Ein Präsident verschwindet

Julia Danielczyk hat ja bei der letzten “Wien Reihe” gefragt, wie man das macht, reale Personen in einen Roman einzubeziehen. Ralf Langroth das Psedudonym für einen erfolgreichen Autor, der in Hannover lebt, hat diese Frage mit seiner “Akte Adenauer” und “Ein Präsident verschwindet” schon verantwortet. Denn Konrad Adenauer war der erste Bundeskanzler der BRD und Otto John ,ein Verfassungsschutzpräsident, der am zwanzigsten Juli 1954 in den Osten verschwunden ist. Dann wieder auftauchte, verhaftet wurde und bis zu seinem Tod 1997 in Innsbruck, nicht mehr rehabilitiert wurde, obwohl er sich sehr darum bemühte.

Das sind die historischen Fakten, die auch auf einer Zeittafel festgehalten wurden. Dann gibt es zwei Personen, die schon im ersten Band eine Rolle spielten. Den Ermittler Philipp Gerber, der 1939 in die USA emigrierte und jetzt, das Buch spielt 1954, Kriminalhauptkommissar des BKA ist und die Journalistin Eva Herden, seine Freundin, die bei einem kommunistischen Blatt in Bonn, das ja damals die Hauptstadt Deutschlands war, arbeitete.

Das ist die Ausgangslage und es beginnt, vor allem wenn man den ersten Band nicht gelesen hat, sehr verwirrend und schwierig in die Fakten hineinzukommen, obwohl die Handlung eigentlich eher banal ist. Oder auch nicht, ganz im Gegenteil, denn es wird geschossen und gemordet, entführt und ein rauher Ton verwendet. Was das mit dem realen John zu tun hat, ist wahrscheinlich unklar oder natürlich, nach dem wird damals wohl auch gesucht worden sein.

Also der Hauptkommissar wird am Anfang zu Adenauer zitiert, der eigentlich zurück in den Schwarzwald will. Er soll nach John suchen und seine Freundin Eva ist offenbar in seine Entführung verwickelt und selbst in den Osten abgehauen oder verschwunden. Der Inhaber der kommunistischen Zeitung und seine Sekretärin werden ermordet. Eva ist auch in einen Mord verwickelt und Gerber fliegt mit einen Kollegen nach Berlin, dort sieht er ständig Eva, die zwischen Ost und West hin und herpendelt. Es gibt einen windigen Fotografem und einen “französischen Agenten” namens Walter Dorst, der mordet, Botschaften überbringt und dann auch mithilft Gerber in den Osten zu bringen. Dort wird er von der “Nachthexe”, eine russische Kampfliegerin namen Katya mit “y”, wie sie betont und dem Präsidenten verhört. Evas Vater, der der Lckvogel für sie war, wird ermordet und am Schluß kehrt John in den Westen zurück, obwohl er von Gerber gewarnt wird und wird, wie schon geschrieben verhaftet.

Besonders spannend habe ich diese Krimihandlung nicht empfunden, sondern eher, wie bewußt klischeehaft, um den realen Fall gelegt, um einen spannenden Thriller daraus zu machen. Aber das liegt wahrscheinlich an mir, daß mich diese kalte Kriegsgeschichten nicht so interessieren. Aber das Buch gelesen habe, weil mich ja historische Romane interessieren. Ein Widerspruch nicht wahr, aber das Lesen ist, wie das Leben widersprüchig, erweitert aber den Horizont und jetzt bin ich an der Auflösung des Pseudynym unseren Autors, der übrigens in der “Blauen Stunde” beim “Blauen Sofa” in Leipzig aufgetreten ist, sehr interessiert.

Drachen jagen

“Heroin auf Alufolie rauchen, wird in der Szene Drachen jagen”, genannt “und im sogenannten normalen Leben ist es die Jagd nach dem Erfolg”, schreibt die 1965 in Bremen geborene Journalisten Kerstin Herrnkind in ihrem Memoir oder besser wahrscheinlich Personal Essay in dem sie den Drogentod ihres Bruders Uwe beschreibt und es ist ein Buch, das man gelesen haben sollte, sei es zur allgemeinen Information oder wenn man als Angehöriger wissen will, wie es den Betroffenen geht und Kerstin Herrnkind geht ihre Recherche oder Bewältigungsarbeit sehr vielschichtig an.

Beginnen tut es mit dem Besuch zweier Polizisten um halb zehn Uhr Abends in Lübeck, die ihr den Tod des zweiundfünzigjährigen Bruders, der seit 2007 in einem Berliner Obdachlosenheim lebt, mitteilen, weil die Berliner Polizei vermerkt hatte, daß die Schwester verständigt werden will.

Ob das wirklich so passierte? Ich hätte eher gedacht, daß die Sozialarbeiterin Miriam des Heimes, die Verständigung übernimmt. Aber gut, die Polizisten sind freundlich, sagen sie haben Zeit, als Kerstin Herrnkind geschockt erzählt, daß der Bruder begabt gewesen sei, aber nie etwas daraus gemacht hätte und dann geht es los mit der Beschreibung, nachdem die in Spanien lebende Mutter verständigt wurde und Kerstin dem Bruder auch eine schöne Bestattung ermöglichte, wo auch die Sozialarbeiterin und die Kumpels aus dem Heim, Uwes neue Familie, wie Kerstin Herrnkind schreibt, anwesend waren.

