Am Freitag habe ich mehrmals mit Stephan Eibel Erzberg korrespondiert, der ein eifriger Mailbeantwortet ist. Es ist ihm kreislaufmäßig nicht sehr gut gegangen, so daß er die Ernst Krenek-Preisverleihung an Franz Kogelmann im Radio-Kulturhaus versäumt hat, während ich die Literaturhausveranstaltungen in Graz und Wien etc. ausgelassen habe und zur Weihnachtsfeier der alternativen Gewerkschafterinnen gegangen bin. Da gehe ich schon seit einigen Jahren regelmäßig hin, obwohl ich als Freiberuflerin mit der Gewerkschaft nicht viel zu tun habe, aber Alfred ist jetzt Betriebsrat und die Auge-Seele Renate Saßmann kenne ich von der Hofmühlgasse, weil unsere Kinder dort ein Jahr gemeinsam in die freie Schule gegangen sind.
Ich sehe auch immer Bekannte dort. So hat Richard Weihs eine Weihnachtsgeschichte vorgelesen und ich habe mit einem Herrn gesprochen, der mir vom Lesetheater erzählte, bei dem er eine Veranstaltung plant und es gab eine Art Quiz, bei dem ich nichts gewonnen habe, da ich als Freiberuflerin keine Ahnung hatte, wann 2009 die Arbeiterkammerwahl stattfinden wird.
Es gab als Trostpreis für alle aber schon die Wahlkampfmaterialien, verpackt in einem Jutebeutel, Sonnentortee, Luftballons und Kugelschreiber, wenn das nicht literarisch ist.
Am Wochenende kein Programm außer den Vorsatz mit der “Radiosonate” fertig zu werden. Und natürlich keine Chance. Das Fehlerteufelchen ist hartnäckig und wie immer in der Endphase, glaube ich, jetzt habe ich es und kann mir dann wieder nicht vorstellen, es jemals zu schaffen.
Das kenne ich schon und nehme es nicht sehr tragisch und dann ist Alfred zu seiner Morawa-Tour aufgebrochen und hat den neuen Volltext mitgebracht.
Der ist interessant, obwohl ich ihn erst oberflächlich durchgeblättert habe. Vom Titelbild lächelt skeptisch Uwe Tellkamp, der glückliche Verfasser des fast tausendseitigen Monumentalromans, der sowohl mit den Buddenbrocks, als auch mit der Strudelhofstiege verglichen wird, dann gibts ein Gespräch mit Ilse Aichinger über Tod, Schreiben und Kino und Alexandra Millner, die ein paar Jahre in der Rahlgasse Praktikantin und Annas Lehrerin war und mich 1998 oder 1999 zu einer Lesung eingeladen hat, hat sich mit Lydia Mischkulnig und Sabine Scholl unterhalten. Außerdem wurde bei readme.cc der sechsundzwanzigjährige Finn-Ole Heinrich mit seinen zwei Debütromanen vorgestellt, den ich, glaube ich, von Cornelia Travniceks Blog kenne, bzw. hab ich ihn wahrscheinlich beim Droschl-Verlagsfest gesehen. Interessant die Verknüpfung von Zusammenhängen und das Erwecken literarischer Aufmerksamkeit und dann hat mich auch Anni Bürkl auf Auguste Groner aufmerksam gemacht, die ich schon von Evelyn Polt-Heinzls Portrait in dem Buch “Zeitlos” kenne.
Ich habe aber gestern den Roman “Warenhaus Groß und Komp” aus dem Jahr 1907 gelesen, bei dem es sich wohl um das Kaufhaus Gerngroß handeln wird. Jedenfalls befindet es sich auf der Mariahilferstraße und da war ich im März 2007 zufällig bei der Jubiläumsfeier und habe eine Pressemappe mit der historischen Erfolgsgeschichte bekommen, die mich zu einem Kapitel in “Und trotzdem” inspiriert hat und außerdem habe ich da wahrscheinlich eines der letzten Küßchen zwischen Richard Lugner und seiner Christina beobachten können, was auch eine interessante literarische Beobachtung ist. Sekt, Krapfen und Schokoladetorte hat es bei dem Event gegeben. Das habe ich alles in einer Ludmilla-Szene verarbeit und da ich an den historischen Zusammenhängen sehr interessiert bin, hat mich dieser längst vergriffene Roman sehr fasziniert. Jetzt werde ich noch in den “Roten Merkur” hineinsehen.
Da bleibt die deutsche Strudelhofstiege wahrscheinlich wieder etwas liegen, dabei habe ich die ersten dreihundert Seiten schon gelesen.
Zwischenwelt-Verlagsfest

Im Gespräch
Wie versprochen ein kleiner vorweihnachtlicher Veranstaltungsblock. Am Morgen war im Leporello nach dem Otto Tausig ein Bericht über den Ohrenschmaus und das passt auch zur Weihnachtszeit.
Stephan Eibel Erzberg hat es gehört, weil er mit seiner Tochter Hannah immer früh aufsteht und meinte ganz euphorisch, daß die Dichter und die Dichterinnen die Welt in Veränderung bringen werden und hat später gemailt, daß er für den Tote-Hosen-Sänger Campino einspringen und mit seinem Buchprämienbuch “Sofort verhaften” im “Von Tag zu Tag” sein wird.
