Meine geniale Freundin

Nun kommt Teil eins der sogenannten “Neapolitanischen Saga”, Elena Ferrantes  Tetralogie über zwei Mädchen, die im ärmlichen Nepael der Neunzehnfünfziger- und sechzigerjahre aufgewachsen sind, die sie, wie ich “Wikipedia” entnahm, nicht so genannt haben will und sie will auch ihre Identität, die, glaube ich, inzwischen enthüllt oder auch nicht so ganz ist, nicht outen.

Im Sommer 2016, als ich gerade mein zweites Mal Buchpreis gelesen hat, hat der erste Teil der vier Bücher, die die Kindheit und die Jugend der beiden Freundinnen Lina und Lenu beschreiben “Meine geniale Freundin” in die Buchwelt eingeschlagen und es war neben Han Kangs “Vegetarierin”, die Bestseller der Saison, die man plötzlich lesen sollte.

Die “Vergetarierin” habe ich gelesen, Elenas Ferrantes Saga ist an mir vorbei gegangen, wahrscheinlich habe ich  gedacht, daß ich bei “Wagenbach” und auch bei Alberto Moravia schon genug über das Italien der der frühen Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts gelesen habe, vielleicht hat es sich auch nicht ergeben. Denn meine Leseliste ist ja lang und das doppelte Buchpreislesen, das es damals zum ersten Mal gab, hat mich voll ausgelastet.

Im Jahr 2017 sind dann die anderen Bände der Lebensgeschichte der zwei Frauen, Elena Ferrante, will es glaube ich, so genannt haben, erschienen und heuer glaube ich auch noch Buch, das sich darauf bezieht.

Ich bin im vorigen Mai mit dem Alfred und der Ruth um den Bodensee geradelt und weil wir sie dazu anläßlich ihres Geburtstags eingeladen haben, hat sie sich veranlaßt gesehen, als wir in Überlingen, glaube ich, in einer Buchhandlung standen, mich gefragt, ob ich das Buch schon gelesen habe und es haben will?

Da kann ich bekanntlichermaßen ja nie “Nein!”, sagen, obwohl ich mich erinnern kann, daß ich zu dem danebenstehebenen “Kraft” schielte, aber nicht sagte”Eher das!”, aber das habe ich inzwischen auch gelesen, weil es auf der 2017 Buchpreisliste stand und es hat mir gar nicht so gefallen und da ich jetzt bevor die August- Neuerscheinungen und die neue Buchpreisliste erscheinen, die mich wahrscheinlich noch vollkommener von meiner Leseliste abhalten werden, wie es in den letzten Jahren geschah, ein bißchen verzweifeltes Backlistauflesen, wie ich das jetzt nennee und da kam jetzt, nachdem die Geburtstagsbücher gelesen sind, eben Elena Ferrante dran, war es ja ein Geschenk und sollte dementsprechend beachtet werden.

Vorher habe ich noch im Rahmen des “HotelReihelesens”, das ich jetzt wahrscheinlich doch nicht vollständig betreiben werde,ich mit Giorgio Bassanis “Mann mit der Goldbrille” beschäftigt, wo ich genau jenen schwülstig erotischen Ton fand, den die italienischen Romane des vorigen Jahrhunderts bevorzugt haben.

Und genau das ist wahrscheinlich das Verdienst Elena Ferrantes und der Grund, warum alle ihre Saga, als so genial und noch nie dagewesen bezeichnen.

“Was für ein Werk!”, schreibt der “Spiegel” am Buchrücken “Alle Welt liest Elena Ferrante”, die” FAZ” und “Ein epochales literaturgeschichtliches Ereiginis”, die “Zeit”, daß sie damit aufräumt und einen scharfen kantigen Ton in das Neapel um 1958 hineinbringt, wo die Brüder mit ihren Schwestern so umgingen, wie man das heute empört den Türken vorwirft und die Messer und die Fäuste flogen und die Maffia oder die Camorra ihre Geschäfte trieb und sie auf diese Art und Weise, die Sozialkritik sehr scharf zeichnet, ohne meiner Meinung nach etwas wirklich Neues zu erzählen, aber wie soll das auch gehen? War es ja wahrscheinlich so und das Los vieler Frauen, die damals in der italienischen Unterschicht aufgewachsen sind.

Einige neue Facetten sind aber wahrscheinlich schon drinnen und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum alle so begeistert aufschreien. Es ist der Ton, wie sie erzählt und der mir, ich schreibe es gleich, nicht immer gefallen, mich aber durchaus beeindruckt hat.

Da sind also Lina und Lenuccia, die eigentlich Elena heißt, die eine, die Tochter des Schusters, die andere, des Pförtners im Rathaus und sie wachsen in einem ärmlichen Viertel Neapels auf. Erzählt wird das von Elena Jahre später. Denn da ist Lina plötzlich verschwunden, ihr Sohn ruft Elena, die sich inzwischen als Journalistin und Schriftstellerin emanzipiert und die Stadt verlassen hat und fragt sie, ob sie weiß, wo sie ist? Denn sie hat alle ihre Spuren verwischt, sogar ihr Bild aus den Fotos hinausgeschnitten und so beginnt Elena in Band eins, über ihre Kindheit und dieJugend zu erzählen.

Was sehr angenehm ist, gibt es am Beginn ein ausführlches Personenregister, der Familien, die um die Hauptakteure, in dem Viertel aufwachsen und Lina wird von Elena Ferrante, meiner Meinunung  nach etwas zu abgehoben und unrealistisch genial beschrieben.

Wer die geniale Freundin ist, ist überhaupt unklar. Denn Lina hat ja ihren Rayon nie verlassen, während Elena das gelungen ist. Se war aber, schreibt sie, in der Schule genialer, hat sich selbst das Lesen und das Schreiben beigebracht, war auch frech und aufmüpfig und hat sich weder von den Lehrern noch von den Burschen etwas gefallen lassen.

So werden beiden Mädchen nach Ende der Grundschulzeit von der Lehrerin, Maestra Olivero, die zu den Eltern nach Hause geht und für ein Schmiergeld Nachhilfestunden anbietet, für die Aufnahmsprüfung in die Mittelschule vorgeschlagen.

Elenas Eltern machen das widerstrebend, der Schuster Fernando verweigert. Lina schreit “Ich mach die Prüfung trotzdem!”

Sie ist auch die Beste, auf die Schule darf sie aber trotzdem nicht, denn der Schuster schmeißt sie aus dem Fenster, so daß sie ins Spital muß, nachher darf sie zwar auf eine Haushalts oder Büromädchenschule, die sie aber verweigert, sich selbst aus den Büchern der Bibliothek Latein und Griechisch beibringt und Lenu, die damit anfangs Schwierigkeiten hat, unterrichtet, so daß die Lehrer sie bei der Nachprüfung fragen, wer ihr dabei geholfen hat und sich erkundigen, ob die Freundin, die Universität besucht?

Lina arbeitet aber in dieser Zeit in der Schusterwerkstatt und heckt mit ihren Bruder Rino Pläne aus, mit  selbstentworfenen Schuhe reich zu werden.

Denn das ist der Traum der beiden Mädchen mit viel Geld aus dem Viertel hinauszukommen. Zuerst wollten sie Bücher schreiben, um das zu schaffen. Dann entwirft Lina Schuhe. Sie stellen in jahrelanger Mühe ein Paar her, als aber Rino sie dem Vater zeigt, beginnt der ihn zu versohlen.

So war es offenbar in dem Italien des Alberto Moravia und der “Wagenbach- Schriftsteller”. Elena gelingt es aber durch nächtelanges Büffeln Klassenbeste zu werden und darf dann auch aufs Gymnasium, was auch mühsam ist, denn die Schulbücher müssen ausgeborgt oder gebraucht erstanden werden und im Sommer darf sie zwar zu Maestra Oliverios Cousine nach Ischia, aber auch nur um ihr im Haushalt zu helfen, kommt aber braungebrann und fast als Mißbrauchsopfer zurück.

Die Mädchen gehen unterdessen mit ihren Brüdern aus, fangen vorsichtig die ersten Freundschaften an und da gibt es die Solara-Brüder, die sowetwas wie die Maffia des Rayons sind, der eine stellt Llina nach, macht ihr schöne Geschenke, wie einen Fernsehapparat, aber sie verlobt sich mit Fünfzehn mit dem Lebensmittelhändler Stefano, der ein paar Jahre älter, als sie ist und außerdem noch der Sohn von Don Achillo, dem “Unhold aus dem Märchen”, wie in der Beschreibung steht, der den Mädchen als Kinder Angst machte, ihnen ihre Puppen klaute und später ermordert wird.

Das wird auch, während sich Elena durch ihre Prüfungen quält, sehr ausführlich beschrieben. Lina hat inzwischen ihr Interesse am Lernen komplett verloren. Läßt sich von ihrem Verlobten ausführen und schöne Geschenke machen. Er verspricht ihr auch ihre Schuhe groß herauszubringen, gibt dem Vater Geld, so daß der drei Gehilfen anheuern kann, die die Schuhe herstellen. Es will in dem Viertel aber niemand so teure handgemachte Schuhe kaufen.

