Madame Hemingway

Im März 2013 habe ich ernsthafte Bücherbeschränkungspläne geschwungen, alle meine ungelesenen Bücher in meine Leseliste eingetragen und mir geschworen mir wahrlich nie und nimmer mehr ein Buch zu kaufen, sowie ein solches aus einem Bücherschrank zu nehmen.

Das habe ich, glaube ich, gerade einen Tag eingehalten, denn dann bin ich in der Karwoche zu diesem verpatzten Vortrag in den Klub logischer Denker gegangen und da natürlich an einigen der Schränke vorbeigekommen.

Im “Wortschatz” ist glaube ich Norbert Gstreins “Englische Jahre” gelegen und in dem in der Zieglergasse,  Paula Mc Lain “Madame Hemingway”, ein Buch von dem ich zwar keine Ahnung hatte, um was es ging, das Cover ist aber damals in diversen Blogs aufgeschienen. Ich habe gedacht, du darst, brauchst, mußt nicht und habe dann nach dem Buch gegriffen, nach diesem und auch nach Michael Köhlmeiers “Idylle mit Hund”.

Am nächsten Tag habe ich mir zwar geschworen, die Bücher zurückzubringen, ging aber gar nicht so einfach, weil wir ja nach Harland in die Osterferien gefahren sind, dann habe ich sie behalten, Köhlmeiers “Idylle” ist noch immer nicht gelesen, “Madame Hemingway” auf meiner heurige Leseliste, ich habe da inzwischen ein bißchen umdisponiert, gerutscht und ist jetzt die zweite Biografie, in Folge, die ich lese, und nach Ralph Dutlis “Soutine” wird noch Alfred Polgars “Marlene” an die Reihe kommen.

“Madame Hemingway”, der Titel läßt schon darauf schließen, daß es sich dabei, um eine Frau oder Geliebte von Ernest Hemingway , dem Nobelpreisträger von 1954, von dem “Wem die Stunde schlägt” im Bücherkasten meiner Eltern gestanden ist, “Fiesta” und “in einem fernen Land” habe ich gefunden, aber noch nicht gelesen, der “Alte Mann und das Meer” ist, glaube ich, Schulstoff und hat mir nicht so besonders gut gefallen und Alkoholiker war Ernest Hemingway, glaube ich, auch.

Von seinen Frauen hatte ich aber keine Ahung und nicht gewußt, daß die 1891 geborene Hadley Richardson, die erste Frau des acht Jahre jüngeren Hemingway war und die 1965 geborene Paula Mc Lain, die kreatives Schreiben studierte und in einigen Künstlerkolonien gelebt hat, hat aus den biografischen Quellen, wie sie anmerkt, aus Briefen und Tagebüchern einen Ich-Roman mit der Stimme von Hadley daraus gemacht. Ein paar Szenen sind auch dem Meister selbst gewidmet, der dabei ziemlich unsympathisch hardcoremäßig daherkommt.

Hadley Richardsen, eine Pianistin hat den Jüngeren in den Neunzehnhundertzwanzigerjahren kennengelernt. Sie heiraten bald und  zog mit ihm nach Paris, wo sie in Künstlerkriesen lebten, mit Gertrude Stein, F. Scott Fitzgerald und anderen befreundet war.

Hemingway war in dieser Zeit journalistisch tätig, mußte während der Griechenland-Türkei Konflikte an die Krisengebiete reisen und ließ seine Frau ungerührt, für Monate allein zuirück. Er betrog sie auch mit anderen Frauen. Dafür hat sie seine Manuskripte, die sie in einen Koffer packte und zu ihm bringen wollte, im Zug verloren und schwanger wurde sie auch bald, obwohl Hemingway eigentlich kein Kind wollte.

Es wurde aber sohn Bumby geboren. Da ging das Paar kurz nach Amerika zrück, da Hemingway aber nur einen schlechtbezahlten Redakteursposten hatte und von seinem Chef schikaniert wurde, gingen sie bald, obwohl sie in prekären finanziellen Verhältnissen lebten, wieder nach Paris zurück, beziehungsweise nach Spanien zu den Stierkämpfen.

“Fiesta” wurde geschrieben, die Sammlung “Three Stories and Ten Poems” wurde veröffentlicht und Paula  McLain deutet an, daß Hadley Hemingway künstlerisch gefördert hat. Die Winter verbrachte das paar trotz der schlechten finanziellen Verhältnisse in Voralberg, in Schruns und da lernte  Hemingway bald Pauline Pfeiffer kennen, mit der er Hadley ungerührt betrog. Die Ehe wurde geschieden. Pauline wurde Hemingways zweite Ehefrau, die dritte Martha Gellhorn, die vierte Mary Welsh.

Hadley hat auch wieder geheiratet und Hemingway hat sich 1961 umgebracht. Vorher kam es laut Pula Mc Lain noch zu einer Begegnung der beiden und ich kann sagen, daß es sich gelohnt hat, die Vorsätze gebrochen und das Buch nicht zurückgebracht zu haben.

Jetzt habe ich mein Wissen über Ernest Hemingwax, der in dem Buch, wie schon geschrieben, nicht sehr sympathisch erscheint, aufgefrischt und das 2011 bei “Aufbau” erschienene Buch scheint heute wieder vergessen,  auf jedenfall ist es von den Blogs verschwunden, aber ich habe ja, bevor das Herbstneuerscheungs- und das Buchpreislesen beginnt, vor, meine Backlist aufzulesen und mal sehen, viellecht kommt Hemmingway auch noch  im Original an die Reihe.

Endlich fertig

Ich bin ja eine Mischung zwischen zwanghafter Genauigkeit und einer gewissen vielleicht auch legasthen bedingten Schlmpigkeit, wie ich immer schreibe und die Rechtschreibung ist mir eigentlich ganz ehrlich immer noch egal.

Immer noch ein bißchen, denn die lässige Lockerheit, wie als Schulmädchen in der Straßergasse, wo ich mich über die Verzweiflung meiner Deutschlehrerin amüsierte, mir wegen der Rechtschreibung nur ein “Minus sehr gut!”, geben zu können, habe ich schon längst nicht mehr und ich sitze schon seit Jahren nachdem der Rohentwurf meistens sehr schnell in vier bis sechs Wochen hinuntergeschrieben wurde, dann einige Monate über den Text und korrigiere und korrigiere, wahrscheinlich in der Vorstellung ihn endlich fehlerfrei hinzubekommen, wohl wissend, daß das wahrscheinlich ohnehin nicht gelingen kann und wenn, was hätte ich davon?

Die Sprache war mir und das ist wahrscheinlich auch nicht gut, nie so wichtig, wie das Erzählen, kommen ja die großen Sprachkünstler wie Friederike Mayröcker immer noch daher und verkünden stolz, daß ihnen der Inhalt nicht wichtig ist und die nicht so bekannten Sprachkünstler wie Hans Jörg Zauner reihen bis zur Unverständlichkeit Wort an Wort, kreiierenWortneuschöpfungen und erzählen nichts.

Ich will aber erzählen und bin dabei auch wahrscheinlich zu sehr an der Realität, das heißt zu wenig abgehoben und was mein letztes Work on Progress die “Unsichtbare Frau” betrifft, die vor kurzem ein zweites Mal an den Alfred abgegangen ist, damit er nochmals meine “s” und Fallfehler, die ich immer noch verweigere, korrigiert und ein PDF machen kann, woraus dann wiederum ein paar Monate später, aber hoffentlich noch in diesem Jahr mein fünfundvierzigstes “Selbstgemachtes” und das achtundvierzigste Buch überhaupt, denn da kommen ja noch die in der “Edition Wortbrücke” entstandenen “Hierarchien” und die beiden in “richtigen” und zum Teil großen Verlagen erschienenen beide Bücher über das Stottern hinzu.

Fünfundvierzig selbstgemachte Bücher, wui, auch wenn man schon über fünfundvierig Jahre literarisch schreibt ist das sehr viel und eigentlich sehr schade, daß ich damit so unbedachtet bleibe, was mich, obwohl ich das ja tapfer trotzig ignorieren und unentwegt weitermachte, wahrscheinlich doch dazu führt, daß ich mich inzwischen schon sehr ausgeschrieben fühle und immer öfter denke, das bringt ja ohnehin nichts!

Es wird dann zwar wieder eine Vorschau geben und wenn das Buch dann erschienen ist, einen Aufruf zu einer Leserunde, das heißt, ich vergebe fünf Bücher, so daß die daran Interessierte darüber in den Kommentaren dikutieren können. Aber die gibt es ja nicht sehr und das hat wahrscheinlich dazu geführt, daß ich in den letzten Jahren sehr viel und sehr schnell vor mich hingeschrieben.

2016 sind fünf Bücher erschienen, die ich zwar nicht alle im selbenJahr geschrieben habe, aber einige pro Jahr waren es in den letzten Jahren schon.

