Der Keim

Jetzt kommt ein Buch das zum Karfreitag passt, der “Keim” von dem 1897 geborenen und 1970 verstorbenen norwegischen Autors Tarjei Veesas, auf dessen “Vögel” ich durch den “Preis der Leipziger Buchmesse” aufmerksam geworden bin. Dann habe ich weil mich das Buch sehr beeindruckt hat, auch noch das “Eis-Schloss” gelesen, das auf der Frankfurter-BM als Norwegen dort das Gastland war, vorgestellt wurde.

Jetzt hat mich der “Guggolz-Verlag” auf das neue Buch aufmerksam gemacht, das ich auch gleich bekommen habe und ich muß sagen, ich bin wieder höchst beeindruckt.

Denn Tarjei Veesas hat wirklich eine sehr eindrucksvolle symbolistische Sprache, obwohl so genau weiß ich das gar nicht. Habe ich ja nur die Übersetzung von Hinrich Schmidt-Henkel gelesen, der mit den “Vögeln” ja in Leipzig nominiert wurde.

Michael Kumpfmüller hat das Nachwort des erstmals 1940 erschienenen Romans geschrieben und das ist, könnte man so sagen, eine Parabel auf die menschliche Seele und das was immer wieder, auch heute, so geschieht und so kann man das Buch auch als eine Metapher auf das menschliche gesellschaftliche und politische Geschehen in Zeiten, wie diesen deuten.

Das Ganze spielt auf einer Insel. Da kommt einer, der als Wahnsinnig beschrieben wird, heute würde man das wohl anders schreiben, dorthin. Irrt herum und erschlägt schließlich Inger die Tochter von Karl Li, dem größten Bauern der Insel, der eine große Scheune und eine große Obstplantage hat, während der Hof von einem Pächterehepaar betrieben wird und da beginnt es eigentlich bei den Schweinen und der Geburt der Ferkel, die kleine Tochter Helga sitzt dabei und später bricht noch der Eber aus.

Inger will aber mit dem schönen Fremden zu den Pflanzen ins Gebüsch, um sie ihm zu zeigen und dann wird der Mörder von allen im Dorf gejagt und Rolv, der Sohn von Karl Li, der außerhalb studiert und mit seiner Freundin Else Schluß machen will, erschlägt den Mörder und dann kommt es im zweiten Teil des Buches, zu der Auseinandersetzung des Geschehens.

Kari Nes, eine seltsame Frauengestalt irrt herum und fordert alle auf zu der Scheune zu kommen. Sie fordert auch Rolv auf, das zu tun und Karl Li wird aufgefordert zu den Leuten in die Scheune zu gehen und interessant in Zeiten, wie diesen, ist auch, daß zu dem Zeitpunkt, als das geschah, der einzige Polizist der Insel auf Urlaub war und die Bewohner sozusagen sich selbst überassen waren und, daß der Volkeszorn gewaltig und tötlich sein kann hören wir überall immer wieder.

Aber hier und das ist auch eine Stärke des Buchs, wird versöhnt. Rolv steht am Schluss vor dem Haus und wartet auf das Boot, das ihn abholen und der Gerichtbarkeit überfuhren wird und Gudrun, die Lehrersfrau, erwartet ein Kind.

Man sieht, das leben geht weiter und Michael Kumpfmüller vermutet etwas, was ich mir auch denke, nämlich wie weit der <krieg, der damals schon begonnen hat, Tarjei Vesaas beim Schreiben des Buchs beeinflusst hat.

Pandora

Jetzt kommt der zweite Roman des mir bisher unbekannten Anselm Oelze 1986 in Erfurt geboren, in Leipzig lebend. Sein Debutroman “Wallace” ist an mir vorbei gegangen.

“Pandora” ist ein ziemich dickes Buch, das in fünf Teilen von vier Protagonisten handelt, die in jedem Teil je ein Kapitel haben, die manchmal eher Kurzgeschichten sind.

Ansel Oelze geht auch in die Vergangenheit seiner Protagonisten zurück. Springt da von hinten nach vorn und ein Leitthema, wie man im falschen Leben richtig lebt oder im richtigen falsch in etwa, gibt es auch und der brasilianische Urwald spielt ebenfalls auch eine Rolle.

Dort gibt es einen Stamm, der sich bisher von der Zivilisation ferngehalten hat. Jetzt will die Ethnologin Carline dort hin. Die kommt eigentlich aus den USA und sollte Juristin werden. Ihre Mutter ist an Krebs gestorben, nach einem Vortrag über das bewußte Thema hat sie sich zur Ethnologie entschlossen und ihr Ziel am Beginn des Buches ist es in den Urwald aufzubrechen und den Stamm der Nawhua zu erforschen.