So kommt, was kommen muß, Marcello Solara, der ja Lina heiraten wollte und den sie haßt, erscheint zur Hochzeit in dem Paar von ihr und Rino jahrelang angefertigten schuhen. Stefano hat sie ihm gegeben. Das Paar geht auf Hochzeitsreise und Elena stellt fest, daß es wohl niemals möglich ist, aus dem Viertel herauszukommen oder nur, wenn man sich anstrengt, lernt und dieses verläßt und so endet der erste Teil. In den drei anderen wird dann weitererzählt. Ein bißchen habe ich in “Wikipedia” nachgelesen, was da passiert. Ich habe ja nur das eine Buch, werde die anderen, wenn ich sie mal in den Schränken oder einer Abverkaufskiste finden sollte, natürlich nehmen oder um einen Euro kaufen. Aber zum Lesen werde ich angesichts meiner Bücherfülle höchstwahrscheinlich nicht kommen und bin, was die Bewertung betrifft, auch ein wenig ratlos, denn so genial und umwerfend finde ich das Buch eigentlich nicht, obwohl es sehr eindringlich und auch auf eine andere Art und Weise vom Neapel der Neunzehnhundertfünfziger und sechzigerjahre, der Unterdrückung der Frauen und den zerstörten Lebensläufen erzählt.

Elementarteilchen

Jetzt kommt ein Klassiker von meiner Backleseliste, nämlich Michel Houellebeqcs, 1999 erschienener Kultroman “Elementarteilchen”, den ich mir einmal beim Rotary Flohmart in St. Pölten vom Alfred kaufen ließ und auf den ich schon sehr gespannt war, obwohl das Buch jetzt im Schutzumschlag und die erste Seite angelesen,  ein halbes Jahr lang im Harlander Badezimmer lag, denn als ich es im Jänner zu lesen angfangen wollte, habe ich nach der ersten Seite überlegt, daß es doch besser wäre mit dem PDF von Joshua Cohens “Buch der Zahlen” anzufangen und bin seither mit dem Neuerscheinungslesenlesen nicht wirklich fertig geworden.Das heißt, doch im Juni, aber da war der Alfred in Amerika und ich bin in Wien geblieben.

Ein Kultbuch also von dem man schon viel gehört hat und mit dem auch, glaube ich, der 1956 oder 1958 geborene Autor, der  etwas exzentrisch sein dürfte, berühmt wurde und von dem ich einmal einen Gedichtband, der mir sehr gefallen hat und dann “Unterwerfung” gelesen habe.

Hier, schreibe ich gleich, war ich anfangs etwas enttäuscht, beziehungsweise habe ich gedacht, daß man dem zwanzig Jahre alten Buch sein Erscheinungsdatum deutlich anmerkt, denn das, was da über diese Sommerakademie mit den kreativen Writingkursen geschrieben wurde, habe ich nicht so sensationell, sondern alltäglich gefunden.

Es dürfte auch ein bißchen Autobiografisch sein, denn ich habe bei den beiden Brüdern Bruno und Michel, die da beschrieben werden, 1956 der eine 1958 der andere geboren, einige Parallelen zum Lebensweg des Autors gefunden.

Aber dann ist es natürlich ein das ganze Jahrhundert umfassende, breitgefächertes Buch, das das Nachkriegsfrankreich mit all seinen sexuellen Phantasien, dem Leiden von Söhnen von neunzehnhundertachtundsechziger Mütter, obwohl oder weil, die zehn Jahre früher geboren wurden, den wissenschaftlichen Fortschritten, den sexuellen Abartigkeiten und und genau darstellt wird und es ist, weil es ja bis in die Hälte des einunzwanzigsten Jahrhunderts geht, wahrscheinlich auch ein utopischer Roman, den ich mit Stephan Teichgräber im Workshop behandeln hätte können, wenn das, das sich im letzten Kapitel abspielt, nicht nur eine listige Variante des Autors sein sollte, ich neige dazu, das zu glauben und stelle schließlich fest, daß es doch ein sehr beeindruckendes Buchist, obwohl soviel männliche sexuelle Besessenheit  immer ein bißchen abtörnend auf mich wirkt, so daß ich ganze Seiten nur überflogen habe und trotzdem länger, als geplant zum Lesen gebraucht habe.

Es gibt ein Vorwort und ein Nachwort, das sich, um das Leben des Molekularbiologen Michel  Djerzinski, man sieht schon den autobiografischen Bezug, handelt, der in Irland das neue menschliche Leben klonte oder den wissenschaftlichen Beweis dazu lieferte und dann nachdem er die Artikel an die entsprechenden Fachzeitungen schickte, ins Wasser ging.

Das wird in der sogenannten “Nachrede” ausgeführt und dann noch bis 2050 oder so die wissenschaftlichen Folgen der Forschung erklärt.

Dazwischen liegen aber drei lange Teile, die das Leben der beiden Brüder Bruno und Michel, der eine, wie geschrieben 1956 der andere 1958 beboren, erzählt. Die Mutter hieß Janine und war eine Ärztin, die die sexuellen Ausschweifungen von 1968 sehr genoß, ihre beiden Buben von zwei Vätern hatte, sie bei den Großmüttern aufwachsen ließ, so war der eine Zeitlang in Algerien,  der andere bei der anderen Großmutter in Frakreich, beziehungsweise bei seinem Vater, auch einem Arzt, der Frankreichs Frauen, die Schönheitschirurgie bescherte, dann aber den Trend versäumte.

Bruno kam bald in ein Internat, wo er von den älteren Schülern gequält und mißhandelt wurde, mit den Mädchen Schwierigkeiten hatte und Zeit seines Lebens sich seines zu kleinen Penis wegen schämte. In der Jugend erlebte er mit seinem Bruder und mit Annabelle, einen wahrscheinlich nicht so flotten Dreier, in einer dieser Komunen, der Zeltanlage mit kreativen Angebot, die wohl an den Wiener Aktionismus und an Otto Mühl erinnern soll, denn das Buch ist wissenschaftlich unterminiert, die Wiener Ferkeleien werden erwähnt und auf der anderen Seite auch Albert Einstein und Werner Heisenberg.

Bruno wird Lehrer, verheiratet sich auch, wird bald geschieden, hat seinen Sohn Victor nur am Wocheneinde bei sich und versteht ihn nicht. Die Geschichte der sexuellen Revolution wird nebenbei erläutert und Bruno, der dann als Lehrer an das Internat kommt, wo er gedemütigt wurde, wird fast verrückt an den Miniröcken seiner Schülerinnen, holt sich wahrscheinlich hinter einem Schulheft verborgen, einem nach dem anderen hinunter und berührt dann eine nordafrikanische Schülerin, weil er die afrikanischen Schüler schon längst, wegenihrer angeblich längeren Pimmel beneidet.

Das Mädchen schweigt, Bruno sucht einen Psychiater auf und wird ins Ministerium versetzt. Dann hat er eine Zeitlang eine ebenfalls sexbesessene Freundin namens Christiane, als die aber nach einem Rückenmarkleiden gelähmt wird und sich umbringt, läßt er sich wieder in die Psychiatrie einweisen, besucht nur mehr die Mutter, die in ihrer Glückskommune, wo sie den Rest ihres Lebens verbringt und der auch allen ihren Besitz vermicht, stirbt, während Michel, nachdem seine Großmutter exhuminiert wurde, an dem Ort, wo er mit seiner Jugendfreunin Annabelle aufgewachsen ist, diese wiedersieht. Die will mit vierzig nochmals schwanger von ihm werden, was sich aber zu einer Katastrophe auswächst, die Ärzte entdecken einen Krebs an ihr, so daß sie schließlich nach einem Selbstmordversuch ins Koma fällt und stirbt und Michel nach Irland geht, wo er die oben schon beschriebenen Forschungen anstellt, wovon das Buch wohl auch seinen Namen hat.

Ganz am Anfang gibt es eine sehr berührende Stelle, über Michel, der als eine Art Autist beschrieben wird,  von einem Kanarienvogel, den er gerne loslassen will, der aber an panischer Angst vor der Freiheit stirbt, so daß Michel bis er nach Irland geht,  jahrelang mit einem leeren Vogelkäfig in der Wohnung lebt.

Die zwei Seiten des Michel Houllebecqs, könnte man so deuten, ein stark sexlastiges Buch, eines das wohl skandialierte und das ich mir auch etwas anders vorgestellt habe. Es aber sicher wichtig und gut es gelesen zu haben, um sich in der Welt der  starken Männer vielleicht wieder ein bißchen besser auszukennen und auch, um auch eineLücke im literarischen Kanon zu schließen.

Tyll

Jetzt kommt wieder etwas von meiner Liste, nämlich ein Buch, das ich mir im letzten November auf der “Buch-Wien” von dem Geburtstagsgutschein der Anna gekauft habe, weil ich es auf dem “Thalia-Stapel” liegen gesehen habe und etwas anderes mir nicht so ins Auge sprang, denn ich bin ja eigentlich kein Kehlmann-Fan, den ich eigentlich für einen sehr genau arbeitenden, aber vielleicht etwas langweiligen Schriftsteller halte, obwohl ich schon einiges von ihm gelesen habe und einmal lang lang ists her, ich glaube es war nine eleven oder kurz danach, habe ich ihn in der “Alten Schmiede” erlebt, als er von  ein paar Studenten angegriffen wurde und sich krampfhaft freundlich “Es freut mich, daß Sie sich so sehr für mich interessieren!”, verteidigt hat, während der Herr an meiner Seite verärgert “Raunzt nichts kaufts!”, geschrien hat und Kurt Neumann, die Diskussion abbrach und Till Eulenspiegel, der Narr aus dem vierzehnten jahrhundert und überhaupt historische Rlomane interessieren mich ja nicht so sehr, so steht die “Vermessung der Welt” mit der er berühmt geworden ist, noch immer in meinen Regalen, aber dann habe ich doch nicht widerstehen können und ich muß sagen, ich war überrascht.

Daß das einer der besten Romane der Saison sei, habe ich schon vorher wo gehört und dem will ich nicht unbedingt zustimmen, aber es war spannend mich zwar nicht durch das Mittelalter aber durch den dreißigjährigen Krieg zu lesen, hatten wir ja  vor kurzem ein Luther-Jahr und Ferdiun Zaimoglu hat mit “Evangelio”  etwas Ähnliches gemacht und da sind wir auch schon bei einer Kehlmannschen Spezialität.

