Kalmann und der schlafende Berg

Jetzt kommt ein Buch an dem man sehen kann, wie ein Krimi auch funktionieren könnte, eine Krimisatire vielleicht, die mich sehr beeindruckt hat, des 1981 in der Schweiz geborenen Joachim B Schmidt von dem ich schon “Tell” gelesen habe,der mit seiner Familie in Island lebt und schon ein Buch mit dem Helden “Kalmann” geschrieben hat.

Bei “Amazon” wird geraten, den ersten Teil zu lesen, um sich auszukennen. Aber Schmidt hat sich, glaube ich, ohnehin viel Zeit genommen, das Bisherige zu erklären und Kalmann ist ein interessanter Held, nämlich ein Behinderter, ein Mensch mit Lernschwierigkeiten, “Downie” steht an einer Stelle wird aber sofort dementiert und auch sonst riskiert Schmidt einiges, spielt das Buch nämlich während der Pandemie, im dem berühmten Jänner 2021, wo der Sturm auf das Kapitol stattfand und man eigentlich nicht in die USA reisen konnte.

Der Held Kalmann tut es aber, denn, wenn das Buch beginnt, wurde er vom FBI festgenommen und von einer schwarzen Agentin verhört. Der erzählt er, was bisher geschah. Nämlich, daß er bei seiner Mutter und seinem Großvater aufgewachsen ist. Der Großvater hat ihn das Fischen und Jagen beigebracht und im ersten Teil hat der Sheriff von Raufarhöfn, wie er genannt wird, weil er immer mit einen Sheriffhut und einem Stern herumläuft, einen Eisbären erjagt.

Der Großvater, inzwischen dement geworden, ist gestorben. Kalmann hat ihn noch im Pflegeheim besucht und seine letzten Worte hat der Großvater auf Russisch gesprochen. Das erzählt Kalmann seinem Freund Noi und der bringt ihn auf die Idee, daß der Groüßvater ermordet wurde.

Eine dumme Idee. Aber Kalmann jagt ihr nach. Zuerst kommt aber ein Mail von seinem amerikanschen Vater, der ihn einlädt ihn zu besuchen. Die Mutter hält das für eine hervorragende Idee und organisiert die Reise, so daß Kalmann mit Maske, etcerta, dorthin fliegen kann. Der Vater und seine Familie sind offenbar Trump Anhängern, sie ballern herum und brechen dann mit Kalmann nach Washington auf, um den Präsdienten zu unterstützen, bzw. an der Demo teilzunehmen.

Dort wir Kalmann dann vom FBi eingefangen und die Agentin erzählt ihm, daß der Großvater auf der schwarzen Liste steht, weil er Kommunist war und wird dann nach Island zurückgeschickt.

Die Mutter holt ihn in Reykjavik ab und die Beiden müssen jetzt in ein Hotel in Quaratäne.

“Scheiß Pandemie!”, formuliert Kalmann da und kommt dann irgendwann doch nach Raufarhöfn zurück und kann die Spur aufnehmen.

Eine Tante Telma gibt es auch, die er erst beim Begräbnis kennengelernt hat und einen anderen alten Kommunisten, den er aber, als er ihn besuchten will, erschossen auffindet.

Jetzt überstürzen sich die Ereignisse und es geht zum “schlafenden Berg “, den die Amerikaner im World War II als Radarstation beziehungsweise Munitionlager benutzen. Jetzt ist der Berg verschmutzt und ein alter, ebenfalls schon kranker CIA-Agent taucht auf, schleppt mit einer Pistole bewaffnet, Kalmann auf den Berg, der dann in die Luft fliegt und Kalmann hat wieder alles aufgeklrt und wird von hundert Fernsehanstalten interwievt. Wirklich interessant einen Menschen mit mentalen Schwierigkeiten zum Helden zu machen, der mit Witz und Naivität alles aufklrt und, wie, ich glaube, brillant beschrieben wird.

Erkenne ich ihn doch in den “Ohrenschmaus Texten” wieder und ich denke, daß da über Corona wahrscheinlich genauso gedacht wurde “Das Scheiß Corona Virus” die Fernsehwirklichkeit mit der Wirklichkeit vermengt wird. Denn Kalmann lebt ja in einer Fernsehwelt, fabuliert naiv vor sich hin und wird deshalb zum Helden.

