Drei wertlose Visa und ein toter Reisepaß

Jetzt kommt etwas Chinesische, beziehungsweuse der Bericht über “Meine lange Flucht aus China”, des 1958 in Siuchan geborenen Liau Yiwu, der 2012 den “Friedenspreis des deutschen Buchhandels” bekommen hat. Ich kenne mich in der chinesischen Literatur wirklich nicht aus, habe aber aus meinen Bücherschrankfunden eine kleine Bibliothek gesammelt und einige der Bücher als kleinen China Schwerpunkt, wild durcheinander gelesen, die DDR Anthologie “Das gesprengte Grab” herausgegeben von dem Sinologen Ernst Schwarz, dem ich später ein Kapitel in meinen “Dreizehn Kapitel” gewidmet habe, ist eines davon, das “Eine Stadt- Ein Buch- Aktion- Buch” von 2010, “Balzac und die kleine chinesische Schneiderin”, von Dai Sijie, ein anderes und, als Liao Yiwu 2012 den “Friedenspreis des deutschen Buchhandels” bekommen hat, habe ich bezüglich meines Buchmessenssurfing sehr viel darüber gebloggt.

Das Buch ist in einige Teile gegliedert und erzählt in einer Art Rahmenhandlung und wiederum sehr poetisch von der langen Flucht aus China, die damit begann oder endete, daß es Liao Yiwu am zweiten juli 2011 gelang, den Grenzfluß von China nach Vietnam zu überqueren.

Das ist der Beginn des Buches und das Ende der langen Flucht, denn der nächste Teil handelt schon davon, daß er versucht in verschiedenen chinesischen Proinzen zu einem Paß beziehungsweise zu Visen nach Deutschland zu kommen, die ihm auch gewehrt werden.

Die Geheimpolizei nimmt sie ihm aber ab oder holt ihn aus dem Flugzeug, in dem er schon drinnen sitzt. Da gibt es den dicken Li mit dem er was für uns auch ein wenig seltsam ist, Tee trinkt, einige seiner Ehen wurden durch seine Gefängnisaufenthalte zerstört, in Rückblenden erzählt er davon und auch davon, daß er durch seine Bücher “Fräulein Hallo und der Bauernkaiser” oder “Für ein Lied und hundert Lieder”, das in Deutschland verlegt wurde, zum Buchmessenschwerpunkt China 2009 nach Frankfurt eingeladen wurde, er bekam aber keine Aureiseerlaubnis, er wurde dann auch zur Litcologne eingeladen, da wurde er, glaube ich, aus dem Flugzeug geholt.

Mit Hilfe der deutschen Botschaft und eines deutschen Kulturredeaktuer gelang ihm dann die Ausreise 2010, da war der dann in Deutschland und auch in Paris wo er Dai Sijie kennenlernte, in Deutschland hat er auch Herta Müller und Günter Grass, der seiner Meinung nach, auch ein eher antiquiertes Bild von der chineschischen Literatur hatte, kennengelernt.

Bei der Rückkehr nach China erwartete ihn gleich die Polizei und konfiszierte die deutschen Zeitungen in den Artikeln über ihn enthalten sind.

Er besucht dann seine Famiie, bringt ihr deutsche Schokolade und geht mit ihr Feuertopf essen, was glaube ich auch von der Polizei gestört wurde, schließlich gelingt ihm, wie schon erwähnt, 2011 die Flucht.

Da kommt es noch zu einer grotesken Szene am Flughafen von Hanoi, wo er sich um tausend in Dollar umgewechselte Euro ein Rückflugticket kaufen muß, obwohl er den ja gar nicht vorhatte, bis die Flucht gelang. Er 2012, wo ein eher angepassterer Chinese, den Nobelpreis bekam, den “Friedenspreis des deutschen Buchhandels” bekam.

Das Buch ist, wie geschrieben, sehr poetisch aber für eine Nichtsinologin nicht so leicht zu lesen, es gibt auch immer wieder Anspielungen auf die deutsche Literatur und interessant ist dabei auch, daß Kafka als ein “österreich-ungarischer Versicherungsangestellter” bezeichnet wird, ein Fehler, der dem Lektor oder deutschen Übersetzer wohl entgangen ist, vielleicht wurde er aber auch absichtlich eingeschmuggelt, denn Humor und Ironie traue ich dem Autor durchaus zu und bin gespannt, ob ich noch etwas in dem Schrank von ihm finden werde?

Yu Huas ” Brüder”, die 2009, in Frankfurt vorgestellt wurden, habe ich inzwischen auch gefunden aber noch nicht gelenen, von Mo Yan, dem Nobelpreisträger, habe ich auch etwas in meinen Regalen und dann habe ich natürlich einiges von Pearl S. Buck gelesen, aber die gehört wahrscheinlich nicht wirklich zur chinesischen Literatur.

Pandemische Zeiten

Jetzt kommt eine Neuerscheinung, die Büchersendungen aus Deutschland kommen wieder an, hipp hurrah, da ist ja offenbar einiges verlorengegangen und wurde über PDFs oder österreischische Auslieferer nachgeholt und die “Pandemische Zeiten – Corona, Kapitalismus, Krise und was wir dagegen tun können”, aus dem marxistischen “Manifest-Verlag”, ist ein brandaktuelles Buch, denn wahrscheinlich nicht nur Ende Mai erschienen, sondern in diesem wahrscheinlich auch geschrieben und hergestellt und das Thema “Corona”, meine Leser wissen es, interessiert mich sehr.

Eine Linke bin ich auch, aber nicht unbedingt eine Theoretikerin, so war ich mir gar nicht so sicher, ob ich marxistische Analysen, die ja oft nur schwer verständlich sind, wirklich lesen möchte?

Vielleicht hat mich auch der Name eines der Herausgegeber,, Sascha Stanicic, veranlaßt das Buch zu bestellen, ich glaube, zwar nicht nur, das Thema war schon das ausschlaggebende und über allzu Theoretisches kann man ja wie bei Arno Schmidt auch schnell darüber gelesen. Dann kam das Buch und ich wurde wieder an den Sascha Stanisic erinnert, dachte, wußte gar nicht, daß der so politisch ist, aber schreibt sich der nicht zweimal nur mit “s”, statt mit “sch” und “c”? Tut er auch, denn der Sascha Stanicic ist ein linker Gewerkschafter und das Buch ist viel viel interessanter, als erwartet und offenbar auch nicht so schwer zu lesen, stellt es ja schon im Vorwort die Frage, die ich mir bei meinem Corona-Text immer noch stelle, kann man mitten in der Krise darüber schreiben?

Kann man natürlich nicht, wissen auch die Herausgeber, nur eine aktuelle Bestandaufnahe geben und das Ganze dann später, wenn alles vorbei ist, beurteilen.

