altmodisch bezeichnet zu werden, denn wer bitte will schon ein moderner Autor sein, selbst wenn die Auflagenzahlen stimmen.
Um neun gab es noch weniger Publikum und so hörte ich Kurt Neumann sagen, die Idee, vier Texte vorzustellen ist schon gut, nur leider hält das Publikum soviel nicht aus.
Die Schauspielerin Andrea Eckert ist aber gekommen und saß neben mir in der dritten Reihe, so daß ich ihren schwarzen Rock, der rot bestickt war und handbemalte Aufschriften trug, bewundern konnte.
Und die Geschichte von dem Kind, das bei der Nachbarin Blumen stiehlt und dessen Eltern in Sprachlosigkeit versinken, weil die kleine Schwester während eines Umzugs überfahren wird, weil der Bruder das Tor nicht oder schon geschlossen hat, ist ja psychologisch interessant und das beschriebene Haus hat mich an den Almweg erinnert und da ist meine Schwester ja auch von einem Müllwagen überfahren worden, was meine Mutter ebenfalls erstarren ließ, auch wenn wir da schon erwachsen waren.
Danach ging es zurück in den Zeitschriftenraum, es sollte Brötchen geben, aber die sahen schon ein bißchen vertrocknet aus.
Barbara Neuwirth hat sich noch einmal bei mir bedankt und wenn heute abend der Büchner Preisträger Josef Winkler liest, wird es in der alten Schmiede sicherlich voller sein.

Rückblick und Vorschau

Vom Land zurückgekommen melde ich mich wieder und freu mich auch, daß das Literaturgeflüster vermißt worden ist.
Ein kleines Bißchen ist es mir auch abgegangen, obwohl die Harlander Ferienwochen wirklich erholsam gewesen sind und für alle, die es wissen wollen “Die Radiosonate oder das einsame Jahr” ist fertig.

Dichterlesung

Dichterlesung

Fast hätte ich es nicht geglaubt, es zu schaffen, denn das Fehlerteufelchen und der Drang zur Perfektion, der mir ja auch im Nacken sitzt, hat das Ganze ein bißchen verzögert, so daß ich nicht, wie vorgenommen, zu Silvester mit dem Gefühl es geschafft zu haben, zu Hilde Schmözer aufgebrochen bin.
Dann war es aber eine schöne Jahreswechselfeier.
Literarische Aspekte haben Lidio Mosca Bustamante und Dine Petrik eingebracht und dann bin ich, als ich schon glaubte, daß ich doch viel länger brauche, Sonntag Mittag fertiggeworden.

