Das Licht ist hier viel heller

Der Leseherbst 2019 ist den starken Frauen in allen Varianten und den Debuts natürlich gewidmet, könnte man so sagen, sechs Debuts auf der Longlist des dBps, darauf auch Marlene Streeruwitz und Karin Köhler, Gertraud Klemm nicht und auch nicht Mareike Fallwickl, die 1983 geborene Bloggerin und Texterin, der mit ihrem “Dunkelgrün fast schwarz”, im Vorjahr ein Sensationserfolg, zumindest nach Meinung der Bloggerszene, gelungen ist. Sie stand damit auch auf der Longlist des östBs und hat nun ihr ihr drittes Buch herausgebracht, das sich, 2017 geschrieben mit der “Mee too” Debatte beschäftigt und was ich sehr interessant finde, auch mit dem Literaturbetrieb.

Maximillian Wenger, so Mitte fünfzig ist ein Erfolgsautor, zumindest war er das einmal. Denn jetzt ist er in der Krise. Seine Frau hat ihn aus der schönen Villa hinausgeworfen und lebt dort nun mit einem viel jüngeren Fitnesstrainer. Der literarische Erfolg ist auch weg, so haust er in Salzburg zwischen Schachteln und Flaschen in einer viel kleineren Wohnung. Seine Schwester Elisabeth, eine Integrationslehrerin, kommt regelmäßig putzen und legt ihm Tupperdosen mit gekochten Essen in den Kühlschrank.

Einmal bringt sie ihm auch einen Brief von einer Unbekannten geschrieben aus San Remo, an den Vormieter. Er macht den Brief auf und bekommt dadurch Inspiration für seinen späteren Romanerfolg. Aber das passiert erst später,dazwischen gibt es noch zwei weitere Romanstränge.

Der eine wären die Briefe, die von Gewalt erzählen. Eine ehemalige Buchhändlerin schreibt sie an ihren Geliebten, einem verheirateten Mann. Der Buchladen wurde ihr von einem Spekulanten wegenommen, der das mit sehr viel Gewalt durchzog, um daraus eine” Mozartwelt” zu machen und der dritte Strang kommt von der achtzehnjährigen tochter Chloe oder Zoey die sich  in letzteres umbenannt hat, weil sie in der Schule “Klo” gerufen wurden.

Ihr jüngerer Bruder Spin, heißt eigentlich Finnegan und die Eltern haben nicht viel Zeit für Kinder, die von einer guten Seele namens Barbara aufgezogen wurde.

Jetzt hat die Mutter Patricia einen Fitnewahn, will, daß Zoey Pilates betreibt und nach der Matura in ihre Firma einsteigt. Der Vater will, daß sie Jus studiert, warum ihm das so wichtig ist, wird erst später klar.

Zoej will aber Fotografin werden. So hilft sie, während die Mutter glaubt, daß sie in einem Pilateskurs ist, bei einem Fotografen aus, um sich das Geld für eine analoge Kamera zu erspraren, der versucht sie bei einem Fotoshooting zu vergewaltigen und erkauft anschließend mit derKamera ihr Schweigen.

Zoey hat auch einen Freund, Jonathan, der aber inzwischen mit Maja liiert ist, trotzdem nähert er sich ihr bei ihrer Geburtstagsfeier wieder an, obwohl er die Beziehung zu seiner Freundin nicht aufgibt.

Diese drei Handlungsstränge wechseln einander ab. Interessant dabei ist, daß die Wenger-Kapitel von zehn bis null nach Rückwärts gezählt werden. Die Zoey-Kapitel haben Hashtags und die Briefe sind mit dem Jahr 2017 datiert, denn da ist ja die Mee too- Debatte losgegangen und da beginnt Wenger für den Frauenbeziehungen sehr wichtig sind, wieder zu schreiben. Wie in einem Rausch schreibt er einen Roman, wo ein Politiker eine junge Frau vergewaltigt. Dem Verleger ist das nicht persönlich genug, so fügt er noch die Originalberiefe an, was Zoey, die die Briefe auch gefunden hat, entsetzt.

Die Eltern lassen die Geschwister überhaupt viel allein, sind nie vorhanden, wenn sie sie brauchen. So muß Zoey handeln. Sie verläßt die Dunkelkammer und zertrümmert die Kamera, der Fotograf wird später auch von Wenger und Patricas neuem Freund zusammenschlagen wird und sagt Jonathan beziehungsweise Maja was sie von ihnen hält. Dann bewirbt sie sich mit ihren Fotos, um ein Stipendium und fängt solcherart ein neues Leben an und ich muß feststellen, daß mir “Das Licht ist hier viel heller”, besser als “Dunkelgrün fast schwarz” gefallen hat, was vielleicht auch logisch ist, da mir Romane über den Literaturbetrieb ja sehr gefallen und auch Gertraud Klemm kürzlich dieses Thema behandelt hat.

Mareik Fallwickl tut das glatter und weniger litaneihaft als Gertraud Klemm. Zeigt aber auch ihr großes Wissen über Literatur. Blogger und Bücher kommen immer wieder vor und sie hat ja jetzt auch gemeinsam mit dem Instagrammer Florian Valerius, der auch am Klappentext ein paar Zeilen geschrieben hat, einige Bücher übers Lesen herausgegeben.

Auf die Longlist des deutschen und des österreichischen Buchpreis ist Mareike Fallwickl mit ihrem dirtten, nicht dem zweiten verflixten Roman, wo sich angeblich das Talent erweist, nicht gekommen, trotzdem kann ich das Buch, das auch irgendwie abgrundtief bösartig ist und wenn man es so pathetisch sagen darf, den Finger auf die Wunden der Zeit und der Gesellschaft legt, sehr empfehlen, obwohl es im letzten Drittel Längen hat, das erste Drittel habe ich sehr spannend gefunden und es sehr begierig gelesen.

Zu Felix Saltens hundertfünfzigsten Geburtstag

Der am 6. September 1869 geborene und 1945 gstorbene Felix Salten, Autor von “Bambi”, vom “Wurstlprater” und vielleicht auch von der “Josefine Mutzenbacher”, feiert seinen hundertfünfzigsten Geburtstag, was offenbar ein Anlaß für die Wien-Bibliothek war, seinen Nachlaß aufzukaufen und aus diesem Grund gab es auch am Donnerstag und am Freitag eine Tagung von der “Wien Bibliothek”  im Rathaus.

