Bei dieser Erzählung von Evelyn Grill (Suhrkamp 2002), handelt es sich, um eine ins Telefon gebrüllte Provinzgeschichte, um Alter, Verzweiflung und Vergänglichkeit einer verschmähten Frau.
So wird die zweiundfünfzigjährige Elfriede Schweiger am zwanzigsten Hochzeitstag von ihrem Gatten, dem Hofratsarschloch und Veterinär Walter verlassen, der sich von ihr angeödet, ins Mühlviertel zurückziehen und ihr nur noch die Wäsche zum Bügeln vorbeibringen will.
Das reizt die verschmähte Elfriede zu Lachkrämpfen, hat sie doch gerade ihr letztes juristisches Examen bestanden und bricht zu neuen Ufern auf.
Reist zuerst also mit ihrem Sohn Mandi an den Nil und versucht ihn während der Kreuzfahrt durch eine vermeintliche Friseurin “entjungfern” zu lassen, was aber schief zu gehen scheint.
Danach begibt sie sich von ihrer Mutter, als Sekretärin unterstützt, in die eigene Anwaltskanzlei, um nach deren Tod, endlich in die ersehnten sexuellen Freiheiten aufbrechen zu können, in die sie sich stürzt.
Zuerst fällt sie also in die Arme eines St. Pöltner Autohändlers, der sie mit der schönen Liebeslyrik fremder Dichter reizt, aber die Schimpfkanonanden, nachdem sie ihre Kanzlei nicht aufgeben und ihn beim Autohandel unterstützen will, selbst verfasst.
So schmiegt sie sich in sein zurückgelassenes Hemd, erlebt in diesen wilde Liebesgefühle, während sie es durch den Bad Ischler Notar und Zwangsneurotiker Theodor Dimitropoulos entweiht, der ihr Filzpatschen schenkt, mit ihr Schachspielen will und sie außerdem noch mit seinen recht rechten politischen Ansichten zur Verzweiflung bringt.
So pendelt die schöne Elfriede unentschlossen zwischen Steyr, St. Pölten und Bad Ischl hin- und her, fürchtet sich vor dem Älterwerden, beginnt zu trinken und schleppt sich von einer Blasenentzündung in die nächste, während sie kocht und bügelt, ihren Liebhabern die herrlichsten Menues bereitet, sowie einen Prozeß nach dem anderen gewinnt.
Trotzdem oder gerade deshalb wird diese Superfrau von ihren beiden Liebhabern, dem Älteren und dem Jüngeren, weidlich ausgenützt.
Sie verläßt sie auch immer wieder, läßt sich von ihren SMS und Anrufen, in denen es von “Hasilein” und “Schatzilein” geradezu wimmelt, aber immer wieder verführen. So muß sie sich ihre Christbaumengeln, die sie gar nicht benötigt, selbst bezahlen und kann nur Trost in den Telefongesprächen mit einer unbekannten Stimme finden, in deren offenes Ohr sie ihre Hoffnung schildert, ihren Sohn Mandi, der sein ungeliebtes Volkswirtschaftsstudiumstudium aufgegeben hat, um in Linz Jus zu studieren, in fünf Jahren zuerst als Konzipient und schließlich als Partner in ihre Kanzlei aufzunehmen, während ihr St. Pöltner Wolf per e-mail ankündigt, in ihrer Wohnung seine Websites zu erstellen, der Notar fleht sie an, sich neuerdings mit ihr zu versöhnen, während das Hofratsarschloch an der Türe trommelt.
Eine wahrhaft virtuose Provinzgeschichte in der Thomas Bernhard von einer weiblichen Stimme mit weiblichen Saraksmus übertroffen wird und die mir dennoch ein wenig zu nahe geht.
Zuviel weibliche Härte höchstwahrscheinlich, obwohl ich mich zu erinnern glaube, daß ich das Buch vor Jahren, als es im Radio besprochen wurde, einer Klientin empfohlen habe, die gerade von ihrem Mann verlassen wurde.
Also eine interessante Erzählung von einer starken Stimme aus der Frauenbewegung, das in seinem Sarkasmus Mut machen kann und das sich deshalb, hervorragend zum fünfzigsten, sechzigsten oder auch siebzigsten Geburtstag schenken läßt.
Jetzt habe ich diese Erzählung, zu deren Lesen, ich durch meinen Namensartikel, der übrigens die meisten Leser und Leserinnen gefunden hat, besprochen, bevor ich mich zu meiner Neurotraumatologischen Begutachtungsfortbildung in die allgemeine Unfallsversicherungsanstalt aufmachen will.
Ansonsten gibt es zu vermelden, daß Petra Ganglbauer den “Novembernebel” besprochen hat und ins Netz stellen wird.
Unter gangway.net soll man die neue Rezension bald lesen können.
Und als neues Lesefutter habe ich noch zwei Bücher zum Türkeischwerpunkt, nämlich “Oberkanankengeil” von Osman Engin und “Heim.at” Gedichte, eine türkische Migrations- Antholologie, herausgegeben von Yeliz Dagevir, neue österreichische Lyrik, 2004, als x-ten Frankfurt Nachtrag unter meinen Büchern entdeckt.
Vom Ohrenschmaus zum Prager Frühling
Die Jurysitzung im Albert Schweitzer Haus war um 17 Uhr. Ich bin pünktlich hingekommen, Heinz Janisch, Friedl Hofbauer und Eva Singer waren schon da.
Felix Mitterer ist kurz nach mir gekommen, wollte den Punkt Prosa, den er durchgesehen hat, als erstes besprochen haben und ist danach gegangen.
Barbara Rett und Kurt Palm haben ihre Terminvorschläge geschickt.
Es war ein schönes Arbeiten bei Kaffee und Mineralwasser. Nach vierzig Minuten waren wir fertig und hatten unsere drei Vorschläge in den Sparten Lyrik, Prosa und Lebensbericht gefunden, die den Preisträgern von 2007 vorgelegt werden, die die Endauswahl treffen werden.
Spannend bis dahin zu warten.
Am 9. Dezember um 19 Uhr wird im Museumsquartier das Geheimnis gelüftet und die Preise vergeben werden.