Wenn die “Unsichtbare Frau” noch heuer erscheint, ist es das zweite Buch 2018 , das erste im Jänner erschienen und das, im vorigen Mai und Juni geschrieben und ein paar Monate vorher konzipiert, ist eigentlich der Vorläufer der “Unsichtbaren Frau”, denn die Idee, da eine Blogfigur des Nachts zu Wladimir Putin oder Donald Trump zu schicken ist mir schon da gekommen und die Lilly Schmidt, die in den Blogeschichten noch Lily heißt ist ja die Tochter der Mathilde, deren Vorbild ich in der Pizzeria in der Margaretenstraße immer des Abends, wenn ich von der “Alten Schmiede” nach Hause gekommen bin, bei einem Glas Wein sitzen sah.

Dann ist in den Blogeschichten von der “Unsichtbaren Frau” nur kurz oder eigentlich gar nicht wirklich die Rede und so habe ich mich, glaube ich, nach der Sommerfrische 2017, als ich damals mit dem Korrigieren fertig war, an die “Unsichtbare Frau” gemacht, die Blogfigur der Lilly Schmidt.

Im September kann ich mich erinnern, habe ich angefangen mich auf Materialrecherchetour zu begeben und da waren wir ja Mitten im Wahlkampf und so ist die unsichtbare Frau eher zu einem Minister Basti als zu Donald Trump gekommen und das Schreiben des Rohtextes, mit dem ich im September begonnen habe, ist, wie ich mich erinnern kann, nicht so flüssig dahingegangen. Der Wahlkampf hat mich daran gehindert und abgelekt und so ist bald klar geworden, das wird doch ein Nanowrimo werden, obwohl ich ja schon im September mit dem Schreiben begonnen habe, mit dem Text der da entstanden ist, aber nicht sehr zufrieden war. Ende Oktober habe ich ihn zuerecht korrigiert, umgeändert, verbessert, so daß ich mit zwanzig Seiten oder zehntausend Worten zum Schreibmarathon des “Writers Studios” gegangen bin, denn da gab es ja zum fünfzehn Jahrjubiläum einen solchen und die erste Woche habe ich daran teilgenommen, geschrieben und geschrieben, dann kam die “Buch Wien”, mein Geburtstag, die “Poet Night” und noch einiges anderes, so habe ich mir am letzten Tag an dem ich dort war, ein Feedback geholt, das heißt, die Szene gelesen, die auch als Probekapitel auf die Website kommt, beziehungsweise beim Volksstimmefest gelesen wird und dann in der entsprechenden Anthologie, sofern es noch eine geben sollte, enthalten sein wird, denn jetzt ist erst, habe ich gerade erfahren, die von 2016 fertiggeworden und da ist da die Himmelgeschichte aus den “Berührungen” drinnen.

Ich habe nach dem Feedback im vorigen November aber wieder eine Woche zu schreiben aufgehört, bin auf die “Buch-Wien” gegangen und habe bei meinem Geburtstagsfest, die Szene aus dem “Bibliotheksgespenst” gelesen, dem dreiundvierzigsten Selbstgemachten, die dann auch in der “Linken- Wort- Anthologie 2017” enthalten sein sollte.

Als die “Buch-Wien” vorüber war, habe ich die fünfzigtausend Worte fertiggeschrieben, der Rohtext, den ich den Alfred gerade schickte, hat 44 982 Worte, es ist also sehr viel wegkorrigiert worden. Aber auch das ist nur sehr zögerlich geschehen und hat lange gedauert. Zuerst bin ich im Dezember einmal zu einem Writerretreat ins “Writerstudio” gegangen, weil man da ja einen Gutschein dafür bekam, wenn man über das Event berichtet hat, auf Facebook sollte man das tun, bei mir ist esauch so gegangen und da habe ich gedacht, fange ich mit dem Korrigieren an.

Das habe ich auch gemacht, leider war ich aber ein bißchen krank, so daß ich nur sehr langsam weitergekommen bin, aber meiner Tandempartnerin, die zufällerweise auch Psychologin war, die erste Minister Basti- Szene vorgelesen habe.

Und dann korrigieren und korrigieren, ich habe mir gedacht, ich mache es professionell und nennen es Retreat, habe mir da zu Weihnachten viel vorgenommen, war aber sehr unkonzentriert dabei und habe teilweise dazu Videos gehört, was wahrscheinlich nicht sehr effizient war.

Es war auch ein bißchen schwerig mit der Handlung, die ja, wie bei mir sehr oft, was wahrscheinlich aber als nicht sehr literarisch gilt, eng an die Wirklichkeit angelehnt war. Der Wahlkampf kommt vor, der Nobelpreis, die Krawalle auf der Frankfurter Buchmesse und ich habe vier Handlungsstränge.

Da ist einmal  Amanda Siebenstern, die Blogfigur der Lilly Schmidt, die nächtens zu Minister Basti geht, des Tages  “Deutsch als Fremdsprache-Kurse” an der Volkshochschule gibt und Proble damit hat, daß ihre Schülerinnen wegen des Vermummungsverbots dort hicht mehr erscheinen.

Dann gibt es die Lilly Schmidt und die Slavenka Jagoda aus Kosice oder Bratlisava, die ein Stipendium hat, um Lillys Blog zu erforschen und sie da in New York besucht, wo sie Kuratorim am österreichischen Kulturinstitut ist und es gerade eine Lesung mit Jonathan Franzen und Daniel Kehlmann gibt. Es gibt den Alfons Tratschke, der auf seinen Blog nach rechts reitet und Lilly und Slavenka, als linke Schwestern beschimpft und es gibt den Jonathan Larsen, Mitglied der schwedischen Akademie, die den nächsten Nobelpreisträger bestimmt, was er aber, da er gerade seine Frau verloren hat, nicht so gut kann und das zeitlich nicht durcheinander zu bringen, war nicht so leicht und hat einige Änderungsdurchgänge erfordert.

Ich korrigiere ja, wenn ich mit dem Rohtext fertig bin und geschaut habe, daß es so halbwegs passt, ja immer gern Szene für Szene durch und drucke mir das dann aus, was ich aber, wenn ich in Harland bin, nicht recht kann, weil ich  dort keinen Drucker habe.

So hat auch das sehr lang gedauert und ich war Ende Mail als der Alfred nach Amerika flog und ich dachte jetzt habe ich ein Monat zum Korrigieren, noch nicht damit fertig und dann habe ich im Juni korrigiert und korrigiert, wieder mal gedacht, ich wäre schon fertig, dem Alfred alles geschickt und am nächsten Tag wieder von vorne damit angefangen und gedacht, ich werde nicht und nicht damit fertig.

Denn irgendwie packt mich dann doch der Ehrgeiz, daß ich alles richtig machen will und lese laut, was ja eigentlich schon stimmen sollte, finde Fehler und Fehler und das hat diesmal besonders lang gedauert und ich habe besonders lang laut gelesen und eigentlich den Juni fazu nützen wollen, mit dem Recherchieren für das Nächste, an dem ich ja schon ein bißchen bei den letzten Schreibgruppen begonnen habe.

So weit kam es dann nicht und jetzt hat ja schon die Sommerfrische mit den verlängerten Wochenenden angefangen, die ich ab nun dazu benüzen kann, mit der Magdalena Kirchberg, die wahrscheinlich wieder eine depressive Frau ist, ein Auto sieht, das sie in ihre Vergangenheit führt, einen muslimischen Nachbarn hat, der nicht Mohamed heißen will und eine Supermarktkassierin, die Interessantes zu erzählen weiß , zu beginnen.

Das erste Sommerfrischenwochenende war ja dem Geburtstag der Oma und dem “Bachmannpreis” gewidmet, das zweite gab es neben dem Korrigieren, das übliche Programm, Samstag Markt, Sonntag Rudolfshöhe und am Montag sind wir nach Pernitz, beziehungsweise Muggendorf zum Martin und der Zahui hinausgefahren und sind mit ihren, was besonders schön war, die Myra Wasserfälle hinaufgeklettert und dieses war dem Hochschab gewidmet, so daß die Bühne wieder frei ist, wie ich es ja schon einmal oder sogar öfter machte, die Sommerfrische zum Recherchieren und dem neuen Roman zu widmen.

Ein schönes kleines Stadtschreiberbuch habe ich zwar nicht und, ob ich in Wilhelmsburg oder im Traisenpark viel bezüglich der Magdalena <kirchberg recherchieren kann, weiß ich auch nicht, muß aber erst die Entwürfe zusammensammeln, denn von der ursprünglichen Idee mit dem Psychiater, der Krankenschwester und dem Chirurgen bin ich ja schon wieder abgekommen.

Mal sehen, ich bin gespannt und natürlich immer noch entmutigt, denn wirklich wahrscheinlich, daß es diesmal klappt ist es ja nicht, aber aufgaben will und werde ich nicht. Also wieder eine depressive Frau, die sechs- oder siebenundvierzigste und ob ich den Rohentwurf im Sommer schaffe oder es wieder ein “Nanowrimo” wird, steht auch in den Sternen.

Dazwischen soll dann die unsichtbare Frau fertig werden, für die ich ja diesmal, was ich mir immer wünschte, wirklich ein Jahr gebraucht habe, ich lese am Volkstimmefest, die Nobelpreiszene und vielleicht gelingt mir der große Wurf oder bekomme auf den Blog doch ein wenig Interesse, wenn ich über meine Fortschritte schreibe. Die diesbezüglichen Schreibberichte wierd es ja wieder geben, mal sehen, ich bin gespannt.