Ich glaube, daß ich von Salten einige Bücher in meinen Regalen habe, den “Wurstlprater” hat mir die Hansi Berger geschenkt und sonst wußte ich einiges, aber nicht besonders über ihn, so bin ich begierig in den Wappensaal gewandert, habe mir den Donnerstag und Freitag für ihn freigehalten und wurde auch nicht enttäuscht, obwohl das Symposium vielleicht ein wenig anders, wie erwartet und sonst üblich war.

Das heißt, Marcel Atze begann mit seiner Rolle im Nationalsozalismus, da wurde Salten, als Jude natürlich sehr verfolgt und mußte viel von seinem Vermögen abgeben, bis er endlich zu seiner Tochter, die schon mit einem Schweizer verheiratet war, dorthin auswandern mußte.

Dann kamen erst ein paar Beiträge zu seiner Biografie. In Ungarn, glaube ich, geboren, Redakteuer in der “Freien Presse”, einige uneheliche Kinder, verheiratet mit der Schauspielerin Ottilie  Metzl, Mitglied des Jungen Wiens”, befreundet mit Arthur Schnitzerund Erzfeind von Karl Kraus, zumindestens gab es ein Referat darüber, das berichtete, wie sehr er sich mit ihm duelliertm beziehungsweise es Ohrfeigen im Cafe Griensteidl gegeben hat.

Mit Hermann Bahr war er auch befreundet und ein Teil seiner Familie, das heißt, die ehelichen oder unehelichen Enkelkinder waren mit ihren Familen da.

Die Enkeltochter Lea Wyler gestaltete mit Marcel Atze das Abendprogramm und erzählte über ihren Großvater, den sie eigentlich nicht bewußt erlebt hat, beziehungsweise über den Rechtstreit der Familie bezüglich “Bambi”, denn da haben ihm ja “Warner Brothers” um tausend Dollars die rechte abgekauft. Disney hat den Film gedreht und daran verdient, während niemand Saltens “Bambi” und auch  seine anderen, glaube ich, zweiundfünzig Bücher gelesen hat.

Um das ein bißchen nachzuholen gab es am Abend eine Lesung, wo Wolfram Berger einige Texte las.Dann gab es Brot und Wein, wo ich mich mit der Angela und dem Josef sehr intensiv unterhalten habe und am Freitag ging es dann, was für mich überraschend war, mit dem Referat des stellvertretenden Direktor und, ich glaube, auch Leiter der Musikabteilung Thomas Aigner für mich sehr überraschend mit einem Vortrag “Dreierlei Musikalisches” weiter, denn Felix Salten und Musik, fragt sich die literaturwissenschaftliche Laiin und war auch dann erstaunt, als sie hörte, daß es da um Adele Strauß ging, die, als sie Witwe war, die Musik ihres Gattens zu Geld machen wollte und dafür sämtliche Operetten umschreiben und neuauflegen ließ und Felix Salten hatte Erstens ein Theater, Zweitens wirkte er als Librettist, obwohl ich ihn bisher nicht so gesehen habe.

Das was ich mir eigentlich von der Tagung erwartet habe, nämlich Einblick in Saltens literarisches Werk zu bekommen, wäre wohl im Vortrag von Konstanze Fliedl “Zu Felix Saltens früher Novelistik” gekommen, aber die war nicht da, so ging es mit Daniela Strigl weiter und die stellte den Pferderoman “Florian” vor, wo es um einen Lipizzaner ging, der mit dem Zerfall der Monarchie auch seinen persönlichen Niedergang erlebte.

Dann wurde es interessant, denn es ging um die “Mutzenbacher”, wo man ja immer hört, daß sie Salten geschrieben hat und dann wieder, daß das noch nicht sicher ist oder sogar erwiesen wäre, daß ein Ernst Klein sie geschrieben hätte.

Die Erben haben jedenfalls darum prozessiert, aber nicht Recht bekommen, weil sich auch im Nachlaß von Salten keineHinweis auf seine diesbezügliche Autorenschaft findet und so fand ich das Referat vonMurray G. Hall sehr aufschlußreich, obwohl es mir persönlich eigentlich ganz egal ist, wer die “Geschichte einer Wienerischen Dirne” geschrieben hat und man zu den Entstehungszeiten, das wohl auch noch geheimhalten hat müßen, weil man sonst ins Gefängnis gekommen wäre.

Am Schluß gab Marce Atze noch Ausblick auf eine Ausstellung, die nächsten Oktober zum fünfundsiebzigsten Todestag des Meisters im Wien Museum stattfinden wird und der Tagungsband wird dann auch vorgestellt.

Saisoneröffnung mit Christoph W. Bauer

Der Sommer ist vorbei, die literarischen Veranstaltungen fangen an, könnte man so sagen und in der Tat liegen schon die Programme von der “Gesellschaft”, dem Literaturhaus und der “AS” auf meinem Schreibtisch, beziehungsweise hängen sie an der Pinwand im Praxiszimmer und wem es interessiert, die “Gesellschaft für Literatur” hat als Erstes angefangen und da im Rahmen einer Bibliothekstagung zu einem Abend zur neuen österreichischen Literatur eingeladen, was an dem Tag, an dem die österreichische Buchpreisliste veröffentlicht wurde, sicherlich sehr passend ist.

Der 1968 geborene und in Innsbruck geborene Christop W. Bauer steht zwar mit seinem neuen Roman nicht auf dieser Liste, ich kenne ihn aber seit circa 2011 denn da hat ihn mir Gerlinde Tamerl auf der “Buch Wien” vorgestellt und er sagte auch in seiner Einleitung, daß er heuer sein zwanzigstes “Haymon-Jubläums” feierte, das neue Buch “Niemandskinder” aber das erste Mal in Wien und nicht in Innsbruck vorstellte.

Ich habe von Christoph W. Bauer, den ich meistens in Göttweig bei “Literatur und Wein” sehe, auch schon einiges gelesen.