Es ist eine Antholigie in fünf Teile gegliedert und der erste beschäftigt sich mit den Veränderungen, die sei Ende Februar oder Anfang März in Deutschland oder auch in Österreich passierten und da ist ja interessant, daß Österreich ein wenig strenger und viel restriktiver, als die Deutschen war, so haben sie, glaube ich, eine viel größere Arbeitslosikeit als die Deutschen und die deutschen Infektionszahlen sind, glaube ich, sogar ein bißchen besser, aber das nur am Rande.

In den vier Artikeln des ersten Teiles, wo der erste von dem jetzt schon zweimal zitierten Sascha Stanicic ist, werden die Veränderungen, die Maßnahmen und Lockdowns diskutiert.

Winfried Wolf beschäftigt sich in “Eine Erschütterung des Weltkapitalismus mit offenem Ausgang” mit den Börsen und der Autoindustrie, Inge Höger mit dem “Demokratieabbau in Krisenzeiten”.

Da muß man aufpassen, daß der Entzug der Freiheitsrechte, die angeblich nötig waren, nicht nachher bleiben, weil man damit ja viel bequemer alle überwachen kann.

Aber wie kann man das, wenn man nicht demonstrieren darf? Das ist zwar seit Anfang Mai ohnehin vorbei und in Deutschland sind die Leute ja noch früher als in Österreich auf die Straße gegangen, das sind zum Teil aber keine Linken, sondern die sogeannten Verschwörungstheoretiker und in Österreich auch die FPÖ und die Identitärren, als auch nicht das, was man sich vielleicht wünschen sollte und dann wird es besonders interessant, denn ein Andreas Pittler vergleicht die Krise mit Sarajewo, da war ich schon auf den falschen Stanicic draufgekommen und dachte, ich schau mir an, was das für ein linker Gewerkschaftler ist?

War aber schon der österreichische Historiker und Krimischreiber, der ja auch eine Gusenbauer-Biografie geschrieben hat, die ich mal gefunden habe und der zeichnet ein sehr scharfes Bild über die Regierungsbeteiligung der Grünen und meint, was ich eigentlich nicht so scharf gesehen habe, daß das ja eigentlich immer eine eher bürgerliche Partei war, wenn er schreibt: “Der neue Parteichef, (gemeint ist der Herr Kogler) hatte eine Clique machtgeiler, prinzipienloser Spießer um sich geschaft, deren Loyalität er sich zu huntert Prozent sicher sein konnte”, Seite 61 und damit schließt “Und wenn es in Österreich gelingt, ein breites und tragfähiges Bündnis zu schmieden, das dem kapitalistischen Raubzug einen ernsten Kampf ansagen kann, dann hat die “Corona-Krise” wenigstens einen positiven Aspekt gehabt”. Da wäre ich zwar ein wenig skeptisch, war aber im Jänner bei der Grünung einer neuen Linkspartei, die ich allerdings auch nicht auf den Demos bei denen ich war, gesehen habe.

Der zweite Teil ist den “Folgen von Pandemie und Wirtschaftskrise” gewidmet und da werden so ziemlich alle Bereiche behandelt, die mich auch schon beschäftigten, beziehungsweise in den Medien zu hören waren.

Die Spitäler wurden jahrelang kaputt gespart und hatten jetzt zu wenig Schutzausrüstung, zuwenig Personal und dieses zu wenig Gehalt. Eine Ärztin beklagt in einem Brief diese Zustände genauer.

Es geht um die Probleme der Sexarbeiterinnen, die jetzt das ja nicht tun können und meistens nicht sozial abgesichert ist. Schwierigkeiten beim Schwangerschaftsabbruch werden befürchtet und füge ich hinzu, die Schwiergikeit mit Maske gebären zu müßen, daß hat Stadtrat Hacker zwar betont, muß man in den Wiener Spitälern nicht, ich habe aber ein Video gehört, wo das anders beschrieben wurde.

In den Schulen gibt es Probleme, die Obdachlosen haben sie und die Gewalt in den Familien hat wahrscheinlich auch zugenommen. Vor Ostern sind, glaube ich, in einer Woche bei uns erstaunlich viele kleine Mädchen aus den Fenstern gefallen und Ostdeutschland ist von der schlechten Wirtschaftslage und der steigenden Arbeitslosigkeit durch den Lockdown wahrscheinlich besonders stark betroffen, da nimmt dann natürlich der Einfluß der AFD zu und der Rechtsruck verstärkt sich, was man ja auch bei uns in Österreich sehr stark merken kann.

Der nächste Teil beschäftigt sich mit den Kämpfen in den Betrieben und der Rolle der Gewerkschaften, denen ja in Pandemischen Zeiten und wahrscheinlich auch danach ein großes Gewicht zukommt, ein österreichisches Beispiel kann ich auch gleich geben. Da sollte das Personal einer Fluggesellschaft ja zu Dumpingprisen unter dem Mindesteinkommen arbeiten. Die wollten das zum Teil auch, die Gewerkschaft war dagegen und es kam zu einer Demo gegen die Gewerkschaften. Ja, in Zeiten, wie diesen ist vieles äußerst seltsam und auf den Kopf gestellt.

Im vierten Teil werden dann die einzelnen Länder aufgeschlüßelt, aber wahrscheinlich kann man auch das verallgemeinern, das überall das Gesundheitswesen kaputt gespart wurde, es keine Schutzmasken und Ausrüstungen gab und in den Ländern, wo das krasser, als in anderen war, hat sich das dann auch besonders stark ausgeprägt, wie ja auch herauskommt, daß Corona eine Kranheit der Armen ist, die in Massenquartieren, wie Flüchtlingsheimen oder Schlachthöfen oder Postverteilerzentren besonders sich stark verbreitet, wo die Leute in ihren Quartieren wenig Platz haben und auch wenn sie krank sind, arbeiten müßen, weil es keine Krankenversicherung und keine <lohnweiterzahlung bei den Scheinselbständigen gibt.

In Indien und Afrika wirkt sich das noch viel krasser aus, weil man dort oft nicht einmal das Wasser hat, um sich die Hände zu waschen und nein es ist vielleicht doch nicht nur eine Krankheit der armen, wie das Beispiel Ischgl, das natürlich auch vorkommt, beweist. Da wurde um dem Profitausgall zu entgehen von den ÖVP Politikern vertuscht und dem Personal auch verboten sich testen zu lassen, damit ja nichts aufkommt und nichts vorzeitig geschlossen werden muß.

Ein Forderungskatalog der Gewerkschaft und der Linken, wie man in Zukunft solche Zustände verhindert, gibt es auch, ob der dann aber verwirklicht wird und ob Corona den Kapitalismus sinnvoll bekämpfen kann, würde ich aber sehr bezweifeln.