Vor ein paar Jahren habe ich “F” gelesen und da auch gehört, daß er in einem Interview sagte, ein jeder Schriftsteller würde lügen. Was ich mir so interpretiere, daß er meinte, er muß etwas erfinden oder Geschichten fabulieren und den Ausdruck eigentlich für unglücklich hielt.

Aber das Jonglieren mit der Wirklichkeit gehört wahrscheinlich wirklich zu den Kehlmannschen Spezialitäten und seiner Kunst, denn er hat den Tyll Ulenspiegel in den dreißigjährigen Krieg verlegt. Einen Gaukler, Schausteller und Vaganten aus ihm gemacht und zieht in acht Kapiteln, die eigentlich Bilder sind durch die dreißig Jahre, zieht durch das Vagantenleben seines Tyll und durch die Geschichte, erfindet, fabuliert dabei selber wahrscheinlich sehr  wortgewaltig und ich muß sagen, Hut ab, langweilig, brav und  streberhaft ist da wahrscheinlich nicht mehr sehr viel, sondern alles spitzbübisch schlau durchdacht.

Die acht Sittenbilder des Krieges sind auch nicht chronologisch und von jenem Tyll wird eigentlich auch gar nicht so viel erzählt, der dient vielleicht nur als Vorwand für die Kehlmannsche Fabulierkunst und so zeichnet er wahrscheinlich genauso scharf, direkt, bunt und derb die Armeligkeit des Krieges und das Leid der Menschen damals, wie es Feridun Zaimoglu in seinem “Evangelio” tat.

Beginnen tut es mit den Schuhen. Da zieht der berühmte Gaukler mit seiner Schwester oder Freundin, Nele, der Bäckerstochter seines Heimattorts und einer Alten durch ein Dorf und gibt eine Vorstellung. Er tanzt am Seil und fordert die Leute dann auf, die Schuhe in die Luft zu werfen, was zuerst zu Euphorie und dann zu bitteren Streit führt, weil  sie die dann nicht wiederfinden.

Dann geht es in die Kindheit des kleinen Tyll. Er ist der Sohn eines Müllers, der aber auch ein Heiler ist und sich sehr für Bücher und Gelehrtheit interessiert, das tut in Zeiten wie diesen nicht gut, so kommen zwei Gelehrte zu ihm auf Besuch und er wird als Hexer verbrannt. Der kleine Tyll, der Junge, der einmal schon ein traumatisches Erlebnis hatte, als er mit seiner hochschwangeren Mutter einen Karren Mehl durch den Wald führen mußte und dann die Nacht allein ausharren mußte, mußt dabei zusehen. Er reißt aber mit der schon erwähnten Bäckerstochter aus, schließt sich einen Schausteller an, der ihm noch das Jonglieren   beibringt und einen sprechenden Esel, wo man nie ganz  herausfindet, ob das nun Bauchredner- oder doch Zauberkunst ist, gibt es auch und dann noch eine Reihe berühmte Herren und Wissenschaftler, die in Zeiten, wie diesen nach Drachen suchen oder ihre Memoiren schreiben und weil sie sich auf ihr Gedächtnis nicht mehr so gut verlassen können, dabei einiges verändern.

Ja, Meister Kehlmann ist sehr ausgefuchst und eine Liz, die Enkeltochter der Maria Stuart, Winterkönigin, und Kurfürstin gibt es auch, bei der Tyll, der nicht sterben wollte, nicht sterben konnte oder sich auch nur für unsterblich hielt, Hofnarr war, gibt es auch.

Ein sehr interssantes Buch, wo einiges von Daniel Kehlmanns Meisterschaft, die er sich inzwischen strebsam,  fleißig höchstwahrscheinlich erarbeitet hat, zu sehen ist, also und wem es interessiert, in meinem momentanten Work on progress, an dem ich ja immer noch, wie verrückt oder auch verzweifelt korrigiere, kommt der Meister auch vor und liest ihm österreichischen Kulturinstitut von New York aus dem Buch und diskutiert mit Jonathan Franzen dabei von dem ich in diesem Jahr ja auch schon etwas gelesen habe.

Die Brille mit dem Goldrand

Buch vier der “Hotellreihe”, der wiederaufgelegten Bücher aus dem “Wagenbach-Verlag”, die uns wahrscheinlich in der sommerlichen Leichte, einen guten Einblick durch die Geschichte und die verschiedensten Gegenden Europas geben sollen, vielleicht auch einen Einblick in die verschiedensten Stile.

Sicher eine gute Idee, Altes wiederaufzulegen, nur mit dem Hotel hat Giorgio Bassanis “Die Brille mit dem Goldrand”, noch weniger als Christoph Meckels “Der wahre Muftoni” zu tun, obwohl die Sommerfrischler, die Mitglieder der guten Mittelschicht des faschistischen Italiens, die hier beschrieben werden, ihre Nächte an der Adria natürlich in einem Hotel verbracht haben dürften und wenn ich mich nicht irre, ist es wieder ein Grandhotel, das hier Erwähnung findet, nur in diesem halten sich die Protagonisten, während der beschriebenen Ereignisse, glaube ich, nur ein einziges Mal, wenn überhaupt, auf.

Giorgio  Bassani wurde jedenfalls 1912 in Bologna geboren und starb 2000 in Rom. Er ist glaube ich ein sehr politischer Autor und von ihm habe ich auch “Der Reiher”, ebenfalls bei “Wagenbach” herausgegeben, in meinen Regalen. Denn da gab es ja vor Jahren einen Abverkauf bei der “Buchlandung” auf der Mariahilferstraße, die es ja in dieser Form nicht mehr gibt und da gab es eine Reihe Italiener in der “Wagenbach TB-Reihe”, um einen Euro, zehn Schilling, waren es, glaube ich nicht mehr, denn es wird wahrscheinlich 2006 oder 2007 gewesen sein und ich habe “Erica und ihre Geschwister” davon auch gelesen und außerhalb dieser Reihe, seit den Bücherschrank- und Literaturgeflüsterzeiten auch einiges von Alberto Moravia und so bin ich an diesen italienischen Stil der Zwischen oder Vorkriegszeit, diese knisternde und bedeutungsschwangere Erotik schon gewont und habe sie bei Michela Murgia, die ja viel jünger ist, erst im letzten <Jahr wiedergefnuden.

Ich könnte aber auch Thomas Mann und seinen  Tod in Venedig”, damit man weiß, was gemeint ist, erwähnen und füge hinzu, daß ich mir mit solchen bedeutungsschweren Gefühlsgeschichten sehr schwer tun, weil sie meinen Widerstand erregen und ich eigentlich die Gefühlsregungen dieses Doktor Fadigati, des Nannes mit der Goldbrille nicht nachvollziehen kann. Sie erscheinen mir, der 1953 geborenen, sehr widersprüchig  und ich kann nur sagen, daß es Gottseidank sowetwas nicht mehr gibt, zumindest hoffe ich das.

So wird aber dieser Dr. Fadigati in den achtzehn Kapiteln der Erzählung auf jeden Fall sehr wiedersprüchig geschildert und man weiß auch nicht genau, wie alt er ist?

Da steht einmal etwas von vierzig und dann ist er plötzlich ein alter Mann. In wenigen Monaten gealtert, gedemptigt, stotternd. Von einem jungen Schönling total ausgenommen, obwohl er doch vorher so erfolgreich war.

Ist er doch HNO- Arzt, Leiter der entsprechenden Abteilung im Krankenhaus mit einer schönen modernen Privatpraxis, wo sämlichte Honoratoren von Ferrara, wo die Geschichte in den dreißiger Jahren spielt, Hitler an die Macht gekommen ist, Dollfuß erfordet und die Juden in dem Städtchen sich Sorgen machen müssen, ob die Rassengesetzte nicht auch bald in Italien angewendet werden, seine <Patienten sind und ihren kindern von ihm die Mandeln nehmen lassen.

Er ist auch ein großer Kunstkenner, geht in die Oper, ist literarisch gebildet, sammelt Gemälde, die man sich in seinem Wartezimmern, wo  die junge schöne Sprechstundenhilfe, die Patienten freundlich begrüßt, auch ansehen kann und hat nur einen Makel, er ist unverheiratet. Hat auch keine Köchin, so kauft er sich zu Mittag seine Thunfischdose und seinen Aufschnitt selbst und am Abend wird er meistens in einem Kino gesehen und so fängt man zu munkeln an, ob er nicht vielleicht und ob es sein könnte…

So fängt es jedenfalls sehr packend und dicht beschrieben, im erste Kapitel an. Dann fährt er plötzlich zweimal in der woche mit dem Zug zweiter Klasse nach Bologna, besucht dort aber die dritte, wo die Stundenten und auch der Erzähler fahren und dort lernt er einen schönen blonden Sportstudenten kennen, verfällt ihm offenbar sofort, wird von ihm gedemütigt und macht sich völlig wehrlos, total lächerlich und mir fällt soetwas schwer zu lesen, wenn es auch vielleicht in den Dreißigerjahren in Italien oder sonstwo sowas gegeben haben mag.

Dann kommt der August und der Erzähler fährt mit seiner Familie ans Meer, wo auch Dr. Fadiati mit seinem Lebhaber Station gemacht hat und der dort mit seinem roten Alfa herumfährt. Kann ein HNO Arzt und Abteilungsvorstand wirklich seine Praxis für zwei Monate verlassen?

