Aus Tagebüchern

Jetzt kommt ein skurriles Leseerlebnis, nämlich Erika Pluhar “Aus Tagebüchern” aus der Reihe “Neue Frau”, in den Siebzigerjahren erschienen und die 1939 in Wien geborene Erika Pluhar, die Burgschauspielerin, hat, glaube ich, nach Ende ihrer Karriere zu schreiben begonnen oder hat das früher schon getan. Die Tagebücher mit den schönen Zeichnungen sicher. Sonst bin ich auf die Autorin aufmerksam geworden, als es eines Tages an der Türe läutete oder ich im Postkästchen ihr “Spätes Tagebuch” gefunden habe. Da habe ich an einem Gewinnspiel teilgenommen und es längst vergessen und später noch das “Ende des Garten” im Schrank gefunden, wo es auch um das autofiktione Schreiben geht, das die Schauspielerin, die in den Siebziger-Achtzigerjahren, um Peter Vogel, Andre Heller, etcetera auch skandalumwittert war, wahrscheinlich mit der letzten Nobelpreisträgerin gemein hat, obwohl es auch erzählende Texte und Romane von ihr gibt, wo ich auch schon einiges gefunden habe und die Reihe “Neue Frau” an die ich damals unser Arbeitskreis-Manuskript “Spuren sichern Gewalt an Frauen- Frauen gegen Gewalt” schickte und von Angela Praesent, der Herausgeberin zu hören bekam, daß ein Expose etwas anderes ist.

Trotzdem habe ich mir die Reihe als frauenbewegte feministischte Frau gekauft, so auch Erika Pluhars “Aus Tagebücher” aber höchst wahrscheinlich nicht gelesen und so habe ich vor einer Woche aufgejauchzt, als in Saint Denis d´ Oleron vor dem kleinen offenen Bücherkästchen stand und da zwei deutschprachige Bücher fand.

“Hast du sie hineingestellt?”, habe ich die Doris gefragt, die den Kopf schüttelte, aber in dem gegenüberliegenden Bücherflohmarkt hat es auch einige deutsche Bücher aus den Siebzigerjahren gegeben und keine Ahnung, daß ich das Buch schon hatte. Ich habe es aber auf der Rückfahrt als ich mit den drei französischen Büchern, wo zwei davon auch noch sehr dünn waren, fertig war, damit begonnen, weil ich mich doch nicht an das Französische trauen wollte und das Buch ist auch sehr interessant. Es gibt schöne Zeichnungen und handschriftliche Notizen und am Buchrücken steht, daß die Autorin “Ihre Tagebücher zur Selbstbewahrung in einem Beruf, der fordert sich den Menschen auszuliefern”, schreibt und das Buch enthält Texte von 1969 und 1980, also eine Zeit, wo ich von der Straßergasse auf die Uni wechselte, Psychologie studierte und im Jänner 1980 promovierte und auch schon Mitglied im “Arbeitskreis schreibender Frauen” war.

In dieser Zeit bin ich auch manchmal ins Burgtheater gegangen und habe da wahrscheinlich auch die Pluhar, wie im Fernsehen gesehen, die sich auch als Sängerin betätigte und sich politisch engagierte.

irgendwo in dem Buch steht etwas von einer “hatscherten bürgerlichen Sozialistin”. Die Angst vor dem Alter kommt vor, damals war die Pluhar dreißig, die Neurosen und die Angst, um ihre Tochter Anna, die inzwischen, glaube ich, gestorben ist. Das “Späte Tagebuch” thematisiert diesen Thema. In dem Ersten geht die Tochter in der Schweiz in die Schule und wenn man an dem Buch etwas kritisieren kann, ist, daß die Anmerkungen fehlen. So wird erzählt, daß sie da und dort mit dem und dem unterwegs war und man weiß nicht recht ist der H. jetzt der Heller und der Franz ist das wahrscheinlich auch.

Also eine sehr intensive Einsichtsnahme in das Gefühlsleben einer ungewöhnlichen Frau, die wahrscheinlich ehrlicher und authentischer sind, als dasm was jetzt wahrscheinlich lektoriert werden würde. Schwer zu verstehen ist es wahrscheinlich für einen, der nicht in Wien lebt und sich daher bei einigen nicht ganz auskennen wird. Aber trotzdem interessant und auch das Leseerlebnis, das Buch 2023 auf der Rückfahrt von Frankreich zu lesen.

Als ich in meinen Buchkatalog sah, daß ich das Buch schon hatte, habe ich von der Doris den Kommentar bekommen, daß es wahrscheinlich nach Österreich zurückwollte.

Jetzt werde ich es also in Wien in den Kasten stellen, wo sich die Finder wahrscheinlich nicht freuen werden, denn Erstens unterstreiche ich ja alles und Zweitens ist das Buch schon sehr alt und daher beim Lesen etwas zerfallen.

Das andere werde ich bei meinen Bücherbergen aber nicht mehr finden. Aber trotzdem interessant, den Werdegang des Buches nachzuvollziehen und jetzt würde ich noch gerne wissen wollen, wer es in Frankreich in den Schrank stellte?