Der Tag als meine Frau einen Mann fand

Wieder ein Buch von meiner Backlistleseliste, ein Buch aus dem Bücherschrank, nämlich Sibylle Bergs “Der Tag an dem meine Frau einen Mann fand”, 2015 erschienen und nicht auf der dBp stehend, aber wieder einmal Skurrilität der letzten Schweizer Buchpreisträgerin, deren “GRM:Brainfuck” ja eine starke Dystopie war und spannend, daß wir jetzt ja, wenn auch in einer anderen Weise inzwischen in einer solchen leben, allerdings noch nicht so ganz gechipt sind.

Von der 1962 in Weimar geborenen und in Zürich lebenden Autorin, die ich letzten Winter, sowohl in Wien als auch in Basel erlebte, habe ich das erste Mal etwas gehört, als ich den Schreibratgeber las, den ich einmal über die Cornelia von Goethe-Akademie bekommen habe.

Da wurde ihr “Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot” sehr gelobt und ich habe mir ihren Namen wahrscheinlich schon wegen des skurrilen Titels gemerkt.

Dann habe ich im Schrank ihr Kolumnenbuch “Gold”gefunden, als ich “Paul und Paula” geschrieben habe, hat mir Klaus Khittl “Vielen Dank für das Leben” geborgt, von dem er sehr begeisgtert war und richtig, 2009 als ich ja auf der Jagd nach dem Buchpreisbüchlein war, ist sie mit “Ein Mann schläft” auf der deutschen Longlist gestanden.

Das Buch habe ich noch nicht gelesen, wohl aber “GMR”, das wie schon beschrieben sehr steil und übertrieben ist und “Der Tag als meine Frau einen Mann fand” kann ich gleich anfügen, ist es auch und es ist wohl typisch Sibyille Berg, die ich ja schon in Leipzig daraus lesen hörte, die wohl wirklich eine außergewöhnliche spitze Schreiberin ist, daß man während des Lesens ständig hin und herschwankt, denn einiges an dieser Midlifegeschichte ist sehr berührend und total nachvollziebar, anderes wieder so abgehoben, daß man nur den Kopf schütteln kann, aber das ist ja angeblich das, was die Leser haben wollen und für Literatur halten.

Es geht um ein Paar, Intellektuelle, Mittelschicht, so zwischen vierzig und fünzig, er mittelmäßiger Regissuer, sie Ehefrau aber auch in einem Antiquariat tätig, Rasmus und Chloe, zwanzig Jahre verheiratet und wie das so ist, total auseinandergelebt.

Das Buch ist in kurze Kapitel aufgeteilt, die alle fast Geschichten als Titel haben, wie “Rasmus entfernt Körperflüßigkeit aus seiner klösterlich kargen Wohnung” oder “Ein Jahr später—- Cloe liegt schlaflos”.

Man sieht also aus zwei Perspektiven erzählt und es beginnt irgendwo in einem Entwickungsland, der Name wird nicht genannt, es könnte aber vielleicht Thailand sein, weil es in dem Buch ja um viel Sex und auch um einen Massagesalon geht.

Rasmus, der einmal ein begnadeter Regisseur werden hätte können, die Kurve aber nicht gekratzt hat, daher in eher mittelmäßigen Theatern tätig ist, ist mit Chloe dorthin gezogen, um mit Jugendlichen ein Theaterprojekt aufzuziehen. Diese stelle finde ich grandios und kann sie, die ich ja auch unterrichtet habe, gut nachvollziehen. Er will mit den Jugendlichen diskutieren, ihnen Kapitalismuskritik beibringen und sie wollen nur Bier trinken.

Er geht dann mit Chloe in einen Massagesalon, dort rauchen sie etwas und Chloe verliebt sich unsterblich in den Masseur mit den roten Haaren. Das Paar fliegt wieder in ihre Eigentumswohnung nach Deutschland zurück, die eigentlich Rasmus Mutter, einer feministischen Finnin gehört, Chloe holt Benny, das ist ihre Liebe und außerdem ein rumänischer oder bulgarischer Roma nach, legt ihn sozusagen in Rasmus Ehebett. Es gibt dann auch wilde Sadomaso-Orgien, Rasmus Mutter taucht auf und spielt zuerst mit, dann verkauft sie die Wohnung, um nach Rumänien zuziehen, Rasmus erlebt einen Herzinfakt und am Ende reist Benny wieder ab und das Paar findet sich für die nächste Runde ihres Lebens in einer kleinenren Wohnung ein.

Midlekrisis einmal total rasant erzählt, das ist wohl Sibylle Bergs Stärke, mir war manches zu stark. Manches konnte ich, wie geschrieben gut nachvollziehen und irgendwie auch auf mein Leben anwenden, obwohl ich ja mit den Sexorigien nicht so mitbieten kann und habe inzwischen noch ein Berg Buch, nämlich “Ende gut”, 2004 erschienen, gefunden. Mal sehen, wann ich es lesen werde.

Die letzte Partie

Das nächste Backlistbuch habe ich einmal im Schrank gefunden und mir genommen, weil es von “müry salzman” war, dem kleinen feinen Verlag, in dem Laura Freudenthaler, die ja heuer beim Bachmann-Digital liest, ihr ersten Buch herausgebracht hat, Malte Borsdorf “Flutgebiet” ist dort erschienen und noch ein paar Bücher aufstrebender Jungautoren.

Den Namen Regine Koth Afzelius, habe ich glaube ich nicht gekannt oder habe ich gewußt, daß sie ein GAV-Mitglied ist? Kennengelernt habe ich sie bei dem einzigen GAV-Jour fix bei dem ich war, da bin ich neben ihr gesessen, mit ihr ins Gesoräch gekommen und wurde an das Buch erinnert.

Inzwischen gibt es von der 1962 geborenen Autorin, noch ein zweites von mir im Schrank gefundes Buch , “Der Kunstliebhaber” das in der Edition Roesner” erschienen ist, wo Anita C. Schaub ihr Frauenbuch, wo auch ein Portrait von mir enthalten ist herausgab und auch die Bruni einiges verlegte.

Dieses Buch ist neuer als die 2016 erschienene “Letzte Partie” denn es wäre, glaube ich, eine Woche nach dem Shutdown bei den Textvorstellungen” glaube ich, vorgestellt worden. Das ist also entfallen, das Buch muß ich noch lesen, die “Letzte Partie” stand aber schon auf meiner Leseliste und ich war sehr gespannt den Stil der mir literarisch noch unbekannten Kollegin kennenzulernen.

