Jesolo

Nach dem die Bloggerdebutshortlist bekanntgegeben wurde, das zweite Buch der öst Debutliste, Tanja Raichs “Jesolo” und ich habe die 1986  in Meran geborene ja als Herausgeberin der “K&S”-Literaturschiene kennengelernt.

“Jesolo” ist bei “Blessing” erschienen und hat eigentlich nicht viel mit dem italienischen Badeort zu tun oder doch vielleicht, denn dort verbringen Andi und Georg jeden Sommer ihren Urlaub und sie streiten sich im nullten Kaptel auch sehr viel dabei.

Überlegen eine Trennung, Andi tut das, Georg will eigentlich, daß sie bei ihm einzieht und hat auch schon längst Pläne für die Erweiterund des Hauses seiner Eltern geplant. Dann wird Andi schwanger und “Jesolo” entpuppt sich als das zweite Buch über die Schwangerschaft, das ich in der letzten Zeit gelesen habe.

Andrea Grill ist es in “Cherubino” artizifieller angegangen, Tanja Raich ist realistischer und am Anfang erschien mir diese Andi, eine Grafikerin, auch als sehr gestört und ich habe mir gedacht, warum verläßt sie ihn nicht und warum treibt sie nicht ab?

Sie tut es nicht, sondern hält im ganzen Buch einen Dialog mit dem “Du”, dem Georg, der alles besser weiß, alles plant, etcetera.

Ratschläge tauchen auf: “Hör zu rauchen auf!”, “Eine Zigarette kann nicht schaden!”, “Du mußt zunehmen!”, “Du mußt für zwei essen!”, etcetera.

Die Schwiegermutter von der zuerst gesagt wird, daß sie sich nicht einmischschen wird und nie da ist, steht auf einmal in der Wohnung und fängt zu putzen und zu bügeln an und Andi träumt von ihrer Mutter, die sie verlassen hat, als sie zehn war. Den Kontakt zu ihrem Vater hat sie auch abgebrochen. Jetzt meldet er sich wieder und will neu anfangen. Schwangerschaftsuntersuchungen werden gemacht, der Platz im Graphikerbür geräumt, die Ultraschllbilder hergezeigt. Die Hebamme im Schwangerschaftsvorbereitung fragt nach den Gefühlen? Filme über die Geburt werden angesehen und am Ende sieht es dann “genauso aus, wie ich es mir vorgestellt habe.”

Ein interessantes Buch würde ich urteilen, leicht zu lesen, über die geschilderten Ambivalenzen läßt es sich nachdenken und die widersprüchigen Ratschläge hat wohl jeder, der einmal schwanger war, schon gehört.

Und ich war schon bei zwei Lesungen aus dem Buch,  bei “Rund um die Burg” im April und dann bei der Debutpreislesung im Oktober.

Abenteuerliche Reise durch mein Zimmer

Buch sieben des Öst und das dritte das dort auf der Shortlist stand. Karl Markus Gauss “Abenteuerliche Reise durch mein Zimmer” aus dem ich schon in Göttweig und im Sommer bei den O-Tönen hörte, wo mir der 1954 in Salzburg geborene freundlich die Hand gab, keine Ahnung woher er mich persönlich kennt, obwohl er mir ja einmal einen Brief auf meine literarischen Zusendungen schrieb und das Buch ist mir sehr sympathisch, zumindestens die Idee dazu, ist es doch eine, die ich zumindestens früher in meinen Werken auch sehr verfolgte, hat doch Karl Markus Gauss der große Reisende, der vor allem die osteuropäischen Länder erforschte und viele Bücher darüber schrieb, sich auf die Reise durch seine Wohnung aufgemacht und die Gegenstände die es dort gibt erforscht.

Zuerst geht es da nach Salzuburg und in Salzburg bin ich ja auch öfter gewesen, habe seit es das “Geflüster” gibt zweimal dort gelesen und vorher auch schon im Literaturhaus beim “Sichten und Vernichten-Symposiun” eine GAV-Versammlung gab es dort auch einmal und als Studentin bin ich mit der Monika einmal länger dort gewesen, da bin ich durch das Neutor gegangen, wo der Berg in vorigen Jahrhunderten durchgetrennt wurde, um in die Stadt zu gelangen und dort steht irgendwo auch das Haus, das Gauss, seit den mehreren Jahrzehnten mit seiner Familie bewohnt und das, wie er schreibt wie ein umgekehrtes Schiff aussieht und der erste Gegenstand der gewürdigt wird, ist ein Brieföffner einer Eternitfirma, was Gauss veranlaßt ein bißchen die Aspest-Geschichte, wo viele Arbeiter daran gestorben sind, bevor es verboten wurde, zu erforschen.

Vom Brieföffner geht es zu den Briefen, die heute von Gauss auch schon in Mailform erledigt werden und dann zum Thema Warten, daß es ja in den verschiensten Formen gibt, das Verhältnis von Macht ausdrückt und Gauss das Kapitel mit der Feststellung schließt, daß wir unser Leben bis zum Tod mit Warten auf irgendwas verbringen.

Von einem alten Koffer kommt Gauß zu seinen Schwiegervater, der damit als Kind Südtirol verlassen hat, seine mütterlichen Vorfahren sind Donauschwaben, so gibt es in der Küche ein Kochbuch der Großmutter in dem alle multikulturellen Gerichte stehen, die er als Kind oft gegessen hat.

Der Schreibtisch steht neben dem Bett und bevor der beschrieben wird, kommt es zum Namensgeber des Buches nämlich Xavier de Maistre, der eine ähnliche Irrfahrt machte, als er zweiundvierzig Tage das Zimmer als Gefängnis hatteund Sophie la Roche hat im neunzehnten Jahrhundert  ihren Schreibtisch  beschrieben. Der Aschenbecher auf seinen stammt vom amerikanischen Onkel Hugo,  der ihn aus Venedig mitbrachte, als er dieses einmal mit Gauß Mutter besuchte.

Gauss, der Tassen, Duschhauben und auch Bilder und Bücher sammelt oder viele von ihnen besitzt, stellt dann die Frage, wie das mit dem Besitzen sei und zitiert Beispiele von Menschen, die sich von ihren Besitztümern getrennt haben, um Kunst daraus zu machen oder ein besseres Lebensgefühlt zu entwickeln.