Das “Alphabet der Häuser” fällt mir ein und “mein lieben, mein hassen, mein mittendrin du” und jetzt hat der Lyriker wieder einen Roman geschrieben, der von einem aktuellen Thema handelt und wie Manfred Müller in seiner Einleitung betonte, an der Autobiografie vorbeischrammt, beziehungsweise hat Christoph W. Bauer wieder einmal damit gespielt, sich zu verstecken oder Lebensdaten von sich in seinen Protagonisten einzubauen, die dann nicht ganz stimmen.

Der ist ein Historiker und hat lange in Paris gelebt, in dem Paris von 1999 und 2000 mit einer Samira, die offenbar algarische Wurzeln hat, dann kehrt er wahrscheinlich wieder nach Innbruck zurück und findet dort in einem Archiv einen Zeitungsartikel beziehungsweise, das Foto einer Frau namens Marianne, die seiner Samira erschreckend ähnlich sieht.

Sie ist 1948 geboren und die Tochter eines Besatzungssoldaten, einem Marokkaner ein Niemandkind also, dessen Geschichte in Tirol und Voralberg untern Tisch gekehrt wurde.

Christoph W. Bauer deckt sie auf und verbindet sie mit der “Haiderzeit” und dem Jahr 2015 mit den Anschlägen in Paris.

Ein sehr aktuelles Thema wie ich finde und ich beobachte ja sehr interessiert, wie und in welcher Art und Weise sich die Schriftsteller der Gegenwart annehmen und sie literarisch verarbeiten.

Das Buch steht nicht auf der öst. Ich wünsche ihm, wie auch Manfred Müller sagte, trotzdem viele Leser.

Die vierte österreichische Buchpreisliste

Obwohl ich ja noch nicht wirklich zum Lesen der deutschen Buchpreisbücher, die sich inzwischen fast alle bei mir angesammelt haben und ich gerade Mareike Fallwickls “Das Licht ist hier  viel heller” ausgelesen habe, war ich auf die Bekanntgabe der vierten österreichischen Longlist sehr gespannt.

Meine Prognose, die sich bei mir ja immer hauptsächlich auf das inzwischen Gelesene bezieht, habe ich schon gegeben und habe inzwischen auch ein paar neue Bücher, wie beispielsweise das der Mareike Fallwickl oder die österreichischen Bücher, die auf der deutschen Liste stehen hinzugefügt oder mir überhaupt eine komplett weibliche Liste ausgedacht.

Auch da wäre ich auf mehr als zehn Bücher gekommen und hätte dabei natürlich “Die unsichtbare Frau” dazugenommen und dann ist es wieder anders gekommen, als erwartet, obwohl eigentlich schon viel Bekanntes oben steht.

Da spekuliere ich bei der deutschen und der österreichischen Liste ja immer mit den O-Tönen und wurde nicht enttäuscht, denn es sind einige Bücher dabei, die dort vorgestellt wurden.

Im letzten Jahr hatte ich ja schon fünf von den zehn Büchern gelesen, so gut geht es mir heuer nicht. Gelesen habe ich noch keines, weil Marlene Streeruwitz “Flammenwand” ja in Harland überm Bett liegt und Raphaela Edelbauers “Das flüssige Land” im Wiener Badezimmer.

Das sind die beiden Bücher, die auch auf der deutschen Longlist stehen und was den Debutpreis betrifft, den es in Österreich ja auch immer gibt, steht  Angela Lehners “Vater unser” darauf.

Das steht auch auf der deutschen Longlist und wurde  bei den O-Tönen vorgestellt. Ich habe es als E Book und was die O-Töne betrifft, stehen von dort auch noch Marco Dinic, Clemens J. Setz und Karl Markus Gauss auf der Liste. Ein paar ganz wenige mir bisher unbekannte Bücher gibt es auf der neuen österreichischen Longlist auch, aber wieder schön der Reihe nach:

1.Harald Darer “Blaumann” von dem 1975 in Mürzzuschlag geborenen, den ich einmal in der “Kolik Lounge” hörte, habe ich schon “Herzkörper” gelesen und habe, glaube ich, auch noch etwas in den Regalen stehen.

2. Raphaela Edelbauer “Das flüssige Land”, steht, wie schon beschrieben, auf der deutschen  LL und von der Autorin, die auch in Klagenfurt las, habe ich das erste Mal etwas auf einer “Buch Wien” gehört.

3.Karl Markus Gauss “Abenteuerliche Reise durch mein Zimmer”, das wurde schon bei den O-Tönen und bei “Buch und Wein” in Göttweig vorgestellt.

4.Norbert Gstrein “Als ich jung war”, das Buch habe ich eigentlich schon auf der deutschen LL erwartet und von Norbert Gstrein habe ich zuletzt die “Kommenden Jahre” gelesen.

5.Florjan Lipus “Schotter” ein Dojen der österreichischen oder österreichisch slowenischen Gegenwartsliteratur und wenn nicht auch noch Gerhard Roth auf der <liste draufstehen würde, würde ich mir da den Buchpreisträger erwarten.

6.Sophie Reyer “Mutter brennt” eine Überraschung, obwohl ich von Sophie Reyer schon einiges auf Lesungen gehört habe.

7.Gerhard Roth “Der Himmel ist leer die Teufel sind alles hier”.

Von Gerhard Roth habe ich schon einiges gelesen, von dem Buch noch nichts gehört und wenn ich es nicht noch bei “Netgalley” finde, wird es wohl eine Leselücke bleiben.

8.Clemens J. Setz “Der Trost runder Dinge”.

Von Clemens J. Setz, dessen literarischen Werdegang, ich, glaube ich, schon seit 2009 verfolge, habe ich schon einiges gehört und gelesen. Das Buch wurde auch bei den <o-Tönen vorgestellt.

9.Marlene Streeruwitz “Flammenwand”. Da war ich, wie schon beschrieben auf einer Lesung, es steht auf der deutschen Longlist und ich werde es lesen, sobald ich nach Harland komme.

