Verwüstung der Zellen

Jetzt kommt noch ein Buch das im Vorjahr auf Longlist zum “Debutpreis” stand, eines das Marc Richter sehr gefallen hat und das er sich für die Shortlist wünschte. Er hat es dann zu Weihnachten verlost, ich habe es bekommen und so habe ich Markus Mittmansgruber, ein Buch aus dem österreichischen “Luftschacht-Verlag” “Verwüstung derZellen” gelesen, obwohl ich länger gezögert habe, schien es mir doch sehr experimentell zu sein und das habe ich ja nicht so gerne.

Der mir bisher unbekannte Markus Mittmansgruber wurde 1981 inLinz geboren, studierte Philosophie an der Uni Wien, hat verschiedene Veröffentlichungen in “Kolik”, “Rampe”, “Podium” und hat mit der “Verwüstung der Zellen” 2016 seinen Debutroman herausgebracht.

In der Beschreibung steht etwas vom “Verfall einer Familie” und zwei Erzählsträngen und dann fängt es gleich ein wenig schwierig in der Kleinschrift an und ich dachte schon “Uje!”, bis es dann im zweiten Handlungsstrang etwas konkreter wurde.

Da wird nämlich von einem Sohn erzählt, dessen Vater eine degenerative Krankheit hat und sich damit sozusagen von seiner Familie verabschiedet. Er will nicht besucht, vielleicht auch nicht beim Sterben beobachtet werden. Die Mutter nimmt das hin, der Sohn ein abgeborochener Philosophiestudent, der jetzt in einer Consultingfirma arbeitet, nicht.

Der Vater kommt dann in ein Pflegeheim, der Sohn besucht ihn dort, die Mutter, die er auch besucht, hat im Kühlschrank lauter abgelaufenes Essen, geht viel spazieren und, als ein Arzt anruft und von einem Aggressionsschub des Vaters erzählt, geht die Mutter mit ihm in das Heim.

Der Sohn, der unter “Tinnitus” und “Angstzuständen” leidet und auch die entsprechenden Medikamente nimmt, besucht dann auch eine etwas seltsame Körpergruppe, die von einem Paar geleitet wird.

Da muß man aus sich herausgehen, “das Kamel in sich hinter sich lassen und zum Löwen werden” und ganz eigene kreative Übungen abliefern.

Johanna, mit der der Sohn sich befreudet und die an einen schwachen Magen leidet und glaubt von einem Wurm befallen zu sein, macht das sehr eskatisch und wird vom Christian, dem Leiter, der mit einer “Burgerkingkrone” auf einem Lehnsessel sitzt, auch gelobt, während der Sohn, in Erinnerung an seinem Vater immer etwas von einem “Türspalt” erzählt, was dem Leiter nicht gefällt und die Leiterin zum Gähnen bringt.

Das Ganze wird manchmal sehr spannend und auch in einer sehr schönen  Sprache erzählt, dann wird es wieder sehr theoretisch und unverständlich und die Ebenen und die Handlungsfäden wechseln sich auch sehr rasant ab, so daß ich das Lesen etwas mühsam fand und eigentlich eine realistischere Erzählweise über das Älterwerden und den Tod, wie Beispielsweise dem Roman von Susann Pasztor, den ich vor kurzem gelesen habe, vorziehen würde.

Denn irgendwie wirkt das Ganze distanziert und die Suche des Sohnes, der von psychischen Leiden gequält wird, nach  Familiengeheimnissen,sehr philosophisch abstrakt.

Nun der Autor hat Philosophie studiert und arbeit auch in einen wissenschaftlichen Verlag. Ob viele Leute das Buch lesen werden erscheint mir aber etwas fraglich und ich bin auch nicht sicher, was der sogenannte “Mehrwert” ist, den man ja bei “guter Literatur” haben und sich mitnehmen soll.

So hätte die realistische Autorin in mir, es wahrscheinlich auch nicht auf die Shortlist gesetzt, bin aber gespannt, was ich noch von den dem Autor hören und lesen werde und werde jetzt auch nachgoolen, ob er  GAV-Mitglied ist und ich ihn vielleicht auch schon bei einer der “Neuaufnahme-Lesungen” gehört habe.

Binde zwei Vögel zusammen

Jetzt kommt noch ein Geburtstagsbuch und zwar Isabelle Lehns Debutroman “Binde zwei Vögel zusammen”, aus dem sie im Vorjahr in Klagenfurt las, auf der Longlist des “Debutpreises” stand, aber leider für die Shortlist nicht ausgewählt wurde, was ich insofern bedauere, weil ich dann ihr meine Stimme gegeben hätte, als das für mich beste Buch aus der Liste, aber ich habe ja nicht die gesamte Longlist gelesen, nur ein paar davon.

Ein auch nicht auf Shortlist gekommenes Debut war Nele Pollatscheks “Unglück anderer Leute”, die damit gerade den Förderpreis des “Hölderlin-Preises” bekam, die Hauptpreisträgerin ist Eva Menasse und ich erwähne das, weil Nele Pollatschek eine der “Amazon-Rezensenten” für “Binde zwei Vögel zusammen” ist, was ich sehr spannend finde.

Isabel Lehn wurde 1979 in Bonn geboren, lebt in Leipzig, hat dort das Literaturinstiut besucht, ist dort auch als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig und hat der der letzten “Alumnilesung” auch aus dem Buch gelesen und ihr Buch ist zumindest vordergründig das poltische Buch des Jahres, würde ich mal sagen, daß die so oft beklagte fehlende präsante Situation der Welt bearbeitet und hintergründig, würde ich hinhzufügen, ist es sehr kompliziert und nicht zu fassen, weil es, wie ein Verwirrspiel die Ebenen ständig wechselt, so daß man sich bald nicht mehr auskennt und nicht mehr weiß, worum es hier wirklich geht?

Aber vielleicht hilft hier das Titelzitat, das auf Seite fünfundreißig zu lesen ist: “Binde zwei Vögel zusammen, sie werden nicht fliegen können, obwohl sie nun vier Flügel haben”

Ja, richtig darum geht es und da ist der Ich-Erzähler Albert Jakobi, ein Journalist, der irgendwie in ein Ausbildungscamp oder in ein Trainingslager geraten ist, wo er den Paschtunen Aladdin spielen soll, der achtundzwanzig Jahre alt ist, verheirat und drei Kinder hat und in dem afghanischen Dorf, das eigentlich in Bayern liegt, ein Cafe betreibt, das nur einen einzigen Gast hat. Außerdem rennt der Superviser herum und brüllt Anweisungen vor sich her und die Talibans greifen auch ständig an.

Das Ganze wird von einer Firma organisert, auch das Arbeitsamt schickt Kanditaten für sechs Wochen hin und wenn man sich nicht an die Regeln hält, wird man zurückgeschickt und darf später nicht mehr hinkommen.

Albert Jacobis oder Aladdins sechs Wochen sind bald aus, so kehrt er in sein reales Leben, nach Leipzig, wenn ich richtig kombinierte und zu seiner Freundin zurück und will über den Einsatz schreiben, obwohl er ja eigentlich ein Schweigegelübde unterschrieben hat.

Es geht auch nicht, er bringt es nicht zusammen und kommt draußen in der schönen friedlichen Welt auch nicht mehr zurecht. Die Paranoia holt ihn ein, Aladdin sitzt plötzlich neben ihm auf der Parkbank, läßt ein Buch liegen, klaut ihm dafür sein Handy und ruft damit seine Frau und seine Kinder in Afghanistan an und läßt ihn die Rechnung zahlen.

Das Buch das er liegen gelassen hat, stammt von Elisabeth Langgässer und wurde 1936 geschrieben und Aladdin ist auch ein Flüchtling, der mit dem Buch Deutsch gelernt hat, um über die Grenze zu kommen, etcetera, etcertera.

Wem das noch nicht kompliziert genug ist, kann sich mit Albert Jacobi in die Real life Situationen des deutschen Hartz IV Lebens gegeben, wo die Kanditaten in Supermärkten, wo keine echten Kunden sind, den Verkaufsallteg nachspielen müßen und vor den Sozialmärkten bekommt man ein Los, damit es gerechter ist, wenn man als letzter hineinkommt und nur mehr das verwelkte Gemüse vorhanden ist.

Dazwischen gibt es dann noch die Nachrichten vom  wirklich echten Leben des Jahres 2014, wo das Buch offenbar geschrieben wurde, die Todesfälle, die Flugzeugentführungen, die Terroranschläge, die Erschießungen, etcetera.

Noch einmal ganz real bewerben sich, sowohl Albert und seine Freundin für neiue Jobs und während die nach München fährt, um die Probezeit zu beginnen, wechselt Albert mit Aladdin seine Identität, läßt ihn mit seinen Papieren in seiner Wohnung zurück und macht sich auf ein weiteres Training zu beginnen.

So habe ich es mir gelesen, vielleicht läßt sich die Geschichte, wie Andreas Okopenkos “Lexikoroman” auch anders interpretieren. Mir hat sie, auch wenn sie keine Lösungen anbietet und uns die Wirklichkeit vielleicht schon wieder überholt hat, sehr gut gefallen und wie erwähnt, ich bedauere es sehr, daß es nicht auf die Shortlist des Debutpreises gekommen ist, da es wahrscheinlich stärker, die politische Situation wiedergibt, als Shida Bazyars Geschichte, für die ich mich entschieden habe.