Es gibt, das afrikanische Zimmer im Hause Gauss, das ist das zitronengelb ausgemalte, in dem früher die Tochter wohnte, die nach ihrer Matura für einige Zeit nach Afrika ging und von dort Erinnerungstücke mitbrachte, die Gauss für sie bewahrt.

Es gibt ein T-Shir des  berühmten Freiheitskämpfers stjepan Filipovic, das Gauss in Zagreb geschenkt bekam aber weder tragen noch wegwerfen will und es gibt eine Uhr die ihm vom Freunden geschenkt wurde, die er nur selten aufzieht, weil der Lärm den sie beim Schlagen macht zu störiend ist und es gibt das Original eines Gedichts von Albert Ehrenstein, über den Gauss sein erstes Buch schrieb, das ihm ein Freund verehrte, da  an seiner Alkoholsucht verstorben ist.

So gibt es einen Exkurs über den Rausch und den Fensterblick gibt es auch. Da steht Gauss am Fenster seines Hauses, schaut auf die Stadt Salzburg hinaus und seine Gedanken schweifen überall hin. Nach Kroatien, wo er mit seinen kleinen Kindern, manche Sommer verbrachte, zu den Toten des zweiten Weltkrieges.

Einen Exkurs über den Sinn des Krieges gibt es auch, denn hätte es den nicht geben, wären seine Eltern wohl nicht zusammengekommen und es hätte ihm nicht gegeben.

Man sieht, das Buch schweift weit über Gausses Zimmer und seine Gegenstände hinaus und wärefast eines der “Ungeschriebenen Bücher” geblieben, denen Gauss ebenfalls ein Kapitel widmet.

Der Zufall hat ergeben, daß das anders wurde und so erfahren wir, wenn wir wollen und uns die Zeit dafür nehmen, viel über die Gaussche Wohnung, seine Gedanken, seine Ansichten, seine Lebenswelt, etcetera.

Blaumann

Buch sechs des östBps, langsam wird es was und ein, wie es, glaube ich auf der Werbeschiene heißt, nach Franz Innershofers  wieder mal ein Text zur Arbeitswelt, da gibt ja eher wenige in der Literatur, weil die Schriftsteller da vielleicht auch wenig Einblick haben, des 1975 in Mürzzuschlag geborenen Harald Darer, den ich bei einer “Kolik-Lesung” im Schauspielhaus kennenlernte und von dem ich “Herzkörper” gelesen habe.

Sehr viel Thomas Bernhard ist dabei, kann ich verraten und natürlich, das bitterbös total skurill Komische, wie es schon der Klappentext verspricht und ich eigentlich nicht so mag und denke, daß man die Arbeitswelt ja auch realistisch schildern könnte, als sie zu verarschen.

Da ist also der Ich-Erzähler, der hat seinem Lehrlingskollegen Frank Sonnenschein versprochen, sich fünfundzwanzig Jahre nach ihrem Lehrabschluß wieder an der Stelle, wo sie sich kennenlernten, zu treffen. jJetzt ist es soweit und die Frau drängt den Helden hinzufahren, weil sie, wie er vermutet mit ihrer Freundin nach Prag will.

So tut er es. Frankenschein, wie er den Lehrlingskollegen immer nannte, kommt nicht. So sinniert er über seine Lehre nach und das ist, stimmt sehr skurril.

Zuerst kommt die Szene, wo er im TGM gemobbt wurde und die Schule verlassen muß. Der Vater bietet ihm drei Lehrstellenversuche an, so landet er beim “Elektrogeier”, wo er nichts lernt, denn der Juniorchef ist ein Looser, hat im Keller ein Reptilienkabinett, wo der Held, die Tiere füttern muß, macht seine blauen Briefe nicht auf.

Der Lehrling wird aber erst dem behinderten Kollegen zugeteilt, der vom Chef wegen der Behindertenprämie eingestellt wurde. Der soll reperieren, tauscht aber meistens die Geräte nur aus und fährt mit dem Erzähler ins “Siechenheim”, sprich, ins Altenpflegeheim, wo er dem am nächst Sterbenden, den Fernseher vom zuletzt Verstorbenen teuer verkauft. Schließlich kommt der Held an den Bau, da muß er stemmen, holt sich Hämorrhoiden, was auch sehr übertrieben geschildert wird, freundet sich aber mit den Hausparteien, deren Wohnungen zerlöchert werden, an, was wieder einige skurille Geschichten gibt, von denen manche, ich gebe es zu, durchaus spannend zu lesen waren.

Zum Beispiel die. wo er im Spital liegt, die junge Ärztin einem alten Mann am brandigen Fuß was wegsäbelt, ständig “Sie sind sehr gtapfer!”, zu ihm sagt, während der Primar Essiggurkeln und Kantwursht in sich hineinmampft, nun die ist eher unappetitlich, daß aber die Enkel vergessen die Sportzeitung für denOpa zu kaufen, ihm dann aber den Fünfhunderter aus dem Geldbörserl klauen, war sehr beeindruckend.

Andere waren es wieder weniger, denn  nach dem Spital, geht der Junior in Konkurs. Der Erzähler macht die Lehramtsprüfung und kommt dann aufs Arbeitsamt zu einem Umschulungskurs, weil er nicht mehr stemmen will. Da wird ihm eine skurille Geschichte einer Arbeitssuchenden erzählt, die bei ihrer Bewerbung gefragt wurde, ob sie ansteckend ist, weil das offenbar für die Einstellung ein Qualitätskriterium ist.

Er verläßt dann den Kurs, was er die nächsten fünfundzwanzig Jahre machte, kam dann eher unklar heraus.

Jetzt geht er jedenfalls in ein Stehcafe, trifft dort einen “Kollegen”, trinkt mit ihm und geht dann mit ihm in dessen ehemaliges Werk, wo der dann eine wieder sehr skurille Nummer mit dem “Dosendeckelstapler” abzieht, als der Portier die Polizei holt, rennen sie davon, bekommen einen Lachanfall und der Held fährt ohne seine Sachen aus dem Hotel abzuholen, nach Hause.

