Ein Unterhaltungsroman als Grundbuch?

Wieder eine Grundbuchreiheveranstaltung und da hat mich das vorgestellte Buch, “Desiree” der 1914 geborenen Annemarie Selinko sehr erstaunt, ist das doch ein Frauen und Liebesroman, der da von Klaus Kastberger und Kurt Neumann in den Grundbuchkanon gerückt wurde und habe mich auch gefragt, warum nicht vielleicht “Morgen ist alles besser”v dafür ausgewählt wurde, was ich für den besten der drei vorher geschriebene Romane halten würde und Annemarie Selinko, die 1986 in Kopenhagen gestorben ist, gehört sicher in die Grundbuchreihe oder als eine der emanzipierten Autorinnen, die die wilden Neunzehnzwanziger mit ihrer Liiteratur bereichert haben und davon habe ich durch Evelyne Polt-Heinzls “Zeitlos” erfahren und dann die Bücher “Ich war ein häßliches Mädchen”, “Morgen wird alles besser” und “Heute heiratet mein Mann” in den Bücherschränken gefunden und begierig gelesen und “Desiree”, da plaudere ich wieder einmal auf der Schule oder aus meinem Leben, habe ich doch in meiner Hauptschulzeit sehr für den großen Napoleon geschwärmt, wahrscheinlich als Komepnsation meiner Schüchterheit heraus und da ist mir der Roman sicher in die Finger gekommen, obwohl ich ihn in meinen Bücherkatalog nicht finde und mich eigentlich an die vorgelesenen Stellen, die wirklich sehr beeindrucksvoll waren, nicht erinnern konnte.

Vielleicht habe ich auch nur den Film gesehen, wo Marlon Brando, glaube ich, den Naoleon spielte und heute in Wien und gestern in Linz haben sich Klaus Kastberger,n Kurt Neumann, der wieder gesudet ist, Vea Kaiser und Christa Gürtler mit dem Buch beschäftigt und wenn ich vorher dachte “Desiree” gehört hier nicht hierher, das ist ja ein Unterhaltungsroman, dann habe ich mich wieder mal geirrt.

Denn man muß natürlich die Biografie der Autorin einbeziehen und der Roman, der gleich ein Bestseller wurde ist 1951, sowohl bei “Albert Lange”, dem Exilverlag, als auch bei “KiWi” erschienen, denn die Autorin musste ja 1938 Österreich verlassen und ist ihrem Ehemann nach Dänemark gefolgt und hat einen Teil ihrer Familie in Auschwitz verloren und das Buch auch ihre Schwester Lieselotte gewidmet.

Und Eugenie Desiree Clarys war die Verlobte Napoleons, als er noch nicht aufgestiegen war, er hat sie dann wegen Josephine de Beauharnais verlassen und später auch eine Habsburgtochter geheiratet und Desiree einen General, der später schwedischer König wurde und sie die Königin.

So weit, so what und daran knüpft sich jetzt die Frage, wie weit diese Desiree der realen Desiree entspricht?

Wahrscheinlich nicht sehr. Denn der erste Satz den Buches, den Vea Kaiser sehr begeistert vortrug lautet ja “Ich glaube eine Frau kann viel leichter bei einem Mann etwas erreichen, wenn sie einen runden Busen hat”, den Vea Kaiser als den schönsten ersten Satz bezeichnete und den hat die vierzehnjährige Eugenie in ihr Tagebuch geschrieben, das sie von ihrem Vater zum Geburtstag bekommen hat.

Dann lernt sie Napoleon kennen, rennt mit ihm durch den Garten und antwortet ihm, als er ihr verrät, daß er Weltgeschichte machen will, daß sie das auch vorhat. So geht es weiter, wahrscheinlich durch das ganze Buch und auf jeden Fall durch die Stellen, die Vea Kaiser vorgetragen hat.

Spannend auch, daß sie sich von Josephine schminken läßt und dabei von Napoleons Scheitern in Russland in einer Zeitschrift liest. Hunderttausend Soldaten gefallen, aber dem Kaiser geht es gut und wie geht es weiter, Madame?

Humor und Ironie, Kalkül und konstruiert, das wurde dann von den vieren diskutiert und auch darüber geredet, wieso das Buch so erfolgreich werden konnte?

Eine Mllionenauflage und was eigentlich sehr selten ist, wurde auch gefragt, wer das Buch im Publikum gelesen hat und recht viel haben aufgezeigt. Wahrscheinlich Frauen, denn neunzig Prozent der Leser sind wahrscheinlich solche und damit wurde wahrscheinlich auch, wie die zwei Herren vermuteten, der zweite Weltkrieg verarbeitet, wo ja auch sehr viele Männer ihr Leben in Stalingrad lassen mußten und heute füge ich dazu, gerade ihres in der Ukraine verlieren.

Inzwischen sind, was ich nicht wusste, die drei früheren Bücher bei “Milena” erschienen und Dine Petrik, die ich ja gestern im Literaturhaus vermißt habe, war auch im Publikum und hat von ihren Leseeindrucken berichtet.