Es wird auch wieder eine Zotter-Schokolade mit dem Siegertext geben. Und damit die Ungeduld nicht zu groß wird, als kleinen Vorgeschmack einen Gedichtausschnitt von Renate Gradwohl, die voriges Jahr den Lyrikpreis gewonnen hat:
Küssen lernen
Liebe dich-küssen lernen
Peter sagt von Herzen: “Küß die Hand schöne Frau”
Renate sagt “Schöne Krawatte”
Gehen spazieren
Bank sitzen – küssen lernen.
Blumen pflücken, schöne Blumen.
Danach war ich etwas ratlos, denn es war dreiviertel sechs, ich wollte in das Literaturhaus zu der Veranstaltung “20 Jahre Prager Frühling”, die aber erst um halb acht begonnen hat. Was bis dahin unternehmen?
Ich bin ein bißchen in Richtung Stadt gegangen, habe an der Kreuzung vor dem Schottentor Felix Mitterer getroffen, der sich gewundert hat, daß wir so schnell fertig waren und ins Cafe Alt Wien wollte, um Freunde zu treffen, bevor er sich zuerst nach Tirol und dann zurück nach Irland begeben wird.
Von Felix Mitterer habe ich im Mittagsjournal gehört, wird am 13. November ein Franz Fuchs – Monolog im Theater in der Walfischgasse uraufgeführt.
Er ist dann in den Bus gestiegen. Ich bin zu Fuß zuerst in die Buchhandlung “Kuppitsch” und dann zum “Morawa” in die Wienzeile gegangen, um nachzuschauen, was an “Messematerialien” zu bekommen ist, um sozusagen auch das Originalerlebnis von schmerzenden Schultern zu haben, um Frankfurt endgültig abzuschließen.
Jetzt habe ich einige Prospekte und Zeitungsbeilagen, wie den “Falter Bücher-Herbst”, die ich sonst bei der Messe bekommen hätte und einen Stapel Werbekarten zur Buch-Wien, samt Lesepässe.
Im Literaturhaus ging es, um das Buch “LET LET Im Flug der Jahre” ein tschechisches Untergrund Tagebuch von 1952-1968, wo sich das Ehepaar Jandl- Mayröcker offenbar mit dem Paar Bohumila Grögerova und Josef Hirsal angefreundet und ausgetauscht hat.
Maximilian Droschl hat das Buch 1994 herausgegeben. Friederike Mayröcker hat gelesen und Jirsi Grusa mit Max Droschl diskutiert. Cornelia Köndgen hat das Buch vorgestellt, das eine sehr private Seite des Prager Frühlings beschreibt.
Das war interessant und die Veranstaltung prominent besetzt.
So ist Bodo Hell mit Angelika Kaufmann hinter mir gesessen.
Anni Bürkl, die auch kommen wollte, habe ich nicht gesehen und Silvia Bartl, die Programmgestalterin hat mich etwas gequält angelächelt, während sie die Prominenz betreute.
Ich bin mit meinem Weinglas allein herumgestanden, nachdem ich am Buffet Bibiane begrüßt und den Medizinstudenten zum Fertigwerden seines Studiums gratuliert habe und dann daran gedacht, daß ich am Montag nach der GAV-Versammlung wahrscheinlich im Literaturhaus anrufen werde, um einen Termin für meine zwei eingereichten Veranstaltungen zu bekommen.
Aber in den letzten zwei Jahren wurden meine Veranstaltung zu den prekären Arbeitsverhältnissen und die Frauenlesung mit dem Titel “Die Mittleren” abgelehnt, weil sie nicht spekulär genug erschienen.
Was mache ich, wenn mir das wieder passiert?, habe ich gedacht. Aber erst werde ich am Freitag zu dem Abschiedsfest von Heinz Lunzer gehen, wo auch Friederike Mayröcker lesen wird.
Von Frankfurt nach Czernowitz
In den gestrigen Tag bin ich schwer gestartet. Frankfurt ist, ob seiner Fülle doch sehr deprimierend und wenn ich man dann noch die Geschichte von den drei e-mails und den großen Bucherfolg scherbenpark.de hört ….
Und ich schreibe doch so gut, zumindest aber ehrlich und bemüht. Da könnte man aus der Haut fahren und alles hinschmeißen!
Ich habe aber von Andrea Stift ein liebes mail bekommen, ja das bloggen ist sehr kommunikativ und man kommt schnell in Kontakt zu anderen.
Danach habe ich Ruth Aspöck angerufen und mich am Donnerstag für ihren Galerie Jour fixe mit Evelyn Holloway und am Freitag für die Neuaufnahmelesung in der alten Schmiede entschuldigt und dann, ich gebe es zu, sehr langsam und sehr lustlos an der “Radiosonate” korrigiert. Dazwischen habe ich mir noch ein paar Sachen zu Frankfurt ausgedruckt. Ich bin und bleibe eben eine von der Literatur Besessene, auch wenn ich darin glücklos bin und Hilde Schmölzer hat mir den Link zur Buchmesse und die Einladung zu ihrem Rosa Mayreder-Abend zum 150. Geburtstag und 70. Todestag der großen Frauenrechtlerin am 29. 10. um 19 Uhr im Literaturhaus geschickt.
Dann noch einmal die Ohrenschmaus-Lyrik durchgesehen, damit ich heute um fünf nicht alles vergessen habe und nach zwei Stunden, die auch schwierig waren, verspätet in das alte Rathaus gehetzt und gerade noch einen Platz gefunden.
Denn das literarische Leben geht ja weiter und da gab es am Montag einen Benefizabend für Josef Burg, der als der letzte übergebliebene jiddische Dichter in Czernowitz lebt, 1912 geboren wurde und sein Bett nicht mehr verlassen kann und daher eine Rund um die Uhr Betreuung braucht. Konstantin Kaiser von der “Zwischenwelt”, der sich um ihn kümmert, hat mir voriges Jahr vor Weihnachten sein Erinnerungsbändchen “Über jiddische Dichter” mit einem Zahlschein geschickt.
Jetzt gab es das Benefiz-Achterl ab vier Euro und vorher noch einen Diavortrag über das heutige und gestrige Czernowitz zur 600-Jahr Feier.
Felix Mitterer las eine Geschichte aus dem neuen Buch “Ein Stück trockenes Brot”. Es gab eine Videolesung mit dem Dichter und dann noch eine Diskussion mit zwei alten Damen, die in Czernowitz geboren wurden und heute in Israel leben, von denen eine Czernowitz in goldener Verklärung sieht, während die andere eher kritische Erinnerungen an ihre Kindheit hat.