Beim Jahreswechsel

Beim Jahreswechsel

Jetzt hoffe ich, einen Verlag zu finden, habe ich doch gerade einen Dämpfer von Christa Nebenführ abgefangen, die noch im alten Jahr einen Aufruf für die Podium-Sommerlesereihe zum Thema Schlaf eingebracht hat und da würden sich die Josepha-Szenen ganz gut eignen, geht es da ja um das “am Abend ins Bett zu steigen und am Morgen nicht mehr aufzuwachen”, weil das Leben mancher nichts anderes anzubieten hat.
Aber leider hat Christa Nebenführ für meine Literatur, wie sie schreibt, keine uneingeschränkte Begeisterung, sondern eine gewisse Befangenheit und auch eine sehr direkte Art, das mitzuteilen.
Das ist zwar nichts wirklich Neues, aber doch ein Dämpfer für das neue Jahr, wo man irgendwie glaubt, daß jetzt alles besser wird und dann bin ich auch sehr euphorisch in das neue Projekt eingestiegen.
Ein Roman mit dem Titel “Das Haus” über die Heil-und Pflegeanstalt für Nerven- und Geisteskranke am Steinhof, beziehungsweise über vier Generationen Fauen, von denen sich drei dort zur Fachärztin für Psychiatrie ausbilden ließen.
Der Prolog ist schon geschrieben, das erste Buch mit dem Namen “Klara” bereits begonnen und ein Plan gefaßt, wie sich das mit den Perspektiven hinkriegen läßt und ich habe auch vor, den Rohentwurf in drei Nanowrimo-Durchgängen auszuprobieren.
Auf jeden Falll habe ich die besten Absichten für ein literarisches Jahr, in dem ich den großen Roman scheiben will und auch sehr hoffe, daß es mir gelingt und ein bißchen war ich auch schon zuversichtlich und ich werde im Literaturgeflüster von den Erfolgen bzw. Schwierigkeiten berichten.
Ansonsten hat die zweite Hälfte des letzten Jahres das Literaturgeflüster mit einer Menge von Artikeln, einigen Kommentaren und auch ein paar interessante literarische Begegnungen gebracht.
So bin ich zum Beispiel mit Andrea Stift und Cornelia Travnicek darüber in Kontakt gekommen, Otto Lambauer hat sehr eifrig kommentiert und vorhin hat sich die Nichte von Paul Wimmer gemeldet und ein paar berühende Sätze über ihren Onkel, den ich sehr geschätzt habe, geschrieben.
Zwei Bücher sind 2008 erschienen. Der Roman “Und Trotzdem”, den ich am 12. März in der alten Schmiede vorstellen kann und die Erzählung “Novembernebel”. Die “Radiosonate” ist fertig und wartet auf das Veröffentlichtwerden. Es gibt die Volksstimeanthologie “Aus dem Bilanzbuch des zwanzigsten Jahrhunderts” und ich glaube, zehn zum Teil sehr schöne Lesungen gab es auch.
2009 soll der große Roman geschrieben werden und zwei Lesungen muß ich auch vorbereiten. Ein paar neue Anmeldungen zum Tag der Freiheit des Wortes sind inzwischen auch gekommen und ein paar interessante Bücher hab ich gelesen beziehungsweise in meinen Bibliotheksbestand übernommen.
So habe ich “Neue Leben” in der letzten Woche endlich ausgelesen, zumindestens den Briefroman. Die beigefügten Texte werde ich wohl lassen, bzw. habe ich mir stattdessen Renate Welshs “Liebe Schwester” vorgenommen, da ich das für meinen Roman gebrauchen kann, geht es in dem ja um eine Hundertjährige und um ihren Kampf nicht in Demenz zu verfallen und dann habe ich mir wieder ein Buch hervorgenommen, das ich schon weggelegt habe und zwar “Den Schneider himmlischer Hosen” von einem Daniele Vare, das im Jahr 1936 geschrieben wurde und ich von meinen Eltern erbte und das in Peking im Jahr 1917 spielt.
Auch das kann ich gebrauchen, beginnt “Das Haus” ja bei der Eröffnung 1907 und jetzt muß ich den Uwe Tellkamp rasch fertiglesen, damit ich zu Alina Bronsky, Tilman Rammstedt und Cornelia Travnicek kommen kann.
Ja und in die alte Schmiede habe ich vor im neuen Jahr wieder öfter zu gehen, denn da war ich im letzten halben Jahr nicht sehr oft.
Ich habe schon das Programm, es gibt ein paar interessante Lesungen, ich weiß aber nicht, ob ich es morgen schaffe, denn da habe ich eine Diagnostik und auch einige Stunden am Nachmittag und dann gab es leider noch drei Todesmeldungen.
So sind in den zwei Wochen, in denen ich in Harland Weihnachtsurlaub machte, Harold Pinter, der Nobelpreisträger von 2005, Johannes Mario Simmel und zuletzt für mich ganz unerwartet Gert Jonke gestorben.