Ich habe mir die Sendung angehört, aber nicht, wie fast versprochen, angerufen, dazu waren mir zu viele Themenwechsel, vom Bluthochdruck zur Weltrevolution, von den Austro- bzw. den anderen Arten von Faschismen zu den ganz persönlichen Vaterkonflikten. Es hat auch genügend urige Anrufer gegeben, denen Stephan Eibel Erzberg elegant mit dem Hinweis, lesen Sie mich und alle anderen Dichter, das Wort aus dem Mund genommen hat und am Abend gab es die dritte Veranstaltung dieser Woche.
Das Verlagsfest von Konstantin Kaiser. Von der Theodor Kramer Gesellschaft habe ich das erste Mal von meiner Freundin Hansi Berger gehört und dann nach ihrem Tod, als Konstantin Kaiser in die GAV eingetreten ist, noch einmal.
Die Veranstaltung mit dem Titel “Weltumdrehen” war ein bißchen anders als erwartet. Da haben drei Autoren gelesen, die nach Österreich gekommen sind.

Konstantin Kaiser & Nahid Bagheri-Goldschmied
Zuerst Nahid Bagheri-Goldschmied, die als junge Frau aus dem Iran geflüchtet ist. Ich habe sie 2000 durch den Milenaverlag kennengelernt und eingeladen, am Tag der Freiheit des Wortes zu lesen, als ich das 2001 das erste Mal veranstaltet habe und treffe sie immer wieder bei Veranstaltungen.

Am Büffet
Ihre Gedichte und der autobiografische Text “Masken” aus dem sie gelesen hat, waren auch sehr interessant. Dann hat der in Linz geborene Türke Ecevit Ari gelesen, den ich aus der Szene Margareten kenne, der seine Gedichte etwas langatmig eingeleitet hat und danach Ljubomir Bratic aus dem ehemaligen Jugoslawien. Danach gabs eine lange Diskussion.
Es gab auch einen Flohmarkt, man konnte Einsicht in die Bibliothek und die Archive nehmen und für mich interessant, sehr viele Bücher auf dem Klo.
Und am Freitag habe ich im “Gehört gehört” gehört, gibts im Grazer Literaturhaus ein Weihnachtsfest mit einer Buchpräsentation über das glänzende Graz u. a. mit Andrea Stift und Sophie Reyer, während es im Wiener Literaturhaus eine weitere Veranstaltung zur jungen Literatur mit einer Preisverleihung und Lesungen von Cornelia Travnicek und Andrea Grill etc. geben wird, aber da werde ich nicht hingehen, gibt es ja das Auge-Weihnachtsfest in der Belvederegasse und wenn das auch nicht besonders literarisch ist, hat es schon Tradition und ein paar Gesichter, die ich vom Literaturbetrieb her kenne, treffe ich dort sicher auch.
xxxxxxx-small

Am Büchertisch
Der Kleinverlagbuchmarkt der glorreichen 7 gehört irgendwie auch zum literarischen Advent.
Zumindestens pilgere ich seit Jahren meist mit Alfred und früher auch mit Anna in der zweiten oder dritten Adventwoche ins Amerlinghaus, wo an drei Tagen das meist experimentelle Eigenleben der Wiener oder Österreichischen Subkultur dargeboten wird.
Das fröhliche Wohnzimmer mit Ilse Kilic und Fritz Widhalm ist, glaube ich, der Veranstalter, die GAV zahlt die Honorare, die Edition Exil mit Christa Stippinger stellt meist am letzten Tag, die Exilpreisträger vor.

Ilse Kilic & Birgit Schwaner
Gerhard Jaschke präsentierte das Freibord, Werner Herbst die Herbstpresse und die New-Comer Nikolaus Scheibner die Edition ZZOO, Günter Vallaster die Edition Ch und Lisa Spalt, die heuer bei der Floriana einen Preis gewonnen hat, die kleine idiomatische Reihe. Früher war noch Ruth Aspöck mit der Edition die Donau hinunter als zweiter realistischer Verlag dabei. Da habe ich einige Jahre lang meine immer größer werdende Digitalbuchreihe bei ihr ausgestellt. Vor zwei Jahren ist sie mit einem Fest in Pension gegangen und war im Vorjahr mit Robert Egelhofer in Kuba, während ich an allen drei Tagen hingegangen bin. Alfred war zum Teil in Patagonien und ich war voll mit meiner Literaturhausgeschichte beschäftigt und habe mich, in meinen Bemühen, daß mir jemand helfen soll, in alle Nesseln gesetzt. Gerhard Jaschke, der GAV-Generalsekretär, war bös auf mich und von den anderen habe ich mich ignoriert gefühlt, während ich Werner Herbst zuhörte, der meist ein paar kitschige Weihnachtsmänner aufgezogen und dazu mit seiner unverwechselbaren Stimme Gedichte vorgetragen hat. Ich habe mich mit Gerhard Jaschke wieder ausgesöhnt und im April ist Werner Herbst gestorben. Daran habe ich gedacht, als ich heute hingegangen bin. Um halb acht war das Amerlinghaus noch ziemlich leer und Ruth Aspöck hat erzählt, daß Gerhard Jaschke einen Schlaganfall erlitten hat und derzeit im Rollstuhl sitzt.
