Alles nicht dein Eigen

Jetzt wird das Hemon-Buch umgedreht und nach den Bericht über die “Eltern” kommt es zu der “rauschhafteren, rauheren und nicht unkonventionellere Seite der Nedaille”, wie im Beschreibungstext steht.

“Vignetten über den jungen Hemon, seine Wildheit seine Wut. Siefügen Hemons Protagonisten Aleksandar eine bis dato unerwartete Facette hinzu, die des jungen, energiegeladenen (und eben oft wütenden Sohnes, der nicht verstehen kann, was verdammt nochmal so schwer sein soll, irgendwo anzukommen.”

Die Vignetten sind kleine Szenen, wo Aleksandar Hemon von seiner Kindheit erzählt,wo er mit seiner Schwester beispielsweise im Müll des Skihotels herumwühlte und mit ihr das ausgetauschte Geschirr zertrümmert. Viele der Phantasien und Erinnerungen scheinen sehr gewaltsam und sind vielleicht psychoanalytisch zu deuten oder Hemon deutet solches an, wenn er von der Frau mit dem herausgenommenen Zähnen erzählt,die ihn erschreckte oder die Geschichte von der Schlange, die im Lauch verborgen, sich vom Milchgeruch angezogen zum Baby schleppte und dann in seinem Mund verschwand, so daß der kleine Aleksandar immer aufpasste, daß sich eine solche nicht zu seiner Schwester begab.

Eine Geschichte handelt von den Tonaufnahmen, wo der kleine Aleksandar gefragt wurde, wie das Hündchen sagt “Das Hündchen sagt wau!”, antwortete der immer, auch wenn er nach der Kuh etcetera, gefragt wurde.

Er erzählt, wie er ein Polizeiauto zum Spielen in den Park mitnahm, das dann von seinem Freund kaputt gemacht wurde, die Mutter, die danach fragt, schickte ihn in den Park zurück, um danach zu suchen, erwußte aber, daß er es nicht mehr finden würde.

Das Wilde drückt sich darin aus, daß er im Badezimmer der Eltern mit Handchrems und Shampoos chemische Experimente anstellte,aber auch Fliegen tötete. Die Eltern bestanden darauf ihn in ein Winterlager in eine Shihütte zu schicken. Dort wurde er zum Außenseiter, von den anderen gemobbt, die ihn “Fliegenfänger” nannten und ihm einen Eiszapfen ins Bett steckten, als er sich darauf bei den Betreuern beschwerte, wurde er vvon ihnen “Petze” genannt. Er vertraute sich einer Silvija an, der er eine Geschiche von einem Selbstmörder erzhlte, wo er gesehen haben wollte, wie sich dessen Gehrin nach dem Fenstersturz auf der Straße verspritzte.

Die ersten Gedichte wurden auch geschrieben und in der Schule war eine Zeitlang in der “Liga der jungen LInguisten”, wurde von Wettbewerb zu Wettbewerb geschickt, wo er den Anschluß zu den anderen womöglich noch einmal versäumte.

Das erste Gedicht hat er übrigens auf Klopapier geschrieben. Er saß dort lange und die Mutter rief “Immer noch darin! Das dauert doch eine Ewigkeit!”

Zum Buchtitel kam es, weil er von einem Nachbarn vermöbelt wurde, weil er gegen eine Kellertür hämmerte “Das ist nicht dein Eigen!”, rief der und verasste ihm Kopfnüße.

Hemon berichtet über die erste sexuelle Aufklärung, die er durch einen Freund erfuhr, berichtete über die erste Liebe zu einer Suzanna und davon,wie er als er eine Rötung auf seinem Penis bemerkte durch das Aufklärungsbuch seine Mutter in der Angst lebte Syphilis zu haben, obwohl er noch keinen Geschlechtsverkehr hatte.

Den ersten Zungenkuß zerredet er, später als er beim Linguisten-Wettbewerb einen Ferienaufeinhalt gewonnen hat, wird er vom Heimleiter mit einem Mädchen im Zimmer erwischt und so weiter und so fort geht es mit den bosnischen Kindheitserinnerungen und den Verhaltensauffälligkeiten, die es in der Pubertät auch außerhalb wohl gibt und die im Vorwort als Wildheit bezeichnet wird. Er klaut, geht ins Arena-Kino, das es schon längst nicht mehr gibt, wird von den stärkeren Kameraden gemobbt, bis ihm der Vater rät zurückzuschlagen.

In der Buchmitte, dort wo sich die beiden Bücher kreuzen, gibt es einen Bildteil mit schwarzweißen Familienfotos, wo man die Skihütte und die Familie am Strand bewundern kann und interessant ist auch, die Bücher wurden von Hennig Ahrens übersetzt und der steht ja mit seiner “Mitgift” auf der LL, ich habe das Buch gestern auch in Print und als E- pub bekommen.

Meine Eltern

Jetzt kommt ein Doppelpack, nämlich ein Buch aus dem “Claasen-Verlag”, das man von vorne und von hinten lesen kann. Also zwei Bücher in einem, beide von dem 1964 in Sarajewo geborenen Aleksandar Hemon,der seit 1992 in den Vereinigen Staaten lebt und dort offenbar ein bekannter Autor ist. Jetzt hat er im Doppelpack vorne von seinen “Eltern” und hinten von seinen Bosnien-Erfahrungen geschrieben.

Interessant einen mir bisher vollkommen unbekannten Autor kennenzulernen, der über einen humorvollen, leicht ironischen Stil verfügt. So beginnt er jedenfalls in Buch eins, also das, das ich als Erstes gelesen habe, über seine Eltern, die Mutter Andja, 1937 geboren ,sowie den 1936 geborenen Vater Petar geschrieben, beiden haben sich in Belgrad während ihres Studiums kennengelernt. Haben sich für Musik und Filme interessiert. Sind also ins Kino und tanzen gegangen. Haben sich dann in Sarajewo angesiedelt und dort zuerst den Sohn Aleksandar, später die Schwester Kristina geboren.

