Die neue (Ab)normalität

Ich bin ja, meine Leser wissen es wahrscheinlich, sehr am Thema Corona interessiert, habe, während ich schon unzählige Artikel geschrieben habe und gerade an meinem Corona-Literaturgeflüsterbuch arbeite, auch schon einige gelesen, Sucharid Bhakdis “Corona Fehlalarm?”, “Pandemische Zeiten”, “Lockdown 2020”, beispielsweise und natürlich das erste von Paolo Giordano “In Zeiten der Ansteckung”, das Robert Misik auch erwähnt und was alle, bis auf das Letzte gemeinsam haben, ist, daß sie eher Corona kritisch sind.

So hat der “Lockdown 2020” , beispielsweise “Wie ein Virus dazu benützt wird, die Gesellschaft zu verändern”, aus dem “Promedia Verlag” als Untertitel. Dann gibt es noch unzählige andere. So hat wahrscheinlich Martin Sprenger eines geschrieben. Michael Fleischhacker, der jeden Donnerstag sehr kritische Diskussionen zu diesem Thema im “Hangar 7” macht, wo man sich allerdings auch testen lassen muß, so daß allzu Kritische dort nicht mehr hingehen und das Interessante ist daran, wie schnell die Kritiker ins rechte Eck, wie die Demonstranten, gerückt werden, was man vielleicht auch einmal untersuchen sollte.

Ich höre seit März 2020 sehr viel OE24-TV, weil mich das Thema sehr interessiert und die ständig darüber berichten und obwohl das vielleicht ein konservativer Boulvardsender ist, bringen sie, glaube ich, eher Kritischeres, als beispielsweise Ö1.

Das hat sich im letzten Jahr auch erstaunlich viel geändert, was man untersuchen sollte und sie bringen täglich Diskussionen zwischen links und rechts. Josef Cap gegen Peter Westenthaler, Sebastian Bohrn-Mena gegen Gerald Grosz und am Montag Robert Misik gegen Andreas Mölzer, der sich am Donnerstag auch gelegentlich mit einem Heimo Lepuschitz matscht und ich kenne, den 1966 geborenen Blogger und Politjournalisten schon lange und habe ihn eigentlich immer als sehr kritisch eingeschätzt. Eine Zeitlang habe ich mir seine Vlogs angeschaut und war auch einmal bei einer Diskussion im Kreisky-Forum, wo er, glaube ich, Kurator ist.

Jetzt diskutiert er ein – bis zweimal in der Woche als Linker gegen rechts und da habe ich gemerkt, er ist einer, der das Corona-Virus offenbar für gefährlicher, als ich es finde, hält und er sich auch vor der Ansteckung fürchtet und habe ihn, als er sich einmal darüber wunderte, daß da offenbar auch ein paar linke Bekannte, auf die Demos gehen und nicht nur die bösen Rechten, bevor ich das auch tat, als man das noch konnte, ohne gleich registriert und angezeigt zu werden, gemailt, daß ich gern mit ihm darüber diskutieren möchte.

Er hat mir leider nicht geantwortet und genauso leider nach dieser oder der nächsten Demo bei OE24 gesagt, daß man doch mit Wasserwerfern gegen die rechten Corona-Covidoten auftreten sollte, was ich nicht finde und dort zwar sehr viele Österreichfahnen, aber eigentlich wenig Idioten sehe und was der Grund ist, daß die Linken nicht auf diese Demos gehen würde ich gern mit ihm diskutieren.

Er hat aber jetzt ein Buch über die neue Corona-Abnormalität geschrieben und das habe ich mir natürlich besorgt. Las es gespanntund kann berichten, daß es mich vom Stil mehr beeindruckt hat, als die “Herrschaft der Niedertracht” die ich gelesen habe.

Denn Robert Misik geht es sehr literarisch an und beginnt mit Charles Beaudlaire und seinen “Bösen Blumen”. Denn da gibt es ein Gedicht “Auf eine Vorübergehende” wo die zufällige Begegnung mit einer Passantin beschrieben wird, die man gerne kennenlernen möchte, es dann aber doch zu keinen Kontakt kommt und das darf man jetzt auch nicht. Denn seit dem letzten Jahr ist das soziale Distancing angesagt und da beginnt Robert Misik und das finde ich interessant, gleich die Masken tragenden guten Amerikaner von den bösen Trump-Wählern zu trennen, die das nicht tun.

Da fängt auch meine Frage an, wie ist es zu dieser Klassizifierung gekommen? Weil man vielleicht deshalb keine Maske tragen will, weil man ein Trauma oder Atmebeschwerden hat? Ich habe bei mir selber nachgeforscht, warum ich so gegen Masken bin, daß es mich schon beutelt, wenn ich daran denke, daß ich eine aufsetzen soll und habe lange gedacht, daß das so ist, weil ich mich nicht zu etwas zwingen will, was ich nicht wirklich nachvollziehen kann!

Dann ist mir aber eingefallen, daß ich mit knapp sieben einmal fast ertrunken wäre. Das Buch “Mauern” hat mich darauf gebracht, daß ich da vielleicht eine Traumatisierung habe. Ich habe nie um eine Maskenbefreiung angesucht, aber die werden auch nicht anerkannt, sondern Maskenverweigerer gleich als rechts bezeichnet. Ob das wirklich so einfach ist, lieber Robert Misik möchte ich bezweifeln, weil ich wegen der Widersprüche auf die Demos gehe und nicht, um das Parlament zu stürmen und ich diese Vermischung für sehr gefährlich halte!

Robert Misik kommt aber in seinem zweiten Kapitel zu den Epdiemien und führt uns da durch die Pest, die Cholera und die spanische Grippe. Also durch Krankheiten, wo die Menschen wirklich reihenweise umgefallen sind und tot auf der Straße lagen, was bei Corona zum Glück nicht der Fall ist. Da ist es wohl eher die Angst davor, was vielleicht den logischen Blick vernebelt.

Es gibt aber auch literarische Vorbilder. So hat Camus mit der “Pest” ein berühmtes Buch darüber geschrieben und Foucault hat sich mit der Pest in historischen Zeiten beschäftigt und ich frage mich immer noch, wie man dazu gekommen ist, ab März 2020 mit Polizei- und Militärgewalt gegen das Virus anzukämpfen. Das tut man jetzt vielleicht ein wenig weniger offensichtlicher. Mich stört ja da vor allem die Entmündigung, die da passierte und die mich auch demonstrieren ließ, weil ich mir immer noch denke, man müßte es eigentlich mit Hausverstand probieren und kann ja selber den Abstand halten und die Politik kann auch darauf vertrauen, daß sich die mündigen Menschen vielleicht selber testen und müßen das nicht unbedingt kontrollieren, was aber offenbar nicht passiert, so daß es, was mich auch stört, zu einer Vernaderungsgesellschaft gekommen ist oder kommen kann.

“Die Krankheit als Metapher”, ein Ausdruck, den Susan Sontagfür einen Essay verwendet hat, kommt bei Misik auch vor. Früher war es einmal schick “tuberkulös” zu sein, schreibt er und meint damit wohl die “Zauberberg-Gesellschaft” obwohl er den nicht zitiert und, daß Seuchen immer auch soziale Ursachen haben, was vielleicht auch bei Corona so ist.

Wenn ich in beengten Verhältnisse wohne, klebe ich halt mehrauf den anderen, als wenn ich eine Luxusvilla mit Garten habe. Deshalb gab es vor hundert Jahren den sozialen Wohnbau, um die Nachwirkungen der spanischen Grippe zu bekämpfen. Daß die neoliberale Gesellschaft das Gesundheitssystem kaputt gespart hat, ist auch kein Geheimnis.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit dem Leben in der Pandemie und da beginnt Robert Misik mit den Gesetzen über die man sich nicht wundert, wenn man sie für gerecht hält. So schnallen wir uns protestlos an, wenn wir mit dem Auto fahren. Nur als das Rauchen verboten wurde, begannen vielleicht die Probleme und jetzt haben wir die, wenn die Reichen ungestört ihre Corona-Parties feiern oder nach Dubai fliegen, während wir zu Hause sitze

Da habe ich das Problem, daß ich denke, daß mit Freiwilligkeit alles besser geht und ich keinen Polizisten brauche, der mit sagt, daß ich eine FFP2-Maske aufsetzen muuß, wenn ich beim Karlsplatz um die Ecke biege. Es gibt Umfragen, daß sich etwa fünfzig Prozent schärfere Maßnahmen wünschen. Die sollen ihre Masken tragen und sich testen lassen, denke ich. Die anderen, die das Virus für nicht so gefährlich halten, zumindestens steckt sich ja nicht jeder an und fällt tot um, wie man manchmal suggeriert bekommt, passen vielleicht so auf, in dem sie Abstand halten und keine Hände geben. Das tue ich zum Beispiel und hatte daher überhaupt keine Angst, daß ich mich damals auf der Jesuitenwiese anstecken könnte, wurde aber schon danach gefragt und ärgere mich manchmal über Leute, die den Abstand nicht halten und sich, wie beispielsweise im Sommer am Markt einfach, um das überfüllte Tischchen drängten.

