Der Flakon

“Es scheint ein neuer Trend zu sein überall weibliche Heldinnen zu finden, von denen früher niemand eine Ahnung hatte”, kann man bei “Amazon” über Hans Pleschinkis neuen Roman über die Kriegserklärung, die Friedrich II im August 1756 dem Sachsenkönig machte, lesen und da habe ich schon vor kurzem Angela Steidles Roman “Aufklärung” über Dorothea Bach und Luise Gottsched gelesen, wo dieser Krieg auch vorkam.

Historische Romane über Deutschlands achtzehnten Jahrhunderts scheinen also modern zu sein und wahrscheinlich leben einige “Buchpreis-Schriftsteller” davon.

Worüber sollen sie sonst auch schreiben, wenn schon über alles geschrieben wurde?, könnte man munken und von dem 1956 in Celle geborenen Hans Pleschinski habe ich vor Jahren einmal während eines Frankfurts Surfing gehört.

Da hat er seine “Ludwighöhe” am blauen Sofa wahrscheinlich, vorgestellt und die schlampige Legasthenikerin im mir, hat ihn zuerst für Ludwig Fels gehalten.

Dann hat sich aber sein Name bei mir eingeprägt und auf den Roman “Ludwigshöhe”, wo es, glaube ich, um ein Sterbehilfesanatorium geht, wurde ich sowieso sehr neugierig. Das Buch habe ich einmal gefunden, aber noch nicht gelesen.

“Gelesen habe ich “Königsallee” die Biografie über Thomas Mann oder über ein lebensgeschichtliches Eregnis aus den neunzehnfünfziger Jahren und “Am Götterbaum”., eine Biografie über den Nobelpreisträger Paul Heyse. Dann hat er einen biografischen Roman über Gerhard Hauptmann geschrieben, den habe ich bei einem Literaturhaus Flohmarkt, ich glaube, um sogar fünf Euro gekauft und auch noch nicht gelesen. Seit ich “Buchpreis” lese, schaffe ich es nicht kaum etwas anderes als Rezenskionsexemplare zu lesen und vor alldem hat der Alfred einmal einer WU-Kollegin einen Stoß Bücher abgekauft, da war Pleschinksis “Bildnis eines Unsichtbaren” dabei, auch noch nicht gelesen.

Soviel also zu Hans Peschinski, der über eine sehr interessante Schreibbiografie verfügt und nun in den Winter des Jahres 1756, wo der König von Sachsen mit seinem Premierminister von Brühl nach Polen geflüchtet ist, der König von Preußen, das Land geplündert hat und in Leiphzig residiert.

Die Königin von Sachsen hat sich aber geweigert Dresden zu verlassen, ebenfalls Marianne von Brühl und die ist jetzt die unbekannte Heldin, die Hans Pleschinski offenbar erfunden hat, schreibt er doch in seiner Nachbemerkung “Wenige Auskünfte lassen viele Spekulationen zu”.

Wir wissen also von Maria Anna Franziska von Brühl, daß sie 1762 in Warschau gestorben ist. Hans Pleschinksi schickt seine tapfere Heldin mit ihrer Gesellschafterin oder Kammerzofe Luise von Barnhelm, man beachte den Namen, eine Minna kommt auch einmal vor und einem preußischen Adjutanten nach Leipzig. Dorthin reist die Frau Minister tagelang mit der gemeinen Postkutsche und das was die Damen da erleben und wem sie da begegnen speist einen großen Teil des Buches. Im Gepäck hat sie ein Flacon mit einem Gift mit dem sie Friedrich ermorden will, um das Land zu retten. Das ist aber nicht so einfach, denn der Preußenkönnig wird sie nicht vorlassen. Also muß sie sich an die damaligen Dichtergrößen, Gellert und Gottsched, ein interessanter Einfall von Hans Pleschinski wenden, damit die das für sie tun.

Das scheitert natürlich und ob ein solches Attentat tatsächlich stattgefunden hat, ist wahrscheinlich fraglich. Die Gräfin wird nach Warschau ausgewiesen, wo sie wie schon erwähnt, stirbt und am Buchrücken und hier auch am Klappentext, also zweimal steht etwas von einem “neuen unterhaltssamen und kenntnisreiche Romean in dem uns Hans Pleschinski in ein wenig bekanntes Ereignis der deutschen Gescbichte einführt.

Nun interessiert die Wienerin die preußisch-sachsische Geschichte nicht so sehr, obwohl sie ja fast jedes Jahr nach Leipzig fährt und ich habe mich so auch gefragt, wer das Buch lesen wird?

Ingteressant finde ich neben der Einführung in die damalige Intelligeniza, die ich ja schon aus dem Stieidle Buch kenne, daß Pleschinki ,wie mir aufgefallen ist, immer wieder aktuelle Anspielungen hat. So trifft die Gräfin in der Poststation zum Beispiel eine Frau mit ihrem Sohn, die aber gar nicht die Postkutsche nimmt, sondern sagt, daß es hier warm, während sonst das Heizen zu teuer ist.

Es wird erwähnt, daß die Bediensteten damals weder heiraten noch Sex haben durften und wenn sie es doch taten und erwischt wurden, mußten sie mit Schandgeigen durch die Gegend laufen.

Das ist sicher interessant, sonst haben mich die Ereignisse des siebenjährigen Krieges, glaube ich, ganz ehrlich, nicht so interessiert.

Ich würde nur meinen, daß Hans Pleschinski diese Reise eher modern schildert. So war das Fräulein von Barnhelm wahrscheinlich eher eine Gesellschafterin, als eine Kammerzofe und die Gräfin geht mit ihr und sie mit ihr auch eher vertraulich um.

