Sieben Nächte

Jetzt kommt offenbar das neue Kultbuch der Saison und eines das in den letzten Tagen ständig in den Blogs und Booktube Videos auftauchte und inzwischen auch schon auf der “Longlist des Bloggerdebutspreis” gelandet ist.

Vielleicht kommt es auch noch auf die Longlist des dBp und mit etwas Verspätung ist “Sieben Nächte” des 1988 in Berlin geborenen Simon Strauß auch zu mir gekommen.

Und ich kann sagen, das kleine dünne Büchlein mit dem traurigen Männergesich am Covert hat wirklich eine starke Sprache und scheint den Nöten der gerade Dreißigjährigen, die, die der trauigen Freiheit des Prekatriats gegenüber oder gegenunterstehen mit einem Faustischen-Bekenntnis und den sieben Todsünden, die man offenbar begehen muß, um dieser Tristesse zu entkommen gegenüberzutreten.

“Was für ein leidenschaftliches, angstfreies, traditionstrunkenes, zukunftsgieriges Kampfbuch gegen die Abgeklärtheit, gegen die Müdigkeit der in-Spuren-Geher. Ein Pamphlet für die Offenheit der Herzen”, schreibt der literarische Quartett Guro Volker Weidermann am Rücken des bei “Blumenbar” erschienenen Büchleins, was ich ein wenig übertrieben und auch nicht ganz eingehalten finde.

Die starke Sprache und die stille oder laute Verzweiflung des noch nicht Dreißigjährigen, wie ich es mir interpretieren würde, hat mich aber auch beeindruckt.

Das sitzt einer “Vor dem Anfang” und schreibt gegen die Angst. Der tut das dann auch in den folgenden sieben Nächten, wo die sieben Todsünden beschrieben werden und er tut das, jetzt schreibe ich das, glaube ich, schon zum dritten Mal, sehr stark:

“Das hier schreibe ich aus Angst. Aus Angst vor dem fließenden Übergang. Davor nicht gemerkt zu haben, erwachsen geworden zu sein. Ohne Initiation, ohne Reifeprüfung einfach durchgerutscht  bis zur Dreißig”

Und so weiter und so fort, die Handlung ist dagegen schnell erzählt und haben mir schon die Blogger und Booktuber verraten.

Dem gerade noch oder schon Dreißigjährigen, der die besten Chancen und Angst vor der Verbürgerlichung hat, kommt ein  Bekannter, nein kein Pudel, entgegen und macht ihm das Angebot sieben Nächte lang je eine Todsünde zu begehen.

Die werden kapitelweise beschrieben. Im Buch steht dann beispielsweise ” I Superbia” und weiter hinten im sogernannten Glossar “Superbia-Hochmut Das Hochhaus 07. September” und von diesem Hochhaus springt der Hochmütige sogann oder läßt sich davon abseilen. Bevor er das tut, läßt er aber wieder seine sprachgewaltigen Pamphlete aus:

“Wie mich diese Welt braucht. Wie sehr sie mich nötig hat. Jetzt. Heute. Hier. Nicht morgen. Nicht irgendwann, sondern  jetzt”.

In der zweiten Nacht oder Sünde geht es  um die “Völlerei”. Da sitzt er dann vor dem Restaurant, damit ihn alle sehen können und läßt sich in Zeiten, wo das ja verpönt ist, die Fleischberge kommen , während er den Bettlern, die höflich auf ihn zugehen, ohne nachzusehen erklärt, gerarade kein Kleingeld zu haben.

Das nächste ist die “Faulheit”, da bleibt er zu Hause und telefoniert mit einem Marketinginstitut und ich denke, das wäre für mich Erstens keine Sünde und Zweites würde es mich wundern, daß der Marktforscher in der Nacht anruft.

Dann gehts zum Thema “Habgier” auf die “Trabrennbahn”, er setzt zwei Euro gewinnt zweiundvierzig und ärgert sich, beobachtet dabei einen Familienvater, er nennt ihn, glaube ich, leicht verächtlich “Superdaddy”, der seinem Kind, auch in der Nacht?, Nutella Crepes besorgt.

Man sieht, ich bin etwas verwundert, weil der Inhalt nicht so ganz hält, was er verspricht, da sich die Sünden, wenn sie überhaupt welche sind, eher im Kopf, also in der verpönten “Tell statt show-Zone” abspielen.

Und dann gibts es noch den “Neid” und die “Wolllust”, die Todsünde “Neid” wird in der Universitätsbibliothek, die “Wolllust” auf derm Maskenball betrieben und der Jähzorn spielt sich während einer “Autofahrt” ab.

Da kommt ein Asylwerber vor, der sich darüber ärgert, daß er seine Qualifikation trotz Traumatisierung erst nachweisen muß und das das wütend machen kann, ist ja leider auch in manchen rechten Publikationen zu lesen, während dem Helden der Geschichten, der schreibende Erzähler “Vor dem Ende” von seinem Bekannten zur “Bestandenen Reifeprüfung” gratuliert wird und ich bleibe bei dem neuen “Kultbuch”etwas verwirrt zurück.

Denn wäre es wahrscheinlich spannender, den Helden wirklich beim “Maskenball” mit einer Schönen vögeln und sein Geld verspielen zu lassen, etcetera, bevor er dann nach Studienabschluß bav heiratet und seine Kinder zeugt.

Aber das hatten wir schon merhmals und wäre nicht so originell und ich kann gestehen, bei mir selber wieder “Neidgefühle” entdeckt zu haben, als ich bei den “Amazon-Kritiken”, die auch nicht alle so euphorisch sind, entdeckte, daß es sich  bei Simon Strauss, um den Sohn des berühmten Botho handeln könnte und habe etwas neidig “Aha!” und “Da sieht mans wieder!”, gedacht, da war es auch noch  nicht Nacht und bei den anderen Sündenarten wäre ich wahrscheinlich resistenter.

Die “Faulheit” würde ich als “Müßigang” oder “Entspannung” sogar eher zu den Tugenden rechnen.

Enen Satz kann ich am Schluß noch anfügen, er stammt aus Kapitel I “Auf der Rolltreppe (und nur da) stehe ich immer rechts”.

Später habe ich dann nicht mehr so schöne Sätze gefunden, aber vielleicht war ich da die Sprachgewalt schon gewohnt und habe sie nicht mehr so wahrgenommen.

O Töne mit Irene Diwiak und Olga Flor

Irene Diwiak

Irene Diwiak

Irene Diwiak

Irene Diwiak

Zwei Romane mit sehr interessanten Titeln heute bei den O-Tönen und von Irene Diwiaks “Liebwies” habe ich in der letzten Zeit schon bei einigen Blogs etwas gehört, sie steht auch auf der Longlist des Bloggerdebutpreises, so muß ich sie nicht hinmelden und wenn ich mich nicht irre, habe ich von der 1991, also noch sehr jungen Autorin, auch schon etwas gelesen und ihr Buch muß ich sagen, klingt sehr interessant und sehr ungewöhnlich.