So können Krimis sein, denke ich und so mag ich sie auch lesen. Also bin auch ich, wie die “Amazon Rezensenten” auf eine Fortsetzung sehr gespannt.

Tell

Das Schweizer Nationalepos aus dem vierzehnten Jahrhundert von Friedrich Schiller erfolgreich dramatisiert wurde jetzt von dem 1981 Schweizer Joachim B. Schmidt, der in Island lebt nicht neu oder nachgeschrieben, wie am Buchrücken des “Diogenes-Buchs” steht, sondern “zu einem spannenden Thriller in beinah hundert Sequenzen mit zwanzig verschiedenen Protagonistenstimmen”, gemacht. “Modern, frisch, und mit einen unwiderstehlichen Sog.”

“Stimmt!”, kann ich schreiben, obwohl ich das Anfangs gar nicht glaubte und vor dem Lesen fast bereute, daß ich mir das Buch zuschicken ließ. Denn was soll ich mit einer Schweizer Heldensage und dem Nationalhelden aus dem vierzehnten Jahrhundert? Irgendwann habe ich das Schiller Drama ja wohl gesehen oder in der Schule gelesen.

Bestellt habe ich es mir, weil es da ja einmal einen “Diogenes-Talk” gab, den ich fast verschlafen habe, also vor Rudi Anschobers “Pandemia” auf das ich schon sehr warte, weil die Pandemie, wie ich überall höre, ja noch nicht vorbei sein darf, noch hinein in die Schweizer Alpen und wie schon geschrieben, ich wurde überrascht und kann das Buch nur sehr empfehlen, auch wenn man, wie ich bei dem historischen Romanen schon beim ersten Weltkrieg aufhören will.

Es beginnt mit einem Bären und den sieht Hedwig, die Frau des Wilhelm Tell, es gibt ja die fast hundert kurzen Kapitel, ich habe sie nicht nachgezählt, die immer einen Protagonistennamen tragen. Tell jagt mit seinem Sohn Walter, der eigentlich der seines Bruders Peter ist, der in den Bergen einmal verunglückte, ihm nach und hat das Pech dabei vom Llandtvogt Gessler erwischt und des Wilderns verdächtigt zu werden. Der schickt von seinem Helfer Harras angestachelt, dann die Soldaten um ihn zu bestrafen und klauen ihm den Leiterwagen, die Großmutter verhindert, daß es dabei zu etwas Schlimmen kommt, fällt aber um und stirbt, was Tell noch rasender macht. Mit seinem Buben Walter gräbt er die Leiche dann ins Tal zu Vater Taufer hinab und dann muß er eine Kuh verkaufen.

Dazu muß er in die Stadt und den berühmten Hut grüßen, tut er nicht, weil er ihn nicht bemerkt, die Schergen oder die jungen Soldaten, die meisten immer betrunken sind, tun das aber und Gessler erscheint mit Harras ebenfalls und gibt den Auftrag, daß er den Apfel von Walters Kopf schießt. Tell hat den zweiten Pfeil im Köcher, wird danach gefangengenommen und soll über einen See irgendwohin geführt werden. Das Boot kentert, Tell kann aber schwimmen, richtet alle und zieht dann los in die Berge, um dort weiterzuleben oder nach seinem toten Bruder zu suchen, der genauso, wie ein Gespenst über allen schwebt, wie auch die Tatsache, daß der frühere Priester Vater Loser, VaterTaufer und auch Tell, als sie Kinder waren vergewaltigt hat. Die Mißbrauchserfahrung muß natürlich auch noch in die Legende hinein, ist es ja ein spannender Thirller geworden und am Schluß scheucht Lotta, die jüngste Tochter, die damals noch ein Baby, jetzt aber schon Großmutter ist, den Schreiber weg, der sich nach all dem erkundigt, obwohl man sich ja jetzt, wie die Tochter sagt, nicht mehr fürchten und die Geschichte auch nicht mehr vertuschen muß.