Jetzt eines der Bücher des 1956 in Krems an der Donau geborenen Helmut Steiner, den ich vor einigen Jahren in der dortigen Galerie kennengelernt und bei der letzten KritLit wiedergetroffen habe.
“Welchem Genre gehört “Wahnviertel” an?”, hat mich bei der Wanderwoche Astrid gefragt, “-ist es ein Krimi?”
“Das weiß ich noch nicht!”, habe ich geantwortet und würde jetzt das Buch dem fanatastischen Realismus mit österreichischen Prägung zuordnen, beginnt das fünfhundert Seiten Buch, das sich sicher kürzen ließ, mit dem Looser Franz einem ehemaligen Softwarentwickler mit vermüllter Wohnung, der gern dem Wein und dem Bier zuspricht.
Der hat in sich überirdische Fähigkeiten entdeckt und kommuniziert jetzt mit einem “Überfranz”, der ihm zunehmend entgleitet. Helmut Steiner hat sich offensichtlich ein bisschen an Freuds “Es -Ich -über-<ich” angeleht und dann führt er uns in die Götterwelt der Griechen ein.
Ein bisschen diesbezügliches Vorwissen wäre da vielleicht gut, um das Buch besser zu verstehen, ohne geht es aber wahrscheinlich auch. Denn der Übergottvater Zeus ist offensichtlich ein bisschen dement geworden, jagt aber immer noch den schönen Frauen, hier einer Opernsängerin nach, dabei verliert er seinen Zauberstab, wird in eine Schlange verwandelt und das phantastische Ringen beginnt.
Er kommt nach Krems und Umgebung. Hier hat Franz auch einen Weinberg oder Keller in dem er sich zurückzieht, heuert einen Bauern als Diener an, den er dann zum Priester weiht und verwandelt alle Widersacher, die ihn fangen wollen, in Spatzen. Die übrigen Götter sind auf seiner Spur und so kommt es in den Weinbergen zu wilden Spektakeln, die ganz sanft nämlich mit einer Kunstausstellung, die Franz besucht, beginnt. Da verliebt er sich in den “Thron des Dionysus oder sos” und schließt mit dem ihm erschaffenden Künstler einen Pakt ab, wenn er sich den “Wahngöttern” würdig erweist, darf er sie Skulptur ein Jahr in seinen Garten aufstellen. Er wird auch zu einem Poetry Slam eingeladen, wo er sich mit den Göttern messen soll und damit das besser gelingt, bekommt er Unterstützung von Brigitte, einer arbeitslosen Journalistin, die ebenfalls in Besitz eines der Weinberge ist.
Die Beiden verlieben sich ineinander, besiegen die Götter. Franz lehnt ab, selbst zum Gott zu werden, denn er will keine übersinnlichen Kräfte mehr. Überfranz hat sich schon von ihm verabschieden und so ziehen sich die Beiden an Meer zurück. Vorher wird noch ein großes Fest gefeiert und um dem Kapitalismus zu entgehen, kommen sie auch auf eine geniale Idee, nämlich das Handy abzudrehen. Etwas was ich nicht nachmachen kann, weil ich ja keines besitze.
Spannend spannen was es alles abseits der Bestseller und buchpreisliteratur zu lesen gibt. Helmut Steiner hat noch einige andere dicke Bücher geschrieben, die sicher ebenfalls interessant zu lesen sind.