Dann gab es das Buffet mit Brötchen, Saft und Wasser und ich stand an einem Tisch, wo sich immer mehr Männer Brötchenberge auf ihre Teller türmten und, als ich sie erstaunt ansah, stolz erklärten “Wir kommen alle aus Czernowitz!”
Ich bin dann zu Dr. Koller gegangen, den ich lange nicht gesehen habe, früher aber immer bei diversen Literaturveranstaltungen traf.
“Was macht die Literatur?”, habe ich gefragt und er hat zu meinem Erstaunen geantwortet, daß er sich dafür nicht mehr interessiert.
Denn man kann nicht alles lesen, er ist sehr kritisch geworden und läßt nur mehr das Beste gelten. Den “Turm” von Uwe Tellkamp wird er lesen, das andere hat ihn bei der Buchmesse nicht interessiert und wir waren schon in der schönsten Diskussion.
Danach zwei anderen Stammbesucherinnen die Einladung für den 12. November übergeben, einen Fünfeuroschein aus der Tasche gezogen und mit Konstantin Kaiser mit einem Roten auf den Dichter angestoßen.
Beim Büchertisch Felix Mitterer begrüßt, der mich nicht mehr kannte und erstaunt aufsah, als ich schüchtern sagte “Wir sehen uns ja morgen!”
“Ach ja, beim Ohrenschmaus!”, hat er sich schließlich erinnert, dann hat sein Handy geklingelt und ich bin zum KulturKontakt Tisch gegangen, wo es einen Czernowitz-Bildband zur freien Entnahme gab, sowie von Georg Löwendal gemalte Karten von der Bukowina.
Ich bin noch eine Weile in der Nähe von Felix Mitterer und Konstantin Kaiser gestanden und habe mitbekommen, wie sich Annemarie Türk vom KulturKontakt verabschiedet hat.
“Ich bin todmüde”, hat sie zu ihnen gesagt, “denn ich bin gerade aus Frankfurt zurückgekommen!”
Ach ja, Frankfurt läßt grüßen und ist in aller Munde, man kommt nicht daran vorbei.
So hat sich auch Anni Bürkl in ihrem aktuellen Eintrag darauf bezogen und ich habe mir auch noch einige Podcasts angeschaut und da sind mir einige Widersprüche aufgefallen. So haben sie auf der einen Seite die Leute ja geradezu zum Bücherklauen aufgefordert und durchblicken lassen, daß das, was gestern ab sechs eingepackt wurde, nicht mehr zu verkaufen ist.
Auf der anderen Seite geht es aber um das Geschäft und das hat es, so hörte ich im Kulturjournal, auch gegeben.
Den höchsten Besucherrekord und die Auswirkungen der Wirtschaftskrise waren nicht zu merken. Im Kunstmarkt schon, auf der Buchmesse nicht.
Dr. Koller wird sich aber nur den Uwe Tellkamp kaufen und ich werde jetzt in den Czernowitzer Ansichten blättern.
Wieder zurück aus Frankfurt
Da habe ich jetzt vor meinem PC drei sehr intensive Tage und zum Teil auch Nächte hinter mich gebracht.
Mir raucht der Kopf von den vielen Eindrücken und das “Ex Libris”, die Ö1 Büchersendung habe ich mir gerade auch aufgedreht.
Ansonsten habe ich den letzten drei Tagen, die Nachrichten und damit auch das Jörg Haider Begräbnis, sowie meine Lieblingssendung, den Kulturquiz versäumt.
Aber Frankfurt war sehr intensiv und ich habe viel mitbekommen. Wahrscheinlich mehr, als wenn ich wirklich dort gewesen wäre und mich zwischendurch immer wieder mit Otto Lambauer ausgetauscht, der mir passend zur Jurysitzung am Dienstag, ein Paulmichel Gedicht gemailt hat und jetzt werde ich berichten:
Die Gedanken schwirren ungeordnet durcheinander, aber die Hände tun nicht weh, wie es zweifellos wäre, wenn ich die vollen Büchertaschen durch die Hallen geschleppt hätte und das Glas Wein für den Sozialkontakt, habe ich am Freitag Abend in der Schleifmühlgasse beim philosophischen Salon des Primar Musalik getrunken und dort auch ein literarisches Gespräch mit einer Psychotherapeutin geführt und ihr die Einladung zur Frauenlesung am 12. November übergeben. Sie weiß aber nicht, ob sie kommen kann, wie es sich auch für die “Literatur im Nebel” nächste Woche in Heidenreichstein nicht ausgehen wird.
Aber da werde ich auch nicht teilnehmen, weil da ist ja GAV-GV, obwohl dort Jorge Seprun auftreten wird, aber über den hat Franziska Augstein eine Biografie geschrieben, die beim 3 Sat Stand am Donnerstag vorgestellt wurde.
Also zu meiner Frankfurt Berichterstattung, denn ich habe mir in den letzten Tagen sehr viele Autorengespräche angehört, die am blauen Sofa und beim 3 Sat Stand geführt wurden. Der berühmteste Autor war sicherlich Günther Grass am Freitag Mittag, der über sein neues Buch die “Box” und über Marcel Reich-Ranicky gesprochen hat, aber auch andere Erlebnisse habe ich in den letzten Tagen gehabt.
So habe ich gestern am blauen Sofa einen mir bis dato unbekannten Autor kennengelernt. Nämlich den Spanier Rafael Chirbes mit seinem Roman “Krematorium”, der sehr politisch zu sein scheint.
Wenn der vielleicht den Nobelpreis bekommen sollte, wäre er mir schon bekannt und dann gab es gestern noch die Begegnung mit einer sehr schönen jungen Frau, der Engländerin Marie Phillips, die mit ihren unartigen Göttern oder “Götter ohne Manieren” einen hoch erotischen Roman über die griechische Gottheit geschrieben hat, die aus dem Olymp aus und in ein englisches Reihenhaus eingezogen ist, um dort Telefonsex zu betreiben.
Das wäre eine der Debütantinnen, die in Frankfurt vorgestellt wurden. Eine andere ist Alina Bronsky mit ihrem “Scherbenpark”, die in Frankfurt sehr aufgebaut worden zu sein scheint.
Ihr Roman, so hörte ich, war eine der großen Überraschungen, nämlich ein unverlangt eingesandtes Manuskript, das sie an drei Lektorinnen geschickt haben soll und dann gleich der große Erfolg.