Der Vater hat als Ingenieur viel im Ausland gearbeitet und als der Krieg ausbrach, ist die Shwester mit ihrem Freund nach Beglgrad gegangen, Aleksandar ist in den USA geblieben und die Elternemigrierten 1993 nach Kanada.

Das zweite Kapitel ist dem”Heimatland” Jugoslawien gewidmet, was für die Mutter, die Jugend bedeutete, wo sie in einer Jugendbrigade an der “Autobahn der Brüderlichkeit” baute und dazu Tito-Lieder sang. Als der 1980 starb, fiel das ganze Land in Agonie, während der Vater, dessen Familie aus der Ukraine stammte, an der Stadt Vucijak hing,wo er den größten Teil seines Lebens in Bosnien verbrachte.

Dem Wort “katastrofa” wird ein Kapitel gewidmet, das fürdie kriegsbedingt traumatiserten Eltern eine große Bedeutung hat. Die Eltern sind sehr tierliebend. Der Vater ist Imker, der seine ganze Freizeit mit den Bienen verbringt. Der Ingenieur arbeitet in Kanada als Hausmeister und Fabriksarbeiter und hat mit den Waschbären zu kämpfen. Schwierigkeiten hat er mit dem kanadischen Wohlstand, wo Waschmaschinen und andere Sachen einfach auf den Straßenrand gestellt werden. Der Vater sammelt sie auf und hat inzwischen einen Schuppen, wo er sich mit Reparaturen beschäftigt, während die Mutter mit ihren Tieren, den Hunden, Wellensittiche und Eichhörchen spricht.

Es gibt ein Kapitel über das Essen, wo wieder die Sparsamkeit und das nicht Wegwerfen können, sowie die Essenszeiten ein Thema ist. Eines über die Musik. Die väterliche Familie hat viel gesungen und die Eltern haben dem kleinen Buben auf sehr unterschiedliche Art und Weise Geschichten erzählt, was in dem Kapitel “Literatur” thematisiert wird. Daß die Eltern in Belgrad geheiratet haben, hat man schon im ersten Kapitel erfahren. Später erfährt man, daß die Mutter unter der damals üblichen Haushaltsteilung, die Frau ist im Haus bei den <kindern, der Vater reist in der Welt herum, sehr gelitten hat und das letzte Kapitel ist dem Sterben und dem Tod gewidmet. Da wollten sich die Eltern vor Jahren ein Grab kaufen und haben den Sohn um finanzielle Unterstürzung gebeten. Er hat entsetzt abglehnt. Die eltern haben es trotzdem gekauft und am Schluß schreibt Aleksandar Hemon, daß er in dem Buch eine mögliche Trennung von den Eltern verarbeit, bzw.vorweg genommen hat:

“Wo soll ich jemals wieder solche Eltern finden?”, lautet der letzte Satz.

Simonelli

Jetzt kommt eine Art Krimi oder ein Roman über Lug und Trug, beziehungsweise Täuschung. Das zweite Buch des 1986 geborenen Denis Pfabe dessen Debut “Der Tag endet mit dem Licht”, ich gelesen habe.

“Denis Pfabe kann Spannung erzeugen. Seine Sprache ist Wucht…Ein ungewöhnlich spannendes, gut geschriebenes und klug erdachtes Buch”,hat SWR2 über das Debut geschrieben.

Das könnte man auch über das neue Buch feststellen. Gut ausgedacht, ein bißchen verwirrend und was ich interessant fand, spult sich der Handlungsfaden auch manchmalzurück.

Da ist also Jonathan Simonelli, der einen ungewöhnlichen Beruf hat, er ist Reqisitenbauer und sammelt auch Waffen aus dem zweiten Weltkrieg. So ist er in den Besitz einer Pistole gekommen, die einmal einem japanischen General gehörte, die will er nun verscherbeln.

Es beginnt, das ist auch interessant mit dem Tod seiner Katze, die begräbt er und bricht dann nach England, die Waffe im Gepäck nach England auf, um dort den Anker der Titanic nachzubauen. Er will auch seine Tochter treffen und scheint in seinem Leben überhaut ein Versager zu sein oder nicht viel durchgehalten zu haben und trinkt auch ziemlich viel.

Während er sich also an den Anker macht und eine Edith kennenlernt, wird in Japan ein Herr Shige Yakomoto, der Verwalter in einem dubiosen Waffenmuseum ist, angeheuert, den Wert der Pistole, abzuschätzen. So bricht er nach England auf, wird dort lang in einem Hotelzimmer gefangengehalten, während es noch einen zweiten Interessenten für die Waffe gibt.

So geht es auf zweihundertsiebzig Seiten hin und her, Leute werden erschossen und ein Requisitenbauer kann natürlich seinen Deal mit der Waffe machen. Kann sie nachmachen und fälschen, so daß es manchmal gar nicht so leicht ist diesem Verwirrspiel zu folgen.

Ich komme aber nicht umhin festzustellen, daß sich Denis Pfabe ein ungewöhnliches, noch nicht so sehr abgelutschtes Thema ausgesucht hat, das er auch auf eine eher ungewöhliche Art und Weise zu erzählen weiß, obwohl ein Roman über eine japanische Waffe, die den zweiten Weltkrieg überlebt und der nun alle nachjagen,vielleicht nicht unbedingt das ist, was meinem Lesemuster entspricht.

Alphabet

Jetzt kommt ein weiteres Wagenbach-Quartbuch und das zweite,das ich von der 1958 geborenen britisch kanadischen Autorin Kathy Page gelesen hat und ich muß sagen, es ist interessant Einblick in das Leben eines englischen Gefängnisinsaßen zu bekommen, der dort wegen Mords an seiner Freundin Amanada dreizehn Jahre verbrachte. Kathy Page schildert am Endedes Buchs, daß sie in den Neunzigerjahren ein Jahr lang Writer in Residence in einem Staatsgefängnis war, dort Notizen machte. Das Manuskript einige Jahre liegen ließ und es erst bei ihrem Umzug nach Kanada in die Hand bekam und es weiterschrieb. 2004 hat es in England einen Preis bekommen und ich, die ich zu Beginn meines Schreibens wohl ähnliche Ideen hatte und ja, als ich mich entschloß Psychologie zu studieren auch die Absicht hatte, später in einem Gefängnis zu arbeiten, fand es sehr interessant. Wenn es mir auch nicht ganz leichtfiel in das Buch hineinzukommen und ich manches was ich da gelesen habe, sehr ungewöhnlich fand und ich mir eigentlich nur schwer vorstellen kann, daß die Verhaltenstherapie, die da geschildertwird, wirklich in einem Gesfängnis bei Mördernund Sexualstraftätern so passiert. Wenn schon, würde ich es als sehr provokantund auch nicht sehrproduktiv finden.