Eine andere Buchpreisvorschau

Der “Deutsche Buchpreis”, diese Erfindung des “Börsevereins” um den Lesern, die Jahresneuerscheinungen nahe zu bringen, gibt es seit 2005 und da ist er an mir ersteinmal, das habe ich schon geschrieben, ein paar Jahre  vorbeigegangen.

2008, als ich schon bloggte, hat ihn dann Christiane Zintzen, die heute, glaube ich, Chris Bader heißt, auf ihren Blog, den es nicht mehr gibt, vorgestellt und hat von diesem Leseprobenbüchlein geschrieben, das damals glaube ich vergriffen war.

2009 habe ich mich dann auf die Suche nach ihm gemacht und es in Österreich nicht bekommen, damals hatte oder war das schon 2008 die FAZ ein großes Buchpreisspezial und ich habe damals, weil ich ja noch kaum Rezensionsexemplare bezogen habe und mir die neuen Bücher auch nicht kaufte, sondern mir höchstens eins oder zwei davon zu Weihnachten oder zum Geburtstag schenken ließ, nicht sehr viel  gelesen, aber trotzdem, glaube ich, schon damals meinen Senf dazu gebloggt.

Wahlprognosen angestellt, die natürlich, weil ich ja weder die Gruppendynamik der Jurien, noch die Bücher kannte, meistens voll daneben waren, aber ich habe mich, das läßt sich nicht leugnen, sehr dafür interessiert.

“Buzzalddrins-Bücher” hat dann 2013  mit der Aktion “Fünf lesen vier” oder “Vier lesen fünf” angefangen, damals an dem Tag der Longlistbekanntgabe kann ich mich erinnern, bin ich mit dem Rad nach Traisen gefahren und war bei meiner Rückkehr baßerstaunt, über die vielen unbekannten Titel auf der Liste, die ich natürlich nicht vorausahnen konnte.

Da habe ich schon vage daran gedacht, ob ich nicht vielleicht auch die Verlage anfragen sollte? Habe das  aber nur bei Nellja Veremejs “Berlin liegt im Osten” getan und das Leseprobenbüchlein, das ich damals direkt angefragt habe, gebloggt, was inzwischen mehr Leute machen, ich aber zu dem Schluß gekommen  bin, daß ich damit keine Prognosen stellen und auch keinen adäquaten Eindruck bekommen kann.

2014 gab es dann wieder eine Buchpreisbloggeraktion bei “Buzzaldrins Bücher” und wir waren damals im Elsaß auf Urlaub und ich habe die Buchpreisliste in einer Buchhandlung in Ansbach erfragt, das Leseprobenbüchlein gab es damals noch nicht und bei der Longlistenleseaktion, habe ich eifrig mitgemacht, “Kastelau” bekommen und als sich dann 2015 die offiziellen Buchpreisblogger bildeten, habe ich inoffizielle Blut geleckt, das Buchpreislesen ist ja auch sehr spannend, immer Prognosen von den Büchern die ich damals kaum kannte, weil ich noch kaum Vorschauen gelesen habe, gegeben, mich immer gehörig verschätzt, aber 2015 alle Bücher gelesen, mir davon ein paar vorzeitig zum Geburtstag und zu Weihnachten schenken lassen, ein paar geborgt, zwei in einer Buchhandlung gelesen, etcetera.

2016 habe ich neunzehn Bücher bekommen und gelesen und 2017 waren es achtzehn vom dBp inzwischen hat es ja schon den öst gegeben,  die restlichen zwei habe ich dann im Jänner bekommen und muß sie noch lesen.

Und eine Folge meines inoffiziellen Buchpreislesen war, daß ich plötzlich die Vorschauen bekommen habe und heuer von den achtundzsiebzig Büchern,  die, ich glaube,  in diesem Jahr gelesen habe, so an die sechzig bis siebzig Neuerscheinungen, also Buchpreiskanditaten sind.

Allerdings wird das nicht so ganz stimmen, daß ich am vierzehnten August mit dem Buchpreislesen schon fertig bin, was ich ja gerne wäre, weil ich zwar zwanzig neue Bücher gelesen habe, aber die Hälfte der Verlage, die auf der Liste stehen, sicher fehlen und noch etwas ist heuer neu, der “Kaffeehaussitzer”, der ja 2015 bei den offiziellen Buchpreisbloggern war, hat voriges Jahr den “Bloggeraward” gewonnen, damit hätte er das wieder werden können, kam aber wahrscheinlich, weil er da schon war oder auch aus anderen Gründen, in die offizielle Jury und liest sich seither streng geheim durch die 165 eingereichten Bücher.

Mit sovielen kann ich natürlich nicht aufwarten, aber sechzig bis siebzig, von denen dann wahrscheinlich eins bis drei auf der offiziellen Liste stehen werden, habe ich heuer auch gelesen und weil wir heuer auch wieder, während der offiziellen Listenbekanntbabe nicht im Lande sind und ich zu dieser Zeit wahrscheinlich, Laptoplos mich durch die Schweizer Literatur lese, habe ich gedacht, daß ich mit meiner Lstenprognose, die ich ja bisher immer getreulich falsch gegeben habe, ein wenig variiere, gut die O-Ttöne die ich seit Alfreds Altersteilzeit  immer getreulich besuche, würden mir dabei helfen, denn der neue Seethaler, der neue Gstrein kommen wahrscheinlich auf die Liste und der neue Arno Geiger zumindestens auf die österreichiche, weil der den dBp ja 2005 mit einem Buch das mir übrigens gar nicht so besonders gefallen hat, gewonnen hat und es so, wie die Jury mache, also nicht schätze, was da vielleicht oben stehen könnte, weil es heuer erschienen ist, sondern das nehme, was ich gelesen habe und da vielleicht ein bißchen nach meinen Erfolgskriterien arbeite, obwohl ich ja Bücher gar nicht so gerne rangreihe.

Was könnte also auf meiner persönlichen deutschen Longlist stehen, habe ich gedacht und kann dabei wahrscheinlich gleich wieder an ein paar Bücher einnern, die ich vor einem halben Jahr gelesen habe, während andere wieder fehlen, weil die Herbstneuerscheinungen ja noch weder wirklich eingetroffen, noch gelesen sind. Also meine zwanzig gelesenen deutschsprachigen Meuerscheinungen für den dBp:

  1. Bernhard Schlick “Olga”
  2. Andre Kubicek “Komm in den totgesagten Park und schau”
  3. Hannes Köhler “Ein mögliches Leben”
  4. Helmut Krauser “Geschehnisse während der Weltmeisterschaft”
  5. Tom Sailer “Wenn Martha tanzt”
  6. Margit Schreiner “Kein Platz mehr”
  7. Julia Schoch “Schöne Seelen und Komplizen”
  8. Jakob Hein “Die Orientmission des Leutnant Sterns”
  9. Milena Michiko Flasar “Herr Kato spielt Familie”
  10. Wlada “Kolosowa “Fliegende Hunde”
  11. Eric Nil “Abifeier”
  12. Heinrich Steinfest “Die Büglerin”
  13. Gunnar Kaiser “Unter der Haut”
  14. Mareike Schneider “Alte Engel”
  15. Kathrin Weßling “Super und dir”
  16. Ruth Cerha “Traumrakete”
  17.  Mareike Fallwickl “Dunkelgrün fast schwarz”
  18. Inger Maria Mahlke “Archipel”
  19. Hans Pleschinski “Wiesenstein”
  20. Michel Decar “Tausend deutsche Diskotheken”

Ein wenig einseitig, was die Verlage betrifft und auch fast nur Frühligsneuerscheinungen, also ziemlich unrealitisch, das habe ich schon geschrieben. Ein paar der Bücher haben mir dabei sehr,  wie der Steinfest, der Gunnar Kaiser, manche weniger gefallen und einige davon habe ich zwar in meinen Regalen, aber noch nicht gelesen, eines weil man das erst im August machen darf, das andere über den Gerhard Hauptmann, weil ich es mir beim Literaturhaus-Flohmarkt kaufte und daher nicht auf meine Jahresliste tat. Aber steht es auf der Liste, was ich hoffe, nehme ich es hervor, dasselbe gilt auch für Anne Reineckes “Leinsee”.

So und weil es ja seit 2016 den östBp gibt, das Ganze noch einmal bis zehn für österreichische Autoren und da wird man wahrscheinlich merken, daß es noch einseitiger wird, weil bei meiner öst Auswahl mehr Debuts und unbekanntere Autoren dabei sind, aber ein bißchen habe ich mich schon durch die heimische Literatur gelesen.

