Theodor Kramer-Preis an Tanja Maljartschuk

Tanja Maljartschuk

Wieder einmal “Theodor Kramer Preis für das Schreiben im Widerstand und Exil”, den Konstantin Kaiser im Jahr 2001, glaube ich, gegründet hat und der seither Jahr für Jahr vergeben wird. Zuerst haben ihn die im zweiten Weltkrieg vertriebenen Autoren bekommen. Inzwischen werden die Preisträger jünger und seit einigen Jahren findet die Veranstaltung im Pfarrsaal in Niederhollabrunn statt, das ist die Marktgemeinde, wo Theodor Kramer geboren wurde.

Da gab es früher Führungen durch das Geburtshaus, die wurden, weil die Teilnehmer, das wahrscheinlich schon kennen, inzwischen abgeschafft und einen Shuttlebus der die meist Wiener Teilnehmer hinbringt, gibt es auch.

Wir sind heuer mit dem Auto von Harland gekommen und die 1983 in Iwano-Frankiwsk geborene Tanja Maljartschuk. die 2011, der Liebe wegen nach Österreich gekommeen ist, kenne ich schon lang, habe ich doch ihr zweites bei “Residenz” erschienenes Buch “Biografie eines zufälligen Wunders”, gelesen, das sie, glaube ich, auch bei “Buch und Wein” vorstellte.

20018 hat sie den “Bachmann-Preis” bekommen. Ihr Roman über einen ukrainischen Widerstandskämpfer “Blauwal der Erinnerung” habe ich gelesen und heuer hat sie die “Klagenfurter Rede zur Literatur” gehalten und der Ukraine Krieg hat sie, glaube ich, sehr getroffen und scheint sie in ihrem Schreiben zu behindern, wie sie in Klagenfurt thematisierte.

Peter Roessler hat diesmal moderiert. Der Bürgermeister eine kurze Begrüßngsrede gehalten. Musikeinlagen gab es auch und die Laudatio auf Tanja Maljartschuk hat Annemarie Türk gehalten von der Peter Roessler behauptete, daß sie die Autorin am längste kenne.

Ich kenne sie seit 2013, also auch schon ziemlich lang und die Autorin hat sich in ihrer Rede beim Publikum und bei der Jury für den Preis bedankt und am Schluß, was ich sehr spannend fand, das sehr berührende Kramer Gedicht “Wer läutet draußen an der Tür” auf Ukrainisch gelesen.

Es war wieder sehr voll in dem Pfarrsaal, Speck und Schinkenbrote, Topfenstrudel, Weintrauben, Wein und anderes hat es gegeben und ich habe einige bekannte Gesichter gesehen. Darunter Julia Danielczyk, die mir versicherte, daß sich durch die Auflösung der Literaturabteilung der Stad Wien nichts an der Stipendkienvergabe, etcetera ändern wird.

Was die Autoren wahrscheinlich beruhigen wird und mir egal sein kann, habe ich ohnehin nie eines bekommen und reiche auch nicht mehr ein.

Es sagt aber wahrscheinlich schon einiges über den Stellungswert der Literatur in der Gesellschaft aus, wenn die jetzt in die Abteilung für Mode, Kunst und Sport eingegliedert wird.

Der “Theodor Kramer Preis” war aber diesmal sehr beeindruckend. Man konnte auch Bücher der Gesellschaft kaufen und für die Ukraine spenden und mein “Ukraine Blues” wird ja jetzt auch bald erscheinen.

Blauwal der Erinnerung

Das neue Buch der 1983 in der Ukraine geborenen Tanja Maljartschuk, von der ich “Biografie eines zufälligen Wunders” gelesen habe, auf einigen Lesungen war und die auch im vorigen jahr den “Bachmann-Preis” gewonnen hat.

Bei der Lesung im Literaturhaus hat sie schon erzählt, daß sie über den ukrainischen Freiheitshelden Wjatcheslaw Lypynskyj, der einige Zeit in Wien lebte und 1931 in Pernitz gestorben ist, schreiben würde.

Jetzt ist der biografische Roman fertig und Tanja Maljartschuk hat den Lebenslauf des Ukrainers, der einige Zeit Gesandter seines Landes war und in dieser Eigenschaft in Wien residierte mit dem einer Schriftstellerin die an Panikattacken leidet und auch sonst einige seltsame Eigenschaft hat, so hat sie sich als junges Mädchen in der Bibliothek immer englische Bücher ausgeborgt, um auf sich aufmerksam zu machen und sie dann ungelesen zurückzubringen, verknüpft.

Diese Verknüpfung habe ich nicht ganz verstanden, sie tut dem Buch, glaube ich, auch nicht sehr gut, das sonst auch sehr viele Metaphern verwendet. Der namensgebende “Blauwal” ist eine davon.

Wjlatscheslaw Lypyskyj wurde 1882 in  Saturzi im russischen Kaiserreich  in eine polnische Adelsfamilie geboren und ist zum Studium nach Krakau gegangen.

So hätte er eigentlich Wazlaw heißen sollen, wollte aber so nicht genannt werden und wollte auch den ukrainischen Freiheits- oder Unabhängikeitsgedanken nach Polen bringen.

Hielt so einmal einen glühenden Vortrag, wo ihm aber von der Studentin Kazimira vehement widersprochen wurde. Er hat sie trotzdem geheiratet und mit ihr die Tochter Ewa bekommen. Die Ehe ist aber nicht gut gegangen, Wjatscheslaw Lypinskyj lit auch an der Tuberkolose und mußte längere Zeit in Sanatorien verbringen.

Das alles schidert Tanja Maljartschuk in den abwechselnden zwei Strängen und beginnt, was vielleicht auch ein wenig ungewöhnlich ist, mit dem Ende, nämlich den letzten Jahren Lypyskyjs und wiederholt die Kapitel die er mit seinem Sekretär und seiner Haushälterin in den verschiedenen Sanatorien und Wohnsitzen verbringt, obwohl er eigentlich nicht wohlhabend war, sonder von den monatlichen zweihundert Dollar, die ihm sein Bruder schickte, noch einmal am Ende.

Trotzdem interessant von dem ukrainischen Freiheitskämpfer zu lesen und auch zu erfahren, daß es in Wien in den Zwanziger- und Dreißigjähren eine regelrechte ukarainische Gemeide gab, die Tanja Maljartschuk sehr genau bis auf die Adressen recherchiert und angeführt hat.

Interessant vielleicht auch, daß das Buch nicht auf den deutschsprachigen Buchpreislisten stehen wird, da es Tanja Maljartschuk auf Ukrainische geschrieben hat und es von Maria Weissenböck übersetzt wurde