Die gute Gesellschaft die sich auch am Strand befindet, redet jedenfalls scheißfreundlich und hinterhältig von ihm und seinen Liebhaber. Der kommt aber nicht, läßt den Doktor warten und stottern, denn er fährt mit dessen Auto nachmittags mit zwei Frauen davon und lädt auch noch andere ein, mitzukommen und als sich der Doktor vielleicht doch wehren will, schlägt er ihn zusammen und raubt ihn aus und der kann ihn nicht anzeigen. Wahrscheinlich wäre das damals wegen der damaligen Gesetze  auch nicht möglich gewesen und so bleibt ihm nichts anderes über, nachdem er seine Stelle und seine Patienten verloren hat, als in den Po zu gehen und der Erzähler erfährt aus der Zeitung davon und erzählt seiner Familie, man ist wieder in Ferrara, während des Mittagessens davon.

Ganz schön beklemmend diese Geschichte.

“Ein genau gezeichnetes Portrait der guten  Gesellschaft und, wie sie ihr Fähnlchen in den Wind hängt,”, steht noch am Buchrücken und mich hat an diesem beklemmenden Portrait vor allem die Vebindung mit dem herannahenden Faschismus beeindruckt.

Die plötzliche Schwäche des erfolgreichen Arztes und Kunstliebhabers war mir nicht nachvollziehbar. Er ist homosexeull gut, muß er dann aber mit über vierzig Jahren, jeden Jünglichen verfallen und von ihm ausrauben, ohrfeigen und lächerlich machen lassen?

Ich würde Homosexualität anders beschreiben und das wird sie inzwischen auch und die Verbindung mit dem Faschismus ist mir auch nachvollziebar und um mehr über Giorgio Bassani, sein Schreiben und seine politsche Einstellung zu erfahren, müßte ich wohl endlich den “Reiher” und vielleicht auch adneres von ihm lesen und jetzt fehlen mir noch zwei Bücher aus der Hotelreihe, die dieses Wort schon im Namen tragen, nämlich Markus Ohrts Zimmermädchen, wo dieses glaube ich, unter dem Bett eines Hotelgastes liegt und Arnold Bennetts “Grand Hotel Babylon” von dem ich noch gar nichts gelesen habe.

Mal sehen, ob diese Bücher zu mir kommen, obwohl ich ja schon eine sehr beeindruckende Backlist habe?

Grandhotel

So nun habe ich die dritte Nacht im Hotel verbracht, denn “Wagenbach” hat ja sozusagen eine Sommerreihe, wo er sechs ältere oder neuere Bücher, die alle irgendwie im Hotel spielen, wieder aufgelegt oder neu herausgebracht und so bin ich mit Vicki Baum in den letzten Tagen des Krieges im Hotel Berlin gewesen, da wußte ich noch nichts von der Reihe, war nur erfreut, daß ich endlich an das Buch kommen kann, als ich es bei “Anna Jeller” in der Auslage liegen sehe, dann habe ich mit Christoph Meckels Sussanne und ihrem neugeborenen Bruder eine irrwitzige Reise durch ganz Europa unternommen und Hotels ja, natürlich, kommen auch ab und an darin welche vor, während Jaroslav Rudis, der heuer den “Preis der Literaturhäuser” bekommen hat, zweiten auf deutsch erschienen  Roman, wie schon der Name sagt, wieder in einem Hotel spielt.

Nämlich in dem futoristischen Grand Hotel hoch auf einem Berg in Liberec, vormals Reichenberg gelegen, dasm glaube ich,  eine Raketenform hat und hoch in den Himmel ragt und Jegr, der Besitzer hat es auch in ein postkommunstisches Museum verwandelt, denn das Buch spielt 2003 und Held ist Fleischman, ein junger Mann mit scharfer Zunge, ein Außenseiter, der da seine Geschichte erzählt.

Er hat seine Eltern verloren, als sich der Vater ein Auto kaufte und mit ihm und der Mutter einen Ausflug unternehmen wollte. Am Stadtrand kam es zu einem Unfall, Fleischman in die Psychiatrie, seither hat er auch einen “Eierkopf” und die Nase rinnt ständig. Aber er wurde schon  früher in der Schule von den Mitschülern gehänselt, geprügelt und hatte, wie man so sagt, immer das Bummerl.

Jetzt erscheint eine Alte vom Sozialamt und bringt ihm zu Jegr, einem entferten Verwandten, der einen Lebensmittelladen hat, also das Kind gegen einen Sack Orangen tauscht, wie Fleischman lakonisch erzählt.

Der Verwandte kommt dann zum dem Hotel und Fleischman wird zum Mädchen für alles und plaudert nun locker über sein Leben oder seine Erlebnisse dort.

Er muß auch wöchentlich zu einer Frau Doktor, der er sein Leben erzählt und, die das Verdrängte aus ihm sichtbar machen will, denn Fleischman lebt in den Wolken. Er ist ein Wetterbeobachter, schreibt dreimal täglich auf, wie es ist, zieht seine Zusammenmhänge daraus und der schönen Fernsehmetreologin, wenn die etwas Falsches darüber sagt, den Hochdruck beispielsweise mit dem Tiefdruck verwechselt, schreibt er dann Briefe zur Richtigstellung, die alle mit der immer gleichen Autogrammkarte beantwortet wird.

Jegr erzählt ihm dagegen von seinen Liebschaften, nennt ihn “Einhandflötist” und gibt ihm den Rat fürs Leben “Ficken, ficken, ficken!” und sich außerdem für Fußball zu interessieren, wo Fleischman von beiden vorerst nichts hält. Das Erstere wird sich ändern als Ilja in dem Hotel erscheint und das Zimmerdmädchen Zuzana will schon etwas von ihm, wo er aber widersteht.

Dann gibt es noch Franz, einen Rentner, der aus Liberec nach dem Krieg vertrieben wurde, jetzt aber zurückkommt, sich lebenslang in dem Hotel einquartiert und Fleischmann einen wichtigen Auftrag gibt.

Er hat nämlich zwei Kaffeedosen im Gepäck, in diesen befindet sich die Asche von zwei Freunden, die ebenfalls aus Reichenberg vertrieben wurden. Die soll jetzt an den Ausgangsort zurück , das heißt dort verstreut werden, wo die Freunde geboren wurden.

Was nicht so einfach ist, denn nur bei einem steht das Haus noch da, bei dem anderes ist es inzwischen ein Kaufhaus geworden.  Franz Geburtshaus ist jetzt eine Spielhölle und der Betreiber einer von Fleischman einstigen Peinigern und Fleischman hat noch ein Problem. Er kann nämlich die Stadt nicht verlassen, so oft er es versucht, an der Tafel mit der Stadtgrenze, wo der Unfall passierte, macht er Halt, steigt aus und bekommt eine Panikattacke.

So versucht er es mit einem Ballon, baut sich diesen zusammen und steigt mit den zwei Flaschen in denen sich inzwischen auch Franz Asche befindet ein. Jegr, der ihn davon abhalten will, nimmt er mit und dann kann Franz zu seinem Anfang zurückkehren und Fleischman entkommt vielleicht auf den Weg zu den Wolken seiner Stadt.

“Cool witzig, kritisch, politisch, poetisch widerständig, anti-bürgerlich, berührend und verführerisch -kurzum: literarischer Rock n roll steht”, am Buchrücken.

Ich kann noch anmerken, daß Jaroslav Rudis 1972 geboren wurde und in Prag lebt.

Und ich werde mich demnächst auf eine Reise mit Giorgio Bassani wahrscheinlich nach Italien begeben. Wie weit eines oder mehrere Hotels da eine Rolle spielen, wird sich herausstellen.

Tausend deutsche Diskotheken

Jetzt kommt ein tolles Debut, das fast an mir vorbeigegangen wäre, denn ich habe, ganz ehrlich Michel Decars “Tausend deutsche Diskotheken” vor allem des Covers wegen mit dem schreienden oder lachenden Männergesicht für ein Klamaukbuch eines Kabaretisten gehalten, die ich ja nicht mag,  da ich ab bezüglich Büchern schlecht nein sagen kann…

Dann habe ich auf der “Ullstein-Blogseite” noch etwas von “Entweder ist es Literatur oder es macht Spaß” gefunden. Bin auch nicht viel klüger wurden und habe dann eine herrliche Parrodie auf einen Thriller oder Krimi, die ja im Sommer von den Urlaubsfreifen so gern gelesen oder auch für sie geschrieben werden, gefunden.

Einen in totaler Thomas Bernhardscher Manier, hat sich da der 1987 in Augsburg geborene Schriftsteller, Dramatiker und Hörspielregisseur, also auch einer unter dreißig, der aber schon mit dem “Kleist Förderpreis” ausgezeichnet wurde und mit Jakob Nolte, der ja heuer in Klagenfurt liest, eine Zeitlang unter dem namen Decar Nolte, schrieb, ausgedacht.

“Passen Sie auf, sagte ich zu Courcelles, im Prinzip fing es damit an, dass Mauke zu mir sagte..!”, fängt es an und geht dann auf ungefähr dreihundertfünfzig Seiten so weiter, daß einer, ein abgefakelter Privatdetektiv, der, sehr schön realistisch, sowohl Schwierigkeiten mit dem Finanzamt, als auch mit den Frauen, der Alice, der Conny und der Marlene hat, erzählt, wie imJahr 1988, die BRD fast von der DDR übernommen wurde und ich fragte ich, nach dem ich den hunderttausendsten Thomas Bernhard-Verschnitt mit wirkliche Vergnügen gelesen habe, warum das nicht im Sommer 1989 geschah, denn das wäre ja noch einmal eine Parodie aufs Auge gewesen, aber nun ja, es ist auch so ganz schön faustisch, wie Decar da den Krmilesern einen Spiegel vor die Augen hält, aber ob, die eine Thomas Bernhard-Parodie in der nichts, aber auch gar nichts passiert, so einfach lesen wollen!