Dann wird in der eigenen Familie bis in die Großelterngeneration recherchiert. Da sind wir im Krieg und die Familie kommt aus ärmlichen Verhältnissen, die Trauma und Gewalt erlebte und die auch an die Kinder weitergegeben hat. Es gibt eine Großmutter Helene und die Eltern haben den Drachen auf ihre Weise gejagt, als sie ihren Kindern ein besseres Leben ermöglichen wollte. Der Bruder Uwe war drei jahre jünger als Kerstin und drei Monate zu früh auf die Welt gekommen, was vielleicht einiges erklärt. Die Mutter ist sehr besorgt und behütend. Der Vater ambivalent, auf der einen Seite besorgt, die Kinder hatten auch die besten Kleider und Spielsachen und die Familie ist aus den Sozialwohnungen Bremens und Hamburgs bald in ein Haus ins Grüne gezogen, wo sie dann wieder isoliert und einsam waren und dann gibt es die Geschichte mit dem Strolchi, das ist Uwes Hund, aber als sich die Eltern scheiden ließen, hat der Vater den Hund einfach einschläfern lassen, was Uwe ihm nie verziehen hat.

Uwe hat Automechaniker gelernt und da schon zu trinken angefangen, weil man das da halt so macht. Später wollte er Technik studieren, hat das aber nicht geschafft, weil er, wie manche interpretieren, durch seine Frühgeburt so verhätschelt war, weil ihm alle Steine aus dem Weg geräumt wurden, daß er immer den leichteren Weg, das Studium also abgebrochen hat, gegangen ist.

Uwe hat zu kiffen angefangen, als die Schwester, die nach der Schule ein Jahr in Amerika war, von dort wieder zurückgekommen ist. Die Beziehung zwischen Bruder und Schwester war immer sehr eng. Die Schwester hat sich immer um ihn gekümmert, ihn besucht, Geld geschickt. Die Mutter tat das aus Spanien, wo sie Ferienanlagen betreut, auch. Der Vater war verschwunden und tat das nicht. Aber ein Zusammenleben der Beiden ging nicht gut. Uwe brach sein Versprechen nicht zu kiffen, fing zu dealen und dann auch den Drachen zu jagen an. So schmiiß sie ihn hinaus. Er zog in das Obdachlosenheim, wo er auch einen Hund haben konnte und sich die Sozialarbeiterin um ihn kümmerte.

Ein weiterer Teil des Buches ist die Sicht der Mutter, der Freunde, der Kumpels aus dem Heim gewidmet, die auch ihre Geschichte erzählen. Kerstin Herrnkind klärt die Frage, warum Uwe und nicht sie drogenabhängig geworden ist, mit der Geschichte, daß sie als Jugendliche mit einer Freundin Hanfsamen rauchen, beziehungsweise verkaufen wollte. Die Polizei kam darauf, es kam zu einer Anzeige. Hanfsamen sind zwar nicht gefährlich, aber Kerstin Herrenkind war für ihr Leben bekehrt. Mir ist das mit Sechzehn beim Rauchen so gegangen, als ich da von meiner Mutter eine Ohrfeige bekam. Auf der anderen Seite habe ich in der Rahlgasse, als da einmal Polizisten über das Thema Drogen informierten, gehört, daß man das einmal probiert haben muß und das hat auch Doris Nussbaumer zu mir gesagt, als ich ihr von meiner “Miranda” erzählte. Man kann nicht über einen Joint schreiben, wenn man keinen geraucht hat, was ich nicht so sehe und die Joints auch nicht für so ungefährlich halte, weil ich sowohl bei meinen Klienten als auch im Freundeskreis mehrere Psychosen, die dadurch ausgelöst wurde, erlebt habe.

Ein interessantes Buch, wo man viel darüber lernt, wie das Leben mit Drogenabhäniggen aussehen kann, das auch leicht zu lesen ist, obwohl mir Kerstin Herrnkind manchmal zu weitschweifig war. So zitiert sie die Nazivergangenheit eines Lehrers durch sein Entnazifierungsschreiben. Da frage ich, wie sie dazu gekommen ist? Sie läßt auch die Mutter und die Kumpels in ihrer Sprache sprechen, was mich anfangs irritierte, als das die Mutter bei einer Drogenberatungsstelle anruft und die Antwort bekommt “Das muß Ihr Sohn selber wollen!” und ich dachte, Sohn das ist ja die Schwester, weil Kerstin Herrnkind auch in der Ich-Form schreibt und ich die Überschrift “Mutters Sicht” überlesen habe. Ansonsten aber interessant, wie Kerstin Herrnkind versucht, Uwes Schicksal aus der Kriegsvergangenheit seiner Eltern- und Großelterngeneration zu erklären und diese Familiengeschichtentraumen habe ich auch beim Leipziger- Surfen beobachten können, daß das auch andere Autoren in ihren Romanen so beschrieben.

Langeweile

Kremayr&Scheriau, wo ich mich seit ein paar Jahren durch die Literaturschiene lese, hat eine neue Essayreihe und zwar werden da die Themen “Hoffnung”, “Offenheit”, “Angst,” etcetera abgehandelt und die 1976 geborene Isabella Feimer von der ich schon einige Bücher gelesen Langeweile” ausgesucht.

Langeweile was ist das? Die Psychologin würde das als eine negatives Gefühl und als Zeichen, das etwas nicht stimmt, bezeichnen, als Möglichkeit dann etwas zu verändern. Also nachzuschauen warum ist mir langweilig und wie kann ich das verändern? Isabella führt die Beispiel an, daß sie früher als Fließbandarbeiterin oder als Verläuferin arbeitete, Arbeiten die ihr langweilig waren, so daß sie am Abend dann gelesen und geschrieben hat. Da ist es wahrscheinlich etwas schwierig sich einen spannenderen Job zu suchen, aber das Lesen und das Schreiben oder ein anderes Hobby, als Kompensation ist sicher eine gute Idee.