1.Rhea Krchmarova “Böhmen ist ein Ozean”

2.Margit Schreiner “Kein Platz mehr”

3.Milena Michiko Flasar “Herr Kato spielt Familie”

4.Heinrich Steinfest “Die Büglerin”

5.Verena Stauffer “Orchis”

6.Martin Amanshauser “Die Amerikafalle”

7.Cordula Simon “Der Neubauer”

8.Luis Stabauer “Die Weißen”

9. Eva Lugbauer “Und am Ende stehlen wir Zitronen”

10.Judith Gruber-Rizy “Eines Tages verschwand Karola”

Bei den Debuts tue ich mir auch ein wenig schwer, denn Luba Arnautovics “Im Verborgenen” habe ich ja nicht bekommen, also könnte ich nur aus meinem 2Kremair und Scherriau- Fundus” schöpfen.Aber da sind meine Lieblingsdebuts, glaube ich, nicht dabei. Denn da bin ich ja für Wlada Kolosowa und Gunnar Kaiser und die spielen bei der österreichischen Liga nicht mit.

  1. Barbara Rieger “Bis ans Ende Marie”
  2. Verena Stauffer “Orchis”
  3. Eva Lugbauer “Und am Ende stehelen wir Zitronen”, hätte ich also da anzubieten.

So das war meine diesmal ungewöhlichere Buchpreisschätzung, mal sehen, wie ich es getroffen habe. Es wird ja noch bis vierzehnten August einiges an Wissen dazu kommen und auch noch etwas Gelesen werden.

 

Soutines letzte Fahrt

Jetzt kommt ein Vorgriff oder Rückgriff auf das Buchpreislesen, bei dem ich ja nicht ganz sicher bin, ob ich es heuer schaffe, mich wieder durch die Longlists des östBps und des dBps zu lesen.

2013 habe ich mich das auch nicht getraut, aber da hat “Buzaldrins Bücher”, das sogenannte offizielle Buchpreisbloggen durch die Aktion “Fünf lesen vier” oder “Vier lesen fünf” ins Leben gerufen und da stand Ralph Dutlis “Soutines letzte Fahrt” auf der Ll des dBps, den öst hat es  damals noch nicht gegeben und ich hatte von dem Buch schon etwas gehört gehabt, weil es in Leipzig, glaube ich, auf dem blauen Sofa besprochen wurde und mich vielleicht auch etwas über Autor und Thema gewundert und es wohl damals noch für genausowenig literarisch gehalten, wie einer der “Amanzon-Rezensenten”.

Aber was ist literarisch? Nur der große Goethe und der große Bernhard? Wahrscheinlich nein, sondern vielleicht schon das, was dem Leser näher kommen kann und da sind fiktionale Biografien sicher ein sehr guter Weg, sich mit Personen der Geschichte auseinanderzusetzen, denn ich hatte damals sowohl von Ralph Dutli als von Chaim Soutine noch etwas gehört.

Ralph Dutli hat mich dann nicht ausgelassen, denn der ist 2015 wieder auf der Ll gestanden und da habe ich zwar nicht offiziell dBp gebloggt, aber wohl Buchpreis gelesen und dann bin ich einmal nach Ostern auf den Zentralfriedhof zu dem Begräbnis von Friedl Hofbauer und wieder zurückgegangen und bin da in die letzten Tage des Abverkaufs der Buchhandlung auf der Wieder Hauptstraße gekommen, wo heute die Kette “Hannibal” ihre Servietten, Tees, Schokoladen und Pasteten verkauft und da gab es in dem schon sehr leergeräumtes Geschäft “Soutines letzte Fahrt” um drei Euro zu kaufen und wieder hat es etwas gedauert, bis ich es auf meinen Badezimmerstapel geräumt von von dort wieder hinuntergenommen habe.

Eine fiktionale Biografie also, die der 1954 geborene Ralph Dutli  über den weißrussischen jüdischen Maler Chaim Soutine, einem Zeitgenossen von Chagall, Modigliani und Picasso, wie im Klappentext steht, geschrieben hat und der litt an einem Magengeschwür und fuhr am 6. August 1943, als in Frankreich schon die Besatzer waren, in einem angeblich oder tatsächlichen Leichenwagen nach Paris, um dort behandelt zu werden.

Am neunten August ist er jedenfalls in Paris gestorben und Ralph Dutli läßt ihn und das ist wohl der ewige Schmäh der fiktionalen Biografen, sein ganzes <leben durchleben und weil Chaim Soutine ein Maler war, macht Dutli es mit surrealen phantasitischen Bildern und erzählt so das Leben des  1893 in Weißrussland, als Sohn eines Schusters geborenenm, dem der Rabbi dort das Malen verbot. So ging er bald nach Minsk und dann nach Wilna, bevor er sich soviel Geld ersparte, um nach Paris zu kommen.

Im fiktionalen oder tatsächlichen Leichenwagen fährt auch Ma Be oder Marie Berthe als Krankenschwester gekleidet mit und das war zuerst, die Lebensgefährtin von Max Ernst, später die von Soutine und ein uneheliches Töchterlein, um das sich der Maler nie kümmerte, gab es auch und eine Gerda Groth aus Magdeburg und dann den amerikanischen Pharmahzeuten, der früh das Talent des Malers erkannte, der dafür berühmt war, seine Bilder mit denen er nie zufrieden war, zu zerstören. Er kaufte alle auf. Soutine wurde berühmt, wohl auch für seine Farben, die Farbe weiß und rot spielen eine große Rolle und am Cover des bei “Wallstein” erschienenes Buches sieht man den Bäckerjungen, mit den Soutine wohl berühmt wurde.

Die Fahrt ist dann bald zu Ende. Die letzten Kapitel erzählen über das Begräbnis das am Montparnasse stattfand und das letzte sogar von einem Besuch des Autors an Soutines Grab und seine Beziehung zu dem Maler.

Ein interessantes Buch, eine interessante Biografie, die ich da so kurz vor dem heurigen Buchpreisfiebers gelesen habe und jetzt warten, wenn ich mich nicht sehr irre, noch ein Buch über Hemingway oder seine Frau auf mich und eines über Marlene Dietrich, das von Alred Polgar geschrieben wurde, bevor ich mich entscheiden kann, ob ich mich heuer wieder an die großen zwanzig machen werde oder das lese, was abseits davon in diesem Jahr erschienen ist.

Erinnerungen an Christine Nöstlinger

Ich habe ja in den Sechzigerjahren zu lesen angefangen und als Tochter eines engagierten Sozialisten zu Weihnachten immer ein Buch der Kinderfreunde unter dem Christbaum gefunden.

Damals hießen die Autoren Vera Ferra-Mikura und Friedrich Feld und was die Ferra-Mikura betrifft, sind mir da “Meine Freundin Rosine” und “Peppis doppelte Welt” und natürlich die “Stanisläuse” im Gedächtnis geblieben und sie war, da bin ich mir sicher, ein Vorbild von Christine Nöstlinger, die mir als Kinderbuchautorin irgendwie verlorengegangen ist, weil ich, als sie in den Siebzigerjahren zu publizieren begann,  schon erwachsen war.

Trotzdem war sie damals in aller Munde und hat die Kinderbuchliteratur erstaunlich reformiert. Der “Wischer” ist in den Siebziger- oder Achtzigerjahren in Ö-3 gelaufen, dann gab es das “Austauschkind” und mit dem habe ich mir oder die anderen Autoren der “Die Mädchen dürfen pfeifen, Buben dürfen weinen- Anthologie”, den Kinderbuchpreis von 1982, glaube ich, geteilt habe.

Denn, die 1936 in Wien-Hernals, ein Bezirk, in dem ich ja auch aufgewachsen bin, geborene Autorin, war in der Jury, als Johanna Dohnal vom Staatssekretariat für Frauenfragen, einen Wettbewerb für ein nicht rollenkonformes Kinderbuch aufgerufen hat.

Ich habe eine Szene aus einem Projekt, an dem ich damals gearbeit habe, als “Güler will kein Kopftuch mehr”, umgearbeitet und eingereicht und ich bin fast sicher, daß ich den Preis den ich damit gewonnen habe, ihr verdanke.

Gelegenheit zu fragen oder mit ihr darüber zu sprechen, gab es keine, obwohl das Buch prominent  aufgenommen wurde, ein paar Auflagen hatten, den besagten Kinderbuchpreis gewonnen hat, als Taschenbuch aufgelegt wurde und und und am vorigen Freitag, als ich in Harland auf der Terrasse sitzend ein wenig herumgegooglet habe, habe ich erfahren, Christine Nöstilinger ist im einundachtzigsten Lebensjahr gestorben.

Das ist, wie mir “Wikipedia” mitteilte, schon am achtundzwanzigsten Juni geschehen. Bekanntgegeben wurde es aber offenbar erst am letzten Freitag und hat natürlich große Betroffenheit ausgelöst, obwohl ich in einem Interview lesen konnte, daß die Autorin sich zuletzt geweigert hat, weiter Kinderbücher zu schreiben, weil sie meinte, diese mit Achtzig nicht mehr zu verstehen.