Im Klappentext ist es auch sehr schön beschrieben, vielleicht nicht gerade besonders neu und originell de Geschichte von der Eva, die in einem Restaurant ihren Adam kennenlernt. Da würden bei mir die Kritiker wahrscheinlich wieder wegen der sprechenden Namen den Kopf schütteln, sie sieht den Traummann in ihm. Er will aber nicht bei ihr bleiben, das stürzt sie in eine Krise aus der ihr eine Freundin und ein Therapeut heraushelfen. Am Ende beschließt sie sich selbst zu finden und droht Rache an.

So weit, so gut und auch sehr klar. Die folgenden zweihundert Seiten sind dann viel unübersichtlicher und man könnte meinen die Handlung verschwimmt in viele Nebensächlichkeiten und vieles kommt lange nicht so klar, wie in der Beschreibung heraus.

So passiert die geschilderte Begegnung mit Adam in den Restaurant, glaube ich, auf ein oder zwei Seiten, dann ist es schon vorbei und das Paar hetzt durch das Kapitel. Eine Freundin namens Judith gibt es auch. Dann trennt Eva sich und zieht zu einem skurillen Tierarzt, der wie ein Hund bellt, ins Konzert zu spät kommt oder ist das Eva, die das tut?

Wahrscheinlich, denn er schaut sich dort mit dem Operngugger, die schönen Damen im Orchester an. Er führt Eva auch zu einer Sadomasoparty und als der Fensehkontrolleur nachschauen kommt, versteckt er im fünf Minuten Tempo alle Fernseher und tritt dann naß aus der Dusche dem Kontrollor entgegen. Das klingt originell, ist aber, glaube ich, schon veraltet, weil jetzt kein Kontrolleur mehr kommt.

Das mit der krebskranken Freundin und dem Therapeuten Otto kommt dann wieder nur etwas verschwommen heraus, da dachte ich eher die Freundin Judith wäre die therapeutin. Einen Erwin, der sich von einem Robert trennte und wieder versöhnt, gibt es auch und ein Kuchenrezept auf Italienisch.

Das alles sehr hastig mit einer schönen Sprache und vielen literarischen und auch anderen Anspielungen erzählt.

Ich bin ein wenig ratlos und auch überfordertgewesen und jetzt auf das neue Buch grspannt, da ich es ja gerne strukturierter und realisitischer habe.

Wovon Schwalben träumen

Jetzt kommt ein Buch von meiner Backlistleseliste, das der Alfred kaufte, als Daniela Meisel es bei den “Wilden Worten” vorstellte.

Das weiß ich auch nach der Lektüre noch nicht wirklich, das Buch erzählt aber womöglich, die Geschichte der Großmutter der 1977 in Horn geborenen Daniela Meisel, die Biologin ist und schon weitere Romane und Kinderbücher geschrieben hat und die ich bei der Veranstaltung zum Frauentag im Literaturhaus hörte, der letzte Veranstaltung, bei der ich vor Ausbruch des Lockdowns bezüglich der Corona-Krise war.

Erzählt wird die Geschichte jedenfalls von einer Enkeltochter, die glaube ich, ebenfalls schreibt, Biologin ist und ein Verhältnis zu einem Fritz, dem Institutsvorstand oder Professor hat und aus einer guten Familie kommt und sie jetzt nicht recht weiß, ob sie ihn heiraten soll oder nicht.

Die Großmutter ist in einem Dorfgasthaus aufgewachsen, das in Horn sein könnte, Name wird nicht genannt, im Anhag steht aber unter der verwendeten Literatur, die “Geschichte des Horner Friedhofes”.

Freda ist ein uneheliches Kind, die Mutter eigentlich eine recht modebewußte Frau, schupft mit der Großmutter und dem Großvater, den “Jägerwirten” und kocht dort Erdäpfelgulasch. Der Vater ist ein Grafensohn und Freda wird als “Bankert” gehäselt.

Es kommt aber doch zu einer Hochzeit, der Vater ist offenbar der “Dirketor” des Dorfpostamtes und hat ein Pantscherl mit einer der Angestellten dort. Mit der zieht er nach Wien, bekommt ein Kind von ihr, die Ehe wird geschieden, Freda noch mehr gehänselt und freundet sich mit Benjamin, dem Sohn des jüdischen Krämers an.

Das Ganze spielt in den Neunzehnhundertdreißigerjahren, der Anschluß kommt, Benjamin verschwindet. Dann kommt der Krieg, ein Paul erscheint, zieht in den Krieg wird später von Freda, die die Enkeltochter als fortschrittliche Frau schildert, geheiratet.

Broschen und Ketterln finden sich im Nachlaß der Großmutter und ein Ticket nach Aygpten kurz vor ihrem Tod ausgestellt und Freda beschließt dorthin zu fliegen, da sie das mit ihrem Fritz, der nur Dienstreisen mag, nicht könnte.

Nichts wirklich Neues, aber wohl ein Erinnerungsbuch von Daniela Meisel, wiede ein Buch, das das Leben der kleinen Leute im Krieg sehr poetisch und metaphernreich schildert.

London N-W

Jetzt kommt ein Buch von meiner Harlander Backleseliste, das mir der Alfred im Vorjahr von der “Thalia-Abverkaufskiste” in der Kremsergasse mitgebracht hat.

Zadie Smiths 2012 erschienener Roman “London NW” der von vier Dreißigjährigen handelt, die alle in diesem Londoner Bezirk in einer Sozialwohnung aufgewachsen sind.

Von der 1975 offenbar ebenfalls in diesem Stadtteil geborenen Autorin, deren Mutter aus Jamaika stammte, habe ich schon “Swingtime” gelesen “Zähne zeigen” und “Von der Schönheit” muß ich noch lesen und der Episodenroman “London NW” ist, da in einem eher experimentellen Stil geschrieben, gar nicht so einfach zu lesen, da es mit den verschiedenensten Stilmitteln arbeitet.

Leah, Natalie, Felix und Nathan sind jedenfalls in diesen Stadtteil aufgewachsen und der erste Erzählstrang “Heimsuchung” handelt von der weißen Leah, die mit ihrem Freund Michel in einem Wohnblock lebt, trotz ihres Studium eine eher untergewordnete Arbeit hat und nun von einer Trickbetrügerin heimgesucht wird, die sie komplett durcheinander bringt.

Der zweite Teil “Gast” handelt von Felix, der war drogensüchtig, hat sich davon gelöst, besucht nun seinen Vater, kauft sich ein Auto und will mit seiner neuen Freundin Grace ein neues Leben anfangen. Dabei besucht er noch einmal eine Freundin aus seiner Vergangeheit und wird am Rückweg von zwei Burschen, die er schon vorher in der U-Bahn traf, zusammengeschlagen.

