Bungalow

Jetzt kommt Buch neun des dBps, eines das meiner Meinung nach, leider nicht auf der Shortlist steht, nämlich der dritte Roman, der 1992 in Freiburg im Breisgau geborenen Helene Hegemann, die 2010, also achtzehnjährig einen Skandal mit ihrem ersten Roman “Axolotl Roadkill” auslöste, den ich gelesen habe.

“Jage zwei Tiger”, 2013, erschienen, nicht mehr und jetzt bin ich, weil es auf der dBp Longlist steht, auf dieses Buch gekommen, das auf den Blogs und Vlogs sehr unterschiedlich beurteilt wird.

Die meisten sagen “Wollen wir nicht, wegen dieser Copy und Paste-Geschichte, die ich inzwischen eher differenziert betrachte und einige sind vielleicht auch mit der Mischung zwischen Dystopie und harter Sozialbeschreibung, die wahrscheinlich Helene Hegemanns Spezialität ist, überfordert und sagen “Wir wollen eine Dystopie lesen und nicht seitenlang, die Beschreibungen einer  Jugendlichen, die rotzfreche Sachen von sich gibt und provozieren will!”

Eine hat es eine Mischung zwischen Poesie und Provokation genannt und ich denke, das stimmt und ist gut ausgedrückt.

Natürlich ist das Buch überfrachtet und Helene Hegemann hat wahrscheinlich wieder einmal viel zu viel hineigepackt und überfordert damit ihre Leser.

Aber mir hat, ich wiederhole es, das Buch sehr gut gefallen und ich würde es beispielsweise sehr gerne gegen “Archipel”, wo ich das Besondere nicht herausgefunden habe, auf der Shortlist austauschen.

Was passiert in dem Buch? Schwer zu sagen, denn, weil so viel passiert, ist es für den Normalleser, der ich wahrscheinlich gar nicht bin, schwer mitzubkommen.

Da ist also Charly, die nach Charlotte Rumpling von ihrer alkoholkranken Mutter, Charlotte genannt wurde. Sie ist erwachsen und sitzt nach einer Katastrophe, einem Krieg, dem Umweltzusammenbruch oder was sonst auch immer, in der nahen oder ferneren Zukunft an einem Ort, ich glaube, in de rKaribik und schreibt ihre Jugenderinnerungen auf.

Aber so beginnt das Buch gar nicht. Es beginnt, als Charly, glaube ich, siebzehn ist und sich im namensgebenden Bugalow ihrer Nachbarn befindet. Dort liegt sie mit dem Oberköper auf der Waschmaschine und läßt sich von Nachbarn Georg ficken. Seine Frau Maria schaut dabei zu.

Schön provokant, in Zeiten, wo die sexuellen Mißbrauchsskandale geahndet werden, habe ich wohl gedacht,  in Videos gesehen, daß sich Booktuber darüber empören und war beim Weiterlesen verwirrt, weil da nicht das kam, was ich in den Vorschauen gelesen habe.

Denn da wurde in einigen Kapitel, die beiden, Georg und Maria beschrieben und erst in Kapitel vier oder so fängt es so richtig an und kann wahrscheinlich abstoßen oder faszinieren. Nachdenken kann man darüber allemal, wenn man, ob der Verfrachtetheit dazu kommt.

Denn jetzt ist Charly zwölf und lebt mit ihrer alkoholkranken Mutter in einem Hochhaus und von dort sieht sie auf eine Bungalow-Siedlung, wo die Reichen wohnen und bekommt ihre untere Sozialklasse damit so richtig mit.

Ich bezweifle, daß das in Wirklichkeit so passiert, denn die Reichen würden sich ja von den Assis nicht in ihre Wohnzimmer sehen lassen. Charly tut das aber und beobachtet, wie eine Frau, die sie die “Blockwartin” nennt, aus ihrem Bungalow hinausstirbt. Das Schauspielerpaar Maria und Georg ziehen dort ein und eine Abhängigkeit beginnt, die Helene Hegemann, glaube ich, sehr gut beschreibt.

Sie nennt es “Ich will nicht von ihnen adoptiert werden, sondern mit ihnen ficken!” und beschreibt dann Studien von Schwänen, die sich auf das nächste Ding fixieren lassen, beispielsweise ein Tretboot, wenn sie ihre Mutter verlieren.

Aber Charly hat noch eine Mutter. Die liegt im Bett und säuft. Manchmal steht sie auf und liefert sich mit Charly einen Kampf oder ein Schreiduell. Dann versucht sie wieder ein paar Tage lang nichts zu trinken und Charly und dem Vater normale Welt vorzuspien. Ja, richtig, einen Vater gibt es auch. Der kommt zu Weihnachten und zum Geburtstag, bringt ein Geschenk und verabschiedet sich wieder und wenn das Geld ausgeht haben Mutter und Tochter tagelang nichts zu essen.

Das Ganze spielt, wie beschrieben, in der Zukunft, etwas, das ich eigentlich auch unnötig finde. Mir würde die Sozialbeschreibung reichen und eigentlich, wenn man genau liest, ist es so gar nichts mit der Zukunft, gibt es ja Festnetztelefone und Schauspielernamen, die, glaube ich, aktiv unterwegs sind. Es gibt aber auch Flugautos, Ozonwarnungen, wo man das Haus nicht verlassen darf, etcetera und dazwischen geht Charly ganz normal in die Schule, beobachtet ihre eßgestörten Mitschülerinnen, während sie real hungert, weil die Mutter kein Geld mehr hat. Beobachtet, wie die frustrierten Jugendlichen Hamster kaufen und von einer Mauer fallen lassen und sie steht daneben und ärgert sich, daß sie nicht reagieren konnte.

Das scheißnormale Alltagsleben halt. Der Lehrer ist Afrikaner. Charly wird zu manchen Parties nicht eingeladen und, als die neuen Nachbarn kommen, beginnt sie sie, so könnte man es nennen, zu stalken.

Das Ganze wird, wie beschrieben, in Rückblednungen erzählt. Es ist von einer Selbstmordwelle die Rede, eine Explosion löst den Krieg aus. Die Mutter wird in die Psychiatrie eingewiesen, als sie ihr eigenes Grab schaufeln will, entkommt aber als einzige der brennenden Psychiatrie, weil sie ihre Medikamente nicht genommen hat und dadurch normal reagieren konnte.