10.Ivna Zic “Die Nachkimmende”, die mir bisher einzige völlig unbekannte. Ich bin also sehr gespannt und freue mich auf das Lesen, wenn das Buch zu mir kommt.

Und nun zu den Debuts:

1.Marco Dinic “Die guten Tage”, habe ich erwartet und bei den O-Tönen versäumt

2.Angela Lehner “Vater unser” steht auf der deutschen Liste.

3.Tanja Raich “Jesolo” habe ich so nicht erwartet, das Buch aber schon auf einer Lesung gehört und Doris Kloimstein die es schon gelesen hat, hat auch versprochen es mir zu geben, beziehungsweise mit dem Buch der Uli Fuchs, das doppelt zu mir gekommen ist, zu tauschen, was sehr spannend wäre, da sich hier Verlegerin und Verlagsbücher kreuzen.

Eine schöne Liste, schreibe ich wieder, obwohl ich, sowohl Gertraud Klemm, als auch Mareike Fallwickl und Susanne Gregor darauf vermisse. Auf jedenfall Robert Prosser und mir auch noch einiges andere darauf vorstellen könnte.

Aber, wie ich ja schon bei der deutschen LL geschrieben habe, macht ja nichts. Man kann ja lesen, was man möchte und so gesehen, ist diese Auswahl sicher spannend, was meine Leser davon halten, würde mich jetzt sehr interessieren.

Letztes Spiel Berlin

Bevor es an das heurige deutsche Longlistlesen geht, kommt noch ein Politthriller des 1955 geborenen osteuropa Experten Olav Kühl, der mit seinem “Wahren Sohn”, 2013 auf der Longlist gestanden ist.

Ein Thriller ist schnell und spannend zu lesen, würde man vermuten, bei dem dreihundertvierzig Seiten Buch habe ich fast eine Woche herumgetan und war am Anfang sehr verwirrt, weil der Klappentext, der interessant klang, sich nicht mit dem Inhalt deckte.

Denn der Anfang ist wahrhaft langatmig, da spaziert ein amerikanischer CiA Agent mit deutschen Wurzeln, der sein Creatives Writingstudium abgebrochen hat und am liebsten gegen die Araber kämpfen will, durch Berlin, observiert einen Polen namens Pawel und schreibt endlose poetische Berichte an seinen Vorgesetzten, dem “Gesichgtlosen” die diesen nerven.

Der Pole ist ein Nietzsche-Spezialist, der den ganzen Tag durch die Stadt läuft, seine Geliebte, die Kurdin Evin besucht, während seine Frau Frieda Honegger, man sieht auch Olav Kühl hat es mit sprechenden Namen, als Gestalttherapeutin undPsychologin traumatisierte Mädchen und Frauen betreut.

Jetzt hat Pawel aber auch etwas zu tun, er sucht seinen  Freund Konrad, der Reiseleiter war und amerikanische Gruzppen im Hotel Adlon betreute. Der ist verschwunden und der CIA sucht ihn auch, denn in einer  aus seiner Reisegruppe war ein Spion, der offenbar zu den Russen überlaufen wollte.

Allmählich wird es dann doch spannender, obwohl das Ganze wahrscheinlich mehr eine Parodie auf einen Thriller, als ein solcher ist.

Was ich sehr spannend empfunden habe, ist das scharfe Bild des Multikulti- Berlins von heute, wo die Araber und die Libanesen vor der Haustür stehen und die kurdische Frau eines türkischen Geschäftsmannes mit deutschen Pass überwachen, sowohl auf die Nazis als auch auf die vielen Ausländer geschimpft wird und die siebzehnjährige Jana aus dem Osten Deutschlands, deren Mutter vor Jahren abgehauen ist, was ihren Vater so fertig machte, daß sie ihn nun betreuen muß, gibt es auch.

Die trifft Pawel und hilft ihm seine Forschungen etwas schneller voranzutreiben und am Schluß klärt sich alles auf oder doch nicht so ganz und dasLeben geht weiter.

Pawel ist nach Polen zurückgekehrt, Frieda hat ihn hinausgeworfen, nachdem er mit einer ihrer Klienteinnen geschlafen hat, was nicht ganz so stimmt, denn Jana ist erst in ihre Beratungsstelle zu einem Antiaggressionstraining gekommen, als sie Pawel längst schon kannte und nachPolen hat ihn offenbar der CIA gebracht.

Der junge Agent Jonathan Cowley ist auch verschwunden, nachdem er, als er zu Evin wollte, zuerst von dem Araber und dem Libanesen zusammengeschlagen wurde, dann, als der Fall offiziell als gelöst erklärt wurde, auf eine egine Faust weiterrecherchieren wollte und da, Gag am Rande, in einer Burka bei Evin auftauchte.

Jana versuchte sich zuerst umbrubringen, wird von ihrem Hund gerettet und fängt in einem Supermarkt zu arbeiten ab und Konrad Mauser, der Reiseleiter mit dem alles begann, geriet nach seiner Flucht offenbar in den Ukrainekrieg und kommt darin um und das Leben füge ich hinzu, geht in dem aufgehetzten multikulturellen Berlin weiter und die Spiele wahrscheinlich auch, so daß es wahrscheinlich noch einige interessante Gegenwartsromane darüber geschrieben werden könnten.

Joes Achtzigster

Georg Biron

Georg Biron

Sara Berger

Sara Berger

eim Lesetheater scheint es einige Joe Berger Fans zu geben, schließt doch die Sommerlesereihe im Weinhaus Sittl ziemlich regelmäßig mit einer solchen Veranstaltung und diesmal galt es den achtzigsten Geburtstag des am zweiundzwanzigsten Oktober 1939 in Kaltenleutgeben geborenen und am dreißigsten Mai 1991 in Wien verstorbenen Lyriker, Dramatiker, Erzähler, Schauspieler, Journalist und Aktionisten, wie in “Wikipedia” steht zu geben.

Bei einigen dieser Veranstaltungen war ich und auch bei dem “Hirnhäusl-Symposium” in der “Wienbibiothek”, denn  ich mag das Wiener Original sehr und seine Witwe Sara hat diesen Abend auch veranstaltet.