Dazwschen gibt es noch einen Brief, den seine Frau an Frank Sonnenschein geschrieben hat.

Ein gut konstruierte, vielleicht doch ein wenig unlogische und für mich manchmal eher schwer zu lesende Satire im Thomas Bernhardstil über die Arbeitswelt?

“Lebensnah, erdig und fesselnd. Harald Darer taucht tief in die Abgründe eines Arbeitsleben und schafft damit eine bitterböse, grotesk-komische Realsatire”, steht jedenfalls im Klappentext.

Die Hölle ist leer, die Teufel sind alle hier

Nach der kurzen Schweiz-Unterbrechung, geht es weiter mit dem östBp, das heißt ich fange jetzt so richtig damit an, habe ich bis jetzt ja nur die Bücher gelesen die auch auf der dBp und der Schweizer Liste standen und werde vielleicht wieder unterbrachen, da nächste Woche ja die Shortlist des Bloggerdebuts-Preises” bekanntgegeben wird von der ich hoffe, daß ich einige Bücher schon gelesen habe

Jetzt aber Buch fünf des öst Bp, Gerhard Roths “Die Hölle ist leer, die Teufel sind schon alle hier”, ein Zitat von Shakespeare aus dem “Sturm”, des 1942 in Graz geborenen Gerhard Roth, einem österreichischen Doyen, der mehrere Romanzyklen geschrieben hat und von dem ich auch schon einiges gelesen, bezeihungsweise in meinen Regalen habe.

Jetzt kommt  sein zweiter Vendig-Romanund ich muß gestehen, daß ich keine Ahnung hatte, daß er sich für Venedig interessiert, hielt ich ihn doch für einen Grazer Expressionisten, der sich für die “Archive des Schweigens” etcetera, interessiert und da ich ja eine Namensfetischist bin und bei meinen Preisprognosen immer an die Berühmten denke, war ich sehr erstaunt, das Buch nicht auf der Shortlist zu sehen, hätte ich Roth seines Alters wegen neben Florjan Lipus, den ich noch lesen muß, für einen Favoriten gehalten.

Jetzt bin ich nicht mehr so davon überzeugt, denn ich muß zugegen, daß das Buch, das mich stellenweise an das Debut der Raphaela Edelbauer erinnerte, ist es ja ähnlich absurd und während bei Edelbauer eine seltsame Gräfin alles dominiert, ist es hier ein uralter Herr Egon Blanc, sehr verwirrte und ich mich auch ein bißchen wunderte, daß ein literarischer Doyen, der an den Achtziger geht, seit Jahrzehnten schreibt, sich so etwas traut und  gedruckt wird. Aber wahrscheinlich deshalb und bei mir wäre es wieder oder ist es ganz anders, obwohl ich wieder Ähnlichkeiten mit meinen Schreiben entdeckte.

Es geht also um Venedig, in einigen Rezensionen wird sogar von einem Venedig-Führer geschrieben und um den Tod und das Sterben, beziehungsweise um das Verwirrspiel darum herum.

Die Psychologin würde da wieder an das Hineingleiten in eine Psychose. wie beim “Letzten Huelsenbeck”, denken, spielen ja Pilze auch eine Rolle, aber das nur am Rande.

Der oberflächlige Leser, der der sich nicht so gut auskennt und den Namen Gerhard Roth vorher vielleicht noch nicht gehört hat, wird vielleicht an eine billige Kriminal und Verfolgungsstory denken.

Aber schön der Reihe nach, damit man mir nicht wieder unverständliches Schreiben vorwirft.

Vielleicht sollte ich noch anmerken, daß ich am Anfang erstaunt gedacht habe, aha Gerhard Roth schreibt auch einen dieser Midlifekrise Rome, wo es um den Sex und der Angst vor dem Sterben geht.

Da ist also Emilio Lanz, ein Übersetzter, er kommt aus Südtirol, hat lange in der Steiermark bei seiner Frau, einer Weinbäuerin gelebt und nach deren Unfalltod von ihr geerbt, lebt jetzt am Lido, übersetz den “Gulliver” und ist des Lebens überdrüssig.

Zwei alte Pistolen hat er auch aus der Steiermark mitgenommen mit einer davon fährt mit dem Vaporetto auf eine Insel und beschließt sich dort umzubringen. Bis er dorthin kommt, macht er viele Beobachtungen und die kleinen feinen Beobachtungen sind auch eine Stärke des Buchs, kauft sich ein Schachspiel und betrinkt sich an drei Flaschen Wein. Nebenbei ist er, das sollte ich vielleicht noch erwähnen, ein Büchersammler, der sich ständig neue Bücher bestellt, die ihm dann ein afrikanischer Briefträger bringt, obwohl er längst nicht mehr alle lesen kann. Das ist vielleicht ein autobiografisches Detail und erinnert auch stark an mich.

Lanz beschließt sich also umzubringen. Aber bevor er das tun kann, beobachtet er einen Mord. Ein Mann wird von zwei anderen mit einem Boot gebracht und dann erschossen glaube ich. Eine schöne Fografin namens Julia hat Lanz da auch schon kennengelernt, die sieht er während er zum Vaporetto will, um die polizei zu holen in einem Hotel, hört sie telefonieren und bekommt heraus, daß ihr Lebensgefährte in den Fall verwickelt war und den Mord in Auftrag gegeben hat.

Er landet mit Julia in einem Hotelzimmer, sie entwendet ihm die Pistole mit der dann später ihr Freund und Auftragsgeber erschossen wird und verschwindet. Er geistert durch Venedig, beschäftigt sich mit der Frage, ob er zur Polizei gehen soll oder nicht? Spaziert durch Spitäler und Friedhöfe, sieht sich Kirchen an, macht wieder Beobachtungen, wird verfolgt und schließlich von einem Auto niedergefahren, so daß die Polizei zu ihm kommt.

Da redet er sich  auf Gedächtnisausfälle aus und nun schaltet sich der reiche Hundertjährige ein, der neben ihm wohnt, der offenbar den Unfall verursacht hat und vermittelt einen Übersetzungsauftrag von Shakespeares gesammelten Werken, was fünfundzwanzig Jahre dauern wird und ihm monatlich viertausen Euro einbringen soll.

