Der Flakon

“Es scheint ein neuer Trend zu sein überall weibliche Heldinnen zu finden, von denen früher niemand eine Ahnung hatte”, kann man bei “Amazon” über Hans Pleschinkis neuen Roman über die Kriegserklärung, die Friedrich II im August 1756 dem Sachsenkönig machte, lesen und da habe ich schon vor kurzem Angela Steidles Roman “Aufklärung” über Dorothea Bach und Luise Gottsched gelesen, wo dieser Krieg auch vorkam.

Historische Romane über Deutschlands achtzehnten Jahrhunderts scheinen also modern zu sein und wahrscheinlich leben einige “Buchpreis-Schriftsteller” davon.

Worüber sollen sie sonst auch schreiben, wenn schon über alles geschrieben wurde?, könnte man munken und von dem 1956 in Celle geborenen Hans Pleschinski habe ich vor Jahren einmal während eines Frankfurts Surfing gehört.

Da hat er seine “Ludwighöhe” am blauen Sofa wahrscheinlich, vorgestellt und die schlampige Legasthenikerin im mir, hat ihn zuerst für Ludwig Fels gehalten.

Dann hat sich aber sein Name bei mir eingeprägt und auf den Roman “Ludwigshöhe”, wo es, glaube ich, um ein Sterbehilfesanatorium geht, wurde ich sowieso sehr neugierig. Das Buch habe ich einmal gefunden, aber noch nicht gelesen.

“Gelesen habe ich “Königsallee” die Biografie über Thomas Mann oder über ein lebensgeschichtliches Eregnis aus den neunzehnfünfziger Jahren und “Am Götterbaum”., eine Biografie über den Nobelpreisträger Paul Heyse. Dann hat er einen biografischen Roman über Gerhard Hauptmann geschrieben, den habe ich bei einem Literaturhaus Flohmarkt, ich glaube, um sogar fünf Euro gekauft und auch noch nicht gelesen. Seit ich “Buchpreis” lese, schaffe ich es nicht kaum etwas anderes als Rezenskionsexemplare zu lesen und vor alldem hat der Alfred einmal einer WU-Kollegin einen Stoß Bücher abgekauft, da war Pleschinksis “Bildnis eines Unsichtbaren” dabei, auch noch nicht gelesen.

Soviel also zu Hans Peschinski, der über eine sehr interessante Schreibbiografie verfügt und nun in den Winter des Jahres 1756, wo der König von Sachsen mit seinem Premierminister von Brühl nach Polen geflüchtet ist, der König von Preußen, das Land geplündert hat und in Leiphzig residiert.

Die Königin von Sachsen hat sich aber geweigert Dresden zu verlassen, ebenfalls Marianne von Brühl und die ist jetzt die unbekannte Heldin, die Hans Pleschinski offenbar erfunden hat, schreibt er doch in seiner Nachbemerkung “Wenige Auskünfte lassen viele Spekulationen zu”.

Wir wissen also von Maria Anna Franziska von Brühl, daß sie 1762 in Warschau gestorben ist. Hans Pleschinksi schickt seine tapfere Heldin mit ihrer Gesellschafterin oder Kammerzofe Luise von Barnhelm, man beachte den Namen, eine Minna kommt auch einmal vor und einem preußischen Adjutanten nach Leipzig. Dorthin reist die Frau Minister tagelang mit der gemeinen Postkutsche und das was die Damen da erleben und wem sie da begegnen speist einen großen Teil des Buches. Im Gepäck hat sie ein Flacon mit einem Gift mit dem sie Friedrich ermorden will, um das Land zu retten. Das ist aber nicht so einfach, denn der Preußenkönnig wird sie nicht vorlassen. Also muß sie sich an die damaligen Dichtergrößen, Gellert und Gottsched, ein interessanter Einfall von Hans Pleschinski wenden, damit die das für sie tun.

Das scheitert natürlich und ob ein solches Attentat tatsächlich stattgefunden hat, ist wahrscheinlich fraglich. Die Gräfin wird nach Warschau ausgewiesen, wo sie wie schon erwähnt, stirbt und am Buchrücken und hier auch am Klappentext, also zweimal steht etwas von einem “neuen unterhaltssamen und kenntnisreiche Romean in dem uns Hans Pleschinski in ein wenig bekanntes Ereignis der deutschen Gescbichte einführt.