Susanna Schwarz-Aschner, Gerhard Jaschke, Christian Katt und Georg Biron haben seine Märchen, wie das vom “Rotkäppchen” und von Vampir, sowie Gedichte gelesen und dabei immer wieder ihre eigenen Bezugspunkte zum Joe eingeworfen.

Musikalische Begleitung gab es von Gidon Öchsener und Claudius Jelinek. Claudius Kölz hat wieder die “Wiener Depressionen”, Joe Berger Gedichte, die von seinem Vater Ernst vertont wurden, vorgetragen.

Gerhard Jaschke

Gerhard Jaschke

Claudius Kölz

Claudius Kölz

Weil das Wetter nicht mehr ganz so schön, wie am Volksstimmefest war, hat die Veranstaltung im <pelikan-Stüberl stattgefunden. Es waren wieder einige Bekannte da und damit ist die Sommerlesereihe des ersten Wiener Lesetheaters bendet und der heiße oder kühle Herbst kann beginnen.

Anmerken kann ich noch, daß ich das “Pläydoyer für den Alkohol” woraus Gerhard Jaschke einige Texte vortrug in meinen Regalen habe und die “Wiener Depressionen” gesungen von Ernst Kölz habe ich auch, hat er mir die doch einmal auf eines meiner Geburtstagsfeste mitgebracht.

Volksstimmefest mit fast schönem Wetter

Das letzte Jahr hat es Jahr am Volksstimmefest an beiden Tagen sehr geregnet, so daß man eigentlich nichts anderes, als sich unter ein Dach flüchten konnte und ich, die ich ja das Volksstimmefest im Wiener Prater seit den siebziger Jahren sehr regelmäßig besuche und seit 1989, glaube ich, mehr oder weniger regelmäßig beim “Linken Wort” lese und das immer gern und bevorzugt am Samstag tue, obwohl es da ja meistens regnete, während es am Sonntag meistens wieder schön und strahlend war, habe da  schon eine diesbezügliche Erfahrung.

Arthur West hat in den Siebzigerjahren oder wann auch immer, die “Linken Wort-Lesungen” eingeführt, da haben bis 1989 Peter Turrini, Elfriede Jelinek, Marie Therese Kerschbaumer, Gerhard Ruiss, etcetera gelesen, dann hat Helmuth Rizy die Lesungen übernommen und  seit 2008  Roman Gutsch und Christoph Kepplinger.

Der Erstere der das ziemlich engagiert betrieb, ist berufsbedingt zemlich bald ausgestiegen, jetzt macht das Christoph Kepplinger allein, der damit aber, da er im Weinviertel wohnt, eine Frau und einen kleinen Buben hat und mit Deutsch als Fremdsprache, obwohl Germanist und als solcher auch im “Elfriede Jelinek Forschungszentrum” tätig ist, überfordert ist, denn das “Linke Wort” ist, wie Christoph Kepplinger in seiner Absage erwähnte, der einzige Programmpunkt des Festes, für das kein Budget eingebaut ist.

Das heißt, die Autoren lesen umsonst und die Veranstalter organisieren das wahrscheinlich auch auf diese Weise. So hieß das Motto der heurigen Lesung auch “Was sind die Worte wert?” und Helmuth Rizy hat ja eine jährliche Anthologie der Texte eingeführt, das haben Gutsch und Kepplinger übernommen.

Seit einem Jahr gibt es aber eine zeitliche Verzögerung, so befindet sich die Anthologie von 2017 noch in der Druckerei und Christoph Kepplinger ließ auch verlautent, daß er überlege, ob er die Lesung noch weiter organisieren will, was ja sehr schade wäre, wenn sich kein Nachfolger findet, denn es ist eigentlich die größte Veranstaltung auf der ich jährlich lese und diesmal gab es auch noch eine andere Erneuerung, so hätte die Lesung schon um drei statt bisher um vier stattfinden sollen, aber als ich um dreiviertel drei die Sigi-Maron Bühne erreichte, fand da gerade eine Wahlkundgebung der Spitzenkanditen statt, denn am 29. September gibt es ja wegen des Ibiza-Videos eine vorgezogene Neuwahl, da hatte am Freitag die SPÖ ihre Auftaktveranstaltung, Wahlplakate mit “Mit Sicherheit für Österreich” mit dem Konterfei von Herbert Kikls zieren auch schon die Straßen und die KPÖ nützte natürlich die Gelegenheit auf ihrem Fest  Stimmung für sich zu machen.

Dann gab es einen Soundcheck der Musikgruppe, die um siebzehn Uhr auftreten sollte, wir haben gewartet und gewartet, bevor endlich die Sessel gerichtet wurden und die Lesung begonnen hat.

“Was sind die Worte wert?”, ein schönes Thema. Christoph Kepplinger hat sich wahrscheinlich die Thematisierung, daß er mit der kostenlosen Organisation überfordert ist, ausgedacht. Gerald Grassl, dem er, glaube ich, als Erstes seine Überlegungen mitteilte, begann  mit einem politischen Text und las dann Herbert Kuhners englische Gedichte in der deutschen Übersetzung vor und erklärte, daß in der ‘”Editon Tarantl” eigentlich dieser Tage ein Roman von dem 1935  Wien geborenen “Kramer-Preisträger” von 2014 erscheinen sollte, was aber offenbar auch nicht gelungen ist.

Dann folgte Dieter Braeg mit einem politischen Text und danach stellte Erwin Riess seinen neuen “Groll-Roman” vor, den es im Septermber auch in der “AS” zu hören geben wird.

Dann kam schon ich mit meinem Stückchen aus der “Magdalena Kirchberg schreibt einen Roman” und ich verknüpfte das Motto mit dem Satz “Die Erinnerungen sind die einzigen Paradiese aus denen man nicht vertrieben werden kann”, den ich Angesichts des Vergessens, “Alzheimer” und Demenz  für unwahr halte, aber eigentlich hat sich die Maria Mattuschek ja auch in ihre Erinnerungen zurückgezogen und lebt sehr gut darin.