Ja, sozialkritisch ist das Buch, der wahrscheinlich blitzgescheiten und vermutlich auch überforderten jungen Frau und der letzte Satz lautet:

“Das ist das Letzte was ich von ihr gehört habe. Ich bin dann ja irgendwann abgehauen.”

Ja, es ist ein Buch über die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit ihrer Mutter. Eine Haßliebe und wahrscheinlich die Geschichte einer überforderten Seele und Helene Hegemann hat, glaube ich, ihre Mutter auch sehr früh verloren,  ist mit Dreizehn zu ihrem Vater, einem Theaterschaffenden, gezogen und  da zu schreiben angefangen.

Ein ungewöhnliches Buch, das abgesehen von der Dystope, die mich genervt hat, sehr zu empfehlen ist, wenn man etwas von den Leiden oder den Krankheiten der heutigen Jugend erfahren will.

Im Verborgenen

Nun habe ich, weil es auf die Debutshortlist des öst Bp gekommen ist, Ljuba Arnautovics Familiengeschichte, ein “Roman nach wahren Begebenheit mit Orignaldokumentenm, die aber keine strenge Widergabe realer Personen ist”, steht im Anhang, doch gelesen und die Familiengeschichte, der 1954 in der SU geborenen Übersetzerin, Autorin und Journalistin, die ich vom “Exil-Preis” kenne, ist sicherlich interessant und Ljuba Arnautovic, arbeitet inzwischen, glaube ich, auch schon am zweiten Teil, zumindestens hat sie beim “Volksstimmefest” ein Stückchen daraus gelesen.

Die Familiengeschichte rührt an mehreren Teilen der Geschichte Österreichs, Russlands, etcetera, des vorigen Jahrhunderts, ist sehr realistisch geschrieben und leicht zu lesen, aber nicht fortwährend chronologisch erzählt und ist zum größten Teil die Geschichte von Ljuba Arnautovics Großmutter Genoveva, 1901, glaube ich, geboren, die viel erlebt hat, mit sechzig Jahren auch noch Jus studierte und sich sozusagen den Traum ihres Lebens erfüllte.

Beginnen tut das Buch mit dem Teil, den ich Ljuba Arnautovic schon mehrmals lesen hörte. Es ist 1944 und die Polizei findet einen Abschiedsbrief eines Walter Israel Baumgartens, der ins Wasser geht, weil er der Vorladung der Gestapo nicht folgen will.

Da kennt man sich noch nicht recht aus, kommt aber bald zu Genoveva, die streng und unnahbar geschildert wird und, die im Büro der evangelischen Gemeinde, als Sekretärin arbeitet. Sie versteckt jenen Walter, während die Polizei zu seiner Ziehmutter Aloisa kommt, um ihr seinen Selbstmord mitzuteilen, im Hinterzimmer ihrer Wohnung.

Dann geht es zurück in das vorige Jahrhundert, beziehungsweise in die Kindheit von Walter und Genoveva. Walter ist das jüngste Kind einer jüdischen Familie, wurde aber evangelisch aufgezogen und Aloisa ist das ehemalige Dienstmädchen, das nach dem Tod der Mutter, den Vater heiratete, eigentlich ins Kloster gehen wollte, aber die sieben Kinder ihres Arbeitsgebers, der auch bald gestorben ist, aufzog.

Während Genoveva,  Tochter mährischer Eltern, immer studieren wollte, es aber nur in die Handelsschule schaffte, dann einen Bosnier heiratet, von ihm ihr erstes Kind bekam, sich aber scheiden ließ, weil er sie nicht arbeiten lassen wollte, damals brauchte eine Frau dazu ja noch die Einwilligung ihres Mannes. Danach lebte sie mit einem Kommunisten namens Karl zusammen, bekam ein zweites Kind und als der Februar 1934 kam und die Eltern verhaftet wurden, schickten sie Slavko und Karl als sogenannte “Schutzbündlerkinder” nach Moskau, wo es ihnen zuerst sehr gut ging, der älteste Sohn Slavko, aber verhaftet wurde und 1942 im Gefängnis starb.

Karl ist mit seiner russsischen Frau und seinen zwei Töchtern, 1960 nach Österreich gekommen, aber ein großer Teil des Buches spielt in den letzten Kriegstagen, wo Genoveva im Hinterzimmer ihrer Dienstwohnung Walter und noch einige andere Juden versteckt und sie da vor dem Nazi-Hausmeister  und Blockwart vorbeischmuggeln mußte.

Sie kommt Walter näher, heiratet ihn nach dem Krieg auch. Er erhängt sich aber kurz danach, so daß ihr wahrscheinlich nichts mehr anderes, als das Jusstudium blieb und hier schildert Ljuba Arnautovic auch sehr eindringlich, die Angst der kleinen Mädchen vor der strengen Großmutter, die ihnen immer wieder das Foto ihres Sohnes Slavko zeigt und sie nicht verstehen können, wieso dieses “Kind ein Onkel sein kann?”

Ljuba Arnautovic hat, glaube ich, auch schon an einem Feature über  diesen Onkel gemacht und schreibt jetzt wahrscheinlich im zweiten Teil darüber und es ist sicherlich eine sehr spannende Familiengeschichte, die zu diesen Roman verarbeitet wurde, die in einer Zeit spielt, die mich sehr interessiert, so daß ich sehr froh bin, daß das Buch nun doch zu mir gekommen ist und mir  Maria Antonia Graff, die jetzt die Pressearbeit für “Picus” macht, wie mir Luba Arnautovic beim “Volksstimmefest” sagte, das PDF schickte.

Das Jahr in dem Dad ein Steak bügelte

Nun kommt die vierte Variante des heurigen Herbstlesen, nämlich das Debut einer asiatisch-amerikanischen Autorin, nämlich Rachel Khong, die mit ihrem Roman, Memoir oder Personal Essay über ein sehr wichtiges Thema, das gerne verdrängt wird, geschrieben hat.

Wenn man ein Buch über Alzheimer schreibt, muß es wohl “unheimlich komisch und witzig” sein, damit man es aushält und ertragen kann und daran kranken die tagebuchartigen Episoden über eine junge Frau. Die dreißigjährige Ruth, die Mutter ist Chinesin, wurde aber als Baby von Amerikanern adoptiert, der Vater ist Geschichtsprofessor, sie selbst hat ihr Studium ihres Freundes Joels wegen abgebrochen und ist nun so etwas, wie medizinische Assistentin, die in San Francisco Ultraschalluntersuchungen machen.