Es spielt in der Zwischenkriegszeit und handelt von einer unbegabten Sängerin, für die ein Libretto mit einer stummen Rolle geschrieben wird, weil sich ein Produzent sie sie verliebte.

Vielleicht finde ich das Buch einmal oder es kommt auf die Debutshortlisten, das würde mich freuen, denn ich würde es sehr gerne lesen, dafür hatte ich mit “Klartraum”, Olga Flors frischerschienenen neuen Roman, meine Schwierigkeiten, denn ich habe bei der Lesung schlicht und einfach nichts verstanden.

Daß die 1968 in Wien geborene und in Graz lebende Physikerin, Veza-Canetti und Wildgans-Preisträgerin sehr kompliziert schreibt, habe ich zwar schon bei einigen Lesungen merken können, ich habe auch ihr letztes Buch gelesen, aber jetzt leitete Daniela Strigl eine Liebesgeschichte ein und dann kamen eigentlich seitenweise Monologe einer “P” über Gott und die Welt oder überhaupt alles und erst beim anschließenden Gespräch habe ich mitbekommen, daß es um eine Dreiecksbeziehung und zwei Soziologen, wo einer neoliberale Karriere machte und die zweite, eben die Frau offensichtlich überbleibt, wenn ich da jetzt nichts mißverstanden habe.

Olga Flor

Olga Flor

Olga Flor

Olga Flor

Interessant könnte man bezüglich der heutigen Bandbreite sagen und es gab auch illustres Publikum, so habe ich, glaube ich, Lorenz Langenegger, auch ein “Jung und Jung” Autor gesehen, Sabine Gruber und es war auch Julia Danielcyk mit ihrer Assistentin da, obwohl der Besuch heute, weil es gleichzeitig ein Damenfußballspiel, das auch einige Gemüter erregte, gab, diesbezüglich etwas geringer war.

Und für die, die es interessiert, füge ich noch an, daß das Buch das ich, während ich mir den Platz sicherte, gelesen habe, Melinda Nadj Abonji “Tauben fliegen auf” war, das 2010 den dBp bekommen hat und auch ein “Jung und Jung” erschienen ist, das ich mir inzwischen nicht nur beim letzten Hauptverbandflohmarkt kaufte, sondern in einer anderen sehr schönen Lizensausgabe auch bei der “Seedose” gefunden habe, so daß ich ausnahmsweise das Buch zweimal habe.

Die Nöte des wahren Polizisten

Den in Chile 1953 geborenen und 2003 in Barcelona 2003 gestorbenen  Roberto Bolano, habe ich wahrscheinlich 2000 bei einem Symposium der “Gesellschaft für Literatur” kennengelernt. Wenn ich mich nicht irre, habe ich da gerade an den “Wiener Verhältnissen” geschrieben und es gab am Abend, ich glaube wieder, im spanischen Kuulturinstiut eine Lesung aus seinem damals wahrscheinlich gerade auf Deutsch erschienenen Roman “Stern in der Ferne”, in dem es um einen Flugzeugpionier ging.

Den Roman habe ich dann zusammen mit seinem schon früher auf Deutsch bei “Antje Kunstmann” erschienenen Buch “Die Naziliteratur in Amerika” bei den Büchertürmen der “Literatur im März” gefunden und zusmindstens das Erstere überflogen, beim Zweiten weiß ich nicht so genau.

2003 ist Bolano an einer Leberzirrhose gestorben und 2009 erschien bei “Hanser”, das, glaube ich, posthum herausgegebene Werk “2666”. Da gab es, glaube ich, eine Broschüre, die ich gelesen habe.

“Hanser” hat, glaube ich, inzwischen auch die anderen Bolanosdie schon oder nach seinem Tod Erschienenen, herausgegeben.

So habe ich in den Bücherschränken “Die wilden Detektive” und  “Die Nöte des wahren Polizisten”, ebenfalls posthum und aus verschiedenen Teilen und Fragmenten, die sich im Nachlaß des Dichters fanden, zusammengesetzt, gefunden und jetzt das letztere Buch gelesen, da ich ja gerade durch die Lesung, wo ich den Dichter persönlich kennenlernte, wahrscheinlich ein besonderes Interesse an ihm und seinen Werken habe.

Das Cover des 2013 erschienenen Buches, ziert ein Totenkopf mit einem Cowboyhut, was wahrscheinlich genauso wenig zum Inhalt sagt, wie manche Überschrift der verschiedenen Teile. So heißt ja der erste Teil “Der Fall der Berliner Mauer” , aber das bezieht sich höchstens auf das Jahr, in dem das Buch beginnt, das ja in Barcelona und Mexiko spielt

Es gibt ein Vorwort der Herausgeber, die das mit der Herausgabe erklären und meinen, daß die wahren Polizisten, die Leser wären, die dem Protagonisten, dem Literaturprofessor Oscar Amalfitano auf die Spur kommen müßten und auch erklären, daß man einige oder alle der handelnden Personen auch in “2666” finden würde.

Das habe ich noch nicht gelesen, vielleicht habe ich mir deshalb mit dem Buch nicht so leicht getan, dessen Handlung  am Buchrücken wieder in ein paar Sätzen erklärt wird und man sich dann durch 267 Seiten liest, die manchmal, wie eine Materialsammlung klingen, aber richtig, es ist ja ein unvollendetes Werk, an dem Bolano, wie auch in der Erläuterung steht, von den Achtzigerjahren bis zu seinem Tod gearbeitet hat.

Es geht also um diesen Literaturprofessor, wie Bolano, in Chile geboren, beim Putsch wurde er, wie sein Autor gefoltert, ging dann nach Argentienien und Brasilien, lernte dort seine Frau kennen, bekam seine Tochter Rosa, die Frau ist dann an Krebs gestorben und zu Beginn des Romans, ist die Tochter siebzehn, der Professor lehrt in Barcelona und hat mit fünfzig dort sein Coming out, das heißt er vögelt mit seinen Studenten und jungen dichtern und muß deshalb mit der Tochter Barcelona verlassen und nach Mexiko auswandern.

Es gibt einen Briefwechsel mit dem Dichter Padilla, mit dem er sich outete und der ein Buch mit dem Namen “Der Gott der Homosexuellen” schreibt und einen Dichter namens  Arcimboldi, der auch in “2666” vorkommen soll und dessen “bizarre Romane” einen weiteren Teil des Buches füllen.

In der mexikanischen Wüstenstadt Santa Teresa, wird er dann von der Polizei überwacht, einer der Polizisten, hat eine Geschichte von vielen Müttern, Groß, Ur- und Uuurgroßmüttern, die alle mit sechzehn vergewaltigt wurden, was mich ein bißchen an meine Bücher “Absturzgefahr” und “Miranda Schutztengelchen” bzw an das “Haus” denken lassen.

