Vom Umgang mit Kritik

Daß ich mit Kritik nicht umgehen kann, sondern jeden, der sagt, daß er Mitleid mit meinen schlechten Schreiben hat, für einen Spamer halte, schreibt der Uli immer und so ganz unrecht hat er damit nicht.

Aber da müssen wir in das Jahr 1973 zurückgehen, wo ich im Mai meine Matura machte und dachte, jetzt werde ich Psychologie studieren und schreiben. Da habe ich mich im Sommer an eine Geschichte gemacht, die von einer Hure handelte, die am Nachmittag Kinder unterrichtete und die ist auch fertig geworden. Daß ich sie korrigieren sollte oder könnte, davon hatte ich, glaube ich, noch keine Ahnung und ich habe auch an keine Veröffentlichung gedacht, sondern den Text einem alten Herr gezeigt, der gleich mir mit dem Studium angefangen hat.

“Das ist eine schöne Broschüre!”, hat er freundlich gesagt und ich war verwirrt. War das doch eine Erzählung.

Am Tag studieren, am Abend schreiben und am Wochenende, habe ich gedacht, was natürlich nicht klappte. Denn eigentlich hatte ich keine Ahnung, wie man literarisch schreibt, war das ja die Zeit des experimentellen Schreibens. Es gab den “Charly Tractor” und den “Lexikonroman” und die GAV hat sich auch gebildet. Aber ich habe isoliert vor mich hingeschrieben. Versuch und Irrtum und war, glaube ich, 1977 oder 1978 so weit, daß ich das nächste fertigbrachte.

“Die Einladung zum Tee”, eine kurze Dreieckgeschichte, die ich zuerst der Monika und dann dem Gerhard zeigte. Beiden haben mir gesagt “Das ist nicht gut, aber wir wissen auch nicht wie es besser geht!”

Die Monika hat mich dann aber in den “Arbeitskreis schreibender Frauen” und dann zu meiner ersten Lesung in der “Alten Schmiede” gebracht. Das hat “Literatureck”, geheißen, der Vorläufer von den “Textstellungen” und man hat bei der Anmeldung gesagt bekommen, daß man kriitisiert werden wird. Da wurden zwei Autoren eingeladen in meinen Fall den Gustav Ernst und die Marie Therese Kerschbaumer, die ich schon vom Arbeitskreis kannte. Sie haben kritisiert. Sind dann was trinken gegangen und haben mich stehen gelassen. Das war 1980, glaube ich, und da gabs eine Ausschreibung für ein rollenspezifisches Kinderbuch “Mädchen dürfen pfeifen, Buben dürfen weinen” und da habe ich mit meiner “Güler” gewonnen. Das Buch ist bei “Jugend und Volk” erschienen und hat den “Kinderbuch-Preis” bekommen. Den Halben, die andere Hälfte, die Christine Nöstinger, die in der Jury gesessen ist, mit ihren “Austauschkind”.

1987 bin ich in die GAV aufgenommen werden. Das habe ich, glaube ich, schon 1986 versucht, wurde aber vertagt.

Ich habe geschieben und geschrieben, die Texte wahlos an Verlage geschickt. Da kann ich mich erinnern, daß ich die “Hierarchien” an Residenz oder den Jochen Jung schickte. Keine Antwort. Dann kam der Gerald Bisinger, den ich gern mochte, brachte was von mir im Radio und sagte “Versuch es noch einmal!”, was den Jochen Jung erboste. Denn 1987 bin ich von Klinik, wo ich an der HNO Assistentin war weggegangen und die “Hierarchien” darüber geschrieben. Die ich an zweiundvierzig Verlage schickte, weil mein Stotterer Buch, das ich gemeinsam mit Edith Thabet schrieb, war schon da. Als das nichts wurde, habe ich, kann ich mich erinnern, an den Hofrat Unger geschriebeen und, um einen Zuschuß gegeben um das Ganze schon selber zu machen. Das habe ich dann den Jack Unterweger gezeigt, der damals in Krems-Stein interniert war und der hat das Buch dann gemacht und da waren die Kritiken interessant, denn in der “Literatur aus Österreich” stand “Das ist das Schlechteste was je geschrieben wurde und man versäumt nichts, wenn man es nicht liest!”