Im dritten Teil geht es zu Natalie oder besser Keisha Blake Lehah besten Freundin, als die sechzehn war bekam sie von Leah einen Dildo geschenkt, das hat dann die Beziehung etwas auseinandergebracht, beziehungsweise brachte Keishas Mutter sie mit einem Jungen zusammen der genauso viel las wie sie, mit ihm haben sie sich dann für ein Jus-Studium beworben, wurden auch genommen, die Beziehung zerbrach aber, Keisha die sich fortan Natalie nannte, kam mit einem Frank oder oder einem Francesco De Angelis, einem Sohn aus gutem Hause sozusagen zusammen, heriatete ihn, wurde auch erfolgreiche Anwältin, bekam von ihm zwei Kinder, nach einem Streit weil Frank auf ihre Internetauftritte aufmerksam wurde, verläßt sie fluchtartig mit den Kindern das Haus und trifft dann Nathan auch einen Gefährten ihrer Kindheit wieder, geht dann zu Leah, die Streit mit ihrem Michel hatte, der darauf gekommen ist, daß sie immer noch verhütet obwohl der doch Kinder will und der Bogen spannt sich dann zurück zu Felix der in diesem Episodenroman bisher etwas isoliert gewesen ist, Nathan wird nämlich des Mordes verdächtig und wir haben ein interessantes Buch gelesen, das mit einigen sprachlichen Experimenten, so taucht im ersten Teil zwischen den Kapiteln die Zahl 37 öfter auf, experimentiert.

Halbschwimmer

Weiter gehts mit meiner Backlist-Leseliste und einem Buch, das ich mir eigentlich nach Leipzig mitnehmen wollte, weil die Autorin Katja Oskamp 1970 dort geboren wurde, dann bin ich aber wieder nicht dorthin gekommen und das Buch habe ich, wenn ich mich nicht irre an dem Tag gefunden, wo ich beim “Tag der offenen Tür” von NHP war und,  als ich nach Hause gekommen bin, Erika Parovsky am Band hatte, die mit mitteilte, daß meine Arbeitskreiskollegin Hilde Langthaler gestorben ist.

Jetzt  habe ich es gelesen,  2005 im Berliner TB Verlag erschienen, 2003 ist es schon bei “Amman” herausgekommen und interessant ist daran, daß in dem Buch, meines hat eine Widmung der Autorin vom 10. April 2010, wo Katja Oskamp offenbar in Rauris aufgetreten ist, “Roman” daraufsteht. Es scheint sich aber um neun Kurzgeschichten zu handeln, die  von  einer “Jugend in der DDR handeln” .

Mit der Ersten “Rolf und Mucki”, hat Katja Oskamp 2000 den MDR-Literaturpreis gewonnen, 2004 hat sie dann den Rauriser Literaturpreis für den Roman” Halbschwimmer” gewonnen.

Interessant, daß die “Amman- Ausgabe”, als Erzählungen betitelt sind. Katja Oskamp, die auch am Leipziger Literaturinstitut studierte,  hat oder hatte den Schweizer Schriftsteller Thomas Hrlimann zum Partner, lebt  jetzt iwieder in Berlin und arbeitet seit 2015 als Fußpflegerin in Marzahn. Deshalb heißt ihr letztes 2019 erschienenes Buch auch “Marzahn mon amour- Geschichen einer Fußpflegerin”, von dem ich schon viel gehört habe.

Aber jetzt zu dem Debutband, der von einer Tanja, der Tochter eines hohen NVA-Offiziers und einer Schuldirektorin handelt, die sehr liebeshungrig ist, wie im Beschreibungstext steht und in “Rolf und Mucki”, erzählt die Ich-Erzählerin auch sehr schnodderig von ihrem Nachbarn Rolf, den sie schon als Kind sehr gern besuchte und der den gleichen Namen wie ihr Hamster hat, was für mich ein wenig befremdlich war.

In “Halbschwimmer” verbringt das Kind mit den Eltern einen  Urlaub an der Ostsee und  Katja Ostkamps Hintergründigkeit, weshalb sie wahrscheinlich mit ihrem Debut soviel Aufsehen machte, ist auch in der dritten Geschichte zu spüren, wo sie ebenso hintergründig mit der Naivität eines Kindes von einem Pantscherl zwischen ihrer Mutter und deren Kollegen Herrn O erzählt. Das  Kind kommt nach Hause trifft die Beiden an, es riecht nach Menthol und rrüner Apfel, Rotkäppchensekt wird getrunken und als der Vater ein Major dazu kommt, geht er mit der Tochter joggen. Die fragt nach den Rängen, der Wehrbeauftragte der Schule O. ist nur Leuntnant, also dem Vater unterlegen. Dann sucht die Mutter für ihn eine Frau und am Schluß kommt die erwachsene Tochter nachHause und erfährt vom Tod des Herrn O und die Mutter geht nicht  zum Begräbnis.

Im Brief versetzt die aufmüpfige Kleine, die mit ihrer scheinbaren Naivität, die ganze DDR, wie weiland der Schwejk oder der Herr “Bockerer” untergräbt, die ganze Schule in Aufregung, denn sie hat einen Brief an das Ministerium geschrieben und das Bildnis des kranken Physiklehrers, der seine Hände immer auf seine <hönde legt, geistert in dem Text auch noch herum.

Dann geht es zu den Großeltern, der Großvater hat ein Holhzbein, seines hat er aber nicht im Krieg sondern erst später verloren, deshalb hat er ein besonderes Gefährt und Tauben, die er züchtet hat er auch.

Daß es doch ein Roman ist, bekommt man wahrscheinlich erst am Schluß heraus, in Episode  sechs  “Was die Mode streng geteilt”, geht die Familie, Vati, Mutti, Tanja und deren mehr doppelt so alter Freund Karl der Schauspieler zum Silvesterkonzert in den Palast der Republik, es ist die Wende zu 1989, der Mayor hat die begehrten Karten ohne Anstellen bekommen. Der Schauspieler, Tanja scheint inzwischen an seinem Theater zu hospitieren, kommt in Jeans, die Mutter hat dem Vater die Ausgehunform ausreden können, dafür schmerzen ihre Füße in den neuen Schuhen und in der nächsten Episode, hat Tanja Karl  verlassen, zieht in die WG ihrer Schulfreundin Nina ein, hat auch einen neuen Freund, bemerkt aber das sie schwanger ist, das Kind stammt offenbar noch von Karl, nach einer wilden Party verliert sie es dann ohne abtreiben zu müßen.