Beim Abschiedsessen telefoniert sie mit ihrer Freund Martje, die ihr erzählt, daß sie sich von David dem Vater ihres Kindes trennen will, eigentlich sollte sie mit ihm und dem Söhnchen nach Montana zu einem Stpendiumsaufenthalt aufbrechen. So disponiert er am Flughafen um, und fliegt nach Braslilien. Im Flugzeug trifft er dann auf Telmo Schmidt, dem dritten im Bunde.

Der ist Priester und Religionslehrer und war den größten Teil seines Lebens in dem Stift Lehrer, wo er auch Schüler war. Sein Einstiegskapitel habe ich sehr spannend empfunden. Es ist nämlich übergewichtig und ein Schuhfetischist. So beginnt es gleich mit dem Cordon Bleu ,das er eigentlich nicht essen soll, aber dann von der mütterlichen Küchenhilfe doch aufgetischt bekommt. Das führt zu Schuldgefühlen und Gesprächen mit Gott. Dann verdunkelt er sein Zimmer und ergötzt sich am Schuh einer Schülerin. Dabei wird er von seinen Schülern erwischt und erpresst so daß er auch in den brasilanischen Urwald abzischt und dann gibt es noch den Serben Jurij, ein Astronom, der in Chile forscht und der hadert mit dem Schicksal, daß sein vater im Krieg in Srebenica war und dort zwei Kinder erschossen hat.

Wie kommt es also dazu, daß man das richtige weiß und trotzdem das falsche tut, denn der Vater wollte eigentlich Automechaniker bleiben und nicht nicht in den Krieg?

Das ist also die Frage, die ihn fast auch in den Urwald treibt. Aber nur fast, denn schließlich trifft er seine Mutter, die er sechzehn Jahre nicht gesehen hat und entkommt seinem Schicksal, könnte man so sagen.

Den drei anderen geht es nicht so gut, Telmo kommt in dem Reservat um. David findet ihn und bringt ihn zurück. Carline, die eigentlich Caroline heißen sollte, ist von David, dem sie in Braslien näher gekommen ist, wird schwanger.

Sie macht einige Tests und wird dabei von Martje angerufen, die ihr mitteilt, daß sie wieder zu David zurück will. Das führt zu einer hektischen Abtreibung, die in Brasilien illegal ist und mißlingt.

Ein trauriges Buch, das ich am Anfang wegen seiner Rückblenden und seiner Erzählform sehr spannend fand, es am Schluß aber doch ein bisschen zu zerfasert, langatmig und klischeehaft fand. Aber trotzdem gut, daß ich es gelesen habe, wenn mir das Debut entgangen ist und ich demnächst ja wieder nach Leipzig komme und da vielleicht auch auf den Autor treffe.

Der erste Zug nach Berlin

Von der 1894 in Berlin geborenen Gabriele Tergit, die zuerst nach Israel emigrierte und später nach London kam, wo sie auch 1982 gestorben ist, habe ich vor ein paar Jahren bei einem Frankfurter Buchmessen Surfing gehört, sie gilt als eine wichtige Nachkriegsschriftstellerin, die jetzt wieder entdeckt bzw. wiederaufgelegt wird.

Jetzt habe ich “Der erste Zug nach Berlin” gelesen, eine bitterböse Satire, wie am Buchrücken steht, in dem sie sie Erlebnisse einer jungen Amerikannerin schildert, die kurz vor ihrer Hochzeit und kurz nach den Krieg mit einer britisch amerikanischen Militärmission nach Berlin fährt, um dort die Deutschen umzuerziehen.

Das Buch das bei “Schöffling” erschienen ist und Nicole Henneberg herausgegeben wurde, die auch ein ein umfangreiches Nachwort geschrieben hat, ist schon 2000 erschienen.

Da wurde laut der Herausgeberin einiges gekürzt oder falsch übersetzt, während das jetzt erschiene Buch erstmals nach dem Orginaltyposkript verlegt wurde, also die Passagen, die im Original in Englisch geschrieben waren, so wiedergegeben wurden und erst im Anhang auf Deutsch nachzulesen sind und dann geht es hinein in das Buch oder nach vorn, denn ich habe das Nachwort zuerst gelesen und da erzählt die junge Frau ihre Reise nach Deutschland, hat dabei sehr viele eleganten Roben im Gepäck, während die Deutschen sehr ärmlich gekleidet sind. Sie reist mit ihren Onkel, einem amerikanischen Journalisten und, wie am Buchrücken steht, noch einigen skurillen Personen, steigen dann in einem Hotel ab, das für sie reserviert wird und als sie sich bei dem Hausmädchen mit blonden Zöpfen und weißer Bluse beschwert, erklärt dieses, das sie Juden nur ungern bedient.