Das kann man bei “Amazon” schön nachlesen, daß da die Rezensionen zwischen ein und fünf Sterne schwanken, aber es wohl auch ein Thema, das viel Abwehr und Angst erzeugt, aber eines von dem es sehr wichtig ist, sich damit zu beschäftigen.

Die junge Ruth, die gerade Liebeskommer mit ihrem Freunmd Joel hat, wird also zu Weihnachten von ihrer Mum nach Hause, also nach LA geholt, um ihr bei der Betreuung ihres Vaters, der eine Alzheimer-Diagnose ha,t zu helfen und das wird nun, wie schon beschrieben, skurril komisch geschildert.

Immer wieder werden Episoden über Alois Alzheimer oder Informationen über die Krankheit  personal- essaymäßig eingeschleust und es gibt in den tagebuchartigen Notizen eine Grundidee, die ich sehr schön fände, wenn sie nur etwas strukturierter ausgearbeitet wäre.

Der Vater ist Geschichtsprofessor, wird aber vom Dekan entlassen oder beurlaubt, weil er unangenehm aufgefallen ist. Er ist zu spät gekommen, hat Dinge verwechselt, vergessen, etcetera und Ruth fragt nun an, ob er wieder ein Seminar halten kann?

“Nein!”, druckst der Dekan herum. Aus Gründen der Sicherheit erst wieder wenn es ihm besser geht und wenn er sich auf dem Universitätsareal sehen läßt, würde er die Polizei rufen.

Das muß wohl nicht sein und so kommt auch Theo, einer von den Studenten auf die Idee, dem Vater heile Welt vorzuspielen und ihm einfach das Seminar abhalten zu lassen. Aber der Dekan darf nichts davon merken. So findet der Unterricht in verschiedenen Räumen statt, schließlich in Restaurants, im Disneyland und in einem Freizeipark, wo sie den Dekan treffen und der Vater erkennt, daß er von Ruth und den Studenten an der Nase herumgeführt wurde, was ihm sehr wütend und betroffen macht.

Es wird auch herumgerätselt, wie es zu der Krankheit kommen kann? Das Aluminium ist schuld, da es die Plaques im Gehirn erzeugt. Also verbannt die Mutter allle Aluminiumpfannen und Töpfe aus der Wohnung und Ruth hat gelesen, Gemüse ist ein Gegenmittel. So muß der arme Vater Brokkolie essen oder Quallen. Die Tochter schafft ihm auch Fische an, macht mit ihm Ausflüge und immer wieder kommen Sequenzen in dem Buch vor, die unlogisch klingen und eigentlich nichts mit der Geschichte zu tun haben, was auch mein Kritikpunkt wäre.

Es sind oft banale skurille Sequenzen, die da beschrieben werden, Ruth sinniert über ihre Vergangeheit, trifft Schulfreundinnen, freundet sich auch mit Theo an und der Vater gibt die bewußten erstaunlichen Antworten, die ich auch bei meinem Vater erlebt habe.

“Was mein Vater alles nicht hat: Schilddrüsenüberfunktion,, eine Nieren und Leberinsufflienz, eine Infektion, irgendeine Form von Mangelernährung. Ein Mangel an B 12 und Folsäure kann zu Erinnerungsverlust führen, ist aber behandelbar.

Ich bin einfach nur dement”, sagt Dad” oder “Als Theo gegangen war, sagtest du: Ich bin senil, aber nicht blind!”

Der Vater bügelt dann auch das schon erwähnte Steak, läßt seine Sandwiches in seinem Büro vergammeln oder weigert sich zu essen und Ruth findet auch Differenzen zwischen ihm und der Mutter heraus. So hat der Vater früher Alkohol getrunken, hat die Mutter öfter betrogen. Sie findet auch Scheidungspapiere und weiß nicht so recht, sind die Eltern jetzt geschieden oder nicht?

Das sind auch die Szenen, die ich für überfrachtet halte. Aber wahrcheinlich ist es sehr schwer ein Buch, das ja wahrscheinlich autobiographische Wurzeln hat, mit einem solchen Thema so einfach hinunterzuschreiben und ich glaube, es ist auch sehr schwer, ein solches Buch zu lesen. Deshalb flüchten die Autoren dann halt gern in die sogenannte Komik, wenn sie nicht überhaupt, was ich für noch furchtbarer halte, zu dem Schluß kommen, den Patienten am Ende umzugbringen, was einmal sowohl beim Bachmannpreis thematisiert wurde, als auch John Katzenbach so beschrieben hat.

Ein wichtiges Buch mit einem wichtigen Thema also, das man sicher besser schreiben könnte, aber das ist, füge ich gleich hinzu, höchstwahrscheinlich nicht so leicht, habe ich mich ja selber einmal mit diesem Thema versucht und, ich glaube, es ist auch sehr wichtig, solche Bücher zu lesen und sich mit diesen Thema auseinanderzusetzen.

Noch ein Detail am Rande. Am Cover der englischen, als auch der deutschen Ausgabe, gibt es viele rosa und auch gelbe Zitronen. Keine Ahnung wehalb? Interessant ist aber, daß die Englische Ausgabe den Titel “Goodbye Vitamin” trägt, was ja nicht die Übersetzung der deutschen Ausgabe ist.

Es ist wieder Donnerstag

Als es 2000 die erste schwarzblaue Regierung gegeben hat, hat es einen starken Protest  dagegen gegeben. Es gab die sogenannten Sanktionen und in den ersten Tagen eine tägliche Demonstration, die später in die Donnerstagdemos gemündet ist, wo man durch die ganze Stadt gegangen ist und die Leute aus den Fenstern einem zuwinkten und anfeuerten.