Kathy Page Stil ist aber auch sehr schroff, hart und provokativ. Gut, so geht es in einem Männergefängnis wahrscheinlich zu. Daß, die insaßen dort aberwirklich zu Alphabeten werden und dann Sozialgeschichte studieren ist vielleicht nicht ganz realistisch oder doch natürlich. Jack Unterweger hat sich dort zum Schriftsteller entwickelt und und dann, nach seiner Entlassung, einige Frauen ermordet, also ist es vielleicht doch ganz realisitsich.

Da ist also Sinom Austen, der ist ein Heimkind und hat verschiedene Pflegefamilien durchlaufen. Das wird nur eher kurz angedeutet. Dann hat er, als er, glaube ich, achtundzwanzig Jahre war, seine Freundin Amanda ermordet, weil sie sich weigerte, ihre Kontaktlinsen herauszunehmen, weil sie sich so schöner als mit Brille fand.

Ob das wirklich ein realistisches Motiv ist, kann ich nicht beurteilen. Mir scheint es eher unglaubwürdig. Er kommt dann ins Gefängnis, wird dort alphabetisiert. Das wird auch nur eher kurz geschildert. Simon kann dann aber schreiben und fängt verschiedene verbotene Briefwechsel zu Frauen an. Er hat im Gefängnis auch Therapie und verliebt sich da in seine Psycholoin Bernadette, vielleicht war sie, wie ich spätergelesen habe, auch Sozialarbeiterin. Sie vermittelt ihn jedenfalls in ein besonderes Therapieprogramm und da geht es hart her. Es gibt Einwegspiegel, wo die Psychiater, die zu Therapierenden beobachten. Die müßen über ihre Sexualität Auskunft geben, sagen, ob sie sexuelle Beziehungenzu Ttieren haben, was diese, als sehr hart empfinden.

Ein großer Teil des Buches ist den Gruppentherapiesitzungen, wo Simon den Mord und seine Gefühle dabei, nachspielen muß, gewidmet. Etwas was ich,als zu provozierend und als eher gefährlich betrachten würde. Es gibt auch immer wieder Beziehungen zum Gefängnispüersonal, das sich zum Simon kümmert, was mich auch eher erstaunt hat,weil mir die Grenzen danicht immer klar waren.

Am Schluß gerät Simon in eine Schlägerei, kommt in den Krankentrakt und da mit Vic in ein Zimmer,der sich gerade in Charlotte verwandelt.

Kathy Page schreibt also wahrscheinlich bewußt über sehr provokante Themen. Das mit der Therapie kann ich mir noch irgendwie vorstellen, obwohl ich sie so nicht machen würde. Aber ich habe nie als Psychologin oder Therapeutin in einem Gefängnis gearbeitet. Das mit der Umwandlung zur Frau in einem Gefängnis unter Margaret Thatcher eher nicht. Es wirden aber auch die Beziehungen Simons zu dieser Charlotte geschildert und am schluß meldet sich noch Amandas Mutter, die mit Simon über ihre Tochter sprechen will und der hat darüber achzudenken, wie er nach dieser Erfahrung und dreizehn Jahren Gefängnisaufenthalt damit weiterleben kann?

Das war wohl, wie sie im Nachwort schreibt, Kathy Pages Motivation diesen Roman zu schreiben, wo ich auch nicht glaube, daß es wirklich ein solcher ist. Es gibt eher einblick in den Theapieanlltag, obwohl ich nicht sicher bin, ob es in österreichischen Gefängnissen, jetzt überhaupt, so zu geht.

In den Neunzigerjahren war ich in einer Supervisionsgruppe mit einem Istvav zusammen, den ich während meiner GT-Ausbildung kennengelernt habe, der, glaube ich, stellvertretnder Leiter vom Mittersteig war. Der hat ein bißchen Einblick in seine Arbeit gegeben, ob man dort so provokant therapierte, weiß ich nicht.

Für den Leser ist es wahrscheinlich interessant, solch Provozokantes lesen, unterstelle ich Kathy P(age und den Verlagen einmal, daß sie so gedacht haben und erwähnt wieder die Andekdote, wo mir Jeannie Ebner, die ja beim Mittersteig wohnte, einmal in der “Gesellschaft für Literatur” erzählte, daß sie sich vor den Insaßen dort fürchtete und sich daher immer vom Taxifahrer zu ihrer Haustür begleiten läßt.

Birgit Birnbacher merke ich auch noch an, hat mit “Ich an meiner Seite” ein ähnliches Thema ganz anders beschrieben.

Der kühnste Plan seit Menschengedenken

Jetzt kommt ein E-Book, denn”Wagenbach” ist so nett mir seine Quartbücher digital zuzuschicken und so habe ich den 1967 geborenen Sachbuchautor Matthias Lohre kennengelernt, der das Wagnis übernommen hat, das Leben des 1895 bis 1952 gelebt habenden Architekt Herman Sörgel romanhaft aufzuarbeiten, denn den hat ein Monsterprojekt sein Leben lang begleitet, wollte er doch Afrika mit Europa durch einen Kanal verbinden und damit den Menschen Frieden, Wohlstand,Freiheit, etcetera zu bringen.

Das ist natürlich gescheitert und da waren erstens wohl die sozialen Umstände schuld daran, denn Sörgel durchlebte ja die Nazizeit und hatte eine jüdische Frau, die er schützen mußte, so daß sein Plan mit allerlei Schwierigkeiten und Verrenkungen verbunden war. Was daran Wahrheit oder Erfindung ist, weiß ich nicht, denn ich hatte den Namen Herman Sörgel noch nie gehört, beziehe mich also auf das, was im Roman beziehungsweise bei “Wikipedia”steht.