Einen Falkner hat Emil Lanz inzwischen auch kennengelernt, der stellt ihm andere Angestellte des Egon  Blanc vor. Da gibt es einenImker, einen Gärtner, einen Koch und eine Frau namens Caecilila, die nun Lanz Geliebte wird.

Es kommt zu weiteren Verfolgungsjagden und Todesfällen, ein Commissario Galli taucht immer wieder auf und stellt zynische Fragen. Im letzten Kapitel gibt es dann den für das Buch symbolisch stehenden Sturm. Lanz Haus wird durch einen Brandtanschlag zerstört und richtig, die Flüchtlingsfrage, das hätte ich fast vergessen spielt auch noch eine Rolle.

Am Beginn des Buches hat Lanz bei seinen täglichen Spaziergängen ein totes Flüchtlingsmädchen gesehen, die Stadt ist von illegalen Handtaschenverkäufern überschwemmt und die Flüchtlinge, Julia und ihr Liebhaber waren, stellt sich heraus, im Schlepperwesen verwickelt, wurden in ein verfallenes Sptial untergebracht und dort zur Prostituion und illegalen Taschenverkauf verpflichtet.

Die Frage ob das jetzt alles real oder, ob Lanz nicht schon längst gestorben ist oder  alles nur träumt, taucht auch immer wieder auf und ich bin, wie gesagt ein bißchen verwirrt, daß Gerhard Roth so schreibt und sollte mich vielleicht genauer mit seinen Büchern beschäftigen.

Wenn ich eines seiner Werke in den Schränken finde, nehme ich es ja mit, denn ich habe ja auch eine umfangreiche Büchersammlung, die mir hoffentlich nicht verbrennt. Aber ob ich dazu komme, sie zu lesen, ist fraglich, kommt ja soviel Neues auf mich zu. Aber wenn Gerhard Roth dann auf einer der Buchpreislisten steht, werde ich ihn lesen und ich erlebe vielleicht wieder eine Überraschungen und das ist ja sehr schön.

Mutter brennt

Jetzt kommt das vierte öst Longlist Buch und das zweite von der Shortlist, Sophie Reyers “Mutter brennt” aus der kleinen “Edition Keiper” aus der Steiermark von der ich schon einiges gelesen habe und die 1984 geborene Sophie Reyer kenne ich auch schon lang von Veranstaltungen.

So war sie glaube beim “Lockstoff” der  jungen wilden Reihe des “Podiums” dabei, ich habe sie bei den “Wilden Worten” gehört, ihr “Schildkrötenbuch” wurde in der “AS” vorgestellt. Beim “Radio Rosa” hat sie gelesen, etcetera. Sie hat schon mehrere Romane geschrieben, gelesen habe ich jetzt erst das Shortlistbuch von ihr und das war gar nicht so leicht.

Denn es ist ja nicht, wie der Titel erwarten lassen könnte, ein Buch über die Schwangerschaft, wie etwa “Cherubino” Es ist auch keine reine Familiengeschichte. Es ist viel mehr, es ist alles oder nichts und infolgedessen ein wenig verwirrend.

Es geht um Luise, die Mutter. Die hat zwei Kinder Clemens und Ina und einen Ex-Mann, der behauptet, sie hätte gar keine Kinder, denn sie hat sie abgetrieben.

Das wird im Prolog geschrieben. Dann gibt es drei Teile, die sich sehr wohl mit dem Leben Luises und ihren Kindern beschäftigt, die in einem Wäschegeschäft arbeit.

Es gibt auch eine Großmutter, namens Eva, die war eine Trinkerin und hat sich, glaube ich, umgebracht, als Luise mit Clemens schwanger war. Da hat sie versucht ihn abzutreiben und diese Eva erscheint nun als Geist bei Clemens und erzählt ihm ihr Leben.

Sie war ein Kriegskind, hat im Luftschutzkeller aus Angst zu trinken angefangen, war Hausmeistertochter und später selber Hausmeisterin und Luise ist ein <kuckuskind, nämlich die Tochter eines französischen Allierten, der Eva vergewaltigt hat.

Jetzt will Luise ihr Leben genißen und verreist mit einer Freundin nach Frankreich. Die Kinder läßt sie inzwischen von einer thailändischen Putzfrau, die aus dem Mund stinkt und im selben Haus wohnt oder arbeitet betreuen. Dort lernt sie einen Mark kennen, der wie sich herausstellt der Neffe von jenen Vergewaltiger ist.

Dann gibt es noch die Tochter Ina, die viel lest, was der Mutter gar nicht recht ist. Sie ist aber auch in einem Chor und hat sich in einen Walter verliebt, der wenn ich es recht verstanden habe, schon über vierzig ist.

Sie wird auch wahnsinnig, kommt in eine Klinik, wird von einer Therapeutin und einer Sozialarbeiterin betreut und eine “Zaunreiterin” oder “Hexe” oder “Heilerin” namens Elmira taucht auch noch auf, denn das buch geht ja über die Zeiten hinweg, sprengt diesselben, was man schon beim Lese bemerkt, weil da nicht wirklich klar wird, wie alt jetzt die, vielleicht ohnehin agetriebenen Kinder sind? Zwölf und dreizehn steht irgendwo, aber dann spielen sie mit Legosteinen, dürfen nicht alleine U-Bahn fahren, Ina geht mit einem roten Abendkleid auf einen Ball, etcetera.

Auch das läßt sich durch die Aufhebung der Zeit und das nicht chronologische Schreiben erklärt. Es ist aber auf jedenfall ein sperriges, experimentelles Buch, was ich mir, da ich Sophie Reyer ja kenne, auch erwartet habe.

Gefallen hat es mir trotzdem und es freut mich auch, daß es auf die Shortlist kam, was ich eigentlich nicht erwartet habe.

Der Sprung

Jetzt kommt das zweite Schweizer Buchpreisbuch “Der Sprung”, der 1985 in Arau geborenen Simone Lappert, die auch als Lyrikerin tätig ist, das ich nach Basel mitgenommen habe und an dem ich infolgedessen fast eine Woche gelesen habe.