Interessant, interessant, schreibe ich trotzdem und füge hinzu, daß ich nun noch “Ludwiglust” lesen sollte, aber wie, aber wann?

Ein Unterhaltungsroman als Grundbuch?

Wieder eine Grundbuchreiheveranstaltung und da hat mich das vorgestellte Buch, “Desiree” der 1914 geborenen Annemarie Selinko sehr erstaunt, ist das doch ein Frauen und Liebesroman, der da von Klaus Kastberger und Kurt Neumann in den Grundbuchkanon gerückt wurde und habe mich auch gefragt, warum nicht vielleicht “Morgen ist alles besser”v dafür ausgewählt wurde, was ich für den besten der drei vorher geschriebene Romane halten würde und Annemarie Selinko, die 1986 in Kopenhagen gestorben ist, gehört sicher in die Grundbuchreihe oder als eine der emanzipierten Autorinnen, die die wilden Neunzehnzwanziger mit ihrer Liiteratur bereichert haben und davon habe ich durch Evelyne Polt-Heinzls “Zeitlos” erfahren und dann die Bücher “Ich war ein häßliches Mädchen”, “Morgen wird alles besser” und “Heute heiratet mein Mann” in den Bücherschränken gefunden und begierig gelesen und “Desiree”, da plaudere ich wieder einmal auf der Schule oder aus meinem Leben, habe ich doch in meiner Hauptschulzeit sehr für den großen Napoleon geschwärmt, wahrscheinlich als Komepnsation meiner Schüchterheit heraus und da ist mir der Roman sicher in die Finger gekommen, obwohl ich ihn in meinen Bücherkatalog nicht finde und mich eigentlich an die vorgelesenen Stellen, die wirklich sehr beeindrucksvoll waren, nicht erinnern konnte.

Vielleicht habe ich auch nur den Film gesehen, wo Marlon Brando, glaube ich, den Naoleon spielte und heute in Wien und gestern in Linz haben sich Klaus Kastberger,n Kurt Neumann, der wieder gesudet ist, Vea Kaiser und Christa Gürtler mit dem Buch beschäftigt und wenn ich vorher dachte “Desiree” gehört hier nicht hierher, das ist ja ein Unterhaltungsroman, dann habe ich mich wieder mal geirrt.

Denn man muß natürlich die Biografie der Autorin einbeziehen und der Roman, der gleich ein Bestseller wurde ist 1951, sowohl bei “Albert Lange”, dem Exilverlag, als auch bei “KiWi” erschienen, denn die Autorin musste ja 1938 Österreich verlassen und ist ihrem Ehemann nach Dänemark gefolgt und hat einen Teil ihrer Familie in Auschwitz verloren und das Buch auch ihre Schwester Lieselotte gewidmet.

Und Eugenie Desiree Clarys war die Verlobte Napoleons, als er noch nicht aufgestiegen war, er hat sie dann wegen Josephine de Beauharnais verlassen und später auch eine Habsburgtochter geheiratet und Desiree einen General, der später schwedischer König wurde und sie die Königin.

So weit, so what und daran knüpft sich jetzt die Frage, wie weit diese Desiree der realen Desiree entspricht?

Wahrscheinlich nicht sehr. Denn der erste Satz den Buches, den Vea Kaiser sehr begeistert vortrug lautet ja “Ich glaube eine Frau kann viel leichter bei einem Mann etwas erreichen, wenn sie einen runden Busen hat”, den Vea Kaiser als den schönsten ersten Satz bezeichnete und den hat die vierzehnjährige Eugenie in ihr Tagebuch geschrieben, das sie von ihrem Vater zum Geburtstag bekommen hat.

Dann lernt sie Napoleon kennen, rennt mit ihm durch den Garten und antwortet ihm, als er ihr verrät, daß er Weltgeschichte machen will, daß sie das auch vorhat. So geht es weiter, wahrscheinlich durch das ganze Buch und auf jeden Fall durch die Stellen, die Vea Kaiser vorgetragen hat.

Spannend auch, daß sie sich von Josephine schminken läßt und dabei von Napoleons Scheitern in Russland in einer Zeitschrift liest. Hunderttausend Soldaten gefallen, aber dem Kaiser geht es gut und wie geht es weiter, Madame?

Humor und Ironie, Kalkül und konstruiert, das wurde dann von den vieren diskutiert und auch darüber geredet, wieso das Buch so erfolgreich werden konnte?

Eine Mllionenauflage und was eigentlich sehr selten ist, wurde auch gefragt, wer das Buch im Publikum gelesen hat und recht viel haben aufgezeigt. Wahrscheinlich Frauen, denn neunzig Prozent der Leser sind wahrscheinlich solche und damit wurde wahrscheinlich auch, wie die zwei Herren vermuteten, der zweite Weltkrieg verarbeitet, wo ja auch sehr viele Männer ihr Leben in Stalingrad lassen mußten und heute füge ich dazu, gerade ihres in der Ukraine verlieren.

Inzwischen sind, was ich nicht wusste, die drei früheren Bücher bei “Milena” erschienen und Dine Petrik, die ich ja gestern im Literaturhaus vermißt habe, war auch im Publikum und hat von ihren Leseeindrucken berichtet.

Onlinetalk mit Charles Lewinsky

Nachdem ich heute einen dichten Praxistag hatte, von neun bis neunzehn Uhr mit einer Stunde Unterbrechung, Klienten und dazwischen meine Abrechnung machte, blieb Zeit für einen “Diogenes-Online Talk” mit Charles Lewinsky über sein neues Buch “Sein Sohn” und mit dem 1946 in Zürich geborenen bin ich 2014 über sein Longlistbuch “Kastelau” das ich damals beim Longlistenlesen das von “Buzzaldrin” damals veranstaltet wurde, vom Hauptverband bekommen und auch rezensiert habe.