Alina Bronsky ist ein Pseudonym, weil die Autorin ihre Familie vor zu viel Öffentlichkeit schützen will und war auch eine der Messe-Bloggerinnen, wie ich gestern draufgekommen bin.
Auf der Buchmesse wurden 92.000 Neuerscheinungen vorgestellt und das große Stöhnen wer soll das alles lesen?
Rafik Schamis “Das Geheimnis des Kalligraphen” und ebenfalls das Debut eines Holländers, nämlich Gerbrand Bakkers “Oben ist es still”, wo ein Sohn seinen Vater zum Sterben in den ersten Stock verfrachtet und am Ende daraufzukommen, daß er allein zurückgeblieben ist, fallen mir noch ein.
Alles Romane, die ich mit Ausnahme von Alina Bronsky nicht kennen würde, wenn ich mich dieses Wochenende nicht so intensiv auf das blaue Sofa begeben hätte.
Dann habe ich noch einige Interviews mit Sven Regener gehört, dessen neues Buch “Der kleine Bruder”, sich Anna von Alfred mit dem von Xaver Bayer kaufen ließ.
Sven Regener scheint übriges ein orgineller Typ zu sein, wie auch Claus Peymann, der seine Biografie “Peymann von A-Z” sehr egozentrisch präsentierte, obwohl er sie nicht selbst geschrieben hat.
Also viel erfahren in den letzten Tagen. Allerdings nicht viel österreichisches, denn da wurden auf dem blauen Sofa und bei 3 Sat nur Josef Winkler und Norbert Gstrein vorgestellt.
Von den anderen Autoren, die sicherlich auch dort waren, habe ich nicht viel mitbekommen.
Das heißt, das Programm der IG-Autoren habe ich im Internet gefunden, Hilde Schmölzer ist hingeflogen und Andrea Stift, die mir inzwischen auch einen Kommentar geschrieben hat, hat in ihrer “Knautschzone” von ihren Erfahrungen berichtet.
Trotzdem haben auch die Messeblogger ein bißchen davon geschrieben, von Eva Rossmann beispielsweise, die ihren Krimi “Die Russen kommen” vorgestellt hat und dem anschließenden Umtrunk beim Foliostand mit Schüttelbrot und Rollmöpsen und dann gab es noch eine Überraschung beim Türkeischwerpunkt.
Da ging es nämlich um das Thema Sprache und die türkische Autorin Ayfer Tunc machte sich mit einer Freundin und einer Kamera auf den Weg herauszufinden, ob die Sprache Schicksal ist und die Freundin, die freundlich lächelnd übersetzte war Barbara Frischmuth und kein Wort darüber, daß sie eine der bekanntesten österreichischen Dichterinnen ist.
Und sonst natürlich viel Prominenz. So war Dieter Bohlen und der Rapper Bushido das große Thema und dann ist es auch um die Bildungsfrage gegangen und darum, daß sich die Politik etwas einfallen lassen muß, damit es zu keinen bösen Überraschungen kommt.
Es gab auch sehr viele Mangafans, die, wie ich es schon von Leipzig kannte, in Fantasykostümen herumgelaufen sind, ihren Spaß hatten und sich geduldig um Comics vom Simpson Zeichner anstellten. Und ein jugendlicher Autor, der trotz seiner Legasthenie einen Fantasyroman geschreiben hat, wurde auch vorgestellt.
Es war also alles sehr intensiv und man kann auch in seinem Schlafzimmer von der Buchmesse viel mitbekommen.
Allerdings, um den Buchoptimisten zu Widersprechen zum Lesen bin ich in den letzten Tagen nicht viel gekommen, da hat das Internet eindeutig die Oberhand gewonnen.
Buchmesse
Um die, die meine letzten Eintragungen gelesen haben, zu verwirren. Trotz meiner Ankündigung nicht nach Frankfurt zu fahren, habe ich mich in den letzten Stunden, dank Marion Kümmels Hilfe, vom federwerk und 3sat auf der Buchmesse aufgehalten und auch vor, das bis Sonntag so intensiv, wie möglich zu tun.
Denn das World Wide Web ist schon toll, da muß man nicht mit dem Auto einen Tag lang nach Frankfurt fahren, sich in Ermangelung eines Zimmers in der Stadt, nach Mainz oder Wiesbaden begeben, wie wir das 2000 und 2002 machten und am Morgen in die Stadt, zehn Mark oder Euro für den Parkplatz zahlen und dann für den Fachbesuchereintritt, für den man eine schriftliche Einladung braucht, noch einmal so viel.
Es geht ganz einfach auf Klick. Dann kann man sich auf das blaue Sofa setzen oder die Interwiews beim 3Sat Stand hören und einen tollen Buchmessen Blog gibt es auch.
Also habe ich, als ich gestern darauf gekommen bin, daß das so einfach geht und ich Hilde Schmölzer nicht neidig sein muß, daß sie am Donnerstag nach Frankfurt flog und sich an den Stand der IG Autoren begab, um dort ihr bei Mandelbaum wiederaufgelegtes Buch vorzustellen, umdisponiert und bin am Mittwoch nicht, wie geplant, ins Radio Kulturcafe gegangen, um mir die literarische Soiree mit den neuen Büchern von Ruth Klüger, Richard Yates und Oliver Storz anzuhören und Donnerstag nicht ins Literaturhaus zu “Neues aus dem Arovell-Verlag”, sondern zu Hause geblieben.
Mittwoch habe ich noch brav an der “Radiosonate” korrigiert und zur Abwechslung etwas Gefühlvolleres, nämlich Fay Weldons “Bulgari Connection”, das mir nicht so gut gefällt, wie ihr “Ehebruch”, zu lesen begonnen, bis ich mit dem Interview mit Ingo Schulze zu “Adam und Evelyn” und dem Statement des neuen Buchpreisträgers, auf die neuen Möglichkeiten draufgekommen bin.
Am Abend habe ich dann beschlossen, den Rest der Buchmesse soviel wie möglich am Laptop zu verbringen.
Heute hatte ich zwar einen Supervisionstermin und eine Stunde, aber das Wochenende naht und Alfred fliegt mit seinem Freund Karl nach Kreta zum Wanderurlaub.