Nun, die Kinder haben sich inzwischen sicherlich geändert, die Anna ist aber mit ihren Büchern aufgewachsen und während mich als Kind Vera Ferra-Mikura “Peppis doppelte Welt” als eine der ersten Schilderung eines Scheidungskindes sehr beeindruckt hat und ich bedauere, das Buch, das man inzwischen wahrscheinlich nur mehr gebraucht bekommen kann, nicht zu besitzen. Denn ich habe als Kind ja viel aus der Bücherlade meiner Hauptschulklasse gelesen, hatte die Anna, glaube ich, mit dem Scheidungsbuch, der Nöstlinger, wo die Welt eines Kindes offenbar viel brutaler durchgeschnitten und zerteilt wurde, mehr Schwierigkeiten, als ich mit dem Peppi, dem halt nach den Würsteln beim Papa schon schlecht war und sich trotzdem nicht traute, das Mittagessen der Mutter, das sie ihm hinstellte, als er von dort zurückkam, zu verweigern. Sie hat es aber verstanden und ihm kleine Portionen hingestellt. Heute würde man das Mittagessen wahrscheinlich ganz weg lassen. Es hat sich aber sicher als tolle Szene erwiesen, das Problem von Scheidungskindern aufzuzeigen.

Vera Ferra-Mikura hat sehr sozialkritisch geschrieben, Christine Nöstlinger ist ihren Spuren gefolgt und hat die “Feuerrrote Friederike”, glaube ich, auf dem Küchentisch geschrieben.

Ich war ja, wie schon erwähnt, für ihre Kinderbücher zu alt und bin wahrscheinlich auf Christine Nöstlinger durch das Buch von Hilde Schmölzer “Frau sein und schreiben” aufmerksam geworden, die ein Interview mit ihr brachte. Das heißt so ganz wird das nicht stimmen, Christine Nöstlinger war in den Siebziger- und Achtigerjahren sehr populär und hat wahrscheinlich, sowohl in der Arbeiterzeitung, als auch in der sozialistischen Frau, die Frauenzeitschrift, die meine Mutter gelesen hat, regelmäßig publiziert.

Es sind dann auch bald die Gedichtbände über die ganz armen Kinder, die ganz armen Frauen und später, glaube ich, auch über solche Männer herausgekommen.

Die “Geschichten vom Franz” habe ich der Anna vorgelesen und noch früher, war ich mal auf einer Veranstaltung, wo Christine Nöstlinger gelesen hat und ein bißchen verwirrt darüber war, daß die wahrscheinlich antiautoritär erzogenen und sehr selbstbewußten Kinder ihr nicht so recht zuhören wollten. Da hatte sie es als Autorin nicht so leicht, obwohl sie wahrscheinlich selber dazu beigetragen hat, die Kinder so zu erziehen und rotzfrech, hat sie ja in Interviews öfter  gesagt, ist sie als Kind auch gewesen.

Ihre ersten Geschichten hat sie, glaube ich, am Küchentisch geschrieben und ist, glaube ich, auch über das Zeichnen zum Schreiben gekommen. Ihre Literatur hat aber eingeschlagen. Die Kinder der Siebziger- und achtzigerjahre selbstbewußt gemacht und jetzt fehlt in den neobliberalen Zeiten wahrscheinlich ihre rotzfreche emanzipatorische Literatur und hat, obwohl ich mich bei den heutigen Kinderbuchtrends nicht so auskenne, weil ich ja keine Enkelkinder habe, denen ich Bücher vorlesen könnte, eigentlich auch keine richtige Nachfolger gefunden, die in ihrem Sinne die Emazipation in die Kinderzimmer weitertragen könnten und dort wird, höre ich ja immer, ohnehin immer weniger gelesen und immer weniger Kinder lernen das und die Lust dazu, auch in der Schule.

So ist der Tod der großen Kinderbuchautorin natürlich ein großer Verlust für die Kinderzimmer, obwohl man ihre Bücher ja weiter kaufen und lesen kann und das natürlich auch sollte.

Und an noch ein Bonmot der großen alten Dame kann ich mich erinnern. Als Johanna Dohnal gestorben bin, bin ich zu einer Gedankveranstaltung auf den Ballhausplatz gegangen. Da ist sie aufgetreten und hat gesagt, daß sie den Feminismus nie aufgegeben und ihn, wenn nötig auch noch mit der Krüke verteidigen wird. Was mich in Zeiten, wo ja die jungen rechten Frauen sehr energisch dagegen ankämpfen, sehr beeindruckt hat.

Jetzt kann sie das weder mit noch ohne Krüken tun, so daß wir, die wir den Feminismus wollen, ihn wohl selber verteidigen müssen und mit Vera Ferra-Mikuras und Christine Nöstlingers Büchern gehet das wahrscheinlich immer noch sehr gut.

Ö-Töne mit Yara Lee und Arno Geiger

Yara Lee

Yara Lee

Daniela Strigl, Yara Lee

Daniela Strigl, Yara Lee

Das zweite Debut der heurigen Saison, das Daniela Strigl für diesen Donnerstag ausgesucht hat, betraf Yara Lees “Als ob man sich auf hoher See” befände, ein Buch aus dem “Residenz-Verlag”, das sich bereits auf der Debut-Longlist befindet, also muß ich es nicht erst hinaufreklamieren und das, glaube ich, auch schon im Literaturhaus oder war es in der “Gesellschaft für Literatur” vorgestellt wurde.

Aber sonst sagte mir das Buch nicht viel und auch von der eigentlich Afamia Al-Dayaa heißenden, in Deutschland geborenen Autorin, die sowohl Klavier als auch Sprachkunst studierte habe ich, glaube ich, noch nicht viel gehört und sie offenbar auch bei den Sprachkunstlesungen nicht erlebt.

Ein Auszug ihres Debutroman ist aber im Vorjahr in den “Manuskripten” erschienen, also nicht sehr genau gelesen und habe jetzt erst ihr Debut kennengelernt, den Roman, wo eine junge Frau, die den Namen Marla Maria trägt mit einem Koffer in der Hand nach Wien kommt, einen James <kennenlernt und einen Vater namens Ulysses hat, der sich eigentlich auf das Sterben vorbereitet, aber offenbar die Gelegehheit dazu nicht  findet. Das waren etwa die Stellen, die die Autorin gelesen hat und auch das, was Daniela Strigl in ihrer Einleitung erklärte.

Danach kam noch einmal Daniela Strigl auf die Bühne und moderierte Arno Geiger, aus dessen neuen Roman “Unter der Drachenwand” ich ihn schon in Göttweig lesen und, ich glaube, außerdem noch irgendwo ein Interview daraus hörte.

Daniela Strigl stelle den 1968 in Bregenz geborenen, sehr enthusiastisch vor und meinte, daß ihrer Meinung nach “Die Drachenwand” zu den besten Romanen dieses Jahrhunderts gehöre, was offenbar  Arno Geiger so überraschte, daß er sie daraufhin umarmte.

Ich würde nicht so weit gehen und würde mich überhaupt hüten, ein Buch, daß ich in den letzten Jahren gelesen habe, so zu bezeichnen, muß aber sagen, daß ich das, was ich bisher aus dem Roman hörte, auch für das beste halte, was ich von Arno Geiger je gehört oder gelesen habe und ich habe ja meine eigene Arno Geiger-Geschichte, habe ich ihn ja 1996 kennengelernt, als er da, als noch unbekannter Autor nach Klagenfurt kam, mit seiner Käthe-Geschichte zwar kein besonderes Aufsehen erregte, zumindestens bei der dortigen Jury nicht. Mir hat die Geschichte aber sehr gefallen und offenbar auch Martina Schmidt vom “Deuticke-Verlag”.

Jedenfalls erschienen da, glaube ich, seine ersten Bücher und ich würde auch nicht sagen, daß er 2004, als er aus seinem späteren ersten deutschen Buchpreis-Roman gelesen hat, Aufsehen erregte. Das kam erst 2005 als er mit “Es geht uns gut” den Preis gewonnen hat.

Daniela Strigl, Arno Geiger

Daniela Strigl, Arno Geiger

Arno Geiger

Arno Geiger

“Alles über Sally” habe ich gelesen und auch in der “Alten Schmiede” und, ich glaube, auch in Leipzig draus gehört. Für das Memoir über seinen Vater “Der alte König in seinem Exil,” habe ich gedacht, daß er den “Preis der Leipziger Buchpresse” bekommen wird, den dann Clemens J. Setz mit seinem “Mahlstädter Kind”  bekommen hat.

“Selbstportait mit fluß pferd” habe ich nicht gelesen und die “Sally” habe ich etwas langatmig wenn nicht sogar schwülstig empfunden.

Das waren aber die Werke die Daniela Strigl von Arno Geiger, der auch den “Wildganspreis” bekommen hat, aufzählte und meinte, daß sie das interessierte O Töne-Publikum sicher gelesen hätte.

“Anna nicht vergessen”, hätte ich ihr da gerne zugerufen, habe den Erzählband zwar inzwischen auf meinen Stapel, aber noch nicht gelesen und diese Geschichte über den blutjungen Weltkriegsoldaten, der 1944, mit dreiundzwanzig Jahren verwundet wird und sich unter die Drachenwand am Mondsee zur Genesung zurückzieht und dort die Liebe entdeckt, habe ich wirklich sehr spannend gefunden und ja auch erst ein oder zwei Bücher über die letzten Tagen des zweiten Weltkriegs gelesen und muß da sagen, daß mir das die Melker Geschichte des Ralph Rothmanns nicht so beeindruckt hat.

