Jetzt kommt, während wir auf den Weg nach Frankreich sind, ein höchst aktuelles Bufch, Ulrich Woelks “Mittsommertage”, ein Sommerbuch also, da habe ich in diesen Sommer ohnehin nur recht wenige und ungeplant gelesen. Es ist ja Anfang oder fast Mitte August. Also passt es ausgezeichnet und dann wieder nicht. Denn es ist eigentlich ein politisches Buch und noch dazu ein höchst aktuelles. Eines, wo man nocnh PCR-Tests machen muß, wenn man in den Reichstag oder in ein Pflegeheim muß. Eines, wo sich die Klieberkleber auf die Straßen kleben und die Sommer vierzig Grad haben.
Also eines, das im vorigen Jahr, wo das alles so war, geschrieben wurde und es stammt von dem 1969 in Bonn geborenen Ulrich Woelk, von dem ich schon sein Buchpreisbuch und vor zwei Jahren, glaube ich, im Zelt, das wir in den höchst Corona-Zeiten vor Ruths Sommeraufenthalt unter einem Baum parkten, las und ich wundere mich oder frage mich ein bißchen, wie das Buch aufgenommen werden wird?
Höre ich doch immer Bücher, wo Corona ,vorkommt werden eher bekrittelt, obwohl dieses ja nicht kritisch ist, sondern die Zustände von 2022 nur erwähnt. Also höchst realistisch ist, aber das gilt ja eigentlich nicht für Literatur, wo man alles verfremden muß, um, als das zu gelten. Aber mir hat es gefallen. Wahrscheinlich weil es auch ein bißchen kitschig ist und ich ebenfalls höchst realistisch schreibe.
Also, es geht um eine Sommerwoche eines Mittelschichtpaar in Berlin und erzählt den Alltag einer Ethikprofessorin, Ruth Lember genannt, das in einer Kathastrophe endet. Also ein bißchen übertrieben ist, weil zu viel auf einmal passiert. Aber den realistischen Alltag des Sommers 2022 sehr realistisch erzählt. Am Schluß steht ,natürlich alles nur erfunden. Die Realität aber bleibt. Auch wenn man in Österreich und Deutschland, wie Studien zeigen, wahrscheinlich mehr an den Teuerungen, die nicht erwähnt werden, also an der Klimakrise interessiert ist.
Da gibt es also Ruth Lember, eine fünfundfünzigjährige Ethikprofessorin, die in den Ethikrat einberufen wird. Also am Höhepunkt ihrer Karriere steht. Sie hat einen Mann namens Ben, der gerade einen Architekturwettbeweb gewinnt und eine Ziehtochter, die eigentlich, die Stieftochter, nämlich die Tochter Bens ist, aber da wird, wahrscheinlich, weil das zu konventionell ist, die altmodische Bezeichnung gewählt und, wie das bei den Karrierfrauen so ist, geht sie am Montag morgen bevor sie in die Uni aufbricht joggen. Da wird sie von einem Hund gebissen und die Katastrophe, bis alles in den Scherben liegt, aber Ruth natürlich weiterkämpfen wird, beginnt.
Die Hundehalterin entschuldigt sich. Ruth zeigt nicht an, sondern geht in ihre Vorlesung, wo sie die Philosophie mit dem Klima verbindet und fragt, ob Tiere eine Seele haben? Was sie dabei stört ist ein älterer Herr mit Maske im Hintergrund, der sie offenbar stalkt. Den trifft sie dann in der U-Bahn wieder. Die Wunde schwillt an. Sie geht erst am Abend in die Notaufnahme. Muß da drei Stunden warten und wenn man ein Notfall ist, muß man erst durch Schummeln und Übertreibung auf sich aufmerksam machen. Auch das ist wahrscheinlich die Realistät von 2022-23 und die Folgen der Corona-Krise.
Ben gewinnt den Wettbewerb, Ruth geht in sein Büro und wird dabei auf seine jüngere <kollegin eifersüchtig. Aber zu ihr kommt inzwischen der Unbekannte ins Sprechzimmer. Es ist Stav oder Gustav, ein früherer Liebhaber oder Mitumweltaktivist. Denn vor dreißig Jahren, als Ruth noch studierte, hat sie sich auch politisch engagiert und mit Stav einen Strommast durchgeschnitten, wobei ein Reh ums Leben kam.
Man sieht die Metaphern. Der Proifi hat das alles offenbar perfekt durchgeplant und Stav hat eine Schachtel, wo Briefe und Bekennerschreiben drin liegen. Was soll er damit tun und soll sie sie verbrennen? Ist das ethisch, wenn sie mit dieser Vergangnheit in den Ethikrat geht? Sie geht vorläufig in sein Hotel, holt das Kuvert und erleidet dabei einen Schwächeanfall, so daß sie am Donnerstag oder Freitag im Krankenhaus aufwacht. Da wirds vielleicht schon ein wenig kitschig. Ben kommt und holt sie ab. Sieht Stav wird eifersüchtig. Sie muß ihm die Jugendsünde beichten. Sie kehren in ihr Haus zurück, wo sich die Ziehtochter, die in Leiphzig Kommunikation studiert, angemeldet hat. Sie erzählt von den Klimaklebern und davon, daß sie mitmachen will.
Ben will das nicht und fordert Ruth auf Jenny von ihrer Vergangenheit zu erzählen. Die ist begeistert. Dann sind wir schon beim Samstag, wo Ruth ihren Vater im Plegeheim besucht. Auf der Autobahn oder Straße kommt sie in einen Stau und wird auch von einem Kollegen angerufen, der sie fragt “Warum hast du das ins Internet gestellt?”
Es war aber die liebe Jenny, die sich damit wichtig machte. Der Shitstorm braust los und Ruth fährt in das Auto vor ihr, bekommt damit auch Schwierigkeiten mit der Polizei, denn man darf ja nicht mehr im Auto telwfonieren. Ein freundlicher Autofahrer nimmt sie mit, nachdem ihr Leihauto abgeschleppt wurde und sie geht zu Ben ins Büro. Aber der ist nicht da, schreibt aber etwas später, er wäre noch dort und wird erst spät nach Hause kommen.
Das tut er dann auch. Es kommt zu Streit. Sein geliebtes Kindergartenmodell, wo er den ersten Preis gewonnen hat, geht dabei in Fetzen und er gesteht ein Verhältnis mit der jungen Architektin. Es kommt aber noch ärger. Jenny ruft an. Sie ist bei einer Sprayaktion festgenommen worden und als Ruth ihre Mails durchsieht, sieht sie die Kathastrophen. Sie wird von der Uni freigestellt. Der Ethikrat muß auch beraten. Nur ein Student bedankt sich und will bei ihr seine Diss schreiben und als sie am nächsten Morgen spazieren geht, kommt ein kleiner Hund, setzt sich auf ihren Schoß und verschwindet wieder, damit das Leben weitergeht.
Kitschig natürlich aber äußerst spannend und die Realität, nur etwas übertrieben erzählt. Übertrieben sind wahrscheinlich nicht Ereignisse, sonder die zu gehäufte Darstellung und ich bin gespannt auf die Reaktionen des Feulletons und natürlich auch, ob das Buch auf die deutsche Buchpreisliste kommt.? Ich würde mir das wünschen, glaube es aber aus den oben genannten Gründen nicht.