Isabeller Feimer hat sich für den Essay durch sämtliche Philosphen gelesen und führt deren diesbezglichen Ztate an. Haidegger, Benjamin, Nietzsche, etcetera haben sich damit beschäftigt, dann kommt sie zu ihrer Freundin Eva, einer Wissenschaftlerin, die ihr einen Tag voller Langeweile verspricht. Auf den ersten Blick habe ich mich da gefragt, was soll das? Aber wenn man etwas hinter die Kulissen schaut, kommt man bald zur Depression oder zum Herrn von Lips aus dem “Zerrissenen”, der ist reich und dem ist fad , weil er alles hat und der gewiefte Nestroy hat ihn da in eine Krise gebracht, so daß er seine Langeweile überwinden konnte und das nächste ist die Achtsamkeit, die ja jetzt sehr modern ist, also alles langsam und mit voller Aufmerksamkeit zu betrachten. Eine Zwiebel zehn Minuten anschauen oder bewußt das Kochen beobachten.

Das ist für mich auch ein psychologische Phänomen und daher gut und wichtig alles langsamer zu machen und nicht von einem Termin zum nächsten zu hetzen und dann ein Burnout zu bekommen. Die Freundin schüttet also einen Sack Linsen und Reis vor Isabella Feimer auf und sagt ihr, sie soll sich jetzt zehn Stunden lang damit beschäftigten. Was passiert? Ich denke so lange es Sinn macht, soll man sich damit beschäftigen, wenn ich zum Beispiel ein Problem habe, was ich überdenken will, kann mir das Erbsen zählen dazu helfen, wenn mir dann aber langweilig wird, würde ich es Aufgeben und ich denke man soll mehr beachten wann und wo einem langweilig ist und sich dann fragen, wie kann ich diesen Zustand abstellen?

Dann kommt Isabella zur Pandemie und fragt sich, wie das dort mit der Langeweile war? Da denke ich, wenn ich immer sehr aktiv und hektisch war und plötzlich sitze ich zu Hause und weiß mich nicht zu beschäftigen, kann das ein Problem sein. Während die Mutter im Homeoffice, die noch Homeschooling für ihre drei Kinder machen mußte, damit wahrscheinlich kein Problem hatte.

Rilkes Panther”, der hinter seinen Stäben hin- und herläuft, ist wahrscheinlich langweil,ig schreibt Isabella Feimer, der ist wohl gestört, füge ich an und die Pandemie wird auch noch öfter besprochen.

Was mich an dem gut recherchierten Buch stört, sind die langen Passagen, die auf Englisch erfolgen und dann geht es zur Kunst.

Da wird das Motiv mit der “Frau am Fenster” thematisiert. Isabella Feimer erwähnte, daß das aus dem Fenster schauen vor den Fernsehzeiten, als beliebte Freizeitbeschäftigung angegeben wurde.

Da frage ich mich auch, ob das ein Motiv der Langeweile ist, denn das Geschehen, um sich herum zu beobachten, kann interessant sein. Kommt wahrscheinlich darauf an, wo sich das Fenster befindet und regt auch zu Klatsch und Tratsch und vielleicht auch zum Intrigenspinnen an.

Der Tag der Langeweile, den die Freundin Eva Isabella Feimer verordnete, bestand außer dem Reis zählen auch im Ansehen des langweiligsten Films und Videos, beispielsweise, wie sich Schnecken fortbewegen. Das führt dann dazu, daß man Langeweile auch als lange Weile interpretieren kann und das ist dann etwas ganz anderes, führt zur Langsamkeit und Geduld, etwas was in Zeiten wie diesen, wo alles scnel lschnell sein muß, nicht besonders hoch angesehen ist.

Das Gegenteil von Burnout ist ja das Boreout und das, das habe ich schon festgestellt, ist oft ein Signal das etwas nicht stimmt und das man etwas verändern sollte.

So meint auch Isablla Feimer, daß aus der Langweile oft die größten Kunstwerke entstanden sind und in der Schlußbemerkung reflektiert sie darüber, was ihr die Beschäftigung mit diesem Thema gebracht hat und dankt ihrer Freundin Eva Waibl und den Künstlerinnen Claudia Bitter, Anna Rottensteiner sowei ihren Ehemann für die Unterstützung sie bei diesem Thema zu begleiten und ich merke an, daß mich das Lesen dieses Büchleins, das ich eigentlich für sehr abstrakt, fand zu Gedanken über die Langeweile inspiriert hat, die ich bisher eigentlich nicht für so interessant empfunden habe.

Also vielen Dank für diesen Essay und es ist wahrscheinlich gut, sich Gedanken über Themen wie “Sorge” “Offenheit” etcetera zu machen.

Ballade vom Tag, der nicht vorüber ist

Den 1946 geborenen Gert Loschütz, der 1957 mit seiner Familie von der DDR in den Westen geflüchtet ist, habe ich durch das Buchpreislesen kennengelernt, stand er da doch 2018 und 2021 auf der Longlist und da war immer die DDR das Thema und, weil er mit dem “Besichtigung eines Unglücks”, das mir gar nicht so gut gefallen hat, bekannt geworden ist, hat er oder sein Verlag sich entschlossen, habe ich bei “Amazon” gelesen, seinen 1990 erschienenen Roman “Flucht” unter dem Titel “Ballade vom Tag, der nicht vorüber ist” nochmals herauszugeben und schreibt auf der letzten Seite, daß sich 1990 der Titel” Flucht” eindeutig von Ost nach West bezog, jetzt ist das anders, so hat er den Titel gewählt, “Den die Geschichte immer für mich hatte.”