Es gibt auch ein Gespräch mit einem Taxifahrer, der zuerst erklärt, kein Nazi zu sein, dann aber Hitler lobt, etwas das Gabriele Tergit, wie im Nachwort steht, selbst erlebt hat, als sie 1947 und 1948 wieder nach Berlin gekommen ist.

Die junge Maud soll dann eine Zeitung aufbauen oder im Archiv nach Nazis in den früheren Redaktionen forschen, verkehrt in der Freizeit in adeligen Kreisen, die, wie sich herausstellt Dreck am Stecken hatten.

Sie verliebt sich auch in einen, der ihr offen sagt, daß er sie nicht heiraten wird, aber ein Jagdhaus für die schönen Stunden zu Verfügung stellt, schließlich kehrt sie nach New York zurück, Mission gescheitert, Deutschland geht seinen Weg in Richtung Wirtschaftswunderland, füge ich hinzu und sie trifft den Journalisten Merton an einer Straßenecke wieder, der lay preacher geworden ist, aber nur drei Leute hören ihn zu.

Eine interessantes Buch und eine interessante Nachkriegsstimme, für Leute die sich dafür interessieren und ich gehöre ja dazu und habe auch schon einiges Diesbezügliches gelesen und man kann danach vielleicht ein bißchen besser verstehen, wie es damals in Deutschland war.

Ohne mich

Jetzt kommt das Debut der 1993 geborenen Esther Schüttpelz, die in Münster Jus studierte und kurz als Rechtsanwältin gearbeitet hat, bevor sie sich dem Schreiben hingab und das ich schon bei einem Diogenes-Talk kennenlernte, das von den teilnehmenden Buchhändlern und Bloggern hochgelobt und gefragt wurde, ob das jetzt eine Familienroman ist? Eine Frage, die ich damals nicht verstanden habe und jetzt erst recht nicht verstehe, sondern das Buch eher als eines, das Krisen und Depressionen der Endzwanzigjährigen in Zeiten wie diesen schildert, beschrieben würde.

Das haben schon andere getan, Helene Hegemann zum Beispiel oder nein, die war viel jünger bei ihrem Debut und ich würde sagen, es ist irgendwie ein lustiges Buch, trotz seiner Trostlosigkeit mit einer überraschenden Wende auf die ich erst ziemlich am Schluß draufgekommen bin, denn während des Talks dachte ich es geht um etwas ganz anderes und während des Lesens, um was geht es da eigentlich, außer um die Alltagsbeschreibung einer Endstudentin.

Es geht um eine junge Frau, Mitte oder Ende zwanzig, die jung geheiratet und dann ihren Mann den sie immer der Ehemann nennt, ganz am Schluß kommt heraus, daß er Jonathan heißt, wie sie heißt ist mir immer noch nicht klar, obwohl, glaube ich, mal ein Kosename genannt wird, verlassen hat oder er sie, das ist auch etwas das sie zu Weihnachten zum Weinen bringt, denn sie dachte bisher,a sie hätte das getan, wie man das eben macht, wenn es nicht ganz passt und das ist auch der lockere Ton des Buches, das beim Talk hochgelobt wurde, die frische legere Sprache der orientierunglosen Endzwanziger, die gerade ihr Studium abgeschlossen haben und jetzt nicht wissen, wie es in Zeiten wie diesen, weitergehen soll?

Die Erzählerin zieht also locker durch ihr depressives leben, säuft und drogt sich herum und nebenbei schließt sie ihr Jusstudium ab oder hat zumindestens vor das zu tun oder vielleicht auch nicht und man vermutet, da ist wahrscheinlich viel oder einiges Autobiografisches dabei, deshalb bin ich auch sehr gespannt, wie es mit der literarischen Karriere Esther Schüttpelz weitergeht, denn mich hat der Schluß überrascht, vorher habe ich gedacht, da wird ziellos vor sich hingeschrieben.

Also sie oder er haben sich verlassen, treffen sich aber ständig, obwohl er vor hat nach Berlin zu gehen, und das war offenbar einer der Trennungsgründe, weil sie nicht dorthin wollte. Sie ist jetzt jedenfalls allein in der großen Wohnung oder zieht vorübergehend in die WG ihrer Freundin Laura. Später bekommt sie eine Mitbewohnerin, besucht ihre Eltern, macht ihr Referendariat.