In “Schnitt” geht es dann in ein Provinztheater, Konrad ist der neue Freund und offenbar der Dirigent der Opernaufführung, alle sind nervös, Tanja huscht ständig zum Buffet um sich ein Glas Sekt zu kaufen und wohl Konrads ganze Gage damit auszugeben, merke ich an und am Schluß geht es nach Pankow zum Friedhof und zu Karls Begräbnis, eine jahreszahl wird nicht genannt. Es muß wohl weit nach der Wende sein. Karl hat sich offenbar zu Tode gesoffen oder einen Lungenkrebs angeraucht, deshalb hat ihn sein Freund Franz, mit dem er einmal nach Berlin gegangen ist, um ein Theater zu übernehmen, zwar nicht hinausgeschmissen, gibt ihn aber keine Rollen mehr. Sie findet den richtigen Friedhof auch nicht gleich, sieht ihren Vater mit dem sie auch ein Stück ohne mit ihm zu sprechen zum Grab geht, um sich nach der Beerdigung mit Karls tochter Fine, die gleich alt ist, wie sie zu treffen und sich mit ihr wöglicherweise anzufreunden.

“Ein Debut wie man es sich wünscht:herzersfrischend, klug und brüllend komisch”, steht am Cover. Ich denke eher, daß es der distanzierte Tonfall macht, wie hier ein Leben in der DDR und der Weg hinaus, das Scheitern, das Saufen, die Sehnsucht nach Liebe und die nicht finden etcetera, mit einem sehr distanzierten Tonfall erzählt wird. Ich könnte, weil ich mich ja auch öfter im Schreiben eines Episodenromans versuchen, auch anmerken, daß dieser sehr geglückt ist, schon die Tatsachen, daß in den zwei Ausgaben einmal Roman und ein anderes Mal Geschichten steht, sagt ja schon sehr viel aus und Geschichten beziehungsweise Romane über die DDR und ihren Untergang habe ich in der letzten Zeit auch einige gelesen.

 

Der Lügenpresser

Jetzt kommt ein Backlistbuch aus dem Jahr 2018, das sich der Alfred bei einer Buchpräsentation kaufte und mir dann freundlicherweise überließ, auf der Bloggerdebutlonglist ist auch gestanden aber nicht  auf die Shortlist gekommen, das erste Buch der Journalistin Llivia Klingl, von der ich “Biedermaiern” gelesen habe und die auch be iLuis Stabauers Lesereihe lesen hötte sollen, im Jänner ist sie aber krank gewesen, der zweite Versuch ist, glaube ich, Corona wegen ausgefallen. Ein zwei Jahre altes Buch, das aber trotzdem, da sich die Ereignisse überschlagen, aktueller ist denn je oder eigentlich doch nicht so ganz, steht doch auf Seite neunundzwanzig “In Peking sieht man sowieso nichts wegen der Luftverschmutzung. Bei uns weht fast immer ein angenehmes Lüfterl und wir brauchen keinen Mundschutz.”

Da sieht man, was sich alles seit 2018 geändert hat, sonst erscheint einem vieles bekannt, obwohl der Dr. Karl Schmied, der Lügenpresser oder in den Chronikteil einer Boulvardzeitung abgeschobener zweiundsechzigjähriger Historiker, fast sympathische Züge hat und man bei seinem hundertachtzig Seiten Dahingeschimpfe fast verstehen kann, wieso die Leute halt so sind, wie sie sind, aber beim “richtigen” Herrn Karl ist das wahrscheinlich auch nicht anders und am Schluß tut er einem fast leid, nachdem ihn seine Sonja verlassen hat, er sich in der leere Redaktion auskotzt und mit letzter Kraft seinen Rachefeldzug schmiedet.

Das Buch ist in fünf Tage gegliedert und spielt an verschienenen Orten. Zuerst “In der Früh, zu Hause im Bett”, da hat die Sonja ihren Karl gerade verlassen, denn, die eine sechsundvierzigjährige Moldawierin, die als Empfangsdame arbeitet, nimmt das sehr genau und so bleibt der Karl  liegen und denkt über das Leben nach. Träumt sich aus, wie er mit seiner Sonja nach Grado fahren wird, denn da war er früher als Kind mit seiner alleinerziehenden Mutter öfter. Früher als alles noch viel besser war. Jetzt überlegt er, ob er seine Sonja nicht irgendwann heiraten will, dann wird sie ihm zu Jause die Bozena, die Putzfrau ersetzen und sonst kann sie es gut haben, kann zur Massage gehen und ihre Freundinnen treffen.

Wegen der Bozena, der Putzfrau steht er dann doch auf und wir finden ihm am Dienstag im  Prater wieder, wo er weiter schwadroniert. Die Sonja hat ihn versetzt, weil keine Zeit. So muß er abends allein in den Schanigarten gehen und denkt, daß früher alles besser war, nur unter Kreisky konnte er studieren, auch viele Auslandsreisen machen. Mit einer Delegation ist er sogar nach Saudiarabien gekommen. Jetzt gibt es die Flüchtlingskrise, die Willkommenskultur, die Redaktion stellt sich auf Online um und hat ihn vom Außenressort abgeschoben, das habe ich auch vor kurzem auf meiner Backlist gelesen.

Die “Besserwisserin” und der Onlineredakteur machen ihm Sorgen, nur die gendernde Sally gefällt ihm ein bißchen und so sitzt er d,a schwadronniert, trinkt seine acht Spritzten und wartet auf die Sonja, aber die hat ihm am “Donnerstag spätabends allein an der Theke” wiederversetzt, beziehungsweise mitgeteilt, daß sie eigentlich Ekatherina heißt und leider nicht drei Tage nach Grado fahren kann, denn sie fährt Jetzt nach Hause, nach Moldawien zu ihrer Tochter, wird sich dort eine Weinhandlung aufmachen und das Geld hat sie sich natürlich in einem Escortservice, wie denn sonst, verdient, ihren Karl aber doch sehr gern gehabt.

Sehr betrunken schleppt sich der am nächsten Tag in die Redaktion und findet einen Geschenkkorb vor, glaubt zuerst, er wäre wieder auf das Außenressort zurückversetzt, findet dann aber sein Abschiedsschreiben, er kann mit Zweiundsechzig schon in die Korridorpension und eine nicht so kleine, wie er sich eingesteht, Abschlagzahlung bekommt er auch. So kotzt er seine Magenbitter, wie schon beschrieben am Klo heraus, packt dann die Kugelschreiber in den Korb und setzt  an zum Abschiedscoup, wo, der Zeitunartikel ist abgedruckt , der Boulvard einen “Unfaßbaren skandal” aufdeckt.

Sehr berührend irgendwie, wo wir ja schon zwei Jahre drüber stehen, sich die Willkommenskultur sehr verwandelt hat, der Rechtsruck noch mehr vollzogen ist,  die FPÖ und die Identitären sich für Freiheit und die Menschenrechte ohne Maskenpflicht mit einem Babyelefanten Abstand einsetzen.