“Falsch!”, werden jetzt die Lektoren und die Kritiker schreien.

“Falsch, Tante aus Wien, da bist du wieder einmal schön eingefahren, denn es passiert ja sehr viel darin!”

Jawohl, natürlich, selbstverständlich, die Bundesrepublik wird auf den Kopf gestellt oder ist in Gefahr zusammenzubrechen, wie ja heute, wie ich höre und lese, genau das gleiche mit der EU passiert und die Rechten und vielleicht auch die Linken darüber streiten, ob jetzt Angela Merkel zurücktreten soll oder nicht und ob es gut oder schlecht war, daß Deutschland schon aus der WM hinausgeschmissen wurde?

Aber schön der Reihe nach. Da ist also Frankie, der Privatdetektiv der eigentlich das Finanzamt München verklagen will, sein Rechtsanwalt Branco Invancic, der eigentlich ein Bauspezialist ist, hält ihn davon ab und der verbringt seine Nächte damit, daß er Baccardi Cola in denMünchener Diskotheken sauft. Da spricht ihm um 22 Uhr an einem Montagabend im Juli eine Schöne an und fragt ihn, ob er mit zu ihr kommen will?

Sie bringt ihn aber in kein Liebesabenteuer, sondern zu Bahnvorstand Mauke, der ihm einen Auftrag gibt. Denn der wurde am sechsten Juli aus einer Diskothek angerufen, wo es gerade einen Madonna-Song zu hören gab. Ein Erpresser oder sonstiger Anrufer wollte ihm treffen, ist dann nie erschienen und Frankie Boy soll nun danach suchen.

Das alles erzählt unser Bernhard-Typ dem Herrn Courcelles von dem wir erst auf seite Dreihundert oder so erfahren, daß er ein Vernehmungsbeatmer ist, denn Frankie wurde inzwzischen, als er mit einer Waffe in der Hand gegen die ostdeutsche Grenze lief,  in ein Wiesbadener-Gefängnis eingeliefert.

Der Vernehmer, der von Franke großspurig über das Fürchterlichste vom Fürchterlichsten auf Dreihundertseiten belehrt wird, hört ihm zu und lutscht und das ist wohl auch eine vergnüglichesSpitze in der Satrie an einem Himbeerzuckerl, während frrankie Eiskaffee und Fritten mag  und natürlich Barcardi- Cola an dem er sich durch seineTour durch die deutschen Diskotheken hemmungslos betrinkt und auch noch geschlagen wird, so daß er eine ramponierte Nase und noch einige andere Blessuren auf seiner Tour abbekommt, wo sich niemand erinnern kann, wo um Mitternacht dieser Song gespielt wurde?

So nährt sich das Buch von Vermutungen, der oberste Bahnvorstand, also Maukes Chef ist ein “Maulwurf” und er muß ihn ans Messer liefern, belehrt Mauke seinem Detektiv, als der keine Lust mehr hat und aussteigen will. Dann wird der Gute aber selbst verhaftet und die Tour weitet sich über den Münchener Raum, wo alles begonnen hat, auf ganz Deutschland aus.

Frankie fühlt sich dazwchen verfolgt, entwickelt auch eine Parnoia und muß nach Berlin, bevor er   gegen die Grenze rennt und vom Verfassungsschutz, er ihn offenbar tatsächlich schon beobachtet hat, einkassiert wird,  in ein Wiesbadener Gefängnis gebracht wird und dort dem Beamten großspurig seine Geschichte erzählt:

“Bis hierher sind Sie astrein gewesen, lieber Courcelles, also werden Sie jetuz bitte nicht dilettantisch. Bekennen Sie sich zur westlichen Zivilisation, zum Rechtsstaat. Meine Mutter wird sich schreckliche Sorgen machen, wie Sie sich denken können, wird krank vor Angst sein. Ich fordere Sie also ein letztes Mal dazu auf, Beweise vorzulegen, die mich belasten, oder diese lächerliche Anklage fallen zu lassen. Es liegt ganz in Ihrer Hand. Ich weiß, wie sehr Sie hier unter Druck stehen, Courcelles, mehr, als jeder andere weiß ich, wie groß die Gewalt derer ist, die auch Sie bedrohnen. Aber ich weiß, dass sie die richtige Entscheidung treffen werden!”

Und so weiter und so fort. Großmaul Frankie wird  aus dem Gefängnis entlassen. Fährt mit seiner Mutter am Schluß der Geschichte nach Italien, wo er Postkarten kauft und dann natürlich eine an seinen Verfassungsschutzbeamten Courcelles schreibt und ich frage mich, wie Thomas Bernhard dieses herrliche Sommerbuch, das die Leser auch ein bißchen auf die Schaufel nimmt, gefallen hat?

Und würde mich wirklich freuen wenn es auf die Dpb-Liste kommt, wo man dann auch sehen kann, wie das mit der Unterscheinung zwischen U und E funktionier und wie die professionellen Kritiker damit umgehen werden?

Der wahre Muftoni

“Eine Nacht im Hotel zu gewinnen (oder viele) hat mir “Wagenbach” vor kurzem geschrieben und mich davon informiert, daß sie in der TB-Reihe sechs große Roman, die alle vom Hotelleben handeln oder dort spielen, wieder aufgelegt haben.

Etwas, was mir gar nicht so unbekannt gewesen war, bin ich doch doch vor fast zwei Monaten von der Wien-Bibliothek und dem Jahr 1938 nach Hause gegangen und habe da bei “Anna Jeller” in der Auslage Vicki Baums “Hotel Berlin” liegen sehen, auf das ich ja schon so lange spitzte und eigentlich nicht glaubte, daß ich es jemals bekommen würde und da stand  hinten etwas von “Menschen in Hotels” zu lesen und die Namen der sechs, beziehungsweise fünf Bücher waren abgedruckt.

Markus Orths “Zimmermädchen”, aus dem er, glaube ich, lang lang ists her einmal in Klagenfurt gelesen hat, war dabei und ich habe angesichts der Bücherberge, die mich umgeben, darauf vergessen.

Wurde nun wieder erinnert und ja eine Nacht im Hotel, läßt sich angesichts der nahenden Sommerfrische die ja inzwischen nur mehr aus verlängerten Wochenenden besteht, immer gerne gewinnen, habe aber das “Zimmermädchen” und auch Jarolav Rudis “Grand Hotel”, der ja heuer den “Preis der Literaturhäuser” gewonnen hat, ignoriert und mir stattdessen Christiph Meckels “Der wahre Muftoni” gewünscht.

Denn von Chruistoph Meckel, dem 1935 in Berlin geborenen Autor und Graphiker, den ich eigentlich für einen Ostdeutschen hielt, obwohl er in Freiburg aufgewachsen ist, habe ich schon einiges gehört und auch einige Bücher in den Regalen von denen ich, fürchte, noch nicht viel gelesen habe, also der “Wahre Muftoni” für meine zweite Nacht im Hotel und wurde, was soll ich sagen, gleich einmal enttäuscht.

Auf der einen Seite nur, denn wenn auch am Buchrücken “Wir lebten, wer weiß, zum letzten Mal im Hotel, im luftigsten unserer Stile – Salut und chapeau! Wir gingen wie gewähnlich am Morgen aus, begrüßten den Herrn Portier und blieben weg”, heißt, so ist von Hotelleben und seinenMenschen darin, in dem Buch nicht viel die Rede, so daß ich fragen kann, hat der, der das 1982 bei “Hanser” erschienene Buch für die Sommerreihe aussuchte, es überhaupt gelesen oder ist er nur ein Meckel Fan, der es unbedingt und um jeden Preis einschmuggeln und wieder auflegen wollte?

Denn es geht in dem phantasischen märchenhaften kleinen Büchlein mit zehn Illustrationen vom Autor um sehr viel, am wenigstens aber um Hotels, obwohl, ja natürlich, eines in Paris vorkommt und eines in der Normandie und dann noch ein Landgasthof, wo alles beginnt.

Aber beginnen tut die skurrile kleine Geschichte, die sich sehr wohl als Sommerlektüre eignet ganz traditionell orignell mit einem Klappentext, dem Motto und der Widmung und dann geht es los mit dem Leben der Susanne, die ihren Bruder verloren hat, was sie sehr traurig macht, so daß sie mit ihrem Auto zu dem Gasthof reist, wo die Kinder “in Milchkannen schlafen gelegt werden”, man sieht schon den skurillen Stil und es “überall nach Rauchspeck, Hefe und frischen Holunder” riecht. Sie will schlafen gehen, da hört sie Rufe aus dem Kohlenkeller “Susanne, Susanne!”, klingt es ihr entgegen und sie in einem Faß einen “erwachsenen Gnom mit dem Kopf meines Bruders”, findet.

Der muß natürlich erst wachsen, also schmuggelt sie ihm am Dienstmädchen vorbei in ihr Zimmer und ernährt ihn tüchtig mit der Vollpension und als er groß genug ist, läßt sie ihn des Nachts hinaus und am Morgen klopft das Dienstmädchen und sagt artig “Fräulein susanne, der Herr Bruder ist da!

Die beiden frühstücken noch einmal zusammen und verlassen dann den Gasthof. Fahren nach Paris und quartieren sich, jawohl im GRANDE BRETAGNE, “einem schrägen Haus” ein, denn der wahre Muftoni, so wird das zwergenhafte und jetzt großgewordene Brüderchen genannt, oder auch petin Matin, besitzt eine Zauberhose, aus der die Gelscheine nur so herausquellen, so daß er dem Schwesterchen alle Wünsche erfüllen kann.