Das alles wirkt für mich ein bißchen zusammenhanglos und eher langatmig, seitenlang werden  die Geschichten von Figuren oder Romaninhalte, beinahe, wie ein Romanexpose oder eine Materialsammlung aufgezählt und das ist es wohl auch und so weiß ich nicht, ob “Die Nöte der wahren Polizisten”, wie die Herausgeber auch anmerken, Bolanos bestes Werk ist, werde den Dichter aber im Gedächtnis behalten und natürlich auch die “Wilden Detetektive” lesen und vielleicht finde ich auch noch etwas anderes von ihm in den Schränken oder Abverkaufskisten.

Die Vergebung muss noch warten

Jetzt kommt eine Überraschung und Daniela Emmingers dritter Roman oder das dritte Buch das ich von ihr besitze und das zweite das ich gelesen habe. Die Überraschung bezieht sich auf die, die glauben, daß ein Lektor oder auch ein Leser, ein Buch nach den ersten fünzig Seiten wirklich beurteilen und dann mit guten Glauben weglegen oder ablehnen kann.

Das man das nicht kann, beziehungsweise sich oft, wenn man es trotzdem tut, irrt, war mir schon immer klar. Jetzt habe ich es wieder erlebt, denn die ersten hundert Seiten des Buches, das ich im vorigen Winter, glaube ich, im Schrank gefunden habe, nachdem ich es vorher beim Bücherflohmarkt des Hauptverbandes liegen ließ, habe ich eher langweilig und konstruiert gefunden und zu dem Klappentextsatz: “Emmingers Stimme ist die einer österreichischen Gegenwartsautorin, die mit lautem und leisem Überschwang, fantasievollen Umwegen, lustvollen Schnörkseln und Aufzehlungen unverkennbar ist”, “Aha!” gedacht.

Jetzt denke ich, die Stimme ist eher leise, aber trotzdem sehr eindrucksvoll und bei den ersten hundert oder wahrscheinlich fünfzig Seiten, wird umständlich im eher experimentellen Stil, das Leben einer Dreißigjährigen erzählt, die originell und, das sind die Einfälle trotz der anfänglichen Langweiligkeit immer, Kilb heißt, weil ihre Eltern sie nach einem kleinen Örtchen benannten, das sie während ihrer Hochzeitsreise besuchten.

Kilb hat die “Quarterlifekrise”-, wieder ein Irrtum Emmingers bewußt oder unbewußt, mir sind da noch ein paar andere aufgefallen, denn die progressive Muskelentspannung ist ja eigentlich keine Meditationstechnik und, daß Down Syndrom Kinder nicht an ihrer Krankheit leiden, hat mir einmal Yu Sophie sehr bestimmt erklärt und die Betroffenen sehen das glaube ich auch so,- denn dann müßte man ja hundertzwanzig werden.

Aber egal, Kilb leidert also und ist auch sehr wütend und zieht sich deshalb in das Kloster in Lilienfeld zur Mediation zurück. Dann kommt sie wieder nach Wien, wo sie Filmredakteurirn ist und mit einer Freundin abwechselnd unter falschen Namen den Psychiater, Oswald Jung, ein überzeugter Freudianer, wie Emminger schreibt, aber des Wortspiels noch nicht genug, stellt er auch esoterische Medikamente aus Passionsblüten her und Kilb ist sehr esoterisch, geht zu einem Guro und läßt sich von ihm massieren und bis dahin habe ich “Na ja!,” gedacht und mir in der Badewanne schwer getan, nicht einzuschlafen oder das Buch wegzulegen und dann wechselt der Stil und es taucht ein Hülm auf, auch ein kleiner niederösterreichischer Ort, mit seinem Hund Rum, das ist auch ein solcher und Hülm hat früher Friedrich Mehl geheißen und Rum ist eine Inkarnation oder behergt in sich Elefanten, verrückte Psychiater etcetera und das alles ist nicht so unglaublich, wie es vielleicht beim ersten Lesen erscheint. Es klärt sich auf und wird eine spannende phantastische Geschichte, eine Mischung aus Krimi und das Ganze noch eher literarisch experimentell erzählt.

Kilb und Hülm verlieben sich also ineinander, ich habe noch vergessen, sie hatte vorher einen Mittwoch-Freund, der nachdem sie ihm verläßt, in eine Depression verfällt.

Daniela Emminger, die Werbeberaterin und Kommunikationstrainerin war, bevor sie Schriftstellerin wurde und, glaube ich, nicht Psychologie studierte, hat sich offenbar in den ICD 10 eingelesen und spielt damit.

Sie spielt auch mit der Esoterik. So gibt es in Graz einen solchen Kongreß und eine Widersacherin nämlich Bianca Sturb gibt es auch. So fahren alle, außer das Paar, zu diesem Kongreß, um eine Lichtexpertin zu hören, das sind die, die sich nur von der Luft ernähren. Aber die tritt nicht auf, denn der Psychiater Jung, der sein Passionsblütenmedikament vorstellen will, hat sie vorher mit Schokolade gefüttert.

So tritt er auf, verteilt seine Pillen und dann steht in der Zeitung, daß die Kongreßteilnehmer verschwunden sind, erinnert fast ein bißchen an das “Pfingstwunder”.

Bianka hat den Psychiater mit dem sie vorher ein Verhältns hatte, im Drogenrausch erschossen und flüchtet sich in das Kloster Lilienfeld und Hülm und Kilb, die von ihrem Hund inzwischen verlassen wurden, beschließen ihre Hochzeitsreise nicht, wie geplant nach Indien, sondern  nach Lilienfeld und dann, wie Kilbs  Eltern durch Österreich zu machen.

Die neun Monate später geborene Tochter wird auch Kapellen heißeen und Kilb, als sie drei Jahre später wieder auf ihre Exerzitien nach Lilienfeld geht, wird verschwinden, sich in Luft auslösen, erschossen werden, etcetera…

Es ist ja eine Mischung zwischen Krimi und esoterischer Satire. Ein fantastischer Roman, sehr leise und experimentell geschrieben.

Er hat mir sehr gefallen und ich habe mit Daniela Emminger eine literarische Entdeckung gemacht, die ich bei ihrem öst Buchpreis Buch “Gemischgter Satz”, glaube ich, noch nicht so machte.

Jetzt bin ich auf das erste “Ritter-Buch” gespannt und habe auch festgestellt, daß ich die Autorin noch nie auf einer Lesung, wie beispielsweise in der “Alten Schmiede” gehört und gesehen habe.

Sommerfrischenmitte

Es ist der letzte Julitag, ich komme gerade von einer Radtour zum Biotop oder Naturlehrpfad beim Ratzersdorfersee zurück, habe entdeckt, daß es den “Lidl”, bei dem ich ja gerne einkaufte nicht mehr gibt.

