Privatissimum zu “Die Waffen nieder”

In Zeiten der Pandemie, wo man, höchstwahrscheinlich ziemlich unnötig, gar nichts durfte und jedes Treffen schon als Versammlung anmelden mußte, hat sich die Ruth, meine liebe literarische Freundin hinausgetraut und Privatissimen für ihre Freundinnen und Freunde veranstaltet.

So sind wir im Frühling 2021 in den Volksgarten zum Grillparzer-Denkmal gegangen und haben uns über seine Reisen unterhalten. Im Herbst gings dann in den Donaupark, anschließend habe ich mit dem Alfred die Empanadas auf einer Parkbank gegessen, den Ungeimpfte durften ja in kein Restaurant und als es wieder normal war, ist es einmal in den ersten Bezirk und dann auch zum Theater an der Wien gegangen, um Paul Abrahams Lieder zu hören und jetzt zum vorletzten Mal, wie sie schreibt, in den vierten Bezirk zum Bertha von Suttner Hof, wo es von der Friedensnobelpreistrgerin ein Denkmal von Siegried Charaux gibt, das dort 1959 aufgestellt wurde.

Und die ist in Zeiten wie diesen, wo überall Waffenlieferungen gefordert und “Wir sind Krieg” geschrieen wird, besonders aktuell, obwohl sie und ihr berühmter Roman, schon 2014 sehr gefeiert wurde.

Da gab es ja eine Lesetheateraufführung und Ottwald John hat auch am “Anti-Kriegstag” zu ihren Spuren geführt. Mein leider verstorbener Psychologiekollege Wolfram Huber, der in der Nähe von Schloß Harmmansdorf, ein Sommerhaus hatte, hat über sie forschen und ein Buch schreiben wollen und ich habe sie und ihr großes Werk auch im “Ukraine-Blues” ein bißchen gedacht, so daß ich eigentlich heute auf der Favoritenstraße ein Stückchen daraus lesen hätte können.

Dreizehn Personen waren wir, die zu dieser frühen Stunde zum Bertha von Suttner-Hof aufgebrochen sind. Vor die Skulptur hatte die Ruth schon das Buch aufgestellt und aus dem Leben der Friedensforscherin und Feministin, die eine verarmte geborene Gräfin Kinsky war, dann als Gouvernante beim Baron Suttner arbeitete, den jüngeren Sohn Arthur heiratete, mit dem nach Georgien gegangen ist und sich sehr für den Frieden einsetzte, 2005, die erste Friedensnobelpreisträgerin war und wahrscheinlich zu ihrem Glück ein paar Tage vor Ausbruch des ersten Weltkrieges gestorben ist.

In meinem “Schutzengelchen”, 2014 geschrieben, habe ich auch an sie gedacht und die Ruth, hat ein paar Stellen aus dem Roman der damals als “Tendenzbuch” herabgewürdigt wurde, gelesen und eine Dame hat von einem Film erzählt, der schon zu ihren Lebenszeiten gedreht wurde, wo man sie auch sehen kann.

Danach ging ins Cafe Frey, wo ich schon einmal bei dem Osterspaziergang des Lesetheaters durch den vierten Bezirk war und meine “Erinnerungen an Helmut Eisendle ” gelesen habe, zum Mittagessen. Gebackene Leber, Marillenspritzer und Cappuccino und jetzt bin ich schon auf das letzte Privatisssimum gespannt. Die Ruth wird aber vorher auf einen Schreibaufenhalt nach Bad Hall fahren.

Paul Abraham vor dem Theater an der Wien

Während der Lockdowns und der Zeiten der Ausgangssperren, wo man nicht aus dem Haus gehen durfte und schon eine Versammlung anmelden mußte, wenn man sich mit ein paar Personen treffen wollte, hat die Ruth das Format der Privatissimen entwickelt.

Das heißt sie hat sich im März, April und Mai 2021 im Volksgarten vor dem Grillparzerdenkmal hingestellt und das aus ihrem Buch “Reisen mit Franz Grillparzer” die Stellen ausgesucht, wo sich Franz Grillparzer in Griechenland, Bratislava und Istanbul befand.

Im Herbst ist es dann in den Donaupark vor das Che Guevara-Denkmal ,weitergegangen und vor dem Sommer ging es, um eine Tafel auf einem Haus in ihrer Wohnhausnähe, die sie beleuchtet hat und nachher gab es bei ihr einen kleinen Empfang zum Saisonausgang sozusagen.