Trotzdem das normale Programm. Fritz Widhalm hat eingeleitet und aus seinem neuen Buch mit dem schönen Titel “Die Nacht schluckt die Dämmerung oder hört, hört, mein Mund bleibt stehen” gelesen. Dann kam Birgit Schwaner mit ihrer “Mördermaschine” und am Schluß gab es eine Hommage auf Werner Herbst. Fritz Widhalm, Ilse Kilic, Günter Vallaster, Nikolaus Scheibner und Birgit Schwaner haben je zwei Herbst-Gedichte gelesen, Andy Leikauf hat begleitet, was beeindruckend, aber auch sehr traurig war. Am Schluß gab es noch eine Herbst-Originalaufnahme, dann konnte man sich die Neuerscheinungen ansehen und Weihnachtsgeschenke kaufen.

Fritz Widhalm
Über dem Exil-Tisch hingen die Plakate mit den beiden Buchprämienbüchern von Ceija Stoika und Julya Rabinowich und Alfred, der erst später gekommen ist, hat Ruth Aspöck auf ihre Silvesterpläne angesprochen, den sie in Linz verbringen wird, weil 2009 Hauptstadtjahr ist und da gibts ein großes Fest.
Sonst kann ich ein paar Neuigkeiten vermelden. Anni Bürkl hat in ihrem Blog auf die erste österreichische Krimiautorin Auguste Groner hingewiesen, was ich interessant finde, mich in die Werke der von 1850-1929 lebenden Vielschreiberin hineinzulesen und dann habe ich auch einige Kommentare bekommen.
So wünscht sich Maria Heidegger von mir zu wissen, wann es wo in Wien literarische Buffets geben wird?
Bei xxxxxxx-small gab es nichts zu essen, ansonsten kann man sich, wenn man sich ein bißchen umhört, derzeit noch ganz gut von den literarischen Buffets ernähren.
Ich werde aber weiter erst nachher darüber berichten, sozusagen als Belohnung, zu der literarischen Schilderung und dann hat mich mein Bankfreund angerufen, um mir mitzuteilen, daß es die Bank Austria Sponsoraktion mit der Edition Zwei nicht mehr gibt.
Ohrenschmaus-Preisverleihung
Heute ist zum 2. Mal der Ohrenschmaus, diesmal im Museumsquartier vergeben worden und wieder war es sehr voll, erwartungsvolle Stimmung und viel Prominenz.
Diesmal sogar mit der Frau Kunstminister, die das Gedicht auf der Zotter-Schokolade verlesen hat und sich sehr interessiert zeigte.
Von den Jurymitgliedern habe ich nur Heinz Janisch gesehen, der Ausschnitte aus den Siegertexten vortrug.
Zum Beispiel ein paar Passagen aus der Prosapreisgeschichte “Das große Herz” von Marek Janta, zu dem ich die Jurybegründung geschrieben habe, die ich hiermit wiedergeben will:
“Mir gefallen an diesem Text die Genreüberschreitungen. Die Mischung zwischen Realismus und Märchenform. Der Krimi kommt auch ein bißchen vor. Die Phantasie des Autors, mit der er dieses Märchen erzählt, in dem Knallfrösche und ein Skikurs in einem Berghotel eine Rolle spielen, gefällt mir sehr gut. Ebenfalls der feine Humor, mit dem auf unseren Medienumgang hingewiesen wird. Vor allem aber finde ich es toll, daß Prinz Marek, die Hexe, die den Koffer stehlen will, so gut hineinlegt und am Ende die Prinzessin zur Frau bekommt.”
Jürgen Bonner hat den Preis bei den Lebensberichten mit seinen Text “Ich bin Jürgen, das Genie” gewonnen. Man sieht das große Selbstbewußtsein der Teilnehmer und der junge Mann, der auch an den Special Olympics teilgenommen hat, hat sich sehr über seinen Preis gefreut.
Wie auch die anderen, die am Schluß auf die Bühne gekommen und ihre Urkunden, sowie die Zotter-Schokolade mit dem Gedicht “Die Ungeduld” von Günther Berger, das mit Hilfe der Kunsttherapeutin Anja Stejskal entstanden ist, entgegennahmen.
Die Ungeduld
Schade, daß ich im Rollstuhl sitze
und ungeduldig warte,
daß etwas mit mir passiert,
das macht mich innen wütend
und außen möchte ich mit dem Rollstuhl
gegen etwas fahren,
aber ich kann es nicht.
Ab und zu bin ich traurig
und mein Herz klopft.
Dann nehme ich den Zauberstab
und hole den Sportler zu mir.
Dann bin froh,
daß der Sportler in meinen Gedanken ist,
und so gute Tore schießen kann.
Dann wird die Mauer zum Tor.
Nachher habe ich einer Frau von Ö1 ein bißchen was vom Ohrenschmaus erzählt, die am Donnerstag im Leporello um 3/4 8, darüber berichten will und beim Buffet Anton Blitzstein getroffen, der sich darüber freute, daß er in die engere Auswahl gekommen ist und bei den nächsten Ohrenschmaus auch gern wieder mitmachen will.
Wer nun neugierig geworden ein bißchen mehr über die Texte erfahren will, kann sie sich unter www.ohrenschmaus.net ansehen.
Literarischer Advent
Die Weihnachtssachen zum Dekorieren meiner Praxis und des Wohnzimmers sind heraufgeholt.
Dank des Sonnentor-Tees des Residenz-Verlags bei der Buch-Wien, ein paar Sackerln stammen noch von “Rund um die Burg”, gibt es einen improvisierten Teeadventkalender und eine neue Gewürzmischung für meinen Rotweinpunsch, die wunderbar schmeckt, gibt es auch.