Er hat offenbar der neuen Brücke Plarz gemacht, wo der Radweg sehr lang gesperrt war. Nun gut, nun gut, zum Biotop, das heißt, das schon ein bißerl verwilderte Wegerl, wo die Pflanzen angezeichnet sind, es ein Häuschen mit Schautafeln gibt, und man über einen Steg an Enten vorbei, wieder zur Traisen zurückgehen kann, komme ich meistens einmal im Sommer, dann bin ich über die braune, ein wenig chinesisch wirkende Brücke zum Vilshofersee hinübergefahren. Habe zuerst eine Runde zum Aussichtsturm gemacht und bin  hinaufgestiegen, dann zur ehemaligen Telefon-beziehungsweise jetztigen Bücherzelle und habe mir dort das Vorgängerbuch zum “Kurzen Schlaf” auf Englisch “gun, with occassional music” und dann nach längeren Suchen “Einmal muß das Fest ja kommen- Eine Reise zu Ingeborg Bachmann” von Frauke Meyer-Gosau genommen, Katharina Hackers “Habenichte” hätte ich auch haben können, habe ich aber schon gelesen und bin damit zur “Seedose” auf die Terrasse und habe mir, weil etwas durstig und man das ja soll, von meinem sogenannten Stadtschreiberbudget, das ich in meiner Radfahrtaschei mmer bei mir habe einen “Hugo” um 4. 10 gegönnt.

Vier Wochen Somerfrischenwochenenden, ein wenig gleichförmig und doch intesiv, am Samstag  zum Marttk zum Würstlessen, da hat mir der Alf vorige Woche beim “Thalia” ein paar Bücher gekauft, die jetzt 4.99 kosten und wenn man drei nimmt das vierte umsonst bekommt.

Ja, alles wird teurer, aber ich komme ohnehin wahrscheinlich erst in zehn Jahren dazu sie zu lesen, obwohl ich in meiner Sommerfarische und auch sonst eigentlich sehr viel und sehr fleißig lese und das macht mir  noch immer Spaß.

Jetzt einmal die Leseliste hinauf und hinunter, bei den “Nöten der wahren Polizisten” bin ich jetzt angekommen. Als nächstes läge jetzt Clemens Meyer “Am Stein” auf dem Schreibtisch in der Küche, ein Shortlistbuch von 2013, aber da hat sich gestern eine Autorin bei mir gemedlet und mir ihren “Ladythriller angeboten und weil ich ja nicht nein sagen kann und will…

Am Sonntag mit dem Alfred auf die Rudolfshöhe, dort einen Gspritzten und dann  einen zweiten, ein Achterl oder einen Kaffee trinken und am Freitag war ich sogar in Traisen, ohne Wasserflasche, weil ich dachte, es ist eh nicht heiß, aber es gibt in Wilhelmsburg ja eine Raststelle mit einem Wasserhahn und da kann man sich dann auch gleich durch die Radtouren, die dort angegeben sind, schauen.

Eine sehr behagliche Sommerfrische, das habe ich ja schon vorige Woche festgestellt, aber sehr erholsam, ich lese und korrigiere und streite mich zwischendurch mit dem lieben Uli, der sich grenzwertig, um die “Pippi” und die “jüdischen Buchhändler” sorgt und wir stehen auch vor einer Wahl, wo sich der Herr Kurz, mit der SPÖ, die nicht mehr ausschließt mit der “F” zu kooalieren und die F-Partei mit dem Herrn Strache bwerben, da kann einem auch ganz schön das Gruseln kommen, ohne mit der Geisterbahn zu fahren, wenn man daran denkt, was da herauskommen wird und was man wählen soll?

Die “Grünen” wahrscheinlich trotzdem nicht. So habe ich  vorige Woche für die KPÖ unterschrieben und dabei Jens Eisels Debut “Bevor es hell wird” gefunden, was ich als eine Art  Belohnung betrachte und ja der Sommer ist schön schreibe, auch wenn er in Harland an der Traisen ein wenig eintönig ist, während draußend in der Welt die Sazburger Festspiele eröffnet wurdenFerdinand von Schirach die Festspielrede hielt, die ich mir übers Internet anhörte.

Ichkorrigierie fast jden Tag mein Manuskript einmal durch. bei 21753 Worten bin ich jetzt angelnagt, werde es mir morgen in Wien wieder ausdrucken und für das nächste, das ich dann im September oder Oktober, beziehungsweise für den “Nanowrimo” schreibe, kann sich meine “Unsichtbare Frau” ja auch mit einem streitbaren Blogger auseinandersetzen.

Mal sehen, jetzt einmal den schönen Sommernachmittag auf der Terrasse bei den fast reifen Weintrauben und einem Marillennektardrink bei Meredith Winters Sommerbuhc “Blutroter Frost” beenden. Klingt auch ganz schön gruselig, nicht wahr?

Niederland

Der Titel ist  ein Fake, denn um Holland geht es in diesen Fund aus dem Bücherschrank nicht, so macht es auch nichts, daß ich das Buch nicht im letzten Herbst gelesen habe, als Holland Gastland auf der Frankfurter Buchmesse war, obwohl der 1964 geborene Joseph O`Neill, Sohn eines Iren und einer Türkin, in Holland aufgewachsen ist und das Buch spielt in New York nach den Ereignissen von nine eleven und New York wird ja, glaube ich, irgenendwie auch New Amsterdam oder so genannt, weil sich dort viele holländische Auswanderer niederließen und der Protagonist Hans van den Broek ist auch ein Holländer, der in in  New York  als Banker tätig ist.

Damit ist vielleicht schon viel gesagt und Joseph O’Neill ist mit diesen Buch, wie ich im Klappentext und in “Wikipedia”lese, schalgartig berühmt geworden. Ich habe von ihm noch nichts gehört, also Danke an die Bücherschrankerfinder, sie frischen mein Literaturwissen, das schreibe ich immer wieder und es stimmt auch, enorm auf und füllen Lücken, die ohne der Schränke vielleicht solche geblieben wären.

Die Handlung des Buches zu erzählen ist auch nicht ganz einfach, geht es, glaube ich ja nicht so chronologisch dahin. Es ist wahrscheinlich eine Liebeserklärung an New York, d,em Schmelztigel, wo sich die verschiedensten Menschen, Rassen und Kulturen treffen und zusammenleben und Joseph O` Neill, das habe ich jetzt vergessen ist  in England als Anwalt gearbeitet und scheint jetzt in New York zu leben oder hat dort gelebt, als das Buch erschienen ist.

Er scheint auch in dem berühten Chelsea Hotel gewohnt zu haben und dort wohnt auch der Banker, wurde, glaube ich, dorthin evakuiert, als die Tower einstürzten und in dieser Zeit ging es auch in seiner Ehe mit der Wirtschaftsanwältin Rachel nicht so ganz glatt, kehrt die doch mit dem Söhnchen nach England zu ihren Eltern zurück. Hans kann sie zwar am Wochenende besuchen, aber sie freundet sich bald mit einem Koch namens Martin an zund zeigt nicht viel Interesse am Überdenken der Situation.