Robert Misik kommt hier schnell zu der Ungerechtigkeit und das rechne ich ihm hoch an. Die systemerhaltene Putzfrau im Krankenhaus und die Kassiererinnen im Supermarkt wurden bekatscht, haben aber nichts davon, während wir uns ärgerten, daß wir zu den nicht Systemrelevanten gezählt wurden und das habe ich teilweise auch so empfunden.

Das Virus steckt die Armen an, die Reichen können es sich richten, schreibt Robert Misik und erzählt von Lehrern, die sich beklagten, daß manche Kollegen zu den Verschwörungstheoretikern zählen und nicht lüften wollten. Da denke ich, daß die sogenannten Verschwörungstheorien, “Das Virus dient Bill Gates!”, beispielsweise, wahrscheinlich auch den Zweck haben, sich die Unischerheit zu erklären und sollten vielleicht doch nicht so verteufelt, sondern ernster genommen werden und Robert Misik beschreibt auch, wie er bei einem Meeting mit vier Personen saß und plötzlich kam die Nachricht Paula wurde postiv getestet und er hat mit ihr erst vor ein paar Tagen gegessen. Ist er jetzt Kontaktperson und auch positiv uje uje?

Die “Betrachtungen” der Zadie Smith, die ich auch gelesen habe, werden zitiert und das nächste Kapitel ist der Wirtschaft “Koste es was es wolle!”, gewidmet und den Konkursen, die wir in den nächsten Jahren höchstwahrscheinlich erleben werden und den auch eintreffenden sozialen Niedergang und interessant auch das Schlußkapitel, das sich “Laßt die Party beginnt!” überschreibt, denn was folgte auf die spanische Grippe?

Die wilden Zwanziger, wo sich die Frauen die Haare abschnitten, Zigaretten rauchten und sich vielleicht eine Freundin suchten. Da habe ich ja, vielleicht nicht so zufällig, einiges gelesen und was kam dann, uje uje…?

Gar nicht auszumalen, obwohl die Verwandlung von links nach rechts ist schon da und Martin Sellner rühmt sich tatsächlich, daß es seine Leute sind, die er auf die Demos bringt.

Ein gutes Buch und Robert Misik ist zum Glück doch noch kritischer, als ich schon befürchtet habe, daß er es vielleicht nicht mehr ist. Also lesen, lesen, lesen und ich würde noch immer sehr gern mit ihm darüber diskutieren!

Der verkaufte Feminismus

Für die, die sich vielleicht darüber mokieren, daß ich beim “Leipziger Buchpreis” keine Sachbücher anfragte, ich lese manchmal welche, nicht sehr oft zugegeben und auch nur in bestimmten Fachgebieten die hauptsächlich die Politik, die Literatur und vielleicht auch sonst noch Gesellschaftskritisches betrifft und voila, jetzt kommt ein Sachbuch, eines über den Feminsmus, zumindest stehtdas darauf. Es ist bei “Residenz” erschienen, es aber durch ein Literaturbüro zugeschickt bekommen und der Titel ist verwirrend “Der verkaufte Feminsmus”, was bedeutet das?

Doch natürlich hat die Feministin, die vielleicht verspätet in die Auf-Bewegung hineingekommen ist, da eine Antwort parat, haben wir den ja, glaubt man, schon überwunden, glauben, wir brauchen ihn nicht mehr. Denn die Frauen können ja studieren und manche Medizinstudentin soll schon gesagt haben “Ich bin doch nicht so blöd, wie meine alleinerziehende Mutter, die sich in ihrer Praxis abquält! Ich heirate meinen Doktor lieber, als ihn selbst zu machen!”

Und Ronnja von Rönne hat ja vor einigen Jahren auch viel Unmut erregt, als sie sich über den Feminmus mokierte.

Aber wir sind nicht so weit, auch wenn die meisten Frauen arbeiten und daher von ihren Männern angeblich nicht mehr so abhängig sind und sie brauchen sie auch nicht mehr fragen, ob sie das dürfen? Trotzdem verdienen sie weniger, haben die Doppelbelastung und den muslimischen Frauen geht es besonders schlecht und sind verstärkt Gewalt ausgesetzt. Die Me to-Debatte gibt es auch. Also interessant und bin gleich darauf gekommen, daß der Titel eigentlich eine Mogelpackung ist. Denn es geht weniger, um den Feminsmus sondern darum, wie sich der Kapitalismus derFrauen bemächtigen, um damit seine Geschäfte zu machen.

Die 1978 in Trol geborene Standard-Redakteurin Beate Hausbichler setzt sich in drei Teilen damit auseinander.

“Wie aus einer politischen Bewegung ein profitables Label wurde”, lautet der Untertitel und der erste Teil beschäftigt sich mit der “Pseudofeministischen Warenwelt” und die ist interessant, haben sich die Firmen doch in den letzten Jahren scheinbar den Frauen angenommen, in dem sie “Feminist-Washing” machten und also um viel Geld frauenfreundliche Produkte anboten und das ist gleich meine Kritik an dem Buch. Die vielen englischen Ausdrücke, kann man das nicht in Deutsch schreiben und sind es wirklich nur die amerikanischen Firmen, die sich in den letzten Jahren den Frauen angenommen haben?

Die ersten Kapitel könnten darauf schließen lassen. Die Marke “Dove” gehört aber zu “Unilever” und die hat sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht, weil sie die Frauenkörper so darstellen, wie sie sind und daher zur “Body Positivity: Liebe dich selbst wie deine Beautyprodukte”, aufriefen, uje, schon wieder Denglisch!

Aber das ist ein wichtiges Thema, obwohl es eigentlich nicht viel mit Feminsmus zu tun hat, warhscheinlich ganz im Gegenteil, denn die Feminstinnen die ich kenne, schminken sich eher nicht und geben ihr Geld auch nicht für in Beauytprodukte aus. Aber die Frauen, die das tun, sind oder waren in der Werbung vorwiegend hyperschlanken Frauenkörpern ausgesetzt und bekamen dann Schuldgefühle, weil ihre Körper das nicht waren und sie nicht Kleidergröße 34 hatten, wie die Models, die sie ihnen vorführten und das, denke ich, ist ein wichtiges Thema.

Gut, daß es schon Kampagnen gegen die magersüchtigen Models gibt, die dazu gezwungen werden. Die Durchschnittsfrau ist dagegen meist adipös oder hat sich ein paar Kilo zu viel angefressen. Daher ist es sicher gut, daß die Kosmetikfirmen mit normalgewichtigen und normalaussehenden Frauen werben, wenn wir dabei nicht bei dem Punkt sind, daß Übergewicht vielleicht doch nicht so gesund ist, weil es ja zu Bluthochdruck und Diabetes führen kann, aber das ist ein anderes Thema!

Beate Hausbichlergeht es, glaube ich, eher darum, daß es den Firmen nicht, um die kleinen Schwächen der Frauenkörper geht, sondern darum, daß sich diese die meist teuren Produkte kaufen sollen und sich damit verschönern.

Von da kommt Beate Hausbichler, die sich, wie schon bemängelt, in ihrem Buch ein wenig sehr an Amerika orientiert, zur Black Lives Matter- Bewegung, die hat mit Feminsmus vordergründig nicht soviel zu tun, da ja ein Schwarzer von einem weißen Polizisten erstickt wurde. Aber die schwarzen Frauen haben es zugegeben, noch viel schwerer, als die weißen Alleinerzieherinnen und können sich die Wohlfühlcremes noch weniger leisten, sondern produzieren wahrscheinlich zu miserablen Bedingungen, die Wohlfühlkleidung für die weißen Feministinnen, die inzwischen vielleicht schonMarkenkostüme und nicht nur Latzhosen tragen.

Das weiß ich nicht so genau, aber nach dem “Feminst- Washing” kommt das “Greenwashing”. Das hatmit Feminismus wohl auch nicht soviel zu tun, wenn sich die Firmen, um ihre Produkte zu verkaufen, einen ökologischen Anstrich geben und sagen “Unsere Waren werden nachhaltig erzeugt!”, aber die unverkaufte Waren bei “H&M” werden, statt sie billig an Unterpriveligerte weiter zu geben, da lobe ich mir die Bücherschränke, wo man seine ausrangierten Bücher abgeben kann, verbrannt.