Und Kekse von der Schwiegermutter, die sie in einem ungarischen Tesco gekauft und dem Alfred für seine vielen Harlandfahrten mitgegeben hat.
Und für mich neu. Adventliches auch im Internet. So hat Klaudia Zotzmann in ihrem Vienna Writer`s Blog einen Adventkalender mit jeweils einem Bild aus dem weihnachtlichen Wien, immer mit dem Vienna Writer`s Sheep (nicht nur Otto Brusatti stöhnt über die Anglizismen) und das Literaturcafe hat einen Adventkalender mit 24 Ausschnitten aus 24 nie geschriebenen Büchern.
Am Tag Fünf gibt es z. B. einen Text, wo ein Berater 10.000 Euro Venture-Kapital für ein Internetportal bereitstellen soll, wo Leser und Autoren unter dem Titel “Liter-to-go” zusammengebracht werden.
Gerade gestern habe ich ein Echtmail bekommen, wo sich unter “Litogo” Autoren, Grafiker, Lektoren, Übersetzer ect. treffen , um gemeinsam die Bestseller von morgen zu erstellen. Wenn ich ein Mail hinschicke, bekomme ich einen 25 Euro Gutschein für mein erstes Wikipocket.
Also viel Echtzeit im literarischen Advent und ich bin ja trotz meines Atheismus und meiner Konsumverweigerungsideologie eine romantische Seele und so bin ich vorgestern mit Anna am Spittelberg Punsch trinken gewesen, nachher haben wir einen Umweg gemacht und in die Galerie Koko hineingeschaut, wo Otto Lambauer bzw. die Caritas, die Ausstellung “Duett” mit den Kunstgruppen Rannersdorf und Hollabrunn eröffnet hat.
Die Eröffnungsrede haben wir zwar verpasst, es gab aber Rotwein und Fingerfood und ein Gespräch über die neuesten Entwicklungen beim Ohrenschmaus, wo es die Preisverleihung am nächsten Dienstag um 19 Uhr im Museumsquartier geben wird, auf die ich hier nochmals aufmerksam mache und herzlich einlade.
In der Ausstellung gab es auch den Bildbband “Mitten ins Herz” von Jugend am Werk/Graz zu bewundern, wo es Textbeiträge von Andrea Stift gibt, die ja zu Otto Lambauers literarischen Favoritinnen zählt und den er mir stolz zeigte.
Noch etwas Adventliches, als ich nämlich am Montag von meiner Supervision nach Hause gekommen, auf den nächsten Klienten wartete, läutete es unplanmäßig.
Draußen stand die deutsche Post und drückte mir ein Packerl von der Bank Austria in die Hand. Drinnen war ein Bilderrahmen, auf dem mir mein Bankfreund Reinhold Rheden versicherte, daß er mir rund um die Uhr für meine Bankwünsche zur Verfügung steht.
Da ist mir eingefallen, daß die Bank Austria, die “Edition Zwei” des Wieser Verlags sponsert. Die ersten neun zweisprachigen Bände mit noch zu entdeckender osteuropäischer Literatur, habe ich nach Weihnachten 2004 gewonnen, weil ich bei einem Gewinnspiel, der Zeitschrift “Bank Exclusiv” mitgemacht habe.
Den Roman “Die Mütter” von Teodora Dimova habe ich mir ein paar Jahre später bei der Präsentation im Festsaal der früheren CA am Schottentor von Annemarie Türk geholt und in der Hauptbücherei vorgestellt.
Aber es gibt neue Bände, die mich natürlich interessieren.
Bei der Buch-Wien habe ich einiges davon gehört. So habe ich “Die Mütter” gepackt und bin damit in meine Bankfiliale gegangen und wieder einmal vorsichtig angefragt.
Mal sehen was daraus wird. Inzwischen lese ich, immer noch und wahrscheinlich noch länger, Uwe Tellkamps “Turm”, da geht es gerade auch um die Vorweihnachtszeit.
Und von den ersten neun Bänden, die noch nicht alle gelesen sind, liegt Georgi Gospodinov “Der Mensch mit den vielen Namen” im Badezimmer.
Heute werden wir seit längerem wieder mal nach Harland fahren. Deshalb gibt es schon jetzt ein Literaturgeflüster, weil ich am Abend wahrscheinlich einen Befund schreiben muß.
Und da der Montag Feiertag ist, gibt es ein verlängertes Wochenende. Wenn ich mit der “Radiosonate” fertig werde, gibts Montag Abend eine Jubelmeldung, ansonsten melde ich mich wahrscheinlich erst mit der Ohrenschmausberichterstattung, danach gibts wieder einen kleinen Veranstaltungsmarathon.
Eine Stadt – ein Buch
Jetzt habe ich für eine Weile den Uwe Tellkamp unterbrochen und Ruth Klügers “weiter leben”, die heurige Stadt Wien Gratis Buch Aktion zu Ende gelesen.
Es gibt ja inzwischen den zweiten Teil der Autobiografie, “unterwegs verloren”, das fast eine Buchprämie bekommen hat und Wendelin Schmidt-Dengler hat dafür eine Rezension geschrieben, die ein paar Tage nach seinem Tod in der Presse erschienen ist.
Jetzt habe ich das Buch gelesen und kann mit dem Uwe Tellkamp weitermachen. Ich habe meine Badezimmer Bücher inzwischen neu geordnet. Ich lese ja sehr gern und inzwischen fast hauptsächlich in der Badewanne, da ich nur mehr selten mit der Straßenbahn fahre und wenn, habe ich kein Buch dabei.
