“Zwei Essays über Kunst und Politik”, sind in dem eher dünnen “Diogens-Büchlein” enthalten, das ich im Postkasten vorgefunden habe, als ich von Frankreich zurückgekommen bin und interessant sind da vor allem die Autoren, die die Essays geschrieben haben.
Oder hauptsächlich einer davon, nämlich der 1903 geborene George Orwell, dessen “1984” ja in den letzten Jahren besondere Berühmtheit bekommen hat und ich mich ja bekanntlich auch damit beschäftigt habe.
Der zweite Ator ist der 1948 in Hamphire geborene Ian Mc Ewan, der 2021 eine “Orwell memorial lecture” gehalten hat und sich da mit dessen 1940 erschienen Essay “Im Inneren des Wals” mit dem Titel “George Orwell außerhalb des Wals” beschäftigte.
“Diogenes” hat jetzt beide Texte abgedruckt, die sich, wie schon geschrieben, mit der Kunst und der Politik beschäftigt und da hat George Orwell mit dem 1935 erscheinen Roman “Wendekreis des Krebes” von Henry Miller beschäftigt.
Dann kommt er auf den Lyriker A. Houseman, der ihn in seiner Jugend sehr beeindruckt hat, worauf er auf die Dichter der Neunzehnhundertzwanzigerjahre kommt und sie denen der Neunzeh dreißiger gegenüberstellt, die in England offenbar alle kommunistisch waren, worauf er zu dem Schluß kommt, daß ein Dichter nicht politisch sein darf, weil er dann nicht mehr ehrlich seine Meinung äußern kann.
Dann kommt er wieder zu Henry Miller beziehungsweise zu Jonas und dem Wal zurück, was offenbar als Metapher zu verstehen ist, daß man sich als Schriftsteller nicht politisch äußern, sondern sich lieber in den Bauch des Wales zurückziehen kann, wo er vom “Lärm der Zeit” nichts mitbekommt.
Der Unterschied zwischen den Schriftstellern, die vor oder nach den ersten Weltkrieg schrieben wird erklärt und auch, daß Henry Miller, als er ihn auf seinen Weg nach Spanien in Paris traf, nicht verstehen konnte, wie man sich am spanischen Bürgerkrieg beteiligen kann, weil er ein aufrechter nach vorne schauender Pazifist war, der seine Meinung aber niemanden aufdrängen wollte.
Mc Ewan erwähnt dann in seinem Essay den Besuch Millers auf Orwells Weg nach Spanien und betont, daß die Beiden sehr unterschiedlich gewesen wäre. Miller war freiwillig im Exil in Paris und daher so etwas wie im Inneren des Wals, während sich Orwell politisch betätigte.
1957 hat Albert Camus, der mit Geoge Orwell, das Schicksal der Tuberkuose teilte und ein ebenso starker Raucher war, die sich aber nie getroffen haben, den Nobelpreis bekommen und in seiner Rede über “Den Künstler in seiner Zeit” erwähnt. McEWan kommt dann zudem englischen Schriftsteller Henry James und seinem Text”Die Kunst der Dichtung” und meint, daß Prinziipen erwähnt, die auch Orwell anerkennt “Eine Kunst, die es unternimmt, das Leben so unmittelbar nachzuschaffen, kann sich nur entfalten, wenn sie vollkommen frei ist.”
Da sind wir schon bei der Fantasie, die frei bleiben muß und “1984” das Ausdrücken wie Gedankenpolizei” und “Doppeldeck” prägte, die inzwischen im allgemeinen Sprachgebrauch sind, ein Roman der Salman Rushdie nicht gefallen hat, weil er den Eindruck macht, daß “Kampf zwecklos sei” und kommt dann zu dem berühmten Wal zurück und der Tatsache, daß es der heutige Schriftsteller schwer hat, drinnen zu bleiben. Das Internet, das Handy etcetera holt ihn ständig heraus und mit der Einsamkeit in der sich die Fantasie frei entfalten kann, ist es vorbei oder sehr schwierig geworden und wenn sich der Künstler politisch äußern soll, sich also für die Freiheit der Unterdrückten einsetzen, muß er den Wal auch verlassen und da gibt es ja so brandheisse Themen, wie den Klimawandel, den Brexit, Corona und die Unterdrückung der Meinungsfreiheit, die ja abgeschafft werden soll, füge ich hinzu und in dem chinesischen Sozialsystem kann Orwells “1984” auf höchstmoderne Art und Weise forgeführt werden und wie kann sich der moderne Schriftsteller innerhalb des Wales am besten mit solchen Themen auseinandersetzen?
Da zitiert Mc Ewan einen Haiku aus dem siebzehnten Jahrhunderts “Der alte Teich Ein Frosch springt hinein Vom Wasser ein Geräusch”
Während George Orwell in seinem Essay nur eine einzige Frau zitiert, kommen die bei Mc Ewan öfter vor. Denn Margaret Atwood, Barbara Winterson, Hilary Mantel etc beschäftigen sich ja mit politischen Themen und haben den Walspeck solcherart verlassen.
Aber die Froscharten sind inzwischen ausgestorben. Es gibt inzwischen viel weniger als im siebzehnten Jahrhundert und daran kann man den Stand der Natur ablesen und so haben sich laut Mc Ewan die Bedingungen Walinneren inzwischen sehr geändert.
Ein sehr interessantes Buch und ein interessanter Versuch die beiden Texte hintereinander zu lesen. Denn die Meinungsfreiheit ist, in Zeiten, wie diesen, wo überall die soziale Überwachung droht, sehr wichtig und der oder die Schriftstellerin höchstwahscheinlich besonders gefordert sich politisch zu oäußern, als die innere Bequemlichkeit zu verlassen.
Wir brauche mehr Covidromane würde ich fordern, die sich mit dieser Zeit kritisch außereinadersetzen. Die, die sich mit dem Umweltschutz beschäftigen, sind, glaube ich, schon da.