Der Geldsegen versiegt allerdings sehr bald, so verlassen die Beiden und das ist die schon zitierte Stelle, das Hotel und ein wahrer geisterhafter Reigen durch ganz Europa oder auch ins ferne Amerika zu den Warner oder sonsitgen Brothers beginnt.

Denn jetzt werden Coups ausgedacht, Häuser, Villen und anderes überfallen, Plakate entworfen und damit  viel Geld gemacht, das wieder zerrinnt. Ein Riese wird gefunden, ein Fräulein entwächst einem Ei, bis alles, wie üblich zu Ende geht. Der Traum zerrinnt und das Brüderchen wieder schrumpft und wenn ich auch nicht, wie versprochen eine oder zwei Nächte in einem Hotel verbracht habe, so habe ich doch mit Christoph Meckels wiederaufgelegten Buch eine höchst phantastische Reise durch die Welt gemacht und bin jetzt auf das Weitere, auf eventuell folgende Hotelnächte, sowie auf meine Sommerfrische in Harland bei St. Pölten, ganz ohne Hotelzimmer sehr gespannt.

Und ein Nachwort, ja richtig, fast hätte ichs vergessen, gibt es in ähnlich phantastischen Stil geschrieben, natürlich auch.

Dämmer und Aufruhr

Jetzt kommt der “Roman der frühen Jugend”, also die  poetisch gefärbte Autobiografie, pünktlich zum siebzigsten Geburtstag, wahrscheinlich nach dem Tod der Mutter geschrieben, des 1948 geborenen Bodo Kirchhoff, der seine Bücher seit 2012 bei FVA verlegt und da 2016 mit seiner Novelle genannten, “Widerfahrnis”, den dBp gewonnen hat, der ja eigentlich ein Romanpreis ist.

Aber Dichtung und Wahrheit liegen ja sehr dicht beeinander, das sieht man auch an dem Roman, dem am Schluß eine Zeittafel angefügt ist und ich bin mit Bodo Kirchhoff, glaube ich, 2002 mit seinem “Schundroman”, den ich mir damals zum Geburtstag wünschte und wofür ich mich fast ein wenig schämte in Berührung gekommen.

Dann habe ich weil FVA es mir getreulich schickte, die wiederaufgelegte und 1984 erstmals erschienene “Mexikanische Novelle” gelesen, die mir wie “Widerfahrnis” trotz seiner sehr schönen aber doch sehr künstlichen “machohaften” Konstruktion nicht so sehr gefallen hat und im letzten Jahr die Erzählung “Betreff: Einladung zu einer Kreuzfahrt”, wo in fast Bernhardesker Manier auf zig Seiten beschrieben wird, warum eine Einladung zu einer solchen nit angenommen werden kann.

Und jetzt also die Kindheitserinnerungen zum Siebziger des eleganten weißhaarigen Herrn, Liebling aller Frauen, füge ich ein wenig vorlaut an und kann ergänzen, das das Buch wieder sehr gekonnt komponiert wurde und es ein wahrscheinlich sehr erfolgreiches Männerleben war, was da beschrieben wird.

Der Hauch des Eror weht überall, das ist sicher eine Kirchhoffsche Spezialität, von mir, der um fünf Jahre jüngern, die erstaunt feststellte, daß ich nur ein Jahr später als er zu studieren begann und sonst vielleicht ähnliche pubertäre Schwierigkeiten erlebte, obwohl das mit dem Eros war bei mir sicher nicht so stark ausgeprägt, Camus und Satre habe ich aber nach meiner Knödelmatura auch mit Begeisterung gelesen und schreiben wollte ich auch, aber das hat Kirchhoff, obwohl es schon frühere Versuche gab, erst nach seinem Militärdienst begonnen, denn da wollte er ja eigentlich Maler werden, ein Winsch den ich nie hatte, manchmal belächelt.

Aber es liest sich, das kann ich nicht bestreiten gut, das über vierhundertfünfzig Seiten Buch, das kunstvoll in eine Rahmenhandlung gewickelt ist.

Da ist einmal er alternde Schriftsteller oder Sohn genannt, der sich mit einer Schachtel mit Bildern in eine kleine Pension in Italien zurückzieht, wo er einmal als Kind mit einen Eltern, bevor die sich trennten, einen Sommeraufenthalt verbrachte.

“Wer spricht da, wenn einer von früher erzählt, auf sein ertes Glühen in der Kindheit blickt, wessen Stimme macht hier den Anfang, sagt Es  war einmal – ein unvergesslicher, gültiger Alpensommer”, lautet der erste lange Satz.

Und da sind wir schon wieder ein paar Jahre früher, nämlich im Jahr 1952, wo der Vierjährige mit seiner “Damemammi”, einer Schauspielerin aus Wien und deren Mutter, einer ehemaligen Opernsängerin, von ihm oft die “Hüterin” genannt, einen Sommer in Kietzbühel verbringt und da wird die Erotik, wie in Zweigs “Brennenden Geheimnis” mit aller Bravour berührt und die Beziehung zu der Mutter bleibt auch das Thema des Buches.

Es gibt auch einen Vater, einen Hamburger, der vom Krieg mit einem Holzbeim zurückgekommen, sehr früh mit der jungen Wiener Schauspielerin verheiratet wurde und als der erste frühe Kitzbüheler Sommer, mit den beiden Hüterinnen, die der Kleine aber doch schon, wie ein Kavalier begleitet, erlebt, ist die Mutter wieder mit der Schwester schwanger.

Von vorn nach hinten in dreiHandlungssträngen, werden die frühen Jahre des großen Dichters erzählt. Da ist einmal sein Aufenthalt in der Pension, wo er die Tage in seinem Zimmer verbringt, die Bilder aus der Schachtel nimmt, sich in seine Erinnerungen vertieft, während draußen am Strand nach und nach die Badeliegen und die Sonnenschirme weggeräumt werden, weil, eine gekonnte Metapher, der Herbst des Lebens oder auch nur des Jahres beginnt. Es gibt auch eine wahrscheinlich noch ältere Pensionsbewohnerin, die Amerikanerin Missis Bennet, die immer auftaucht und den Dichter danach fragt, warum er nicht an den Strand geht und sie war damals, in dem letzten Sommer, in dem seine Eltern, noch glücklich waren, auch schon da. Durch einen Zufall hat die Famlie, ihr sonst bewohntes Zimmer bekommen, an das sie ihn lächelnd erinnert und es gibt dann auch ein Plakat von der kleinen Stadt, in den Fünfzigerjahren, das ein Paar zeigt, das die Eltern sein könnten und das die Amerikanerin kauft und den Abreisenden, später, wenn alles geschrieben und geschehen ist, zur Erinnerung schenkt.

Dann geht es durch das Leben, das man hinten in der Biografie, getreulich nachlesen und vergleichen kann, “Wikipedia” ist dagegen eher schwach bestückt. Da steht eigentlich nur wenig von den frühen Jahren.

Nur, daß es in dem Internat, in das der Jüngling nach der Trennung der Eltern, die sie den Kindern lang verheimlichten und stattdessen glückliche Familie spielten, gegeben wurde, einen Mißbrauchsvorfall gegeben hat.

Der wird in dem Buch fast mit der selben erotischen Leichtigkeit erzählt und darüber hinweggegangen und dann gibt es auch immer wieder, die Besuche des alternden Schriftstellers in der Seniorenredidenz der fast Neunzigjährigen, wo er sie bis zu ihren Tod begleitet und mit ihr immer wieder über die erlebte Kindheit spricht.

Die Sommer wurden also gemeinsam mit der Mutter und der Großmutter meistens in Kitzbühel verbracht. Später zog die Familie, weil der Vater in geschäftlichen Schwierigkeiten war, in den Schwarzwald. Hier ging der Sohn zu Schule. Machte seine ersten erotischen Erfahrungen. Verliebte sich in eine schöne Arzttochter, bei deren Eltern, die Großmutter in Untermiete lebte. Mit zehn kam er in das Internat am Bodensee, die Heimutter Frau Guth war sehr streng. Der Kantor führte den Knaben in ein verbotenes Geheimnis über das man nicht sprechen dürfte und verschwand dann schnell. Dafür kam ein Freund, der sich später mit der jüngeren Schwester verheiratete. Es wurde Satre, Camus und noch einiges andere gelesen, nach dem Abitur in den legendären Jahr 1968 ging es, man glaubt es kaum, zum zweijährigen Militärdienst. Reisen nach Amerika und Mexiko, wo wohl auch die “Mexikanische Novelle” begonnen wurde, folgten und wiederum erstaunlich, kam es 1978 schon zum ersten Vertrag mit “Suhrkamp”, vom autor, der bald nach Frankfurt in die Stadt, wo die Mutter nach der Scheidung lebte und dort sowohl in einer Agentur, als auch unter den Namen Evelyn Peters und andere Pseudonyme Liebesromane und Krimis schrieb,  “der berühmte Verlag in der Lindenstraße genannt” und vorher, das Buch ist ja nicht chronologisch geschrieben, sondern springt lustig hin und her, besuchte der frührreife Fünzehnjährige in den Ferien, die Mutter in ihrer Frankfurter Wohnung, die dort mit einem Herrn Kurt lebte oder von ihm besucht wurde. Der gab dem Knaben je zwei fünf Mark Stücke. Sein Taschengeld hatte er schon vorher in einem Pornokino ausgegeben, schwindelte der Mutter vor, das Portemonnaie wurde gestohlen, die gab ihm mitleidig dreißig Mark aus ihrem, damit er sich einen schönen Nachmittag in Frankfurt, während sie arbeite machen könne, Kaffeehaus und Kino schlug sie vor.