Weihnachtsbücher

Wieder zurück in Wien kann ich über meine Weihnachtsgeschenke schreiben.
Stephan Alfares “Meilengewinner”, Andrea Maria Dusls “Boboville”, Eva Rossmanns “Russen kommen” und den Aufbau-Literaturkalender vom Alfred, Anna hat das praktische Badekonfekt “Winterzauber” von “Alles Seife” beigesteuert, ich bin ja eine eifrige Badewannenleserin, von den Schwiegereltern kamen die Lindt-Weihnachtskugeln und das Geldkuvert.
Alles passend für die ruhigen Weihnachtstage, die man mir schon vorher wünschte und das wars dann auch, ein paar Kilometer vom NÖ-Hauptstadtzentrum entfernt und so habe ich zwei der Weihnachtsbücher ausgelesen.
Mit Eva Rossmanns Krimi habe ich begonnen, denn die lese ich ja gerne zwischendurch, obwohl ich selber keine richtigen schreibe, wegen der Gewalt, die ich nicht wirklich will.
Da mir Alfred aber alle der zehn Rossmann-Krimis schenkte, abwechselnd zu Weihnachten oder als Geburtstagsgabe, konnte ich darauf schon eine Voraussage machen und ein bißchen war mir der Inhalt auch bekannt.
Habe ich mir die Hörprobe schon vor einiger Zeit angehört und bei “Rund um die Burg” war ich bei der Lesung.
Es waren also ein paar vergnügliche Badewannen- bzw. Nachtstunden und damit ich auch die Pointen verstehe, habe ich es zweimal gelesen und das Buch dann Anna übergeben.
Dem kritischen Blick der Autorin ist das Handwerkszeug des Fragestellens aufgefallen.
Eva Rossmann stellt viele Fagen, deutet einiges an und dann ist sie nicht wirklich gewaltsam, die Geschichte um den toten Russen, der sich mit seinem reichen Bruder verwechseln läßt und damit ein paar Leichtgläubige in den geschäftlichen Ruin treibt, so daß sie ihn zu Tode quälen.
Guter Wein und gutes Essen kommen auch wieder vor und dann ein paar Angstpointen, die der kritischen Leserin konstruiert erscheinen, aber wahrscheinlich würde ich mich auch fürchten, wenn ich in Moskau einen Russenmörder jage und der Wiener Polizeiskandal ist auch ein Thema, das sich herrlich benützen läßt.
Also spannend und leicht zu lesen, obwohl nicht wirklich viel passiert, aber ein toter Russe ist ohnehin zuviel des Guten und die Finanzkrise, in die wir inzwischen geschlittert sind, läßt sich ebenfalls schon spüren.
Mein Lieblings-Rossmann-Krimi ist “Freudsche Verbrechen”, das habe ich in Italien vor ein paar Jahren ein paar Mal gelesen und vorige Weinachten gab es das “Millionen Kochen” das mir auch ganz gut gefallen hat, obwohl nicht viel darin passiert und dann habe ich mir “Boboville”, das Kultbuch der Andrea Maria Dusl vorgenommen, das ich fast für die Buchprämie vorgeschlagen hätte und das schon deshalb interessant ist, da es, wie das Glavinic Buch, in meiner Wohngegend spielt.
In beiden Büchern kommt die Buchhandlung Jeller vor und die Dusl bezieht den Glavinic auch in ihr Bobo-Geflüster ein.
Man kann auf diese Art und Weise also einen Bestseller schreiben und es ist ja trotz der konkreten Details ein Kunstbuch mit einer sehr konstruierten Sprache, wo man nie genau weiß, was ist jetzt echt und was daran erfunden?
So werden all die Kult-Geschäfte und das Schuberthaus beschrieben, die wir kennen, eine Kettenperückengasse gibt es aber nicht und die Stadt in der Klaus Nüchtern als Bachmann-Kritiker fungiert, heißt natürlich Klagenfurt.
Ich schreibe weniger glänzend, obwohl sich meine Themen nicht besonders unterscheiden oder doch natürlich.
Springen mich ja eher die Konsumverweigerer und die sozialen Randfiguren, als die schnuckeligen Kulturkitiker und die makellosen Radiomoderatoren an.
Es waren also ein paar vergnügliche Lesetage, die ich am Land vebrachte.
Jetzt bin ich für einen Tag nach Wien gekommen, habe mir meine Lieblingsblogs mit den Weihnachtserlebnissen der anderen angesehen und werde, wenn ich abgerechnet habe, für eine Woche wieder auf dem Land verschwinden, um mich im neuen Jahr zurückzumelden. Dann gibts das Literaturgeflüster schon ein halbes Jahr, was Grund für eine Jubelmeldung ist.