Aber, wie schon erwähnt, ich habe nicht alle Bücher gelesen und ein weiteres, das ich von Marc Richter gewonnen habe, daß es auch nicht auf die LL schaffte, steht jetzt auf meiner Leseliste.

Das Geheimnis der Eulerschen Formel

Jetzt kommt ein Buch, das ich unter anderen Schätzchen im “Wortschatz” gefunden habe und eines das mir, was ja, wie meine Leser vielleicht bemerkten, gar nicht so oft vorkommt, erstaunlich gut gefallen hat.

Ein japanischer Roman, von der 1962, geborenenen Yoko Ogawa, von der ich noch nichts gelesen habe, die in den Blogs aber öfter vorkommt und die auch eines meiner Lieblingsthemen, nämlich der Umgang mit dem Gedächtnisverlust, dem Älterwerden und dem Sterben, behandelt.

Sie tut es auf eine sehr poetische Art und Weise: “Ein Buch über Freundschaft und Verlust – und über die Schönheit der Mathematik”, wie auf dem Buchrücken steht und die japanische Literatur, in der ich mich nicht so besonders auskenne, hat auch ihren eigenen, geheimnisvollen Reiz.

Ein Buch von Haruki Murakami, dem Großmeister habe ich gelesen, eines von seinem Namensvetter, eines von  Yasushi Inoue , sowie von Kazuo Ishiguro das sind schon fast meine gesamten Kenntnisse der japanischen Literatur und richtig bei der “Literatur im Herbst”, war es auch einmal das Thema.

Die Funde aus den Bücherschränken sind also ein großer Gewinn,sie füllen meine literarischen Lücken und die Geschichte ist schnell oder auch sehr langsam erzählt, den sie lebt, glaube ich, von den Ausparungen und den Andeutungen.

Eine namenlose Haushälterin ist die Ich-Erzählerin, sie wird von ihrer Agentur zu einem Mathematikprofessor geschickt, der vor einigen Jahren einen Autorunfall hatte und sich die Ereignisse jetzt nur mehr achtzig Minuten merken kann.

Er wohnt in einem Gartenpavillon im Hause seiner Schwägerin, die die Haushälterin, eine junge Frau mit einem zehnjährigen Sohn auch engagiert.

Dann verschwindet sie in ihrem Haus, das die Haushälterin nie betreten soll und der Professor ist ein schmaler Mann in einem schäbigen Anzug auf dem unzählige Zettelchen kleben, damit er sich in seinem Leben zurechtfindet.

Er löst mathematische Rätsel und schickt sie an Zeitschriften, womit er viele Preise gewinnt und er nimmt mit seiner Haushälterin den Kontakt auch über Zahlen auf, so fragt er sie nach ihrer Schuhgröße und erklärt ihr diesbezügliche Zusammenhänge und sie beginnt sich, die wohl keine gründliche Schulbildung hat, für die Mathematik zu interessieren.

Der Professor ist auch sehr kinderliebend, so fordert er sie auf, was in ihrer Agentur eigentlich streng verboten ist, nach der Schule, den Sohn herzuholen und mit ihm geheimsam Abend zu essen, weil das für ein Kind ja wichtig ist und nennt ihn “Root”, Wurzel, nach seiner Kopfform.

Eine wichtige Verbindung ist auch das Baseballspielen. Der Zehnjährige interessiert sich dafür und der Professor tut es auch, aber weil der ja schon Jahre kein Gedächtnis mehr hat, sind seine Lieblingsspieler nicht mehr aktuell und das stellt die beiden vor ein Problem, weil sie nicht wissen, wie sie das dem Professor beibringen sollen, weil sie ihn nicht verletzen wollen.

Es kommt eines Tages auch zu einem kleinen Unfall. Root schneidet sich beim Apfel schälen in den Finger, während die Mutter einkaufen war und, als sie zurückkommt, findet sie die beiden blutüberströmt und außer Fassung vor.

Der Professor trägt das Kind dann ins Krankenhaus und zu einem Baseballspiel wollen die beiden, den Professor auch mitnehmen. Das ist für den alten Herrn, der mit seinen Zettlchen auffällt, natürlich anstrengend und so verfälllt er nachher in ein hohes Fieber, so daß die junge Frau, obwohl auch das streng verboten ist, sich weigert, um neunzehn Uhr nach Hause zu gehen, sondern mit dem Kind die Nacht über bei ihm bleibt. Das führt zu einer Beschwerde, sie wird in ihre Agentur gerufen und muß die Stelle wechseln.

Für den Professor eigentlich kein Problem, hat er sie ja nach achtzig Minuten vergessen, für die unge Frau, die jetzt bei einem Stuerberaterehepaar arbeitet aber schon. Root wird wieder ein Schlüßelkind und sie wird eines Tages von der Agentur angerufen, sie soll sofort in das Haus des Professors kommen, weil ihr Sohn etwas Schreckliches angestellt hat.

Der hat den alten Mann nur besucht, die Schwägerin ist aber mißtrauisch, fragt die ehemalige Haushälerin, ob sie das nur des Geldes wegen getan hat und was sie damit bezweckt? Die antwortet “Aus Freundschaft!” und der Professor legt plötzlich ein Zettelchen mit der “Eulerischen Formel” auf den Tisch, als wolle er Streit vermeiden.

Damit wird scheinbar alles wieder gut, die Haushälterin wird wieder eingestellt, der Professor gewinnt den ersten Preis beim Preisausschreiben und Root wird, seltsamerweise, die Geschichte spielt in den Neunzigerjahren, am 11. 9. elf Jahre alt. So beretiten sie für ihn und den Professor ein großes Fest, suchen dafür lang eine Sammelkarte seines Lieblingsspielers, es gibt auch ein Problem mit den Kerzen und der Torte und am nächsten Tag ruft die Schwägerin an. Die Haushälterin braucht nicht mehr kommen, denn der Schwager, dessen Gedächtnisspanne noch kürzer gworden ist und jetzt nicht mehr über das Unfallsjahr 1975 hinausgeht, kommt in ein Altersheim.

Ja, richtig ein Geheimnis gab es auch noch, das die Haushälterin entdeckte, nämlich in einer Kassettte mit den Baseballspielerkarten, lag ein Manuskript und darauf stand “Für N. in ewiger Liebe. Du sollst mich nie vergesssen” und N. ist, wie die Haushälterin weiß, die Schwägerin und, die sagt ihr dann noch, auf die Frage, ob sie ihn nicht auch im Altersheim betreuen soll: “Das ist nicht nötig. Ich werde bei ihm sein. An Sie wird sich mein Schwager nie mehr erinnern, mich hingegen wird er nie vergessen.”

Sie und Root besuchen ihn aber doch bis zu seinem Tod, das letzte Mal elf jahre später, als Root schon zweiundzwanzig ist und sein Lehramtsexamen bestanden hat, also in Zukunft auch Mathematiklehrer sein wird.

Ein sehr berührende, geheimnisvolle Geschichte, nicht so realistisch, wie meine Texte über den Tod, das Älterwerden und das Sterben, aber trotz aller Aussparungen und der vielen Kleindetail,  verständlich und nachvollziehbar, die mich sehr beeindruckt hat und ich nun auch gern die anderen Bücher der Autorin lesen möchte. Aber die müßte ich erst finden.

Morgen mehr

Jetzt kommt ein Buch von meiner Leseliste und zwar eines das ich mir im November von Annas Geburtstagsgutschein kaufte.

Wenn man so will ein ganz besonderes Buch, von dem ich schon geschrieben und berichtet habe, denn ich habe ja ein Faible für Buchexperimente und das ist das bei “Hanser” erschienene Buch, des Bachmannpreisträgers von 2008, von dem ich schon “Den Kaiser von China” gelesen habe, gewesen.

Eigentlich hätte ich ja gewarnt sein könnte, da mir der Roman ja zu lustig und vielleicht auch ein bißen zu unsinnig gewesen war und der 1975 geborene Tillmann Rammstedt steht ja offenbar für solche Experimente, als ich zu Anfang des letzten Jahres von diesen “Crowdfunding Projekt” hörte und es auch ein bißchen, so weit das möglich war verfolgte.

Denn da hat ja Tillmann Rammstedt häppchenweise jeden Tag ein Kapitel und “Morgen mehr” geschrieben und man konnte sich das, wenn man, glaube ich, sieben Euro dafür zahlte, dieses schicken lassen, man konnte auch mehr zahlen, dann hat man auch das Buch dazu bekommen, daß dann im Mai darauf erschienen ist.

Und im Internet hat man jeden Tag ein Bild von Tillmann Rammstdet und ich glaube auch die Kapitelüberschrift gesehen und konnte Kommentare abgeben, an die sich der Autor, glaube ich, auch gehalten hat.

Ein Probekapitel hat es  auch umsonst geben, viel mehr habe ich nicht mitbekommen, war aber von der Idee angetan und auch neugierig und jetzt, da ich mit den Frühjahrsrezensionsexemplaren vorläufig fertig bin, mir dieses Buch von meiner Leseliste genommen.

Von dem Crowdfundingprojekt ist am Kappentext nicht mehr viel zu finden. Da steht nur, daß da einer ist, der noch nicht geboren ist und nun nach seinen künftigen Eltern sucht.