Da kann ich mich erinnern, daß ich am Graben in einer Buchhandlung gesessen bin, wo Peter Henisch gerade seinen”Schwarzen Peter” präsentierte, als die Demo draußen vorbeimarschierte und ein anderes Mal war ich im Literaturhaus bei einer Veranstaltung der IG Autoren, ich glaube über die Künstlersozialversicherung, wo auch der damalige Kunststaatssekretär Franz Morak am Podium gesessen ist, der dann von Gerhard Ruiss begleitet durch die Hintertür geflüchtet ist, als die Demonstranten, die Stiegen hinabkamen. Ich bin aber auch regelmäßig mitgegangen, nach St. Marx, wie ich mich erinnern kann, hinausmarschiert und sicher noch in andere Stadtteile.

Im Volksstheater hat es, glaube ich, täglich oder wöchentlich eine Lesung nach der Vorstellung gegeben und am Ballhausplatz, die von El Awadalla organiserten Widerstandslesungen  und leider hat sich das Ganze dann irgendwie ausgehöhlt.

Die nächste Regierung war dann zwar wieder rotschwarz, aber viel besser ist es dadurch auch nicht geworden und seit Anfang 2018 wieder schwarz oder wie das jetzt modern heißt, türkisblau unter Kurz und Strache und der Widerstand dagegen hat sich erst zaghaft und allmählich dagegen gebildet.

Zwar war ich im Jänner oder Februar mit dem Alfred auf einer großen Demonstration, wo wir vom Westbahnhof zum Ballhausplatz marschiert sind. Im Sommer gab es eine gegen den zwölf Stunden Tag, der im September eingeführt wurde. Die Krankenkassen sollen zusammengelegt werden, in der Schule wieder Noten eingeführt und eigene Deutschlassen für noch nicht Deutsch sprechende Kinder, die Mindersicherungen gekürzt und und und seit heute wird es wieder wöchentliche Donnerstag Demonstrationen geben.

Die erste war ab sechs am Ballhausplatz und da ich leider eine sechs Uhr Stunde hatte, weil die Klientin nicht anders konnte, bin ich erst um sieben in den Volksgarten gekommen, wo der Alred schon gewartet hat und wir uns langsam durch die meist sehr jungen Menschenmassen nach vorne gekämpft haben.

Zwanzigtausend habe ich auf der Bühne gehört, sind auf den Ballhausplatz gekommen und seltsamerweise habe ich darunter nur die Schriftsteller gekannt, Robert Schindel, Markus Köhle, Peter Clar, Kurto Wendt und ob es wirklich  Erich Hakl war oder nur jemand der ihn ähnlich sah, habe ich nicht ganz erkennen können.

Auf der Bühne vorn am ballhausplatz, neben dem Deserteursdenkmal und zwischen Bundeskanzleramt und Präsidentschaftskanzlei war die Bühne, wo sowohl künstlerische Darbietungern gegen schwarzblau als auch Reden stattfanden.

Ein Mann im Rollstuhl hat gegen die Ausgrenzung der Minderheiten gesprochen, türkische Rapper haben versichert, daß sie sich nicht vertreiben lassen werden und jemand hat die Teilnehmer aufgefordert, sich fünf Minuten lang zu unterhalten und sich sozusagen kennenzulernen.

Da haben uns ein paar junge Leute angesprochen und uns gefragt, ob wir auch schon 2000, wo sie noch zu jung waren, dabei gerwesen sind und, wie das war und wir haben ihnen ein bißchen von damals erzählt, wo mit den Schlüßeln gegen Schüßel gerasselt wurden und am Tag der Angelobung die Eier und die Tomaten geflogen sind, während die Regierung unterirdisch zur Angelobung marschiert ist. Da bin ich mit der Elfi weit hinten gestanden, weil vorne alles voll war und wir nicht nach vor gekommen sind.

Das war  alles heute und heuer nicht, dafür ist die zweiundneunzigjährige Schauspielerin Erni Mangold aufgetreten und hat eine engagierte Rede gehalten,sowie Stefanie Sargnagel, die sich ja im Netz sehr intenisv gegen rechts engagiert und dabei, glaube ich, auch sehr angefeindet wird.

Eine tolle Stimmung und nächste Woche geht es weiter, da werde ich, weil wieder Klienten und wir auch nach Harland fahren, nicht teilnehmen können. Es ist aber jede Woche Donnerstag, wie die Veranstalter versicherten und das auch auf einem Plakat zu lesen war, das jetzt in meinem Vor-und Wartezimmer hängt und der Atem, den man braucht, wird lang sein, wie auch auf der Bühne versichert wurde.

Vom Revolutionsworkshop zur Privatsammlung

Am ersten Mittwoch im Oktober begann wieder Stephan Teichgräbers Privatissimum in der “Dokumentationsstelle für ost- und mitteleuropäische Literatur”.

Vier solche Workshops habe ich dort schon besucht, zuerst ging es um die Literatur des Centrope, dann um die Partisanenliteratur und die Utopie und dieses Semester ist die Revolution dran. Man sieht Stephan Teichgräber hat für seine literarischen Analysen einen speziellen Geschmack und auch immer spezielle Literaturvorschläge und damit ich nicht ganz alleine mit dem Meister bin, die ersten zwei Semester war noch ein Herr Eder anwesend, im vorigen, ich meistens die einzige Teilnehmerin, habe ich die Ruth mitgebracht, die ja jetzt evanglische Literatur studiert, Griechisch lernt und an einem Buch über einen belgischen Maler schreibt.

Was ist Revolutionliteratur und um welche Revolutionen geht es? Da gibt es ja sehr viele zur Auswahl und weil Stephan Teichgräber ein Slavist ist und die russischen Bücher bevorzugt im Original liest, hätte ich da an die russische gedacht. Die Französische gibt es auch, der ich ja eher skeptisch gegenüberstehe. Ein reines Blutbad, das immer noch, als die größte Errungenschaft gefeiert wird. Es gibt die Revolution von 1948 und die von 1968, wenn das eine war und in Österreich und Deutschland hat Stephan Teichgräber mich belehrt, hat es 1918 auch eine gegeben.

Ich dachte eher da war der Weltkrieg aus und die Monarchie ist zusammengebrochen. Aber es hat ja die Räterepublik in München gegeben und da wären wir schon bei der Literatur. Hat doch Volker Weidermann ein Buch im Vorjahr darüber geschrieben und Alfred Döblin hat sogar einen Vierteiler mit Namen “November 1918” verfaßt, von dessen ersten Band “Bürger und Soldaten” ursprünglich 1939 in Stockholm und Amsterdam erschienen, wir die ersten Seiten gleich einmal analysiert haben.