Im Gespräch mit Daniela Strigl sagte Arno Geiger etwas, was er, glaube ich, auch bei dem Interview erwähnt hatte, nämlich, daß er für das Buch sehr lange recherchiert hat, weil er nicht historisch darüber schreiben, sondern die Geschichte lebendig und hautnah erzählen wollte.

Etwas, was icht nicht ganz nachzvollziehen kann, denn natürlich weiß er wahrscheinlich nicht wirklich, wie es  1944 gewesen ist, auch wenn er herausgefunden hat, daß es damals keine Bindfäden gegeben hat, weil die, die Leute alle für die Pakete verwendet haben, die sie den Soldaten an die Front schickten.

Aber ich habe diese Verknüpung der Geschichten der beiden ehemaligen Nachbarn, von denen der eine, der Jude OskarMeyer mit seiner Frau und seinem Kind nach Budapest flüchtet und die dort verliert, während der  schon beschriebene Veit Kolbe unter der Drachenwand seine Liebe findet, sehr  gut geschrieben gefunden und bin jetzt nur gespannt, ob es auf die österreichische oder deutsche Buchpreisliste kommt, auf die deutsche nachdem Arno Geiger dort ja schon gewonnen hat, vielleicht nicht mehr, auf die österreichische wahrscheinlich sicher und dann kann ich das Buch, falls es zu mir kommen sollte, es ist bei “Hanser” erschienen, ja lesen und so war auch der zweite O-Töne Abend sehr interessant und wieder sehr voll und schönes warmes Wetter und es ist sicher auch sehr gut, sich in Zeiten, wie diesen mit dem zweiten Weltkrieg zu beschäftigen, obwohl es darüber auch schon sehr viele Bücher gibt.

Der Pfau

Weiter gehts mit meiner Backlistleseliste und da bin ich jetzt bei meinem Harlander Bücherstapel und einem Buch gelandet, das 2015 oder 16 von den Blogs hochgelobt wurde.

Isabel Bogdans “Der Pfau” und dann bin ich 2017 nach Salzburg gefahren, habe dort gelesen und mit Margot Koller deren eigene offene Bücherkoje besucht und was habe ich dort gefunden, richtig von einer Salzburger Agentur hineingelegt und jetzt ein bißchen auf meinem Bücherstapel über dem Bett gelegen oder abgehangen, wie es in dem Buch, der 1968 geborenen Autorin, Übersetzerin und, ich glaube,, auch Bloggerin, so heißt und dort hängt in einer Speisekammer in den schottischen Highlands der namensgebende Pfrau und das Buch wird von den Kritikern, als eines, das die englische Spannung in die deutsche Literatur hineinbringt, hochgelobt.

Wie warh, schreibe ich bestätigend hinzu, denn es hat einen Ton, der heute vielleicht schon  ein bißchen wagemutig klingt. Heinrich Spoerl hat, glaube ich, in “Wenn wir alle Engel wären” so geschrieben und mich hat das Buch auch ein bißchen an Agatha Christies “Zehn kleine Negerlein”, die heute wahrscheinlich nicht mehr so heißen, erinnert, obwohl  es  kein Krimi ist und ich ich habe es auch als Sommerbuch glesen, obwohl es im Noember spielt und tiefster Schnee in den schottischen Highlands liegt. Es liest sich aber leicht und locker dahin und ist sehr vergnüglich, obwohl es eigbentlich um nicht wirklich Aufregendes geht.

Worum geht es also? Um ein altes verfallenes Schloß oder Herrenhaus in den besagten Highlands, das Lord und Lady McIntosh, die es bewohnen, vermieten müssen, um die Instandhaltungskosten zu bewältigen und da mietet sich im November eine Bankerin mit vierKollegen, einer Psychologin und einer Köchin ein, um ein verlängertes Wochenende lang dort Gruppendynamik zu betreiben.

Schön und gut, es gibt nur ein Problem, der Lord hat ein paar Pfaue herumlaufen und einer ist verrückt oder kurzsichtig. Er greift alles an was blau ist und zerstört es.

Also gibt der Lord, Ryszard, dem polnischen Mann für alles, dem Auftrag, die Pfaue dreimal am Tag in den Wald hinauszutreiben. Aber das klappt nicht ganz, denn am nächsten Morgen ist das Auto der Bankerin beschädigt und der Lord treibt nun selbst den Pfau in den Wald hinaus und erschießt ihn dort. Läßt ihn auch dort liegen, denn er kann ja nicht gut mit einem toten Pfau ins Schloß zurückkehren und die Bankergruppe macht einen Morgenspaziergang und der Hund der Chefbankerin bringt ihr den toten Pfau und sie glaubt, er hat ihn erlegt.

Das traut sie sich dem Lord nicht zu sagen, wie er sich nicht traut, ihr zu gestehen, daß das Auto von dem Pfau beschädigt wurde. So gibt sie David, einem jungen Banker, den Autrag ihn zu beseitigen. Der nimmt Helen, die energische Köchin mit und die hat gleich den Plan, ihn ihrer Truppe vorzusetzen.

Das geht auch nicht ohne Heimlichkeiten und so erklärt sie zuerst, sie macht ein Fasancurry, später aber, als einer der Banker, das in der Speisekammer hängende Tier für eine Gans hält, disponiert sie um.

Inzswischen wird die besagte Gruppendynamik betrieben, ein Schiff gezeichnet, eine Hütte gebaut, die Chefbankerin holt sich eine Verkühlung, einer der Banker verstaucht sich den Fuß, als er vom Etagenbett hüpft und Liz, die Chefbankerin, lädt zu allem Überfluß noch das Vermieterpaar zu dem Abendessen ein, als der Pfau serviert wird. Der wird zwar als Gans ausgegeben, was aber auch zu einem Problem führt, ist doch die Gans der Gastgeber, die auch zum Inventar gehört, plötzlich verschwunden und die Banker glauben nun, der Hund hat auch sie erlegt.

Köstlich, köstlich, könnte man so sagen. Leicht zu lesen und sehr vergnüglich, das gruppendynamische Wochenende wird natürlich ein Erfolg, die Gans wird wiedergefunden und nur der Pfau, den der Lord dann im Wald suchen geht, bleibt wohl ein ewiges Räsel, aber so soll es ja auch sein.

Von der Sommerlesereihe ins Sommerkino

Die ersten drei  Podiums Sommerlesungen zum Thema “Lebenslang” im Cafe Prückl habe ich ja wegen meiner Stunden bezeihungsweise den Sommerfrischenfreitagen in Harland bei St. Pölten versäumt und bin heuer nur bei der Eröffnungsversantaltung in der “Alten Schmiede” gewesen, aber heute ist es sich ausgegangen ins Cafe Prückl zu gehen und da gab es Lesungen von zwei mir bekannten Autorinnen aus zwei unterschiedlichen Büchern.

Habe ich doch die  1957 geborene Patricia Brooks, die bei meiner letzten “Mittleren Veranstaltung” gelesen hat, für eine eher experimentelle Autorin gehalten, die ja im Amerlinghaus ihre Radio Rosa Reihe hat und auch einmal mit dem “Fröhlichen Wohnzimmer” im “Readingroom” aufgetreten hat, sie hat aber auch bei der” Edition Wortreich” einen eher realistischen Roman herausgebracht  “Der Flügelschlag einer<Möwe” in dem es um die Veränderungen, die ein Flügelschlag auslösen kann, geht.

Hat da doch eine junge Frau  bei ihrer Maturareise einen Mord beobachgtet und der hat ihr Leben verändert, Panikattacken und Angstzustände ausgelöst, so daß sie zu einer Therapeutin geht und ihr erzählt, daß sie dadurch ihren Freund verlassen hat und ihre Schwester hat dann ein Kind von ihm bekommen und die Therapeutin entdeckt, als sie nach der Stunde nach Hause fährt, im Auto ihres Mannes einen Slip der nicht ihr gehört, nun ja, vielleicht  ein wenig reißerisch, dafür war Gabriele Petricek, die auch bei den “Mittleren” gelesen hat, schon öfter WienStpendiatin und auch Besuchderin des Musas und anderer Literaturveranstaltungen ist,  viel sprachexperimenteller. Das Buch aus dem sie gelesen hat, wird demnächst bei “Sonderzahl” erscheinen, heißt die “Unerreichbarkeit von Innsbruck” und wird in der Verlagsvorschau, als ein Reigen von  Verfolgungsritualen angekündigt.

Danach habe ich noch ein bißchen mit der Ruth geplaudert, die trotz ihres Griechischkurses im Publikum war und bin dann wieder auf den Karlsplatz gegangen, wo bald der in im besetzten Nachkriegswien von 1955 spielende Film “O Rosalinda” beonnen hat, der nach der “Fledermaus”, die Hauptfiguren, als die vier Besatzungsmächte auftreten ließ. OskarSima war ein “Frosch” im Steiereranzug, es wurde auf Englisch gesungen und auf die Idee mir diesen Film anzuschauen, bin ich vorigen Mittwoch gekommen, wo ich auch im “Kino unter Sternen” war und es, als Vorgprogramm ein Quiz gegeben hat und weil ich die Melodie der “Fledermaus” und noch etwas anderes erkannte, habe ich zwei Bücher von und über Florian Flicker gewonnen und bin auf den Geschmack mir diese Fledermausversion anszusehen gekommen, die mir aber, schreibe ich hinzu, nicht sehr gefallen hat, weil sie mir zu klischeehaft war.