An sich eine fantastische Idee und ich kann mir, da ich mit dem Lesen jetzt fertig bin, auch vorstellen, wie es Tillmann Rammstedt beim Schreiben gegangen ist.

Da hatte er also diese Idee und hat jeden Tag ein Kapitel geschrieben und es ist, würde ich mal unken, ein Nonsensesroman daraus geworden oder eine Räubergeschichte ganz im Tilmann Rammstedtschen Stil.

Die Mutter ist also in Frankreich und gerade dabei sich von einem anderen schwängern  zu lassen, der künftige Vater soll gerade in den Main versenkt werden und dann passieren bis zum Happyend  und zur Geburt des Helden, die unglaublichsten Sachen und ich habe beim Lesen öfter den Kopf geschüttelt.

Habe mich gewundert, daß so  ein Roman entstehen kann, der dann bei einem Publikumsverlag erscheint und auch noch gute Kritiken hat. Kann mir auch Tillmann Rammstedts Vegtgnügen, das er beim Schreiben hatte, vorstellen und sogar, das vielleicht auch beim nächsten “Nanowirimo” zu versuchen.

Mir eine Idee auszudenken und dann jeden Tag einfach tausendsechshundert Worte ohne Plan mit open end vor mich hinzuschreiben.

Ich füchte nur, das wird mir nicht gelingen, da ich dazu wohl zu wenig Humor habe und zu ernsthaft bin und die Schreibstulen raten da wohl auch, sich ein Konzept, einen Anfang, eine Mitte, einen Schluß zu machen.

Ich würde also wahrscheinlich wieder im gutgemeinten Mittelmaß mit meinen depressiven Frauen steckenbleiben, während Tilmann Rammstedt, die Mutter mit einer Liste, der verschwundenen Schwester durch Frankreich schickte. Sie soll dort die Zeit anhalten, während der Vater, der von seiner Freundin Claudia verlassen wurde, von einem Möchtegerngangster namens Dimitri oder Uwe im Main versenkt werden sollte.

Das gelang aber nicht, drei Herren im Pelz tauchten auf, um das zu verhindern und auch noch ein Junge mit einem Sack Geld.

Die rasen alle nach Paris, die Mutter fährt von Marseille, wo sie sich anfangs beindet, auch dorthin und es kommt, das kann ich gleich verraten, zu einem Happyend.

Der Junge wird geboren oder war vielleicht schon da. Das letzte Kapitel ist auch noch in Orange gedruckt und ich bleibe zurück und schüttle den Kopf.

So kann man auch einen Roman schreiben, natürlich ja und wenn ich da noch an das Blogbuster-Projekt und die überstrengen Kritiker dort denke, frage ich mich vielleicht, was war das Neue und das Berührende daran und komme nicht umhin zu denken, neu ist die Form des Entstehens natürlich ja.

Berührend? Mich hat die banale Nonesensgeschichte eher negativ berührt und dann war aber wieder das “Wow!”, da und das “So geht es auch!” und die Neugier das vielleicht wirklich im November zu versuchen und zu schauen, wo ich damit bleibe oder wie weit ich damit komme?

Knallmasse

Nun kommt noch ein Buch aus dem kleinen feinen besonderen “Hommunculus-Verlag” und eines, das nach Art und Ausstattung eher zu Philiph Krömers “Ymir”, als zu den “Bloggerleseerfahrungen” passt.

Nämlich die, wie am Buchrücken  steht, vom Autor vollständig überarbeitete Neuausgabe, des schon 1993 erschienenen kosmischen Märchen “Knallmasse”, des 1953 in Erfurt geborenen Ulrich Holbein, den ich im ersten Augenblick mit Wolfgang Hohlbein verwechselt habe.

Aber da scheint es keinen Zusammenhang zu geben, obwohl, die Art des Schreibens vielleicht gar nicht so verschieden ist.

Oder doch natürlich,  selbverständlich, denn der “Weltliebhaber” und “Ökodandy”, wie in der Biografie  zu lesen ist, scheint den Fotos nach, die von ihm imNetzt zu finden  sind, ein schräger Vogel oder sehr alternativer Typ zu sein.

Von der Geschichte weiß ich das, die ich ja keine besonders Science Fiction Liebhaberin und Kennerin bin und mich bei den verschiedenen Unterformen dieses Genres auch nicht auskenne, nicht so genau.

Denn auf den ersten Blick könnte man Buch fast für ein Jugend- oder Kinderbuch halten und sagen, daß, die darin geschilderten Inhalte, auch wenn sie etwas kompliziert geschrieben und verwirrend aufgebaut wurden, gar nicht so ungewöhnlich sind.

Wenn aber Jörg Drews auf den Buchrücken “Toll technizistisch geht es zu in dieser Mischung aus romantischen Märchen und verjuxter Sciecne und Fantasy-Fiction”, schreibt, kann und wird das nicht stimmen. Noch dazu, wenn ein so kleiner  spezieller “Indie-Verlag”, das Buch herausgebracht hat.

Trotzdem würde ich sagen, die Illustrationen, die auch von Ulrich Holbein stammen, sind das Besondere an dem Buch und sie sind genauso künstlerisch ungewöhnlich, wie die bei “Ymir”.

Der Inhalt, na ja, das habe ich vielleicht schon so ähnlich in einem anderen Jugendbuch gelesen, wenn ich mir auch vorstellen kann, daß Ulrich Holbein, dabei genauso lang und kompliziert herumgetüffelt hat, wie Arno Schmidt bei seinen Werken.

Es beginnt aber wie in einen Science-Fiction-Film. Knallmasse ist ein Roboter und ein Zentralschulpflichtiger im Staate Dezibel, wo alles laut und hart ist und dröhnt und dasLand von der Frau Dr. Dr. Dr. Dr Druckmüller regiert wird, die nie jemals gesehen wurde, aber stündlich “Guten Morgen!”, wünscht und ihrem Volk, ähnlich wie bei “1984”, die Grundregeln erklärt.

Mit dem Omnibus muß der Zentrallschulpflichtige in die Zentralschule, eingepfercht zwischen hundert anderen Robotern, die Namen, wie Quarzschemel, Breitsockel, Randfutter, etcetera haben und ständig “Ich liebe Blindenschrift!”, “Mein Lieblingsfach ist Biologie!” und ähnliches herunterleiern.

Dann geht es in den Unterricht von Frau Dr. Schallreiter, Frau Dr. Kackflasche, und Frau Dr. Druckbeuter, richtig, die Namen weisen wahrscheinlich auf kein Kinderbuch hin, die ihren Schülern, beziehungsweise das System des Staates Dezebel erklären.

In der ersten Stunde namens “Weltgeschichte” passiert das. Dann werden die Nachfahren der ausgestorbenen Menschheit die “Wulminetten”, die vom Weltall eigefangen wurden, als  Schauobjekte den Schülern vorgestellt. In der dritten Stunde geht es um Körperertüchtigung der harten Roboter und da passiert Knallmasse ein Mißgeschick. Er entwickelt plötzlich Gefühle für das Weiche, Runde, das in dem Staat verachtet wird und soll deshalb verschrottet werden.

Inzwischen entweichen auch noch die beiden “Wulminetten”, namens Wurlipello und Wammarilli, die auch noch ein nicht ausgebbrütetes Ei in sich trägt  und  entfliehen mit Knallmasse, der aber blind und auch von einem Kraftschlauch abhäng ist, in das “kunterbunte Weltall”.

Das macht den zweiten Teil des Buches aus, und während der erste noch einigermaßen klar und durchschaubar war, wird es nun vollend verwirrend, denn Knallmasse muß lernen, sich zu ernähren, wenn es keinen Kraftstecker gibt.

Er kann aber keine Bananaen behalten, weil sein Mund eine Sackgasse ist, er braucht auch ein Auge, so brechen sie, mit einem alten Zwillingspaar, das sie inzwischen gefunden haben, in eine Brillenfabrik auf.

Verschiedene Verzehrspiegeln erschweren das Unterfangen. Kanallmasse bekommt auch noch Besuch von seinem Freund Kotzbirne, er hat auch den Kopf von Frau Dr. Stuhlmenge, die auf der Jagd nach neuen Schauobjekten im Weltall war, als Geißel gefangen genommen.

Im Traum taucht auch noch die Frau Dr. Dr. Dr. Dr. Druckmüller auf und will die beiden zurückholen.Knallmasse aber widersteht und bleibt, muß noch einige Abenteuer erleben, bevor er auf die “Stundeninsel” gelangt, das ist die, wo es früher Uhren gab, und dort zu einem blühenden Denkmal werden darf.

Wie schon erwähnt, bin ich vielleicht nicht die richtige Interessentin für das Buch, habe es, da ich mir nicht sicher war, ob das jetzt etwas Trivales oder sehr kompliziert Konstruiertes ist, vielleicht auch zu ungeduldig und schnell gelesen.

Die Illustrationen haben mir aber gefallen  und ich finde es auch spannen durch den “Hommunculus-Verlag” oder eigentlich durch das “Debutpreislesen” einen interessanten Autor kennengelernt zu haben, der sonst vielleicht an mir vorbeigegangen wäre.