Er passt auch besser, füge ich an, ist es doch ein sehr künstlerischer Roman, kompliziert und vielschichtig, mit dem er das Trauma bewältigt, daß der kleine Karste Leiser erlebte, als ihn seine Mutter zehnjährig, einmal aufweckte und “Wir gehen spazieren sagte!”

Dabei haben sie das nie getan und schon gar nicht in der Nacht.

“Sieh dir alles genau an, denn du wirst es nie wiedersehen!”, sagt die Mutter und am nächsten Tag verlasst sie mit ihm den Ort Plothow, sein Fahrrad hat sie an eine Christine verschenkt und reist nach Wildenburg. Den Vater gibt es irgendwie auch, der versucht eine Kamera zu verkaufen, weil die Familie für den Neustart Geld benötigt und ein Jahr später ruft ihn ein Lehrer im Gymnasium zu, er soll nach Hause gehen. Der Sitznachbar Burckhardt, der Antogonist mit dem Geigenkasten würde ich sagen, glaubt, er wurde hinausgeschmissen, er weiß aber die Mutter ist gestorben.

Jetzt ist er erwachsen und Reiseschriftsteller und erzählt in einer schlaflosen Nacht seiner Freundin Vera, die Geschichte, daß er jedes Jahr an diesem Tag offenbar eine Retraumatisierung erlebt. Ganz egal, wo er ist und er ist in Irland oder in Italien, wo er auch eine Zeitlang lebte. in Sardinien verläßt ihn eine Frau, weil er mit Mariam, die aus Pakistan gekommen ist, um in England Medizin zu studieren, spricht.

In Irland hat er ein deja vue mit diesem Burckhardt, der mit Frau und Kind dort abgestiegen ist und er ist auch ein unzuverläßiger Erzähler. So erzählt er Vera, er wäre in Plothow aus dem Zugfenster gesprungen und in Italien hat ihn dieser Burckhardt in einem Labyrinth mit einem Stein den Fuß zertrümmert, denn in Wildenburg, hat er ihn einmal den Geigenkasten zerdepscht.

Den Koffer mit dem er damals in den Westen ging, hat er immer noch, er versucht ihn auch loszuwerden, er kommt aber immer wieder zurück.

Interessant die Traumatisierung, die Gert Loschütz, der wie ich “Wiikipedia” entnommen habe, auch eine Zeitlang mit Elfriede Jelinek zusammenlebte, nicht loszulassen scheint und wenn ich das Buch auch als sehr konstruiert empfunden habe, denn es springt wild in den Zeiten hin und her, von der Chronologie keine Spur, weil das offenbar zu wenig literarisch ist, hat es mir, glaube ich, besser als die beiden anderen gefallen. Jedenfalls hat es die Psychologin, die sich mit Traumen beschäftigt, sehr beeindruckt. Obwohl man sich natürlich fragen kann, ob ein Verlassen der DDR in den goldenen Westen wirklich so traumatisch ist, daß man sein ganzes Leben lang daran denkt oder sich nicht vielleicht freut, die Diktatur losgeworden zu sein und jetzt kann man ja auch wieder dorthin zurückkehren.

Operation Kasper

Jetzt kommt ein hundertzwanzig Seiten Roman des 1932 in Zagreb geborenen Bora Cosic, der sowohl in Berlin, als auch in Rovinj, lebt den ich in Montenegro gelesen habe, als ich mich dort mit kroatischer Literatur beschäftigen wollte. In der “Alten Schmiede” habe ich ihn auch einmal gehört und seine Frau hat sich sehr nett mit mir unterhalten, als ich allein beim Wein und den Nüssen gestanden bin und “Der “große, alte, listig-heitere Mann der serbischen Avantgarde”, wie die neue Zürcher Zeitung Bora Cosic nannte, hat mit “Operation Kaspar” einen pointierten, hintersinnigen Roman geschrieben, der den alten Migrantentraum von Bildung und einem besseren Leben gnadenlos zerplatzen lässt”, steht am Buchrücken und wurde von Brigitte Döbert übersetzt.

In drei Kapitel wird diese Parabel, wie ich es nennen würde, erzählt, “Der Stall”, “die Straße,” der “Garten” und der Traum der Migranten wird in einer großen aber vertotal vermüllten Wohnung, die sich wie ich mir vorstellen könnte, in Belgrad befindet, begonnen. Da lebt ein mittelaltes Paar. Die Frau trägt Unterkleidung, wie das dort offenbar so üblich war und räumt und putzt oder versucht das wenigstens. Der Mann trägt Hut in der Wohnung, denn sie gehen nicht hinaus, fährt Fahrrad um den Küchentisch, was ein bißchen an Lockdown eins, als das Buch wahrscheinlich geschrieben wurde, erinnern könnte, spielt Geige und liest Zeitung. Sie sprechen nicht viel miteinander und eines Tages nehmen sie einen großen leeren Koffer und gehen damit auf die Straße. Den Verbindungsmann, der ihnen Papiere und Geld bringen soll, treffen sie nicht, so stehen sie vor einer Filmwand am Hauptplatz und werden von der Polizei angesprochen, die sie aber nicht versteht und auch die Dolmetscherinnen zucken nur die Achseln. So werden sie zu einem Professor Daumer gebracht, der seine Russen für die Spargelernte verloren hat und sollen die ersetzen. Der will ihnen, wie der Professor in “My fair lady”, das westliche Leben oder die Sprache und die Bildung beibringen. Scheiter aber daran und am Ende kommen die Russen erschießen die Beiden und murmeln dann enttäuscht “Teufe auch, das sind gar nicht Nikita und seine Frau!” und man bleibt vielleicht nachdenklich zurück, hat man doch gar nicht das Klischee gelesen, das man sich vielleicht von den serbischen Emigranten erwartet hätte.