Meine geniale Freundin

Nun kommt Teil eins der sogenannten “Neapolitanischen Saga”, Elena Ferrantes  Tetralogie über zwei Mädchen, die im ärmlichen Nepael der Neunzehnfünfziger- und sechzigerjahre aufgewachsen sind, die sie, wie ich “Wikipedia” entnahm, nicht so genannt haben will und sie will auch ihre Identität, die, glaube ich, inzwischen enthüllt oder auch nicht so ganz ist, nicht outen.

Im Sommer 2016, als ich gerade mein zweites Mal Buchpreis gelesen hat, hat der erste Teil der vier Bücher, die die Kindheit und die Jugend der beiden Freundinnen Lina und Lenu beschreiben “Meine geniale Freundin” in die Buchwelt eingeschlagen und es war neben Han Kangs “Vegetarierin”, die Bestseller der Saison, die man plötzlich lesen sollte.

Die “Vergetarierin” habe ich gelesen, Elenas Ferrantes Saga ist an mir vorbei gegangen, wahrscheinlich habe ich  gedacht, daß ich bei “Wagenbach” und auch bei Alberto Moravia schon genug über das Italien der der frühen Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts gelesen habe, vielleicht hat es sich auch nicht ergeben. Denn meine Leseliste ist ja lang und das doppelte Buchpreislesen, das es damals zum ersten Mal gab, hat mich voll ausgelastet.

Im Jahr 2017 sind dann die anderen Bände der Lebensgeschichte der zwei Frauen, Elena Ferrante, will es glaube ich, so genannt haben, erschienen und heuer glaube ich auch noch Buch, das sich darauf bezieht.

Ich bin im vorigen Mai mit dem Alfred und der Ruth um den Bodensee geradelt und weil wir sie dazu anläßlich ihres Geburtstags eingeladen haben, hat sie sich veranlaßt gesehen, als wir in Überlingen, glaube ich, in einer Buchhandlung standen, mich gefragt, ob ich das Buch schon gelesen habe und es haben will?

Da kann ich bekanntlichermaßen ja nie “Nein!”, sagen, obwohl ich mich erinnern kann, daß ich zu dem danebenstehebenen “Kraft” schielte, aber nicht sagte”Eher das!”, aber das habe ich inzwischen auch gelesen, weil es auf der 2017 Buchpreisliste stand und es hat mir gar nicht so gefallen und da ich jetzt bevor die August- Neuerscheinungen und die neue Buchpreisliste erscheinen, die mich wahrscheinlich noch vollkommener von meiner Leseliste abhalten werden, wie es in den letzten Jahren geschah, ein bißchen verzweifeltes Backlistauflesen, wie ich das jetzt nennee und da kam jetzt, nachdem die Geburtstagsbücher gelesen sind, eben Elena Ferrante dran, war es ja ein Geschenk und sollte dementsprechend beachtet werden.

Vorher habe ich noch im Rahmen des “HotelReihelesens”, das ich jetzt wahrscheinlich doch nicht vollständig betreiben werde,ich mit Giorgio Bassanis “Mann mit der Goldbrille” beschäftigt, wo ich genau jenen schwülstig erotischen Ton fand, den die italienischen Romane des vorigen Jahrhunderts bevorzugt haben.

Und genau das ist wahrscheinlich das Verdienst Elena Ferrantes und der Grund, warum alle ihre Saga, als so genial und noch nie dagewesen bezeichnen.

“Was für ein Werk!”, schreibt der “Spiegel” am Buchrücken “Alle Welt liest Elena Ferrante”, die” FAZ” und “Ein epochales literaturgeschichtliches Ereiginis”, die “Zeit”, daß sie damit aufräumt und einen scharfen kantigen Ton in das Neapel um 1958 hineinbringt, wo die Brüder mit ihren Schwestern so umgingen, wie man das heute empört den Türken vorwirft und die Messer und die Fäuste flogen und die Maffia oder die Camorra ihre Geschäfte trieb und sie auf diese Art und Weise, die Sozialkritik sehr scharf zeichnet, ohne meiner Meinung nach etwas wirklich Neues zu erzählen, aber wie soll das auch gehen? War es ja wahrscheinlich so und das Los vieler Frauen, die damals in der italienischen Unterschicht aufgewachsen sind.

Einige neue Facetten sind aber wahrscheinlich schon drinnen und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum alle so begeistert aufschreien. Es ist der Ton, wie sie erzählt und der mir, ich schreibe es gleich, nicht immer gefallen, mich aber durchaus beeindruckt hat.

Da sind also Lina und Lenuccia, die eigentlich Elena heißt, die eine, die Tochter des Schusters, die andere, des Pförtners im Rathaus und sie wachsen in einem ärmlichen Viertel Neapels auf. Erzählt wird das von Elena Jahre später. Denn da ist Lina plötzlich verschwunden, ihr Sohn ruft Elena, die sich inzwischen als Journalistin und Schriftstellerin emanzipiert und die Stadt verlassen hat und fragt sie, ob sie weiß, wo sie ist? Denn sie hat alle ihre Spuren verwischt, sogar ihr Bild aus den Fotos hinausgeschnitten und so beginnt Elena in Band eins, über ihre Kindheit und dieJugend zu erzählen.

Was sehr angenehm ist, gibt es am Beginn ein ausführlches Personenregister, der Familien, die um die Hauptakteure, in dem Viertel aufwachsen und Lina wird von Elena Ferrante, meiner Meinunung  nach etwas zu abgehoben und unrealistisch genial beschrieben.

Wer die geniale Freundin ist, ist überhaupt unklar. Denn Lina hat ja ihren Rayon nie verlassen, während Elena das gelungen ist. Se war aber, schreibt sie, in der Schule genialer, hat sich selbst das Lesen und das Schreiben beigebracht, war auch frech und aufmüpfig und hat sich weder von den Lehrern noch von den Burschen etwas gefallen lassen.

So werden beiden Mädchen nach Ende der Grundschulzeit von der Lehrerin, Maestra Olivero, die zu den Eltern nach Hause geht und für ein Schmiergeld Nachhilfestunden anbietet, für die Aufnahmsprüfung in die Mittelschule vorgeschlagen.

Elenas Eltern machen das widerstrebend, der Schuster Fernando verweigert. Lina schreit “Ich mach die Prüfung trotzdem!”

Sie ist auch die Beste, auf die Schule darf sie aber trotzdem nicht, denn der Schuster schmeißt sie aus dem Fenster, so daß sie ins Spital muß, nachher darf sie zwar auf eine Haushalts oder Büromädchenschule, die sie aber verweigert, sich selbst aus den Büchern der Bibliothek Latein und Griechisch beibringt und Lenu, die damit anfangs Schwierigkeiten hat, unterrichtet, so daß die Lehrer sie bei der Nachprüfung fragen, wer ihr dabei geholfen hat und sich erkundigen, ob die Freundin, die Universität besucht?

Lina arbeitet aber in dieser Zeit in der Schusterwerkstatt und heckt mit ihren Bruder Rino Pläne aus, mit  selbstentworfenen Schuhe reich zu werden.

Denn das ist der Traum der beiden Mädchen mit viel Geld aus dem Viertel hinauszukommen. Zuerst wollten sie Bücher schreiben, um das zu schaffen. Dann entwirft Lina Schuhe. Sie stellen in jahrelanger Mühe ein Paar her, als aber Rino sie dem Vater zeigt, beginnt der ihn zu versohlen.

So war es offenbar in dem Italien des Alberto Moravia und der “Wagenbach- Schriftsteller”. Elena gelingt es aber durch nächtelanges Büffeln Klassenbeste zu werden und darf dann auch aufs Gymnasium, was auch mühsam ist, denn die Schulbücher müssen ausgeborgt oder gebraucht erstanden werden und im Sommer darf sie zwar zu Maestra Oliverios Cousine nach Ischia, aber auch nur um ihr im Haushalt zu helfen, kommt aber braungebrann und fast als Mißbrauchsopfer zurück.

Die Mädchen gehen unterdessen mit ihren Brüdern aus, fangen vorsichtig die ersten Freundschaften an und da gibt es die Solara-Brüder, die sowetwas wie die Maffia des Rayons sind, der eine stellt Llina nach, macht ihr schöne Geschenke, wie einen Fernsehapparat, aber sie verlobt sich mit Fünfzehn mit dem Lebensmittelhändler Stefano, der ein paar Jahre älter, als sie ist und außerdem noch der Sohn von Don Achillo, dem “Unhold aus dem Märchen”, wie in der Beschreibung steht, der den Mädchen als Kinder Angst machte, ihnen ihre Puppen klaute und später ermordert wird.