Dann schreibt Beate Hausbichler noch von einer dieser pseudofeministischen Kampagne, die auch bei uns im letzten Jahr beschlosen wurde, nämlich die Steuersenkung bei Damenhygieneartikeln und da bemängelt, die Autorin, den antiquierten Ausdruck. Es sind die Tampons und Slipeinlagen damit gemeint und, daß sich die Frauen mit der Pille vielleicht nichts Gutes getan haben, ist auch ein anderes Thema, das angeschnitten wird, während Beate Hausbichlervon der von der “Period Pride” schreibt, die die Firmen in der “Liebe deinen Körper- Bewegung”, den Frauen beibringen wollen. Aber wenn man jedes Monat Regelschmerzen hat, ist das nicht so leicht und da hilft wahrscheinlich die schöne teure Tamponpackung mit der aufgemalten Vulva auch nicht weiter.

Im zweiten Teil geht es um die Medien oder “Feminismus auf Quote und Kliks optimiert”und da beginnt Beate Hausbichler damit, daß sich die Medien lange nicht um die frauenspezifischen Themen kümmerte. Dann änderte sich das allmählich, aber auch da blieben die wirklich relevanten Themen unerwähnt. Denn es geht ja um die “Quotenbringer”.

Aber dann kam die “Me too-Debatte”, die auch im Mainstream nicht zu übersehen war. Beim Kopftuch war das anders und da führt Beate Hausbichler das Beispiel von Kübra Gümüsay, einer kopftuchtragenden engagierten Feministin an, die lange als Quotenfrau zu diversen Talkshows eingeladen wurde, die aber im Vorjahr ausgestiegen ist, weil sie erkannte, daß das Vorsichhertreiben der immer gleichen Themen die Frauenbewegung auch nicht wirklich weiterbringt.

“Alte Werte neu verpackt”, heißt das Kapitel, wo es um die “Frauenmagazine” geht, die sich im Laufe der Jahrzehnte auch des Feminismus angenommen haben. Was heißt, daß eine Frau jetzt nicht nur mehr schön und sexy, sondern auch selbstbewußtzu sein hat und als geschminkte Karrierefrau, den Haushalt und die Kinder nebenher schupfen muß. So strotzen diese Magazine jetzt von Artikel zum Frauenempowerment und geben Ratschläge, wie die Frauen die Drei oder Vierfachbelastung packen kann. Als Beispielwird hier eine Ausgabe derZeitschrift “Woman” angeführt, die im Jahr 2020 als Cover die “Neue Heldin der Frauen, die US-Politikerin Alexandria Ocssio-Cortez” zeigt und dann im Inneren Tips gibt, “wie man mit Raumdüften ein atmosphärischen Heim kreirt, der Rat, die deutsche Feministin Margarete Stokowsi zu lesen, Erzählungen von Promi-Frauen, wie sie lernten, ihr Äußeres zu lieben, statt sich häßlich zu finden, Beratung, man seinen inneren Schweinehund überwindet, der durch falsche Reaktionen im Alltag unser Lebenglück ruiniert, sowie ein “Best of Wintermäntel” zeigt. Ziemlich kompliziert, das Ganze und dann steht auf einer Zeitschrift oder auf einem T-Shirt auch noch “FeminisMUSS” was ganz schön die Kontrakonkuriertheit zeigt.

Das nächste Kapitel ist den meist amerikanischen Serien gewidmet, wo ich mich, weil ich die nicht sehe, nicht auskenne. Aber die Sitcoms, hieß es schon früher, dienten in den Fünfziger- und Sechzigerjahren dazu, den Hausfrauen beim Kochen, Putzen und Babyfüttern, Abwechslung zu bringen und so durften sie nicht anspruchsvoll sein, weil man ja während des Kochens öfter wegrennen muß und da soll man nicht zu viel versäumen. Das hat sich jetzt geändert, weil die Sitcoms oder Serien jetzt auch den Aufstieg und die Nöte der meist Mittelschichtkarrierefrauen zeigen. So gibt es eine Premierministerin, die eine magersüchtige Tochter hat, mit der man mitleiden kann.

Sehr kritisch scheint Beate Hausbichler mit der “Social Mediea” umzugehen, schreibt sie doch “Von wegen Freiheit” dazu und meint, daß man wenn man seine Meinung in den Netzen von Facebook, Instagram, Twitter allzu freudig preisgibt, der Werbemachinerie ausgeliefert ist und führt als Beispiel an, daß man dann vielleicht ein Johanna Dohnal Buch empfohlen bekommt, wenn man allzu offen über eine Frauenkonferenz schreibt, die man besucht hat. Sollte es Schlimmeres geben, könnte man meinen und natürlich mögen die Vollzeitjournalisten die Bloggerszene nicht. Aber trotz aller Mißbrauchsmöglichkeitfinde ich es doch sehr gut, daß man hier seine Meinungnoch mehr oder weniger offen äußern kann.

Der dritte Teil “Feminismus, markttauglich gemacht” beginnt mit einem Zitat aus den “Zündenden Funken”, das Buch über die “Auf” die sogenannte zweite Frauenbewegung, die erste war wohl zu Beginn des neunzehnten jahrhunderts, als die Frauen um das Wahlrecht zu bekommen, aufdie Straße gingen, das von Ruth Aspöck, , Erna Dttelbach und anderen Frauen herausgegeben wurde und führt dann über die “Frauennetzwerke” zu der “Individualismus-Falle”. Begriffe wie “Choice-Feminsmus” oder “Populärer Feminismus” tauchen auf, die mich etwas verwirrt zurücklassen. Beate Hausbichler meint damit aber wohl, wie auch am Buchrücken steht “Daß überall, wo Feminsmus in dicken Lettern draufsteht, wohl nur Selbstoptimierung, Selbstdarstellung und letztlich Konsum drinstecken”.

Etwas, was wohl nur die Frauen selbst ändern können, die natürlich die Wahl haben, ob sie sich im Beruf oder bei ihren Kindern wirklichen wollen und dazu amerikanische Markenkleidung oder Parfums brauchen und auch, wie sie es mit ihren Kndern halten wollen und dadenke ich immer noch, daß man, wenn man rechtzeitig verhütet, auch nicht auf das Recht auf Abtreibung bestehen braucht.

Ein interessantes Buch, das viele Aspekte aufzeigt, die mir bisher unbekannt waren und denke, daß die Frauen es immer noch oder immer wieder schwer haben. DieFrauenbewegung viel erkämpft hat, was man sich nicht durch den Markt und auch nicht durch den Neoliberalismus oder Corona wegnehmen lassen soll, da stimme ich Beate Hausbichler zu und interessant ist auch, daß bei den “Amazon Rezensionen” eine sehr lange zu finden ist und eine das Buch als “unlesbar” beschreibt, dem ich nicht zustimmen kann.

Beautiful Fools

Wir bleiben am Beginn des vorigen Jahrhunderts, gehen aber in die Neunzehnhundertdreißigerjahre und da in die USA beziehungsweise nach Kuba und zu Zelda und F. Scott Fitzgerald, denn der amerikanische Schriftsteller, Journalist und<kulturkritiker R. Clifton Spargo hat 2013 einen Roman über das berühmte Paar unter diesem Titel geschrieben, der jetzt bei “ebersbach & Simon” auf Deutsch, übersetzt von Heddi Feilhauser herausgekommen ist, die und das finde ich interessant, obwohl ich eigentlich nicht so für das “Denglisch” bin, das wir jetzt alle sprechen, bei dem amerikanischen Titel geblieben ist.

F. Scott Fitzgerald wurde 1896 inMinnesota geboren und ist 1940 in Hollywood gestorben und hat in den Zwanzigerjahren seine berühmten Romane, wie beispielsweise den “Großen Gatsby” geschrieben, galt in den Neunzehnunderzanzigerjahren mit seiner Frau, als der große Dandy, Emily Walton hat darüber auch einen Roman oder Biografie geschrieben, den ich gelesen habe, war in den Neunzehnhundertdreißiger Jahren, wie ich “Wikipedia” entnehme, wieder vergessen, verdingte sich in Hollywood mehr schlecht, als recht als Drehbuchschreiber, litt unter Alkoholexzesse und hatte auch Probleme mit der psychischen Erkrankung seiner Frau Zelda, die in dieser Zeit in Psychiatrien untergebracht war.

Da steigt R. Clifton Spargo ein, nämlich am 12 Februar 1932, da fährt Fitzergald mit seiner Frau im Zug, um sie zu dieser Klinik zu bringen, wo er für sie sorgt, sich von ihr auch nicht scheiden läßt, aber längst in Hollywood mit anderen Frauen zusammenlebt. Der zweite, längere Teil spielt dann im April 1939, Fitzgerald hat eine Geliebte namens Sheilah Graham, trennt sich aber von ihr, um mit Zelda, wie versprochen noch einmal einen schönen Urlaub in Kuba zu verbringen, wo sich dann, wie im Klappentext steht, “die Ereignisse überstürzen”.