Vorweihnachtliche Lesesplitter

In Harland bin ich, wenn ich nicht zwischendurch einen Krimi für die Seele einschiebe, immer noch mit Ingo Schulze beschäftigt, wo Enrico Türmer, in sehr langen Briefen, die immer wieder Dialogeinschübe enthalten (wie realistisch ist bitte so ein Briefroman?) seine neuen Leben seiner idealisierten Liebe Nicoletta, der Schwester Vera und dem homoerotischen Jugendfreund schildert.
Inzwischen taste ich mich auf die Hälfte vor und werde in den nächsten Tagen durch die Weihnachtsbücher vielleicht wieder abgelenkt (Eva Rossmann: Die Russen kommen?), während ich beim Uwe Tellkamp nach der gestrigen Badewannenlektüre, weil Alfred im Betriebsratbüro hängenblieb, statt Kinomontag mit Runzelsex (d.h. dem neuen Film mit Otto Tausig) inzwischen auf Seite 509 und dem II. Buch “Die Schwerkraft” angekommen bin.
Weil ich herausfinden wollte, welche DDR Autorin in Judith Schevola zu erkennen ist, außer Christa Wolf habe ich keinen wirklichen Einfall, aber wahrscheinlich ist jemand der jüngeren Generation gemeint, habe ich im Google nachgeschaut und bin auf eine Unmenge von Rezensionen gestoßen.
Das Buch des Jahres trägt seine Früchte, auch wenn viele Besprechungen mit “Das Ärzteehepaar Richard und Anne Hoffmann und ihr Sohn Christian” beginnen und einige der Besprecherinnen dem Buch auch seine Leser absprechen.
“Zu lange, zu mühsam, wer bitte quält sich heutzutage noch durch 972 Seiten?”
Auch wenn es morgen unter vielen Christbäumen liegen wird und das Buch des nächsten deutschen Buchpreises wahrscheinlich schon geschrieben oder gerade fertig werden wird.
Ich habe die Antwort nicht herausbekommen, vielleicht weiß es einer meiner Leser, obwohl ich noch im Oktober durch das FAZ-Lesezimmer auf eine Besprechung gestoßen bin, in der ein paar Hinweise standen, in Barsano ist also Hans Modrow, Eschschloraque Peter Hacks, Altberg Franz Fühmann und Londoner Jürgen Kuczynski zu erkennen, aber nichts von Judith Schevola.
Das kommt mir sehr bekannt vor. In meinen literarischen Schlüßelromanen erkennen sich auch immer die Leute, an die ich beim Schreiben nicht gedacht habe und sind dann bös auf mich, aber mit Anhaltspunkten fühlt man sich wohl sicherer und die DDR ist auch schon lang vorbei.
Beim Lesezirkel Frühjahrsprogramm der Hauptbücherei soll es im April das Thema “Wende” geben, wo “Adam und Evelyn” als Buch des Monats besprochen wird.
Da werde ich mit dem “Neuen Leben” und dem “Turm” vielleicht schon fertig sein, wenn nicht zwischendurch zuviele Ablenkungsbücher kommen.
Es liegen ja soviele in meinem Badezimmer und in Harland gibt es auch einen Stoß über dem Bett und so habe ich in den schlaflosen Stunden, als ich auf den Alfred wartete, Johanna Königs “Grün ist die Farbe der Hoffnung” hervorgeholt.
Ein gewaltiger Themenwechsel, denn da geht es um eine Krebserkrankung und das ist nicht nur literarisch interessant.
Ich kenne die Kärntner Autorin von den Sitzungen der IG-Autoren und meiner Tätigkeit bei der GAV-Jury 2003 oder 04, da hat sie ihre zwei historischen Romane eingereicht, die schon in vielen Sprachen übersetzt sind.
2006 ist sie nicht zur Generalversammlung gekommen, sondern hat ein sehr berührendes Mail geschrieben in dem sie von ihrer Krankheit berichtet hat, das mich sehr beeindruckte und so bin ich mit ihr in Kontakt gekommen.
Einiges davon ist sicher in “Und trotzdem” eingeflossen, denn da geht es auch um eine Krebsbewältigung, die ich in die Familiengeschichte von dem Großvater Leopold, der sich mit achtzig unbedingt ein Haus bauen will, seiner depressiven Tochter Ludmilla und der überforderten Enkeltochter Magdalena, eingearbeitet habe und so habe ich gestern Nacht das Buch an bzw. ausgelesen und das war wirklich interessant.
Vielleicht nicht unbedingt als Weihnachtslektüre zu empfehlen, aber da gibt ja Jaqueline Nagel von Schriftsteller-werden. de aktuelle Tips mit Zeitangaben, wie lange man die Bücher noch bestellen kann, damit sie rechtzeitig ankommen.
Das ist bald vorbei. Wer dann noch Bücher schenken will, muß sie bis Morgen vierzehn Uhr selber kaufen und es gibt auch eine Weihnachtssondersendung von Elke Heidenreich auf litcolony.de und da wurde auch ein Kinderbuch besprochen, wo es um einen schwarzen Hund mit Namen Depression geht, der seinen Besitzer überallhin begleitet, bis der sich in Therapie begibt und damit umgehen lernt.
So weit so gut, das ist alles sehr bekannt und ich habe heute auch noch einige Stunden, bevor es mit Anna, Alfred und der Volksstimmeanthologie für die Schwiegermutter nach Harland geht.
Auf der Kommode im Wartezimmer steht seit gestern ein kleiner roter Weihnachtsengel, Geschenk einer Klientin und eine andere hat Kaffee und Rotwein mitgebracht.
Es feht also nur das Weihnachtswetter, aber das soll noch kommen und in Harland gab es am Wochenende Schnee, so daß es mit dem Radfahren nicht viel geworden ist.
Am Montag melde ich mich wieder, weil wir in Harland kein Internet haben, ein passendes Weihnachtssonderangebot gibt es aber schon und der Postzusteller hat gerade die dritte Amazon-Weihnachtsbuchzustellung für die Nachbarn gebracht.