“Gut, das ist ein Anfängerbuch!”, habe ich gedacht, als ich es aber später wiedergelesen habe, gemerkt, “Das ist gar nicht so schlecht!”

Um Stipendien und Preise habe ich angesucht, aber nichts bekommen und Ausschnitte an Zeitschriften. Das hat manchmal geklappt. Als ich in die GAV aufgenommen wurde, hatte ich die “U-Bahngeschichten” im “Wespennest”. In der “Rampe” und im “Podium” ist einiges von mir erschienen. In den “Manuskripten” nicht.

So habe ich geschrieben und geschrieben und die Texte ausgeschickt. 2000 hat mir der Alfred , die “Wiener Verhältnisse” als “Digibuch” zum Geburtstag geschenkt und 2005 oder so habe ich aufgehört meine Texte auszuschicken, sondern sie selbst veröffentlicht, was damals noch eine umstrittene Pionierleistung war.

“Das darfst du auf keinen Fall machen, denn sonst bist du weg vom Literaturbetrieb!”, hat es damals geheißen. Ich habe in der GAV 2001 und von 2003 bis 2009 den “Tag der Freiheit des Wortes” organisiert. Die Frauenlesungen veranstaltet, aber damit aufgehört weil kaum Publikum zu den Lesungen gekommen sind.

Und wenn man seine Bücher selber macht und sie auf seinen Blog präsentiert, den es seit 2008 gibt, hat man kaum Feedback, sondern höchstens ein paar Spamer. Drei Große habe ich bisher gehabt und ein paar Keine, die immer wieder stichelen. Eigentlich recht wenig, denn ich antworte immer freundlich.

Die zweite Spamerin war die JuSophie, die ich im Literaturhaus bei der Studentenlesung kennenlernte. Die hat die “Mimi” und die “Zwillingswelten” sehr verrissen.

Aber ich bin professionellerer geworden. Es gibt die Vorschauen und die Leserunden, wo sich einmal, glaube ich, der Manfred Lagler-Regal, mein treuer Blogbegleiter, der selber schreibt, meldet und ein paar Leute von der Schreibgruppe “Westbahn spontan”, die die Ruth Aspöck für ihren damaligen Begleiter Robert Eglhofer gründete. Die Gruppe gibt es auch nicht mehr, wie auch mein langjähriges Highlight, die Lesung beim Volksstimmefest.

So schreibe ich für mich allein, wie mir Pastor B. Ende Siebzig glaube ich auch geraten hat, aber damals war ich nicht so weit, das anzunehmen, sondern habe gesagt “Aber die Jelinek tut das doch auch nicht!”

Gehe regelmäßig zum “Tag der offenen Tür” des “Writersstudio” und seit ein paar Jahren verfolge ich das Romanplanjahr der Jurenka Jurk und da kann ich sagen, das ist wirklich toll. Die will natürlich Kunden für ihre Ausbildungen finden bietet aber sehr viel an, wo man mitschnuppern kann und wenn man diszipliniert und genau ist, kann man da sehr viel lernen.

So weit so what, der Uli schreibt gelegentlich “Sie können nicht schreiben!”, was mich kränkt, obwohl ich, inzwischen mit Kritik umgehen kann und mich mit ihm darüber streite, ob ich jetzt eine Hobbyautorin bin oder nicht und ob man für eine Lesung Honorar verlangen kann?

Ich weiß, was der Kritik stimmt und was nicht, obwohl er mir das nicht glaubt.

Ich bin eine sozial und gesellschaftskritische Autorin, die es vielleicht mit der Sprache und der Rechtschreibung nicht so genau nimmt und so wird man wohl auch schreiben dürfen. Experimentell bin ich nicht, gehe aber viel zu Veranstaltungen, lese viele Bücher.

Auch da kann man viel lernen und beharre jetzt auf Lob und positives Feedback. Eigentlich unverschämt liebe Eva, wie kannst du nur?