Cornelia Travnicek hat mir vorige Woche geschrieben, daß sie das nicht mehr tut, seit ihr ein paar hineingefallen sind. Diese Erfahrung habe ich noch nicht gemacht und jetzt habe ich neun Bücher im Bad, die ich als nächstes lesen will.
“Die Asche meiner Schwester” ist dabei, “Der Kaiser von China” und “Scherbenpark”, aber auch “Rindfleisch” von Dietmar Füssel, “Grün ist die Farbe der Hoffnung” von Johanna König und “Mein Griechenland” von Kurt Mitterndorfer”, der als nächstes bei Ruth Aspöcks Jour fixe lesen wird. Mal sehen, wie weit ich damit komme.
Aber zurück zum heurigen Gratisbuch. Die Autorin kenne ich seit einigen Jahren, ich glaube 2000, war sie in der Ö1 Sendung “Im Gespräch”, sie hat auch einen Staatspreis für Literatur bekommen, wo ich aber nicht bei der Preisverleihung war, weil wir in Harland waren und Besuch der Hundertmarks hatten.
Dann war ich einmal im Rathaus bei einer Wiener Vorlesung und ihre Autobiografie ist auch sehr beeindruckend.
Das Buch überrascht über die klare Sprache, zwischen den Erinnerungen des kleinen Mädchens, das in den KZs verzweifelt Gedichte memoriert, werden immer wieder Betrachtungen über die Deutschen eingeschoben, die mich in ihrer Direktheit beeindruckten und auch die Worte, in denen die Schwierigkeiten mit der Mutter beschrieben werden, fand ich sehr bemerkenswert.
Ich habe alle Stadt Wien Gratisbücher gelesen. Den Nick Hornby nur flüchtig und sehr spät, denn Fußball interessiert mich wirklich nicht. Die Toni Morrisson habe ich schon vorher gelesen. Die anderen Bücher habe ich mir begeistert abgeholt, mich meistens dafür angestellt und mich auch über das Warten beschwert, obwohl ich dieser Aktion eigentlich auch skeptisch gegenüberstehe. Zumindestens glaube ich nicht, daß sie die Leute zum Lesen bringt und habe von einigen auch gehört, “Ach nein, das hole ich mir nicht, das ist ein schlechtes Buch!”, was ja die gegenteilige Wirkung der Absicht ist.
Und als ich dem Glavinic Roman nachgeforscht habe, bin ich auf die Werkstätte Kunstberufe gestoßen, die nicht nur in der fiktiven Edition Gallitzin ihr selbst verlegtes Buch “Elf Elemente” erscheinen ließ, sondern auch einen Film drehte, in dem sie das Vorjahresbuch “Fever Pitch” von seiner Entstehung bis auf die Wühltische der Buchhandlungen verfolgte. Und, daß das Buch im Internet verkauft wird, habe ich auch schon gehört, was mir ebenfalls nicht gefällt.
Im Literatur Cafe wurde bedauert, daß man auf der Internet Seite kein Leserforum eingerichtet hat, wo man seine Meinung austauschen kann. Das hat es aber gegeben, bis zu dem John Irving Buch “Laßt die Bären los”, das in Wien spielt, aber so hundsmiserabel übersetzt ist, daß ich, die ich ja wirklich eine Vielleserin bin, den Inhalt nicht mehr verstanden habe.
Da haben sich ein paar Leser darüber beschwert, bis es den Betreibern zuviel wurde und sie das Forum geschlossen haben.
Ich habe damals nicht geglaubt, daß es wirklich die Originalübersetzung ist und sogar beim Diogenes Verlag deshalb angefragt. Sie war es aber. Soviel zum Gratisbuch. Das ich doch für eine gute Idee halte, wenn ich auch nicht glaube, daß es die Leute zum Lesen bringt, so sammle ich es trotzdem gerne.
Krankheit der Jugend
Bei meiner dieswöchigen Literaturveranstaltungssparvariante bin ich heute mit Alfred im Literaturhaus bei der Lesetheaterveranstaltung des Ferdinand Bruckner – Stücks anläßlich seines 50. Todestages am 5. Dezember 1958 gewesen.
Habe ich von dem Stück und dem deutsch-österreichischen Schriftsteller ja einiges gehört, so daß ich dachte, daß es gut ist, es mir anzuhören, obwohl ich von expressionistischen Theaterstücken nicht besonders viel halte.
Inzwischen habe ich bei meinen Büchern nachgesehen und herausgefunden, daß ich den Autor aus der Schule bzw. durch seinen Briefwechsel mit Franz Theodor Csokor (Auch heute noch nicht an Land – Briefe und Gedichte aus dem Exil) kenne und es war auch interessant, das Stück zu hören, das 1926 in Berlin uraufgeführt wurde und ein großer Erfolg geworden ist.
Ein Stück das damit beginnt, daß eine junge Ärztin ihr Pensionszimmer für ihre Promotionsfeier putzt und in weiterer Folge durch alle Höllen von Liebe, Verratenwerden, homosexueller Verführung, Prostitution etc. geht.
Wie der Nihilismus 1926 in Berlin wohl war und die Bürger erschrecken konnte. In der Pause nach dem 2. Akt dachte ich, das mit heute verglichen, der Skandal harmlos wirkt, nach dem 3. Akt war ich von der vielen Destruktion aber doch betroffen.