Literarisches Abendessen

Der Freitag war durch den Besuch des klinischen Fallseminars zu Mittag ziemlich verplant, so daß ich mit meinen Korrekturen nicht, wie geplant, vorangekommen bin.
Der vorgestellte Fall, eine Mischung zwischen Psychose und Asperger Syndrom, der sich vielleicht auch literarisch verwenden läßt, war aber interessant und die vier Bücher, die ich mir um je zehn Cent aus einer Bananenschachtel eines Euroshops gezogen habe, waren das auch.
Ein Thomas Wolfe, ein Robert Neumann, eine Vicki Baum und eine Elisabeth Gürt, aus den Fünfzigerjahren.
Zwar habe ich keine realistische Hoffnung, daß ich das alles jemals lesen werde. Aber wenn ich jetzt nicht zuschlage, werde ich die Bücher nie mehr bekommen und es sind doch historische Gustostückerln für die literarisch Interessierte, deren Namen man zumindest kennen sollte.
Dafür habe ich mir in Harland den Harkan Nesser Krimi “Das falsche Urteil” vorgenommen und in der Badewanne ausgelesen, den ich mir im Oktober bei dem Kirchen-Flohmarkt gekauft habe und einen Spaziergang auf die Rudolfshöhe mit einem vom Wirt gestifteten Weihnachtsachterl gab es an diesem Wochenende auch.