Also den Rest der Zeit nach Frankfurt zum Nulltarif und wenn ich das, was ich mir bis jetzt gegeben habe, so vergleiche, kann ich nur schreiben, die Vorteile überwiegen. Ich kann zwar nicht alles haben, sondern nur, was 3Sat, das blaue Sofa, bzw. die Messeblogger für mich ausgesucht haben, aber viel anders, als wenn ich wirklich in Frankfurt wäre, ist das auch nicht.
Frankfurt Live wäre nur viel teurer, die Prospektsäcke, die ich immer zum Stand der IG Autoren geschleppt habe, um sie dort zwischen zu lagern, fehlen zwar und die Buffets und die Empfänge.
Aber bei denen sind wir ohnehin nie gewesen, mangels der Einladungen und der Connections. Außerdem sind wir am Abend gleich nach Mainz oder Wiesbaden gefahren, um am nächsten Tag wieder fit zu sein.
Die Vorteile überwiegen eindeutig und ich habe auch sehr viel mitbekommen.
Ruth Klüger, Karen Duve, Ingo Schulze, Uwe Tellkamp, Perihan Magden, Necla Kelek … und die neuen Möglichkeiten des Kindle books.
Ja sogar, daß Aravind Adiga den Booker Preis bekommen habe, habe ich erfahren und das Interview mit John Leake, der mit “Der Mann aus dem Fegefeuer” ein Buch über Jack Unterweger geschrieben hat, das von Warner Bros verfilmt werden soll.
Da kann ich gleich wieder flüstern, daß ich Jack Unterweger gekannt habe, weil er, als ich für die “Hierarchien oder der Kampf der Geräusche” 1989 einen Verlag gesucht und zweiundvierzig Absagen bekommen habe, angeboten hat, es bei der “Edition Wortbrücke” zu machen und die Buchproduktion war noch nicht ganz abgeschlossen, als er aus der Sonderstrafanstalt Favoriten entlassen wurde.
Er hat das Buch dann auch ein bißchen verhudelt und ich denke manchmal, es wäre für das Buch und für ihn besser gewesen, wenn er nicht so schnell entlassen worden wäre.
Kann aber auch hier nur betonen, daß die Zusammenarbeit mit ihm ausgezeichnet war und ich ihn als sehr kooperativen Menschen erlebt habe.
Er ist dann zwar aus der GAV ausgetreten, weil er sie für zu sozial gehalten hat, aber wäre sie das nicht gewesen, hätte sie sich nicht mit den IG Autoren für seine Entlassung eingesetzt.
Dieses Buch wurde also beim 3Sat Stand besprochen und ich habe mich auch beim Schwerpunktthema Türkei umgehört, mir das Feridun Zaimoglu Portrait und das von Orhan Pamuk und Yasar Kemal angehört, sowie die Lesung von Alina Bronskys “Scherbenpark”, die ich von ihrer Bachmannlesung kenne.
Und Mittwoch habe ich im Mittagsjournal gehört, war Österreichtag bei den IG Autoren, die Frau Minister hat ihre Pressekonferenz und einen Empfang gegeben und Christiane Zintzen hat in ihrem Blog auch über Frankfurt what a mess berichtet.
Klausen
Da ist neulich in Klausen viel passiert, obwohl man so genau nicht sagen kann, was, da der eine Teil der Kleinstadtbewohner das eine, der andere genau das Gegenteil gesehen haben will.
Es ist jedenfalls ein Schelmenstück, das der Bad Nauheimer Autor Andreas Maier über die Südtiroler Kleinstadt in wahrhaft Thomas Bernhardscher Manier ausbreitet und es beginnt ganz harmlos beim Verzehr von sauren Kalbskopf und einem Viertel Roten beim Unterwirt in Feldthurns.
Denn da wird Josef Gasser in einem Vorstück beobachtet, das sich schnell zum Klausener Hauptstück ausweiten wird.
Josef Gasser, der Schustersohn, der nach seinen renitenten Entwicklungsphasen zuerst in Innsbruck studierte, danach in Berlin seinen Dialekt verliert und schließlich trotz des Wunsches nach einer gerechten Gesellschaft im Klausener Fremdenverkehrsamt zu arbeiten beginnt, ist auf seine Schwester Kathi, die als berühmt gewordene Schauspielerin, das erste Hotel bewohnt neidig, so daß er in seinen Amtsstunden, die deutschen Touristen freundlich aus der Stadt auf die Autobahn vertreibt, in dem er behauptet, alle Hotels seien durch einen Ärztekongreß ausgebucht und sich nächtens im “Keller” mit seinen Saufkumpanen trifft.
Zuerst spaziert Gasser mit einem Paket herum, das eine Waffe enthalten könnte, dann wird der Grundstückspekulant Alois Zurner überfallen, verdächtige Plakate mit heimatlichen Sprüchen tauchen auf und es kommt zu einem Terroranschlag auf der Autobahn, der natürlich mißglückt.
Die auf der Ploderburg untergebrachten Pakistani und Albaner werden von der Polizei gestürmt und auch wieder nicht, denn sie können von einem Saufgelage erzählen, das Josef Gasser, der später berühmt gewordene Künstler Leopold Auer und ein ständig besoffener Deutscher namens Badowsky mit einigen Kärntner Antifaschisten, die sich allerdings aggressiv benehmen und nach den albanischen Mädchen schielen, durchführten. Dann gibt es noch den unbelehrbaren Nationalisten Perluttner, der vom ewigen Deutschtum schwafelt und die Italiener in der Hauptstadt Rom nicht leiden kann, während die deutschen Touristinnen so gern nach Klausen zur Erholung kommen, weil dort keine Türken sind.
Es ist eine Farce, die der 1967 geborene deutsche Autor da locker auf 214 Seiten im Stil des oberösterreichischen Meisters hinunterbrilliert und schnell und packend zu lesen, obwohl kein Stein auf dem anderen bleibt, man von einer Anspielung zur nächsten geschleudert wird und am Ende nicht mehr weiß, um was es bei diesem Verwirrspiel geht.
Denn es ist doch normal, daß es in einem idyllisch schönen Ort Umweltschützer gibt, die die Landschaft erhalten wollen und Grundstückspekulanten, Antifaschisten, sowie Ausländerhasser gibt es sicher auch, nur der Künstler, der ein Stipendium ablehnt, weil er Geld nicht braucht, ist vielleicht unrealistisch. Ein bißchen E. T. A. Hoffmann ist auch zu merken.