Die Ruth hat den Andreas Okopenko eingebracht, der in der Slowakei geboren wurde, aber von der Ukraine hergekommen ist und seit 1939 in Wien lebte. Den “Kindernazi” habe ich von ihm gelesen. Seine ukrainischen Revolutionserinnerungen nicht, obwohl mir Ralph Klever den Band gegeben hat, der anläßlich seines achtzigjährigen Geburtstags erschienen ist und ich habe bei November 1918 natürlich  an Franz Theodor Csokors Stück “3. November 1918” gedacht, das ich einmal noch im Rahmen des “Theaters der Jugend” im Burgtheater gesehen habe, das aber, glaube ich, auch eher den Untergang der Monarchie, als die Revolution thematisiert.

Interessant, interessant also, während die Ruth evangelische Theologie studiert, am Mittwoch <nachmittag meine bildungslücken aufzufrischen und mit Stephan Teichgräber literarisch zu plaudern und dann ging es noch einmal in Richtung Grinzig, denn in der Colloredogasse in Währing hat der phantastische Maler und Sänger “Sie hab` a Haus baut”, eine Villa und da seit 2000 ein Privatmuseum, durch das seine Tochter Timna regelmäßig führt und sehr viel von ihrem Vater und seine Kunst erzählte und man sich die Bilder und Karikaturen auch sehr genau anschauen konnte.

Ein schönes Paar

Endlich, endlich, ganz langsam, geht es im Sinne des dreifachen Herbstlesens an Buch acht des dBps obwohl ich warhscheinlich wieder fast alle Bücher bekommen werde und nächsten Montag schon die Preisverleihung ist und wir wissen werden, ob Maxim Biller,  Nino Haratschwilii oder vielleicht doch ein anderer, das Rennen macht und das ist, habe ich, den Vorschauen entnommen ein  DDR-Roman, nämlich Gert Loschütz “Ein schönes Paar”.

Gert Loschütz? Noch nie etwas gehört, obwohl der 1946 in Genthin Geborene, wie ich “Wikipedia” entnehme, einmal mit Elfriede Jelinek zusammen war und das Buch wurde in Leipzig am Freitag offenbar gleich in der Früh am blauen Sofa vorgestellt und dort hat die Moderatorin den Autor mit David Lynch verglichen. Der ist, habe ich ebenfalls “Wikipedia” entnommen, ein Regisseur und Meister des Schwarzen und Skurrillen. Aber das ist ist das zweihundertvierzig Seiten Büchlein eigentlich gar nicht oder höchstens dahin konstruiert und es ist auch kein DDR-Roman, obwohl auch Gert Lüschütz 1957, wie seine Protagonisten in den Westen gekommen ist und ein Liebesroman, wo die Helden, wie es irgendwo steht, an der Liebe scheiterten, ist es eigentlich auch nicht. Was ist es dann?

Eine sehr schöne und tatsächlich etwas geheimnisvoll durch die vielen Auslassungen und Sprünge wirkende Geschichte, von einem Paar, er 1918 geboren, sie wahrscheinlich etwas später, das sich vor dem Krieg kennenlernte, heiratete, einen Sohn bekam, Philipp, ein Photograph und Erzähler des Ganzes und die später, nämlich 1957 in den Westen gingen.

Sie, Herta ist Schneiderin und liebt schöne Kleider, er, Georg, Berufssoldat und da fährt er irgendwann nach Bonn läßt sich dort als Berufssoldat anheuern und als er in die DDR zurückkommt, liegt dort ein blauer Amtsbrief im Postkasten und das Paar zuckt aus.

Georg muß in den Westen, bevor die Stasi kommt, die Mutter mit dem Kind kommt später nach, was sie auch tun und weil man kein Geld mitnehmen darf oder das im Westen nichts Wert ist, kauft sie eine Kamera, die sie später verkaufen will, was aber nicht geht, was offenbar das Unglück der Geschichte ist.

Denn nun verläßt die Mutter Mann und Kind und schreibt jahrzehnte lang nur noch Ansichtskarten: “Mir geht es gut, wie geht es dir?”

Das habe ich schon in “Amerika” gelesen und in “Opoe” forscht einer ja auch seiner Großmutter nach, wie Philipp es bei seinen Eltern tut. Denn das Buch, das habe ich noch nicht erwähnt, beginnt mit dem Tod des Vaters. Die Mutter stirbt ein paar Wochen später, kommt aber noch in einem schönes Kleid zum Begräbnis und antwortet auf die Frage, daß sie “zufällig” vorbeigekommen ist.

Denn die Beiden waren nicht geschieden, obwohl sie seit vierzig Jahren getrennt lebten. Die Mutter zuletzt in einem Pflegeheim. Der Vater mit einer Haushälterin uind Philipp muß nun mit seiner Freundin Milia, die eigentlich die Frauen liebt, auch so was Geheimnisvolles, Angedeutetes, die Wohnungen ausräumen und sinnt dem Vergangenen nach.

Gert Loschütz hab ich irgendwo gelesen oder gehört, ist schon 2005 aus der Shortlist des dBps gestanden und ich finde es sehr spannend, wie man aus eigentlich nichts soviel machen kann. Denn darin ist der Autor wohl ein Meister, könnte man doch sagen, da passiert eigentlich nicht soviel Außergewöhnliches. Denn alle Eltern sterben ja einmal und man muß dann die Wohnungen ausräumen, entdeckt Briefe, Fotos, Tagebücher und sinniert nach und, wie die Trennung der Beiden mit der Flucht aus der DDR und der Kamera zusammenhängt ist mir nicht ganz klar geworden. Das war wahrscheinlich aber auch gar nicht die Absicht des Autors, der aus Alltagssplittern eine geheimnisvoll anmutende Geschichte macht, in der Zivildiener in Kaftans herumrennen, was ja nicht gerade alltäglich ist.

Otto Müller im Literaturhaus

Zwei sehr politische Bücher aus dem “Otto Müller Verlag” wurden heute im Literaturhaus vorgestellt, nämich Hanna Sukares “Schwedenreiter” und Christian Lorenz Müllers “Ziegelbrennen”.