Ein sehr beeindruckendes Buch, das obwohl bei “Kremair & Scheriau” erschienen fast an mir vorübergegangen wäre. Der Alfred hat es verhindert und ich kann das Lesen daher sehr empfehlen.

Das Journalistinnen zu schreiben beginnen, wenn sie in Pension gehen, ist übrigens nicht so selten, Susanne Scholl hat es gemacht und Cornelia Vospernik, die das vielleicht noch nicht ist, hat ja auch ein Buch geschrieben, das ich bei “Rund um die Burg neu” kennenlernte und später mal im Schrank gefunden habe. Da könnte man fast neidisch werden, aber stimmt ja nicht, ich schreibe ja auch und sehr viel und mir hat Bruno Kreisky höchstwahrscheinlich auch das Studium ermöglicht und ich halte dieSiebzigerjahre ebenfalls für die besten meines Lebens, wie es vielleicht auch bei der 1956 geborenen Kriegs und Krisenberichterstatterin Livia Klingl so war.

Am Schluß steht übrigens noch “Alle  handelnde Personen sind erfunden. Nur die Besserwisserin  – das bin ich”

Trojanische Pferde

Jetzt kommt wieder ein historischer Krimi und wieder, diesmal ein elektronisches Leseexemplar mit der Sperrfrist vom heutigen Datum, ich bin also beim Lesen sehr aktuell, obwohl ich, ich gebe es zu mit dem dreizehnten Band der Bernie Gunther-Reihe, des vor zwei Jahren verstorbenen schottischen Autors Philip Kerr meine Schwierigkeiten hatte und eigentlich auch empfehlen kann, das Buch, das in der Originalausgabe 2018 erscheinen ist, nur zu lesen, wenn man auch die vorigen Bände kennt, hat man doch sonst Verständnisschwierigkeiten.

Das Buch beginnt in München 1957 und da ist der ehemalige Berliner Kriminalkomminar Bernhard Gunther Leichenwäscher und nennt sich Christof Ganz und auf den folgenden fünfhundert Seiten bekommt man  nach und nach mit, was in den vorigen zwölf Bänden geschehen sein könnte oder eigentlich nur, daß Bernie Gunther nie ein Nazi war, aber für die SS arbeiten mußte und deshalb wohl seinen Namen gewechselt hat.

Dann wird es gleich turbulent, denn es kommt ein Kriminalsekretär Schramma auf ihn zu und zwingt ihn mit ihm in eine Villa zu gehen, wo er einen ehemaligen Nazi ermordet, Gunther oder Ganz sperrt ihn in einen Weinkeller ein und wendet sich an einen Anwalt, den er auch von früher kennt und der findet auch Leichenwäscher ist kein schöner Beruf für ihn und vermittelt ihn als Schadensüberprüfer an eine Versicherung.

Da klärt er gleich einen Versicherungsbetrug auf, so daß er von den Chefs und da ist interessant, daß einer der höheren Chargen Alois Alzheimer heißt und mir, die es ja mit den sprechenden Namen hat, war nicht ganz klar, ist das jetzt eine Anspielung an die Amnesie vielleicht, die 1957 in Deutschland herrschte oder eine zufällige Namensgleicheit von der ich ja immer höre, daß man die nicht machen soll.

Auch sonst ist mir vieles nicht klar geworden, nur daß der 1956 geborene Autor, der Krimis und Fantasy geschrieben hat.

“Das Wittgensteinprogramm” habe ich gelesen und ihn auch einmal in der Hauptbücherei gehört, offenbar ein Failbe für den zweiten Weltkrieg hatte und sich in diesem und in Deutschland offenbar auch gut auszukennen schien.

Es geht aber, wie schon der Name sagt und, wie man laut der Buchbeschreibung schon hundert Seiten wartet, nach Griechenland, um den Fall, um ein sinkendes Schiff aufzuklären.

Der Besitzer des Schiffes, ein Filmer, der mit Antiquitäten gehandelt hat, wird ermordet, mit einem Schuß zwischen den Augen. Bernie Gunther findet die Leiche und der griechische Polizist, erkennt auch gleich den ehemaligen Kommisar in ihm und zwingt ihm, weil er ihn offenbar sonst verhaften würde, den Fall aufzuklären.

Das erscheint mir sehr unglaubwürdig und wenn Alois Alzheimer auch ein Zufall ist, der ehemalige SS- Haupsturmführer  Alois Brunner ist es nicht, der ist laut “Wikipedia” 2001 2009  oder 20190 in Syrien gestorben und hatte offenbar auch einen solchen Schuß bekommen, beziehunsbweise ein Auge verloren.

Aber in Philip Kerr Roman ist er  lebendig, denn er trifft den ehemaligen Kommissar mit falschen Namen in seinem Hotel und den soll er nun fangen und dann wird es noch ein paar hundert Seiten lang verwirrend, beziehungsweise spielen die Geschehnisse, der ersten hundert Seiten, die in Deutschland spileen und anscheinend mit dem Fall nichts zu tun hatten, hinein.

So taucht der Rechtsanwalt, der Gunther, den Job verschaffte, wieder auch. Er verliebt sich auch in eine schöne Griechin und es geht natürlich um die Aufarbeitung der Vergangenheit, aber wie schon geschrieben, wenn man die vorigen zwölf Bände nicht gelesen hat und daher nicht genau weiß, wie das jetzt mit  Bernie Gunthers Vergangenenheit war, tut man sich beim lesen etwas schwer.

Ich kann aber noch verraten, daß es noch einen vierzehnten Bernie Gunther-Band gibt, der 2019 in London erschienen ist, aber offenbar noch nicht auf Deutsch übersetzt wurde und richtig, es gibt noch etwas, was mir an dem Buch sehr mißfällt, nämlich das Frauenbild.

Dieser ehemalige Kommissar ist nämlich noch ein solcher der alten Schule, der sich die Frauen nimmt wie  sich ihm in den Weg stellen oder legen. So gibt es einige sehr frauenfeindliche Passagen in dem Buch, die man wohl 1957 in einen Krimi geschrieben hätte, 2018 oder 2020 sollte das aber, denke ich, wirklich nicht sein.

Betibu

Corona-Zeit ist Krimizeit, habe ich, glaube ich, einmal geschrieben. Das ist sicher Zufall, obwohl ich bis jetzt ja hauptsächlich Neuerscheinungen gelesen habe und erst jetzt allmählich zu meiner Backlist, das heißt zur Nummer eins der 2020-Leseliste komme.

Martin Caparros “Väterland” kann ich gleich vorgreifen, ist auch ein argentinischer Krimi,obwohl es ja angeblich dort keine diesbezügliche Autoren gibt.