Er ging in eine Buchhandlung, kaufte sich dort Tennesse Wililams “Mrs Stone und ihr römischer Frühling”, las es bei einer Cola im “plüschigen Cafe Schwille, das kaum mehr einer kennt” aus und wollte dann über das berüchtige Bahnhofsviertel ins Kino gehen. Eine Nutte sprach ihn an, verlangte dreißig Mark, der Jüngling hatte aber nur mehr fünfundzwanzig. So gab er das Geld dahin und hatte dann keines mehr für den Kinobesuch. Mußte der Mutter also vorschwindeln, er hätte den Film gesehen. Das Buch war aber gelesen. So war das Fabulieren für den Fantasiebegabten nicht sehr schwer, der inzwischen ein Mann geworden war, schon mit Vierzehn oder Zwölf, etwas das man sich heute nicht mehr vorstellen kann, seine Zigarretten rauchte, wie überhaupt alle, der Mutter Liebhaber, die Heimleiterin, der Verführer Kettenrauchen waren und der alt gewordene Schriftsteller sitzt in Italien über seinen Bildern, denkt an die tote Mutter und an seine Kindheit zuirück.

Hier endet das buch, mit der Rückfahrt aus dem kleinen Strandhotel  Beau Sejour in Alassio, das Paket öffnend, das ihm Missis Bennet mit dem Plakat gegeben hat, während draußen am Gang, die Polizisten, die afrikanischen Flüchtlinge verhaften. Seinen Paß, weil ja ein Weißer, nicht sehen wollen. Die biografieschen Notizen gehen aber weiter, führen auch nach 1984 die Werke an, erwähnen, daß Bodo Kirchhoff, sowohl in Frankfurt, als auch am Gardasee lebt und dort mit seiner Frau schon lange Schreibkurse gibt. Dem Buch ist auch ein kleiner Folder beigelegt, wo man die Bücher des Autors sehen und auch die Adresse finden kann, bei der man sich für diese Schreibkurse am Gardasee anmelden kann.

Das werde ich wohl nicht tun, vielleicht aber noch etwas anderes von Bodo Kirchhoff lesen. Vielleicht schickt es mir FVA in den nächsten Jahren zu oder ich nehme es von meinem reisengroßen SUB, denn  ich habe, wenn ich mich nicht irre, inzwischen auch noch andere Kirchhoff Romane gefunden.

Nobels Testament

Jetzt könnte eigentlich, wie ich es beim Schreiben ja immer gerne mache, ein wenig Rechercheliteratur, für mein “Work in Progress”, das heißt die “Unsichtbare Frau” kommen, geht es da doch in einem Seitenstrang, um den Nobelpreis für Literatur und seine Vergabe, kommen.

Aber Erstens geht es in Liza Marklunds “Nobels Testmament” um den Nobelpreis für Medizin, wie ich erst beim Lesen daraufgekommen bin, da ich das 2006 erschienene Buch, da ich den NB selbstverständlich für den für Literatur gehalten habe, schon immer haben wollte, Liza Marklund wahrscheinlich 2007 in Leipzig auch daraus am blauen Sofa lesen hörte und das Buch vor ein paar Jahren im Schrank gefunden und es auf meine heurige Liste gesetzt habe und da ist es dann während des Entstehens der “Unsichtbaren Frau” gestanden und gestanden und ich habe gar nicht daran gedacht, es für Recherchezwecke vorzuziehen.

Erst jetzt, da ich mit dem Korrigieren hoffentlich schon bald fertig bin und dem Alfred sogar schon am Sonntag, ein allerdings noch sehr fehlerhaftes Manuskript gesendet habe, bin ich darauf gekommen, daß ich das Buch, wie ich es auch sehr gerne mache, als Sommerlektüre, ein Krimi ist ja leicht und sommerlich, vorziehen könnte und jetzt habe ich es gelesen und bin ein bißchen verwirrt, denn es war zwar einerseits sehr spannend, andererseits auch eine ziemlich kunterbunt zusammengewürftelte Geschichte, wo fast alles und jedesThema verarbeitet wurde.

Von der 1962 gebobrenen schwedischen Autorin, habe ich, glaube ich “Primetime” gelesen, ein Buch, daß mir meine Freundin Elfi einmal zu einem meiner Geburtstagsfeste mitbrachte und “Mias Flucht”, wo es um einen angeblich oder wirklich authentischen Fall geht und “Prime time” hat mir, glaube ich, schon nicht so gefallen. Wahrscheinlich habe ich es auch sehr verwirrend gefunden.

Annika Bengtzon ist die Hauptfigur. Sie ist eine Journalistin im Abendblatt und weil es eine ganze Annika Bengtzon Reihe gibt, und “Nobels Testament” irgendwo in der Mitte angesiedelt ist und “Primetime” 2002, erschienen, wahrscheinlich auch, ist es nicht so leicht zu lesen, weil sehr viel von den vorigen Krimis offenbar vorausgesetzt wird und man sich nicht auskennt.

Es beginnt mit der Nobelpreisgala, da tanzt Annika Bengtzon mit einem Journalisten der Konkurrenz und dann wird sie angerempelt. Ein Schuß fällt und der Nobelpreisträger für Medizin, der gerade mit der Vorsitzenden der Kommission tanzte, wird ermordet.

Annika hat gar nicht so viel gesehen, nur die gelben Augen des “Kätzchens”, der Auftragskillerin, wird aber trotzdem von der Polizei verhört und bekommt, was ich ein wenig unlogisch finde, ein Redeverbot. Noch unlogischer ist allerdings, daß sie daraufhin für ein halbes Jahr beurlaubt wird und, daß das, was auf den ersten hundert Seiten passiert, eigentlich nicht sehr spannend ist.

Im zweiten Teil im Mai geht es dann weiter. Da ist Annika, die sich mit ihrem Mann Thomas einem Juristen, der im Ministerium für die Terrorismusbekämpfung zuständig ist, ständig streitet und auch Alpträume hat, weil er sie offenbar in einem der vorigen Teile betrogen hat, in ein Haus an den Stadtrand gezogen, das sie sich von dem Geld kaufte, daß sie offebar auch in einem vorigen Fall, als Finderlohn bekam. Dort hat sie einen “verrückten” Nachbarn, der ständig mit der Polizei droht, wenn sie ihr Auto vor dem Haus stehen läßt, aber mit seinem in ihren Garten fährt und in diesemauch einen Maibaum aufpflanzt. Ihre zwei Kinder werden im neuen Kindergarten gemobbt und ihr Mann ist auch nicht da, weil er für die Terrorismusbekämpfung neue Überwachungsgesetze ausheckt, die ihr ein Dorn im Auge sind.

Es wurde auch in ihrer Redaktion umstrukuriert, die Büros verkleindert, die Mitarbeiter ausgelagert und eigentlich denkt sie, sie bekommt den golden Handeshake angeboten, wird aber als freie Tagesreporterin im Mai wieder angestellt und da geht es dann mit dem Fall los, denn es werden hintereinander, die Mitarbeiter des Karolinska Instituts, dessen Direktorin, das ermordete Nobelpreismitglied war, ebenfalls ermordet.

Dazwischen geht es noch um sehr viel Kleinkram. Der Nachbar pudelt sich auf, als Thomas seinen Chef und seine Kollegen zu einem Abendessen einlädt. Er macht seine Frau lächerlich und ich wundere mich nur, wieso sie sich entschuldigt und nicht die Polizei holt, wenn er mit seinem Autor in ihren Garten fährt. Dann fällt Kalle, der Sohn im Kindergarten noch von der Schaukel. Ein Arschlochkind hat ihn huntergeschubbst und Anika geht wütend hin, und droht ihm an, es umzubringen, wenn es das noch einmal tut.

Da kann man diskutieren, ob das nicht vielleicht ein bißchen übertrieben ist. In einem Roman muß das alles sein. Ich weiß, da kann man nicht einfach sagen “Du pass auf, ich will nicht, daß du meinem Kind was tust!”

Es wirkt aber und es wird auch noch ein Kleinterrorist abgeschoben und Anika zerstreitet sich mit ihrem Thomas endgültig, bevor die Molotows Cocktails in ihr Haus fliegen. Sie die Mordfälle aufgeklärt hat und mit den Kindern flüchten kann und begreift, daß er nicht widerkommen wird und was den Alfred Nobel und sein Testament betrifft. Richtig darum geht es natürlich auch. Da werden E-Mails geschrieben, die über sein Leben und seine Beziehungen zu Frauen, wie beispielsweise der Berta Kinsky, nicht der Baronin von Suttner, Auskunft geben und auch, um eine schöne Vatermörderin aus vorigen Jahrhunderten, über die Alfred Nobel offenbar wirklich ein Theaterstück geschrieben hat.

Spannend und geheimnisvoll der Schwedenkrimi, obwohl ich micht die ganze Zeit fragte, wieviel, die vielen Themen, die da hineingepackt wurden und da habe ich jetzt noch gar nichts über die Stammzellenforschung an der im Karolinska Institut geforscht wurde und um die Intrigen und die Machtspielchen, die es dort gibt, geschrieben, miteinander zu tun haben?

Wahrscheinlich ist das Buch trotzdem unterhaltsam und angenehm zu lesen und die schwedische Krimiautorin versteht ihr Geschäft, obwohl sie, wie ich gelesen habe, ihre Anika Bengzton Reihe inzwischen beendet hat.