Da soll sie in einem zu großen Talar Staatsanwältin spielen oder einige Zeit in einem Städtchen ,die Verwaltung erlernen, dann soll das für das Examen und tut das nicht richtig, sondern druckt sich herum, geht spazieren, trifft ihre Freunde, vögelt sich ein bißchen herum, bis sie dann am Schluß, ich spoilere wieder einmal, ihren Jonathan zu Silvester wieder trifft.

Das Interessante an dem Buch ist, glaube ich, der lockere Ton und dann die Erkenntnis, daß es doch eine Struktur darin gibt, junge Frau Ende zwanzig, die ihren Sinn im Leben noch nicht gefunden hat, macht ihre Erfahrungen und dann würde ich noch die Vermutung anstellen, ob sie nach dem sie ihren Jonathan wiedergefunden hat, nun ihr Studium doch abschließt und im Gegensatz zu ihrer Autorin eine erfolgreiche Rechtsanwältin, Staatsanwältin oder Richterin werden wird und richtig, flapsig lockere Bemerkungen über die Rechtswissenschaft und deren Paragraphen gibt es in dem Buch immer wieder auch.

Kremulator

Von dem 1984 in Minsk geborenen und derzeit in der Schweiz lebenden Sasha Filipenko habe ich dank “Diogenes” schon viel gelesen und er wurde glaube ich, auch im Vorjahr bei den “Fried-Tagen” ,im Literaturhaus vorgestellt.

Da konnte ich nur streamen, aber jetzt ist sein neuer Roman zu mir gekommen in dem es über einen Pjotr Nesterenko geht, der Direktor der Moskauer Krematorien in der Stalin-Zeit war, und da 1941 verhaftet und verhört wird und um die verschiedenen Verhöre geht es im ersten Teil der den größten Teil des Buches ausmacht.

Da gibt es fünf oder sechs Verhöre und Pjotr Nesterenko erzählt in diesen, dem Ermittler, der nicht Genosse genannt werden will, sein Leben.

Da geht es hoch her. Es gibt einige Ohrfeigen, sonst ist der Protagonist, der aus adeligen Haus stammt, aber sehr souverän und er hat auch schon einiges erlebt.

Mit seinem Vater, der den Sohn zu einem starken Burschen machen wollte, gab es Schwierigkeiten. Dann diente er während der Revolution und im ersten WK in verschiedenen Armeen, floh dann ins Ausland, war als Pilot und in Paris auch als Taxifahrer tätig und außer den Verhören, gib es auch verschiedene Tagebücher und dann gibt eine Vera, die große Liebe seines Lebens mit der er Selbstgespräche führt oder ständig an sie denkt.

Die ist Schauspielerin und tritt ständig mit verschiedenen Mäännern, die sie fördern auf. In Paris gibt es aber eine heftige Beziehung zwischen den Beiden.

Nesterenko geht da auch täglich ins Theater, wo sie für ihn spielt. Dann entschließt sie sich aber wieder nach Moskau zurückzukehren, um in ihrer Karriere nicht behindert zu werden und da folgt ihr Nesternko nach und wird Direktor der Kreamtorien.

Da gibt es viel zu tun, denn in der Stalin-Zeit wurde ja viel erschossen und am Abend geht er ins Theater, um nach seiner Vera zu suchen.

Die findet er dann auch, aber leider unter den Toten. Unter den ebenfalls Erschossenen, obwohl sie sich damit prüstete von Stalin protegiert zu werden und sie deshalb ihren Pjotr auch verraten hat.

Der glaubt aber ein langes Leben zu haben und sich über den Tod hinweg visualisieren zu können. Es kommt trotzdem zu einer Verurteilung. Die passiert im zweiten Teil, im sehr kurzen dritten steht dann nur, daß er 1992 rehabilitiert werden soll.

Vor allem in Zeiten, wie diesen ein sehr interessantes Buch, das sehr witzig und mit allen Varianten der Schreibkunst ein wichtiges Kapitel der russischen Geschichte aufarbeitet.

So habe ich es aufgeschrieben

Seit einigen Jahren gibt es ja beim “Ohrenschmaus”, dem Literaturpreis für und mit Menschen mit Lernschwierigkeiten , sprich also mentalen Behinderungen, ein Stipendium, David Silvester Marek hat eines bekommen und Viktor Noworski.

Da hat immer ein Autor mit dem Stipendiaten daran gearbeitet ein Buch herauszubringen. Der nächste Preisträger wird der mehrfach Gewinner Peter Gstöttmeier sein. Da darf ich ein wenig mitbetreuen und das letzte Buch, der letzten Preisträgerin der 1961 in OÖ geborenen Cornelia Pfeifer ist jetzt in der “Edition Ohrenschmaus” erschienen. Da hat Anna Migutsch mit der Autorin gearbeitet beziehungsweise das Vorwort zu dem Buch, wie die 1961″ihr Leben mit Behinderung meisterte”, geschrieben und da gibt es zuerst ein Foto von der selbstbewußten Sechzigjährigen mit blauer Weste, Käppi und Umhängetasche und dann geht es durch das Leben der Autorin, die wie sie bekennt, immer schon gerne geschrieben hat.