Ein paar amüsante Lesestunden also, während Orhan Pamuk in Frankfurt die Buchmesse mit einem Festvortrag eröffnete und weil ich auch ein bißchen vom Türkeischwerpunkt profitieren will, werde ich mir Yasar Kemals “Der Granatapfelbaum” zur künftigen Lektüre ins Badezimmer legen.
Buchpreisträger-Wunschgedicht
Als ich gestern nachschauen wollte, wer nun den deutschen Buchpreis gewonnen hat, bin ich zuerst auf ein Mail von Richard Weihs mit meinem Wunschgedicht gestoßen.
Ja, gestern waren wieder die Wilden Worte, aber ich hatte bis acht am Abend Praxisbetrieb und mir dann die Ohrenschmaustextmappen vorgenommen.
Richard Weihs schickte es mir also, passend zum Wetter und Weltlage:
Depression im Herbst
Soll ich dir ein Glas Wein holen?
Na klar, und bring mir auch ein Bier
Und noch ein Schnäpschen wünsch ich mir
Vor allem aber, zur Beendigung der Qual
Bring mir Effektin, Deanxit und Neronal
Ein Glas Rotwein trinke ich ja gerne, Schnaps und Bier nicht und dann in den Lesesaal hineingeschaut und da gab es keine Überraschung.
Uwe Tellkamp ist der Buchpreisträger und bat auch seine Kollegen auf das Podium, damit er nicht so einsam ist.
Daniel Kehlmann und Elke Heidenreich haben, konnte ich weiterlesen, sich über die Sinnhaftigkeit des Buchpreises aufgeregt. Sie würde den anderen Büchern die Besprechungsmöglichkeiten rauben, meinen sie und was mit dem Preisträgerbuch passieren kann, habe ich auf dem Flohmarkt in St. Pölten vor zwei Wochen selbst erlebt.
Allerdings weiß ich nicht, ob ich mir das nicht wünschen sollte. Denn ich würde das Buch gern lesen und der Bachmanntext, den ich hervorragend gefunden habe, ist ein Kapitel daraus. Diesmal also keine Überraschung, es war ja ganz oben im Leserranking und noch eine Anekdote dazu:
Als ich vor ein paar Wochen meinen Mittagsschlaf machte, ein paar Tage nachdem das Buch im im Ex Libris vorgestellt wurde, wurde es auch im Mittagsjournal besprochen. Ich schreckte aus dem Sekundenschlaf, dachte, das ist jetzt der Buchpreis geworden und wartete begierig auf die Bestätigung. Da läutete aber das Telefon und ich bekam sie nicht. Es war auch noch zu früh dazu.
Also wieder Gratulation und viele Käufer, die das Buch nächstes Jahr zum Flohmarkt tragen und gestern hat sich auch Hilde Schmölzer zu meinem Geburtstagsfest angemeldet und erzählt, daß sie vorher nach Frankfurt fliegt, weil sie dort ihr Buch “Böses Wien”, das neu aufgelegt wurde, vorstellt.
Auch etwas was mich interessiert. Die Wiener Literatur der Fünfziger und Sechziger Jahre und so habe ich es bedauert, daß das Buch so lang vergriffen war.
Andrea Stift hat in der “Knautschzone” geschrieben, daß sie am Donnerstag auch nach Frankfurt fliegt, da packte mich ein bißchen der Neid.
Ich habe aber vorgestern behauptet, daß ich nicht nach Frankfurt will und es gibt in der nächsten Zeit auch genug zu tun:
Zwei Lesungen, Feste, GAV-GV, zwei Jurysitzungen, zwei Preisverleihungen und die Buch-Wien gibt es im November auch.
Da bin ich zwar auch nicht zufrieden, weil man da jetzt Eintritt zahlen muß, während der Eintritt in die gute alte Buchwoche ja gratis war und dort habe ich mich vor allem im vorigen Jahr, während der Alfred in Patagonien war, sehr intensiv aufgehalten und sogar Peter Henisch, der an meinem Tisch gesessen ist, einen Kugelschreiber zum Autogrammschreiben geborgt.
Einen Hoffnungsschimmer gibt es aber, gibt es ja einen sogenannten Lesepass, den man bekommt, wenn man eifrig Bücher kauft, denn dann soll der Eintritt nur noch zwei Euro fünfzig kosten.
Wellnesswochenende
Als ich Freitag vom AKH zurückgekommen bin, habe ich bei “Buchlandung” und einem Antiquariat in der Kochgasse, wo ich sonst immer meine Auslandsspostsendungen hintrage, wenn die Bibliothek Leipzig oder die Buchhandlung Harrassowitz ein Buch von mir haben will, zwei Bücher gekauft.
Einen Luise Rinser Roman “Mitte des Lebens” aus dem Jahr 1958, ziemlich ungelesen, nur mit Eselsohr auf Seite 47, dann habe ich das von Dietmar Füssl gewonnene “Log” im Postkasten gefunden. Die Post kommt derzeit erst am Nachmittag, so daß ich es gerade durchblättern konnte, bevor wir zur Wellness nach Harland aufgebrochen sind.
Samstag Vormittag hundert Seiten weiter in der Badewanne Ingo Schulzes “Neue Leben” gelesen, das ist ein tausend Seiten Buch, also Stoff für weitere Badevergnügen und mit dem Rad zum Möbelhaus Lutz, weil es dort den Schweinsbraten mit Knödel zum Aktionspreis gab, an einem Altpapiercontainer vorbei, die oben auf liegenden Bücher tapfer liegen gelassen und vom Alfred neben der Nachricht von Jörg Haiders Unfalltod, der ja auch ein Getriebener war und mich zu mehreren Texten inspirierte, den “Standard” und und die “Zeit” mit der Sonderbeilage zur Frankfurter Buchmesse überreicht bekommen.
Ja, die Buchmesse beginnt am Dienstag mit einem Festvortrag von Orhan Pamuk zum Schwerpunktland Türkei, dann werden wir auch erfahren, wer der deutsche Buchpreisträger geworden ist.
Nach den Leserschätzungen des FAZ-Lesezimmers muß es wohl Rolf Lappert oder Uwe Tellkamp werden.
Das erste Buch kenne ich noch immer nicht, das zweite wird überall als der große Roman zur deutschen Wende gelobt, so daß ich ihn gerne lesen möchte, er scheint nur ähnlich dick, wie “Neue Leben” zu sein.