Zuerst hielt aber der Verlagsleiter Arno Kleibel eine sehr lange Einleitung, erzählte von seinem Großvater dessen Verlag arisiert wurde. Er hat ihn dann übernommen, führt ihn mit fünf mitarbeitern, bringt zehn bis fünfzehn Bücher im Jahr heraus und die zwei Autoren, die heute vorgestellt wurden, würden sehr lange für ihre Bcher recherchieren und haben auch beide ein sehr ähnliches Thema.

Die 1975 in Freiburg im Breisgau geboreneHanna Sukure wurde mit ihrer “Staubzunge” bekannt, sie hat damit den ” Rauriser-Literauturpreis” gewonnen und ich habe das Buch, glaube ich, einmal bei dem Hauptverband-Flohmarkt gekauft, es auch auf meiner Leseliste, es aber nicht gelesen und dieses spielt in einer fiktiven Stadt, die Goldeck ähnlich ist, denn dort wurden zu Kriegsende Deserteure verfolgt und hingerichtet und der Enkel eines solches heißt Paul Schwedenreiter und erzählt die Geschichte seines Großvaters beziehungsweise Urgroßmutter.

Zuerst kam aber 1972 in Rosenfheim geborene Christian Lorenz Müller und dessen “Ziegelbrennen”, spielt auch im Krieg, nämlich in Kroatien, wo eine Familie, die Frau mit einemDonauschwaben verheiratet, nach Wien flüchten muß. Drei Stellen hat der Autor daraus gelesen. Dazwischen gab es Akkordeonmusik und nachher Wein und Gespräche und ich habe mich mit einer Frau unterhalten, die bei unserem Stadtspaziergang, der ja auch am Deserteurdenkmal angefangen hat, mitgegagnen ist, unterhalten und Bücher im Bücherschrank, im “Wortschatz” und in der Zieglergasse habe ich auch gefunden, sogar sehr neue und aktuelle Leseexemplare aus der “Bücherinsel”.

“Marx stand still in Darwins Garten” habe ich liegengeleassen, dabei auf Helene Hegemanns “Bungalow”, das ich gerade als E-Bup lese, das aber wieder, wie Anja Kampmanns “Wie hoch die Wasser steigen” aus meiner Inpbox veschwunden, während ich mit Gerlinde Hofer vom “Ohrenschmaus” über die Präsentation des neuen “Morgensterns” im Tschocherl, der auch “Ohrenschmaustexte” enthölt, mailte, gehofft, jetzt kann ich nur hoffen, daß es mir der Alfred findet, sonst muß ich wohl die Bücher in eine buchhandlung lesen gehen oder nochmals anfragen.

Gedenklesung und Ashantidorf

Wieder zweimal in der “Alten Schmiede” und zwar gab es da um sechs eine Gedenklesung zum Wiederlesen des 2010 verstorbenen Bernhard C Bünker, der, glaube ich, 1987 den “Kärntner -Preis der Arbeit” gewonnen hat, zu dem ich auch nominiert war.

Das war Manfred Chobot ebenfalls, wir beide haben nichts gewonnen, aber Manfred Chobot war mit dem Dialektdichter und evangelischen Religionslehrer befreundet und hat mit ihm auch eine Dialektanthologie herausgegeben und jetzt zum Wiederlesen, der sonst, glaube ich, vergriffenen Werke den Band “Was ibableibt” herausgegeben.

Die Einleitung, die wahrscheinlich Kurt Neumann hielt, habe ich, weil eine sechs Uhr Stunde, versäumt, als ich den Kellersaal erreichte, hat gerade Gottfried  Gfrerer auf der Gitarre gespielt. Dann erzählte Manfred Chobot, das Urgestein, von dem ich das erste Mal, glaube ich, 1973 in der Beilage der A-Z, die ich eine Zeitlang gesammelt habe, etwas hörte, wie es zu der Anthologie und dem neuen Band gekommen ist, dann hat Axel Karner, der ebenfalls Kärntner und Religionslehrer ist daraus gelesen und Manfred Chobot erinnerte an seine Begegnung mit dem Bernhard, der sehr stur oder konsequent war und der ihm am Schluß zu seinem Begräbnis einlud, für das er den Leichenschmaus schon bestellt hat. Der Bruder Michael, evangelischer Bischof las seine Lieblingsgedichte, El Awadalla, die ja auch eine Dialektvereinigung gegründet hat, war im Publikum und ich habe mich, während ich auf das Aufsperren des Schmiedesaales wartete, mit ihr unterhalten, denn da gab es um acht, die dritte Radiophone Werkstatt dieses Jahres, das ist eine Zusammenarbeit mit ö1 und zwar wurden da die “Tonspuren”, die am 9. 10. gesendet werden uraufgeführt und dokumentiert und das wird eine interessante und vielleicht auch eine wenig makabre umstrittene Sache und zwar geht es da um das “Ashanti-Fieber” des Peter Altenbergs, beziehungsweise um die Wiener Völkerschau von 1896. Da wurden im Tiergarten siebzig Ashanti beziehungsweise andere Afrikaner ausgestellt, die im Vertrag hatten, daß sie nichts anziehen durften, die dort in Lehmhütten lebten, tanzten, kochten und dabei von den Wienern beobachtet wurden und Peter Altenberg hat sich bevorzugt in den Hütten bei einigen sehr jungen Mädchen aufgehalten, über sie geschrieben und wahrscheinlich auch intime Beziehungen gehabt.

Nun ja, nun ja, das ist lange her und das Buch, aus dem Johannes Gelich, ein Feataure machte, ist sicher sehr interessant. Der Kinderbuchautor, Märchenerzäher und Ashantiprinz Patrick Addai, der in Ghana geboren wurde, hat in dem Stück auch mitgewirkt und mit dem Autor und dem Regisseur Andreas Jungwirth im Anschluß über die Produktion gesprochen und dann noch das Märchen “Ein Adler bleibt immer ein Adler” perfomiert und ich habe eine Variante von Peter Altenberg kennengelernt, das ich noch nicht kannte, obwohl ich mich ja für Hörspiele nicht so besonders interessiere und inzwischen auch nicht mehr sehr viel Ö1 höre.

Die vier Weltteile

Nun kommt schon Buch sieben der östBp, ich hatte da ja den Startvorteil zum Zeitpunkt der Listenveröffentlichung schon fünf Bücher gelesen zu haben, nämlich Hanno Millesis “Die vier Weltteile” und die, die mich lesen, wissen, daß ich den 1966 in Wien geborenen, den ich manchmal bei Verantaltungen in der “AS” etcetera, auch im Publikum sehe, sehr mag.