Eine junge Frau steht am Dach eines Hauses und springt hinunter oder nicht. Die Polizei wird gerufen, die Feuerwehr stellt Sprungbretter auf und um den Platz herum lagern sich, die Schaulustigen, um das Ganze zu beobachten. Jemand schreit “Spring doch endlich!”, eine andere “Die müßte man erschießen!”

So etwa hat es Sinone Lappert in den Frankfurt-Videos erzählt, die ich gesehen habe, beschrieben und dann noch hinzugefügt, daß das Buch nach einem identen Fall geschrieben wurde, wo all das oben Beschriebene  passiert ist.

Simone Lappert hat einen spannenden Roman daraus gemacht, wo in drei Tagen, die Geschehenisse und die einige der dabei Gewesenen beschrieben wird.

Dazwischen wird der Sprung geschildert und man bekommt  heraus, daß es eigentlich kein Selbstmordattentat war, aber doch einiges ungewöhnlich war, denn Manu, die Frau am Dach, eine Gärtnerin wurde ausgesperrt, schmeißt aber dann  mit Dachziegeln, um sich herum und Psychiatrieerfahrungen werden auch geschildert.

Und auch die Geschichten, der darum handelnden Personen werden zum Teil liebevoll erzählt, zum Teil erscheint das Ganze dann wieder zu übertrieben und viel zu viel.

Da gibt es die Schwester Astrid, die eigentlich Bürgermeisterin werden will und nun nicht weiß, ob sie sich zu Manu bekennen soll oder nicht? Es gibt den Freund Finn, der von der Polizei nicht zu ihr gelassen wird. Dann gibt es die Geschichte eines Polizisten, der während er Manu zum Aufgeben bringen soll, eine Retraumatisierung erlebt. Es gibt die Geschichte eines Hutmachers, der eine demente oder nicht demente Mutter hat, die im Altersheim, um sich schießt und dann die berührende Geschichte von der Geschäftsfrau, deren Laden schon längst nicht mehr geht, weil sie den Zug der Zeit verpasst hat, aber weil alle sich an Manu delegieren wollen und daher auf dem Platz ein großes Picknick machen, geht das Geschäft plötzlich wie nie und die Figuren aus den Überraschungseiern sammelt Theres auch, eines deroriginellsten Details, was aber eigentlich mit der Handlung nicht so viel zu tun hat.

Es gibt ein dickes gemobbtes Mädchen, das während der drei Tage einen unerwarteten Aufchwung nimmt. Es gibt die Frau, die “Man sollte sie erschießen!”, schreit und die sich dann als traumatisierte Lokführerin entpuppt, der das Ganze selbst einmal passiert ist.

Es gibt noch viel viel mehr und das Ganze schwankt meiner Meinung nach zwischen sehr spannend und sehr übertrieben.

Der Stil, wie das Ganze aufgebaut ist, ähnelt, glaube ichd,  meinem Schreiben und man kann sich auch die Frage stellen, ob das wirklich so ist, daß die Leute auf  Badetüchern vor dem Haus liegen und mit dem Handy das Geschehen filmen und “Spring doch endlich!”, schreien.

Ein interessantes Buch, das nicht den Schweizer Buchpreis gewonnen hat, ich habe aber ein Autogramm von Simone Lappert drinnen und war auch sehr beeindruckt davon.

Die Nachkommende

Jetzt kommt der Übergang vom österreichischen zum schweizerischen Buchpreislesen oder überhaupt ein internationaler Übergang, denn die 1986 in Zagreb geborene Ivna Zic, die als Kind nach Zürich kam, Theaterwissenschaften und Filmregie studierte und in Zürich sowie in Wien lebt, wurde für beide Preise nominiert und war auch die einzige Autorin auf der österreichischen Longlist von der ich noch nichts gehört hatte.

“Die Nachkommende” ist auch ein Debut und ein sehr poetisches Buch, das ich in der Tasche hatte, als ich am Montag zur österreichischen Preisverleihung ins Casino Schwarzenberg ging. Ich hatte es dann auch die ganze Woche in der Tasche, habe darin gelesen, als ich auf der “Buch-Wien”  auf der “Standard-Bühne” saß und auf die Lesung der Schweizer Nominierten warteten. Ivna Zic hätte kommen sollen, war aber erkrankt und im Zug nach Zürich und dann in den nach Basel als wir dorthin zur “Schweizer Buchpreisverleihung” fuhren hatte ich es auch.

Setzte damit also die internationale Buch und Lesegeschichte fort, denn in dem Buch reist  auch eine junge Frau von Paris nach Kroatien auf die Großmutterinsel, um dort ihre Familie zu treffen und während sie das tut denkt sie an viel. Denkt an ihr gesamtes Leben und ihre Familiengeschichte, an ihre Herkunft, ihre Männer und Frauen, die toten Großväter, die sie trotzdem im Zug begleiten, die immer weinende Mutter, die Nachbarin Marijana, die nicht wünscht, daß man in ihrem Haus Schuhe trägt, etcetera und sie tut das natürlich auch in den verschiedensten Sprachen. Ganze Sätze und Passagen sind auf  Kroatisch geschrieben, was ja auch sehr viel über das Buch und die heutige Zeit mit ihren Nachkommenden sagt, die von überall herkommen,  überall hinreisen und eine ganze Vielfalt von Identitäten und Vermischungen in sich tragen und das dann auch noch sehr frech, modern, kantig und vor allem sehr poetisch auszudrücken verstehen.

“Die Nachkommende” bei “Matthes und Seitz” erschienen, ist ein dünnes Buch und natürlich kein Roman, das steht auch nicht darauf, auch kein Memoir, sondern eine poetische Momentaufnahme, sprachliche Gedankensplitter, die in kurzen oder auch längeren Abschnitte vor sich geschrieben wurden.

Auf das Blatt geworfen und von Brieftauben davongetragen könnte man vielleicht auch  poetisch formulieren und schon die <überschriften, die Kapiteleintelungen lesen sich wie ein Gedicht “JAHR JAHRE GROSSVATER – EINE SITZT – I ` AM DOING FINE IN ALASKA – FELS IN DER BURA – TÜRKIS, KEIN ORT, EIN ROSENKRANZZ, FRAU MARIJANA – EIN ROSENKRANZ RÜCKWÄRTS KAD SANJAM – VERGISS NICHT – DIE LANGSAMEN – JDEMO GORE, IDEMO DOLE – ES WURDE NICHT GESAGT – ANKUNFT ZÜRICH -KEIN NAME – NACHT 1-3 -UND”  und am Schluß gibt es einen Anhang “Ein Rosenkrank rückwärts” genannt, der in die Danksagung übergeht.

