Am Fenster klebt noch eine Feder

Jetzt kommt, schnell ausgelesen, ein interessantes Buch von einer Autorin, die man eigentlich als Malerin kennt, nämlich, die 2014 verstorbene Maria Lassnig, eine, wie am Klappentext steht Freundin von Peter Handke und Ingeborg Bachmann. Deshalb wurde der bei “Wieser” erschienene Band, den er auch in Leipzig besonders präsentierte, von Peter Handke, Barbara Maier und Lojze Wieser herausgegeben .

Ein kleines dünnes Bändchen mit meist sehr kurzen lyrischen Texten und Gedanken der Malerin. Im Anhang gibt es einen Textnachweis und jetzt Hinein in das Schaffen der großen Künstlerin, an die ich meist erinnert werdn, wenn ich im Rathaus im Stadtsenatsitzungsaall bin und das Portrait von Helmut Zilk bewundern kann.

Hinein in das Buch, das auf den ersten Seiten Sätze wie “Weil mir die Worte nicht so leicht zukamen und noch weniger aus dem Mund flossen- traute ich mir als 20-Jährige sowas wie “Schreiben als Dichter” überhaupt nicht zu. Nur bei Lektüre von Tagebuchaufzeichnungen von den Größen oder von jungen Zeitgenossen dachte ich oft: “Das habe ich genauso auch gedacht, nur nicht aufgeschrieben.”

Dann gibt es Texte über “Komplementärfarben” und den “Ursprungswerkzeuge wie Bleistift und Pinsel.”

Es gibt einen Satz, den ich meinen schlaflosen Klienten sagen könnte: “Selig sind die, die nicht schlafen können, denn sie schauen ins Zwischenreich.”

Der Buchtitel stammt von einem Weihnachtserlebnis auf der Turracherhöhe, also offensichtlich eine Tagebuchaufzeichnung aus dem Jahr 1983 und eine andere Weihnachtsnotiz , wo sie sich offenbar einsam fühlte, finde ich sehr berührend.

“Eine Fliege summt und stößt metallisch gegen den Plafond, sommerlich, und die Mäuse sind ja auch da.”

“Nur ein Lesender kann auch ein Schreibender sein oder werden”, schreibt sie einmal, wie wahr und an anderer Stelle erinnert sie sich an ihre Klagenfurter Kindheit, wo sie Sonntags in Sonntagskleidern von ihrer Familie in das Nobelhotel Sandwirt geführt wurde und dort Rindfleisch aß, sowie Musik hörte.

“Ist die Literatur die Zwillingsschwester der Malerei?”, fragt sie einmal und man sieht, daß sie die Literatur offenbar sehr beschäftigte und eine “Lebensgeschichte”, wo die Geburt eines Kindes beschrieben wird, gibt es auch, aber auch Zitate, die sich auf Erlebnisse, mit den schon erwähnten Großen bezieht.

Paul Celan hat sie gut gekannt und spannend finde ich das Zitat “Man kann hier in Wien so ernsthaft arbeiten, weil das Leben da so traurig ist.”

Spannend und interessant und bei mir auch viele Fragen aufwerfend, die neugierig auf die Malerin machen und ihre Gedanken und Notizen finde ich wirklich sehr beeindruckend.

Ein sehr interessantes Buch, wenn man mehr über die 1919 in Kärnten geborene und ihre Gedanken und nicht nur über ihre Bilder erfahren will, denn “Maria Lassnig war nicht nur eine Mal-Persönlichkeit, sondern auch eine Schreib-Persönlichkeit”, wie Peter Handke am Buchrücken schreibt.