Das wird auch, während sich Elena durch ihre Prüfungen quält, sehr ausführlich beschrieben. Lina hat inzwischen ihr Interesse am Lernen komplett verloren. Läßt sich von ihrem Verlobten ausführen und schöne Geschenke machen. Er verspricht ihr auch ihre Schuhe groß herauszubringen, gibt dem Vater Geld, so daß der drei Gehilfen anheuern kann, die die Schuhe herstellen. Es will in dem Viertel aber niemand so teure handgemachte Schuhe kaufen.

So kommt, was kommen muß, Marcello Solara, der ja Lina heiraten wollte und den sie haßt, erscheint zur Hochzeit in dem Paar von ihr und Rino jahrelang angefertigten schuhen. Stefano hat sie ihm gegeben. Das Paar geht auf Hochzeitsreise und Elena stellt fest, daß es wohl niemals möglich ist, aus dem Viertel herauszukommen oder nur, wenn man sich anstrengt, lernt und dieses verläßt und so endet der erste Teil. In den drei anderen wird dann weitererzählt. Ein bißchen habe ich in “Wikipedia” nachgelesen, was da passiert. Ich habe ja nur das eine Buch, werde die anderen, wenn ich sie mal in den Schränken oder einer Abverkaufskiste finden sollte, natürlich nehmen oder um einen Euro kaufen. Aber zum Lesen werde ich angesichts meiner Bücherfülle höchstwahrscheinlich nicht kommen und bin, was die Bewertung betrifft, auch ein wenig ratlos, denn so genial und umwerfend finde ich das Buch eigentlich nicht, obwohl es sehr eindringlich und auch auf eine andere Art und Weise vom Neapel der Neunzehnhundertfünfziger und sechzigerjahre, der Unterdrückung der Frauen und den zerstörten Lebensläufen erzählt.

Elementarteilchen

Jetzt kommt ein Klassiker von meiner Backleseliste, nämlich Michel Houellebeqcs, 1999 erschienener Kultroman “Elementarteilchen”, den ich mir einmal beim Rotary Flohmart in St. Pölten vom Alfred kaufen ließ und auf den ich schon sehr gespannt war, obwohl das Buch jetzt im Schutzumschlag und die erste Seite angelesen,  ein halbes Jahr lang im Harlander Badezimmer lag, denn als ich es im Jänner zu lesen angfangen wollte, habe ich nach der ersten Seite überlegt, daß es doch besser wäre mit dem PDF von Joshua Cohens “Buch der Zahlen” anzufangen und bin seither mit dem Neuerscheinungslesenlesen nicht wirklich fertig geworden.Das heißt, doch im Juni, aber da war der Alfred in Amerika und ich bin in Wien geblieben.

Ein Kultbuch also von dem man schon viel gehört hat und mit dem auch, glaube ich, der 1956 oder 1958 geborene Autor, der  etwas exzentrisch sein dürfte, berühmt wurde und von dem ich einmal einen Gedichtband, der mir sehr gefallen hat und dann “Unterwerfung” gelesen habe.

Hier, schreibe ich gleich, war ich anfangs etwas enttäuscht, beziehungsweise habe ich gedacht, daß man dem zwanzig Jahre alten Buch sein Erscheinungsdatum deutlich anmerkt, denn das, was da über diese Sommerakademie mit den kreativen Writingkursen geschrieben wurde, habe ich nicht so sensationell, sondern alltäglich gefunden.

Es dürfte auch ein bißchen Autobiografisch sein, denn ich habe bei den beiden Brüdern Bruno und Michel, die da beschrieben werden, 1956 der eine 1958 der andere geboren, einige Parallelen zum Lebensweg des Autors gefunden.

Aber dann ist es natürlich ein das ganze Jahrhundert umfassende, breitgefächertes Buch, das das Nachkriegsfrankreich mit all seinen sexuellen Phantasien, dem Leiden von Söhnen von neunzehnhundertachtundsechziger Mütter, obwohl oder weil, die zehn Jahre früher geboren wurden, den wissenschaftlichen Fortschritten, den sexuellen Abartigkeiten und und genau darstellt wird und es ist, weil es ja bis in die Hälte des einunzwanzigsten Jahrhunderts geht, wahrscheinlich auch ein utopischer Roman, den ich mit Stephan Teichgräber im Workshop behandeln hätte können, wenn das, das sich im letzten Kapitel abspielt, nicht nur eine listige Variante des Autors sein sollte, ich neige dazu, das zu glauben und stelle schließlich fest, daß es doch ein sehr beeindruckendes Buchist, obwohl soviel männliche sexuelle Besessenheit  immer ein bißchen abtörnend auf mich wirkt, so daß ich ganze Seiten nur überflogen habe und trotzdem länger, als geplant zum Lesen gebraucht habe.

Es gibt ein Vorwort und ein Nachwort, das sich, um das Leben des Molekularbiologen Michel  Djerzinski, man sieht schon den autobiografischen Bezug, handelt, der in Irland das neue menschliche Leben klonte oder den wissenschaftlichen Beweis dazu lieferte und dann nachdem er die Artikel an die entsprechenden Fachzeitungen schickte, ins Wasser ging.

Das wird in der sogenannten “Nachrede” ausgeführt und dann noch bis 2050 oder so die wissenschaftlichen Folgen der Forschung erklärt.

Dazwischen liegen aber drei lange Teile, die das Leben der beiden Brüder Bruno und Michel, der eine, wie geschrieben 1956 der andere 1958 beboren, erzählt. Die Mutter hieß Janine und war eine Ärztin, die die sexuellen Ausschweifungen von 1968 sehr genoß, ihre beiden Buben von zwei Vätern hatte, sie bei den Großmüttern aufwachsen ließ, so war der eine Zeitlang in Algerien,  der andere bei der anderen Großmutter in Frakreich, beziehungsweise bei seinem Vater, auch einem Arzt, der Frankreichs Frauen, die Schönheitschirurgie bescherte, dann aber den Trend versäumte.

Bruno kam bald in ein Internat, wo er von den älteren Schülern gequält und mißhandelt wurde, mit den Mädchen Schwierigkeiten hatte und Zeit seines Lebens sich seines zu kleinen Penis wegen schämte. In der Jugend erlebte er mit seinem Bruder und mit Annabelle, einen wahrscheinlich nicht so flotten Dreier, in einer dieser Komunen, der Zeltanlage mit kreativen Angebot, die wohl an den Wiener Aktionismus und an Otto Mühl erinnern soll, denn das Buch ist wissenschaftlich unterminiert, die Wiener Ferkeleien werden erwähnt und auf der anderen Seite auch Albert Einstein und Werner Heisenberg.

Bruno wird Lehrer, verheiratet sich auch, wird bald geschieden, hat seinen Sohn Victor nur am Wocheneinde bei sich und versteht ihn nicht. Die Geschichte der sexuellen Revolution wird nebenbei erläutert und Bruno, der dann als Lehrer an das Internat kommt, wo er gedemütigt wurde, wird fast verrückt an den Miniröcken seiner Schülerinnen, holt sich wahrscheinlich hinter einem Schulheft verborgen, einem nach dem anderen hinunter und berührt dann eine nordafrikanische Schülerin, weil er die afrikanischen Schüler schon längst, wegenihrer angeblich längeren Pimmel beneidet.

Das Mädchen schweigt, Bruno sucht einen Psychiater auf und wird ins Ministerium versetzt. Dann hat er eine Zeitlang eine ebenfalls sexbesessene Freundin namens Christiane, als die aber nach einem Rückenmarkleiden gelähmt wird und sich umbringt, läßt er sich wieder in die Psychiatrie einweisen, besucht nur mehr die Mutter, die in ihrer Glückskommune, wo sie den Rest ihres Lebens verbringt und der auch allen ihren Besitz vermicht, stirbt, während Michel, nachdem seine Großmutter exhuminiert wurde, an dem Ort, wo er mit seiner Jugendfreunin Annabelle aufgewachsen ist, diese wiedersieht. Die will mit vierzig nochmals schwanger von ihm werden, was sich aber zu einer Katastrophe auswächst, die Ärzte entdecken einen Krebs an ihr, so daß sie schließlich nach einem Selbstmordversuch ins Koma fällt und stirbt und Michel nach Irland geht, wo er die oben schon beschriebenen Forschungen anstellt, wovon das Buch wohl auch seinen Namen hat.

Ganz am Anfang gibt es eine sehr berührende Stelle, über Michel, der als eine Art Autist beschrieben wird,  von einem Kanarienvogel, den er gerne loslassen will, der aber an panischer Angst vor der Freiheit stirbt, so daß Michel bis er nach Irland geht,  jahrelang mit einem leeren Vogelkäfig in der Wohnung lebt.

Die zwei Seiten des Michel Houllebecqs, könnte man so deuten, ein stark sexlastiges Buch, eines das wohl skandialierte und das ich mir auch etwas anders vorgestellt habe. Es aber sicher wichtig und gut es gelesen zu haben, um sich in der Welt der  starken Männer vielleicht wieder ein bißchen besser auszukennen und auch, um auch eineLücke im literarischen Kanon zu schließen.