Den “Stotterer”e habe ich glesen als ich mit meinen gebrochenen Knöchel im Spital von St. Plölten lag und dann habe ich noch den “Halbart” der 2020 glaube ich auf der deutschen Longlist stand.

Um den “Sohn” habe ich mich, glaube ich, nicht so gekümmert. Als die “Diogenes Herbstvorschau” präsentiert wurde, habe ich mir einige Bücher bestellt, wo ich zwei schon gelesen habe, zwei andere heute bekommen habe, ob ich damals an den Lewinsky dachte, weiß ich gar nicht, obwohl es ja ein Buch ist, das auch auf der “Schweizer Buchpreisliste”stehen hätte können.

Also jetzt erst während ich meine Rechnungen zusammengezählt habe, an den “Sohn” gedacht und da erfahren, daß es da um eine historische Person, einen Louis Chabos geht, der in einem Kinderheim in Mailand aufwuch, dann an Napoleons Russlandfeldzug teilnimmt und später auf der Suche nach seinen Eltern ist, wo der Vater ein französischer König, die Mutter, glaube ich, eine Köchin war.

Die Figur ist historisch, das andere erfunden und Charles Lewinsky erzählte ein bißchen wie er zu der Idee gekommen ist oder nein, diese Frage hat er den teilnehmenden Bloggern und Buchhändlern verboten, hat aber irgendwie, glaube ich, erzählt, daß aus historischen Büchern auf diesen Namen gekommen ist.

Das Buch wurde vor der Pandemie begonnen oder geschrieben. War die Cholera, die damals in Paris herrschte, die Verbindung zu Corona war die Frage der Lektorin, die von Charles Lewinsky verneint wurde. Corona Bücher, die jetzt zu Hauff geschrieben ist, interessieren ihn und die Leser nicht.

Die Sätze und die Kapitel in dem Buch sind sehr kurz, wurde von der Lektorin erwähnt und Charles Lewinsky hat ein Kapitel daraus gelesen, wo der Junge, der bald vom Waisenhaus zur Arbeit geschickt wurde, da hungrig über den Markt, streift, einen Apfel stiehlt, deshalb verhaftet und dann in den Krieg geschickt wird. Napoleon hatte eine Armee, die aus lauter kleinen Leuten bestand, die auf ein Pferd aufspringen mußten und der Protagonist war sehr klein. Hier erwähnte Charles Lewinsky wieder, daß er auch einer ist, der keinen wirklichen Plot hat, wenn er zu schreiben beginnt. Ein Bauchschreiber halt, wie die meisten Profis, während man in der “Romanschule” ja das Plotten lernt und so ist diese Armee entstanden, die es wirklich gegeben hat. Er zieht dann, weil es zu wenig Pferde gab, zu Fuß in den Krieg, verliert dabei drei Finger und macht sich auf die Suche nach seinen Vater.

Die Lektorin fragte dann noch, ob Charles Lewinsky eine Vorliebe für Waisenhauskinder hat, weil der “Halbbart” ja auch ein Waisenkind ist, was Charles Lewinsky ebenfalls energisch verneinte.

Jetzt muß ich das Buch noch lesen, mal sehen ob es zu mir kommt, aber ich bin ja momentan sehr mit dem, Buchpreislesen beschäftigt und die Buchhändler und die Blogger, die sich zu Wort meldeten und Fragen stellten, waren wieder, wie bei den Talk über das neue Buch von Stefanie van Schulte, das ich inzwischen gelesen habe, sehr begeistert.

Wann das mit Jeanne begann

Jetzt kommt ein Buch, das vielleicht auf der nächsten deutschen Buchpreisliste stehen wird, Helmut Kraussers “Wann das mit Jeanne begann! und von dem 1964 geborenen deutschen Autor habe ich schon einiges gelesen und einige Bücher in meinen Regalen und dieses vom Verlag gleich dreimal bekommen. Einmal als PDF, als Arbeitsexemplar und dann noch das richtige, das am 28 7. erschienen ist.

Das Arbeitsexemplar habe ich mir nach Kroatien mitgenommen und dann bis Leibnitz gelesen und als ich mit den anderen Büchern fertig war,, zu Ende und kann sagen es ist ein sehr skurilles Buch, was meinen Verdacht bestätigt, daß die Autoren nicht mehr wissen über was sie schreiben sollen?

Mir geht es da ja auch ein bißchen so und daher immer seltsamer werden und so hat sich Helmut Krausser als seine Protagonisten zwei Weißmagier gewählt.

Getrude Cläronore Schmidt, Trudi genannt und Jazik Wozinak, die eigentich schon über hundert Jahre alt sind, sich aber mit falschen Papieren für jünger machen und die beschäftigen sich mit zwei Johannas. Einmal mit Jeanne d’Àrc, hier ein bißchen anders geschrieben und da wird, deren Leben in Protokollen wiedergegeben.

Sophie Reyer hat sich ja mit etwas ähnlichen beschäftigt und dann mit einer Seefahrerin oder Piratin Jeanne de Belleville und dazwischen kommen immer wieder Sequenzen, der beiden Un- oder Haltoten, die auch recht aggrev sein können und zwei Einbrecher, die sie überfallen wollen, ermorden und beseitigen. Eine Schwarzmagerin oder Hexe kommt auch vor und wenn man sich jetzt fragt, wie schaffen die das, so alt zu werden oder ewig zu leben?