Nachtkastlbuch

Barbara Claudia Keller, die ich während unserer Lesung in Salzburg trat und die ich, glaube ich, bei dem “Sichten und Vernichten-Symposium” im Literaturhaus vor einigen Jahren kennenlernte, wo ich meinen “Lieben Godt-Text” vorstellte, hat mir das Manuskript ihres kürztlich bei “Arovell” erschienenen “Nachtkastlbuch – Ein Kaleidoskop” geschickt, in dem die, wie bei den biografischen Anfaben steht, nach einigen Umsiedlungen ist Salzburg lebende Autorin, die, glaube ich, auch als bildende Künstlerin tätig ist, Texte in verschiedenen Genren aufgeschrieben hat.

Ein Buch fürs Nachtkastl oder Lektüre vor dem Schlafengehen, etwas diesbzügliches habe ich ja schon gelesen, könnte man so sagen und interessant ist, glaube ich, auch, daß Barbara Claudia Keller, das Claudia ihrem Namen dazugefügt hat, weil es eine andere Autorin namens Claudia Keller gibt, die glaube ich , kürztlich, den “Alois Vogel Preis” gewonnen hat, in einem Art Vorwort geschrieben hat, daß man das Buch, das sogar Witze und Kochrereztpe enthält, an jeder Stelle zu lesen anfangen kann. Also kein Streß vor dem Einschlafen, sondern beliebige Lektüre.

Barbara Claudia Keller schreibt von “Verknüpfungen und Verknotungen” und davon, daß “ihr Vorrat an Andekdoten und Geschichterln” unerschöpflich sei.

So läßt sie ihre Leser daran teilnehmen, sorgt sich vielleicht auch ein bißchen, nicht genügend davon zu haben, denn die Zahl der lesenden Menschen geht ja, wie ich immer höre zurück, während die der Schreibenden anstieigt.

So gibt es auch ziemlich am Beginn “Betrachtungen übers Schreiben”, wo Barbara Claudia Keller einen kleinen Excurs in die Welt der Schreibwerkstätten gibt, von der Biblio– und der Poesietherapie schreibt, das Korrigieren, Verknüpfen, Erweitern und auch einige Schriftsteller erwähnt.

Ein Text, den ich sehr interessant finde und der vielleicht auch  viel über das Buch, seine Absicht und sein Zustandekommen verrät.

Schade finde ich daher, daß er nicht gleich nach dem Vorwort kommt, sondern zuerst eine Geschichte über einen Mann, der offenbar eine junge Asiatin geheiratet hat und nun Sorge hat, daß sie ihn vergiften will und er sie deshalb vorsorglich auf einen Glaubenskongreß nach Ausland schickt, kommt, die meiner Meinung nach, besser etwas weiter hinten, Platz gehalbt hätte.

Dann kommen einige der schon erwähnten “Notate” und “Witze”, darunter die Geschichte, wie die Autorin mit einer Pyjamahose zu den Salzburger Festspieln geht.

An den Witzen gefällt mir nicht, daß sich einige von ihnen übere ältere Menschen lustig machen. Aber das ist halt so bei den Witzen, daß sie meistens nicht mein Fall sind und mir nicht gefallen.

Dann kommt es schon zu den Kochrezepten, wo man nach Barbara Claudia Kellers Anleitung Rahm-Gemüse-Suppe, Rahmkoch, aber auch Müsili- oder Cornflakekuchen nachkochen kannn.

Dann geht es auf den “Christkindlmarkt” und anschließend erzählt die Autorin, wenn man es lesen will, ihre Negativerfahrungen während einer chinesischen Medizinbehandlung. Da kommt auch die Anekdote vor, daß bei einer Akkupunkturbehandlung, die Akkupunkturnadel vergessen wurde, wodurch es zu unnötigen Schmerzen kam.

Dann kommen und das halte ich für einen wesentlichen Teil des Buches, die Reisegeschichten.

Barbara Claudia Keller macht offenbar gernBusreisen, ist das schon mal einer dieser Werbefahrten, die ich früher ja auch gerne machte und darüber geschrieben habe, aufgesessen. Ist auf “Kulturfahrt  ins Frankenland” und sogar nach Bulgarien gefahren, beziehungsweise geflogen und mit einer Blasenentzündung, beziehungsweise einen doppelten Fersensporn von dort zurückgekommen. Aber den hatte sie schon vorher. Deshalb gibt es auch eine Geschichte über ihre Krankenhauserfahrungen und einen Mundartext, wie sie mit dem Radl in die Stadt fuhr, den ich als Wienerin schwer lesen konnte, gibt es auch und wenn ich noch eine kritische Anmerkung machen darf, so ist, glaube ich, das Zitat, daß “Angesichts des Todes alles lächerlich” ist, das auf Seite fünfundzwanzig steht, von Thomas Bernhard und nicht von Ingeborg Bachmann stammt.

Dann kommt Barbara Claudia Keller zu Erich Fried von dem  einen  Lyrikbband gelesen und über ihn nachgegooglet hat.

Es gibt  auch den “Fried-Preis” und da zitiert Barbara Keller die Aussage eines FAZ-Kritikers über “mittelalte deutsche Preisträgerinnen, von denen er meint, “daß sie erstens nicht schreiben können und zweitens nichts zu sagen haben”.

Wer das wohl gewesen sein könnte? Wenn ich da mal schnell nachgoogle, komme ich darauf, daß den in den letzten Jahren Esther Dischereit, Terzia Mora und Judith Hermann gewonnen haben.

Alles anerkannte renommierte Autorinnen, aber die Kritiker sind ja oft sehr kritisch und es ist wahrscheinlich besser selber nachzulesen und sich zu informieren, als sich auf ihr Urteil zu verlassen.

Barbara Claudia Keller geht aber wieder auf Werbereise, diesmal, um darüber zu schreiben und berichtet so genau von den alten Leuten mit den Gehhilfen und Schirmmützen,  sowie den dünnen Gratiskuchen und den kleinen Nudelpackungen, die man dort geschenkt bekommt.

Dann gehts nach Rom, Rumänien und in die Mazuren. Da ist der Bus mit Barbara Claudia Keller über München durch ganz Deutschland gefahren, bis er endlich an die berühmten Seenplatte in Ostpreußen angekommen ist.

So war dieser Urlaub für sie sehr enttäuschend. Wir haben das ja auch vor ein paar Jahren mit dem Auto und dem Anghänger gemacht und waren zufrieden.

Aber Billigbussreisen und Werbefahrten können anstrengend sein. So bin ich ja auch einmal mit dem akademischen Reisebüro in vier Tagen über Krakau nach Lemberg gefahren. Das war anstrengend, meine schon zitierte “Reise nach Odessa” erzählt davon, obwohl das akademische Reisebüro keine Werbefahrt machte. Ich habe mir aber das schöne Cover für mein Buch von dort mitgenommen.

Barbara Keller ist auch noch in die Türkei gefahren, hat sich dort ein wenig geneppt gefühlt, Göreme besichtigt, billige Ansichtskarten und auch einen Schal bekommen und ich finde das Buch, beziehungsweise die Mischung von Notaten, Sprichwörtern, Rezepten, Reisen durchaus sehr interessant und es auch immer wieder spannend, was in Österreich und auch anderswo so alles geschrieben wird, was  in den Buchhandlungen vielleicht gar nicht so leicht  zu finden ist.

Realitätsgewitter

Jetzt kommt ein Buch, von dem ich vor ein paar Monaten in “Ex Libris” gehört habe, das ich ja gar nicht so oft konsumiere.

Das Buch, der mir unbekannten Autorin Julia Zange namens “Realitätsgewitter“, das im vorigen November erschienen ist und von dem der Moderator sagte, die Eltern hätten die Autorin daraufhin geklagt oder eine einstweilige Verfügung verlangt.

Das ist interessant und macht neugierig, also habe ich mir das Buch gestellt, das nur hundertfünfzig Seiten stark ist und am Cover ein sehr eindringliches Bild einer schwarzen Katze mit gelben Augen trägt. Das macht auch neugierig.

Am Buchrücken, hat dann Maxim Biller, der gestrenge Kritiker, der inzwischen aus dem literarischen Quartett ausgestiegen ist um wieder mehr zu schreiben geschrieben: “Das kann nur Julia Zange:Alle zehn Jahre ein Buch schreiben, das man nicht mehr vergisst!”

Das macht noch mehr neugierig also goolge ich nach und erfahre bei “Wikipedia”, daß die Autorin, eine trotzig dreinschauende blonde junge Frau, entweder 1983 oder 1987 geboren ist, 2006 den renommieren “Open Mike” gewonnen hat. 2008 den Roman “Die Anstalt der besseren Mädchen” bei “Suhrkamp” herausgegeben hat und als Schauspielerin in Berlin lebt.

In der Biografie, die im Buch enthalten ist, steht keine Altersangabe und zusätzlich zu dem schon Erwähnten, steht noch, daß sie  als Redakteurin tätig ist.

Interessant, interessant. Der Klappentext verrät, “daß ‘Marla alles super hingekriegt hätte, die Vorlesewettbewerbe, das Abi und vor allem das richtige Lächeln an den richtigen Stellen. Dann ist sie in die Großstadt gezogen und fühlt sich verloren, bis sie, um ihrer Einsamkeit zu entkommen, sich in ihre Heimat zurück und ans Meer begibt, wo sie sich dann selber findet.”

Das von dem “Erwachsenenwerden und dem sich Selberfinden”, steht auch noch einmal am Buchrücken und irgendwo habe ich noch etwas von sehr vielen Facebookfreunden gelesen.