Im Letzteren steht nicht sehr viel außer ein paar nüchterne Fakten. Der Roman ist sehr dick. Fünfhundert print, neunhundert E- bookseiten und scheint auch sehr genau aufgebarbeit. Er ist in, glaube ich, sechs Teile gegliedert. Den einzelnen Kapiteln sind immer Zitate aus Romanen, Zitaten aus Sörgels Schriften und auch Gedichte, die von Irene Sörgel stammen, vorangestellt. Ob die wirklich gedichtet hat, weiß ich nicht und auch nichts über die Beziehung der Beiden.

Im Beschreibungstext steht etwas von Lügen und Mißverständnissen, die die Beiden ihr Leben lang begleiteten. Sie haben sich, glaube ich, auf der Überfahrt nach New York 1925 kennengelernt. Sörgel hat damals für eine Bauhhauszeitung gearbeitet.Da wurde er jentlassen. Dann hater sich bei einer anderern Firma beworben, um sein Gibraltarprojekt zu verwirklichen. Da scheitete die Anstellung aber an einem Mißverständnis. War da doch von einem berühmten Bürger des Ortes die Rede. Sörgel dachte an Franz Marc, der andere an Adolf Hitler undaußerdem hätte er der NDSAP beitreten müssen.

Da sieht man schon, worauf es Lohre angelegt hat. Denn später, als die Nazis an die Macht kamen, haben sie sich für das Projekt interessiert, was Sörgel, um seine Frau zu schützen zu einigen Verrenkungen veranlaßte. Sie wollte nach Amerika. Die Ausreise scheiterte. Schließlich erlebten sie das Kriegsende in einer Kellerwohnung. Sörgel gebrochen und krank will trotzdem an seinem Projekt weiterarbeiten und eine NS-Eliteschule zu einer Forschungsstelle umbauen. Die Frau nach Amerika. Sörgel hat aber das Visum verfallen lassen. So wird die Ehe geschieden. Irene Sörgel will mit einem Offizier nach Amerika. Sörgel arbeitet weiter. Hält Vorträge und fährt zu einemsolchen 1952 mit dem Rad dorthin. Da hat er einen Unfall. Wird was nie geklärt wurde, von einem Auto angefahren und ob Irene Sörgel wirklich in Amerika angekommen ist oder in Zürich beim Spazierengehen gesehen wurde, wird auch nurangedeutet.

John Knittel kommt in dem Buch auch vor. Mit dem war Sörgel befreundet und es ist sicher eine sehr interessante Geschichte, die Mathias Lohre da romanhaft aufgebarbeitet hat. Denn sonst hätte ich von Herman Sörgel und seinen Plänen wohl nie etwas erfahren.

Nastjas Tränen

Von der 1945 als Kind sowetischer Zwangsarbeiter in Bayern geborenen Natasch Wodin, habe ich mir einmal ein Buch aus einer Averkaufskiste gezogen und es, was ich inzwischen nicht mehr tue, abgebrochen. Dann habe ich sie in der “Alten Schmiede” gehört,wo sie, glaube ich, ein Buch überSexplattformen vorstellte und als sie den “Leipziger-Buchpreis” mit “Sie kam aus Mariupol” das wohl ihrer Mutter gewidmet ist, gewonnen hat, wurde ihr Herkunftsschicksal thematisiert.

Jetzt hat sie wie, einmal Ruth Aspöck, über die Kassiererin der Kantine, wo sie immer essen geht, das Schicksal ihrer Putzfrau beschrieben und das finde ich interessant, denn zuerst denkt man, was soll das, wenn sie da die Fettnäpfchen und die Widersürpchlichkeiten diese Nastja schildert?

Dann erkennt man den schwarzen Humor, wie das Schicksal,der in den Vierzigerjahren in der Ukraine Aufgewachsenen beschreibt. Die Nastja ist sehr begabt interessiert sich für das Lesen, studiert dann und lernt im Studentenheim ihrenMann roman kennen, der Medizin studiert. Sie wird leitende Ingenieurin, bekommt nach der Wende aber so wenig Geld, daß sie davon nicht leben und auch ihren Enkel Slawa nicht ernähren kann. Die Ehe mit Roman wirdgeschieden, die Tochter ist nach Holland abgehauen und so verschafft sich Nastja ein Touristenvisum und kommt nach Berlin. Dort putzt sie und putzt, um das Geld nach Hause zu schicken. Für den Bürgen, der ihr das Visum besorgte, muß sie auch putzen. SeineFrau demütigt sie und dann läßt sie sich auf einen Deal mit einem Ukrainer ein, der ihr einen gefälschten Paß besorgt, mit dem sie um Sozialunterstützung ansuchen kann, die er sich dann überweisen läßt, so daß sie ungestört in Berlin bleiben kann.

Man wundert sich über die Naivität dieser Topingenieurin, die das mit sich geschehen läßt. Später fliegt der Betrüger auf. Sie muß in die Ukraine zurück und Natascha Wodin rät ihr zu heiraten, um in Deutschland bleiben zu können. Damit kommt sie erst recht vom Regen in die Traufe. Der Achim, der sich meldet, beutet sie dann die nächsten Jahre aus. Nastja ist wehrlos und schuftet undschuftet. Derstirbt dann an Krebs, hat einen “Zwilling” in sich, der ihn offenbarauch ausbeutet.

An der Stelle habe ich Nadatscha Wodins Humor erst erkannt. Vorher habe ich gedacht, wenn ich so schreiben würde, käme wieder der Einwand, daß ich so den Betroffenen nur schaden würde, denn gut gemeint ist nicht gut genug.