Einer der Zuhörer hat mich nach der Lesung auf das Buch angesprochen. Es ist auf der Bühne mit einem ebenfalls theoretischen Text von Mladen Savic weitergegangen, den ich sowohl schon am Volksstimmefest, als auch in der “Roten Bar” lesen hörte. Wolfgang Oertl machte ein Sprachexperiment mit den Worten: Sprache, Macht, Gewalt, in dem er sie vielmals abwandelte.

Verena Mermer, auch schon eine alte Bekannte brachte Briefe und Andi Pianka wurde durch das Motto zu einem sehr politischen Text, der die  Situation der letzten Monate zum Thema hatte angeregt.

Nadia Baha, die dann folgte, hatte sich durch das Motto ebefalls zu einem “Geheimen Ibiza Tagebuch anregen” lassen, während Peter Clar seine Germananistentätigkeit nicht verleugnen konnte in in seinen Texten Friederike Mayröcker, Ingeborg Bachmann etcetera immer wieder erwähnte. Katrin Forstner bestand dann darauf, daß sie auch am Volksstimmefest poetisch sein darf, während die letzte Leserin des Samstag Olja Alvir, die auch schom im letzten Jahr gelesen hat, einen Ausschnitt aus einem Roman brachte, in dem ein paar junge Leute zufällig in eine Revolution geraten.

Danach unterhielt ich mich mit Hilde Schmölzer, Ruth Aspöck und einigen anderen um zu erfahren, daß der Franz, Elfriede Haslehners Lebensmensch, einige Jahre jünger als sie, vor ein paar Wochen einen unerwarteten Herzanfall hatte und am Donnerstag begraben wurde.

Ein großer Schock wahrscheinlich ganz besonders für seine Lebenspartnerin, die ich ja schon sehr lange vom “Arbeitskreis schreibender Frauen” kenne und die auch immer wieder am Volksstimmefest gelesen hat.

Der Alfred wollte sich dann eine im dritte Weltdorf Fleischspieße kaufen und seine Freunde vom Kubastand treffen, da gab es auch ein diesbezügliches Konzert auf der Volksstimmebühne und dann im Anschluß Harry Stojka, den ich ja schon in Göttweig bei “Literatur und Wein” hörte.

Am Sonntag hat es dann, als ich in Richtung Jesuitenwiese aufgebrochen bin, ein bißchen zu regnen angefangen, es wurde aber gleich wieder schön und war wahrscheinlich das wärmste Fest seit Jahren und diesmal hat das “Linke Wort” auch fast pünktlich angefangen.

Begonnen hat Elfi Resch, die in ihren “Wortspenden” sowohl ihren literarischen Werdegang, sie hat zuerst Gedichte geschrieben, dann in der Veza-Canetti-Anthologie einen Text gehabt und  dann beim Volksstimmefest und bei Frauenveranstaltungen zu lesen begonnen, thematisiert, dann zu dem ursprünglichen Motto, daß die schriftstellerische Arbeit und also auch die Lesungen honoriert werden sollte, wo ich mich mit dem Uli ja einmal heiß über die Frage, ob man als “Hobbydichter” ein Honorar verlangen darf, stritt, überleitete.

Jiaspa Fenzl, die offenbar an der Sprachkunst studierte und die,wenn ich mich nicht irre, bei den letzten “Kritlits” las, setzte gleich mit ihren Überlegungen über den Literaturbetrieb und die Rolle, die man in diesem spielt, fort. Dann kam Susanne Ayoub mit etwas Anderen, nämlich mit einem “Krieggedichtzyklus” aus dem sie zwei Beispiele las.

Güni Nogger aus Innsbruck hat in seinem Worttext auf den Herbert K. mit seinen Pferden Bezug genommen, war also sehr politisch. Eleonore Weber, sowie Ruth Aspöck folgten. Letztere bezog sich wieder auf das Thema des Tages und las ein Erlebnis mit der kubanischen Gesellschaft vor, in der sie sich sehr lange engagierte und  kulturelle Abende veranstalte, bei der Honorfrage hieß es aber wieder, daß das Politische natürlich wichtiger als das Kulturelle sei.

Gerhard Ruiss, der als Vertreter der IG Autoren natürlich für ein Mindesthonorar ist, las aus seinen “Kanzlergedichten”.

Dann folgte Hubertus Chaim Tassatti, der glaube ich, wie Elena Messner, das erste Mal beim Volksstimmefest las, während ich Barbara Eder, die einen Ausschnitt aus einem längeren Text brachte, dort schon gehört habe.

Kurto Wendt brachte auch einen Ausschnitt aus einem politischen Roman, Stefanie Sargnagl Tagebuchnotizen, die sehr lustig waren und am Schluß leitete Denice Bourbon auf das anschließend folgende Programm über.

Ich ging aber mit dem Alfred wieder zum Favoritnerstand, wo es Kaffee und Kuchen gab. Anschließend hörten wir sowohl auf der Jura Soyfer-Bühne der Sängerin Sigrid Horn, als auch auf der “Volksstimmefest-Bühne”  Birgit Denk zu.

Olja Alvir

Olja Alvir

Ruth

Ruth Aspöck

Susanne Ayoub

Susanne Ayoub

Nadia Baha

Nadia Baha

Denice Bourbon

Denice Bourbon

Dieter Braeg

Dieter Braeg

Peter Clar

Peter Clar

Barbara Eder

Barbara Eder

Jiaspa Fenzl

Jiaspa Fenzl

Katrin Forstner

Katrin Forstner

Gerald Grassl

Gerald Grassl

Eva Jancak

Eva Jancak

Herbert Kuhner

Herbert Kuhner

Verena Mermer

Verena Mermer

Elena Messner}

Elena Messner}

Güni Noggler

Güni Noggler

Wolfgang Oert

Wolfgang Oert

Andi Pianka

Andi Pianka

Elfie Resc

Elfie Resc

Erwin Riess

Erwin Riess

Gerhard Ruiss

Gerhard Ruiss

Stefanie Sargnagel

Stefanie Sargnagel

Mladen Savic

Mladen Savic

Hubertus Chaim Tassati

Hubertus Chaim Tassati

Eleonore Weber

Eleonore Weber

Kurto Wendt

Kurto Wendt

Das letzte rote Jahr

Jetzt kommt wieder eine österreichische Neuerscheinung oder ein bei FVA erschienes  Buch das mir gut gefallen hat, der 1981 in Zilina geborenen Susanne Gregor, die 1990 mit ihrer Familie nach Österreich gezogen ist und bei der “Edition Exil” ihren ersten Roman “Kein eigener Ort” herausgebracht hat, obwohl sie bei der Lesung im vorigen Jahr im Literaturhaus ja, glaube ich, sagte, daß sie nicht so gerne solche schreiben würde.