Der Name ist mir schon seit den Zeiten bekannt, als ich mich noch um ein Staatsstipendium beworben und die Liste der glücklich Auserwählten zurückbekommen habe. Dann hat er bei Ernst Kostals “Psychose-Veranstaltungen” im Literaturhaus gelesen und da haben mich seine sehr beeindruckenden makabren Kindsschilderungen sehr gefallen unde stimme auch dem zu, was ich den Pressestimmen über Hanno Millesi gelesen habe, daß er ein Meister der skulrillen Alltagsbeschreibung in allen ihren Details, wäre.

Er hat  2006 beim Bachmannpreis gelesen und im Vorjahr den “Priessnitz-Preis” bekommen, wo ich, was mir immer noch leid tut, aus Termingründen nicht bei der Preisverleihung war.

Ich war dafür bei mehreren Lesungen im Literaturhaus beispielsweise, habe aber noch nie ein Buch von ihn gelesen, den “Schmetterlingstrieb” aber im Vorjahr im Schrank gefunden und jetzt mein erster Millesi von dieser schönen Buchpreisliste und muß sagen, ich bin, wie weiland bei Valerie Fritsch enttäuscht, denn dieser “Museumsbesuch mit Folgen” ist, wie ich finde, ein sehr “künstliches” Buch und etwas, was sich in Wahrheit höchstwahrscheinlich nicht so abspielen würde.

Schon die Idee ist in Zeiten, wie diesen wahrscheinlich etwas billig. Da geht eine Gruppe von Menschen, eine Familie ist es, glaube ich, nicht, sondern zwei Erwachsene Wanda und der  sehr geschwätzige und fast  so allwissend,  wie Maxim Biller, tuende Erzähler mit vier Kindern Tessa, Konrad, Iggy und Emiliy ins kunsthistorische Museum und als sie zum Ausgang wollen, kommt der Aufseher mit dem Funkgerät und murmelt etwas von technischen Problemen, so daß sie noch in den Räumen bleiben müssen.

Der Erzähler erzählt uns in Laufe der hundertzweiundfünfzig Seiten, was geschehen ist. Ein Terrorist Hussein Y, genannt, wollte aus religiösen Gründen eines der Madonnenbilder mit einer Spraydose zerstören. Mußte beim Eingang aber seinen Rucksack zeigen und verletzte so mit einem Messer zwei Personen und während  unten im Foyer, die Einsatz- und Reporterteams anströmten, rennen die sechs von Saal zu Saal und verlieren sich in den Bildern.

In einer der Rezensionen habe ich die Frage gelesen, ob das Buch nicht etwa der Versuch sein könnte, dem Leser einen Museumsrundgang schmackhaft zu machen und ihm so auf unterhaltsame Weise, die Bilder, die dort hängen, zu erklären.

Das glaube ich nun nicht, daß es Hanno Millesi, der Kunstgeschichte studiert hat, so billig  machen würde. Aber ich war  schon einmal im kunsthistorischen Museum, wo zu bestimmten Bildern, einige kommen glaube ich in dem Buch auch vor, Schauspieler dazu geschriebene Texte lasen, was mich aber besonders störte, ist die Künstlichkeit, die das Buch ausstrahlt.

Da weiß ich, unter mir geschieht ein Terroranschlag, die Aufseher tun nichts und wenn man sie fragt, wann man hinaus kann, drücken sie nur scheinbar auf ihr Funkgerät, Wanda hat sogar die Angst, man könnte geopfert werden und nie mehr hinauskommen und dann rennt man von Bild zu Bild und  gibt kunsthistorische, beziehungsweise höchst kunstvolle literarische Betrachtungen darüber ab?

Der Erzähler steht auch einmal am Fenster und sieht die Polizei und die Rettungsautos unten anfahren, der Aufseher schlägt den Kindern vor, sich Bruegels “Kinderspiele” anzusehen und die vier schlagen dann Purzelbäume im Museum und diskutieren übers Reifenspielen. Ich denke eher, daß heutige Kinder dieses Bild  wahrscheinlich langweilig finden, habe mir aber während des Lesens immer wieder die entsprechenden Bilder, so weit ich sie, als solche indentifizieren konnte, im Netz angeschaut, was auch ein Kritikpunkt an den Verlag wäre, daß es in Anhang kein Verzeichnis der zitierten Bilder gibt, denn das sind sehr viele.

Peter Paul Rubens “Die vier Weltteile” ist der Titelgeber, dann kommt der “Turmbau von Babel” vor, die “Judith mit dem Holofernes”, was wieder sehr schön die Grausamkeit dokumentierte, die in diesem Museum, wo es ja von Schlangen, Drachen und abgeschlagenen Köpfen auf den Bildern, nur so wimmelt, herrscht und man eigentlich die Frage stellen könnte, ob es hier nicht vielleicht ein Jugendverbot geben sollte, der “Heilige Sebastian” und und vor.

Die sechs diskutieren über die Bilder, die Kinder stellen Fragen, eine verwirrte Frau taucht auf, die den Erzähler nervt, ein Touristenpaar hat das alles gar nicht mitbekommen, zwei alte Männer in karierten Hosen und Regelmantel fangen zu streiten an und ein offensichtlicher Rechtsanwalt, einer der skurrilen Einfälle Hanno Millesis, würde ich vermuten, kauert zitternd am Boden. Er wollte die pause zwischen zwei Verhandlungen für ein bißchen Kunst nutzen und jetzt das.

Die Kinder bauen ihn ein bißchen auf und finden dann auch einen Lift mit dem sie zu dem Zeitpunkt, wieuns der Erzähler verrät, sich Hussein Y. schon auf dem Weg ins Krankenhaus befindet, hinunterfahren und an den Reportern und sonstigen Getümmel vorbei, das Museum verlassen,  mit der Straßenbahn nach Hause fahren und dabei noch die weise Erkenntnis mitnehmen “Daß der Museumsbesuch nicht umsonst gewesen ist.” Die Kinder werden sich dann noch die Frage stellen, ob in Zukunft nicht jeder Museumsbesuch so dramatisch sein muß.