Ein internationales buch, das die Internationalität unserer Zeit, die ja derzeit sehr bekämpf wird, treffend wiedergibt, so daß ich Ivna Zik, die ja auch beim internationalen Literaturfestival in prominent  auf dem Programm steht und öfter auftreten soll,  alles Gute wünsche und über Kroatien, wo ich ja auch einen sehr schönen Urlaub verbrachte, auf den Inseln ein wenig herumgefahren bin und mir auch ein Souvenier von dort mitbrachte und seinenachkommenden Schriftsteller viel erfahren habe.

Mobbing Dick

Jetzt kommt das letzte Buch der deutschen Liste, das des 1966 in Zürich geborenen Tom Zürchers, das zwar nicht auf der Schweizer Buchpreisliste steht, aber trotzdem zum Schweizerlesen hinüberführt und es ist ein sehr groteskter Roman, ein schwarzes Kammerstück könnte man meinen. Eine Satire auf das Schweizer Bankwesen vermischt mit einem Psychotrip und wieder einmal alles zu lang und zu viel erzählt, so daß man manchmal, den Kopf schüttelt, nicht mitkommt, ob der Fülle und dann wieder gespannt weiterliest.

Da ist Dick Meier, der seinen Namen von Dick Cheney hat, weil der Vater für die Amerikaner schwärmt. Er ißt ständig, ist aber trotzdem” blaß und schmal” und geht im ersten der neunundachtzig Kapitel zum Arzt um ihm seine Bißwunde zu zeigen. Er hat sich in den Arm gebissen, der Arzt ist solcherart erfahren und rät ihm sein Jusstudium abzubrechen und von zu Hause auzuzuiehen Das geht nicht, da sich der Vater widersetzt und meint, daß  sich die Mutter sonst umbringen würde und außerdem müßen in dem Haus drei Personen wohnen, weil man sonst gekündigt wird.

Dick bewirbt sich also bei der Bank, weil die Mutter früher dort arbeitete und wird genommen, obwohl er einen schlechten Eindruck macht und beispielsweise Cremreschnitten von “Sprüngli” zum Bewerbungsgespräch mitnimmt und dann geht die Groteske los.

Remo Bachmann, ein Diabetiker, was die Personalfrau aber nicht weiß, ist sein Vorgesetzter. Dick vergißt sein Paßwort oder schreibt es sich auf, was man in der Bank nicht darf, dann soll er für bestimmte Kunden die Kuverts in denen sie ihre Auszüge bekommen, wegen dem Bankgeheimnis mit der Hand schreiben.

Sein Vorgesetzter ist aus sehr seltsam, schmiert sich die Haare mit einem grünen Öl ein und wird immer dicker. Dick lernt die Vorstandsriege, die F5 kennen. Er wird auch befördert, soll ein Spezialseminar machen, das in einem Keller stattdindet, wo ihm ein altes Fräulein das Schönschreiben lernt, den Vreneli Code, denn es gibt wegen dem Bankgeheimnis in der Bank unsichtbare Kunden, während die Bank längst von den Amerikanern übernommern wurde und nun Swiss Amercan Bank heißt.

Das Ganze spielt sich in der Zeit des Wahlkampfes an, wo alle glauben, daß Hillary Clinton Präsidentin wird und das nicht wollen, weil die Frauen ja soviel Geld ausgeben. Das sagt der Vater, der von Dick nun dreitausend Franken Haushaltsgeld haben will, aber Dick, der entdeckt hat, daß der Vater fünf Millionen auf dem Konto hat, während er die Mutter knapp hält, hat schon beschlossen auszuziehen und sich eine Wohnung im Rotlichtviertel gemeitet, die in einem Zimmer einen Zahnarztstuhl hat. Geld hat Dick keines und so beginnt er sich bald bei der Bank zu verschulden, kauft Aktien des Nahrungsmittelfonds, wo er alles verliert, wird aber selbst zum Chef, während dieser nun sein Assistent geworden ist. Die Amerikaner lösen alles auf, entlassen alle und die übrig gebliebenen sind nun Vizedirektoren. Aber Dick wird nicht befördert, darf auch nicht auf die Einweihungsparty gehen. So zieht er sich einen weißen Ärztemantel an und irrt nachts als Mobbing Dick durch die Straßen, ruft alle an und röchelt  laut “Halloo!”, in das Telefon hinein.

Es wird aber Remo Bachmann für den Stalker entlassen und man kommt nicht dazu nachzudenken ob das jetzt eine Banksatire oder ein Psychodrama ist?

Es ist das Letztere, denn Dicks Verfolgungswahn nimmt zu, als er Frau Koch, die schöne Marianne, einen von den F5 nach der Beförderungsparty k o vor seiner Haustür liegen sieht. Die Prostiutierte Corelle, die auch  eine Rolle in der Groteske spieltm trägt sie in sein Zimmer. Dick glaubt zuerst, sie ist gestorben, später fesselt er sie, um nicht in einen Vergewaltigunsverdacht zu geraten auf den Zahnarztstuhl und will sie in seinen Wahn auch umbringen.

So landet er am Schluß auf der Psychiatrie wo er weiche Eier zum Frühscück bekommt und alte Bücher lesen kann, die ihm Remo bringt und alles wird gut, könnte man meinen oder doch nicht, denn Dr. Sager, das ist ein Unternehmensberater, von dem Dick am Angfang im Internet, das Bankgeschehen studierte ,klärt ihn über das Wahlergebnis auf, als Dick ihn fragt, warum er eine  schwarze Krawatte trägt, als er ihm besuchen kommt?

“Dick fragt, ob jetzt die Bösen an die Macht kommen. Dr. Sager betrachtet seine Tasse. Er möchte nun doch etwas Milch in seinen Tee. Er rührt lange um, ehe er sagt:

Es gibt keine bösen Menschen. Nur Menschen, die Böses tun, wenn man sie nicht rechtzeitig stoppt.”