Ich weiß nicht und kann das auch nicht “Wikipedia” entnehmen, ob es diese Reise wirklich gegeben hat. Clifton Spargo schreibt jedenfalls einen Roman darüber und bettet ihn in eine spannende Handlung ein, die er wahrscheinlich erfunden hat. Man erfährt aber viel dabei vom Leben des berühmten Skandalspaar und ansonsten kann man sich auch, was wahrscheinlich anzuraten ist, in Fitzgeralds Bücher einlesen, ich habe auch ein paar in meinen Regalen, ihn im Original aber noch nicht gelesen.

Die Beiden kommen in Havanna an, mieten sich in einem Hotel ein. Über die Freundschaft zu Ernest Hemingway wird berichtet, der kommt in dem Buch aber nicht vor. Zelda wird als labil beschrieben, sie fühlt sich verfolgt, will aber ihre Ehe mit Fitzgerald wieder aufleben lassen. Er will das nicht so recht und weicht ihr aus und während sie sich in ihrem Zimmer befindet, wird er an der Bar von einem Fremden angesprochen, der ihm erzählt, daß er lange in den USA war, er ist Immobilienmakler und will sich um Schott kümmern.

Das tut er sehr aufdringlich, bringt Scott und Zelda dann in eine Bar, wo es zu einer Schlägerei kommt, Zelda, die sie sich wieder verfolgt fühlt, hat sie ausgelöst und Mateo Cardona rät ihm vor der Polizei zu füchten. Er taucht dann immer wieder auf, beziehungsweise schickt er ihnen einen Fremdenführer. Scott und Zelda reisen auf eine Insel ab und lernen da einen Spanier und seine französische Freundin kennen, die sich als Flüchtlinge zu erkennen geben. Die Paare freunden sich an, Zelda organisert einen Ausflug und ein Picknick läßt sich von einer Wahrsagerin die Zukunft sagen, verschwindet dann verstört und nach dem sie alle suchen, findet Scott sie im Zimmer wieder.

Der Fremdenführer von Mateo taucht auch wieder auf und Scott will mit Aurelo, das ist der Spanier, einen Hahnenkampf besuchen, um darüber zu schreiben. Zelda bleibt im Hotel zurück. Der Hahnenkampf wird sehr genau beschrieben und Scott, wie immer betrunken, will ihm aus Mitleid mit den Hähnen, die dabei getötet werden, unterbrechen. Es kommt zu einer Schlägerei in die auch der Fremdenführer verwickelt ist.

Scott wird verletzt in das Ressort gebracht, der Fremdenführer, ein Senor Famosa Garcia, rät Zelda sich mit Senor Cardona in Verbindung zu bringen, der Scott in Havanna in einem Sptal unterbringen soll.

Nun erweist Zelda ihre Stärke. Panisch beginnt sie zu packen, weiß nicht, wo die Flugtickets und das Geld ist und der Leser vermutet, daß die Fitzgeralds von dem Kubaner ausgenützt werden. Zelda besteht aber darauf nicht in Havanna zu bleiben, sondern zurück in die USA zu fliegen, was auch gelingt. Senor Cardona regelt alles und ein paar Monate später ist Fitzgerald, wie in dem Buch noch steht, in den Armen seiner Geliebten gestorben.

Zelda wird aus der Klinik entlassen und kehrt in die Obhut ihrer Mutter zurück. Sie ist, entnehme ich wieder “Wikipedia” 1948 in Asheville gestorben und R. Clifton Spargo hat, glaube ich, einen spannungsgeladenen Roman über die Beiden geschrieben, der, wie schon erwähnt einem das Werk des großen Amerikaners näherbringen soll.

Interessant finde ich auch, daß ein “Moleskine” immer wieder eine Rolle spielt, in dem Scott Fitzgerald immer wieder seine Notizen aufnotiert, um sie später in seinen Romanen zu verwenden und ich weiß gar nicht, ob es in den Dreißigerjahren schon “Molekines” gegeben hat? Es gibt auch immer wieder Briefe von Zelda an Scott, wo ich auch nicht weiß, ob es sich dabei, um Originaldokumente handelt oder sie aus der Clifton Spargos Feder stammen? Werde da wohl nicht weiter recherchieren, nehme mir aber vor, den “Großen Gatsby” und auch meine anderen Fitzgerald-Bücher wenn ich dazu kommen sollte, zu lesen.

Gertrude Stein

Von der 1874 in Pennsylvania geborenen und 1946 in Paris gestorbenen Gertrude Stein habe ich schon viel gehört , “a rose is a rose is a rose” und war auch schon einmal in einer Veranstaltung der “Alten Schmiede”, eine experimentelle Autorin von der alle begeistert sind und die auch Friederike Mayröcker in ihren Texten öfter erwähnt, habe ich gedacht und jetzt, weil das die erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhundert und ihre literarischen Gestalten offenbar sehr in Mode sind, bin an ihre Autobiografie gekommen und war da erst einmal verwirrt, denn wer hat die Biografie geschrieben und über wen geht sie?

“Gertrude Stein Autobiografie von Alice B. Toklas” steht am Cover und ich habe mich als ich den “Königvon Amerika” besprochen habe, einmal eine harsche Kritik bekommen, weil ich das Wort Autobiografie mit der Biografie verwechselt habe. Dann bin ich darauf gekommen, daß das gar nicht so einfach ist, denn Autobiografien werden oft von Ghostwritern geschrieben, aber Bigorafien sind Texte überMenschen und Autobiografien über einen selbst.

So weit so gut, Gertrude Stein, die sich sehr selbstbewußt “Genie” nennt oder ihre Biografin, die sie selber ist, so nennen läßt, hat in den Neunzehnhundertdreißigerjahren einen ganz besonderen Kunstgriff angewendet. Sie hat im Namen ihrer Lebensmenschin, Köchin und Sekreätrin Alice B. Toklas, die die 1877 in San Francisco geboren wurde und 1967 in Paris gestorben ist , die Autobiografie geschrieben, weil sie, wie im Klappentext vermerkt ist, sich damit freier fühlte über sich zu schreiben.

So beginnt das “Kapitel Eins: Bevor ich nach Paris kam” auch mit den Worten “Ich wurde in San Francisco, Kalifornien geboren.” und endet im “Kapitel Sieben:. Nach dem Krieg 1919 – 1932” mit “Vor etwa sechs Wochen sagte Gertrude Stein, es sieht mir nicht so aus, als würdest du jemals diese Autobiogrie schreiben. Weißt du was ich tun werde.Ich werde sie für dich schreiben wie Defoe die Autobiografie von Robinson Crusoe geschrieben hat. Und das hat sie und dies ist sie.”

So weit so klar. “Die deutschsprache Erstausgabe” steht noch in der” Editorischen Notiz” “erschien 1956 im “Origo Verlag”.

Jetzt wurde das Buch von “ebensbach & simon” neu herausgegeben und von Roseli und Saskia Bontjes von Beck neu übersetzt, die sich,wie weiter steht “Zur aufgabe machten, de besondere Eigenheit der Sprache, des Stils und der Orthografie und Kommasetzung von Gertrude Stein zu pflegen und die Moderiniät dieses Textes entsprechend zu Geltung zu bringen.”

Und so voila hinein in das Buch, das sehr interessant ist, wieder in die Künstlersalons von Paris der Neunzehnhundertzwanziger und dreißigerjahre oder noch davor hineinzutauchen. Denn Slice B. Toklas ist, glaube ich, 1907 ein Jahr nach dem Erdbeben, nach Paris gekommen, wo Gertrude Stein schon mit ihrem Bruder lebte und dort einen literarischen Salon bzw. ein Atelier betrieb.

Gertrude Stein hat in den USA bei William James Psychologie und auch Medizin studiert und ist 2003 nach Paris gegengen. In den ersten Kapitel wird beschrieben, wie Alice B. Toklas in den Salon bzw. zu den künstlerischen Abendessen kam, die es dort gab. Es gab ein Hausmädchen namens Helene, das sehrselbstbewußt war, immer Souffles zubereitete, sich bei manchen Gästen aber weigerte. So hatMatisse beispielsweise öfter nur Spiegeleierbekommen.

Die Namen Matisse, Picasso, Cezanne, etc, tauchen immer wieder auf, denn Gertrude Stein war offenbar nicht nur Schriftstellerin, sondern auch eine große Kunstsammlerin. So kauften die beiden Frauen immer wieder Bilder von den besagten Malern an und stellten die dann aus.

Der schriftstellerische Erfog ist am Anfang, glaube ich, auch ausgegblieben. Als Alice B. Toklas nach Paris kam hat Gertrude Stein ihre “tree lives” gerade als Privatdruck herausgegeben und an dem tausend Seiten Buch “The making of America” geschrieben und etwas später wird beschrieben, daß es für sie unmöglich war einen Verleger zu finden, so daß sie die drei “lives” selber drucken hat lassen.