Nun interessiert die Wienerin die preußisch-sachsische Geschichte nicht so sehr, obwohl sie ja fast jedes Jahr nach Leipzig fährt und ich habe mich so auch gefragt, wer das Buch lesen wird?

Ingteressant finde ich neben der Einführung in die damalige Intelligeniza, die ich ja schon aus dem Stieidle Buch kenne, daß Pleschinki ,wie mir aufgefallen ist, immer wieder aktuelle Anspielungen hat. So trifft die Gräfin in der Poststation zum Beispiel eine Frau mit ihrem Sohn, die aber gar nicht die Postkutsche nimmt, sondern sagt, daß es hier warm, während sonst das Heizen zu teuer ist.

Es wird erwähnt, daß die Bediensteten damals weder heiraten noch Sex haben durften und wenn sie es doch taten und erwischt wurden, mußten sie mit Schandgeigen durch die Gegend laufen.

Das ist sicher interessant, sonst haben mich die Ereignisse des siebenjährigen Krieges, glaube ich, ganz ehrlich, nicht so interessiert.

Ich würde nur meinen, daß Hans Pleschinski diese Reise eher modern schildert. So war das Fräulein von Barnhelm wahrscheinlich eher eine Gesellschafterin, als eine Kammerzofe und die Gräfin geht mit ihr und sie mit ihr auch eher vertraulich um.

Interessant, interessant, schreibe ich trotzdem und füge hinzu, daß ich nun noch “Ludwiglust” lesen sollte, aber wie, aber wann?

Am Götterbaum

Von Hans Pleschinski habe ich, glaube ich, bei einem Frankfurter Buchmessensurfing das erste Mal etwas gehört, das heißt, ich habe ihn mit Ludwig Fels verwechselt, der vor kurzem verstorben ist, da wurde sein “Ludwigshöhe” vorgestellt, das mich interessierte, weil ich mich mit dem Thema Sterbehilfe ja auch sehr beschäftigte. Bei dem Bücherkauf von Alfreds literaturversierter WU-Kollegin habe ich das “Bildnis eines Unsichtbaren” um einen Euro wahrscheinlich, erstanden und ich gestehe es, immer noch nicht gelesen, auch “Wiesenstein” das Portrait über den großen Gerhard Hauptmanns noch nicht. Das hatte ich bei “Beck” angefragt, nicht bekommen, es mir dann aber einen Literaturhaus-Flohmarkt um fünf Euro gekauft, noch nicht, dafür aber, Kritiker hört her “Königsalle” über den noch berühmteren Thomas Mann.

Woher ich das Buch bekommen habe, weiß ich nicht mehr, vielleicht wars im Kasten oder in einer Abverkaufskiste und bin so daraufgekommen, daß sich der 1956 in Celle geborene, in letzter Zeit für literarische Biografien interessiert, denn jetzt ist ein weiters Bildnis eines Unsichtbaren oder Unbekannten, herausgekommen, nämlich das Portrait des ersten deutschen Nobelpreisträgers von 1910 Paul Heyse und ich höre jetzt schon rufen “Paul Heyse wer wer ist denn das?”

Ein klein wenig Ahnung hatte ich schon, denn es gibt einen Briefwechsel zwischen ihm und Marie von Ebner- Eschenbach und da war ich mal bei einem Symposium und da hat ihn, glaube ich, Alexandra Millner oder war es Daniela Strigl vorgestellt und als ich einmal erschöpft von dem Writersstudio-Marathonschreiben nach Hause beziehungweise an einen Bücherschrank vorbeigegangen bin, habe ich dort ein Buch über die “Deutschen Nobelpreisträger” gefunden, das dann auch in meine “Unsichtbare Frau” hineingefunden hat.

Ein Biografie über einen unbekannten Nobelpreisträger, wie fad könnte man da unken. Wen interessiert denn das? Das ist doch altmodisch und verstaubt!