Die Erklärung ist, sie schlüpfen einfach in eine andere Person, wie ein Vampir, die anderen aussaugt. Trudi und Jazek versuchen das mit zwei jungen Türken, das mißlingt. Die Hexe Zia tut das, glaube ich, auch mit der Mutter von Jeanne de Belleville und sogar was ich eigentlich geschmacklos finde, in Jeanne ´Arc.

Es gibt einen Forscher, der sich mit Jeanne de Belleville aber auc mit Jeanne d` Arc beschäftigt und deren Schwerter oder Fahnen sammelt, der stirbt dann irgendwann und ich frage mich, ist Corona und der Lockdown irgendwie schuld daran, daß die Bücher immer seltsamer werden.

Jetzt bin ich nur gespannt, was die hehre Literaturkritik dazu sagt und ob es auf die Buchpreisliste kommt?

Und weil das Buch am Meer, aber in Frankreich spielt, hat es auch zu meiner Kroatienlesereise gar nicht so schlecht gepasst.

Junge mit schwarzen Hahn

Jetzt kommt schon Buch drei der diesjährigen Bloggerdebuts tund es ist eines das mir bisher unbekannt war. Das Debut der 1974 in Hanover geborenen Stefanie vor Schule und da ist es interessant welchem Genre es zuzuordnen ist? Ist es ein Märchen, eine Parabel, ein Entwicklungsroman?

“Eine außergewöhnlicher Debutroman und eine literarische entdeckung”, steht am Buchrücken.

Ich hätte es eher für das Außenseiterbuch gehalten, das meistens auf den Bloggershortlists gibt. Das ist es wohl nicht und erinnert auch ein bißchen an den “Halbbart”., der ja auch dei “Diogenes” erschienen ist. Es spielt in der Vergangenheit und in Zeiten während oder nach einem Krieg. Mittelalter habe ich irgendwo gelesen. Ich würde eher an den dreißigjährigen Krieg tippen und es spielt in einem Dorf, in das ein Maler kommen soll, um die Kirche auszumalen. Der wird von den drei Dorfältesten, den Seidel, den Sattler, und den Henning dorthin geführt, aber sie finden den Schlüßel nicht. So schicken sie den elfjährigen Martin, das ist der Junge mit dem schwarzen Hahn, den alle für den Teufel halten, ins Nachbardorf, um den Pfarrer danach zu fragen, denn das Dorf hat keinen eigenen.

Der Martin ist ein aufgewecktes Kind, aber auch irgendwie ein Ausgestoßener, denn sein Vater der einmal bei den “Schlafspielen” teilnehmen wollte und darob verrückt wurde und darauf seine Frau und seine Kinder erschlug. Jetzt lebt Martin im Dorf, ist ein bißchen in die Franzi verliebt, die im Gasthaus hilft und weil er ein kluges Kind ist, errät er auch das Geheimnis, wo der Schlüßel ist, verrät es den drein, die recht derb und brutal zu ihm sind, nicht, sondern schlägt ihnen vor eine kleine Tür einzubauen.

Der Maler malt nun den Christus mit dem Martingesicht und die Maria mit dem der Franzi, was die Dorfbewohner nicht goutieren. Der Martin soll nun mit der Godel auf den Markt und wird dabei Zeuge, wie ein Reiter ihr Baby raubt. Das ist schon früher so vorgekommen und so beschließt der kluge Martin mit dem Maler fortzugehen und die Babies zu retten.

Er verläßt aber dann den Maler, weil der ein bißchen liderlich ist. Er trifft auf den Reiter, rettet ihn und kommt in ein Schloß, wo der Maler eine Familie malen soll. Das war, glaube ich, schon vorher und das Makabre an der Sache ist, daß der Junge, der mitgemalt werden soll, schon tot ist. Ein Diener zündet dann auch noch das Schloß an, so daß alle flüchten mußen.

Der Junge mit dem Hahn, den er oberhalb oder auch unterhalb seines Hemdes trägt und der sprechen kann, trfft dann auf einen Spaßmachen und kommt mit ihm in das Schloß der Fürstin, die eine recht grausame Person ist. So finden sie zum Beispiel vor dem Schloß, die Leiche einer ihrer Hofdamen, denn die Fürstin verträgt, wie die Königin im Schneewittchen nicht, wenn jemand jünger, als sie ist. Die Fürstin, die die Kinder rauben läßt, stellt sich heraus, ist schon recht alt und die Knder werden auch immer wieder ausgetauscht und um einen Wunsch an die Fürstin zu haben, muß Martin, wie sein Vater auch an den “Schlafspielen” teilnehmen. Da darf man nicht schlafen. Martin gewinnt und sagt der Fürstin, er will die Knder zurückbringen. Die bekommt er aber erst, nachdem sie stirbt. So bringt er den Jungen und das Mädchen wieder an ihr Elternhaus zurück.

Ihn treibt es dann in sein Heimatdorf, obwohl der Maler mit dem er wieder zusammen ist, davon abrät. Aber er hat Sehnsucht nach der Franzi, um die die drei Ältesten würfeln. Aber Martin verrät nun das Geheimnis, um den Schlüßel. Den hatte der verrückte Organist, der inzwischen tot aufgefunden wurde, in seiner Tasche. Franzi und Martin bekommen sich und die drei Ältesten würfeln weiter.

Eine interessante Geschichte, deren Sinn und roten Faden ich nicht ganz verstanden habe und auch nicht so genau weiß, was die einzelnen Metaphern und die Fingerzeige, die darin vorkommen, bedeuten sollen, beziehungsweise nicht ganz weiß, was die Parabel ausdrücken will?

Die Sprache ist schön. Martin und die Dorfbewohner sind arm. Der Krieg wütend und alles stinkt und ist ungepflegt, wie im “Hammer”, und die Welt ist wie man wohl auch schon in anderen Büchern gelesen hat und wahrscheinlich auch so festgestellt hat, unendlich grausam, nur Martin schön und gut und weiß auch was er will, was ich ebenfalls nicht ganz verstanden habe.