Das stürzt Hans in eine Krise, der auch, als er den  amerikanischen Führerschein machen will, Schwierigkeiten mit den Behörden hat, weil sein Name Johannus Franciscus Hendrikus van den Broek auf den verschienden Papieren nicht immer gleich geschrieben ist, sondern manchmal auch abgekürzt erscheint.

Da lernt er den aus Trinidat stammenden Chuck Ramkissoon kennen, das ist ein kleiner Gauner mit großen Plänen und hunderttausend Geschäftsideen im Kopf zu denen er seine verschiedenen Freunde, darunter auch den weißen Banker Hans mißbraucht.

So läßt er sich von ihm unter dem Vorwand ihm das Fahren beizubringen durch die verschiensten Vierteln von New York chauffieren, während er in Wirklichkeit seine Geschäfte abwickelt.

Er träumt auch von einem großen Chricketplatz und ist auch Torwart in einem, wo Hans auch spielt und zu Beginn des Romanes geht der wieder zu Frau und Kind nach England zurück, weil Rachel inzwischen von ihrem Koch verlassen wurde und Chuck hat man  tot im Gowanus Canal mit handschellen gefesselt aufgefunden.

Darum rankt sich die Geschichte, um die Rückerinnerungen. Es geht auch in die Kinheit nach Holland und zu der verstorbenen Mutter zurück. Hans fährt mit Chuck durch New York. Der führt ihn zu seiner Frau, stellt ihn seiner Geliebten vor und geht mit ihm auch über einen Friedhof, wo es Papageieien gibt.

Ein interessantes Buch, wo man den Schmelztigel New York, in dem ich, glaube ich, 1998 das letzte Mal gleich vierzehn Tage war und dort sehr viel herumgegangen bin, ein wenig kennenlernen kann oder in de Stadt geführt wurde, wie sie zwischen nine elefen und 2009 war.

Heute ist es wahrscheinlich wieder ganz anders.Ich war seither nicht mehr dort und fliege wahrscheinlichlich wegen der komplzierten Sicherheitskontrollen auch nicht mehr hin.  So war es interessant, ein Buch zu lesen, das Niederland heißt und in New York und England spielt.

Bei “Amazon” gibt es von eins bis fünf Sterne, die verschiednsten Bewertungen. Die meisten Leser haben aber fünf Sterne gegeben und einer meinte er wolle kein Buch lesen, das seitenweise vom Chricketpielen handelt, aber da denke ich, er hat er es nicht lang genug gelesen, geht es doch um sehr viel mehr.

Sunset

Jetzt kommt das nächste Leseexemplar aus dem offenen Bücherschrank:“Liebe Buchhändler nicht zu besprechen vor dem 1.3.2011”, da scheine ich wirklich einen Glückstag gehabt zu haben, denn die damals gefundenen Bücher, die ich jetzt nach und nach alle lese, waren sehr interessant und das ist es auch, was da so alles 2011 erschienen beziehungsweise geschrieben wurde, Bücher an die ich sonst wahrscheinlich nicht gekommen wäre und interessant ist auch der zeitliche oder inhaltliche Zusammenhang.

Nämlich das dritte Buch das in den Fünfzigerjahren handelt und auch das dritte, wenn auch in anderen Exemplaren, das von berühmten Dichtern, berziehungsweise Künstlern handelt, die das dritte Reich nach Amerika brachte,  beziehungsweise von dort schon wieder zurückgekommen waren.

Vermutlich stammt Hans Pleschinskis “Königsallee” ein Buch über Thomas Mann auch vom selben Buchhändler oder vom gleichen Bücherschub, Michael Köhlmeiers “Zwei Herren am Strand” ist wahrscheinlich auch ein Leseexemplar, aber das stand erst 2014 auf der LL und interessant ist auch, daß sich die Verlage offenbar alle Romane über bekannte <persönlichkeiten bestellen oder sich die Schriftsteller solche aussuchen.

Nun denn, ich lüfte das Geheimnis, der neuerliche Fund heißt “Sunset” und ist von dem 1951 in Oldenburg geborenen Klaus Modick, dessen Namen ich seit einigen Jahren kenne und mir auch einmal dachte, er würde mit “Konzert ohne Dichter” auf LL kommen.

Ist er nicht, er hat aber auch “Klack” geschrieben und das habe ich  ebenso gefunden und “Klick”, ein Buch von einem anderen Autor, habe ich im Frühjahr gelesen und leicht legasthen, wie ich zu sein scheine, die beiden Bücher auch miteinander verwechselt, oder gedacht “Klack” wäre noch heuer zum Lesen dran, ist es aber nicht und “Sunset” spielt in LA , am gleinamigen Boulevard, wo sich während des dritten Reiches ja viele Dichter hinflüchteten und da lebt jetzt im Jahr 1956 mit seiner Frau Marta, der berühmte Schriftsteller Lion Feuchtwander, ist  da 1884 geboren schon ein alter Herr und allein zu Haus, denn seine Frau ist in San Diego um etwas wegen der Einbürgerung zu erledinge, die Sekretärin Hilde in New York und er macht zu Beginn  am Morgen, das Buch spielt an einem Tag, Liegestütze, worauf ihm alles wehtut. Es läutet aber an der Tür, ist es wieder die Einwanderungsbehörde mit ihren unbequemen Fragen, bezüglich Kommunismus?

Nein, es ist der Postbote mit einem Telegramm vom DDR-Kulturminister Johannes R.Becher und der teilt ihm mit B. B. oder Bertolt Brecht ist in Ostberin gestorben und lädt ihn zum schon am nächsten Tag stattfindenden Staatsakt ein.

Das wird sehr schön und umständlich geschildert, Feuchtwanger hat nämlich nur eine Turnhose an und daher kein Trinkgeld in der Tasche, so muß er ins Haus hecheln, in der Brieftasche sind aber nur Scheine. Soll er nocheinmal zurück, nein und, um auch nicht als geizig zu gelten, hält er dem Boten einen Dollarschein hin, der bedankt sich übereifrig und wünscht noch einen schönen Tag!

Der soll es dann nicht werden, oder doch, denn die Mitteilung des Todes, des Freundes der viel jünger war, regt den Dichter zum Nachdenken über sein Leben an, beziehungsweise Klaus Modick, der auch eine Dissertation über Lion Feuchtwanger schrieb, hat den entsprechenden Rahmen gefunden, in zwölf Kapiteln über das Leben der beiden Dichter und ihre Beziehung zu schreiben.

Nun habe ich von B.B. schon nach meiner Matura, beziehungsweise noch in der Schule ein paar Theaterstücke gelesen und Feuchtwangers wahrscheinlich bei “Aufbau” erschienene Bücher, lagen schon vor längerer Zeit in den Bücherkisten, so habe ich einige gekauft und gelesen, darunter auch sein “Moskau 1937”, wohin er von Stalin  eingeladen wird und den Staat überschwänglich lobte, was ihn dann viel Ärger und vor allem auch unangenehme Verhöre durch die McCarthy Behörde einbrachte.