Ein sehr berührender Lebensbericht der mit den ersten Lebensjahren an die sich die Autorin nicht mehr erinnern kann, beginnt. In Altheim wurde sie im März 1961 geboren. Sie war aber sehr lange krank und im Krankenhaus und wurde auch mit einem Herzfehler geboren. Eine ihrer Omas und auch ihre Eltern hat sie sehr jung verloren. Sie war in der Sonderschule, wo sich die Frau Studienrat sehr um sie gekümmert hat. Sie hatte viele Freundinnen, suchte Anschluß, es gab aber auch immer Schwierigkeiten und Mobbingerlebnisse. Einmal hätten sie die Kinder mit dem Kpf in die Kloschüssel gesteckt, sich dann aber gleich bei ihr entschuldigt.

Nach der Schule kam sie ins Elisabeth-Heim nach Gallneukirchen in die Weißnäherein, obwohl sie in Handarbeiten in der Schule gar nicht so geschickt war. Fünf bis acht Mädchen in einem Zimmer und strenge Schwestern. Es gab aber auch immer Betriebsausflüge und Freigänge zu der Schärdinger Oma und zwei jüngere Schwestern gab es auch.

Vier Jahre hat die Lehre im Elisabeth-Heim gedauert. Da wurde die junge Frau auch teilentmündigt und es wurde ihr erklärt, daß das sehr gut für sie ist, weil sie sich von nun ab, um nichts mehr kümmern muß.

Das nächste Kapitel nach den Schul- und Lehrlingsjahren schildert die Erfahrungen mit dem Corona-Virus, die für die Heimbetreuten mit den Lockdowns, Teillockdowns und Maskentragepflicht auch recht schlimm gewesen ist. Der jährliche Urlaub fiel auf, danach ging es aber gleich nach Zittau.

Das nächste Kapitel ist dann den schönsten Urlauben gewidmet. Da gab es einige bei Verwandten in Tirol, in Mayrhofen, mit Wanderungen und Lieblingsliedern. Später war sie mit der WG nach Italien und noch später hat es auch eine Kreuzfahrt gegeben.

Dann geht es weiter mit dem Lebenslauf. Als junge Erwachsene hat noch im Elisabeth-Heim, gelebt, das allerdings nach Linz übersiedelte, wo sie sich das Zimmer mit Erna und Elfriede und später noch mit einem anderen Mädchen teilte und es auch eine Nasszelle gab. Sie hat auch einen Brief an den Bundespräsidenten geschrieben, wo sie sich über das Heim beschwerte, aber eigentlich hat es ihr dort doch ganz gut gefallen und mit Dreiundzwanzig ist sie dann mit einer Anita ins Institut Hartheim übersiedelt, obwohl sie schon erwachsen ist, fühlt sie sich noch gar nicht so.

Das kommt erst später in den “Reifejahren” Da übersiedelt sie von “Hartheim” wieder nach St. Elisabeth zurück und kommt auch in die “Geschütze-Arbeits-Gruppe”, wo sie ein Gehalt bezieht, während die meisten ihrer Freundinnen bei der “Beschäftigungs-Therapie” bleiben. Da gibt es einige Spannungen, wer was zahlen muß und wo mitmachen kann und später macht sie auch einige Ausbildungen, reist nach Brüssel und Befast, hält in Schulen Vorträge und befragt Behinderte nach ihren Wünschen.

Jetzt sind die “Ruhigen Jahre” angebrochen, das heißt Cornelia Pfeifer, die inzwischen eine eigene Wohnung hat, ist in Pension gegangen, schreiben und Musik hören tut sie weiter und auch der “Ohrenschmaus” wo sie einmal einen Preis gewann uind einmal auf der Ehrenliste stand, ist für sie sehr wichtig geworden. Jetzt hat sie das Stipendium bekommen und ein Buch über ihr Leben geschrieben, die allen, die sich über das Leben mit Behinderung mehr erfahren wollen, sehr zu empfehlen ist.

“Cornelia Pfeier bei diesem Projekt zu begleiten war ein Gewinn und eine Freude!”, hat Anna Migutsch in ihrem Vorwort geschrieben. Den kann ich mich anschließen und bei der letzten “Ohrenschmaus-Preisverleihung” hat sie auch moderiert, was sie in ihren Ausbildungen gelernt hat.