Achim stirbt und hinterläßt Nastja einen Haufen Schulden.Jetzt läßt sie sich beraten und erfährt, daß sie das Erbe auch verweigern kann. Dann muß sie aber aus dem “Hühnerhaus” ausziehen, in dem sie mit Achim wohnte, weil er sie auch noch zu einer Hausmeisterstelle gezwungen hat. Sie verläßt das Häuschen und den Haufen Sexhefte, die er ihr oder der Bank inzwischen auch hinterlassen hat und Nastja bekommt heraus, ihr Mann war sexbesessen. Sie hat er aber diesbezüglich in Ruhe gelassen und so rufen immer wieder Frauen an, die nach ihm fragen, denen gibt sie dann die Nummer des Bestattungsinstituts.

So weit zum Humor um das Leben der Zugewanderten verständlicher zu machen. Nastja zieht dann in Natascha Wodins großer Wohnung. Das geht aber auch nicht gut. Das habe ich auch schon erlebt, als ich meine Gastarbeiternachbarin in der Otto Bauer Gasse beispielsweise zu meinen Festen eingeladen habe, daß die das dann nicht annehmen wollte. So schmeckt Nastja Natascha Wodins deutsches Essen nicht und wenn die sich Freunde einlädt, geht Nastja aus der Wohnung, was dann wieder Natascha Wodin vertreibt.

So geht es dahin. Am Ende erfährt man die Tochter liegt in Holland im Krankenhaus und Nastja beschließt in die Ukraine zu ihrer Familie zurückgzugehen, was wie Natascha Wodin witzig schreibt, auch nicht so einfach ist. Denn sie ist inzwischen deutsche Staatsbürgerin geworden. Muß also jetzt für die Ukraine ein Visum beantragen und bekommt eine befristete Auenthaltserlaubnis und wenn sie ihren Mann Roman, wozu er bereit ist, wieder heiratet, verliert sie die Staatsbürgerschaft und damit ihre Witwenrente und kann die ukrainischee Familie nicht mehr ernähren, etcetera….

Ein interessantes Buch und gar nicht so eindimensional, wie ich am Anfang dachte. Ich bin gespannt, was die Rezensenten dazu sagen und ob es auf die deutsche Buchpreisliste kommt?

Bruder aller Bilder

Daß der 1953 in Augsburg geborene Georg Klein ein schwieriger Autor ist, habe ich, glaube ich schon seit seinem “Bachmann-Preisgewinn” gewußt. Ich habe ihn für experimentell gehalten, “Barbar “Rosa” und “Sünde Güte Blitz”, gelesen und ihn, als ich das letzte Mal in Leipzig war, gesehen, während ich beim”Rowohlt-Stand”auf Herrn Grimm wartete. 2010 hat er auch den”Preis der Leipziger-Buchmesse” bekommen und jetzt wird er vielleicht demnächst mi tseinem neuen Buch auf der neuen deutschen Buchpreisliste stehen? Ich würde es ihm wünschen und schreibe es gleich. Experimentell ist er nicht. Das trifft wohl eher auf Michael Lenz, ebenfalls “Bachmnn-Preisgewinner” zu, aber leicht zu lesen auch nicht.

“Es gibt nur wenige Schriftsteller, die mit einer ähnichen Kunstfertigkeit Verweisnetzte zwischen dem realen und dem Imaginären aufpannen können, ohne dabei berechenbar zu werden. Auch halluzinogene Posa will gekonnt sein”, hat Philipp Theison am Klappenstext geschrieben und am Buchrücken steht noch “Buder aller Bilder führt uns dorthin, wo Vergangenheit und Zukunft, Diesseits und Jenseits sich verflechten: in das Zwischenreich von Medialität und belebter Natur.”, sowie “Georg Klein ist einer der wenigen grossen Sprachkünstler der deutschen Gegenwart”, das hat Thomas Steinveld von der “Süddeutschen Zeitung” geschrieben.

Am Klappentext vorne stehen Zitate statt einer Beschreibung und bei “Amazon” und hinten habe ich gefunden, daß Moni Gottlieb vom Sportreporter Addi Schmuck aller redaktionellen Pflichten freigestellt wird, ihr Smartphone zurücklassen muß und vonihm zu verborgenen Orte geführt wird,die von seinem Freund,dem”Auskenner” bevölkert wird.

Real geht es dann um, etwas anders, was man aber wahrscheinlich erst später rmerkt ,denn richtig, leicht zu lesen ist der Roman nicht und er folgt auch nicht den üblichen Spannungsschema und hat keine wirklich nachvollziehbare Handlung, aber die gibt es bei mir wahrscheinlich auch nicht und da sprechen ja auch Protagonisten mit ihren toten Frauen,die vom Himmel herabschauen und Ätztes geben.

Da ist also MoGo,die bei der “Allgemeinen” arbeitet,sie heißt Moni Gottlieb oder eigentlich Monique und soll dem Spportreporter folgen, aber eigentlich ist ihre Mutter gerade gestorben. Sie hat deren Wohnung ausgeräumt, ist dabei auf ihre alte Uhr gestoßen, die sie aufzuiehen will, aber weil sie ihr Smartphone verlegte und auch sonst keine Uhr in ihrer Wohnung hat, muß sie beim Nachbarn klingeln, einem Doktor Feinmiller, den sie für einen Metreologen oder Physiotherapeuten hält und betrinkt sich mit ihm.

Der Addi Schmuck führt sie dann in ein altes Stadion, wo sein schon erwähnterFreund der”Auskenner”lebt und die Katze, der Mutter, die sie Monique nennen, müßen sie auch versorgen oder bei ihm unterbringen.

Die Kapitel tragen alle Namen,wie “Ulme”,Zwetschge”, Birke”. Zuerst fragt man sich,was das soll? Später kommt man drauf, das Wort wird irgendwo im Text erwähnt. So gibt es beim “Auskenner” beispielsweise Zwetwchkenkuchen”und Monis Vater, bekommen wir heraus, war Bäcker. Der Sportreporter fährt zu einer Konditorei um nochmals Kuchen zu holen und kommt nicht mehr zurück und die tote Mutter beginnt dann sich aus oder vor dem Fernsher in das Geschehen einzumischen. Vorher hat auch schon etwas Surreales stattgefunden. So hat MoGo beispielsweise ihren Nachbarn durch die Wand duschen gesehen. Daß sie ihr Smartphone im Eiskasten findet ist vielleicht ein bißchen weniger surreal. Machen das ja manchmal die Dementen, wie ich schon bei Robert Menasse gelesen habe. Aber dann übernimmt die tote Mutter das Geschehen und schaltet sich vor oder aus dem Fernseher ein, was ein bißchen die Frage beantwortet, die ich mir bis fast zum Schluß stellte, wieso das Buch so heißt?