Auf Platz eins der 2020-Liste, steht ein Fund aus dem Bücherschrank, beziehungsweise “Ihr Leseexemplar aus dem Unionsverlag – bitte nicht vor dem 27. Februar 2013 zu besprechen”, darauf, das ist lang vorbei und wer das Buch in welchen Schrank gelegt hat und, ob es gelesen wurde, weiß ich nicht.

Das sind so die kleinen Geheimnisse, die es auch in den digitalen Überwachungszeiten so gibt und ich kann jedenfalls flüstern, daß mir der Name, der 1960 in Buenos Aires geborenen  Claudia Pineiro nicht so ganz unbekannt ist, denn ich habe ja früher, als ich selber noch nicht soviele Leseexemplare bekommen habe, mich auf die, in den Schränken intensiver gestürzt, das heißt früher und regelmäßiger gelesen und da war auch  “Ganz die Deine” dabei, das Buch habe ich 2013 gelesen und kann hier outen, daß ich mich an den Inhalt eigentlich nicht mehr so gut erinnern kann, wohl aber, daß ich von der Autorin noch  “Ein Kommunist in Unterhosen” gefunden, aber noch nicht gelesen habe.

“Betifu” habe ich wohl im Vorvorjahr gefunden und ganz zuoberbst auf meine Leseliste gepackt und ich kann wieder gestehen, daß ich gezögert habe, ob ich es jetzt  hinunterlesen oder nicht nach Prominenteren, beispielsweise dem “Pianisten” oder “Vergoogelt” von Julia. K. Stein weitermachen soll? Und kann gleich weiterschreiben, daß ich froh bin, das nicht getan zu haben, denn das Buch ist wohl im Gegensatz zu “Ganz die Deine” ein Hit, beziehungsweise wieder eines, das sehr sehr langsam und bedächtig einen ganz anderen Krimi schreibt, man kann darüber diskutieren, ob es überhaupt einer ist und es steht auch irgendwo in dem Buch, daß es obwohl ein paar Morde passieren, eigentlich um das Dahinter geht.

Und die sind in Zeiten, wie diesen höchst beeidruckend, geht es da ja um eine dieser Privatsiedlungen, wo sich die Reichen hinter Mauern Luxushäuser bauen. Vorne stehen Wachleute und kontrollieren jeden der hineinwill  und schikanieren ihn mit sinnlosen Vorschriften. Erinnert das an etwas?

Hätte ich das Buch schon früher gelesen, wahrscheinlich nicht, jetzt aber schon, denn man muß sich inzwischen, wenn man in ein Restaurant oder in ein Cafehaus gehen will, auch anmelden, muß sich auch eine Maske aufsetzen und geht man in einen Baumarkt, wird man getrackt, etcetera.

Eine Maske braucht man nicht, wenn man nach “La Maravillosa”, möchte, damals noch nicht, füge ich hinzu, wurde das Buch ja wahrscheinlich 2012 geschrieben und spielt, wenn ich mich nicht irre, um 2010. Es gibt einen Hausangestellten und einen Besuchereingang. Vor dem steht Gladys Varela am Anfang des Buches und wartet auf das sich Kontrollieren lassen. Sie muß ihre Handynummer angeben und den Inhalt ihrer Handtasche, damit sie nichts hinausschmuggeln kann, dann darf sie zu ihrem Arbeitgeber Senor Chazarreta gehen und den findet sie erstochen auf einem Sessel und bekommt  einen Schreikrampf.

Das ist einer der Morde, die in dem Buch passieren, um das Dahinter deutlicher zu machen. Dann geht es nach Buenes Aires in eine Zeitungsredaktion und da wird es satirisch, denn da muß der ehemalige Polizeireporte Jaime Brena, der degradiert wurde, weil er in einem Interview sagte, daß er alle Zeitungen außer, die bei der er arbeitet,liest, degratiert und muß jetzt über Statistiken berichten, wie, die, ob mehr Frauen als Männer in der Rückenlage schlafen, etcetera.

Dann gibt es noch eine ehemals erfolgreiche Krimiautorin, die heißt Nurit Iscar, wurde aber vom Chef der Zeitung und auch von Brena “Betibu” nach einer bekannten Comicfigur, getauft und hat aufgehört zu schreiben, nachdem sie einmal eine schlechte Rezension bekommen hat.

Jetzt ist sie  Ghostschreiberin, bekommt aber vom Chef der Zeitung, ihrem ehemaligen Liebhaber, der sich aber schon bald als Arschloch entpuppte, den Auftrag, in diese Siedlung zu fahren, um über den Tod, Mord oder Selbstmord ist die Frage, einen literarischen Bericht zu schreiben.

Den Journlistischen soll ein sogenannter, namenloser “Junge” , der jetzt der Polizeireporter der Zeitung schreiben, der nimmt, weil er noch sehr viel lernen muß, Brena mit und wir erfahren dann, daß vor drei Jahren, die Frau des Toten auch schon in diesem Stuhl ermordet wurde und, daß ein Foto gestohlen wurde, auf diesen sind sechs Jungen abgebildet, die alle die selbe Schule besuchten und fast alle von ihnen sind inzwischen eines mehr oder weniger gewaltsamen Todes umgekommen.

Das ist im Wesentlichen die Krimihandlung und macht ungefähr ein Zehntel des Buches aus. Dazwischen wird viel über die Regeln in dieser Siedlung geschrieben, wo man parken darf und, wo nicht und welche Absurditäten, die Wachposten jeden Tag von Neuem ausführen müßen.

Erinnert das wieder an etwas? Wenn ich jetzt schreiben würde, unsere Regierung oder die aller Staaten, hätten dieses  Buch gelesen und es sich zum Vorbild für ihre Überwachungsmaßnahmen genommen, ist das mit Sicherheit Fake News, denn die Wirklichkeit inzwischen wahrscheinlich weiter fortgestritten, als es sich George Orwell oder Claudia Pineiro träumen ließen.

Es geht auch viel, um das Schreiben und um Literatur. Um den Unterschied zwischen dem journalisten und literarischen Schreiben und wahrscheinlich ist vieles auch wieder autobiografisch, weil Claudia Pineiro ja auch Journaistin war oder ist und am Schluß beschließt Nurit Iscar oder Betibu wieder Romae zu schreiben, der Junge verlßtä die Zeitung und gründet eine Internetnachrichtenplattform nur Jaime Brena bleibt, denn er kann ohne den Redaktionsgeruch, obwohl sich der inzwischen sehr verändert hat, nicht leben und ich habe ein interessantes Buch gelesen und kann jetzt nur wieder schreiben, daß ich auf den “Kommunisten in  Unterhosen” schon sehr gespannt bin, aber keine Ahnung habe, wann er an die Reihe kommt?