Rondo Veneziano

Ein Venedig-Krimi von Susanne Ayoub, die ich vor Jahrzehnten, glaube ich, in der Szene Margareten kennengelernt und dann beim Siemens-Literaturpreis wiedergetroffen habe.

Mit ihrem Roman “Engelsgift” ist sie glaube ich berühmt geworden. Dann kamen Bücher und Filme über ihre irakische Kindheit. Sie wurde 1956 in Bagdad geboren und ist dann mit ihrer Mutter nach Wien gekommen. Filme über Paul Celan gibt es auch. Ich habe am Volksstimmefest mit ihr gelesen und vielleicht auch bei der Poet Night und jetzt gibt es einen “Gmeiner-Krimi” der in Wien und in Venedig spielt.

Da gibt es Adele eine sechzigjährige Zahnärztin. Susanne Ayoub ist eine Zahnarztgattin, kennt sich also hier aus, die zu ihrer Wahltante Pauline nach Venedig reisen soll. Sie hat eine schwierige Mutter, die von einer vierundzwanzigstunde Hilfe betreut wird und einen Ex-Freund Josef, der mir nicht ganz klar war. Aber vielleicht hat es ein Vorläuferbuch gegeben.

Adele übergibt also ihre Ordi ihrer Assistentin, fährt nach Venedig und trifft die Tante im Palazzo nicht an, sondern nur einen umgefallenen Rollstuhl und einen Neffen der ihr erklärt, daß sie gestorben ist. Im Vaporetto trifft sie dann zwei ehemalige Schulfreundinnen und die die drei Frauen vertreiben sich die Zeit mit Essen und Venedig Sightseeing. Dann gehen sie zum Begräbnis der Tante und fahren wieder nach Wien zurck.

Dort begleiten wir Adele in ihre Praxis, wo es etwas chaotisch zugeht,während die Freundinnen, eine pensionierte Bibliothekarin und eine Ex Boutique Besitzerin im Fernsehen den Neffen in einer Galerie sehen. Der wird dann tot im Donaukanal aufgefunden und seine Spuren verwischen sich. Denn es geht wieder nach Venedig zurück und zu dem Verdacht, daß Paulie doch nicht gestorben ist.

Doch wo ist sie? Es gibt eine Spur zu einem armenischen Kloster, denn Pauline, die Kunstsammerlin hat einen armenischen Glasfabrikbesitzer geheiratet und Aufzeichnungen der alten Dame, die über ihr Leben berichtet, gibt es auch.

Bei einer Führung in dem armenischen Kloster in Venedig wird Adele verfolgt und von der Assistentin des Galeriebesitzers niedergestochen. Sie finden dann die Tante, die nur verwundet wurde und die beschließt nun ihren Lebensabend in Wien bei ihrer Freundin und Adele, die ihre Praxis einem jüngeren Zahnarzt verkauft, zu verbringen.

Interessant, interessant obwohl die Handlung eigentlich nicht so spannnend undauch ein bisschen unvollstänidg ist. Denn, wie war das jetzt mit diesen Neffe? Seine Spur verwischt sich, dafür kann man viel von Venedig und auch von Wien erfahren. Es gibt kulinarische Tips und auch über die armenische Geschichte kann man eintauchen, ein Crossover Krimi einer vielseitigen Autorin also und interessant zu lesen.

Der Taucher

Das zweite Buch aus dem “Mare-Verlag”, der sich mit dem Meer beschäftigt, ist ein Krimi und zwar der zweite Fall in dem der sogenannte Holländer Liewe Cupido ermittelt, des 1962 geborenen Mathijs Deen, ist ein eher ruhiges Werk, das den Fall eines toten Tauchers, der mit Handschellen an ein Wrack gefesselt ist, sehr behutsam aufdeckt.

Da gibt es Jan Matz, der in Förn lebt und mit seinem Sohn Johnny wieder einmal auf Tauchtour gehen will und Johnny, der mit seinem Bruder Paul bei der geschiedenen Mutter Christina lebt, ist in größeren Schwierigkeiten, hat er doch seinen Schufreund Henk niedergeschlagen, der seither bleibende Schäden hat und in einer Rehaklinik beziehungsweise auf der Intensivstation lebt.

Warum das geschehen ist, kommt eigentlich gar nicht so klar heraus. Er hat aber auch einen Malatowcocktail auf Henks Familie werfen lassen und nennt alle “Looser”. Jetzt wird er von der Polizei gesucht und da wird die Leiche seines Vaters in dem erwähnten Wrack Hanne, das in den Fünzigerjahren untergegangen ist, gefunden. Dort gibt es eine Kupferladung, die Jan Matz nach und nach hinaufbrachte und, wie ein Gespräch auf einem Friedhof erwies, Henks Eltern zukommen lassen soll, damit die keine weiteren Anzeigen machen.