In den fünfzehn Kapiteln des Buches wird dann gar nicht soviel Vorgeschichte erzäöhlt, sondern man wird gleich hineingeworfen in das Leben, der jungen Frau, die zu Weihnachten allein in ihrer WG ist. Die finnische Mitbewohnerin ist nach Hause gefahren. MarlasEltern sind in Indien,  SMSen, daß es keinen Weihnachtsbaum und keine Weihnachtsgans dort gibt und kündigen ihr später noch den Scheck, weil sie jetzt alt genug ist, für sich selbst zu sorgen.

Sie hat aber ihr Philosophiestudium abgebrochen und kein Geld, aber viele Freunden, einen Ben, einen  Dylan, einen Lorenz, die sie zum Teil schon von ihrer Schulzeit kennt, zum Teil  kennenlernt, während sie durch das Berliner Leben taumelt.

Da sie Geld braucht, sucht sie eine Stellung, so geht sie in ein Geschäft hinein, das eine Aushilfe sucht. Aber dafür ist sie nicht passend genug angezogen und man braucht, als Aushilfe in einer Boutique offenbar auch ein abgeschlossenes Studium und andere Sprachkenntnisse, als Englisch und ein bißchen Französisch. Also wird nichts aus dem Job.

Englisch wird in dem Buch aber ohnehin sehr viel geredet, ist Marla doch total global vernetzt und die Freunde die sie in den Bars und Lokalen trifft, kommen oft auf dem Ausland.

Ein Holger verschafft ihr dann, sie hat inzwischen eine Zara-Klamottentüte zurückgetragen und mit den fünfundzwanzig Euro, die sie dafür bekommen hat, Lebensmittel eingekauft, einen Job als Redakteurin in einem Modemagazin. So reist sie herum und geht zu Pressekonferzenen, interviewt Star und seltsame Typen, die ein “Forever life” Konzept entwerfen und mißbilligend auf sie schauen, wenn sie sich zwei Stück Zucker in ihren Cappucino kippt und sich ein Tomaten Mozarella Ciabatta bestellt.

Dann wird die Oma neunzig und sie fährt nach Haus. Die Eltern hatten mal eine Fabrik, die der Großvater, der schon vierundneunzig ist, gegründet hat. Jetzt  arbeitet der Vater in einem Center für Medical Research und die Mutter hat in dem Haus, wo sie wohnen eine Praxis als Lebensberaterin.

Als Marla dorthin kommt, empfängt sie nur die ihr unbekannte Haushaltshilfe. Später kommt die Mutter, sagt zuerst “Marla mein Schatz, ich hab dich vermißt. Du siehst gut aus,-viel erwachsener!”

Dann “Ich kann inhaltlich nicht mit dir reden, Marla. Wenn du etwas Tiefergehendes mit mir besprechen möchtest, können wir das gerne mit einem Psychologen oder Mediator machen”

Dann wieder “Natürlich, ich liebe dich mehr als mein Leben, Marla” und schließlich:

“Ich schlage vor, du übernachtest bei deinen Großeltern oder fährst wieder zurück in dein Drecksloch. Ansonsten werde ich nämlich dieses Haus verlassen!”

Marla geht in ihr ehemaliges Zimmer, die Mutter in ein Hotel, was ihr der Vater, der vor dem Fernseher sitzt, mitteilt, als sie in der Nacht von Schreien, die sie im Garten hört, aufwacht.

Jetzt verläßt sie mit der geklauten Kreditkarte des Vaters das Haus und fährt nach Sylt. Am Bahnhof kauft sie sich noch die ersten Zigaretten ihres Lebens und ein Feuerzeug mit einer Katze. In der Villa der Eltern hing auch ein Katzenbild, das die Kinder einmal den Eltern schenkten, die Mutter aber daran etwas auszusetzen hatte.

In Sylt bekommt sie in einem Hotel, das in einem Hochhaus liegt, ein Zimmer für vier Tage, trifft einen Ole, den sie über eine Kontaktbörse kennenlernte, fährt mit einem Elektrorad den Strand entlang und dann wieder nach Berlin zurück, wo die Mitbewohnerin sie empfängt und sie schließlich zum Essen ruft.

Wie das mit der Selbstfindung und dem Erwachsenwerden ist, habe ich nicht ganz mitbekommen, wie mir überhaupt der Klappentext etwas konstruiert erschien und ich das Buch auch nicht als Roman, sondern, zugegeben als, scharf und pointiert geschriebene Episoden interpretieren würde.

Einen Roman müßte man erst darauf komponieren, würde die Kritikerin in mir sagen und dazu fällt mir auch noch auf, daß das Buch, das zu Weihnachten beginnt und bis zum Sommer 2016 handelt, der Brexit und der Anschlag von Nizza wird erwähnt und immer wieder taucht das Portrait von Andela Merkel auf, wenn es schon im November erschienen ist, sehr schnell geschrieben worden ist.

Der Titel “Realtitätsgewitter” deutet wohl auf die Überforderung der jungen Frau hin und da habe ich ja schon einige diesbezügliche Romane gelesen, die die Überforderung der jungen Leute von heute zeigen, aber damals vor hundert oder achtzig Jahren, ist es wahrscheinlich auch nicht viel besser gewesen.

Wenn die Eltern von Frau Zange klagten, müßten sie sich wohl betroffen und angesprochen gefühlt haben, in diesem Fall wäre wohl wirklich ein Gespräch mit oder auch ohne Psychologen und Mediator zu empfehlen.

Ansonsten kann ich nur sagen, daß mir die Autorin bisher unbekannt war, daß ich die Episoden scharf und pointiert geschrieben empfunden habe und sie wohl auch sehr viel von der Überfordertheit ausdrücken, denen die jungen Leute heute wohl ausgesetzt sind und was man vielleicht auch lesen will.

Ansonsten ist es dieser Marla, trotz ihrer harten oder neurotischen Eltern, eigentlich nicht so schlecht gegangen. Der Job war ja da und die Freunde, wenn vielleicht auch oberflächlich auch und ob sie sich nach vier Tagen Sylt wohl wirklich gefunden und erwachsen ins Leben zurückgekeht ist, erscheint mir fraglich.

Wär schön wenn das so einfach wäre und wer hat das einmal zu mir gesagt, ein Roman ist etwas ganz anders und braucht wohl auch mehr, als vier Monate, um zu entstehen.Er muß auch berühren und etwas Neues, noch nie dagewesenes beinhalten?

Nun berührt haben mich die pointiert beschriebenen Szenen schon. Neu ist der Inhalt wahrscheinlich nicht und in Berlin, Wien und woanders, werden wahrscheinlich noch viel mehr entwurzelte junge Leute herumlaufen, die per Facebook kommunizieren, moderne Klamotten haben und sich mit ihren Eltern nicht verstehen.

Interessant ist vielleicht auch noch die “Amazon-Bewertung”, die ich ja sehr gerne zu Rate ziehe. Von ein bis fünf Stern ist da alles zu finden und zu den pointierten Bildern, mit denen auch das moderne Szene Berlin beschrieben wird, durch das Marla torkelt, fällt mir noch das “Mimikry-Spiel des Lebens-Buch” ein, das ja auch bei “Aufbau oder zu der Verlagsgruppe gehörendenen Verlag” erschienen ist und das in einem Sommer in diversen Künstlerwohnungen entstanden ist, die vielleicht denen gleichen, durch die Marla zieht und literarische Anspielungen kommen in dem Buch auch einige vor, scheint Marla oder ihrer Autorin ja sehr belesen.

Warum ich lese

Jetzt kommen, wirklich nur ganz zufällig zum “Welttag des Buches” passend, “40 Liebeserklärungen an die Literatur”, denn der Blogger Sandro Abbate hat da vor cirka seinem Jahr seine Bloggerkollegen dazu aufgerufen, diese Fragen zu beantworten und jetzt ist bei “Homunculus” ein Buch daraus entstanden, das zum “Indie-Bookday” fertig geworden ist und in Leipzig und auch in einer Buchhandlung in Berlin, glaube ich, vorgestellt wurde.

Jochen Kienbaum, der strenge unerbittliche, dem es nicht gelungen ist, ein Manuskript für den “Blogbuster-Preis” vorzustellen, hat unter anderen daraus gelesen.

Vierzig Blogger werden meine Leser nun vielleicht fragen, gibt es nicht inzwischen schon an die oder über eintausendzweihundert davon?

Stimmt, glaube ich, aber die Blogger sind ja sehr streng und kritisch und lassen, wie ja am “Buchpreisbloggen” und wahrscheinlich auch anderswo zu merken ist, nicht jeden in ihre Reihen.

Da “muß” man ausgewählt werden, um als “offizieller Buchpreisblogger” zu gelten, obwohl das ja eigentlich jeder machen kann, sich die Bücher der Longlist kaufen oder schicken lassen, sie lesen und dann auf seinen Blog besprechen.

Ich tue das seit zwei Jahren und die Frage, warum ich lese, habe ich im “Literaturgeflüster”, das sehr bald seinen dreitausendsten Artikel feiern wird und in ein paar Monaten seinen neunten Geburtstag hat, auch schon öfter beantwortet.