Wo ist der Bruder und wo die Bilder?, könnte man fragen. Gut, die Kapitelüberschriften lassen vielleicht darauf schließen. Aber der Bruder bleibt noch immer offen. Das habe ich wieder nicht verstanden, liebe Kritiker, das andere vielleicht schon. Den am Schluß heißt es ja:

“Wir beugen uns zusammen über den Fernsehapparat. Jetzt sehe ich, dahinter, in seinem bildröhrnwarmen Schatten, steht noch ein alter, in allen Abspielehren verstaubter Videorecorder. Klick, klick: tonschluss und aller Bilder Ende. Schon hat mein lieber Freund beide Geräte – für uns, für dich, für deine Mama und vorerst für immer – vom Strom genoommen.”

Da sind wir schon bei dem, was man bei Georg Klein besonders rühmen könnte. Seine Sprache, seine Wortschöpfungen, die ich mir immer wieder angestrichen habe, die, glaube ich, wirklich einzigartig ist. Neu wahrscheinlich nicht, wenn man die anderen Bücher gelesen hat. Für mich war es das, diese Vermischung von ganz banalen Sätzen zu immer wieder Neuschöpfungen,die aber eigentlich auch klarund einfach und nicht,wie oft bei anderen Büchern künstlich aufgezwirbelt klingen.

Mama

Jetzt kommt eine Neuerscheinung und ein Debut der 1988 in St. Pölten geborenenen Jessica Lind, also mal sehen auf welchen Preislisten sie stehen wird. Auf der Longlist des Bloggerdebuts steht sie schon und es ist oder soll sein eine “Parabel über die Urgewalt der Mutterschaft”. Das scheint jetzt modern zu sein, so habe ich vor kurzem “Muttermilch” von Melissa Broder gelesen, das mir sehr gut gefallen hat und die Doris hat mir als sie am Sonntag bei uns war, auch von einer Gedichtesammlung erzählt, bei der Sandra Gugic, Gertraud Klemm, etcetera über ihre “ungeheuren Muttererfahrungen” schreiben.

Eigentlich weiß ich gar nicht so genau was die “Urgewalt der Mutterschaft” ist, obwohl ich ja eine solche und auch schon Großmutter bin. Das Buch wird jedenfalls im beigelegten kleinen Katalog als “unheimlich” bezeichnet und das ist es auch. Eine Mischung zwischen Elfriede Kern und Elisiabeth Klar könnte man sagen. Später wird man dann auch an die “Wand” erinnert und Märchen spielen auch eine Rolle. Also etwas Geheimnisvolles, Mystischen. Die lebensnahe Psychologin könnte vielleicht auch eine postnatale Pyschose vermuten, aber sehr surreal erzählt.

Da ist also ein Paar. Josef und Amira und die fahren in eine Art Hexenhäuschen auf eine Lichtung. Josef hat dort seine Kindheit verbracht. Sein Vater ist dort auch verschwunden. Vorher hat er aber ein Märchenbuch für seinen Sohn geschrieben, das auch in dem Haus zu finden ist.

Das in vier Teilen gegliederte Buch, wo jeder Teil aus unterschiedlich langen Skizzenteilen besteht, beginnt schon sehr geheimnisvoll mit einem Reh das die Anfahrt behindert und Spannungen zwischen Josef und Amira scheint es auch zu geben. Sie will unbedingt ein Kind. Läßt sich daher ihren Eisprung von einer App berechnen. Das ist eigentlich das Moderne an dem Buch, das mit seinem eher märchenhaften Stil sonst dem neunzehnten Jahrhundert anzugehören scheint. Die Zeugung der kleinen Luise erfolgt dann auf der schon erwähnten Lichtung.

Amira hat merkwürdige Begegnungen und Träume, die miteinander in einer surreale Wirklchkeit zu verschwimmen scheinen. Da gibt es eine Hündin, die sehr bedrohlich scheint. Einen Mann, der sich später vielleicht als Josefs Vater entpuppt. Am Dachboden liegen nicht nur Märchenbücher, sondern auch Gewehre und im dritten Teil kehren die Beiden mit der kleinen Luise wieder in das Hexenhäuschen zurück, um dort den dritten Geburtstag des Kindes zu feiern. Die Spannungen zwischen dem Paar haben sich verstärkt. Josef beschuldigt Amira auf Luise nicht genug aufzupassen, geht dann mit ihr allein im Wald spazieren. Sie sammeln Pilze und Amira will unbedingt nach Wien, in die Stadt zurück. Josef verspricht ihr das erst am Morgen zu tun. Sie starten auch los. Er findet den Weg aber nicht, so sagt sie er soll ihn zuerst allein suchen. Sie und das Kind bleiben zurück. Er kommt nicht wieder uns sie findet dann, wie bei Marlen Haushofer nicht mehr aus dem Wald hinaus. Hat aber auch keine Nahrungsmittel, um sich und das Kind zu ernähren. Trotzdem leben sie noch eine Weile dahin, bis es am Schluß wieder Rehe gibt und “Amira gleich den Wald verlassen wird” und ich ich bin ein wenig ratlos zurückgeblieben, wohl weil ich den roten Faden nicht so recht fand.

Es gibt aber bei dem wieder graphisch sehr schön gestalteten “kremayr&scheriau-Buch” ein oranges Cover auf dem eine Art Baumwurzelmosaik zu sehen ist, das sich auch als eine Schlange entpuppen könnte.

“Eine neue, aufregende Stimme. Eindringlich schön,unheimlich und megaspannend”, hat Bernhard Aichner am Buchrücken noch geschrieben. Ich habe das nicht ganz so empfunden. Habe aber wahrscheinlich Schwierigkeiten mit den allzu geheimnivollen unheimlich surrealen Büchern und der Art, wie man sie vielleicht deuten könnte.