Die Eroberung Amerikas

Jetzt kommt, obwohl die Shortlist schon nächste Woche bekannt gegeben wird, das dritte Buch der deutschen Longlist, das ich gelesen habe, nämlich Franzobels “Die Eroberung Amerikas” und dafür habe ich auch noch fast eine Woche gebraucht, denn es ist sehr dick und es war auch schwer hineinzukommen, obwohl ich davon ja schon einiges bei Lesungen gehört habe und auch “Das Floß der Medusa”,das vor einigen Jahren auf der Shortlist stand, gelesen habe und ich den 1967 in Vöcklabruck geborenen, der 1995 den “Bachmann-Preis” gewonnen hat, ganz gut kenne und sogar mit ihm in einer Jury bin oder war und Franzobel, was immer man auch über ihn sagen könnte, er tritt meistens mit einer Flasche oder Dose Bier bei Lesungen auf und geht zum Opernball, ist zweifellos ein Sprachkünstler, der sich an den verschiedensten Stilen übt, auch sprechende Namen verwendet und jetzt offenbar den Abenteuerroman entdeckt hat. Es scheint auch noch einen dritten diesbezüglichen Roman zugeben, der geplant ist und an dem er arbeitet und da hat er sich jetzt an Hernando de Soto ausgelassen, der im sechzehnten Jahrhundert Florida eroberte und dabei offenbar unter einem unglücklichen Stern stand.

Ein Grund für Franzobel sich darüber aushzulassen und seinen skurrilen Humor über die Sache zu stülpen und weil man sich wahrscheinlich nicht wirklich in das sechzehnte Jahrundert hineinversetzen kann, hat es Franhzobel offebar gar nicht versucht, sondern schreibt aus der Perspektive des einundzwanzigsten. Wendet immer akuelle Vergleiche an, nennt Namen von Schauspielern und Dingen,die erst viel später passsierten und wenn ich mich nicht irre und nicht überinterpretiere, sind auch Anspielungen an die Pandemie dabei und erzählt die Geschichte aus der Sicht von einigen Gestalten. Da gibt es wieder einen niederländischen Arzt, der Pflanzen sammelt und alles archivieren will. Zwei Gauner und einen Elias Plim, der in Algier Sklave war, dort auch zum Islam konvertierte und irgendwie auf das Schiff gekommen ist. Es gibt einen Notar mit Holzbein, künstlichen Zähnen, Glatze, etcetera, der einem der Gauner nachreist, weil der als illegitimer Sohn eines Grafen, ein Vermögen geerbt hat und einen amerikanischen Advokaten, Trutz Finkelstein, der Amerika daraufhin klagt, das Land den Indianern zurückzugeben.

Soweit,so gut. Aberfangen wir bei Hernando de Soto an, den Franzobel Ferdinand Desoto nennt. Der ist ein Sohn aus armen Haus. Arbeitet als Stallbursche,verliebt sich in die schöne Maria. Wird dann von deren Vater auf den Feldzug nach Peru mitgenommen.Heiratet später Marias Schwester Isabella und bricht mit ihr, ihrem Bruder, einen Priester zur Eroberung Amerikas auf.

Isabella bleibt in Kuba, wird dort Gouverneurin und betrügt ihren Mann mit einem Gutsbesitzer, während der sich mit seiner Truppe nach Florida begibt. Den Missisippi sieh tund dort stirbt. Aber vorher ist auf fünfhundert Print und neunhundert E- Bup Seiten noch sehr viel unglaubliches passiert. Tierwettkämpfe werden geschildert. Eine Glocke in der Geld versteckt ist, wird nachgespürt. Perlen gefunden und verloren, Indianer aufgehängt. Der Hunger packt die Eroberer, macht sie fast verrückt.Es wir dgemordet und vergewaltigt und am Schluß kommt es vielleicht zu keinem Happyend, aber zu einem “Happylog und einer “Danksagung”, wo sich Franzobel bei all denen bedankt die ihm bei der Entstehung desBuches geholfen haben.

Erklärt, wie er auf die Idee das Buch zu schreiben gekommen ist und meint, daß die, die glauben und da gehöre auch ich dazu, daß das Buch zu lang geworden ist,sich bei seinem Verleger und Lektor Herbert Ohrlinger beschweren sollen, der aber ohnehin zu Kürzungen gedrängt hat, sonst wäre das Buch doppelt so dick geworden und ich hätte noch länger zum Lese ngebraucht und kann abschließend nur bemerken, daßich nicht glaube, daß sich Hernando de Sotas Eroberungszug wirklich so abgespielt hat und, daß die damaligen Protagonisten wirklich wie Paul Newmann, etcetra, ausgesehen haben. Hätte aber ohne das Buch nicht gewußt, daß es einen Hernando de Sota gegeben hat, der Florida eroberte und jetzt auf zum nächsten Buch und ich hoffe, ich komme da schneller voran.

Der verlorene Sohn

Das neue Buch der 1984 in Baku geborenen Olga Grjasnova deren “Russe, der die Birken liebt” und “Gott ist nicht schüchtern” gelesen habe und die ich auch im Literaturhaus und einmal in Leipzig erlebte, führt in den Kaukasus und in die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts und ich finde die Themenbandbreite und auch die Stilverschiebungen der Literaturinstitut Absolventin sehr interessant, liest sich der Roman doch sehr leicht und fast wie ein Jugendbuch und man erfährt sehr viel dabei. Von der russischen Kriegspolitik des neunzehnten Jahrhunderts und auch, wie sich jemand fühlen muß, wenn er plözlich von Baku oderAkhulgo nach Moskau kommt oder von Damaskus nach Berlin oder Wien, denn der achtjährige Jamalludin, Sohn des mächtigen Imams Schamil wird aus politistchen Grünen von Akhulgu im Nordkaukassus nach St. Petersburg geschickt. Er ist eine Geisel des Zaren und seine Mutter erzählt ihm, daß es sich nur, um ein paar Tage oder Wochen handeln würde.