So endet das zwanzigste deutsche Longlistbuch, von dem ich nicht ganz sicher bin, ob ich es mir auf die Shortlist wünschen würde oder nicht?

Aber vielleicht werde ich auf der “Buch Basel” zu der ich jetzt ja unterwegs bin, mehr von Tom Zürcher erfahren oder einmal auch seine anderen Bücher lesen.

Schutzzone

Buch neunzehn des dBps und das Erste im Alpabet der langen Liste ist “Schutzzone”, der 1982 geborenen Nora Bossong von der ich schon “36,9”, gelesen habe. Ein Buch, das von der Uno, den vereinten Nationen und den Versuch Frieden auf dieser Welt und wahrscheinlich auch von der Unmöglichkeit das zu tun, handelt und wahrscheinlich versucht, diese schweren Sachbuchthemen mit einer Handlung zu verbinden, sowohl das politische als auch das private, steht irgendwo im Klappentext.

Die Vllogger, die sich durch die Proben lasen, haben das eher uninteressant gefunden und das Buch nicht auf ihre Leseliste gesetzt. Die Kritiker waren begeistert, wünschten Nora Bossong den Bp, einer schrieb, glaube ich, sogar, daß nur sie ihn gewinnen kann. Andere meinten aber, daß das Buch schwer zu lesen ist und das stimmt.

Ich habe mich, obwohl es hier ja nicht, um die sprachlichen Experimente geht, schwer getan, denn Nora Bossong springt in ihrem Versuch, das Buch spannend zu machen und trotzdem bei der Literatur zu bleiben, sehr herum. Ist ein mal im Jahr 1994, dann gleich wieder bei 2017 und da kann ich anmerken, daß wohl die meisten Bücher auf dieser Liste in diesem Jahr gesprieben wurden und, daß es daher auch entsprechend oft vorkommt.

Nora Bossong hat jaber auch andere Jahrenszahlen und vor allem die verschiedensten Orte, wo das Buch spielt.

, Genf, Den Haag, New York, Bujumbura, etcetea. Denn die Welt ist groß und Krieg, beziehungsweise die Bemühungen Frieden zu schaffen, gibt es überall und so ist der,der sich mit dem politischen Geschehen, der letzten Jahre und alle Kriege nicht im Kopf hat, wohl tatsächlich ein wenig überfordert, hat aber nach der Lektüre ein wenig gelernt von den Bemühugen der Uno und dem Weltgeschehen. Ich habe, glaube ich, auch gelernt, wie schwer es ist, das in Literatur umzusetzen, beziehungsweise den Durchschnittsleser dafür zu interessieren.

Da ist einmal Mira, die ist eine junge Frau, hat, glaube ich, Politikwissenschaften studiert und war dann für die Uno in New York und Burundi. Sie arbeitet zu Beginn des Buches in Genf, wo sie Friedensberichte schreibt und am Abend zu Konferenzen in Luxushotels geht.

Das berühmte Beau-Rivage wird erwähnt, wo die Kaiserin Sisi abgestiegen ist, bevor sie ermordet wurde und dort trfft Mira zu Beginn des Buches Milan wieder, in dessen Familie hat sie 1994 eine Zeitlang gelebt und sich, glaube ich, auch in den Diplomaten verliebt. Er ist aber zurückhaltend oder ambivalent, hat er doch inzwischen ein Frau und eien Sohn.

Das ist private Rahmenhandlung, dann geht es nach Burundi, oder Ruanda, wo der Völkermord gegen die Tutsis passierte. Da wird eigentlich sehr schön, der Widerspruch zwischen dem Elend und den Luxusquartieren, wo verhandelt wird. Mira wird, glaube ich, dorthin geschickt, weil sie gut verhandelt kann und mehr kann und soll die Uno ja gar nicht. So kommt es zu einer Szene, wo sie mit verbundnen Augen an einen Ort geschickt wird, wo sie der General mit einer Schürze übern Anzug empfängt. Denn er ist gerade beim Grillen und da erzählt er ihr eine Geschichte, wo Soldaten einen Jungen aufforderten, ob sie den Vater oder die Mutter erschießen sollen? Entscheidet er sich nicht, nehmen sie beide und wieder interessant, der Nachsatz, der öfter kommt, wer weiß, ob diese Geschichte wahr ist und wo sie passierte? Es kann schon viel früher gewesen sein, in Deutschland beispielsweise bei den Nazis, etcetera.

Der erste Weltkrieg kommt vor, der spanische Bürgerkrieg und Picasso, der das berühte Bild von “Guernica” malte, das bezeichnenterweise während einer der Konferenzen verhängt wird. Das geteilte Zypern kommt vor, der Bosnienkrieg, der Angriff auf den Irak von 2003, obwohl man da schon wußte, das die Angriffsgründe haltlos waren und und und.

Das Buch ist in fünf Teile gegliedert, die  die Überschriften “Frieden”, “Wahrheit”, “Gerechtigkeit”, “Versöhnung” und “Übergang” tragen.

“Was bedeutet Verantwortung? Wie greifen Schutz und Herrschaft ineinander? Wie verhält sich Zeugenschaft zur Wahrheit? Und wer sitzt darüber zu Gericht? Hellsichtig und teilnahmsvoll geht Nora Bossong diesen Fragen nach – in privaten Beziehungen wie auf der großen politischen Bühne der vereinten Nationen”, steht am Buchrücken und der Schluß, ein Teil des letzten Satzes lautet:”…., in diesem letzten Moment habe ich micht nicht daran gehalten, weil ohnehin nichts mehr zu retten war, die Welt vielleicht noch, aber was ist schon die Welt.”

Gefallen hat mir an dem Buch, das es eine Welt und ein Milieu schildert, in das man sonst nicht so leicht kommt und die man nur vom Fernsehen und aus den Zeitungsberichten kennt und man kann, glaube ich, gut darüber nachdenken, wie diese Verhandlungen in den Luxushotels in der Welt der Diplomatie aussehen und, wie und warum sie scheitern müssen oder gescheitert sind.