Heute würde das Stück wohl in in einer Studenten-WG spielen und farbiger und glänzender schillern, es wäre sicher auch die Aids- und die Drogenproblematik dabei. Ein interessanter Abend und ein Stück Zeitgeschichte, das man noch in seine historischen Dimensionen setzen kann.
Christa Kern war unter den Zuhörern und hat uns von den verschiedensten Schauspielmethoden erzählt. In der Pause ist dann Ruth Aspöck gekommen, die uns noch vor Weihnachten zu sich zum Essen eingeladen hat. Alfred hat ein paar Fotos gemacht, ein paar Bawag – Literatureditionen sind am Büchertisch gratis aufgelegen und die Österreich – Anthologie zur Expo 2000 hatte ich noch nicht, alle anderen Bände schon, heuer nehme ich an, gibt es kein neues Buch mehr.
Und da Rolf Schwendter in den letzten GAV – Nachrichten dazu aufgerufen hat, daß man sich melden soll, wenn man im Lesetheater aufgeführt werden will, habe ich mich aufgerafft, ihn darauf anzusprechen. So etwas fällt mir ja immer schwer und es hat auch nicht viel genützt.
“Du hattest ja schon (im Jahr 2000) eine Veranstaltung”, hat er mir geantwortet. Das ist aber sehr lange her und ich habe seither viele Bücher geschrieben und ich beziehe mich auch immer wieder auf das Lesetheater in meinen Texten.
“Du könntest ja mit Susanne Schneider beim Osterspaziergang etwas über den vierten und fünften Bezirk machen!”, hat er mir noch angeboten, weil ich ihm geschrieben habe, daß ich viel über die Dichter und Dichterinnen des fünften Bezirks weiß und einmal bei einem literarischen Spaziergang der Frau Bezirksrat Steininger mitgegangen bin.
Nun ja, andere haben mehr Veranstaltungen, das ist halt so und offenbar nicht zu verändern, aber als nächstes kommt ohnehin die neue Volksstimmeanthologie heraus und da soll es noch vor Weihnachten eine Veranstaltung im Siebenstern dazu geben.
Heimspiel
Dieses Wochenende bin ich in Wien geblieben, da Alfred zu einem Geburtstagsfest wollte und ich versuche mit der “Radiosonate” fertig zu werden.
Vielleicht sollte ich etwas über meine Schreibweise erzählen, angedeutet habe ich schon einiges. Ich bin eine schnelle Schreiberin. In ca. sechs Wochen habe ich den Rohentwurf fertig, ein- bis zwei Monate vorher sammle ich meist schon Material, während ich am vorigen Text arbeite. Dann kommt das Korrigieren, das heißt, ich gehe den Text solange durch, bis ich keine Fehler finde. Am Inhalt ändert sich nur wenig. Es kommen aber einige Seiten weg.
Ich bin jetzt in der Endphase, es geht nur mehr um Kleinigkeiten, aber bis ich zufrieden bin, dauert es erfahrungsgemäß lange. Den Vorstellungstext hab ich schon geschrieben. Ich ersuche manchmal auch Kollegen darum. Es geht aber schneller, wenn ich es selber mache und es ist dann auch so, wie ich es will. Allerdings ist ein Kollegenname immer eine Werbung und so suche ich schon ein bißchen herum.
Das Titelfoto müssen wir noch machen. Bei den letzten Büchern hat mir die Anna die Graphik gemacht. Diesmal denke ich, nehme ich wieder einen Bücherstoß oder eine Bücherschachtel, geht es ja um drei Schachteln Bücher, die Elsa Eisenstein, eine der Protagonistinnen, im Hausflur findet, als sie von der Silvesterparty nach Hause kommt.
Wenn ich mit dem Korrigieren fertig bin, bekommt der Alfred den Text, der ihn auf Rechtschreibfehler ausbessert und fertig macht für die Druckerei.
So sind wir bei den letzten siebzehn Büchern vorgegangen. Fünf sind bei Digi-Buch bzw. Melzer, elf bei Novum, das letzte bei Digitaldruck.at herausgekommen.
Ich bin damit auch zufrieden, obwohl es schon Nachteile hat, so kommt man beispielsweise nicht auf die Buchprämienliste und auch bei Ö 1 ist es schwer, obwohl ich Edith Ulla Gasser meistens ein Belegexemplar schicke, aber es gibt da Vorurteile. Bei den Textvorstellungen der alten Schmiede ist es kein Problem. Und so habe ich mir wieder vorgenommen, den Text an einen Verlag zu schicken, obwohl ich es seit “Tauben füttern” nicht mehr probiert habe und eigentlich auch skeptisch bin, ob es wirklich etwas bringt.
Heute also ein ruhiger Tag, den ich mit Text und Laptop verbracht habe.
Das BMUKK hat die Briefe an die Prämiengewinner offenbar schon ausgeschickt, denn es haben sich zwei Kollegen bei mir bedankt. Peinlich nur, daß ich beide nicht auf der Liste meiner Erstvorschläge hatte.
Und Cornelia Travnicek hat sich auf ihren Blog auch schon über die Autorenprämie gefreut, dabei ist, wie sie schreibt, da sie sich gerade in einem Supermarkt befand, die Milch auf den Boden gefallen und die Salatsauce wurde vergessen.