Beim Aperitif

Beim Aperitif

Dann sind wir nach Wien zurückgefahren, waren wir ja bei Ruth Aspöck eingeladen und ihr habe ich, die absoluten Umweltfreaks werden stöhnen, in Ermangelung einer anderen Geschenskidee, hat sie ja die meisten meiner Bücher schon in ihrem Vorzimmerregal aufgereiht und in der neuen Volksstimmeanthologie ist sie ebenfalls enthalten, das Literaturgeflüster ausgedruckt, da sie bis jetzt kein Internet in ihrer Wohnung hatte und der Klatsch und Tratsch des Wiener Literaturbetriebs ist ja sicher interessant und verlockt zum Lesen und dann betreibt die Ruth, seit sie mit ihrer Edition “Die Donau hinunter” in Pension gegangen ist, ja auch ein Tagebuchprojekt.
Das heißt, sie arbeitet ihre Tagebücher der letzten vierzig Jahre auf, kürzt und strafft sie, um in einem Jahr vielleicht, wenn sie damit fertig ist, einen Verlag zu suchen und sie hat uns nach den pochierten Eiern, dem Fisch in Kräutersauce und den gefüllten Palatschinken auch einiges von ihrem Versuch, sich zu habilitieren erzählt und ein schönes Buch gezeigt, in dem zwei ihrer Artikel über Frauen und Exilliteratur erschienen sind.
Ein interessantes Gespräch mit ihr und Robert Egelhofer also, die Finanzkrise und die Gewalt, die auf unseren Straßen vorkommt, war auch ein Thema, bei Wein und Weihnachtsnaschereien und jetzt gibt es noch zwei Praxistage, dann geht es wieder nach Harland zum Weihnachten feiern, Ruth und Robert werden in den ehemaligen Verlagssitz ins Mühlviertel fahren und den Silvester in der künftigen Kulturhauptstadt verbringen, während uns Hilde Schmölzer wieder dazu eingeladen hat.