Mitnichten, liebe mögliche Vorauskritiker, denn Hans Pleschinski macht es sehr originell. Ich weiß jetzt gar nicht mehr, ob das auch schon beim Thomas Mann so war. Aber hier marschieren eines Abends in München drei Frauen um die sechzig, die Baustadträtin Antonia Silberstein, die Bibliothekarin Therese Flößer auf Krücken und die Münchner Literaturpreisträgerin Ortrud Vandervelt, die gerade von einer Lesereise aus Sibirien zurückkommt, vom Rathaus in die Luisenallee, wo sich das Haus befindet, in dem Paul Heyse 1914 wahrscheinlich gestorben ist oder zuletzt dort lebte. Heute ist das eine verfallene Villa in der alte Waschmaschinen stehen, ein Konditor und ein Uhrmachen mit ihren kinder leben und sich die Spekulanten reißen. Die Stadt München will aber ein Kulturzentrum daraus machen. Deshalb hat ein Praktikant, die drei Damen angemeldet, die dort noch einen Erlanger Heyse-Experten treffen sollen.

So stolpern die drei Frauen durch die Stadt und machen mancherlei Alltagsbeobachtungen dabei. Da wird eine taubenfütternde Alte vom Portier vertrieben wird, AfD-Wäher unterhalten sich, etcetera.

Die Bibliothekarin hat ein paar Heyse-Bücher im Rucksack. So werden immer wieder Gedichte zitiert, die man auch im Buch finden kann und über Paul Heyse, der 1830 in Berlin geboren wurde, erfährt man auch sehr viel. Der war damals ein berühmter Dichter, wurde sogar geadelt, hatte viele Künstlerfreunde und hat auch Künstlerkreise zum Beispiel einen namens “Krokodil” gegründet. Hundertzwanzig Novellen, acht Romane und unzählige Theaterstücke hat er geschrieben. Da kommt dann eine Anspielung, daß man heutzutage keine Novellen mehr schreiben kann, weil keiner weiß, was das ist und sogar schon “Haikus” als Romane betitelt werden.

Die Gruppe torkelt weiter durch die Stadt, kommt dann zu der Villa, aber zuerst nicht hinein. Die Bibliothekarin hat Schwierigkeiten mit den Krücken und bekommt Alpträume, wo sie sich an ihren Schreibtisch wähnt. Dann dann gibt es auch ein Zwischenkapitiel in Italien, denn da besucht 1905 offenbar der berühmte Verleger der Cottta´schen Buchhandlung, den alten Dichter in seiner Sommerredsienz am Gardasee, denn der war sehr Italophil, hat das auch studiert und Ende eine Villa dort gehabt. Frau Anna fragt was sie kochen soll? Der Verleger deutet schon den möglichen Nobelpreis an

Dann geht es wieder zurück in dieLuisenstraße, beziehungweise in das Cafe nebenan, wo die die fünf, der Erlanger Spezialist vom Department of literatur, auch so eine Anspielung mit seinem chinesischen Mann ist inzwischen auch eingetroffen, um sich zu stärken. Dann kommen sie doch in die Villa hinein und am Ende erscheint noch der Direktor vom Touristenbüro von Gardone Riviera, der dort ein Paolo Heyse- Centro errichten will und bietet der Baurrätin oder der Stadt Münschen seine Vorschläge an.

Interessant merke ich an, sehr orignell und gewagt. Bin gespannt, was die Literaturkritik dazu sagt? Mir hat es jedenfalls gefallen und wieder viel gelernt. Vor allem das man Literatur und auch biografische Romane anders schreiben kann und kann das Lesen des “Götterbaums” oder auch Paul Heyse selbst, von dem ich gar nicht weiß, ob der noch lieferbar ist, sehr empfehlen, der aber vielleicht verstaubter wirken kann, als das Buch über ihn.

Königsallee

2Im Sommer 1954 kommt der fast achtzigjährige Thomas Mann mit seiner Frau Katja und seiner Tochter Erika nach Düsseldorf in den Breidenbacher Hof, der sich offenbar in der Königsallee befindet, um aus seinem “Felix Krull” zu lesen.

Das ist eine historische Tatsache, der 1956 geborene Hans Pleschinski von dem ich gerne “Ludwigshöhe” lesen würde, hat einen Roman daraus gemacht, in dem er die Tatsachen mit der Fiktion verbindet und das Nachkriegsdeutschland der Fünfzigerjahre dadurch plastisch macht, in dem er scheinbar einen Skandal erzählt.