“Es war kein ungewöhnlicher Einfall, denn die Leute in Paris taten dies oft”, steht auf Seite zweiundneunzig, was ich sehr interessant finde, weil ich javor der Selfpublishingwelle immer hörte, daß man das nie und auf gar keinen Fall tun dürfe

Die selbstbewußten Frauen taten das in Paris schon Anfang des Zwanzigstenjahrhunderts und die beiden Frauen sind auch viel herumgereist. Verbrachten ihre Sommers in Fiesole bei Florenz oder Spanien und wurden durch den ersten Weltkrieg daran gehindert. Der schriftstellerische Erfolg kam bei Gertrde Stein dann auch später, sie war, glaube ich, auch Verlegerin und hat inzwischen einen sehr berühmten Namen. Gilt als Ikone und großes Vorbild, obwohl die meisten wahrscheinlich, wie auch nich, noch nicht sehr viel von ihr gelesen haben und die Weggefährtin, Alice B. Toklas, auf dem Cover sind auch Fotografien von den beiden Frauen, als ältere Damen zu finden, überlebte ihre Freundin um zwei Jahrzehnte und starb 1967, wie ich “Wikipedia” entnehme in ärmlichen Verhältnissen. Sie hat auch Kochbücher hinausgegeben und ich finde das Eintauchen in das frühe zwanzigste Jahrhundert und in die damaligen Künstlerszenen sehr interessant und werde, trotz des Leipziger Buchpreislesen, das ja auch auf mich wartet, gleich weitermachen.

Abara da Kabar

Das nächste Buch schließt gleich, wenn vielleicht nicht so ganz linear ersichtlich an Raphaela Edelbauers”Schicefiction”, denn da geht es um die künstliche Intelligenz und es ist eine phantasievolle Dystopie daraus geworden, hier um die die Sprache und das Buch,der erste Roman, des 1958 geborenen Profil-Journalisten Emil Bobi, der schon einige Sachbücher darunter das über den “Friedensnobelpreis”, das mir Wolfram Huber einmal zu meinem Geburtstagsfest mitbrachte, geschrieben hat. Es ist bei “Anton Pustet” erschienen, das ist der Verlag in dem auch das Buch von Brunis Onkel Theodor Sappar “Kettenreaktionkontra” erschienen ist, herausgekommen und die Kenner werden jetzt schon nicken, aha ein eher schwer lesbares theoretisches Buch.

Das Literaturbüro von Barbara Brunner, die mir immer meine K&S Bücher schicken, hat es mir zugesandt und am Cover ist ein Rabe zu sehen. Das Literaturbüro hat mich etwas später auch auf eine Online “Thalia-Buchpräsentation” aufmerksam gemacht, die ich mir jetzt über Facebook angeschaut habe, wo Emil Bobi im Gespräch mit Niki Glattauer die graphische Gestaltung besonders lobte. Am Cover und zu Beginn der beiden Teile sind jeweils Raben zu sehen und die spielen im dem theoretischen Roman, wie ich ihn nennen möchte, eine große Rolle, obwohl das eigentlich gar nicht so ersichtlich ist.

Es beginnt sehr theoretisch, also gar nicht so einfach in das Buch hineinzukommen und der Zusammenhang erschließt sich einem wohl erst später. Zuerst hat sich die Psychologin natürlich gedacht, ist das jetzt die Beschreibung einer Psychose oder eines Burn outs? Aber, ich denke, Emil Bobi spielt sehr theoretisch damit und es geht, um den Wiener Journalisten Franz Ignaz Baumhackl.

“Ist das ein Alter Ego?”, hat Nki Glattauer in der Diskussion gefragt und der kommt eines Tages darauf, daß die Sprache nicht funktioniert.

“Hui!”, könnte man da denken. Sie tut das doch! Aber das ist Emil Bobis Aufhänger für das Buch. In der Redaktionssitzung kommt der Journalist am Beispiel eines Politikers während des Wahlkampf darauf, daß die Sprache kaputt ist und beschließt einen Artikel darüber zu schreiben.

Daher beginnt er darüber zu recherchieren, lernt eine Linguistin namens Michaele Halbmond kennen, mit der er eine Buchpräsentation besucht. Er besucht auch die Hauptbücherei und trifft sich mit der Linguistin dann in einem seltsamen Lokal, wo die tollsten Speisen angeschrieben sind, aber kein Kellner da ist, der serviert. Das erinnert ein bißchen an “DAVE”, obwohl ich bezweifle, daß Emil Bobi dieses Buch gelesen hat. Er geht mit der Linguistin auch in den Zoo und denkt sich, er muß in die Sprache der Tiere zurück, um dieses Problem zu lösen.

Es geht auch in die Vergangenheit des Journalisten. Der hatte eine Großmutter, die eigentlich seinen Vater abtreiben wollte, aber der überlebte. Bei dessen Geburt ist sie dann, glaube ich, gestorben. Der Vater war auch etwas seltsam, hatte aber Donnerstagrunden, wo eines Tages eine Zauberin auftrat, die dem achtjährigen Knaben, das ist auch so eine Metapher das “Abrakadabra” beibringen wollte. Der versprach sich, sagte “Abara da Kabar” und alle lachten. Aber das heißt ja “Es werde” und der Bub beschließt ein Tagebuch zu führen. Er hat auch ein Schönes mit einer Neanderthalerfrau am Cover. Aber das bleibt immer leer, als Metahper, daß man seine Gedanken nicht in Worte fassen kann.

Jetzt ist er aber erwachsen und an der Sprache gescheitert. So beschließt zum Tier zu werden, das noch keine Sprache hat. Er reist nach Marokko, um dort einen Militärarzt dazu zu bringen ihm mit Hilfe der Lobtomie sein Sprachzentrum zu zerstören, um dann geheilt wieder zu erwachen und einem anderen Achtjährige das Schreiben beizubringen oder ihm das Werkzeug dazu zur Vergügung zu stellen und befriedigt die Heimreise wieder antreten zu können.

Anja Baumheuer hat sich in ihrem letzten Buch auch mit der Sprache beschäftigt und hat das mit mehr spannungsgeladener Handlung getan. Liest man sich aber, was zugebenermaße etwas mühsam ist, zum Ende, kommt man wahrscheinlich darauf, ein interessantes Buch gelesen zu haben, das fast ein bißchen an Kafka erinnert, auch wenn Emil Bobis Sprache manchmal etwas umständlich ist, weil er sich offenbar auch um Wortneuschöpfungen bemühte.

Am Schluß zitiere ich noch das Motto”Ohne sprache ist nichts wahr. Mit Sprache ist alles unwahr” Auch ein wenig unverständlich. Man kann aber darüber nachdenken.

Hotel Weitblick

Jetzt kommt gleich ein Buch der Preisträgerin des “Rauriser Förderungspreises” von 2013. Das Debut der 1975 geborenen Renate Silberer von der ich schon ihren 2017erschienenen Erzählband “Das Wetter hat viele Haare” gelesen habe und jetzt auch ein bißchen verwirrt bin, dachte ich doch die “Rauriser Preise” gehen an Debuts und Renate Silberer habe ich auch schon bei verschiedenen Lesungen gehört.

Das Buch ist vielleicht ein bißchen verwirrend, weil wieder viel zu viel darin verknüpft und etwas, was ich eigentlich für normal halte, als Problem geschildert wird.

Es geht, wie ich der Beschreibung entnehme, um Kritik am Leistungsdenken und an Führungsseminare und es geht auch wieder in die Vergangenheit, nämlich in die Eziehungsmethoden der Natonalsozialisten “Der Letzte, der nicht den Verstand verloren hat, wird Geschäftsführer: ein bitterböser Roman über das Leistungsdenken und den Glauben an sich selbst.”

Das klingt schon einmal interessant und der Anfang, der die Ausstiegspläne des Consultersmarius Tankwart schildert ist auch recht spannend und gut geschrieben. Dann zerfleddert es sich aber und verknüpft Dinge,die eigentlich nicht verknüpfbar sind. Da ist der sehr erfolgreicheConsulter, Platz vierundsechig bei den Top hundert, glaube ich, der will aussteigen und nach Mexiko gehen will. Vorher soll er aber noch unter vier Angestellten, den künftigen Geschäftsführer einer Werbeagentur aussuchen. Das soll im Saal “Harmonie” des “Hotel Weitblicks” geschehen. Die vier Kanditaten sind Horst, der ehrgeizige, wahrscheinlich FPÖ-Wähler mit ausländer- und frauenfeindlichen Ansichten, der während er zum Seminar fährt, Angst hat, von seiner Veronika verlassen zu werden. Dann gibt es Franz, den Familienvater, der am Schluß von seiner Frau verlassen wird, die Quotenfrau Annette, die an Panikattacken leidet und Helmut der offenbar der Schwächste ist, weil er immer von seinem Psychiater spricht.