Es werden fünfzehn Jahre daraus und der Zar läßt ihn in einer Kadettenschule erziehen, lädt ihn und die anderen Zöglinge zu Kinderbällen und anderen Festivalitäten ein. Er lernt Russisch und Französisch, dient in der russischen Armee, wird von dort nach Polen geschickt und verliebt sich die die emanzipierte Lisa, die in Göttingen studieren will und natürlich Sex mit ihm hat. Dann plötzlich nimmt der Vater georgische Geiseln gefangen und Jamalludi muß wieder, seiner Kultur entwöhnt, in den Kaukasus zurückkehren, denn die russische und französische Kultur ist natürlich besser. Die russischen Ärzte können den Fuß der tochter des Vaters heilen, der inzwischen viele andere Nebenfrauen und von ihren Kinder hat. Jamadullahs Mutter ist schon vor zehn Jahren gestorben und die Briefe die Jamadullah an den Vater gewchrieben hat, haben diesen nie erreicht.

Am Schluß erwischt Jamadulin die Tuberkulose. Der russische Arzt, der ihn behandeln soll, kann ihm nur die Diagnose, die er schon wußte, mitteilen und der Diener Ali, den er bittet ihn etwas vorzulesen, kann ihm nur aus dem Koran zitieren. Da er weder Russisch noch Französisch versteht und so lautet einer der letzten Sätze “Jamalludin hatte nicht mehr die Kraft sich dagegen aufzulehnen” und am Anfang hat Olga Grjasnowa geschrieben, daß der Roman auf historischen Fakten beruhen würde.

“Vieles stimmt, manches ist frei erfunden oder der Struktur des Romanes angepasst.”

Ich bin nicht ganz sicher, ob das wirklich so funktionierte, daß der Zar seinen Feinden, die besten Ausbildung genießen ließ und die dann gebildet zurückschickt, aber spannend eine völlig andere Olga Grjasnowa zu lesen und auch etwas über das Leben am St. Petersburger Hof im neunzehnten Jahrhundert und auch ein bißchen über den Kaukasus zu erfahren.

Die Dame mit der bemalten Hand

Jetzt kommt schon Buch fünzehn des dBps, das vierte Shortlistbuch und das dritte der 1966 geborenen Christine Wunnicke mit dem sie auf der Longlist stand.

2015 als ich mit dem Buchpreislesen begann war es “Der Fuchs und Dr. Shimamura”, 2017 “Katie”, alle in dem kleinen “Beerenberg-Verlag” und 2015 hat “Literaturen” über den “Fuchs”, den ich in einer Buchhandlung glesen habe, geschrieben, daß Christine Wunnicke nur Außenseiterchancen hat.

Das habe ich wohl auch geglaubt, denn die Bücher sind klein und dünn, graphisch sehr schön gestaltet und sie haben auch eher ungewöhnliche Themen beim “Fuchs” ging es um einen japanischen Pschiater bei “Katie”um den Spirtialismus und bei der “Dame mit der bemalten Hand” wird die Pyschiatrie und ihre Ungewöhnlichkeiten verlassen. Denn es geht nach Jaipur und ins achtzehnte Jahrhundert.

Christine Wunnicke hat einen historischen Stoff gewählt mit dem sie wohl das Nichtverstehen der verschiedenen Sprachen und Kulturen beschreibt und in Zeiten, wie diesen wohl zu größerer Toleranz aurruft und das tut sie mit einer sehr schönen nicht leicht verständlichen Sprache, so daß man sehr aufmerksam und konzentriert lesen muß, um sich in die Welt des Shortlistbuchs einzulesen, über das Sigrid Löffler am Buchrücken “Christine Wunnicke ist eine wunderbare unterschätze Romanautorin schreibt.” und das, glaube ich, inzwischen auch.

Es beginnt in Bombay im jahr 1764, wo der persische Astronom Meister Musa aus Jaipur, der eine Reise nach Mekka unternehmen will und vorher, um dafür das nötige Geld aufzubringen, einem Geschäftsmann ein sogenanntes Asterolabium verkaufen muß.

Auf der Insel Elephanta wo es nur Affen und Ziegen, sowie ein paar Einwohner gibt, findet er den deutschen Karthographen und Forschungsreisenden Carsten Niebuhr, der von 1733 bis 1815 lebte und 1761 von dänischen König auf eine arabische Forschungsexpedition geschickt wurde. Seine fünf Reisegenoßen sind inzwischen verstorben, er liegt mit Sumpffieber auf der Insel, wird von Meister Musa gefunden und die beiden versuchen sich nun in leidlichen Arabisch zu verständigen und sich kennenzulernen, was wie Christine Wunnicke meint, immer wieder zu großen Mißverständnissen führt, die sie gekonnt beschreibt.

Es gibt auch einen Diener, einen jungen Burschen, der die Beiden, die die Sterne beobachten, wo der eine nun das Sternbild Kassiopeia für eine Dame, der andere für eine hennarotgefärbte Hand, um den Titel zu erklären, hält, mit Hühnchen und Ziegenfleisch bekocht. Es gibt auch eine Großmutter und ihre Enkeltochter und am Schluß werden, die Beiden gefunden.