Der unsichtbare Mensch

Jetzt kommt ein Sachbuch von meiner Backlist, nämlich Ingrid Brodnig “Der unsichtbare Mensch – Wie die Anonymität im Internet unsere Gesellschaft verändert” aus dem Jahr 2013, also für ein Internetbuch schon lange her und ich habe die1984 geborene Medienjournalistin, die sich sehr gegen den Haß im Netz einsetzt, glaube ich, 2016 auf der “Buch-Wien” kennengelernt und sie auch angesprochen, da ich ja damals bezüglich meinem Kommentarwechseln mit meinen Freund Uli viele Fragen hatte. Ist das jetzt ein Troll oder nicht und wie geht man am besten damit um?

Inzwischen hat sich das Problem gelöst, denke ich und eine gegenseitige Haßliebe entwickelt und auch ein Thema in dem wir seltsamer Weise gleicher Ansicht sind und Ingrid Brodnig hat seither weitere Bücher geschrieben. In einem geht es, glaube ich, um Fake News und darüber, wie man mit Corona-Leugnern diskutiert. Da habe ich eine Diskussion von der Leipziger Online Messe gehört, wo es auch um die Frage geht, ob man schon ein solcher ist, wenn man sich nicht gleich impfen läßt und wie man Fake News erkennt? Zum Beispiel daran meint Ingrid Brodnig, daß die Leugner keine Wissenschaftler sind. Aber Prof Bhakdi ist das und auch noch einige andere. Aber egal, gehen wir sieben Jahre zurück und beschäftigen uns mit der Anonymität im Netzt und da war es für mich sehr interessant, daß es schon damals, um dieKlarnamen ging, die eingefordert wurden, aber glaube ich, noch immer nicht umgesetzt sind.

Das ist für mich kein Thema, denn ich war immer schon dafür im Netzt, das heißt im Literaturgeflüster” mit meinem Namen zu agieren und interessanterweise tut das mein Freund Uli auch und was ich unter der Forderung und ihren Sinn verstehe ist, daß damit verhindert soll, daß so viel geschimpft oder Haß verbreitet wird. Denn ich bin ja und das diskutiere ich mit dem Uli auch sehr oft, daß man im Netzt nicht schimpfen braucht und trotzdem seine Neinung klar äußern kann, wasich auch zu tun versuche. Habe eigentlich wenig Beschimpfungen, einige schon, die meinen, daß mein Blog unnötig und vertrottelt ist und da denke ich, daß das Aussagen sind, die unnötig sind, klagen würde ich aber deshalb nicht.

Das Buch das ein Vorwort von Viktor Mayer-Schönberger vom Oxford Internet Institute hat, ist in fünf Kapitel gegliedert und einen schönen Cartoon gibt es am Anfang auch:

“Are you coming to bed!”, fragt da einer einen User. “i can´t this ist important”, sagte der. “What?” wird gefragt. “Someoneis wrong on the internet” und damit und mitvielen anderen setzt sich Ingrid Brodnig, die sympathische junge Frau aus Graz auch auseinander. Sie beginnt damit in dem sie erklärt, daß die Anonymität oder ihr Gegenteil erst zum Thema wurde, als die Leute zu lesen begannen. Vorher hat das niemanden interessiert und dann zitiert sie noch einen Cartoon, der besagt, daß im Internet niemand merkt, daß ein Hund ein hund ist, das heißt, man kann sich andere idetitäten geben. Dann kommt sie zu dem chinesischen Blogger Anti, der sich deshalb so nennt, weil er seiner Regierung damit seinen Widerstand signalisieren will. Ansonsten wäre es egal, denn die chinesische Regierung weiß längst, wie er klar heißt und wo er ist. Jetzt lebt er in Amerika hat da in Harvard unter seinen neuen Namen studiert. Aber Facebook hat ihn gesperrt, denn die wollen nur Klarnamen,jetzt twittert er.

Was den haß im Netzt betrifft, zitiert sie die hunderttausend Haßpostings, die eine niederländische künstlerin erfuhr, als sie im Netz ihre todkranke Katze erwürgte und aus ihrem Fell eine Tasche machte. Se wollte damit irgendwas aufzeigen. Ich denke, ich würde schreiben “Dasfinde ich nicht geil!”

Mit dem Tod oder so bedrohen käme für mich nicht in Frage und ich wundere mich, daß das so viele Leute machen, wie auch bei der Frau Rowling, als die schrieb, es gibt nur zwei Geschlechter. Da kann man zurückschreiben, falsch, es gibt sechhundert oder so! Alles andere kommt aber genausowenig in Frage, wie der Satz, daß mein Blog unnötoig wäre.

Wer das findet, braucht ihm nicht zu lesen und die Sache hat sich. Aber das Netz ist, glaubt man, anonym und da fallen die Schranken. Ingrid Brodnig beweist im zweiten Kapitel, glaube ich, daß das nicht stimmt. Die regierungen wissen alles oder haben alle Daten, wie sie sie dann aussützen ist eine andere Frage. Es gibt oder gab auch Internetspiele, wo die User bewußt in andere Rollen schlüpfen, um sich wie bei der Psychotherapie ausprobieren. Ein schüchterner Mensch wird da mutig und vergewaltigt aber nur in der Phantasie, nicht in Wirklichkeit. Da es da aber keinen Therapeuten gibt, der das lenken könnte, kann das auch die Bahnen sprengen und Ingrid Brodnig meint auch, daß diese Spiele nicht mehr so in Mode sind.

Ingrid Brodnig führt dann an ,wie sich die niederländische Künstlerin wehrte, in dem sie in einem Buch, die Identitäten der Schimpfer bloßstellte. Das war zwar nicht legal, argumentierte sie, aber die Beschimpfungen auch nicht. In China oder Südkore gibt es Plattformen, wo die Identitäten von solchen Beschimpfern ausgeforscht werden. Als Beispiel wird da eine Krankenschwester angeführt, die ihre Katze mit ihren Stiefletten zertrat. Sie wurde ausgeforscht und mußte ihren Job kündigen und wegziehen. Ähnlich ging es einer Studentin aus Südkorea, die sich weigerte, die Scheiße ihres Hündchens in der U- Bahn wegzuräumen.