Denn Thomas Mann soll da Klaus Heuser getroffen haben, einen Freund seiner Kinder, dem er vor Jahren auf Sylt, als der ein Jüngling war, nahetrat und küsste und ihn später in seiner “Josefslegende” und auch im “Felix Krull” verweigt hat.

Der ist jetzt aus Asien zurückgekommen und mit seinem indoneischen Freund Anwar, ebenfalls in dem Hotel abgestiegen und Erika Mann bekommt das, als sie das Meldebuch durchsieht, heraus und bedrängt die Freunde das Hotel zu verlassen, weil man dem “Zauberer”, wie Thomas Mann genannt wird, nicht soviel Aufregung zumuten kann.

In fünfzehn Kapiel mit wechselnden Perspektiven wird die Ankunft der Manns bis zu dem Abend der Lesung und dem anschließenden Empfang erzählt und wir erfahren, wie schon erwähnt, viel  vom Deutschland kurz nach dem Krieg und dem Leben und Wirken von Thomas Mann.

Ich habe das Buch vor einiger Zeit im Schrank gefunden und in meiner Studentinnenzeit sehr viel, fast alles, von Thomas Mann gelesen und das meiste wahrscheinlich nicht verstanden.

In der Straßergasse nahmen wir den Tonio Kröger druch, um die “Biuddenbrocks” habe ich mich mit meiner Schwester gestritten, den “Felix Krull” verschlungen und war dann enttäuscht, weil ich mir etwas anderes erwartet habe, der “Erwählte” hat mich auf eine eigene Idee gebracht und und und….

In der letzten Zeit war nicht mehr viel Thomas Mann in meiner Lektüre und ich sollte den “Zauberberg”, den “Doktor Faustus”, etetera, sicherlich nochmals lesen, was ich aus Zeitgründen wahrscheinlich nicht tun werde, so war mir dieser biografischer Roman  willkommen, wenn ich auch, was die Anspielungen auf das  Erotische betrifft, ein wenig skeptisch bin, weil ich das ja nicht so mag und eher denke, man sollte sich auf die Literatur konzentrieren.

Aer Hans Pleschinski, auch wenn er im Tonfall manchal sehr pathetisch ist, ist ein Meister seines Fachs und läßt und erzählt uns in seinen fünfzehn Kapitel noch sehr viel anderes und am Schluß, bekommen wir noch heraus, daß Katja Mann, Klaus Heuser und seine Begleitung, sie dachte da freilich an eine Frau, doch noch zum Empfang eingeladen hat und die beiden sich im Taxi ausgesprochen haben.

Es taucht auch noch Golo Mann, ein Mann Sohn auf und drängt Klaus Heuser mit dem Zauberer über ihn, beziehungsweise über eines seiner Bücher zu sprechen und eine Nazigröße, ein gewisser Ernst Bertram, der sehr viel mit der Bücherverbrennung zu tun hatte, des Meister Büchers aber doch davor bewahrte, erscheint fast gespenstisch und will des Zauberers Vergebung und ein anderer Nazi wird aus dem Hotel ausgeladen, um mit dem alten Herrn gar nicht in Berührung zu kommen.

Ein Zwergin, die von ihren Eltern vor der Vernichtung bewahrt wurde, interviewt den Meister und fragt ihn, warum seine Protagonistien keine Proletarier sind und die Friseurgehilfin steht vor ihrem Laden in der Hotelhalle und schaut neugierig dem Geschehen zu.

Spannend spannend und als Schnelllektüre, um neugiergi auf den Meister und seine Bücher zu werden, sicherlich sehr geeignet.

Ich habe, seit ich blogge, zwar nicht Tomas Mann gelesen, aber Frido Manns “Mein Nidden” und vor dem Haus an der kurischen Nehrung, bin ich auch gewesen, aber nicht hineingekommen, weil am fünfehnten August auch in Litauen ein Feiertag und daher geschlossen.

Thomas Mann hat übrigens damals in Deutschland kurz vor seinem Tod zwar die eltern Klaus Heuers aber nicht ihn selbst getroffen.

Und ich könnte noch anmerken, daß ich vor kurzem ein anderes Buch eines Dichters, der in den Fünzigerjahren schlagartig berühmt geworden ist, gelesen habe, das sicher auch sehr zu empfehlen ist.