Ich tue es hier gleich noch einmal, denn alle Blogger sind zum Glück nicht so streng und kritisch “Der Debut-Preis-Blog”ist da ein wenig lockerer und so konnte ich mich vorigen Herbst noch knapp vor oder auch schon nach Schluß melden und beim “Debutpreis” mitjonglieren und eines der fünf Shortlistbücher ist aus dem “Homunculus-Verlag”, ein junger “Indie-Verlag”, wie ich inzwischen weiß, gekommen und so habe ich ihn kennengelernt und der Verlag mir das Buch geschickt.

Die Frage, was ein guter Blog ist, da stört mich ja auch immer die Diskussion ein bißchen, daß die anderen so schlecht sein sollen, wird auch schon in Sandro Abbatos Vorwort, wenn vielleicht auch nicht beantwortet, so doch angeschnitten.

Denn manche Blogger haben ja Literaturwissenschaften studiert, die meisten wollen nicht mit den Literaturkritikern in Konkorrenz treten, manche schon und die “Booktuber” halten stolz ihre Neuerscheinungen in die Höhe und sagen sazu: “Das Cover ist sehr schön, mehr weiß ich noch nicht!”

Seit einiger Zeit schaue ich ziemlich viel “Booktube” und habe dabei auch einige sehr interessante entdeckt und es stört mich auch nicht so sehr, daß das oft eher junge Mädchen sind, die Bücher oder Serien lesen, von denen ich noch nie etwas gehört habe.

Denn, ich denke, man soll sich ja freuen, wenn die jungen Menschen lesen und nicht über sie schimpfen und eine Definition der Literaturkritik, daß Blogger nur Inhalte nacherzählen, ein bißchen Biografie und ihre Meinung dazu schreiben, führt Sandro Abbate auch noch an und distanziert sich davon.

“Es gibt schon Blogger, die sind da qualifizierter!” und ich fühlte mich ertappt, denn “Uje, uje…!” und erst viel später, als ich dem Bericht von Katharina Hermann von”Kulturgeschwätz” gelesen habe, die Thomas Bernhard zitiert:

“Wenn wir den führern zuhören, hören wir doch nur immer das Kunstgeschwätz, das uns auf die Nerven geht, das unerträgliche Kunstgeschwätz der Kunsthistoriker.” (Alte Meister)”, die das vielleicht auch ein bißchen tut, habe ich aufgeatmet und hinzugefügt “Na und, warum nicht!”

Aber ich bin in dem Buch nicht vertreten und bin eigentlich auch kein Bücherblog, sondern das “Literaturgeflüster” ist, wie ich mich vielleicht ganz gut definieren kann, das literarische Tagebuch einer seit fünfundvierzig Jahren “erfolgfrei” schreibenden Frau, die vielleicht ein wenig eigenwillig ist, schon seit Kindertagen liest, seit vierzig Jahren zu literarischen Veranstaltungen geht und das seit 2008 öffentlich zu archivieren versucht und die anderen, wenn sie das wollen, daran teilhaben läßt.

Die wollen das nicht immer, sondern interessieren sich vielleicht nicht dafür oder schreiben und bloggen selber und lesen habe ich, glaube ich, nicht in der Schule, sondern von einem in den Fünfziger- und Sechzigerjahren sehr bekannten Logopäden, dem Herrn Aschenbrenner gelernt, denn ich bin ein Novemberkind  und als meine Mutter mich vor meinen sechsten Geburtstag für die Schule anmelden wollte, hatte ich soviele “Sprachfeheler”, daß die mich nur für die diesbezügliche Sonderschule nehmen wollten.

Da sagte meine Mutter “Mein Kind geht in keine Sonderschule” und ging mit mir zu besagten Herrn, der sich, wie ich mich zu erinnern glaube, sehr mit mir bemüht hat, denn jetzt kann ich das “r” und auch “s” aussprechen und lesen konnte ich auf einmal auch.

Die Rechtschreibung war und ist mir dann noch immer nicht so wichtig gewesen. Ich bin aber, wie ich immer sage und es vieleicht nicht ganz stimmt, ein Arbeiterkind, mein Vater war in der Statistikabteilung der WGKK und, glaube ich, gelernter Buchhalter. Die Mutter, gelernte Stickerin, die später, als Kindergartenwärterin oder Helferin wie das heute heißt, gearbeitet hat.

Mein Vater war aber ein Sozialist und ist daher in seiner Freizeit mit den Büchern der “Büchergilde Gutenberg” hausieren gegangen und weil ich bei den “Kinderfreunden” war, habe ich jedes Jahr zu Weihnachten von ihren auch ein Buch geschenkt bekommen.

Es gab dann auch den berühmten Bücherkasten meiner Eltern, dessen Inhalt heute größtenteils in Harland steht und zum Teil auch schon gelesen ist. Ich habe in der Schule die Schulbücherei, wie ich mich erinnern kann, sehr frequentiert und einmal auch versucht, ein Kinderbuch der Erika Mitterer “Kleine Damengröße” abzuschreiben und bin entsetztlich daran gescheitert. Ja das Netz und wahrscheinlich sogar Kopierer hat es damals noch nicht gegeben.

Als Studentin habe ich mir sehr viele der sehr teuren Buchpreisbindungsbücher gekauft, habe Nietzsche und Schopenhauer gelesen und nicht verstanden, den “Mann ohne Eigenschaften” auch nicht und bekenne mich dazu. Irgendwann habe ich mit dem Bücherkaufen aufgehört, mit dem Lesen nicht.

Literarisch zu schreiben habe ich nach meiner Matura angefangen, zum selber Publizieren cirka 2000 mit dem Bloggen 2008 mit dem “Rezensionsenschreiben” durch die “Thalia-Leserrezensionen” und dann später in meinem Blog und seit es die öffentlichen Bücherschränke gibt, wächst mein Sub und ist nicht nur ein Stapel sonder schon ganze Stöße, die die Schlafzimmerwand zieren und ein paar neue Bücherregale habe ich mir inzwischen auch gekauft.

Ich spoilere entsetzlich, mache also offenbar alles falsch, was man nur falsch machen kann, was meine Kritiker auch manchmal bemerken, lese aber trotzdem, obwohl ich inzwischen auch sehr viel Zeit im Netz verbringe und meine Lieblingsblogs habe.

Alle tausendzweihundert kenne ich natürlich auch nicht, auch nicht die vierzig, denn irgenwann ist ja Buzzaldrin zu mir gekommen und durch ihre LL-Leseideen habe ich Blogs wie die Von Jochen Kienbaum und Tobias Nazemi kennengelernt, die ich sehr gern lese, aber vielleicht soll ich jetzt zu schwätzen, plappern würde wohl mein Kritiker Uli, sagen, aufhören und etwas über das Buch erählen, das, sage ich jetzt gleich, für sehr interessant halte und der große Vorteil ist, wie auch bei meinen “Literaturgeflüster-Texte-Buch”, man muß es sich nicht kaufen, sondern kann die Texte alle im Netz finden.

Aber Hand aufs Herz, da habe ich sie nicht gelesen, jetzt lese ich sie in kompakter Buchform, von der ich gleich anmerken kann, daß mich die quadratische, in der es das Buch gibt, etwas, beim Lesen in der Badewanne störte, denn ich bin ja eine Badewanneleserin, aber es ist viel kompakter das Buch und nicht die einzelnen Blogbeiträge zu lesen. Man bekommt dabei auch viel mit und kann vergleichen und wer will, kann gleich auf den Blog gehen und ihn kennenlernen und da habe ich, glaube ich, auch ein paar Neuentdeckungen gemacht.

Also zuerst kommt Sandro Abbates Vorwort, dann kommt schon Tobias Nazemi vom “Buchrevier”, den ich ja sehr gerne lesen und der sich mit seinen “Briefen” vielleicht auch schon ein bißchen schriftstellerisch betätigt, der den “Blogbuster” ins Leben gerufen hat, einer der offiziellen Buchblogger war und in seinen Beitrag “7 Gründe, warum es jetzt wichter denn je” ist zu “lesen” in seinen Beitrag anführt.

Die siebenundzwanzigjährige Buchhändlerin und Studentin Sophie Weigard, die in den Blogs oft als eine der qualifiziertesten Bloggerinen angeführt wird und auch schon Seminare gibt, wie man das macht, kenne ich auch schon seit 2013 von Mara Gieses “Fünf lesen zwanzig-LL-Aktion” und lese ihren Blog “Literaturen” oder “Literatourismus.net” sehr gern und sie führt an, daß die Großmutter Groschenhefterln gelesen hat und der Großvater “Reader Digests-Wälzer”, sie also aus keinem ausgesprochenen Lesehaushalt kam und das ist das, was ich an dem Buch beziehungsweise, der Aktion so interessant, finde, denn einige der Blogger kommen aus Arbeiterhaushalten andere aus Akademikerfamilien, sind Töchter von Buchhändler und Bibliothekaren und alle haben das Lesen gelernt,  tun es gern und bloggen darüber.

Peter Peters von “Peter-liest.de”, hat eine besonders eindrucksvolle Lesegeschichte. Als er fünf war, starb sein Bruder, unmittelbar vor der Geburt, weil die Mutter unglücklich gefallen ist. Sie lag lang im Krankenhaus, das Kind war dazwischen bei der Großmutter, die ihm Mädrchen vorgelesen hat, das Märchenbuch hat er ins Krankenhaus mitgenommen und so getan, als würde er der Mutter vorlesen und alle, auch die anderen Patientinnen haben gebannt zugehört”.