Nun ja, Preise sind wichtig und Dietmar Füssel, auf dessen Gewinnspielseite ich gestern natürlich schauen mußte, hat auch einen Preis gewonnen, nämlich den vierten Sangerhäuser Literaturpreis für seine Kurzgeschichte “Skinhead”, die ich noch lesen muß und bei mir sind vor ein paar Tagen die Fahnen bzw. die PDF-Datei für die Volksstimmeanthologie “1918-1938-1968-2008 – Aus dem Bilanzbuch des 20. Jahhunderts” angekommen, das noch vor Weihnachten bei “Globus” erscheinen soll und noch etwas gibt es zum Thema Lesen zu vermelden.
Nämlich Elke Heidenreich, die ja mit dem ZDF Schwierigkeiten hatte, ist mit ihrer Sendung “Lesen” jetzt im Internet zu finden: www.litcolony.de und ich habe es mir gleich angesehen.
Es passt zu dem Ex-Libris-Spezial, das ich vorgestern im Literaturhaus hörte und das am 8. Dezember in Ö1 ausgestrahlt wird, bzw. zu Jochen Jungs kritischen Anmerkungen, der der Meinung ist, daß die Literatur kein Spektakel, sondern Leser braucht.
Elke Heidenreich hat jedenfalls, wie sie in ihrer schnellen Sprechweise anmerkte, sehr komische Bücher vorgestellt, Tilmann Rammstedts “Der Kaiser von China” und Alina Bronskys “Scherbenpark”, die ich beide in meinem Badezimmer habe und nur noch lesen muß und dann noch ein Buch, in dem ein Vater seinem Sohn vorliest, dabei aber nur die spannensten Stellen auswählt, damit dem Kind nicht langweilig wird.
Nun ja, so soll das Lesen doch nicht sein oder geht es nicht anders?
Schon wieder zwei Veranstaltungen
Da habe ich doch geschrieben habe, nach der Buch-Messe leiser zu treten, aber heute war der Jour Fixe von Ruth Aspöck in der Galerie NUU in der Wilhelm Exner Gasse, die damit ihre Verlegerinnentätigkeit ausklingen lassen will und bisher war es schwierig, am Donnerstag um 17 Uhr hinzukommen, da ich vor dem Sommer meistens eine Kinderstunde hatte, die nicht zu verlegen war.
Also habe ich mich auf die “Donaulesung” mit Waltraud Seidlhofer sehr gefreut, obwohl ich fast zu spät gekommen wäre, da mir Cornelia Travnicek, deren Blog ich vor ein paar Tagen entdeckte und der ich einen Kommentar auf ihre Buchmesseartikel im Literaturcafe geschrieben habe, geantwortet hat.
Die Lesung Waltraud Seidlhofers, einer wahrscheinlich ebenfalls experimentellen Autorin und Heimrad Bäcker Preisträgerin, die von ihm, wie sie erzählte, sehr gefördert worden ist, war auch interessant.
Es gab eine Diskussion über das Schreiben, dann habe ich mit ihr ihr neues Buch getauscht ( “Boote in den Museen”, Mitter Verlag), Tee getrunken, Brokkolisuppe gegessen und dann noch Lebkuchen und Mandarinen und mich mit Ruth Aspöck und Erich Schirhuber unterhalten und bin doch ins Literaturhaus gegangen, denn dort gab es ein Ex Libris-Spezial, das ich eigentlich auslassen wollte.
Aber “Literatur als Spektakel, kann Österreich zwei Buchmessen aushalten?” – Eine Diskussion mit Alexander Potyka, Jochen Jung und anderen unter der Moderation von Peter Zimmermann kann mein literarisches Wissen verstärken.
Anni Bürkl hat mir ja geschrieben, daß auf der Buch-Wien 20. 000 Besucher waren, während es auf der zu klein gewordenen Buchwoche 60.000 gewesen sind.
Das Literaturhaus lag auch am Weg, ich bin einfach etwas früher weggegangen. Nicht sehr viele Besucher, aber einige ORF-Moderatoren, die auch auf der Messe waren. Robert Huez hat eröffnet und interessant für mich, daß Jochen Jung nicht auf der Messe war.
Weil erstens zu teuer und zweites war er in Frankfurt und hat die Jury für den nächsten Buchpreis zusammengestellt und Alexander Potyka hat viel gelächelt und es nicht gesagt, falls er enttäuscht gewesen ist. Aber daß die Organisation einer Buchmesse schwierig ist, habe ich schon begriffen.
“Wien braucht eine Messe, denn die Wiener werden nicht nach Frankfurt fahren!”, wurde launig angemerkt. Da habe ich gedacht, daß ich dieses Jahr viel von Frankfurt mitbekommen habe, ohne mich aus Wien hinauszubewegen, aber ich interessiere mich ja sehr für Literatur und ob die Durchschnitts-Wiener mit der U2 in den Prater fahren werden, bin ich mir nicht so sicher, aber es braucht natürlich alles seine Zeit und man muß sich an Veränderungen erst gewöhnen.
Jochen Jung beklagte, daß man dieselben zwanzig Bücher in jeder Buchhandlung in jeder Stadt und in jedem Feuilleton finden kann und meinte kurz darauf, daß es die Aufgabe des Verlegers ist auszuwählen, so daß von der Vielzahl das Beste herausgefiltert werden kann.
Genau damit habe ich wieder ein Problem, denn ich bin ja für die Kreativität des Einzelnen und finde die vielen Blogs und Internetseiten, die ich nach und nach entdecke und das Nanowrimo-Writing äußerst interessant, glaube aber nicht, daß es in zwanzig Jahren nur mehr E-Books geben wird.