“Kaspar Hauser” fällt einem ein, darauf spielt der Titel auch an, wurde meiner Meinung nach aber nicht wirklich getroffen. Aber natürlich hat der alte serbisch-kroatische Intellektuelle, der glaube ich, auch fließend Deutsch spricht, einen anderen Blick auf die Sache als ich und hat einen, wie schon geschrieben, satirischen Kurzroman über die europäische Situation und ihre zerplatzen Migrationsbewegungen geschrieben, die jetzt durch den Angriffskrieg auf die Ukraine vielleicht wieder eine neue Sichtweise bekommen.

Die Malavoglia

Wieder ein Wagenbach-Quartbuch und diesmal ist es ein Roman des italienischen Naturalismus des 1840 in Catania geborenen und 1922 gestorbenen Giovanni Verga der das Leben, den Aufstieg und Fall der Familie Malavoglia in einem sizilalischen Fischerdörfchen schildert. Wieder ein Roman und ein Autor der mir bisher unbekannt war und das Lesen war wegen der vielen Namen der Dorfbewohner nicht ganz einfach.

Dann kommt man doch in das italienische Dörfchen hinen, in das der Kapitalismus, der Strom und die eisenbahn einziehen soll, die Mädchen zu Gott beten und von den Burschen des Dorfes verfolgt werden oder ihnen auch schöne Augen machen. Der Apotheker mit dem Pfarrer vor seiner Apotheke steht, über Gott und die Welt philosophiert und dabei aufpassen muß, daß er von seiner Frau nicht weggeholt wird. Es geht um ein Haus mit einem Mispelbaum, das verkauft und wieder zurückgeholt wird, um den Vater Bastianazzo, der im Meer verunglückt, die Mutter stirbt an der Cholera, der eine Enkelsohn gerät auf die schiefe Bahn und schleicht sich nur abends in das Haus um einen Teller Suppe zu essen, die Enkeltochter Lia wird von einem Don Michele verführt und verschwindet und ein anderes Mädchen verweigert den Ehestand, weil sie schon sechsundzwanzig ist und daher nicht mehr heiraten kann und nur der Großvater Padron Ntoni zu überleben scheint.

Im Gegensatz zu Emile Zola, dem Meisters des französischen Naturalismus scheint der Roman sehr einfach geschrieben zu sein und lebt auch von seinen vielen Sprichwörtern von denen manche sehr gebräuchlich klingen, wie “Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um”, aber auch “Das schlechte Eisen frißt der Wetzstein” und das Buch wurde, als es 1881 erschienen ist, kein Erfolg.

Es hat aber später verschedene Auflagen, darunter auch in der DDR erfahren erhalten und wurde jetzt von Anna Leube neu übersetzt. Roberta Salvano, der auch ein Buch über die Camorra geschrieben hat, hat das Nachwort verfaßt und ich habe wieder einmal mein literarisches Wissen aufgefrischt, beziehungsweise meine diesbezügliche Lücken gefüllt und kann mich auch an eine Osterreise nach Sizilien erinnern, die ich in den Neunzigerjahren und dann noch eine, die ich, 2009 mit dem Alfred machte, wo ich hautnah die Dörfer des Geschehen studieren konnte, da aber den “Leoparden” gelesen habe und von einem Giovanni Verga, der sein Jusstudium abgebrochen hat, keine Ahnung hatte.

Ich ist ein anderer

Jetzt hatte ich ein deja vue beim Lesen, beziehungsweise den zweiten Teil von Jon Fosses Heptalogie “Ich ist ein Anderer”, das sind die Teile drei bis fünf und eins und zwei “Der anderer Name” habe ich um Weihnachten vor ein paar Jahren gelesen. Ein erstaunliches Buch in dem nichts passiert, das in einen einzigen Satz geschrieben ist, was sich im zweiten Buch auch fortsetzt und im ersten ist der Maler Asle ja nach Bjorgvin in die Galeri Beyer gefahren, um dort seine Bilder für die Weihnachtsausstellung zu bringen. Es lag Schnee in den Straßen und er hat den anderen Asle ins Krankenhaus gebracht.

Das habe ich in Teil drei wieder gelesen und gedacht, das kenne ich doch schon. Das heißt, stimmt nicht ganz, denn es geht und das sind sehr starke Stellen, die auch viel lebendiger als das andere sind, in die Kindheit des Malers. Da hatte er lange Haare und wollte alles anders machen. Das ist das Moderne in dem Buch, hatte Schwierigkeiten mit der nörgelnden Mutter und dem schweigsamen Vater, sowie drei Kronen zuviel in der Hose.