Dann kommt Ingrid Brodnig zu der Definition des Trolls, die wollen provozieren und sind anonym, so gesehen fällt der Uli nur halb darunter und sie nerven Foren beispielsweise, die die sich auf Hochzeiten vorbereiten, in dem sie immer wieder stören. Soll man die ausschließen oder nicht und wie ist das mit der Meinungsfreiheit. Große Zeitungen sperren Kommentare, wenn sie nicht höflich oder sachlich sind. Wie steht es da mit der Meinungsfreiheit? Gut sagen die, denn der User kann seine Meinung ja haben, wir wollen sie nur nicht publizieren.

So geht Ingrid Brodnig konsequent das für und wieder der Anonymität im Netzt durch. Sie ist gut, damit man in China oder wo auch immer seine meinunggegenmißständefreiäußern kann, ohne gleich verhaftet zu werden, wenn jemand gemobbt und in den Selbstmord getrieben wird. Ingrid Brodnig führt auch hier beispielweise an, ist sie schlecht und ich frage mich wieder, warum Leute im Netz unbedingt schimpfen müßen? Man kann ja alles freundlich und höflich sagen und man sollte auch, wie ich es tue, auf Kommentare antworten. Da ärgere ich mich oft, wenn ich wenn ich kommentiere und keine Antwort darauf bekomme und ich tue es immer höflich und sachlich begründet.

Ein interessantes Buch, das zum Nachdenken anregt, auch wenn es wahrscheinich schon veraltet ist, denn das Netz ist schnelllebig und inzwischen hat sich sicher vieles schon verändert und Neues ist hinzugekommen.

Das Sandkorn

Jetzt geht es zum ersten Weltkrieg, beziehungsweise in die Jahre 1914/1915 zurück oder zum deutschen Buchpreis von 2014 und meinen Buchpreisbacklistlesen, das sich noch ein bißchen ausgeht. Nämlich zu Christoph Poschenrieders “Sandkorn”, das damals auf der LL stand. Ich habe mich damals am Longlistenlesen ein bißchen beteiligt.Von dem Roman des 1964 bei Boston geborenen, in München lebenden Autor aber nicht viel mitbekommen. Dann lag es wahrscheinlich irgendwann auf dem Thalia-Abverkaufstapel und voila:

Das Buch wird als ein raffiniertes Kunstwerkt beschrieben. “Mit großer Leichtigkeit gleitet Poschenrieder durch Zeiten, Orte und Lebensansichten und zeichnet Figuren, die in ihrem Inneren ein Geheimnis bewahren!”, schreibt so Bruno Bachmann am Buchrücken und ich muß schreiben, es liest sich leicht und flüßig. Im Nachhinein denkt man vielleicht “Whats up?” Was habe ich da gelesen und wie neu und einzigartig oder zusammenkonstruiert war das? Und hat vielleicht auch nicht alles verstanden.

Es beginnt ganz einfach. Da streut im Juni 1915, als schon der erste Weltkrieg tobt, ein Mann in Berlin Sand aus und murmelt dazu die Namen verschiedener iatlienischer Orte. Er wird natürlich verhaftet und wird dem Kommissar Treptows zugeführt,der dann in weiterer Folge ein Manuskript darüber verfaßt, das aber nicht veröffentlicht wird.

Der Mann ist ein Kunsthistoriker und heißt Jacob Tolmeyn mit “c” und “y” und ist Kunsthistoriker und daher hat er am preußischen historischen Instiut in Rom an der Erforschung der Bauten von Friedrich II, dem Stauferkönig geforscht, beziehungsweise dort abfotografiert und auch den Sand von dort eingesammetlt. Zu Beginn des Buches sehen wir ein Foto und zwar das Castel del Monte, das ein Arthur Haseloff 1908 fotografiert hat und in einem Nachwort fügt derAutor an, daß zwischen 1904 und 1908 das tatsächlich zwei Kunsthistoriker so taten.

Der gute Tolmeyn ist aber schwul und da gibt es eine Geschichte, daß er 1914 nach Berlin geschickt wurde, um dort das Photografieren zu erlernen. Dort wurde er von einem Niki erpresst und der ist dann ins Wasser gefallen. Der Kommissar bekommt das natürlich heraus und läßt sich von Tolmeyn, die ganze Geschichte erzählen.

Er wird also von seinem Professor mit seinem schweizer Gehilfen Beat zu allen Stellen geschickt, wo erdie Bauwerke fotografieren muß und den Samd sammelt, um den Geruch oder das Gesicht der Sandkörner zu erforschen. Warum er dann nach Berlin kommt,um sie auszusteuen habe ich, muß ich gestehen, nicht ganz verstanden. Er versucht aber auch mit Beat Imboden, der vorher bei der Schweizer Garde war, eine Beziehung anzufangenund als der Kieg begonnen hat und sie weiterforschen, Jacob hat so gute Beziehungen, daß er von der Einberufung freigestelltwurde, bekommen sie noch eine italienische Aufpasserin, eine Leticzia Trivulzio di Belguoiso, das ist eine Emanze, eine Ärztein, die sich für das Frauenrecht einsetzt, dazu und geraten da zu dritt auch in Irrungen und Verwirrrungen.

Abwechselnd wird da in den Perspektiven hin- und hergesprungen. Am Schluß erfahren wir Niko Schulze ist gar nicht ertrunken und Jacob, dersich freiwillig stellen muß, der Kommissar will das so, fällt im Krieg und ein interessantes Buch, nun ja, 2014 hat es ja viel Literatur gegeben, die sich auf den World War I bezogen und von Christoph Poschenrieder habe ich fast erstaunt gesehen, habe ich noch ein Buch, nämlich seinen Schopenhauer-Roman “Die Welt im Kopf”auf meinen Harlander Lesestapel liegen und hoffe, daß ich bald zum Llesen komme.