Kulturhauptstadt 2009

Heute gab es wieder eine literarische Veranstaltung, nämlich den letzten Jour fixe Ruth Aspöcks in der Galerie Werkstatt NUU zum Thema Linz 09 mit Kurt Mitterndorfer.
Über die Lesungen von Gregor Lepka und Waltraud Seidlhofer im September und November habe ich im Literaturgeflüster schon berichtet.
Jetzt hat Kurt Mitterndorfer ein paar Linz-Texte gelesen, Ruth Aspöck hat das Linz 09 Werbematerial, die großen Bücher mit den Spiegeleiern bzw. den Linzertorten aufgelegt und Kurt Mitterndorfer hat einen Button mit der Aufschrift Linz 0 nein getragen und kritisch darüber berichtet.
Es waren weniger Leute als die letzten zwei Male gekommen, dafür gab es neue Gesichter, so sind die Rizys erschienen und Christa Nebenführ, aber auch Elfriede Haslehner und zwei, drei Damen, die ich nicht kannte.
Die Mandarinen und die Kekse hat es schon vorher gegeben, beziehungsweise bin ich an einem Tisch gesessen, wo man sich davon bedienen konnte.
Nachher gab es einen guten Gewürztee aus Ingwer, Zimt und Kardamon und ein Süppchen mit Kartoffeln und Kraut.
Alles sehr lecker kann man sagen und die Atmosphäre war auch sehr entspannt und weil ich mich entschlossen habe, nachher nicht in die Veranstaltung mit Bodo Hell zu gehen, obwohl sie in dier Nähe gewesen wäre, habe ich auch Zeit gehabt länger zu bleiben und im kleinen Kreis zu diskutieren.
Kurt Mitterndorfer hat die Sache kritisch gesehen und das hat sicher seine Berechtigung. Weil da wahrscheinlich die gleichen Mechanismen wie überall ablaufen.
Viel Geld wird für große Veranstaltungen, bekannte Namen und glänzendes Werbematerial ausgegeben, während die Kleinen, in diesen Fall die Linzer Kulturinitiativenen, überbleiben.
In Graz 03 war es wahrscheinlich auch nicht anders und an Graz 03 habe ich gute Erinnerungen, denn da war ich viermal.
Hat da ja der Ö1 Kulturquiz in der 03 Bar am Mariahilferplatz stattgefunden und da habe ich mitgemacht und das erste Mal gewonnen, bin also ein zweites Mal angetreten und mit dem Alfred im Auto hingefahren und mit den von Ö1 zur Verfügung gestellten Erste Klasse Bahnkarten noch zwei Mal, um mir Graz anzusehen und da war ich auch an diesem Samstag, wo das Literaturhaus eröffnet wurde und von Linz 09 habe ich schon ein wenig mitbekommen, beziehungsweise die bunten Werbebücher in Harland liegen, weil die, als wir im Sommer während unserer Donauradfahrt, zweimal in Linz übernachtet haben, im Hotel und in der Touristeninformation aufgelegen sind.
So war es, obwohl ich nicht weiß, ob ich 09 nach Linz kommen werde, interessant darüber zu erfahren.
Ich habe mich sehr intensiv mit Kurt Mitterndorfer, dessen Griechenland Buch ich noch lesen muß und mit der Galeristin Denise Narick unterhalten, die den guten Tee und das aromatische Süppchen kochte und eine sehr entspannte Ausstrahlung hat. Ich habe ihr den “Novembernebel” gezeigt und werde mich für eine Lesung beim “Linzer Frühling” anmelden und heute sind auch pünktlich vor Weihnachten die vier Belegexemplare der neuen Anthologie “Linkes Wort am Volksstimmefest 2008 – Aus dem Bilanzbuch des zwanzigsten Jahrhunderts” gekommen.
Bei den von Helmut Rizy herausgegebenen Anthologien waren es zwar zehn Belegexemplare, in Krisenzeiten wird überall eingespart, trotzdem kann ich wieder einen Test machen, um herauszufinden, von wem das Literaturgeflüster, dessen Leserzahl in letzter Zeit erfreulicherweise sehr angestiegen ist, gelesen wird und dem oder der ersten, die sich melden, solange der nicht sehr große Vorrat reicht, ein Buch versprechen.
Es ist ein schönes Buch mit Texten u.a. von Ruth Aspöck, Lidio Mosca Bustamante, Manfred Chobot, Judith Gruber-Rizy, Axel Karner, Güni Noggler, Helmut Rizy, Gerhard Ruiss, Stefan Schmitzer, Rolf Schwendter, Stefan Eibel-Erzberg und mir.
Bei Interesse schnell melden, denn zu Weihnachten lassen sich Bücher bekanntlich gut verschenken.
Wer nicht gewinnt, das Buch aber trotzdem lesen will, kann es auch beim Linken Wort bestellen.