“Die hast du gestohlen!”, sagt die Mutter. Hat er nicht. Er hat sie von der “Glatze” bekommen, die irgendwie sexuell übergriffig war. Auch sehr modern für die Sechzigerjahre, in denen wir uns da befinden müßen und Asle ist vierzehn oder sechzehn und will auf die Kunstschule. Er hat schon viele Bilder mit Häusern gemalt, die alle Nachbarn haben wollten. Jetzt malt er abstrakt und das gefällt der Mutter und auch den anderen nicht und, um auf die Kunsthochschule zu kommen, muß er vorher aufs Gymnasium. Da mietet er sich in einer Schusterwerkstatt ein, trifft einen Sigve, der Außenseiter ist und der fälscht seine Identifikationskarte, damit er im Hotel und im Gemeinschaftsladen ein Bier bekommt und dazwischen ist Asle wieder in der Stadt, will den anderen im Krankenhaus besuchen, was er aber nicht darf und als er in sein Haus zurückkommt, beschließt er das Malen aufzugeben. Er hatte eine Frau namens Ales, die ist gestorben. Jetzt ist der Stuhl auf dem sie immer saß, leer und kein anderer darf sich darauf setzen, auch der Nachbar nicht.

In die Kunstschule kann man auch ohne Gymnasium aufgenommen werden, wenn man gut genug ist. Das betrifft die beiden Aslen, wo nicht so klar ist, ob das jetzt Doppelgänger oder ein und dieselbe Person ist, Ales aber nicht, die muß das schon fertig machen und für Asle ist das gut. Denn der ist sehr schüchtern, stottert und hat Angst vorm Aufgerufen werden und öffentlichen Lesen. Etwas was mir sehr bekannt ist und ich früher auch mal hatte und, daß ich mit dem Schreiben aufhören will, weil ich ausgeschrieben bin und dann einen Roman in zwei Tagen hinunterschreibe oder konzipiere, ist auch bekannt.

Die beiden Aslen waren auch tüchtige Trinker, haben aber damit aufgehört. Der Ich-Erzähler hat es jedenfalls und jetzt sitzt er in seinem Haus in der norwegischen Kälte, sinniert über das Leben, denkt an seine tote Frau und vor allem findet er Trost in der Religion und im Glauben. So wird öfter das “Vater unser” zitiert und kann wieder feststellen, ich habe ein gutes Buch gelesen, freue mich schon auf den letzten Teil, das wahrscheinlich wieder von Hinrich Schmidt-Henkel übersetzt wurde und der hat auch die “Vögel” und das “Eischloß” zu mir gebracht.

“Der zweite Teil des Opum magnum von Jon Fosse – über das Erwachsenenwerden und die große Liebe, über Kunst, Glauben und den Lauf der Zeit”, steht am Buchrücken.

Was nehme ich mit? Daß die Norweger ein starke ungewöhnliche Sprache haben, mit der man sich öfter beschäftigen sollte und der 1959 geborene Jon Fosse hat auch in Hainburg an der Donau einen Zweitwohnsitz.

Happy green family

Wieder ein “Wagenbach-Quartbuch”, als E-book gelesen und wieder von einer mir bisher unbekannten Autorin nämlich der Amerikanerin Deb Olin Unferth, die für ihre Erzählungen Preise gewonnen hat und in Gefängnissen Schreibkurse gibt.

Ein sehr ungewöhnliches Buch, das wie ich auf der “Wagenbach-Seite” gesehen habe, auch beim nächsten Freed-Festival im Literaturhaus vorgestellt werden wird, in einer sehr frischen Sprache, die sich mit den Umweltschutz in unserer kaputten halb oder ganz verseuchten Welt beschäftigt und das Ungewöhnliche an der Sprache ist, daß es im zeitlichen Kontinuum wild umherspringt. Mal in der Vergangenheit, mal in der Gegenwart, mal in der Zukunft ist, in der das Buch auch zu spielen scheint und in ein etwas dystopisches Gewand gehüllt ist, so gibt es Betriebsprüfer, Ermittler und andere Betriebskontrollorgane, womit die Nachtwächter gemeint sind, die die Welt bevölkern.

Eine der Hauptpersonen ist Janey, der wurde von ihrer Mutter zum fünfzehnten Geburtstag erklärt, daß sie nicht, wie geglaubt, aus einer künstlichen Befruchtung stammt, sondern der Vater irgendwo im gottverdammten wilden Westen in einem heruntergekommenen Haus lebt. Sie schmeißt die Schule und fährt wildentschlossen hin, quartiert sich bei ihm ein und, als sie wieder zurück zu ihrer Mutter will, erährt sie von der Nachbarin, daß die bei einem Autounfall gestorben ist und das Jugendamt hat keine bessere Idee, als sie zu ihrem Vater zurückzuschicken. Der Sozialarbeiter schickt sie in die Schule und als sie die erfolglos abgeschlossen hat, wird sie Betriebsprüferin bei Hühnerfarmen. Der Vater vermittelt ihr das und dort trifft sie die Clevleand, bei der die Mutter Babysitterin war und die klaut einmal ein Huhn von der Straße, womit die Geschichte beginnt, nämlich der Plan die Hühner aus den Farmen zu befreien und in Tierasyle zu bringen. Dazwischen kommen Exkurse über die Massentierhaltungen und warum man die Hühner so billig halten muß und, daß es ohnehin schon viel zu viele Eier gibt.

Der Plan hunderttausende Hühner der green family farm zu befreien und in Gnadenhöfe zu verbringen, die ist deshalb so geeignet, weil Annabelle die Schwester des Besitzers schon lange ausgestiegen und unter die Türschützer gegangen ist. Janey vermittelt die Transporte. Annabelle überwältigt das urlaubsvertretenden Kontrollorgan und die Mission mißlingt, weil einer der Ställe in Flammen aufgeht.