Brecht hat er aber nach dem ersten Weltkrieg kennengelernt, da hat der an seiner Tür geläutet, ihm eines seiner Theaterstücke hingehalten und Feuchtwanger hat sein Talent aber auch sein großes Selbstbewußtsein erkannt.

Von Kapitel zu Kapitel tauchen wir in das Leben der beiden Dichter, aber auch in die damalige Zeit ein, erfahren, daß Brecht ein großer Frauenheld war und viele uneheliche Kinder hatte. Er war aber auch sehr offen und ehrlich, so hat er die McCarthy Behörde nicht angelogen, hatte da aber schon das Rückflugticket in der Tasche und ist ja wie ,bereits erwähnt, in Ostberlin gestorben, obwohl er viel jünger als Lion Feuchtwanger war.

Der biografische Roman ist, ich wiederhole es, durchaus raffiniert aufgebaut, denn während Feuchtwanger denkt und denkt und auch noch einen Brief von Arnold Zweig bekommt und versucht ein Beileidschreiben an Brechts Frau Helli, beziehungsweise Helene Weigel zu verfassen, geht der Tag dahin und Marta Feuchtwanger hat ihrem Lion genau aufgeschrieben, was und wann er essen soll.

Zum Frühstück Obstsalat und Orangensaft, zu Mittag soll er sich das Gulasch mit Sauerkrau und Knödel aufwärmen, das der geborene Münchner gerne ißt, und das Marta im “Bavarian Deli” in der Nähe einzukaufen pflegt. Er läßt es anbrennen, so gibt es wieder nur Obstsalat zu Mittag. Deshalb beschließt er am Abend den Speiseplan zu mißachten und in ein Fischlokal zu gehen und die Katzen und die Schildkröten füttern, muß er zwischendurch auch.

So geht es durch das Leben. Feuchtwanger hat noch den “Jud Süß” geschrieben, mit dem er berühmt geworden ist, den die Nazis aber sehr mißbrauchten und schreibt gerade an seinem letzten Buch.

Denn er ist bald danach, nämlich im Dezember 1958 an Magenkrebs gestorben, wie in der angefügten “Note” steht.

Einen Tag später hat seine Frau erfahren, daß dem Einbürgerungsansuchen stattgegeben wurde. Sie wurde da von der Behörde noch einmal gefragt, ob sie Kommunistin wäre, was sie bejahte und trotzdem eingebürgert wurde.

So ist viel später, nämlich erst im Oktober 1987 gestorben und wurde neben ihrem Mann beigesetzt.

Ja und mit den oben erwähnten Persönlichkeiten, wie Charly Chaplin und Thomas Mann waren die Feutwangers auch bekannt. Ebenso kommen die Werfels und andere Persönlichkeiten in dem Buch vor, die nach Amerika emigrieren mußten und mit  den Feuchwangers befreundet waren.

Der kurze Schlaf

Mein erster Roman des 1964 in New York geborenen Jonathan Lethem, ein Fund aus dem Bücherschrank, zu dem mich wohl der Name inspiriert hat, der Autor war auch einmal im Literaturhaus während eines “Erich Frieds Symposium”, da hatte ich aber, glaube ich, gerade mein Geburtstagsfest, so daß ich jetzt erst mit Buch und Autor Bekanntschaft machte und etwas überrascht in die Mischung aus SF und Kriminalroman hineingetaucht bin, an die ich mich erst gewöhnen mußte, die mir dann aber,  sehr gefallen hat.

Die “Amazon-Krtiken”, sagen etwas anderes, die halten die Mischung zum Teil für mißlungen und wenn man ein Schreibseminar bucht, lernt man, glaube ich, als Erstes, daß man niemals die Genres mischen darf und dann vielleicht ein bißchen später, daß man es darf, wenn man es kann.

Ich denke Jonathan Lethem versteht es und am Buchrücken hat die “Welt” geschrieben: “In seiner Hexenküche schmeißt Jonathan Lethem gern gleich ein halbes Dutzend Genres in den Schnellkochtopf, rührt gut durch und pfeffert mit Humor” und die “Boston Review” schreibt: “Diese Buch ist eine Mischung aus Raymon Chandler und Philph K. Dick mit extrem hoher Oktanzahl.”

Nun habe ich, glaube ich, auch von Raymond Chandler noch nicht viel gelesen, aber nachgegooglet, daß es da einen Roman mit Namen “Der große Schlaf” gibt und vor Jahren habe ich einmal einen Agatha Christie Krimi gelesen, wo ein Paar ein Detektivbüro aufmachte, dann auf den ersten Klienten wartete und dem  vortäuschte es wäre sehr beschäftigt.

So ähnlich beginnt es auch hier, beziehungsweise hatte ich den Typ des harten Detektiven, der raucht, trinkt, politisch unkorrekt ist, mit allen Schwierigkeiten kämpft, aber dann doch den Fall brillant auflöst, vor Augen, vermutlich habe ich in den sechziger Jahren solche Krimis gelesen oder im Fernsehen gesehen, ob sie von Raymond Chandlar waren, weiß ich nicht mehr.

Hier ist es so, nur mit dem Unterschied, daß das Ganze in der Zukunft spielt, in einem LA wo Tiere und Babies dank einer “Evolution” gleich erwachsen sind, beziehungsweise aufrecht gehen und Kleider tragen, in einer Welt, wo alle Drogen nehmen, um zu vergessen oder sich aufzuputschen, wo das Fragenstellen verboten ist oder nur den Inquisitoren erlaubt und Conrad Metcalf, der Protagonistist, ein ehemaliger Inquisitor, aber irgendwie ausgestiegen, so hat er eine Lizenz, als Privatinquisitor oder Detektiv, wie das wohl heißt und seine Karmakarte ist ziemlich weit unten, ist sie dann ganz gegen Null, kommt man in den Tieffrierer und wird, wenn man Pech oder Glück hat, als Sklave wieder aufgetaut. So weit, so gut und nicht ganz so leicht verständlich.

Conrad Metcalf, der auch noch, Detail am Rande, was eigentlich nicht wirklich eine Rolle spielt, Probleme mit seiner Sexualität hat, sitzt also in seinem Büro, wo er sich das Wartezimmer mit einem Zahnarzt teilt und draußen laufen Psychologiestudenten herum und wollen einem ein Kapitel aus Freuds “Unbehagen an der Kultur” vorlesen, was wohl die satirische Note ist, erhält den Besuch eines Klienten, den es noch schlechter als ihm geht, seine Karmakarte ist auf Null, denn er wird eines Mordes verdächtigt und Metcalf ist nun seine letzte Chance ihn vorm Einfrieren zu retten.

Der tut was er kann, hat aber überall Schwiergikeiten, die Inquisitoren sind ihm auf der Spur und dann auch noch ein Känguruh mit einer Knarre, überall bekommt er die Faust in den Magen, aber das läßt ihn nicht beirren, er untersucht und untersucht und bekommt auch einiges heraus.