Alles Gute

Am Montag gab es wieder das Adventwandern mit Dschungel Wien, Tanzquartier, Achitekturzentrum, Music Austria, Fleischerei-Projekt Theater Studio, Siebenstern, Hofmobiliendepot, Literaturhaus, Galerie Westlicht, Theater Spielraum und der Hauptbücherei. Also ein Rundgang durch die Kultur des siebenten Bezirks und da ging ich jetzt zum vierten Mal mit.
2005 war ich, glaube ich noch beim Frauenjourfix des Lesetheaters im Cafe Prückl, bin irgendwann zwischen der Video Werkstatt und dem Kulturzentrum Siebenstern eingestiegen und war fasziniert von der Mischung von Punsch und Keksen und dem kulturellem Angebot.
Ab dann bin ich immer von Anfang bis zum Ende mitgegangen. 2006 und 2007 pünktlich, um fünf Uhr Nachmittag in der Hauptbücherei eingetroffen und dann fünf Stunden im siebenten Bezirk herummarschiert.
Bekannte habe ich natürlich auch immer getroffen und es wurde von Jahr zu Jahr immer voller.
Diesmal hat es im Museumsquartier angefangen und als ich ca. zehn Minuten nach fünf das Dschungel Kindertheater erreichte, war die Vorstellung schon in Gang.
Sehr junge Schauspieler gaben einen Eindruck von König Artus und einer Braut, die den falschen liebt und als wir zum Tanzquartier hinübergingen, entdeckte ich Judith Gruber-Rizy und Helmut Rizy und plauderte mit einer Frau, die neben mir saß und als erstes der Aufforderung der Animatorin folgte und mit der ausgeteilten Kreide eine Badewanne zeichnete, in die man sich dann setzen sollte.
Im Architekturzentrum durfte man sich zuerst die aktuelle Ausstellung ansehen, nachher konnte man ein Lebkuchenhaus zeichnen und Würstel bzw. Kekse essen und ich erzählte der Frau, die mir ihre Vorbehalte von der Öffentlichkeit, in die man sich begibt, wenn man zu solchen Veranstaltungen geht, schilderte, vom Literaturgeflüster, da ich es ja toll finde, daß man seine Ansichten so einfach in die Welt schicken kann, aber natürlich hat sie irgendwie auch recht.
Deshalb zeichnete sie kein Lebkuchenhaus, ich werde mit meinem aber sicher auch keinen Preis gewinnen. Dann gab es noch zwei Kataloge und es ging weiter zu Mica in die Stiftgasse, wo in einem schönen Hof Sternspritzer entzündet wurden, dazu gab es Life Musik und danach in die Fleischerei, dem Theater Studio der Eva Brenner, wo Heiner Müllers “Traumtext” vorgetragen wurde, leider habe ich mich so knapp neben die Tür gesetzt, daß ich zwar ein Glas Wein trinken konnte, aber nur die Stimmen der Schauspielerinnen hörte und statt auf die Bühne Peter Kreisky im Publikum gesehen habe. Dafür war ich im Siebenstern wieder vorn. Der Radiomoderator Otto Brusatti, der mich irgendwie auch zu meinem Xaver Maria Mayerhofer inspiriert hat, hat vierzehn Minuten lang aus dem “Herrn Karl” vorgelesen und seine CD verkauft.
Im Hofmobiliendepot, in das ich sonst nicht kommen würde, konnte man durch die Kronprinz Rudolf Ausstellung gehen und erfahren, daß der ein begeisteter Jäger, sowie ein Bestsellerautor war.
Die historischen Sprünge sind interessant und sprechen für sich, während im Literaturhaus der Poetry Slamer Markus Köhle ein Weihnachtslied gesungen und seine Geschichte “Sternspritzer “vorgelesen hat. Markus Köhle, der Poetry Star, gegen den ich, als ich 2004 in der GAV Neuaufnahme Jury war, Vorbehalte hatte, weil mir sein damals eingereichtes Buch zu frauenfeindlich schien. Jetzt ging es zwar auch um einen Weihnachtsmann, der seine Weihnachtsfrau finde, aber frauenfeindlich war es nicht und das war wohl auch nicht die Austellung “More nudes” in der Galerie Westlicht von Andreas Bitesnich.
Dort gab es noch eine andere Weihnachtsfeier und wir gingen in den Theater Spielraum, wo es Pantomine gab.
Dann ging es in die Hauptbücherei zum jüdischen Theater, wo Ausschnitte des Theodor Herzl Puppenspiels gezeigt wurden, mit denen ich meine Schwierigkeiten hatte. Erstens gab es keine Puppen, sondern einen jungen Mann im altmodischen schwarzen Anzug und falschem Bart, dann schreckte zuerst die Security, die zum Spiel gehörte, während der Feueralarm, der ertönte, als weißer Rauch in den Saal getrieben wurde, echt war. Es wurden auch die Fenster aufgerissen und es kam die Feuerwehr.
Es gab aber sehr süßen Punsch zu trinken und jetzt bin ich wieder voll von Essen, Trinken und Wiener Klein- und Großkultur und kann allen, die gerne eine Mischung von diesen Sinnlichkeiten haben, den Adventumgang im nächsten Jahr wärmstens empfehlen.