Darüber kann man und hat man wohl auch schon Romane geschrieben, man kann aber auch darüber bloggen und zum Leser werden.

Katharina Herrmanns Blog “Kulturgeschwätz”, hat mich, das habe ich schon geschrieben, sehr beeindruckt, weil ich ihn als sehr unkonventionell finde und das ist ja für mich auch das Tolle an den Blogs, daß da jeder anders sein kann und es keine Regeln gibt und wenn man jetzt versucht durch Seminare oder Bloggerakademien solche einzuführen, würde ich das eigentlich sehr schade finden.

Andrea Blank ist 29,und hat seit März 2016 einen Blog, der “Lohnt sich das Lesen” heißt und kann sich auch an die “Stimme ihrer Oma erinnern, als die ihr aus den Grimmschen Märchen vorgelesen hat”.

Jochen Kienbaum, den Anspruchsvollen, der nicht aus “Flucht sondern als Expedition” liest, habe ich schon erwähnt. Ich kenne ihn als Buchpreisblogger, lese ihn gern und wünsche ihn mir vielleicht ein wenig weniger kritisch, streng und anspruchsvoll und, ich glaube auch nicht, daß einen ein Buch, nach dem berühmten Zitat von Kafka, auch immer erschrecken muß.

Er zitiert auch Goethe “Es ist ein großer Unterschied, ob ich lese zu Genuß und Belebung oder zu Erkenntnis und Belehrung”, das kann ich für mich nicht so sehen und, ich glaube, ich lese inzwischen auch, weil ich herausbekommen will, wo und wie die anderen besser, als ich schreiben können und ich bin, wahrscheinlich im Gegensatz zu Jochen Kienbaum, eine bekennende “Über den Tellerrand-Leserin”, “ein Buch muß mich nicht immer mit der Axt am Kopf rütteln”, im Gegenteil das würde mich wahrscheinlich sogar abhalten.

Zuviel Gewalt mag ich ja nicht, obwohl ich es trotzdem lese und auch das Experimentelle und den “Ulysses” habe ich noch immer nicht gelesen, auch nicht den Marcel Proust, aber Robert Musil,  Kafka auch noch nicht sehr viel im Original.

Konstanze Matthes Blog, deren Beitrag, in dem sie von ihrer DDR-Jugend und dem Aufwachsen in der örtlichen Bücherei, zu der sie die Mutter mitnahm, mich sehr berührte, kenne ich auch durch den “Buchpreis-Blog” und der ist ja etwas anderes, als das “offizielle Buchpreisbloggen”.

Ich kann aber von mir sagen, ich bin keine Bibliotheksleserin, denn ich wollte die Bücher ja immer haben, sie sammeln und sie anstreichen und ich gebe sie auch ungern her.

Die Schulbibliothek in der Hauptschule war offenbar eine Ausnahme und die städitischen Büchereifilialen beziehungsweise, die älteren Bibliothekarinnen, die mir damals mit zwölf, dreizehn die Krimis verweigerten und mich mit einer verstaubten Grillparzer Ausgabe nach Hause schickten, sind mir immer noch ein Horror.

Ich hoffe, es gibt sie inzwischen nicht mehr und habe ihnen in den “Berührungen”, in der Figur der Esther Silberstein, eigentlich ein liebevolles Denkmal gesetzt.

Dann kommt Sarah Reul von “Pinfisch.net”, die war, glaube ich, auch bei dem Bloggertreffen, das ich in Leipzig besuchte, ist, glaube ich, meistens rosa angezogen,  Buchhänderlin und sehr engagiert für das Lesen, die unabhängigen Verlage und hat sich, glaube ich, auch sehr für dieses Buch eingesetzt.

Sie beschreibt in fünfzehn Punkten ihre Leseentwicklung. Da kann ich vielleicht auch ein bißchen zusammenfassen, Karl May wird bei den Bloggern öfter genannt, der gehört wahrscheinlich zu den Büchern und den Autoren, die ich niemals lesen werde.

Harry Potter gehört, glaube ich, auch zu, bei “Shades of Grey” ist das, glaube ich, anders. Das habe ich auf meinen SUB und möchte ich, wenn ich es bei den vielen Neuerscheinungen schaffe, gerne lesen und zu meinen unwürdigen Lektüren, die mache Blogger anführen, gehört auch die Courths-Mahler und Krimis lese ich auch ganz gerne, obwohl ich keine Gewalt mag und daher eigentlich keine richtigen schreiben kann.

Den nächsten Blogger, den ich zitieren möchte, alle vierzig, kann ich, glaube ich, nicht anführen, ist Marc Richter von “Lesen macht glücklich” und den habe ich durch die “Debutpreis-Jury” kennengelernt, mich da mit ihm ausgetauscht, habe von ihm auch ein Buch gewonnen, das ich noch lesen muß und muß ihm auch bezügtlich seines Blognamens widersprechen.

Denn glücklich macht das Lesen, glaube ich, nicht. Mich jedenfalls nicht, dafür lese ich eindeutig die falschen Bücher, denn die ich lese, schildern oft das Elend der Welt und lenken nicht ab und beschönigen nicht.

Aber das ist ja, habe ich bei den anderen Bloggern gelesen, auch ein Kriterium, das für sich spricht und als “Bloggername” ist es auch schön und es ist einer, über den man herrlich nachdenken und dann widersprechen kann.

Claudia Pütz vom “Grauen Sofa”, kenne ich vom “Longlistenlesen 2014”, denn da habe ich “Kastelau” von ihr gewonnen und sie erwähnt in ihrem Beitrag, daß sie durch “Blauschmuck” in das Leben der jungen Türkin Filiz eindringen konnte. Da kann man natürlich sagen, daß es wahrscheinlich nützlicher wäre, direkt zu der geschlagenen Hausmeisterfrau im Parterre unten zu gehen, umsie anzusprechen und das Lesen natürlich Lebensersatz ist, Flucht vielleicht auch, aber natürlich Abenteuerlust und Eindringen in fremde Welten, in die man sonst nicht kommen würde. Und für mich würde ich auch sagen, daß das gar nichts macht, denn das reale Leben habe ich in meiner psychotherapeutischen Praxis und wenn ich spazierengehe, erlebe ich auch sehr viel, dann gibt es meine Familie, die Menschen um mich rum und noch vieles andere mehr.

Es gibt in dem Buch noch andere Stars der Bloggerszene, wie Gerard Otremba, ein “Buchpreisblogger” des letzten Jahres, von “Sounds and books”, der sich auch für Musik und das Laufen interessiert und auf seinen Blog drei redakionelle Mitarbeiter hat und noch andere sucht oder den “Kaffeehaussitzer” Uwe Kalkowski, auch ein “Buchpreisblogger”, der sich einmal mit mir sogar nin Verbindung gesetzt hat.

Berührend die Erfahrungen der Krankenschwester Vanessa Palmen, die erzählt, wie sie in ihrer Intensivstation abstumpfte und keine Gefühle mehr hatte, das ist ein Selbstschutz würde ich sagen und so gesehen wahrscheinlich ganz natürlich, das Lesen hat sie aber herausgerettet und Janine Rumrich von “Kapri-Zioes” erzählt, daß sie mit Vierzehn keine Lust zum Lesen hatte.

Marina Büttner kenne ich auch durch mein “Buchpreislesen” Sie liest manchmal dieselben Bücher, ich kommentiere ihr dann und sie antwortet darauf. Sie liest auch Lyrik und einen anderen Lyrikblogger oder Schreiber, gibt es in dem Buch auch, wie auch einige Menschen, die schreiben.

Fabian Neidhard, den ich vom “Debut-Preis” kenne und der auch im “Literaturcafe” publiziert, ist, glaube ich, ein Selfpublisher und er schreibt so schön “Bis heute sind Geschichten der größte Teil meines Lebens. Ich konsumiere sie. Ich produziere sie, ich liebe sie.” Wie wahr würde ich ihm antworten und die vier Literaturwissenschaftlerinnen vom “Debutpreis-Blog” sind auch in dem Buch vertreten.

Dann gibt es noch Chris Popp von “Booknerd.de”, der auch schon “mittlerweile zwanzig Mitschreiber” und eine sehr berührende Lesegeschichte mit Wankungen und Schwankungen aufzuweisen hat, wie es eben gehen kann, wenn man aus einer Arbeiterfamilie kommt, auch musizieren und anderes will und dann erfährt, das die Sachen, die einen einmal langweilten, auf einmal faszinieren können.

Man sieht, ich könnte seitenlang über die Lesegeschichten der Bücherblogger schreiben und mit meinen Erfahrungen verknüpfen, begnüge mich aber darauf hinzuweisen, daß Henri Vogel von “Filmtheaterlesesaal” aus “Warum lese ich” eine Kühlschrankgeschichte gemacht hat, in der saure Gurken, Apfelmus und Chili vorkommen.

Da sage ich, lesen ist vielfältig und das schreiben darüber auch und ganz am Schluß gibt es ein paar leere Seiten “Und warum liest du?” steht darüber geschrieben.

Die lasse ich leer, habe ich hier ja schon genug darum herumgeflüstert und füge daher nur an daß mir “Buzzaldrins”, “Bücherwurmlochs”, “Sätze und Schätze”, “Atalantes” und noch einige Leseerfahrungen anderer Bologger, die ich kenne, fehlen und mich frage, warum sie in dem Buch nicht enthalten sind?