Der holländische Kommissar Liewe Cupido dessen Vater auch ein Fischer war, soll den Fall gemeinsam mit Judith Schulz aufklären, der ist mit einem Hund unterwegs und hat da immer Schwierigkeiten ihn in den Hotels unterzubringen, bis er sich mit der Hundepensionsbesitzerin Miram anfreundet und die Geschichte führt auch noch in einen Rachenklub, der von einem oder zwei Beonazis geführt wird, der Jan Matz Plünderzug rächen will.

Eine spannende Geschichte, weil sie, wie in den Rezensionen steht, die Ostseeluft in der sie spielt, deutlich spürbar macht. Sie ist auch sehr sozialkritisch und spannend zu lesen, weil alles, wie schon beschrieben sehr langsam und bedächtig aufklärt.

Helenes Stimme

Nach den beiden Büchern über Erika Danneberg kommt jetzt passend zum Frauentag, der ja noch nicht solange vorüber ist und eigentlich sollte ja jeder ein solcher sein, wieder eines über eine starke Frau, nämlich über die 1848 in Oldenburg geborene und 1930 in Berlin verstorbene Pädagogin und Frauenrechtlerin Helene Lange, nach der einige Schule benannt sind und die sich sehr für die Frauenbildung eingesetzt hat.

Die 1975 auf der Schwäbischen Alb geborenen Übersetzerin und Lektorin Sanne Jellings hat ein Jugendbuch über sie geschrieben oder eines über das Jahr 1964, wo die sechzehnjährige Waise Helene auf ein Pensonsjahr zu einer Pfarrerfamilie in die Schwäbische Alb geschickt wurde.

Das war offenbar so üblich, daß die Mädchen dort im Haushalt halfen und ein bißchen Bildung bekamen. Und der Pfarrer Eifert und seine Gattin Adelgund, die drei Kinder, Max, Marie und Richard hatten, führten auch ein sehr gastfreundliches gelehrtes Haus.

Die Söhne studierten in Tübingen, die Tochter Marie half im Hhaushalt und betreute die Kranken und Helene fiel bald auf, daß die Mädchen zwar stricken und stopfen sollten, aber ihre Meinung schön bei sich halten mußte.

Da spielte die Sechzehnjährige, die mit der achtzehnjährigen Marie das Zimmer teilte, nicht mit und Marie führte sie in die Sagenwelt der Ursula ein, ermunterte sie diese aufzuschreiben.

Marie sollte nach den Willen des Vaters auch zu Hause bleiben und statt sich zu verheiraten, später die Eltern pflegte. Aber Marie verliebte sich in Max Studienkollegen Ludwig. Den sah Helene im Advent aus dem Zimmer der anderen Pensionatstochter Alwine kommen und Ludwig zog sich vorübergehend von Marie zurück. Später offenbarte ihr ihr seine Liebe, wollte sie zur Pfarrersfrau, zog sie aber bei einem Maifest in den Stadl und verkündete später, daß er sie, weil moralschwach nicht heiraten könne.

Das ist die Geschichte. Die Erfundene, wie Sanne Jellings in ihrem Nachwort schreibt. Daß Helene Lange 1964 bei dem Pfarrer ihr Pensionsjahr verbrachte, ist erwiesen. Später hat sie dann in Berlin eine Lehrinnenausbildung gemacht und Marie kam nach dem Tod ihrer Mutter in eine psychiatrische Anstalt, weil der Vater nicht mehr für sie sogen konnte.

Dort ist die echte Marie auch gestorben und die Geschichte switscht zwischen 1964 und 1926 oder 1927 hin und her. Da verbringt Marie ihr Leben in der Anstalt. Das Lesen von Büchern, sie hat von Helene eines von Uhland bekommen, wird ihr verboten, sie muß Bade- und Schlafkuren machen, wie das früher wohl so war, während Helene von jungen Lehrerinnen besucht wird, die über ihr Leben etas erfahren wollen und dann zu der Eröffnung der Schule reist, die nach ihr benannt werden soll.

Ein interessantes Buch, das über das Leben der Frauenrechtlerin von der ich noch nie etwas gehört habe, einführt und uns daran erinnert, daß es viele starke Frauen gegeben hat und noch gibt.

Erika Danneberg ist die die eine, Helene Lange, die andere und dann gibt es noch sehr viele, die zu entdecken sind und ich und mein Schreiben, führe ich selbstbewußt an, gehören vielleicht auch dazu.

