“Ein Stundenbuch der Liebe”, der 1940 geborenen Helga Schubert, der DDR-Autorin, die auch Psychologin und oder Psychotherapeutin ist, in den Achtzigerjahren in der Jury des “Bachmannpreises” war und den dann 2020 gewonnen hat.
Daraus ist der Erzählband “Vom Aufstehen” entstanden, der auch für den “Leipiger Buchpreis” nominiert war und nun der Band in dem die über Achtzigjährige die Pflege ihres älteren Mannes beschreibt, der sie nicht mehr erkennt, im Rollstuhl sitzt und von Hospitzschwestern betreut wird.
Das Buch schuldert abwechselnd den Pflegealltag, als auch den Lebenslauf der Psychologiestudentin, die später ihren Professor Johannes Helm, im Buch Derden genannt, der auch malt, heiratet.
Beide waren als sie ihn kennenlernte, verheiratet und hatten Kinder und es ist erst später zu der Ehe gekommen, was wie Helga Schubert schreibt nicht so einfach war ihren Derden von seiner Frau wegzubekommen, was sie einige Wohnungstäusche kostete und ihr jetzt, wo sie ihn ja pflegen muß, immer noch durch den Kopf geht.
Sie haben dann ein Bauernhaus in Mecklenburg gekauft, wo die Pflege des alten Derden sehr aufwendig und auch sehr belastend ist und von Helga Schubert die volle Aufmerksamkeit und ganze Kraft fordert, so daß sie sich öfter in Wohnungsannauncen flüchtet und überlegt, ob es ihr einmal so wie ihren Ehemann gehen wird? Was wird dann sein, wenn sie so alt, wie jetzt Derden ist, fragt sich die um dreizehn Jahre jüngere.
“Dann sind wir da!”, beruhigt die Pflegeschwester und alles ist für den Moment gut. Der Friedhof wird ausgesucht beziehungweise die für und wieder für den richtigen diskutiert.
Magdalena, eine Achtzigjährige aus dem Lesekreis stirbt. Immer wieder rufen alte Damen an und lassen sich vergriffene Bücher schicken und die Protagonistin hat es mit ihrem Mann nicht leicht, der Selbstmordversuche vortäuscht und im Februar immer wieder behauptet, daß heute Weihnachten ist, was die Protagonistin zuerst verärgert. Eine junge Pastorin rät ihr es mit der Validation zu versuchen und eine Ärtzin nicht zu viel Kaliumtabletten zu geben, sondern den Gatten natürlich sterben zu lassen, der täglich viele Tabletten nimmt, damit er noch lebt, wenn sie dann die Beipackzettel liest, wird ihr schlecht, was die alles für Nebenwirkungen haben können.
So geht das Stundenbuch der Helga Schubert hin und her.
Die vier Kinder, die sie gemeinsam haben, putzen sich vor der Verantwortung des Vaters Pflege zu übernehmen und die beruflichen Helferinnen sind auch nicht das Wahre. Haben sie doch entweder keine Zeit, sind zu teuer oder sie würden schon kommen, aber ohne Maske, Impfung und Test, weil es “Coronanicht gibt” und das will die Autorin ihren Mann nicht zumuten.
Es ist also nicht leicht mit über Achtzig die Verantwortung für einen dementen Neunzigjährigen zu übernehmen. Da brechen Erinnerungen und Gefühle auf und was mich besonders an dem Buch beeindruckte, ist wie nahe die Demenz einer sein könnte und, daß man selber, ich bin ja auch schon fast siebzig, irgendwann davon betroffen sein könnte und die Frage, wer in einer Ehe als erster stirbt und den anderen zurückläßt oder betreuen muß, ist ja auch eine die sich stellt, wenn man sie nicht, wie das vielleicht auch passiert, verdrängt, weil man davon nichts wissen will.
Also das Buch lesen, würde ich raten, weil es sehr interessante Einblicke auf das Leben im Alter gibt.