In der Zeit-Literaturbeilage gibt es einen Bericht über Diethmar Darths
“Die Abschaffung der Arten”, das ziemlich schräg zu sein scheint. “Unausstehlich, quälend, arrogant, belehrend, aufgekratzt, technikbesoffen etc.” nennt es Iris Radisch in der Zeit-Literatur und Sherko Fatah ist beim FAZ-Leser-Ranking inzwischen ein Stückchen nach oben gerutscht. Ich habe bei meinen ungelesenen Büchern inzwischen auch sein “Onkelchen” gefunden. Seltsamerweise rangiert auch Ingo Schulze bei den FAZ-Lesern weit unten.
Nach Frankfurt werde ich nicht fahren. Da war ich nur zweimal, 2000 und 2002. Das erste Mal war ich begeistert, das zweite Mal habe ich es nur teuer gefunden, Säcke mit Prospekten und Bücherproben habe ich beide Mal nach Hause geschleppt.
Diesmal also nur auf die Medien angewiesen und daher nach Harland zurückgekommen, statt “Neuen Leben”, die Sonderbeilagen studiert.
Bei beiden gab es Interviews mit Orhan Pamuk, der sich als Leser und Büchersammler outete und Tausende zu besitzen scheint und da bin ich wieder bei Otto Lambauer angelangt, den ich zu seinem letzten Kommentar, daß er sparsamer mit seinen Büchereinkäufen und Wirtshausbesuchen werden will, um mehr Zeit zum Lesen zu haben, schreiben wollte, daß man zu Büchern auch sehr billig kommen kann.
Das Literaturgeflüster ist ja eine einzige Anleitung zum Büchersammeln mit ohne oder wenig Geld. Und Bücherflohmärkte wird es auch bei der Caritas geben. Als wir aber bei Alfreds Eltern am Freitag Abend ein Glas Sekt getrunken haben, waren die Katastrophenmeldungen der Börsen- und Bankeinstürze der letzten Tage das große Thema und da hat Alfreds Vater geraten, sein Geld anzulegen, statt es auf der Bank zu lassen. Gold, Hausbau, Grundstücke sind ihm vorgeschwebt. Vielleicht kann man es auch in Bücher anlegen und Otto ist gut beraten, den Buchhandel zu unterstützen.
Während ich wohl weiter unbelehrbar möglichst zum Nulltarif sammeln werde.
So tausche ich auch gerne meine Bücher, bin damit bei einigen Autorenkolleginnen aber nicht gut angekommen, die das als mangelhafte Wertschätzung aufgefasst haben, während ich das Tauschen für eine gute Idee halte, die Bücher der anderen kennenzulernen und bezüglich Wellness in der nächsten Zeit sehr viel Weintrauben essen werde, weil wir die von Harland in großen Mengen mitgebracht haben.
Abschied vom Literaturprofessor
Monika Bargmann hat mich in ihrem Jeannie Ebner Blog auf die Wendelin Schmidt-Dengler Gedenkveranstaltung in der Nationalbibliothek aufmerksam gemacht, auf die ich schon gewartet habe, weil ich meine Erinnerungen an den Germanisten der Nation ordnen wollte, die ich in vielfältiger Weise habe, obwohl ich nicht Germanistik studiert und daher nicht, wie andere, eine Dissertation oder Diplomarbeit bei ihm geschrieben habe.
Trotzdem habe ich ihn in den Siebzigerjahren in einer Vorlesung im NIG kennengelernt. Da war er Assistent und hat irgendetwas über die österreichische Gegenwartsliteratur vorgetragen, die mich ja sehr interessierte, obwohl ich Psychologie studiert habe.
Ich werde Dichter, wie das Robert Menasse in den Proseminaren gesagt haben soll, habe ich nicht gesagt, dazu war ich viel zu schüchtern und bin auch in keine Germanistikvorlesung mehr gegangen.
Wendelin Schmidt-Dengler aber später immer wieder bei Veranstaltungen begegnet oder ihn im Radio, bei Ex Libris, beispielsweise, über Bücher sprechen gehört.
Da war er immer in Eile und hat sehr schnell gesprochen. Ein deutlich von der Literatur Getriebener, da würde ich auch Ähnlichkeiten zwischen ihm und mir sehen. Und so hätte ich mich auch gerne mit ihm in ein Streitgespräch über Literatur eingelassen, aber diese Gelegenheit ist leider versäumt.
Er hat mich, glaube ich, gar nicht gekannt, obwohl ich ihn mehrmals bei Veranstaltungen angesprochen habe, in Mürzzuschlag beim Fest für Friederike Mayröcker beispielsweise und ich erinnere mich auch an eine sehr heftige Diskussionsveranstaltung im Literaturhaus, als es um Thomas Bernhards Testament gegangen ist.
Da war er sehr dagegen, es wörtlich zu nehmen, hat das für eine Unmöglichkeit der Literaturgeschichte gehalten und wurde von denen, die das wollten, heftig angegriffen und beschimpft. Darüber habe ich in der Novelle “Das Salz in der Suppe oder wie sich die Zeiten ändern”, geschrieben, wie er mich auch mehrmals zu meinen Geschichten über den Literaturbetrieb inspirierte.
Und er hat sich sehr für die Autoren und die Gegenwartsliteratur eingesetzt. Ich habe ihn aber auch in seiner Überforderung erlebt. So war er mehre Jahre in der Jury der Grazer Autorenversammlung, deren Mitglied er war und war durch seine vielfältigen Aufgaben so überlastet, daß er nur noch “ja”, “nein” oder “?” in die Gutachten geschrieben hat, was wieder zu heftigen Diskussionen führte, als dann Franzobel oder Olga Flor abgelehnt werden sollten.
Als Österreich Gastland bei der Frankfurter Buchmesse war, hat er einen Katalog mit den hundert wichtigsten Autoren geschrieben und sein Honorar dem GAV-Notkonto gespendet.
Und ein Vielleser mit nie nachlassendem Interesse ist er auch gewesen, der sich auf seine Pensionierung gefreut haben soll, weil er dann nur mehr als Privatmann forschen kann.
Und weil wahrscheinlich viele ihre Erinnerungen an ihn haben, war die Veranstaltung auch sehr gut besucht.
So habe ich Ann Cotten, Elfriede Gerstl, Herbert J. Wimmer, Daniela Striegl und Brigitta Falkner gesehen, aber auch viele Studenten und Studentinnen.