Carsten Niebuhr kann nach Deutschland zurückkehren und Bücher über seine Expedition schreiben und weiß am Schluß nicht mehr, auch ein Kunstgriff Wunnickes, die in ihrem Autorenportrait meint, daß sie dort, wo es keine geschichtlichen Fakten gibt, sich mit ihrer Phantasie behalf und die Geschichte erfunden hat, ob das, was er in Elephanta erlebte, real oder nur ein Fiebertraum war, während Meister Musa, auch Jahre später, in seiner Heimatstadt ein Buch des deutschen Forschers findet und da er die Sprachen genauso, wie die Mathematik liebte, seiner Tochter während sie ihr fünftes Kind zur Welt bringt, von dieser Geschichte erzählt.

Ein interessantes Buch, das mich sowohl an Trojanows “Weltensammler” als auch an marion Poschmanns “Kieferninsel” erinnerte, das es vielleicht nicht auf die großen besten Listen schafft, über das sich aber viel nachdenken läßt.

Cox oder der Lauf der Zeit

Jetzt kommt ein Buch, das ich im Altmannsorfer Bücherschrank gefunden habe, eines das 2016 erschienen ist, aber, wie ich hörte, auf Wunsch des 1954 in Wels geborenen Christoph Ransmayr so erschienen ist, daß es nicht auf der deutschen Buchpreisliste gestanden ist, beim Bücherquiz der damaligen Buch-Wien wurde es, glaube ich, auch erwähnt und ich habe von dem sehr berühmten sprachgewaltigen und reisefreudigen oberösterreichischen Autor einiges gefunden, seinen Ovid-Roman gelesen, ihn auch auf mehreren Lesungen und das letzte Mal, glaube ich, bei einem Messeempfang in Leipzig gesehen und gehört.

Und James Cox habe ich nachgegooglet, beziehungsweise bin ich bei Ransmayrs Schlußbemerkung darauf aufmerksam geworden, ein englischer Uhrmacher, der sehr viel nach China importierte, aber nie selbst dort war, obwohl es in China ein Uhrmuseum seiner Exponate gibt.

Die Hauptfigur Ransmayrs und der Cox von Titel heißt Alister, hat seine kleine Tochter Abigail verloren, seine Frau Fay ist darauf verstummt, so daß er auf Einladung des gottähnlichen Kaisers Quianlong, der wie Ransmayr ebenfalls schreibt von 1711 bis 1799 lebte, mit drei Gehilfen nach China reist.

Der sprachgewaltige Ransmayr macht fast eine märchenhafte Parabel daraus, schildert die Grausamkeiten, die der gottähnliche Kaiser, dem niemand in die Augen sehen darf und der alle hinrichten läßt, die ihm nur im Geringsten in die Nähe kommen, schildert aber auch die Kostbarkeiten die der Gottähnliche auf die englischen Gäste wirft und tut das alles in einer sehr poetischen Form.

Cox und seine Gefährten wird der Übersetzer Joseph Kiang, der wie Ransmayr weiter erklärt, den Namen seines chinesischen Freundes trägt, zugeteilt mit ihm an seiner Seite gehen sie in China an Land, sowie in die verbotene Stadt die eigentlich von keinen Fremden betreten werden darf.

Auf den Weg dorthin begegnet Cox einer der vielen Geliebten des Erhabenen Unsterblichen, die schöne Än, der ein weiteres Detail, das Buch auch gewidmet ist.

Der Kaiser läß Cox nun eine Uhr des Kindes, das ist Schiff, ein Spielwerk also, eine die den Tod bestimmen kann, dafür läß er ihn mit zwei zum Tod Verurteilten reden und der Übersetzer übersetzt, was weder Cox frägt noch die Verzweifelten antworten.

Der Kaiser läßt die Engländer auch zu sich befehlen, da werfen sich alle in den Staub und als der Kaiser mit seinen Geliebten und Hofdamen zu Besuch kommt und, die alle lachen und kichern, tut das nur der Übersetzer und kriecht am Boden herum, während die Konbukine ihm lachend befiehlt, das zu lassen.

Es geschehen aber auch Intrigen und der Übersetzer warnt Cox, die unendliche Uhr nicht zu Ende zu bringen, weil er dann sicher zum Tod verurteilt wird, weil der Kaiser nicht zulassen kann, daß jemand ein Handwerk besser als er versteht. So beginnt Cox zu trödeln, bis er, da die Zeit drängt, auf die Idee kommt, dem Kaiser das Werk selber vollenden zu lassen, was dieser dann natürlich auch nicht zusammen bringt und die drei Engländer, der vierte ist inzwischen gestorben, reisen wieder in Richtung Heimat ab.

Eine sehr schön geschriebene Geschichte von der Unendlichkeit der Zeit. Ein sprachliches Meisterwerk Ransmayrs könnte man so sagen, in dem wahrscheinlich viel von dem, was er auf seinen Reisen erlebte, eingeflossen ist, so hat er auch die chinesische Mauer besucht und das kommt in dem Roman ebenfalls vor.

Ich habe mich ja ein bißchen stümperhaft mit der chineschischen Literatur beschäftigt, habe vor kurzem, die Fluchtgeschichte eines Disstenten gelesen, aber auch was von Pearl S. Buck und natürlich auch das Buchpreisbuch, von Stephan Thomae, “Gott der Barbaren”, das auch ein China, aus der Außensicht schildert und mich auch selbst mit der Biographie Erwin Schwarz, des in Wien geborenen ostdeutschen Sinologen, dessen Anthologie “Das gesprengte Grab” ich im Schrank gefunden und zu einem meiner Romankapitel gemacht habe.