Jetzt ist der neue Roman bei FVA  vielleicht durch Mareike Fallwickls Hilfe, die damals auch gelesen hat, erschienen und ich muß sagen, er gefiälltmir sehr und war für mich eine postivie Überraschung, denn “Kein eigener Ort” hat mir nicht so gefallen.

Sie ist dann bald zu “Droschl” gewechselt, wurde vom Literaturhaus als Jungautorin präsentiert, ihren Roman “Terretorien”, der schon bei “Droschl” erschienen ist, habe ich noch nicht gelesen, wohl aber bei einem der Literaturhaus-Flohmärkte gekauft und nun habe ich ein sehr interessantes Buch gelesen, das das letzte Jahr in der Tschechoslowakei vor dem Weggang in den Westen und den Fall der Mauer schildert.

Misa, Rita und Slavka sind drei Freundinnen oder eigentlich drei vierzehnjährige Mädchen, also etwas älter, als es Susanne Greogor 1989 war, die in der Klein oder Großstadt Zilina, an der wir immer vorüberfuhren, wenn wir in die hohe Tatra wollten, leben.

Die Ich-Erzählerin Misa mit ihren Eltern und ihrem achtzehnjährigen Bruder Alan in der Mitte des Hauses, darunter Slavka mit ihrer Mutter, denn ihr Vater ist einmal von einer Reise nach Stockholm nicht mehr zurückgekommen, darüber Rita mit ihren Ärzteeltern und dem kleinen BruderMarcel, der immer am Hosenzipfel der Mutter hängt.

Die Eltern treffen sich Abends immer beim Wein in Misas Wohnung, die drei Freundinnen verbringen die Zeit abwechselnd miteinander und besuchen die selbe Klasse und in diesem Jahr, wo sie auch aufs Gymnasium wechseln, werden sie sowohl erwachsen, als auch ihre Freundschaft und das sozialistische System in dem sie aufgewachsen sind, zerbricht und das alles erzählt Susanne Gregor durchaus spannend, wenn das Buch auch zum Teil das die “Skizze eines Sommers” von Andre Kubizek erinnert, der ja etwas Ähnliches schildert, einen Jahrhundertsommer in der DDR, während das Regime bald zerbricht.

Aber so rosig ist es in Misas Leben, die gerne Bücher liest, was ihr Vater, der in einer Elketrofirma arbeitet und daher öfter Auslandsreisen nach Österreich machen darf, gar nicht, der Bruder kapselt sich ab, der Vater will daß sie mehr Sport betreibt und auch die Freundin Rita, die eine überzeugte Pionierin ist, während ihre und auch die anderen Eltern längst nicht mehr so überzeugt von dem Regime sind, kapselt sich ab und geht ihre eigene Wege, was sie zuerst des Nachts in Alans Zimmer führt und als Misas Eltern das erfahren, in eine Katastrophe ende, denn er ist achtzehn, sie vierzehn, also ist es eigentlich verboten, was sie machen und Slavka trainiert eifrig für den Sportkader, ist in ihrem Geschichtslehrer verliebt, ansonsten schminkt sie sich und zieht sich westlich an.

Ihre Karriere wird vor Schluschluß bei einer Sportaufführung unterbrochen, als sie sich den Knöchel bricht und den Sommer liegend mit Gips im Bett verbringen muß.

Ritas Eltern wollen auch nach Ungarn, von den Veränderungen dort, daß da die Grenzen geöffent wurden und die DDR-Bürger von dort in den Westen verschwinden, erfahren die Mädchen durch erlauschte Gespräche ihrer Lehrer oder aus dem Radio.

Ritas Vater Michal will von einem Kongreß in Ungarn nicht mehr zurückkommen. Er will aber auch Abteilungsleiter in seinem Krankenhaus werden, um nicht immer Nachtschichten schieben zu müssen. Trinkt aber so viel,  daß beides nicht klappt und die Katastrophe herannaht, als eines Tages Alan und Rita verschwunden sind, was von ihrem Familien erst einen Tag später bemerkt wird und es noch etwas länger dauert, bis ein Brief von Rita aus Hamburg kommt.

Das Leben geht aber weiter, Weihnachten wird im Haushalt von Misa, einen Brand hat es vorher auch gegeben, etwas chaotisch gefeiert, daß der Weihnachtsbaum fehlt, fiel auch erst später auf. Dafür überraschte aber der Vater, der die Tochter schon vorher zum Deutschstudum verpflichtet hat, daß sie ab Februar nach Österreich ziehen werden und das neue Leben  im westlichen Kapitalismus beginnt.

Das Buch beginnt mit einem Prolog, da ist die Ich-Erzählerin, glaube ich, in Wien und schon Schriftstellerin, kellnert aber nebenbei und sieht im Fernsehen plötzlich Rita, so daß sie sich an das letzte roteJahr in Zilina erinnert und die Geschichte zu erzählen beginnt.

Von der Rot-Show zum Wohnzimmertag

Patricia Brooks

Patricia Brooks

Fritz Widhalm

Fritz Widhalm

Wahlkampfauftakt der SPÖ am Viktor Adler Markt, im zehnten Bezirk, der Heimat der Vorsitzenden Pamela Rendi-Wagner und ich habe ja schon geschrieben, daß ich, seit ich für den Rücktritt Kickls unterschrieben habe, in den Verteiler gekommen bin, im Juli bei einer Vorveranstaltung im Bruno Kreisky Park war und jetzt zur offiziellen Wahlkampferöffnung, obwohl ich ja kein SPÖ-Fan bin, aber ich gehe ja manchmal zur Wahlveranstaltungen und diesmal war auch ein besonderes Programm angekündigt.