Dann wird es unübersichtlicher. Die Frauen werden verhaftet, die Männer kommen frei und mit Sozialstunden heraus, wo sie dann die Hühnerscheiße wegputzen müßen und Janey hat in einem der Ermittler, wie die Türschützer heißen, ihren Lebenspartner gefunden. Bekommt ein Kind von ihm, das aber stirbt, so kehrt sie in das Haus ihres Vaters zurück, mit dem sie sich eigentlich doch ganz gut versteht und der sich auch um sie kümmert und am Schluß haben die nicht verendeten Hühner in einem halbverseuchten Naturpark ein neues Leben gefunden.

Ein interessantes Buch, das sich auf eine sehr ungewöhnliche Art mit einem brisanten Thema beschäftigt, das ich wirklich nur empfehlen kann. Also geht ins Literaturhaus zum “Fried-Festival”, man kann sich habe ich gesehen, schon einen Platz reservieren, weil in Wien ja die Schutzmaßnahmen auch nach dem Freedomday weitergehen werden.

Die Dharma-Jäger

Am zwölften März 1922 wurde Jack Kerouac, einer der wichtigsten Vertreter der Beat Generation, der mit seinem “On the Road” bekanntgeworden ist, in Massachusetts geboren. Aus diesem Grund hat der Rowohlt-Verlag seine “Dharma-Jäger” neu herausgegeben, was mir Gelegenheit gibt, mich mit ihm oder Beatgeneration, der auch Allen Ginsburg und Wiliam S. Burroughs angehörten zu beschäftigen. Denn die ist an der 1953 geborenen ziemlich vorbeigegangen.

Gut, “Howl” habe ich einmal im Kino gesehen und “On the Road”, beziehungsweise “Unterwegs” einmal gefunden, aber noch nicht gelesen. “Nacked Lunch” wahrscheinlich auch und sonst eher ein bißchen mitgeschwungen, wenn sie bei der “Schule für Dichtung” beispielsweise von der Beat Generation schwärmten.

Jetzt also Die “Dharma-Jäger”, die auf Deutsch auch unter dem Titel “Gammler, Zen und hohe Berge” herausgekommen ist, was den Inhalt eigentlich sehr genau beschreibt, während ich bis zur Lektüre keine Ahnung hatte, was ein Dharma-Jäger ist.

Der 1922 Geborene ist dadurch berühmt geworden, daß er in den Fünfzigerjahren durch Amerika trampte und von Gelegenheitsjob lebte, daß er deshalb berühmt geworden ist, ist eigentlich zu beneiden und das habe ich mir beim Lesen auch gedacht, obwohl er ja von den Cops oft genug geflohen ist, wenn er am Bahndamm oder sonstwo übernachten wollte.

Und so beginnen auch die Dharma-Jäger, nach “Unterwegs” geschrieben in dem es wahrscheinlich um das Gleiche geht, daß der Held Ray Schmidt auf einen Zug springt und von Los Angeles nach San Francisco reist. Das Buch spielt Mitte der Neunzehnhundertfünfzigerjahre und ist wahrscheinlich ziemlich autobiografisch und nach den Straßenerlebnissen, glaube ich, auch in drei Wochen auf der Schreibmaschine hinuntergeschrieben und es behandelt, wie der vorige deutsche Titel besagt, auch drei Themen, wenn man das Trampen ausnimmt, also die Berge, den Buddhismus und dann auch die Parties.

Denn in San Francisco angekommen beginnt sich Ray gleich mit seinem Freund Japhy der Haikus übersetzt oder solche schreibt auf einen Berg namens Matterhorn, den es dort offenbar in der Nähe gibt. Dieses Bergsteigen in den Fünzigerjahren klingt sehr unprofessionell. Sie nehmen Nüssen und Rosinen mit, haben schlechte Schuhe und auch keine oder schlechte Schlafsäcke und begeben sich, wenn es kalt ist, auch ins Auto und dann wieder hinauf.

Matthias Nawrat, der das Nachwort geschrieben hat, bemängelt das Frauenbild der Beatpoeten, kommen diese eher als Sexpuppen vor, die von den Helden mißbraucht werden oder das auch freiwillig tun.

Zu Weihnachten fährt der Held in sein Elternhaus, um dort zu feiern und gerät dort mit seiner Familie in Clinch, die nicht verstehen, daß er statt in seinem Bett zu schlafen, in die Wälder zum Meditieren geht und dort auch noch den Hund des Schwagers frei herumlaufen läßt.

Da sind wir schon beim Thema zwei, nämlich dem Buddhismus und Dharma bedeutet Wahrheit. Die Dharma-Jäger jagen offenbar den Sinn des Lebens nach und versuchen durch Mediation zur inneren Ruhe zu kommen. Das heißt Ray tut das, Japhy sucht sein Heil eher in der Aktivität. So werden auch wilde Parties gefeiert und am Schluß begibt sich Japhy nach Japan in ein Zen-Kloster und Ray nimmt einen Job als Feuerwächter an. Dazwischen gibt es noch eine sehr interessante Szene, wo die Beiden in ein buddhistisches Zentrum zu einem Vortrag aufbrechen wollen, das heißt Japhy will das, während Ray sich eine Flasche Wein besorgt, um sich anzusaufen. So bleibt er draußen und als Japhy wieder kommt erzählt ihm der, daß sich die Mönche im Zentrum mit Sake besoffen haben und beiden waren wieder versöhnt.

Ein interessantes Buch bei dem mir auch die Haikus sehr gefallen haben, die immer wieder zu finden sind. Interessant mich in die Unbefangenheit eines Beatpoeten einzulesen und natürlich wünsche ich dem Meister alles Gute zu seinem hundersten Geburtstag, beziehungsweise seiner Wiederentdeckung, da er schon 1969 in Florida gestorben ist.

