An meinen ersten Harlander Sommerwochenende bin ich Samstags mit dem Rad nach St. Pölten gefahren, um nachzusehen, ob es bei Thalia einen Bücher-Abverkauf gibt, denn da gibt es öfter Anfang Juli “Ein-Euro-Bücher”, wo ich mich dann nicht nur für den Sommer einsehe, voriges Jahr hat es zwar nicht so viel davon gegeben. Dafür heuer um so mehr. Ganze Stöße Bücher, jedes Stück, um nur einen Euro und so habe ich zu meinen fünftausend Büchern, die ich schon besitze, noch zehn Stück hinzugefügt.
Einen Roman von der Ulla Berkewicz, einen vom Thomas Lehr, einen vom Ralf Rothmann, die Biografie der letzten Tage von Egon Fridell und einen Roman von Märta Tikkanen aus der Reihe neue Frau, um nur einige Gustostückerln herauszustreichen.
Die Frage ist zwar, wann und ob ich das alles lesen werde, was realistisch betrachtet unmöglich ist, umsomehr, da ja das Schreiben absolute Priorität besitzt und ich auch oft zu Lesungen gehe und dann auch noch berufstätig bin, aber Bücher waren mir schon immer wichtig und haben einen gewissen Suchtcharakter. In gewisser Weise bin ich eine Sammlerin, obwohl ich mir das richtige Kaufen schon lange abgewöhnt habe und es eigentlich nur mehr bei den ein Euro-Schnäppchen probiere.
Und die gab es voriges Jahr bei Buchlandung lange Zeit und im Sommer manchmal im Juli bei Thalia St. Pölten und dort gibt es dann eben wirklich Sonderstücke, die man jetzt oder nie bekommt. Wenn ich dann etwas aus den logischen Gründen nicht kaufe, bereue ich es später meistens, so vor einigen Jahren ein Buch von Peter Zimmermann, das ich erst kaufen wollte, als schon ein anderer zuvorgekommen war und so habe ich “Last exit Odessa” nie gelesen, aber 2004 , “Die Zusteigerin oder die Reise nach Odessa”danach geschrieben und literarische Assoziationen zu Harland/St. Pölten sind natürlich Manfred Wieningers Harland-Krimis, die mich bzw. das Leichenhaus oder die Polizeidirektion in Harland immer noch faszinieren, so daß ich, als Alois Eder vor ein paar Jahren einen Harland Text von mir wollte “Nebenwohnsitz Harland-Stadt” im Best of 2 , Eva Jancak Lesebuch enthalten, geschrieben habe. Diesen Text habe ich auch beim heurigen Osterspaziergang der literarischen Gesellschaft St. Pölten gelesen und diesen Samstag, die Harlander Erinnerungen von Reinhard Gerlach, die dieser 2007 im Selbstverlag herausgegeben hat und die so zu meiner Schwiegermutter gekommen sind.
Schreibworkshop
Gestern war ich also in der Thalia-Buchhandlung und habe bei einem Schreibworkshop zum Thema “Portrait erstellen” mitgemacht, das sehr voll war und auch sehr informativ.
Es gibt also viele jüngere und ältere Personen, die sich für das Thema Schreiben interessieren und inzwischen schon sehr viele Angebote zu Schreibkursen und Seminaren.
Solche, die wie gestern gratis waren und als erste Anregung dienen und auch viele andere, bei denen sich Autoren ihr Zubrot verdienen oder gänzlich davon leben.
Als ich vor fünfunddreißig Jahren zu schreiben angefangen habe, war das ganz anders. Damals glaubte man noch nicht, daß man das Schreiben lernen kann und der Arbeitskreis schreibender Frauen, bei dem ich dann landete, war meines Wissens das erste dieser Art.
Ich habe das Schreiben trotzdem erlernt und kann es inzwischen auch recht gut und denke, daß es gut ist, daß es inzwischen viel zu diesem Thema gibt.
Unzählige Bücher zum Thema Schreiben und sehr viele Seiten im Internet. Wenn ich das damals schon gehabt hätte, hätte ich mir sicher leichter getan, so kann ich mich darüber freuen, daß ich auf vieles selber darauf gekommen bin und habe bei der Portraitübung eine Charaktersierung einer meiner Figuren aus der “Radiosonate”, an der ich gerade schreibe, gemacht und das Ganze vorgelesen.
Als ich in den Arbeitskreis schreibender Frauen gekommen bin, habe ich noch meine Freundin Elfi mitgenommen, die meinen Text vorgelesen hat, weil ich mich das noch nicht getraut habe. Dafür wurde ich damals kritisiert und mit der angeblich konstruktiven Kritik, die dort geübt wurde, habe ich mir schwer getan.
So finde ich es spannend , daß soviele Menschen Texte schreiben und sie sich auch vorlesen trauen. Bei dem spannenden Thema, was ist Literatur?
Kann man sie lernen, darf man schreiben oder doch nur lesen und dann vor allem, muß ich einen Verlag finden und was ist, wenn ich keinen finde? Darf ich dann meine Bücher selber machen? Zum Beispiel im Book on demand und im Digitaldruckverfahren, wo es inzwischen schon viele Möglichkeiten gibt, es schnell geht und auch leistbar ist, nur darf man das heute noch immer nicht laut sagen, weil die erste Frage immer noch die nach dem Verlag ist.
In zehn, zwanzig Jahren wird sich auch das ändern, wird, wie ich hoffe, selbstverständlicher sein, so wie es in den Schreibseminaren schon selbstverständlich ist, daß Schreiben Kreativität, also aktive Betätigung bedeutet und es schön ist, wenn man es tut und, daß man sich damit auch präsentieren darf.
Es gibt aber schon Ansätze, den “Schreib-weiter-Krimi” im Thalia-Krimi- Sommer zum Beispiel, wo es interessanterweise ausgerechnet, um dieses Thema geht, um den “erbärmlichen Thriller und die seelenlose Reißbrettarbeit, die kein Verlag dieser Welt haben will” und von dem Alptraum, in der Thalia-Buchhandlung zu sitzen und sein Buch hunderten erwartungsvollen Augenpaaren und noch ein paar Fotografen vorzutragen.
Interessant nicht wahr? Diesen Krimi habe ich inzwischen in meinen Sinn fortgesetzt und zu den O-Tönen ins Museumsquartier bin ich gestern nicht mehr gekommen, habe heute aber im Morgenjournal gehört, daß Franz Schuh ein großes Publikum hatte.
Sommerfrische
Ab heute habe ich einen neuen Blog in dem ich meine Ansichten über das Schreiben, die Literatur und deren Betrieb in die Welt setzen will, nach dem ich mich jetzt ein Jahr lang mit einigen literarischen Seiten anderer beschäftigt habe und mir vorigen Freitag und Samstag ein intensives “Blockseminar” mit dem heurigen Bachmannpreislesen gegeben habe, die mich auf die Idee gebracht haben, das ab sofort selbst zu tun.
Gleichzeitig ist der Sommer herangekommen, in dem ich mich auf Sommerfrische nach Harland bei St. Pölten begeben werde, diese Woche bin ich durch die Sommerakademie des Instituts für jüdische Geschichte Österreichs, Thema “Die Willkür der Zahlen” und durch einige berufliche Termine noch in Wien geblieben.
Heute gibt es bei “Thalia” ein Schreibworkshop mit Irene Rauch vom Writers Studio, anschließend wird O-Töne im Museumsquartier eröffnet und dann fahre ich aufs Land, wo ich Radfahren und weiter an meinen Roman schreiben werde, um im Juli und August nur tageweise nach Wien zu kommen.