Autolyse Wien

Jetzt kommt mein drittes Geburtstagsbuch, das ich mir im Vorjahr vom Alfred wünschte, nämlich Karin Peschkas “Autolyse Wien”, die “Erzählungen vom Ende”, das 2017 auf der LL des östBp stand und das ich gerne lesen wollte, weil ich ja sozusagen eine Karin Pschka Experitin bin, beziehungsweise von ihr schon sehr viel gelesen und gehört habe. Dabei kann ich nicht einmal sagen, daß mir ihre beiden Bücher, so besonders gefallen haben, sie  haben aber einen speziellen Ton und das findet man auch in der “Atolyse” wieder, von der ich, obwohl ich ja beim “Bachmannpreis” daraus hörte und auch bei den O Tönen war, jetzt erst mitbekommen habe, daß es Erzählungen sind und zwar sehr viele kurze Geschichten und kein Roman und das ist ja auch etwas mit dem ich eigentlich keine sehr große Freude habe.

Aber ein roter Faden hält das Buch zusammen und das ist interessant, das Ende, Wien ist irgendwie und irgendwann zerstört worden. Die Apokalypse hat stattgefunden. Das wie und das wann, spielt wie im Kappentext steht, keine so besondere Rolle, denn Karin Peschka erzählt von den Menschen, die übergeblieben sind und das auf eine sehr spezielle eindrucksvolle Art, die eigentlich sehr interessant ist.

Es gibt drei Teile, im ersten werden auf  über hundert Seiten, kurz von den Menschen und dem, wie sie nach der Katastrophe leben, erzählt.

Da steht immer ein Name, wie Erik, Olja, Rose und und und daneben “Wien leergeräumt” oder “Wien ohne Wien?” und das ist auch sehr geheimnisvoll und scheint eine Spezialität Karin Peschkas zu sein, die mir, glaube ich, auch mehr zusagt, als die Apokalypse im “Watschenmann”, das auch ein ähnliches Thema hat und in einem zerstörten Nachkriegs-Wien spielt.

In den kurzen Geschichten werden wir in die Zerstörung eingeführt. Da wankt der Mann ohne Namen, beispielsweise, der früher von den Obdachlosenküchen lebte, in ein zerstörtes Geschäft oder eine Frau läßt sich von ihrem Freund für ihre Menstuation Binden holen, der wundert sich, daß sie noch eine hat, geht dann in einen zerstörten Eissalon und holt dort Servietten,  abgelaufene Waffeln und Obersbecher, wo die Frau dann das Obers auf die Waffeln tropft.

Poetisch zart diese Geschichten vom Weltuntergang, wobei dieser wahrscheinlich bei jeder der handelnden Personen  ein ganz anderer und ein sehr Persönlicher war.

Da gibt es Imre, der mit zwei Hunden, die sich gegenseitig beäugen und bewachen und gelegentlich sogar ein Reh zerlegen, wie kommt ein Reh in die Stadt, Karin Peschka verrät es uns nicht, aber es gibt in Wien ja den Wiener Wald, Schönbrunn und den Lainzer Tiergarten, das Imre dann zerlegen und auswaiden muß und hat als Bibliothekar, der in seiner Bibliothek das Theoretische erlernte hat, nun Gelegenheit sich dem Praktischen zuzuwenden, während Sugar, die alternde Schauspierlin ihrem Publikum noch immer große Vorstellungen in die Welt der Sylvia Plath, ihrem Vorbild gibt und sich dabei mit ihrem Mann Johann, dem Regisseur streitet.

Und die vier Brüder, die alle einen Vornamen mit dem Buchstaben H tragen, ziehen mit dem kleinen behinderten Hans, der Zollstöcke sammelt herum, haben sich in einem zerfallenen Wirtschafts-Hotspot an der Donau und in Praternähe, ob das wohl die Wirtschaftsuni ist, bequem gemacht, denn die drei Nichtbehinderten waren Handwerker <installateur, Elektriker und Maurer von Beruf und die Supermärkte haben sie rechtzeitig auch geplündert, weswegen auch ein paar von Hans Zollstöcken verlorengingen.

Ivelina ist von Beruf Krankenschwester und arbeit in St. Pölten, einmal im Monat setzt sie sich nach Mitternacht ins Auto um nach Wien zu ihrer Tochter und Schwiegersohn zu fahren und dort zu übernachten. Sie ist schon geduscht, die Zähne sind geputzt, den Pyjama hat sie auch schon zur Hälfte an, nur leider hat sie das Unglück mit einem “Trommelwirbel” auf der Autobahn überrascht, sie hat sich dabei den Arm gebrochen, den sie sich zwar selbst verarzten, verbinden und sich gut zureden kann. Das Auto ist aber ein Wrack geworden “Don` t you know that I love you Baby”, summe Ivelina, die Szene betrachtend, verunfallte Autos vor sich, darin war sicher kein Leben mehr.”

Und die Gläubigen gibt es in dieser Szenerie auch, von jeder Kirche einer, vegetieren sie so vereinzelt vor sich hin, versuchen Statuen zu retten, die andere vorher erschlagen haben, suchen nach dem göttlichen Prinzip oder verlieren ihren Glauben, während Karl im Stadtpark die Bank wieder aufgestellt hat, in der er seiner Frau vor Jahren aus Bequemlichkeit kein Herz der Liebe hineingeritzt hat.

Sie sind mal kürzer und mal länger die einunddreißig Namensgeschichten, mal mehr und mal weniger intensiv ausgeführt. Da wird von Wohngemeinschaften, Unfällen, Mißbrauch etcetera, mehr oder weniger lang geschrieben.

Beeindruckend die Geschichte des Wohnberaterlehrlings Anna, die in einer solchen Zweckgemeinschaft lebt und vor der großen Katastrophe fast ausgelernt gewesen wäre. Da sah sie eine große Zukunft als Wohnberaterin vor sich, jetzt sucht sie nach dem Möbelhaus, um sich vielleicht ein paar gute Möbelstücke in die Zweckgemeinschaft zu transportieren und findet es nicht.

Frau Widehopf, die Siebenundsechzigjährige, die mit ihrer Friseurin Frau Helga vereinbart hatte, sich ab fünfundneunzig nicht mehr dieHaare zu färben, wird in ihrer gemütlichen Wohnung eingeklemmt. Sie kann nicht mehr ins Vorzimmer hinaus, wo die Tasche mit dem Handy liegt, denn Frau Widehopf ist eine agile Alte, die sich auskennt, in der Welt der Smartphoneltelefonie. Leider ist ihr die Kommode auf das Bein gefallen. Jetzt sitzt sie da mit ihren Medikamenten am Schoß, rechnet sich die Blutvergiftung und den Wundbrandt aus und bereitet sich aufs Sterben vor.

Ähnlich eindrucksvoll, die Geschichte von dem demente Alkoholiker, der entlassen und besachwaltert in einer betreuten Wohngemeinschaft, sich auf seinen Selbstmord vorbereiten wollte. Die Medikamente hat er angespart und vergessen, als er sich den Schnaps mit dem er sich betrinken kaufen wollte. Dann kam die Katastrophe. Der Zerfall Wiens ist seinem Selbstmord zuvorgekommen, sein Gehirn regeneriert sich und er beginnt mit Äpfel und mit Nüssen zu überleben.

Dann geht es an das “Ich”, das in sieben Abschnitte aufgeteilt ist. Eine Frau mit einer Autoimunerkrankung, für die sie Medikamente benötigt, hat sich im Sternwartepark eingebunkert, das heißt eigentlich hat sie sich hinausgesperrt, denn die Tore alle zu mit Schlößern, die sie aus dem “Libro” plünderte. Dort vergräbt sie Lebensmittelreserven und bereitet sich auf ihr Sterben beziehungsweise ihre Verwesung vor. Eine Beziehung zu Hunden, wie auch im “Wiener Kindl”, das Stück aus dem Buch, das Karin Peschka in Klagenfurt gelesen hat, gibt es auch.

Das “Wiener Kindl” hat drei Teile und Wolfgang Tischer vom “Literaturcafe” hat sich, glaube ich, im letzten Jahr sehr darüber mokiert, daß man der Autorin das “Kindl” nicht weglektorierte, aber das ist ein Wiener oder vielleicht auch Oberösterreichischer Ausdruck und das Kindl hat auch eine Behinderung oder chronische Krankheit, mußte Medikamente mit einem Silberlöffel nehmen, eine Windel tragen, hat Ergotherapie bekommen, dann kam die Katastrophe. Haus zerstört, Eltern und Brüder verschwunden. Das Kindl steigt aus dem Gitterbett, schleppt sich in den Garten, wo schon die Hunde warten, in dessen Gesellschaft es fortan leben und die Herrschaft über sie erheben wird.

Eine tolle Geschichtensammlung über den Tod, das Sterben und den Zerfall in denen mir Karin Peschkas skurrile Phantasie mit der sie genüßlich, die unglaublichsten Szenen zelebriert, glaubhafter, als in “FanniPold”, beispielsweise, das mir trotz mehrerer Lesungen, immer noch ein wenig unverständlich ist, erschien.

So über die Apokalypse und den Weltuntergang zu erzählen, so poetisch und skurril erscheint mir als das Neue in der Literatur, wie die Kritiker ja immer verlangen, daß sie das haben muß.

Schade, daß es im Vorjahr nicht auf die Shortlist des Öst gekommen ist, dennHand aufs Herz Karin Peschkas Hunde und Menschengeschichten, die nur wenig Kommunikation zueinander haben, haben mir besser als Eva Menasses “Tiere für Fortgeschrittene” gefallen, was auch für manche andere Shortlistbücher gilt. Ausgenommen das dBp-Siegerbuch,  Brigitta Falkners “Strategien der Wirtsfindung” habe ich nicht glesen und das Longlistbuch des Doron Rabinovici hat mir auch sehr gut gefallen.

Jetzt ist Karin Peschka  Stadtschreiberin in Klagenfurt und soll sich dort, wie ich gelesen habe, den Klagenfurtern regelmäßig für Texthilfen zur Verfügung stellen, was auch  einungewöhnlicher Einfall der Autorin ist.