Mira besucht aber auch Lager, wo die Kindersoldaten gegen Geld Geschichten erzählen und wenn man ihnen nicht glaubt “Ich will nichts von Ihnen. Sie wollen was von mir. Dann schreiben Sie mir nicht vor, was ich weiß”, antworten.

Interessant in das alles kurz einzutauchen, obwohl man natürlich die Frage stellen kann, wie weit Nora Bossong in diese Welt hineintauchen konnte und der Versuch Literatur daraus zu machen ist auch interessant, obwohl wenn man, wie ja die Schreibratgeber fordern, die “Heldenreise”  und Spannungsbögen dabei angewandt hätte, wäre es sicher kitschig geworden. So haben es halt einige Leser zur Seite gelegt und gemeint, das interessiert und nicht oder dafür nehmen wir uns nicht die Zeit.

Der junge Doktorand

Buch achtzehn des dBps, der junge Doktorand des 1965 in Berlin-Charlottenburg geborenen Jan Peter Bremer ist wieder eine Überraschung, habe ich doch mit dem Autor 1996 als ich in Klagenfurt zum Zuhören war, eine solche erlebt, als er den Preis mit “Der Fürst spricht”, gewonnen hat, einem Text, der mir überhaupt nicht als so besonders aufgefallen ist. Seither habe ich nicht mehr viel über Jan Peter Bremer gehört, aber einmal im Schrank seinen “Palast im Koffer,” gefunden, den ich noch lesen muß.

Als ich Ende August oder Anfang September, die Bewertungen einiger Vlogger, die sie über die Buchpreisproben abgegeben haben, hörte, habe ich beim “Jungen “Doktoranden”, an den “Revisor”, gedacht, wo einer  ein Städtchen besucht und von den Bewohnern verwechselt wird und mir eigentlich das Buch, das wahrscheinlich mehr eine Novelle als ein Roman ist, als eher langweilig vorgestellt.

“Welch ein Irrtum!”, würde wohl wieder Ernst Jandl sagen und die Buchstaben vertauschen, denn das Kammerstück, wo ein junger Mann zu einem alten Ehepaar kommt, ist sehr interessant und spannend erzählt, obwohl es eigentlich und wiederum gar nicht so besonders neu ist, sondern nur das erzählt, was eigentlich vielleicht ein wenig weniger abgehoben in jeder Familie vorkommt.

Da wird der junge Doktorand vom Ehepaar Greilach. Er ist ein altender Künster, der in einer umgebauten Mühle am Rand eines Städtchens lebt, sie, seine Hausfrau, schon seit zwei Jahren erwarten.

Er soll kommen, um seine Dissertation über die Arbeiten des Malers zu schreiben. Sie erhofft sicht Abwechslung in der Einsamkeit, vielleicht sogar spätes Liebesglück. Er kommt aber nicht, sondern schickt immer Absagekarten.

Dann kommt er spätabends doch und alle sind nicht darauf vorbereitet. Es regnet, das Gulasch ist versalzen, etcetera.

Das Besondere an der Novelle ist, glaube ich, die Art, wie sie geschrieben ist und vielleicht ist wahrscheinlich überhaupt das besonders an der Art von Jan Peter Bremers Schreiben und vielleicht auch das, was mich beim “Bachmannpreis” störte, weil ich vielleicht länger gebraucht hätte, um in den Text hineinzukommen.

Das Ganze ist in einem Zug ohne Kapitel und größer Absätze hinuntergeschrieben und die drei Personen in dem Kammerstück sprechen nicht mit, sonder übereinander.

Der junge Doktorand, ein zwanzigjähriger Abiturent namens Florian, der seit zwei Jahren in Berlin lebt und dort Flüchtlingen beim Deutschlernen hilft, man sieht, Jan Peter Bremer ist auch sehr aktuell, spricht eigentlich überhaupt sehr wenig, sondern schaut ständig in sein Handy oder auf sein Rauchzeug.

Das Ehepaar unterbricht sich ständig, weiß alles besser, als der andere und so kommt man nach und nach in das Geschehen hinein.

Der junge Doktorand soll eine Arbeit über Günter Greilachs Werk zu schreiben, deshalb räumt er sein Atelier auf, überlegt, den Dokoranden nicht zu früh hinein zu lassen, sondern ihn erst auf sein Werk vorzubereiten, während seine Frau mit ihm spazieren gehen will, um ihn ihrer Freundin Jutta zu zeigen.

Der junge Doktorand, Florian, der von seiner Mutter hergeschickt wurde, die das Ganze eingefädelt hat, hat mit Zwölf über eine Lithographie Greilachs, die er irgendwo gewonnen hat, eine Arbeit geschrieben.

Die Mutter, die mit seinem Kunstlehrer zusammenlebt, will einen Künstler aus ihm machen und braucht deshalb Greilachs Protektion. Die Mappe mit den Arbeiten liegt aber in der Berliner WG  unterm Bett und verstaubt, denn Florian sieht das wahre Leben im Kontakt mit den “Geflüchteten”, die nicht “Flüchtlinge” heißen, wie er Gerlach ausbessert, als der ihn in der Küche einen endlosen Monolog, der wahrscheinlich nicht zufällig an Thomas Bernhard erinnert, hält.

Die Intrigen, die dabei passierten, werden dabei aufgezählt. Er sollte eine Ausstellung in einem Museum bekommen und in dem Städtchen einen Brunnen bauen, der dann von seinem Künstlerfreund Hans, dem Mann von Natascha Greilachs Freundin Jutta gebaut wurde, so daß Günter Greilach seither nicht mehr in die Stadt gegangen ist.

Das Ehepaar streit sich ständig. Es wird geraucht und getrunken und am Ende fährt der angebliche Doktorand wieder ab. Flüchtet aus der Enge des Künstlerhaushalts, das Ehepaar bleibt zurück und streitet sich vermutlich bin ans Lebensende weiter.

“Wie ein Greis”, hörte er sie hinter sich sprechen, “du bewegst dich schoch wie ein Greis”, lautet der letzte Satz, um eine kleine Textprobe von dem Kammerstück zu geben, das in den Bloggerrezensionen sehr gelobt wurde und das auch ich mir eigentlich auf die Shortlist gewünscht hätte.