Ich habe jedenfalls soviele ungelesene Bücher, daß ich für den Rest meines Lebens locker damit auskomme, allerdings hat sich mein Leseverhalten durch das Internet schon verändert, weil man eben alles sehr schnell finden kann, was ich vor einigen Jahren nicht geglaubt hätte.
So gesehen bin ich gespannt auf die weitere Entwicklung der Buch-Wien, gehe gerne wieder hin, daß ich Eintritt zahlen will, glaube ich aber nicht.
Jurysitzung und Literaturhauslesung
Da bin ich gestern also bestens ausgerüstet in meine zweite Jurysitzung gestartet.
Vorher war ich noch beim Friseur und habe im Stadtplan nachgesehen, wo sich der Concordiaplatz befindet und bin dann, weil mich eine Frau die Kirche am Gestade hochschickte und sich das Zimmer des Ministerialrats Stocker im fünften Stock befindet, fünf Minuten zu spät gekommen. Nils Jensen war noch nicht da, Sylvia Treudl ist erkrankt und hat ihre Vorschläge schriftlich bekannt begeben.
So daß Helmuth Niederle, der Pen-Präsident Helmut Stefan Milletich und ich dreiundvierzig Vorschläge machten, aus denen fünfzehn ausgewählt werden mußten.
Unsere Meinungen differierten, ich habe mich eher an die jüngeren Frauen gehalten, die Mittleren eben und bin dabei ziemlich allein gewesen, habe aber etwa fünf Vorschläge doch durchgebracht, während einige Romane, die ich für hervorragend halte, unberücksichtigt geblieben sind.
Wäre Sylvia Treudl anwesend gewesen, hätte es vielleicht anders ausgesehen, so haben die Prämien bevorzugt die berühmten älteren Männer und auch einige solcher Frauen bekommen. Ich bin ja durchaus kompromißbereit. Die Namen überzeugen auch und die sozialen Aspekte, auf die Helmuth Niederle großen Wert legte.
Ich bin nur nachher draufgekommen, daß wir in Gefahr waren, auf dem Test, den vielleicht die Werkstätte Kunstberufe oder jemand anderer mit seinen fiktiven Verlagen unternahm, um die Kompetenz von Juryentscheidungen zu überprüfen, hereinzufallen, denn ich habe mir in den letzten Wochen wirklich viele Bücher durchgesehen, aber alle auf der Liste kannte ich nicht.
Die Namen, denen ich letztlich zugestimmt habe, aber schon und so habe ich heute nachgesehen, ob alle Verlage der vorgeschlagenen Bücher existieren.
Sie tun es natürlich und das leitet über zu der Lesung eines meiner Favoriten, Hanno Millesi, der heute seinen Roman “Der Nachzügler” im Literaturhaus vorgestellt hat, in dem es auch um den Literaturbetrieb geht.
Ich habe ja gedacht, das wäre mein Thema, bemerke aber in letzter Zeit, daß sich einige Autoren damit beschäftigen und auch berühmt werden.
Thomas Glavinic mit seinem “Das bin doch ich” zum Beispiel und jetzt Hanno Millesi, dessen Roman, bei dem es um einen experimentellen Autor geht, der im Nebenberuf als Ermittler tätig ist und sich dabei eine Guerillaaktion gegen ungerechte Juryentscheidungen und den ihn langweilenden Literaturbetrieb ausdenkt, habe ich schon bei der Buch-Wien durchgeblättert.
Die Veranstaltung hat etwas später angefangen, weil sie im Radio falsch angekündigt war. Es waren nicht sehr viele Besucher, aber einige experimentelle Autoren da.
Ilse Kilic, Fritz Widhalm, Ann Cotton, Brigitta Falkner und dann noch Bettina Balaka, die realistischer schreibt.
Die Ausstellung “Privatsachen” von Liesl Ujvary über die Schreibtische von meist ebenfalls experimentellen Dichtern und Dichterinnen gab es in der Wartezeit ebenfalls zu bewundern. Christiane Zintzen hat in ihrem Blog auf die Lesung hingewiesen und ich habe Hanno Millesi im Literaturgeflüster schon erwähnt, den ich von den Zeiten kenne, wo ich mich noch um das Staatsstipendium für Literatur beworben habe.
Da ist mir sein Name mehrmals aufgefallen. Dann hat er beim Wahnsinnsymposium des Ernst Kostal seine wirklich beklemmenden Kindergeschichten, die mich immer an die Entstehungsbedingungen einer Schizopherenie im Sinne des längst vergessenen Double Binds denken lassen, vorgetragen. Später hat er einen Text für die lange Nacht des Hörspiels geschrieben, wo er echt Tondokumente einer Polizeiaktion, als die experimentellen oder auch nicht experimentellen Autoren gegen die Kürzung des Autorenhonorars protestierten, verwendete, geschrieben und drei oder vier Romane, die in der Edition Luftschacht herausgekommen sind.
Den Text, den er beim Bachmannpreis vor ein paar Jahren gelesen hat, habe ich für einen der besten gehalten, der vorgetragen wurde und seine Gedanken über den Literaturbetrieb und dessen Ungerechtigkeiten sind natürlich interessant.
Im Anschluß gab es Bier und die experimentellen Autoren scheinen alle starke Raucher zu sein. Ich gratuliere Hanno Millesi herzlich zum nächsten Preis, den er bekommen wird, auch wenn er ihn für ungerecht empfinden sollte.