Wolfs Tochter

Und jetzt der Roman der 1957 in Bozen geborenen Erika Wimmer Mazohl über Erika Danneberg, in fünf Perspektivn und unterschiedlichen Tonlagen, wie am Klappentext steht und am Anfang war ich ziemlich verwirrt, als ich im ersten Kapiel “Durchgebrannte Sicherungen” zuerst über das Schreiben und dann über Kind las und dachte, Erika Danneberg hatte doch keine Kinder?

Dann las ich dden Namen Weigel ,und daß die Ich-Erzählerin von der Erika, die noch ihre Lehranalyse macht besucht wird. Wer spricht da?, fragte ich mich und bin dann auf Marlen Haushofer gekommen, mit der Erika Danneberg ja befreundet war, wie ich erstaunt bemerkte, als ich 2000 die Haushofer- Biobgrafie von Daniela Strigl bekommen habe und da ein Bild von ihr darin entdecktund sie bei einer der Widerstandslesungen, die da ja am Donnerstag stattfanden, danach befragt.

Marlen Haushofer, die ja 1970 an Krebs verstorben ist, liegt im Krankenbett, ob Spital oder zu Hause habe ich nicht ganz herausbekommen und sinniert über ihr Leben und ihre Freundin nach.

Der Hackl ,den die Erika dienen wollte wird erwähnt und das Jugendbuch über den “Leutnant Prentjes”, von einem Erich Danneberg geschrieben, das ich mal gefunden, aber noch nicht gelesen hatte.

Woher hatte die Erika die Idee und das Fachwissen dazu?, sinniert die Erzählerin, die ja selbst auch Kinderbücher geschrieben hat. Erika Danneberg hat sich Kinder gewünscht aber nicht bekommen, erfahren wir und von den Kaffeeehausbesuchen, der beiden Frauen, die sie sich in Wien leisteten und dabei überlegten ob sie bei Lesungen Wein trinken durften und dabei kicherten.

Sie trafen sich in kleinen Cafes, um der Kulturschickeria auszuweichen. Gingen also nicht ins “Raimund”, denn Erika Danneberg hat ja bald mit Weigel, gebrochen und ihm einen bösen Brief geschrieben und mit Fritz, Friedrich Polakovics, den sie liebte, der sie aber nicht heiraten wollte, ist sie nach Frankreich gefahren, weil sie einen Führerschein und ein Auto hatte, damit sie ihm aber nicht zu nahe kam, hat er sich vorsorglich eine Dolmetscherin mitgenommen.

Im zweiten Kapitel geht dann im Jänner 1951 die junge Erika Hackl durch den Schnee in das kleine Häuschen, das sie und ihr Mann gemietet haben. Es ist der Tag nach ihren Übertritt ins Judentum. Sie ist mit ihrer Ehe nicht recht zufrieden. Reinhard Federmann kommt zu Besuch. Sie kocht Steckrüben mit Kartoffel, serviert ihren Hermann Tee und denkt an ihre jüdische Freundin Margit, die mit ihrem Sohn Hannes deportiert wurde und die Wölfe sind seine Metapher für die Rudeln, von denen sich die junge Erika verfolgt fühlt und wird auch für den nationalsozialistischen Vater verwendet.

Im nächsten Kapitel geht es dann um Berthold Viertel, dessen Sekretärin Erika Danneberg einige Zeit lang war. Sekretärin und Freundin.

“In deine Hände lege ich vertrauensvoll-!”, hat die Gattin Liesl, die in München Schauspielerin war, geschrieben und Erika aufgefordert den Nachlass herauszugeben und zu ordnen, was diese überforderte, hatte sie ja auch ihren Ehemann Hakel zu betreuen und seine Manuskripte zu tippen.

Darum geht es auch im nächsten Teil, da spricht wieder eine unbekannte Stimme, die ich nicht ganz zuordnen konnte. Eine Freundin mit einer jenischen Mutter, die über die Gewalt gegen Frauen resumiert und sich darüber wundert, daß Erika ihrem Hermann so unterwürfig begegnete und die Schuld bei sich sah Er hat sie unter anderen mit Dorothee Zeemann betrogen und ihre Tagebücher konfiziert, wo sie erst die Herausgabe erzwingen musste.

Im letzten Kapitel geht es wieder um Hermann Hakel, der wurde von einem Edwin Hartl, beziehungsweise Hans Weigel sehr angegriffen und da gibt es einen langen Brief in diesem autobiografischen Roman, in dem sich die Erik bei Weigel darüber beschwert.

Am Schluß gibt es eine Danksagung und die Angabe zu den Tagebuchseiten, die für die einzelnen Kapitel verwendet wurden.