In dem Hotel wird Dr. Tankwart, der lieber Schauspieler geworden wäre, aber keine Chance hatte sich gegen seine Mutter durchzusetzen, von dieser angerufen, die ihm zum Geburtstag gratuliert und dabei schildert, wie schwierig die Geburt für sie war. Das tut sie jedes Jahr und das führt zu dem berühmten Buch der Frau Dr. Haarer “Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind”, das bis in die Neunzehnhundertsiebzigerjahre wieder aufgelegt wurde und in dem steht, daß man Kinder nicht verwöhnen, sondern schreien lassen soll, damit sie harte Menschen werden und im leben nicht versagen.

Das ist das Problem von Dr Tankwart. Er geht dann aber in den Seminarraum, das Buch beginnt am Freitag und endet am Sonntag, wie das bei Assmesmentseminaren üblich ist und es beginnt auch mt den üblichen Psychoübungen. Aufeinander zu gehen, einen Baum zeichnen und sich dann auf den heißen Stuhl setzen, etcetera. Das denke ich, ist normal bei solchen Assesmentseminaren und die Teilnehmer darauf eingestellt. Diese, besonders Horst rebellieren aber und verstehen den Sinn nicht, betrinken sich am Abend, was vielleicht wieder ganz typisch ist und am Schluß flippt der Cosulter aus und sagt, er wird niemanden vorschlagen, sondern das Seminar verlassen. Der Schwächste, nämlich Helmut wird von der Polizei abgeführt. Die Quotenfrau bleibt über und die beiden anderen schreiben sich ihre Empfehlenungen selbst. Da würde ich jetzt an Daniel Glattauer und sein Paartherapiestück denken, wo der Therapeut zusammenbricht, weil ihm seine Frau angeblich verlassen hat. Das zerstrittende Paar verläßt versöhnt die Praxis, und der Therapeut ruft die Frau an und sagt “Hat wieder mal funktioniert!”

Aber hier war das ernstgemeint und nicht Seminarmethode, sondern sollte “Das Leistungsdenken, den Glauben an sich selbst und die Handlungsweisen der Gesellschaftbitterböse aufzeigen”, wie in den Beschreibungstexten steht.

Was das mit den nationalsozialistischen Erziehungsmethoden der Dr. Haarer zu tun hat, wird mir nicht ganz klar, beziehungsweise finde ich diese Verknüpfung zu den Assesmentmethoden und der Führungskräfteauswahl als zu plump und einfach gestrickt. Denn schließlich sind es jetzt wahrscheinlich schon die Enkelkinder die zu Führungsseminaren gehen und die wurden oft von den Achtundsechzigern erzogen, die den “Struwwelpeter” und die Dr. Haarer längst in den Mistkübel geworfen haben und sie antiautoritär aufwachsen ließen, was, wie ich immer höre, auch nicht gut ist.

Gut hat mir aber die Anfangsstelle gefunden, wo der Consulter im Cafehaus sitzt, sich Zeitungen holt, als er zurückkommt, sitzt eine alte Frau auf seinen Platz, sagt er kann sich dazusetzen. Er liest einen Artikel von einer Frau, die ein Sessel sein möchte und die alte Dame spricht ihn darauf an, die ist dann offenbar der Mutterersatz und führt ihn durch das Buch und motiviert sein Aussteigen.

Der Himmel vor hundert Jahren

Jetzt kommt ein Debut, nämlich der Roman der 1988 in Moskau geborenen und in Berlin lebenden oder gelebt habenden Yulia Marfutova, die beim Klagenfurter Literaturkurs eingeladen war und auch sonst bei verschiedenen Schreibwerkstätten mitmachte, was sich offensichtlich lohnte, denn der “Himmel vor hundert Jahren”, wo der Umsturz und die russische Revolution auf sehr märchenhafte Art und Weise mit einer poetisch schönen Sprache erzählt wird, ist ein interessantes Buch.

Schauplatz ist ein Dorf am Fluß und seine Bewohner. Da gibt es den Dorfältesten Ilja, der so wie sein Vater und seine Großväter heißt und wie alt er ist, weiß man erst nicht wirklich,denn die Dorfbewohner gehen oft erst nach Jahren in die nächste Stadt aufs Meldeamt, wo der Beamte dort streng nach dem Vaternamen fragt und den Kleinen dann so nennt. Der ist aber jetzt schon alt geworden, der Dorfälteste und eigentlich recht wohlhabend und das Besondere an ihm ist auch das kleine Röhrchen, das er einmal gefunden hat, mit dem er das Wetter vorhersagen kann.

Er hat auch eine Frau Inna Nikolajewa, die nach dem Zaren heißt, der fällt ein Messer aus der Hand, was bei den abergläubigen analphabeten heißt, es kommt ein Mann ins Haus. Die drei Töchter sind an einer Seuche gestorben, übergeblieben ist die Enkeltochter Annuschka oder Anna und derMann, der ins Haus kommt, ist Wadik, einer mit einer Uniform und ohne Stiefel, der zuerst schweigt, später aber durchblicken läßt, daß er lesen kann und auch ein geheimnisvolles Papier in der Tasche hat, daß er Anna übergibt. Die stiehlt wie eine Rabe oder eine Elster. Pjotr ebenfalls ein alter Mann verschwindet oder ertrinkt im Fluß und am anderen Ufer sind auch immer wieder Männer zu sehen. Das Dorf spricht von derveränderten Realität, die Ikonen verschwinden und am Ende der Geschichte hört man noch, daß der Gutsbesitzer auch so eine Autoriät, wie der Zar ins Ausland verschwunden ist,um seine Familie zu besuchen, obwohl er das sonst nichts tat.

Das ist alles was Yulia Martinova über die Realität ab 1917 erzählt. Sonst deutet sie, wie schon erwähnt nur an. Bleibt bei Metaphern, gibt in einer schönen andeutungsreichen Sprache, die Gedanken, Vermutungen, den Irr- und Aberglauben, der ungebildeten Ddorfbewohner wieder, die keine Ahnung von den Geschehnissenaußerhalb des Dorfes haben und doch von der Geschichte mitgerissen werden. Listen werden, wie bei Simone Hirth angelgtund Andrey Kurkov hat mit seinem “Volkskontrolleur” wohl etwas Ähnliches versucht. Geschichte mit Ironie, Andeutungen und märchenhaften Metaphern zu erzählen.

Am Am Schluß des Presseexemplars, das leider keine biografischen Angaben hat und auch im Netz ist über die jungen Autorin nicht viel zu finden führt Yulia Martinova ein Märchen an, daß sie offenbar für das Buch verwendete und ein Buch von Orlando Figes “Die Tragödie eines Volkes. Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924”. Das Buch ist auch ihren Großeltern gewidmet und in einem Verlagsinterview habe ich gelesen, daß der “Rowohlt-Verlag” begeistert von dem ungewöhnlichen Debut war und es stimmt, so hat man die russische Revolution wohl noch nie gelesen. Ich bin beeindruckt und gespannt, ob und auf welche Nuchpreislisten das Buch, das im März erschienen ist, kommen wird. Eine Lesen würde ich empfehlen, was soll man auch in Zeiten wie diesen anders machen und Parallelen zur heutigen Realität lassen sich höchstwahrscheinlich ebenfalls herstellen.

DAVE

Die Pandemie regt offenbar zum Verfassen dystopischer Romane an, ich versuche das ja auch ständig, scheitere aber an der Realität, die mir schwer fällt hinter mich zu lassen. Man muß es woh anders machen, denn wenn ich Minister Anschober in eine Nußschale setze, damit er auf mich hört, schreien wohl alle “Das ist aggressiv und verschwörerisch, denndie Krankheit ist ja da, wir wollen nicht daran sterben und da sind uns etwaige Freiheitsbeschränkungen egal!

Also keine Krankheit, kein Corona, aber dafür die künstliche Intelligenz, denn das ist ein Modell, das wir alle brauchen und von dem alle reden und kurz bevor ich im letzten Jahr zu meinen letzten Ferrienaufenthalt aufgebrochen bin, war ich wieder in der SFU und habe ein Symposium darüber gehört.