Zuerst geht er in die Praxis des ermordeten Arztes, spricht mit dessen Nachfolger beziehungsweise Vorgänger und kommt nach einigen weiteren Verwirrungen im Inquistorenbüro in Kontakt mit einer schönen Inqustorin namens Catherine Teleprompter, in die er sich, noch ein Genrewechsel verliebt, was ungefähr auf Seite zweihundertfünfzig und weiteren Verwicklungen, Metcalf hat den Fall, der wahrscheinlich zu kompliziert ist, ihn nachzuerzählen und man soll auch nicht spolern, inzwischen ziemlich aufgeklärt, dazuführt, daß sie, während sie ihn bewachsen soll, in seinem Bett landet und er hat mit ihr auch seinen Sex wiedergefunden, dann geht die Türe auf und herein kommt ein anderer Inquisitor und führt ihn ab in die Tiefkühltruhe, wo er sechs Jahre später wieder aufwacht.

Die Lage hat sich inzwischen noch verschlechtert, es gibt nur mehr Einheitsdrogen und die Menschen haben ihr Gedächtnis verloren, was ihn aber nicht daran hindert, den Fall zu Ende zu führen.

Die schöne Catherine ist inzwischen im Büro aufgestiegen, er geht zu ihr und sie verspricht zu tun, was sie kann, das heißt , der unschuldige Klient kommt aus der Tiefkühltruhe und der Mafiaboss, der Drahtzieher des Ganzen vor sechs Jahren, sitzt inzwischen senil im Alterheim, das Kängaruh hat seine Rolle übernommen, also muß Metcalf es beseitigen, dann geht er ins Büro, stellt sich und bevor er für immer eingefroren wird, das Leben ist wahrscheinlich, so wie es jetzt ist, ziemlich sinnlos und es gibt auch keine Privatinquisitoren mehr, er hat kein Geld und keine Wohnung, bekommt er von einem freundlichen Wärter noch einmal eine individuell gemischte Dosis Stoff und dann geht es ab ins Vergessen und ich fand es, im Gegenteil zu dem oben zitierten “Amazon-Rezensenten”, durchaus spannend, da eine klassische Ermittlergeschichte im SF-Gewand zu lesen, obwohl das letztere eigentlich nicht mein Genre ist und ich für Hardcore Krimis auch nicht viel überhabe, würde aber das satrisiche Element darin sehen und so habe ich das Ganze vielleicht sogar Interessanter gefunden, als Amaryllis Sommerer psychosoziale Psychothriller, die ich vorher gelesen habe.

Der Edelsteingarten

Ein rot goldenes orientalisches Gewand, kein Kopf, aber zwei Arme, der eine von dem Stoff bedeckt der andere halbfrei, ziert das Cover von Susanne Ayoubs, 2016 bei “Langenmüller” erschienenen Roman oder ist es ein Memoir, beziehungsweise ein Personal Essay, denn die irakische Politik, der Fünfzigerjahre spielt da neben der Familiengeschichte, “inspiriert nach dem Schicksal ihrer Eltern” steht am Büchrücken, den ich beim Bücherquiz der letzten “Buch Wien” gewonnen habe.

Und die 1956 in Bagdad geborene Sussanne Ayoub kenne ich schon lange und habe sie, glaube ich, in den Neunzigerjahren in der Szene Margareten kennengelernt, dann ist sie mit dem nach einem echten Kriminalfall geschriebenen Roman “Engelsgift” bekannt geworden, hat noch ein paar Kriminalromane geschrieben, bevor sie sich nach dem Irakkrieg mit Bagdad und dem Schicksal ihrer Eltern beschäftigt hat.

Ein Film ist daraus entstanden und jetzt der Roman,  aus beiden habe ich schon Lesungen gehört und das Buch beginnt mit einer Schilderung der Revolution, da wird  der Präsident der einst den König stürzte, selbst ermordet und seine Hinrichtung öffentlich im Fensehen gezeigt und der trägt denselben Namen wieYounis Lauras Ehemann, obwohl er nicht mit ihm verwandt ist.

Dann geht es nach Wien zurück zum Weihnachtsabend 1955, wo die fünfundzwanzigjährige Laura unglücklich ist. Sie hat sich für das Fest ein schönes Kleid schneidern lassen, die Eltern aber streiten und der noch nicht so lange beendete Krieg hat auch seine Traumen hinterlassen.

Da kommt Stepha,n der Vater, der in einem Hotel als Portier arbeitet mit drei Gästen zurück. Drei Brüder aus dem Irak, die sonst nicht wüßten, wie sie das Fest verbringen könnten und Laura verliebt sich in Younis, folgt ihm sehr schnell nach Bagdad, denn 1956 wird dort schon die Tochter Jenny geboren, obwohl das Land mit seinen vielen Revolutionen und Umstürzen sehr fremd ist und der Ehemann, vordergründig ein Kosmopolit, der sich nach Amerika sehnt, ist das auch, denn er spricht nicht sehr viel, liebt Laura zwar, verlangt von ihr aber Anpassung an die Sitten, weil er sich sonst in seiner Ehre gekränkt fühlt. So darf sie nicht alleine aus dem Haus, nicht mit Männern sprechen, aber auch nicht ihre Freundinnen treffen, deutsche oder englische Frauen, die mit Irakern verheiratet sind und sich in der Fremde im englischen Club treffen.

Er ist aber scbon jverheiratet und hat das Laura nicht gesagt, geht als er krank ist zu einer Heilerin statt zum amerikanischen Arzt und vor allem spricht er mit Laula nicht über Politik, obwohl er sich des Nachts mit seinen Brüdern und Freunden zu Verschwörungen am Dach trifft und da auch sehr viel trinkt.

Aber Laura hat auch ihre Geheimnis, so läßt sie sich nach der Geburt eine Spirale einsetzen, obwohl younis, was er auch für seine Ehre braucht unbedingt, einen Spohn von ihr will. Sie geht auch in den Club, flirtet dort mit den englischen Gästen und fliegt  nach einigen Jahren, obwohl sie Bagdad und vielleicht sogar Younis sehr liebt, nach Wien auf Besuch, kommt aber  zurück, doch das Ehepaar entfremdet sich immer mehr.

Eine junge Verwandte taucht auf und Lauras Schneiderin gibt ihr die Adresse eines Kurden, an den sie sich wenden kann, wenn sie in Not ist.

Es kommt noch einmal zu einer Revolution, in die Yonnis verwickelt ist, der sich inzwischen mit der jungen Verwandten verheiratet hat und Laura mit Jenny in eine andere Wohnung schickt.