Natürlich nicht und auch ich habe, wie man vielleicht sagen könnete, einen sehr vergnüglichen Rundgang gemacht, aber Hanno Millesi, den ich, ich wiederhole es, sehr mag, eigentlich für “besser” gehalten.

Die Rezensenten kann ich noch erwähnen, betonen, daß es schon ein Buch, das in einem Museum spielt, nämich Donna Tartts “Diestelfink” gibt.

Dann gibt es noch “Die alten Meister” füge ich hinzu, wo einer ja auch ins kunsthistorische  Museum geht, wo niemand Bilder mit Spraydosen, was ja eigentlich noch ziemlich harmlos ist, beschmieren will, sondern die ganze Zeit  resumiert, ob er am Abend ins Burgtheater gehen soll und die Vorstellung dann, nachdem er es tat, eine “fürchterliche” war, was mich einmal mit der kleinen Anna auf den Zug nach St.Pölten wartete, sehr zum Lachen brachte und ich selber, kann ich noch erwähnen, habe in “Kerstins Achterl”  auch eine Szene, wo im kusthistorischen Museum vor einem Gemäde von Velazques Geburtstag gefeiert und eine Marmelade promotet wird.

St. Pöltner Höfefest

Das St. Pöltner Höfefest fand heute  zum einundzwanzigsten Mal statt, ich bin aber erst das zweite oder dritte Mal dort gewesen, denn eine Zeitlang fand es gleichzeitig mit dem Volksstimmefest statt, dem ich natürlich den Vorrang gegeben habe, 2010 war ich dann an einem sehr regnerischen Samstag dort, habe ein paar Lesungen gehört und bin dann mit dem Rad zurückgefahren, weil ich mit dem Alfred zur Barbara Frischmuth Lesung ins Stadtmuseum wollte, der hat mich aber verpsst, so daß es nicht mehr pünktlich ausgegangen ist, die letzten drei Jahre, habe ich gehört, hat es auch keines gegeben und heuer bin ich auch erst am Markt daraufgekommen, daß es eines gibt und, daß es ab vierzehn Uhr stattfindet.

Es gab nicht nur  ein Programm in den verschiedenen Höfen, sondern sogar einen Poetry Slam Train, das heißt dieses Waggerl, das durch St. Pölten fährt, stand in der Kremsergasse vorm Bahnhof, eine junge Frau namens Marlies Eder  in einer Schaffneruniform verteilte Zählkarten und hatte mit Andi Pianka, die sogenannte Reiseleitung.

Der war dann gleich auch das Oferlamm, das heißt begann mit einem Slam über Bahnhöfe. Die Regeln waren in etwa gleichm wie im Literaturhaus oder beim ersten Slam, den ich im Cafe Stein erlebte, wo ich lesen wollte, aber nicht durfte.

Jetzt konnte man sich bis 22. 9. anmelden, zehn konnten das, hatten das aber nicht getan, denn ich habe den Robert beim Fahrradständer getroffen und der hatte sich sehr kurzfristig angemeldet und außerdem gab es noch drei junge Männer und eine junge Frau und, wie beim Cafe Stein gab es eine Jury. Das heißt man konnte sich dazu melden, erhielt Karten von eins bis fünf, die man dann hochhalten mußte. Das hab ich im Cafe Stein schon einmal getan, die Regeln aber falsch verstanden und gedacht eins wäre das beste, jetzt habe ich ich es geschnallt.

Es gab auch einen Probleauf mit dem Opferlamm und dann rollte das Wägelchen durch die Innenstadt bis zum Hotel Metropol, blieb an fünf Stationen stehen und je einer performte einen fünf Minuten Text, der Robert war unter dem Künstlernamen Trebor Egil, der dritte, brachte zwei Sonette, eines über das Slamen und erzählte mir auch, daß er in seinem Kunststudium eine Arbeit über Poetry Slams geschrieben hat und einen auf Englisch über das Radfahren, kam aber nicht in die Endrunde, die in einem Hof, nämlich dem Löwenhof in der Linzerstraße neben der Bühne am Hof stattfand, wo dann eine junger Mann namens Daniel, der von allen fünf Jjurymitgliedern je fünf Punkte bekommen hatte, eine junge Frau namens Lena, die über die Liebe performierte und dann noch ein Johannes, dazwischen war ich mit dem Robert  noch im Weinhof, wo es Wein statt dem kulturellen Programm gegeben hat und er mich auf ein Achtel St. Laurent einlud, obwohl ich ihn ja nur mit der Note “drei” beurteilt habe.

Die zweite Runde fand dann mit Kopfhörern statt.  Daniel hat wieder haushoch gewonnen und ich bin  zum Literatur Hotspot ins Sparkassenhaus in der Herrengasse gegangen, denn da hatte es schon, um drei eine Christine Nöstlinger-Lesung gegeben, um viertel Sechs trat Chropstpher Just auf, den ich mit seinem “Modsdetektiv”,mit dem er auch für den “Perutzpreis” nominiert war, schon bei den O-Tönen hörte, jetzt hat er bei “Milena” einen neuen Roman herausgebracht “Catania Airport Club” mit Namen, der als “selbstironischer genreübergreifender Krimi noir” im Programm angekündit stand und sowohl von einem Musiker handelt, der in der Hypnose erkennt, Menschen umgebracht zu haben, als auch von einem Fernsehprogramm, das man um einen Woche vorspulen kann und einem japanischen Jungen, der Harald heißt, weil sich die Deutschen oder Österreicher den Namen “Haruki” nicht merken können.

Man wüßte wohl das Ganze lesen, um denSinn zu erfassen. Es gab auch einen Büchertisch und um sieben noch eine Lesung mit Martin Prinz aus seinem neuen Roman “Die unsichtbaren Seiten” vom “König von Lilienfeld”, da ich aber nicht gerne mit dem Rad im Finstern fahre und eine Lesung daraus, glaube ich, schon im Musa hörte, habe ich das ausgelassen und werde mich stattdessen demnächst in die Badewnne begeben, um mein aktuelles Buch auszlesen.

Ein Musik- und anderes Programm hat es in den anderen Höfen auch gegeben und in der Bühne im Hof, in der ich kurz schnuppern war, habe ich auch Eva Riebler getroffen, mit der ich zu Ostern immer um den Viehofnersee spaziere.