Die Übung

Jetzt wieder ein “Wagenbach-Quartbuch”, das ich als E-Book gelesen habe und das, wie ich ebenfalls glaube sehr ungewöhnliche Debut, der 1990 in Mailand geborenen Claudia Petrucci, die Literaturwissenschaft studierte und in Australien lebt.

Ungewöhnlich und vielleicht doch nicht so neu, manchmal an die Psychiatrie der Sechzigerjahre erinnernd, dann wieder an die künstliche Intelligenz, die ja jetzt en vogue ist, dann die Frage ist das jetzt frauenfeinlich oder nicht und am Schluß hat sich die gegen die Manipualiton der Männer vielleicht doch durchgesetzt. Die Olympa aus “Hofmanns Erzählungen” ist mir eingefallen, aber auch die “Frauen von Stepford” und dann geht e wahrscheinlich doch gut aus.

Viele Vorbilder für das Debut einer sehr jungen Autorin, die auch einen sehr ungewöhnlichen Sprachstil hat. Es beginnt mit einem Vorspann und der Erzähler ist Filippo, der Literatur studiert hat. Aber jetzt die immer leere Bar seiner Eltern weiterführt und Giorgia, seine Freundin jobbt in einem Supermarkt. Sie tut das sehr roboterhaft, hat Zwangsstörungen und Halluziationen, klammert sich an Rituale. Das Geld ist knapp. Filippos Mutter ruft an und erzählt von ihren Nöten und dann trifft Giorgia in ihrem Supermarkt ihren Schauspiellehrer Mauro, der ihr wieder eine Rolle anbietet. Giorgia hat vor einigen Jahren bei ihm gespielt, ist dann aber ausgestiegen und zu Filippo gegangen. Jetzt holt er sie zurück. Filippo wohnt den Proben bei und lernt Amelia, Mauros Schwester kennen und der Regisseur und Lehrer ist sehr autoritär und hat auch unkonventionelle Idee, wie vielleicht auch manche Regisseure.

Dann geht der Roman los. Gigorgia ist bei der Premiere zusammengebrochen und in d er Psychiatrie gelandet. Einer Privatklinik, liegt dort schon ein Jahr reglos da und wird mit Medikamenten vollgestopft. Paronoide Schizophrenie ist die Diagnose, aber die wird sowohl vom Chefarzt, als auch von Claudia Petrucci bezeweifelt.

“Paranoide Schizophrenie”, antoworte ich. “Aber der Arzt hat schon wiederholt darauf aufmerksam gemacht, dass diese Diagnose wenig aussagt. Sie dient nur dazu, etwas zu benennen, über das man nicht wirklich etwas weiß.”

Das ist das Altmodische an dem Buch und auch, daß Georgia entmündigt ist, der Vormund ist eine Tante, die sehr wohlhabend ist, währen Fiippo und seine Eltern aus eher ärmlichen Verhältnissen kommen. Sie wohnt in einem vornehmen Teil Mailand mit einer Haushälterin und erzählt Filippo, daß Gigorgias Eltern nicht, wie sie ihm erzählte bei einem Unfall verstarben, sonder die Mutter Suzid begangen hat, als Giogia fünf war. Die Tante zahlt die Privatklinik und in der taucht nun Mauro auf und liest Gigorga ununderbrochen aus Schakespeares “Was ihr wollt” vor. Die erwacht dann und rezitiert die Rolle der Hauptperson, was Mauro auf die Idee bringt mit Flippo ein Skript zu schreiben, um sie wieder ins Leben zu holen. Der Chefarzt ist einverstanden und spricht von Pychodrama und nach dem Skript von Mauro reagiert Gigoria sehr unterwürfig und hat keine eigene Meinung. Weiß nicht, was ihr gefällt und sie anziehen soll putzt bei dem Besuch bei Filippos Eltern, die ganze Zeit manisch herum, weil sie liebenswürdig sein will.

Das Skript wird umgeschrieben. Filipo tut das, auf Mauros Veranlassung. Giorgia wird entlassen und reagiert nun aber erstaunlich selbstbewußt, was Filippo, der ja das Skript geschrieben hat, auch nicht recht ist. Sie will wieder Theaterspielen statt in den Supermarkt, läßt ihre Entmündigung aufheben und will, daß Filippo auch etwas anderes macht, als in der Bar zu jobben und immt auch Amelia, Mauros Schwester ihre Rolle weg, weil sie glaubt, sie besser spielen zu können.

Das ist Filippo auch nicht recht. So wird das Skript wieder umgeschrieben und Giorgia soll in den Supermarkt zurück. Dann tritt <mauro als Retter auf und bringt sie ans Theater zurück und Filippo, der als Figur eher blaß bleibt, scheint sich mit Amelia zu verbinden.

Wirklich interessant könnte ich diesmal schreiben. Eine erstaunliche Interpretation eines altbekannten Themas neu geschrieben, wobei mir nicht so klar war, wie weit sich nun Giorgia wirklich emanzipiert oder weiter den Launen der Männer, die mit ihr spielen, widerspruchslos ausgesetzt ist. Nicht ganz leicht zu lesen, aber empfehlenswert sich in das Debüt von Claudia Petrucchi einzlassen, das, glaube ich, auch auf Englisch und Französisch erschienen ist, einzulassen.

Und interessant ist auch, daß die Umprogrammierung oder wieder ins Leben zurückrufen der Figur der Giorgia als “Übung” bezeichnet wird. Und die Verbinung der psychischen Krankheit zum Theater ist auch sehr spannend.

Interessant ist auch das Buch mit Martina Cavaldetschers “Erfindung des Ungehorsams” zu vergleichen.