So fliegt sie mit der sechjährigen Jenny nach Wien, beginnt in einem Büro zu arbeiten, wohnt in Mariahilf in einer Zimmer – Küche Wohnung und vier Jahre später bekommt sie ein Telegramm, Yonnis kommt, der inzwischen drei Kinder hat, die er aber mit seiner Frau zurückgelassen hat, mit einem Koffer voll Geld nach Wien und will mit Laura ein neues Leben anfangen. Was aber nicht gelingt, denn er ist ja in die neuerliche Revolution verwickelt, so erzählt die weinende Jenny, die sich am Klo versteckt hat, der nach Hause kommenden Laura von den Männern, die den Baba geschlagen und abgeholt haben und in der Zeitung liest man  von dem Unfall bei dem er ums Leben gekommen ist.

Eine bitter süße Liebesgeschichte, die von den Schönheiten und auch den Grausamkeiten, die es in Bagdad gegeben hat erzählt.

Die Feinde der Revolution wurden viergeteilt, an Autos festgebunden, aufgehängt, es gab aber auch die süßesten Datteln, den schönsten Soff, den kostbarsten Schmuck und jetzt ist überhaupt wieder alles anders und die Politik und die Revolutionen haben sich gewendet und das Land ist vielleicht nicht mehr so schön und kostbar, wie es einmal war.

Daher ist es bestimmt interessant mit Susanne Ayoub, die inzwischen Kontakt mit dem im Irak lebenden Teil ihrer Familie aufgenommen hat, in das Bagdad der Fünfziger- und Sechzigerjahre einzutauchen und vielleicht mit dem zu vergleichen, was man heute von der Stadt und der Politik hört und weiß.

Bei “Amazon” kann man Kritiken lesen, die sich darüber beklagen, daß man sowohl über die Liebesgeschichte, als auch über die Politik in den Buch nicht  viel erfährtund das stimmt ein bißchen.

Younis antworet Laura ja nicht auf ihre Fragen und erklärt ihr auch nicht recht, warum es an seiner Ehre rührt, wenn sie mit einem Stoffhändler spricht oder ihre Freundin Annemarie zu sich eindlädt.

Ich denke aber, so kann es Laura oder Susanne Ayoubs Mutter vielleicht wirklich ergangen sein, als sie jung und unerfahren mit ihren Kriegserfahrungen nach Bagdad gekommen ist, dort über den Reichtum aber auch über die Sitten staunte und weil ihr niemand auf ihre Fragen antwortete, wohl auch ihre Zeit brauchte, um alles zu begreifen und sich an das fremde unruhige Land zu gewöhnen, beziehungsweise herauszufinden, was sie wirklich will.

Die vierten O-Töne

Brigitte Schwens-Harrant

Brigitte Schwens-Harrant

Zu den O-Tönen bin ich diesmal mit Joseph O Neills “Niederland” gegangen, ein Buch aus dem Bücherschrank, das entgegen dem Titels in New York spielt und das angekündigte Debut war wieder eine Überraschung oder ein Fake, denn von Rosemarie Poiarkov habe ich, glaube ich, Ende der Neunzigerjahre das erste Mal etwas gehört und zwar zu der Zeit als der “Thalia” auf der Mariahilferstraße eröffnet wurde, der damals noch “Amadeus” hieß, denn da gab es eine Kundenzeitung und da wurden Debutanten oder junge Literaten vorgestellt, einer davon war Benjamin Lebert, eine andere Rosemarie Poiakrov kann ich mich erinnern.

Das Heft muß noch irgendwo in meinen Regalen liegen und ihr damaliges Debut, ein Erzählband, wie  Brigitte Schwens-Harrant, die Daniela Strigl vertrat, erläuterte, “Eine CD lang” hat damals auch als Kultbuch gegolten, das habe ich mir dann ein paar Jahre spöter in der Kirchengasse zusammen mit Daniel Kehlmanns ” Beerholms Vorstellung” und Marica Bodrozics “Tito ist tot” um je dreißig Cent bei einem Antiquar gekauft, aber noch nicht gelesen, weil es mir die Anna vorher weggetragen hat, dafür hat sie mir aber die 2007  erschienene Erzähleung “Wer wenn nicht wir” zu Weihnachten geschenkt und dann gibt es noch eine Abenteuergeschichte, Theatertexte, etcetera und jetzt den ersten bei “Residenz” erschienenen Roman “Aussichten sind überschätzt.

Karin Peschka

Karin Peschka

So kommt man zu Debuts und Debutlesungen, vielleicht sogar zu Debutpreisen, aber mich gehen diese Gattungsverwechslungen allmählich an.

Damit werden ja auch die Leser irregeführt. Da gewinnt einerden deutschen Buchpreis obwohl “Novelle” daraufgesteht  und trotzdem keine ist und der Erzählband wird zum Roman, damit er sich besser verkauft und Daniela Strigl hat also für heute, die 1974 in Baden geborene Rosemarie Poiarkov ausgesucht, obwohl ich sie schon seit mehr als fünfzehn Jahren kenne.

Obwohl eigentlich auch nicht wirklich, bei einer Lesung war ich heute das erste Mal und bei dem Buch geht es wieder, um eine Deutsch als Fremdsprachelehrerin und über die prekären Arbeitsverhältnisse der heutigen Jungakademiker, die nach Mexiko fliegt und der Mexikoplatz in Wien kam in dem Stück, das die Autorin gelesen hat, auch vor.

Rosemarie Poiarkov

Rosemarie Poiarkov

Dann kam als Hauptleserin Karin Peschka mit ihrem noch nicht erschienenen Buch, “Autolyse Wien”, ob dass ein Roman is, ist mir auch nicht  ganz klar, gibt es da ja einunddreißig Geschichten und fünf Ich- Erzählungen und dann einen Teil, der das “Wiener Kindl” betrifft, aus dem Karin Peschka ja heuer in Klagenfurt gelesen hat und deren literarische >Karriere habe ich ja  hautnah verfolgt.

Ich habe auch ihre Bücher “Watschenmann” und “FanniPold” gelesen und nicht nur Brigitte Schwens-Harrant, wie diese in ihrer Einleitung betonte.

Karin Peschka hat dann die vier “Im Wald” oder “Am Baum” Stellen gelesen und dann noch sehr viel durch das neue Buch, das wieder ein Weltuntergangszenario ist, das heißt Wien ist hier zerstört und in den einunddreißig Geschichten irren, die Übergebliebenen am ehemaligen Naschmarkt herum oder sperren sich im Haus des Meeres ein und dasKindl überlebt mit einer Reihe Hunden im ehemaligen Garten seiner Eltern und die Ich-Erzählerstimme gibt es auch noch.

Wie das alles zusammenhängt müßte ich noch selber lesen, obwohl Karin Peschka sich eigentlich sehr viel durch das Manuskript oder die Fahnen gelesen hat, das Buch ist ja noch im Druck. Aber vielleicht kommt es auf die österreichische Buchpreisliste, obwohl ja Brigitte Schwens-Harrant heuer nicht mehr in der Jury ist.

Spannend spannend also und im Boule Hof wieder so kalt, daß Karin Peschka ihren Zuhörern, unter denen, glaube ich, auch Cornelia Travnicek gewesen ist, sogar einen Schnaps angeboten hat