Um vier oder um fünf hat es angefangen, da spielte zuerst eine Musikgruppe, dann gab es Interviews mit Jugend- und Spitzenkanditaten.

Vor der Bühne gab es Stehtische und dahinter Holzbänke, wo ich auf einem Platz genommen habe, wo sich, glaube ich, die Bezirkselete getroffen hat, lauter ältere Männer, die sich kannten und mit “Freundschaft!”, begrüßten, aber sehr freunlich waren.

Auf einem Stand wurden Bleistifte, Folder und Knabbertüten verteilt und dann gab es noch große rote Pappschilder mit dem Motto der Veranstaltung “Menschlichkeit siegt!”, die man bei den Reden in die Höhe halten konnte und ich eigentlich für einen guten Wahlkampfslogan halte.

Astrid Nischkauer

Astrid Nischkauer

jopa jotakin

hörb

Einen SPÖ- Song gab es auch, der seine Weltpremiere hatte und dann die Rede der Vorsitzenden, ich ich lange vor ihrer politischen Karriere, als Spitzenbeamtin im Gesundheitsministerium kennengelernt und für eine sehr durchsetzungsfähige Karrierefrau gehalten habe. Dann wurde sie Gesundheitsministerin und jetzt SPÖ-Vorsitzende, wo sie ihre Kindheit in dem Arbeiterbezirk Favoriten betont, von den SPÖ-Männern, glaube ich, sehr gemobbt wird, sich aber durchzusetzen scheint.

Mal sehen wie es gelint, die Wahlkampferöffnung war aber sehr spannend und als ich gegangen bin und  schon dachte, daß ich niemanden hier kenne, habe ich den Rudi mit einer seiner Verwandten getroffen und dann noch am Heimweg Thomas Northoff mit seiner Freundin in einem Schanigartensitzen gesehen.

Beide wollte nicht ins Amerlinghaus zum Wohnzimmertag, obwohl es da auch ein tolltes Programm mit der gegenwärtingen experimentellen Literatur gegeben hat.

Ilse Kilic moderierte, Patrica Brooks, die glaube ich auch im Vorjahr bei den Wohnzimmertagen gelesen hat, begann mit einem Text, den sie zu einer musikalischen Vorgabe geschrieben hat. Dann folgten Sommergedichte und ein vier Minunten Horrorcomcichörspiel, das sie gemeinsam mit Ilse Kilic geschrieben hatte.

hörb

jopa jotakin

Ilse Kilic

Ilse Kilic

Fritz Widhalm folgte mit ausschnitten aus zwei Büchern wo er seine Pläne nach seinem sechzigsten Geburtstag offenbarte.

Da hat er in der Schreibgruppe, glaube ich, immer betont, daß er dann zu Schreiben aufhören würde. Jetzt ist er aber, glaube ich, schon sechzig und schreibt weiter und danach folgte die 1989 geborene Astrid Nischkauer, die ich manchmal in der “Alten Schmiede” sehe, die sowohl Gedichte las, die sie übersetzte, als auch aus ihrem Band “Satyr mit Tunfisch” las und am Schluß folgte Jopa Joakin, der ein szenisches Gedicht namen “Sommerloch” mit musikalischer Begleitung performte und nachher sind wir noch lange mit der Ruth im Garten des Amerlingbeisl gesessen, um mit ihr unsere fürs nächstes Jahr geplante Radreise zu besprechen.

Letzte O-Töne

Daria Wilke

Daria Wilke

Die letzten O-Töne in diesem Jahr und es sah ein bißchen nach Regen aus, zumindestens gab es Donnergrollen und Ruth Aspöck und Christa U. sind mit Schirmen ausgerüstet erschienen, Gustav Ernst kam mit Karin Fleischanderl, Robert Huez mit Lydia Mischkulnig so waren die ersten beiden Reihen reserviert, als ich nach sechs erschien und der Moderator erklärte, daß man im Haupthof zu lesen beginnen würde und bei Regen ins Quartier einundzwanzig wechseln könne.

Das war dann nicht nötig, weil das Gewitter erst begann, als wir schon  zu Hause waren und zuerst kündigte Klaus Kastberger an, daß nun alle Bildungsbürger, die sich Wissen erwarten würden, auf ihre Rechnung kämen, denn die in Russland geborene Daria Wilke führte mit ihrem Roman “Die Hyanzintenstimme”, im Programm war er falsch angekündigt und Bettina Balaka zugeordnet, in die Musik des Barocks und in das Kastratentum ein oder besser in ein Schloß, wo sich ein Zar Buben mit schönen Stimmen einkaufte und sie musikalisch ausbilden ließ und die Hauptleserin, die 1966 in Salzburg geborene Bettina Balaka, die schon sechzehn Romane geschrieben hat, führte dann mit ihrem neuen den “Tauben von Brünn” ins Biedermeier und zu einem historischen Fall, nämlich zu dem berühmt berüchtigten Johann Karl von Sothen, den Lotteriebaron, von dem ich noch nie etwas gehört habe.

Bettina Balaka

Bettina Balaka

Bettina Balaka, die ich seit meiner Jurytätigkeit 1996 beim Nachwuchsstipendium kenne, beschäftigt sich ja gerne mit historischen Stoffen, hat vom ersten Weltkrieg geschrieben und vom Frauenwahlrecht und jetzt in das Jahr 1848 und zu der Legende von dem aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Sothen, der dann bei jeder Lotterie gewann und sich daher am Kahlenberg und am Cobenzel ein paar Schlößer bauen ließ und am “Himmel” die Sisikapelle, von der hat aber schon Anna Elisabeth Mayer geschrieben, die sich ja auch gern mit historischen Stoffen beschäftigt. Ihr Buch “Am Himmel” habe ich im Schrank gefunden und werde es demnächst lesen, während ich mit den “Tauben von Brünn” noch warten werde und die O-Töne sind für dieses Jahr zu Ende.

“Leben Sie wohl bis zum nächsten Jahr, besuchen Sie die “Buch Wien” und lesen Sie schöne Bücher!”, sagte die Veranstalterin, wie wohl jedes Jahr.

Mal sehen, ob mir das gelingt!