Es gibt ja schon einige berühmte dystopische Romane, “1984”ist wohl der bekannteste, der jetzt auch mehrmals neu übersetzt worden und ob sich die1990 geborene Raphaela Edelbauer, die den Lehrgang der Sprachkunst besuchte, jetzt dort unterricht, in Rauris gewonnen hat, in Klagenfurt und 2020 zweimal aufder Buchpreiste stand, sich an Corona und “1984” orientierte, weiß ich nicht. Sie hat jedenfalls einen SF-Roman geschrieben, schreibt in ihrem Nachwort von ihren Phantasien und Spinnereien und ich, die ich ja vom “Flüßigen Land” begeistert war, muß schreiben, ich kenne mich bei “DAVE”nicht so aus. Was heißt, daß ich denke, dawurde ein Horrorszenario nach dem anderen aufgereiht oder eigentlich nur angedeutet und nicht näher ausgeführt und der Tututor eigentlich sagen müßte “Jetzt arbeite daseinmal ordentlich aus!”, so daß ich mich nicht so recht auskannte, worum esgeht, aber weil das ja wohl mein Thmea ist, mehrmal an die Pandemie dachte und darübersinnierte, wie weit das bei uns auch schon vorhanden ist?

Das Ganze spielt in einem Labor, denn die Welt ist wohl untergegangen oder verwüstet, die Geschichte scheint in der Zukunft zu spielen und die Menschen sind über hundert jahre alt und hausen in dem Labor in verschiedenen Stockwerken. Unten, wenn ich es recht verstanden habe, wie bei Nestroy, das Proletariat, oben die Elite und alle werden überwacht und registriert, die Gesundheitsdaten werden gemessen und alle sind Programmierer und wollen Dave, die künstliche Intelligenz programmieren, die die Menschheit dann retten soll.

Da gibt es einen Syz, das ist ein Programmierer, dessen Vater ihn immer zur Mathematik gezwungen hat. Der soll eine junge Ärztin einschulen und verliebt sich in sie, dann kommt es zu einem Absturz, alle rennen herum und Syz findet eine Identitätskarte und steckt sie ein. Dann dringen die Sicherheitskräfte in seine Kammer, wo er haust und führen ihn mit verbundenen Augen in das Zentrallabor, wo ihn ein Prof Fröhlich erwartet und ihm erklärt daß er dazu ausgewählt wurde Dave menschliche Zügezu verleihen, damitdie Progmation besser gelingt. Das heißt, er soll Ereignisse seines Lebens erzählen, die werden dann in Dave einprogrammiert. Script nennt sich das und Prof Fröhlich fügt noch hinzu, daß schon einmal ein Arthur Witteg dazu ausgewählt wurde, aber der ist verrückt geworden.

In der Mensa macht Syz dann noch die Bekanntschaft mit einem Herrn Mandelbrot, einem Architekten und er dringt dann in das Archiv ein, um an die Akten von Arthur Witteg zu kommen. Einen Freund namens Pawel und einen der Felis heißt, gibt esauch und als er auf eine Party geht, trifft er die Ärzti Khatun wieder, die ihm von einem Gartenzweig erzählt, die er ihr geschenkt hätte, aber er hat sie schon seit drei Monaten nicht gesehen und kommt in Wittegs Akte darauf, daß Khatun dessen Frau warund ihr den Gartenzwerg zur Hochzeit schenkte.

Verwirrend verwirrend, Syz bekommt auch seltsame Briefe, verläßt das Labor, kommt darauf, draußen ist doch nicht alles so kaputt, sondern es gibt ein Restaurant namens “Himmelreich” in dem er Witteg findet, der ihm einen Stick gibt und von ihm verlangt, daß er ihm töten soll, aber, daß Syz und Witteg dieselbe Person sind, hat er schon erkannt und es gibt auch keinen Mandelbrot in der Kartei und den, den er findet trägt Wittegs Züge.

Verwirrend verwirrend, er muß dann zu DAVE, um ihn nochmals zu programmieren oder zu zerstören, ganz habe ich das nichtverstanden, läßt sich dazu in einem Computer hinschmuggeln. Die Menschen irren verwirrt herum und im Labor erwartet ihn Professor Fröhlich, der offenbar das Ganze inzenierte.

Ein neues”1984″ in Zeiten, wie diesen, wo man sich vielleicht ohnehin schon fragt, wie weit sind wir schon in diesem Szenario angekommen? Und es ist wieder spannend,ob und auf welche Buchpreislisten das Buch kommen wird und wie es von der literarischen Welt aufgenommen wird und die künstliche Intellgenz ist wahrscheinlich nicht aufzuhalten. Wir sollten aber aufpassen, daß sie sich nicht gegen uns stellt und das ist wahrscheinlich die Botschaft des Buches und Raphaela Edelbauer wohl eine Sprachkünstlerin die die verschiedenesten Stil beherrscht.

Mauersegler

Weiter geht es mit den Pionierinnen der Neunzehnhundertzwanzigerjahre, diesmal in Romanform, denn die Übersetzerin, die, sich Valerie Jakob nennt, hat irgendwann von den Pillotinnen aus dieser Zeit, da gibt es offenbar eine Thea Rasche und eine Elly Beinhorn, gelesen und hat einen Roman daraus gemacht, in dem die Heldinnen erfunden sind.

Mehr noch, sie hat zwei unterschiedliche Generationen darin verknpüft, denn da gibt es einmal eine Juliane, die war Lehrerin, fand in ihrem Beruf aber keine Erfüllung oder konnte sich bei den Kindern nichtdurchsetzen, so bricht sie kurzerhand mit ihrem Freund Christian nach Berlin auf,der dort einen Sart up gründen will. Es kommen Nachrichten von ihrer Mutter, sie soll ihren Großcousin Johann besuchen, der über achtzig ist, in Greifswald lebt und seine Verwandten um Besuch bittet, um ihnen gegebenfalls sein Haus zu überschreiben. Der ist Biologe und auch Gärtner hat den schönsten Spargel, gibt Juliane einen Korb davon mit, die bereitet daraus für ihren Christian ein wunderbares Abendessen. Bei dem er ihr aber nur verkündet, daß er eine neue Freundin hat. So flüchtet sie zu ihren Eltern und dann wieder zu Johann, der ihr gesagt hat, sie könne jederzeit zu ihm kommen. Sie bezieht das Zimmer seiner Mutter und erfährt in ihren Briefen und auch aus Erzählungen, daß die, eine Pilotin mit einem Flugzeug namens “Mauersegler” war und die den Neunzehnhundertdreißigerjahren im Senegal verschwunden bzw.dort abgestürzt ist, so daß Johann bei Julianes Großmutter, Mariannes Schwester Ruth aufwuchs.

Das Buch ist in zwei Erzählsträngen gegliedert. So geht es in die Vergangenheit und zu Marianne zurück, die natürlich, wie es bei den Pionierinnen wohl nicht anders möglich war, in einem sehr liberalen, begüterten Elternhaus aufwuchs.In einem Schweizer Internat lernt sie ihre Lebensfreundin Roseanne kennen, macht mit ihr sowohl den Führer- als auch den Pilotenschein, heiratet dann einen Hermann, einen Architekten, der ihrem Vater versprechen muß, daß er sie an ihren Lebensplänen nicht hindern wird.

Aber die Zeiten ändern sich, das dritte Reich kommt und Hermann ändert seine Ansicht, kann er seinen Nazifreunden doch keine Frau präsentieren, die statt einem Mutterkreuz Hosen trägt und als Marianne mit ihrem Flugzeug nach Afrika will, sie macht Transportflüge, verlangt der Beamte, der ihr die Ausfuhrgenehmigung erteilen soll, die Unterschrift ihres Mannes. Ja so war das und der gibt sie ihrnicht nicht. Vorher gab es noch Streit, als Elsbeth, eine stramme Nazimaid und Haushaltshilfe, Johann ohrfeigt, was Marianne nicht will, der Vater aber in Ordnung findet, weil man die Jungs ja stramm erziehen muß. Zum Glück hat Marianne etwas, womit sie Hermann erpressen kann, so daß er unterschreibt. Sie bringt Johann zu Ruth, fliegt los und kommt nie mehr zurück. Sie ist mit dem Flugzeug abgestürzt, erfährt Juliane aus Gesprächen mit ihrer Mutterund aus Briefen, denn Johann ist sehr schweigsam und einen Traummann, den Schmetterlingsforscher Mattes lernt Juliane auch bei ihm kennen. Sie, die, ja nicht so genau weiß, wie ihr Leben weitergehen soll, bricht zu einer Senegalreise auf, um in Mariannes Lebensspuren weiter zu erforschen. Entdeckt ein Geheimnis, das Johann aber ohnehin schon wußte und wieder ein spannendes Buch, das gar nicht so einfach zu lesen war und viele ungewöhnliche Entwicklungen erhält. Es gibt einige schöne Redewendungen und auch einige sehr beeindruckende Stellen, zum Beispiel die, wo Marianne mit dem Beamten verhandeln muß oder die, wie Juliane ihren Christian Spargel kocht. Eine Jugendfreundin, die Juliane widertrifft, gibt es auch und ein Nachwort von Valerie Jakob, wo sie die Entstehungsgeschichte beschreibt.