Und auch das Podium war prominent besetzt. Christoph Ransmayr hat in seinem Protokoll einer Lastwagenfahrt durch Indonesien von der Völkerverständigung durch das Vorlesen einer Zeitung in einer fremden Sprache beeindruckt, Ferdinand Schmatz seine Psalmen vorgetragen, während die ehemaligen Schüler Bernhard Fetz, Juliane Vogel und Ulrich Weinzierl ihre Erinnerungsgeschichten zum Besten gaben und, daß das Archivgespräch am Tag der Nobelpreisbekanntgabe und dem, an dem Josef Winkler den österreichischen Staatspreis bekommen hat, stattfand, ist ja auch interessant.
Preisverleihungen
Daß heute ein paar Betrachtungen über den Nobelpreis kommen, beziehungsweise über den Preisträger ist ganz klar. Also ein Artikel am frühen Nachmittag. Um halb eins läutet ja Horace Engdahl immer bei den Erwählten an und Philip Roth geht deshalb angeblich Jahr für Jahr nicht mehr aus dem Haus.
Um ein Uhr erfährt es dann die Presse und beim Mittagsjournal wurde gesagt: Josef Winkler erhält in diesen Minuten den großen Staatspreis der österreichischen Literatur für 2007, den Büchner Preis hat er 2008 bekommen, wer aber Nobelpreisträger wird, wird sich in diesem Journal nicht mehr ausgehen, zu berichten.
So war es dann auch, wie jedes Jahr, da drehe ich dann um zwei das Radio auf, wenn ich nicht im AKH beim klinischen Mittag war und erst am Nachmittag erfahren habe, Elfriede Jelinek, beziehungsweise Orhan Pamuk hat ….
Also geduldig sein und an der “Radiosonate” korrigieren, wo die Nobelpreisverleihung ja auch ein Thema ist und die Ich-Erzählerin Elsa Eisenstein am zweiten Donnerstag im Oktober auch immer erwartungsvoll zum Telefon läuft, um dann die Mitarbeiterin eines Callcenters in der Leitung zu haben, die ihr ein kostenloses Zeitungsabo aufschwatzen will.
Ich rekonstruiere also, was ich in diesen Jahr über die Favoriten gehört habe.
Die, die eine Woche vorher genannt und beschrieben werden, bekommen den Preis ja meistens nicht und so habe ich mir gerade ausgedruckt, Horace Engdahl hat vor einer Woche verlautbart, daß er die Amerikaner für nicht preiswürdig hält.
Das könnte zwar eine Finte sein, um Philip Roth nicht am Spazierengehen zu hindern und die Journalisten im Unklaren zu lassen, wünscht sich Marcel Reich Ranicky im lesesaal.faz.net ja ausgerechnet einen Amerikaner und kann sich, wie dort per Video zu hören war, nicht zwischen John Updike und Philip Roth entscheiden.
Horace Engdahl wünscht sich aber einen Europäer und da las ich weiter, hätten Claudio Magris und Antonio Lobo Antunes heuer eine Chance, sowie die in Rumänien geborene Berliner Autorin Herta Müller und dann noch, wie 2004, in Außenseiterposition genannt, Friederike Mayröcker, für die, wie ich mich zu erinnern glaube, der Nobelpreis 2004 auch nicht sehr erfreulich war, vor allem als sie gratulieren sollte.
Aber gut, wozu gibt es Internet, also tippe ich www.standard.at, ein, um prompt überrascht zu werden.
Die schwedische Akademie traf 2008 mit dem Franzosen Jean-Marie Gustave Le Clezio eine überraschende Wahl, kann ich nämlich lesen und mir das Bild eines sehr jungen Mannes ansehen, das aber von 1963 stammt.
Ich gebe es zu, von Jean-Marie Gustave Le Clezio habe ich noch nie etwas gehört, kann aber in Wikipedia lesen, daß der am 13. April 1940 in Nizza geborene, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Schriftsteller ist.
Die schwedische Akademie der Wissenschaften ist also immer für eine Überraschung gut. Ich gratuliere auch ganz herzlich und sollte etwas von dem Preisträger lesen, beziehungsweise mir in den Nachrichten anhören, was Ö1 dazu weiß.
In der Sendung “Im Gespräch” um 21 Uhr, gibt es aber ein Portrait des Doppelpreisträgers Josef Winkler, von dem ich schon einiges gelesen habe.
“Menschenkind” beispielsweise und auch “Domra” und Dieter Kaufmann hat in “Requiem für Picoletto” ja auch einen Josef Winkler Text vertont.
Und als ich mir 1996 geleistet habe, ein paar Tage nach Klagenfurt zu fahren und mich in das ORF Theater in die Sponheimerstraße zu setzen, ist Josef Winkler mit einem Auszug aus “Domra” das zweite Mal angetreten. Gewonnen hat er zwar nicht, sondern ein Text, der meiner Meinung nach, absolut nicht preiswürdig war, aber gut.
“Domra” habe ich später gelesen und “Roppongi” war vor einem Jahr in aller Munde.
Inzwischen hörte ich von Kristina Pfoser einiges von dem, was mir an der französischen Literatur entgangen ist.
Offensichtlich sind die anderen doch gescheiter, aber ich kann für mein Literaturgeflüster trotzdem einiges Lob verzeichnen. Otto Lambauer hat mir ja neulich einen tollen Kommentar geschrieben und Anni Bünkl wünscht sich eine bessere Verlinkung.
Also habe ich den Blogroll erweitert und werde auch noch die Grazer Autorenversammlung und das Wiener Literaturhaus hinzufügen und meinen Texten weiterhin gelegentlich Websiteadressen beigeben, die mir Alfred schon bisher verlinkte.
Bei den Nachrichten aus meinem Literaturleben werde ich aber auch in Zukunft sparsam sein und nur die Namen und die Geschichten erwähnen. Wer interessiert ist mehr über den Autor, die Autorin zu erfahren, kann das ja bei Wikipedia schnell recherchieren.
Und heute Abend habe ich vor, statt das Gespräch mit Josef Winkler zu hören oder einen Roman von Jean Marie Gustave Le Clezio zu lesen, in das Oratorium der Nationalbiblothek zu gehen und in dem Archiv-Gespräch in Memoriam Wendelin Schmidt-Denglers von dem Germanisten der Nation Abschied zu nehmen.