Ja richtig, in der Burggasse gab es da immer die Saisonabschlußfeste, eine Tradition aus den Salons des neunzehnten Jahrhunderts, glaube ich. Aber jetzt ist die Ruth in eine kleine Wohnung umgezogen und hat ihren literarischen Saison sozusagen ins Freie verlegt.

Zuminderstens hat sie das heute vor dem Theater an Wien angekündigt, daß es da ab nun im Frühling und im Herbst immer einen literarischen Saison im Freien geben wird und ich dachte “Toll, die Ruth hat Ideen, wie ich ja auch bewundert habe, daß sie in Lockdownszeiten ihre Privatissimen erfunden hat und so eine Art Widerstand gegen das Sterben der Kultur setzte und heute ist es also vor das Theater an der Wien gegangen oder zum Seiteneingang in der Papagenogasse vor das gegenüberliegenden Hotel, das glaube, ich Beethoven heißt. Denn das Theater bei dem es sich nun um das dritte Opernhaus Wiens handelt, ist derzeit verbarrikadiert und von Baugerüsten umgeben und Ruthä hat zuerst ein bisschen was von der Fassade erzhlt und darauf hingewiesen, daß da einmal der “Fidelio” und die “Zauberflöte” uraufgeführt wurde. Auch Nestroys “Talismann” und den habe ich dort, wohl ein Jahrhundert später, im Rahmen einer “Theater der Jugend- Aufführung” gesehen und war beeindruckt.

Später gab es da dann die Operetten und das wäre schon der Bezug zu dem 1892 in Ungarn geborenen Paul Abraham, der zuerst nach Berlin, später, als dort die Nazi kamen, nach Wien emigrierte und als er auch dort nicht bleiben konnte, ist er über Havanna nach New York emigriert und dort ist die Ruth, die ja einige Jahre in Kuba lebte, auf ihn gestoßen und hat über ihn ein Buch oder ein Theaterstück geschrieben und so irgendwie auf die Idee gekommen, ihm das herbstliche Privatissimum zu widmen und dazu hat sie sich auch zwei Sänger eingeladen, Andrea Paul und einen Walter, der sehr professionell mit Musikbegleitung “Es ist so schön am Abend bummeln zu gehen” und dann noch von dem “Kleinen Divanpüppchen” gesungen hat.

Ich bin ja kein so besonderer Operettenkenner. “Viktoria und ihr Husar” habe ich aber einmal gesehen und weil in den Dreißigerjahren, da gab es auch einige Uraufführungen im Theater an der Wien, ich glaube, “Roxy und ihr Wunderteam” wurde dort aufgeführt, die betuchten Herrn sich gern, wie die Ruth erzählte mit japanischen Frauen schmückten, hat Andrea Pauli “Meine Mama war aus Yokahama und aus Paris der Papa!” gesungen. Dann kam noch “Ja so ein Mädel, ein ungarisches Mädel” und die Ruth hat inzwischen das Leben des Komponisten referiert, der in New York nicht sehr glücklich war, sondern sein Leben als drittklassiker Barpianist finazierte. Darüber ist er psychisch zusammengeborochen und hat, als er nach Hamburg zurückgekommen ist, längere Zeit in verschiedene psychiatrischen Klinken verbracht, wo er 1960 gestorben ist.

Der Abschiedsong von Andrea Pauli gesungen hieß “Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände” und weil wir vor einem Hotel gestanden sind und zu der verbarrikatierten Theaterfassade hinübersahen, konnten wir auch den Auszug und Einzug der Hotelgäste mit ihren Trolleys beobachten. Dann sind noch zwei Leute mit einem Stadtplan gekommen und haben das Theater fotografiert.

Cirka zehn Personen haben an Ruths Pivatissimum teilgenommen und nachher sind wir noch in das Restaurant beim Resslpark gegangen, haben dort weitergeplaudert und haben uns durch die verschiedenen Knödelvariationen gegessen.

Einen Grillparzer-Abend wird die Ruth im Rahmen des Lesetheaters, die jetzt nach Polen auf Recherchereise geht, um dort über das “Kloster von Sandomir” zu forschen, auch geben und das nächste Privatissimum ist wahrscheinlich Herber W. Franke gewidmet, der vor vor kurzem gestorben ist.