Mauern

Ich interessiere mich ja sehr für das Corona-Thema, lese und schreibe viel darüber und stelle mir da auch die Frage, ob man das, wenn man so mitten in der Situation drin steckt überhaupt kann und, ob sich für die Leute für die vielen Corona-Romane und Corona-Gedichte, die da auf den Schreibtischen der Verlage landen können, überhaupt interessieren und schreibt man darüber ist man der Wirklichkeit voraus oder hinterher,wie ich ja in meinen dritten Corona-Text, der noch beim Alfred liegt, merken kann, weil ein Nichtgeimpften-Ghetto wird es wahrscheinlich nicht geben, dafür wird die Mathilde, wenn sie keinen grünen Impfpaß will, vielleicht den Rest ihres Lebens zu Hause sitzen und kann froh sein, wenn ihr jemand die Lebensmittel ins Haus bringt, da ja, wie ich erst gestern in OE 24 TV hörte, auch die Supermärkte aus Solidarität zu den anderen Geschäften, die Testpflicht einführen soll.

Aber jetzt zu den in Hamburg lebenden Politologen und Juristen Kai Lüdders der schon viele Bücher geschrieben hat und es auch jetzt nicht lassen konnte und einen Roman geschrieben hat, das die Ereignisse bis Oktober 2020 oder dann schon im Epilog bis Oktober20 21 schildert.

Also vielleicht das gleiche Problem, wie ich im November 2020 hatte und sein Buch ist auch schon im November herausgekommen. Es ist “Allen Eltern gewidmet, die ihre Kinder in einer angstfreien Gesellschaft aufwachsen lassen wollte” und ich dachte mir noch während des Prologes, wo ein Frederik mit einer Pistole im Oktober auf den Gesundheitsminister Lautschläger schießt, uje, uje, uje, wo führt das hin, wenn man die Realität mit der Fiktion vermischt.

Dann ist es aber in der “Ersten Welle”, die im Jahr 2019 beginnt, klarer geworden, denn eigentlich logisch, die Ereignisse von Wuhan, die da langsam auf die Welt hinüberschwappten, hat die Menschen in ihren Krisen getroffen und da ist einmal Frederick, Jurist wie sein Autor, der ist aber schon einmal mit einer Geschäftsidee in Konkurs gegangen, hat lange darunter gelitten, sein Ruf und seine Reputation waren dahin und hat sich erst jetzt langsam mit seinem Reisebürounternehmen “Fairreisen” hinaufgearbeitet. Es schaut hervorragend aus und so planen er und seine Frau Juilette mit ihren zwei Kindern aus der lauten Stadt Hamburg zu ziehen und sich dort ein Haus bauen zu lassen.

Juilette ist erfolgreich im Finanzwesen tätig, dafür muß sie aber auch hart arbeiten. Hat daher nur wenig Zeit für ihre Kinder Lisa und Karl und ist oft überfordert wenn sie sie zur Schule bringen und sich auch sonst um sie kümmern muß. Man merkt schon wohin das gehen wird, denn noch ist das Killervirus nur im Ferns ehen und Freunde gibt es auch. Jack, ein Amerikaner, der schon lang als Oberarzt an einer Klinik arbeitet und verheiratet mit Nele, einer Krankenschwester auf der Intensivstation ist. Einen Sohn, der mit Karl, glaube ich, in die selbe Schule geht, gibt es auch. Jack hat Herzbeschwerden, will das der besorgten Nele nicht sagen, dann muß er doch operiert werden und will, weil Ärzte ja so unentbehrlich sind und wahrscheinlich nicht auf sich schauen können, nicht auf Reha gehen.

Juilette hat eine Mutter in einer Seniorenresidenz, die raucht, wie ein Schlot, hat eine Grippe und dann wird noch ein Krebs an ihr entdeckt.

So weit so what, bevor es richtig losgeht und da kommt es schon bald zu einem Streit zwischen den beiden Paaren, als Frederick sich um sein Unternehmen sorgen macht und Jack und Nele das egoistisch nennen. Es scheint zum Bruch zu kommen oder doch nicht so ganz, denn als Neles Mutter, die jetzt noch Corona hat, im Sterben liegt und das Spital sie nicht zu ihr lassen will, schleust die Intesivschwester Nele sie ein. Verbietet ihr aber Karl zu Ben zu bringen und mit Frederiks Bruder Patrik und seiner Frau, die als Beamte scheinbar weniger Sorgen, zerstreiten sie sich auch. Denn die erste Welle trifft das Paar hart, Juilette hat Sorgen wegen ihrer Mutter, ist mit den Kindern und dem Homeschooling überfordert und außerdem hat sie noch ein Problem mit der Maske, denn ihre Eltern stammen aus der DDR, machten als sie knapp geboren wurde, einen Fluchtversuch und packten das Kleinkind in den Kofferraum, das während der Fahrt in das schöne Deutschland eine Co2- Vergiftung bekam, wovon sie erst am Sterbebett der Mutter erfuhr. Das teilte ihr die Sterbende, die kurz danach beatmet werden sollte, mit. Da zweifle ich, daß das realistisch möglich ist, erklärt aber warum Juilette mit der Maske Probleme hat und da wird sie trotz Maskenbefreiung in den Supermärkten angepflaumt, so daß der Einkaufsgang zum Spießrutenlauf wird.

Frederick laufen dazwischen alle Kunde davon und als er, was wahrscheinlich auch ein wenig unrealistisch ist, dn Minister Lauterschlag während einer Wahlrede auf einem öffentlichen Platz trifft, der die Gesundheit schützen und alles andere verbieten will, schreit er ihn laut an und wird dabei von der Polizei zusammengeschlagen. Vorher wird er aber noch gefilmt, so daß die Mailbox heißläuft und er noch die letzten Kunden verliert. Er fängt zu trinken an und auch bei Jack geht es wild her, denn der fliegt nach Amerika, um seine Eltern zu besuchen.

Jetzt sind wir schon im Herbst und in der zweiten Welle und als er zurückfliegen will, trifft er seine alte Freundin Mary, die ihn umarmt und küßt, ja die Amerikaner sind undiszipliniert und Kai Lüdders reizt offenbar alle Heldenreisenstufen aus, denn sie hat Corona. Jack bekommt es auch und auch Nele darf nicht ihm zu ihm. Sie will in die Alster springen. Juilette hindert sie daran und dann kommt es zu der schon im Prolog angeführten Kathastrophe, denn Frederick hat sich in seiner Verzweiflung eine Schreckschußpistole geben lassen und schießt auf den Minister, der aber Verständis zeigt. Es kommt zu einer milden Verurteilung und im Oktober 2021 ist alles offenbar ein bißchen besser geworden, hoffen wir darauf und das Paar ist mit ihren Kindern nach Schweden ausgewandert, hat sich dort ein Haus gekauft oder gemietet und die Flüchtlingsfrau Zola aus Simbabawe, die inzwischen mit dem Boot nach Europa gekommen ist, nehmen sie auch auf.

Interessant, interessant, denke ich und natürlich, wie es es ja auch muß, ein wenig übertrieben und dramatisiert, aber leider doch nicht so sehr, höre ich ja während des Schreibens, daß im Osterlockdown 2021 auch das Takeaway verboten werden soll und, daß Leute, die eine Maskenbefreiuung haben, als Mörder dargestellt werden, obwohl das natürlich Unsinn ist, weil keiner der auf der Straße oder im Supermarkt hinter oder vor einem ohne Maske steht, angesteckt wird und, daß die Leute, die vielleicht nur sagen, daß man mit dem Virus leben lernen muß, als Verschwörungstheoretiker und Nazis beschimpft werden, habe ich auch schon erlebt.

Der Titel “Mauern” thematisiert die Spaltung der Gesellschaft durch das Virus am Beispiel des befreundeten Paares und wir haben gesehen, wie man einen Roman über Corona schreiben kann.

Spannend zu lesen, hat mich sehr interessiert, ob, der Otto Normalbürger, der ohnehin schon von der Krise angefreßen ist, Lust darauf hat, kann ich nicht beurteilen und ich habe mir auch öfter gedacht, wenn ich das Buch vor drei Jahre gelesen hätte, hätte ich das für eine phantastische Dystopie für unmöglich gehalten, daß soetwas passieren kann und es ist auch spannend sich vorzustellen, was die kleine Lia, wenn sie vielleicht zwanzig ist und das Buch in die Hand bekommt, dazu sagen wird und auch spannend, die Frage, ob sie dann Maske trägt und ob ihre ersten zwei Lebensjahre, wo sie von dem Ganzen nicht viel mitbekommen hat, Traumatsierungen bei ihr ausgelöst haben und angstfrei würde ich ihr wünschen, soll sie natürlich auch aufwachsen.