Der Hammer

Nun kommt die Überraschung des Jahres, wenn man das im Jänner schon sagen kann, das zweite herausragende Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe und ohne Stephan Teichgräbers Centrope-Workshop wäre ich vielleicht nicht darauf gekommen und möglicherweise auf der “Buch-Wien” beim Wein stehen geblieben, statt zur Lesung von Dirk Stermanns “Hammer” zu gehen, habe ich den doch bisher eher für einen Kabarettisten gehalten, dessen Scherze mir manchmal zu aufdringlich waren.

Dabei habe ich doch auch die “Sechs Österreicher unter den ersten fünf” einmal im Schrank gefunden. Wie man sich irren kann, obwohl ich nicht ganz sicher bin, ob alles, was da über die Lebensgeschichte des bedeutenden Orientalisten Hammer von Purgstall zu lesen ist, wirklich der Realität entspricht oder nicht vielleicht doch von der Feder des Kabarettisten, der aber, glaube ich, auch Historiker ist, zu dick aufgetragen wurde.

Es ist jedenfalls eindeutig ein Buch der Sinne und so glaubt man sich zu Beginn im Mittelalter, weil da alles unerträglich stinkt und in Wien, die Buttenweiber herumgehen, die zum Hineinscheißen für ein paar Kreuzerln auffordern. Die Leute haben alle faule Zähne oder gebrochene Kiefer, dabei sind wir in Zeiten der französischen Revolution, wo ja  die Perücken weggeworfen wurden und der napoleonischen Kriege und als Joseph Hammer da in Wien “ausgebombt” wurde, erinnerte mich die diesbezügliche Schilderung eher an den zweiten Weltkrieg.

Aber trotzdem interessant in den Lebensweg des großen Orientalisten, der laut Dirk Stermann sehr sehr selbstbewußt war, ein Lobbuch führte und sich schon mit der Bekanntschaft Goethes brüstete, als der ihn noch gar nicht kannte, einzutauchen, von dem ich bisher eher nur den Namen gekannt habe.

Dirk Stermann scheint sich für das Buch auch sehr viel Mühe gegeben zu haben, in die Welt des Hammers, wie er am Schluß schreibt, einzutauchen. Er hat da die Quellen genannt, die er dazu benützt hatte, so zum Beispiel das Buch von Rudi Palla über die ausgestorbenen Berufe und so hat ja meine Bekanntschaft mit dem Buch in Stephan Teichgräbers Workshop auch angefangen.

War Joseph Hammer doch der Sohn eines grazer  Gubernialrats, das ist ein Steuerbeamte, das damals noch Grätz genannt wurde, der später geadelt wurde. Er kam mit Dreizehn nach Wien und wurde Sprachknabe, das heißt eine Dolmetscherausbildung gemacht.

Hat da unter den adeligen Mitzöglingen aus den besten Familien, so war einer seiner Kollegen der Sohn des damaligen Außenministers Graf von Thugut, gelernt und gelernt, bis ihm die Augen wehtaten, war bald der beste Schüler, der Türkisch, Arabisch, Persisch, etcetera konnte und wurde, als die Ausbildung beendet war, doch nicht nach Konstantinopel geschickt sondern hatte in Wien zu bleiben, um dort die Wissenschaft zu betreiben, wie seine Lehrer gutmütig sagten.

Nach <konstatinopel ist er dann doch gekommen und war auch bald Dolmetscher auf dem Feldzug in Ägypten gegen Napoleopn. Dann wurde er Legationsrat, weil er sich aber mit allen seinen Vorgesetzen verkrachte und wohl nicht sehr diplomatisch war, wurde er ins Fürstentum Moldau versetzt. In Konstatinopel, wie Istanbul wohl damals hieß, hat er auch die “Märchen aus tausend und einer Nacht übersetzt und da beschreibt Stermann, daß er die Originalausgabe von einem Derwisch geschenkt bekommen hat, die ihm aber erst sein einarmiger Diener in Moldau offenbarte. Er übersetzte auf Französisch und Englisch die Ausgabe, die ganz anderere Erkenntnisse, als das uns Bekannte, erbrachte. Leider gingen aber Original und die Übersetzungen verloren.

Nun gut, so wissen wir nicht wirklich, ob der Sultan Sheherazade statt zu heiraten, hinrichten, ließ.

Josep kam jedenfalls mit seinem Diener, der ein absoluter Taussendsaa war, nach Wien zurück und wurde dort diskriminiert und diskriminiert.

Er ließ sich das zwar nicht gefallen und schrieb Beschwerdebriefe an den berühmten Metternich, der ihm aber erklärte, daß er keine großen Geister, sondern einen eher kleinliche brauche, so daß er ihn weiter kleinhielt und überging.

Joseph von Hammer hat mit Vierzig die neunzehnjährige Caroline von Henikstein geheiratet, die aber vor ihm starb, wurde von der Gräfin von Purgstall adoptiert und war schließlich auch kurz Leiter der “Akademie der Wissenschaften”, aber auch dort gab es Querälen und Intrigen, so daß der große Geist vereinsamt unter der <hand seines Dieners, der ihm bis zum letzten Atemhauch Geschichten erzählte,  verstarb. Ein großes orientalisches Grab hat er sich auch bauen lassen und ich bin wirklich sehr entspannt in die Welt Napoleons, Franz I, dem er beim Suchen eines Balls helfen muß, während sein Vater verstarb und Metternicht, der natürlich wußte, in welcher Ritze des Palastes sich dieser befunden hat,  des ertaubenden Beethoovens, Grillparzers, des Wiener Kongreßes, bis zur 1848 Revolution, etcetera, eingetaucht, denn Joseph von Hammer-Purgstall hat 1774-1856 gelebt und ist am Cover des Buches im prächtigen orientalischen Gewand abgebildet.