Aber natürlich, es gibt über tausendzweihundert Bücherblogs und ein Buch hat nicht Platz für alle. Also ins Internet gehen und selber nachschmökern, lesen, entdecken und ich kann das Buch nicht nur am “Welttag des Buches” wirklich allen empfehlen und raten, die weißen Seiten für sich selbst zu benützen und bedaure auch etwas, daß es beim Lesen seine Spuren hinterlassen hat, was fast den Verdacht aufkommen lassen könnte, daß das Internet vielleicht doch haltbarer ist?

Gott ist nicht schüchtern

Von der 1984 in Baku geborene Olga Grjasnowa, die am Leipziger Literaturinstitut studierte, habe ich das erste Mal vor dem blauen Sofa gehört, als sie dort ihr Debut “Der Russe ist einer der Birken liebt” vorstellte, das ich mir dann zu Weihnachten oder zum Geburtstag schenken ließ.

Ein sehr beeindruckendes Debut von einer überforderten jungen Frau und einen toten Hasen, aus ihrem zweiten Buch habe ich sie im Wiener Literaturhaus lesen gehört und jetzt ist ihr dritter Roman bei “Aufbau” erschienen und er begleitet zwei hoffnungsvolle junge Syrier, durch die Revolution, durch den Krieg, bis sie dann beide mit Booten geflüchtet, in Berlin wieder aufeinander treffen.

Endlich ein politisches Thema in der Gegenwartsliteratur, wie die Blogger schon länger fordern, beziehungsweise auf der letzten LL vermißten, aber Jenny Erpenbecks “Gehen ging gegangen” vom Vorjahr, nicht als literarisch genug durchgehen lassen.

Bei Olga Grjasnowa, die groß in Leipzig vorgestellt wurde, erging es zumindest den “Amazon-Lesern” ähnlich, denn ein Roman muß ja abgehoben sein, um als literarisch zu gelten.

Wenn da eine nur vom Leben im umkämpften Damakus berichtet, wird das schnell als Journalistisch und Reportagenhaft abgetan.

Dennoch, trotzdem kann ich mir jetzt ein realistischeres Bild von der Flüchtlingskrise machen, mir das Schicksal der Menschen, die zu uns gekommen sind, wie das so schön heißt, vielleicht ein bißchen besser vorstellen und, daß das Buch nicht literarisch wäre, ist mir nicht aufgefallen, aber ich gelte ja auch nicht dafür und habe in den letzten Jahren in meiner sogenannten Flüchtlingstrilogie auch ein bißchen darüber geschrieben und gelesen.

Olga Grjasnowa ist vielleicht ein bißchen besser mit der syrischen Küche und dem Mittelschichtleben in Damaskus vor und während dem Krieg vertraut, irgendwo habe ich gelesen, sie wäre mit einem Syrier verheiratet und so erzählt sie die Geschichte von Hammoudi und Amal, die irgenwann 2011 zu beginnen scheint, auch sehr packend.

Da ist Hammoudi gerade mit seinem Medizinstudium, das er in Paris absolvierte, fertig. Er hat auch schon eine Stelle als kosmetischer Chirgurg und eine Beziehung, muß aber nach Hause in die Grenzstadt Deir az Zour, um seinen Paß zu verlängern.

Von dort wir er nicht mehr hinausgelassen, muß seine Approbation machen, fällt dabei mit einem zweiten ausländischen Arzt durch, weil er das Schmierkuvert vergessen hat, “Zu lange im Ausland gewesen!”, sagen dieKollegen, die zwar nichts wissen, das Kuvert aber dabei hatten, beginnt dann ein geheimes Lazarett aufzubauen und die Angeschossenen und Verletzten zu operieren und zu operieren….

Amal hat dagegen bei ihrem Vater durchgesetzt, Schauspielerin zu werden, beginnt jetzt mit ihren ersten Rollen, geht zu Demonstrationen, wird verhaftet, lebt  mit dem Regisseur  Youssef zusammen und erfährt dann, die eine russische Mutter hat, die aber irgendwann aus ihrem und dem Leben ihres Bruders Ali verschwunden ist, daß der Vater schon längst eine zweite fromme Familie hat.

Sie flüchtet mit Youssef nach Beirut, beginnt dort in einer Küche zu arbeiten, das Geld geht aus. Sie flüchten in die Türkei und beginnen dann die Übefahrt nach italien zusammen mit einer jungen Mutter und deren Baby Amina. Die Mutter kommt um, als das Schiff untergeht, Amal, das Baby und Joussuf können sich retten.

Amal gibt Amina, als ihr Kind aus. Sie kommen nach Berlin, wo Amal in Kochshows zu arbeiten beginnt und Angst hat, daß man ihr das Baby wegnehmen könnte.

Hammoudi muß auch flüchten und kommt ebenfalls nach Berlin, wo er Amal, die er schon in Damaskus kurz gesehen hat, wieder trifft. Die beiden verlieben sich ineinander und verbringen ein paar schöne Stunden in einem Hotel.

Dann wird Hammoudi in ein anderes Flüchtlingsheim verlegt und kommt dort bei einem Bombenanschlag um, während Amal ein Angebot hat, für eine Kochshow nach L.A. zu reisen. Sie tut es auch, dreht aber, weil sie Angst vor dem Meer und dem Wasser hat, am Flughafen dort wieder um und fliegt zurück nach Berlin.

Ein sehr interessantes Buch, das ich jeden empfehlen kann, der sich für die Flüchtlingssituation interessiert. Es gibt auch drei Landkarten in dem Buch, die die drei Teile voneinander trennen.

Die erste zeigt die Staaten am Mittelmehr, Syrien, Türkei, Libanon, Irak,  in der zweiten ist schon Europa mitabgebildet, während auf der dritten, die Sterne am Firmanent aber auch Tiernamen stehen und ein Zitat von Brecht gibt es auch:

“Der Pass ist der edelste Teil von einem Menschen. Er kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überal zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Pass niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch  nicht anerkannt wird.”

Es ist aus den “Flüchtlingsgesprächen” und ich vermute, Bertold Brecht hat es in einem ganz anderen Zusammenhang  geschrieben.

Und der Titel bezieht sich wohl darauf, daß der liebe Gott sehr viel Gewalt und Kriege zuläßt und nichts dagegen tut oder tun kann.

Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

Jetzt kommt Susann Pasztors Buch, das in Leipzig bei dem “Kiwi-Bloggertreffen” vorgestellt wurde. Eine Mischung zwischen einem Jugend- und einem All-Age Buch würde ich mal schätzen oder nein, ein reines Jugendbuch ist es wohl nicht, dazu ist das Thema zu schwierg, geht es dabei doch um das Sterben.

Ein Thema für mich könnte man so schätzen, denn ich habe ja meinen Vater betreut, dazwischen Sterbeseminare im damaligen Geiatrie-Zentrum Wiederwald gemacht, dort dort die Pflegehelferinnen in Kommunikation ausgebildet und habe auch manchmal Klienten, die ihre Angehörigen verloren haben oder verlieren werden und mich in meinen Büchern auch schon mehrmals mit diesem Thema auseinandergesetzt.

Zum “Kiwi-Blogger-Treffen” bin ich etwas zu spät gekommen, weil ich ja vorher mit dem Alfred in diesem Messerestaurant essen war und habe, als ich das Zimmer im dem Congreßzentrum endlich gefunden habe, Susann Pasztor, die 1957 in Solenau geboren wurde, jetzt ihr drittes Buch bei “Kiwi” herausbrachte und auch eine Ausbildung zur Sterbebegleiterin machte, daraus schon lesen gehört und zwar ziemlich bald die Stelle, wo Max der Schulfreund von Phil, dem dreizehnjährigen Jungen, der eine wichtige Rolle in dem Buch spielt, großschneuzig davon spricht, daß Sterbebegleiter, die sind, die den Menschen streng geheim, die Giftcocktails überreichen, als der ihm von der Ausbildung seines Vaters erzählt und habe schon befürchtet, daß da vielleicht etwas vermischt wird, denn ein Sterbegleiter gibt ja keine Sterbehilfe, zumindest keine mit dem Cocktail.

Aber natürlich wird in der Öffentlichkeit bei diesem Tabuthema viel gewitzelt, verdrängt,  gelästert und die Literatur ist ja dazu da zu übertreiben und zu erhöhen.

Aber Susann Pasztor umschlifft diese Kurve und das ist auch die einzige Stelle, wo es darum geht, sonst geht es um etwas ganz anderes, nämlich, um Fred, den vierzigjährigen übergewichtigen alleinerziehenden Vater, der in irgendeinem Amt sitzt und Pensionsanträge bearbeitet und endlich was Sinnvolles machen will.

So wird er ehrenamtlicher Hospitzmitarbeiter und soll nun seinen ersten Fall übernehmen, nämlich die sechzigjährige krebskranke Klara begleiten.

Susann Paszor schildert den Übergewichtigen am Anfang des Buches etwas tolpatschig. So, wie gut gemeint ist das Gegenteil von gut.

Auch da nimmt das Buch eine Wende, denn Klara weiß, wie es wahrscheinlich wohl vielen Hospitzpatienten geht, nicht, ob sie wirklich einen Sterbebegleiter will.

No na, so gelingt der Start etwas schwierig, obwohl Fred ja eine Supervisonsgruppe hat und da gibt es auch eine sehr aufmüpfige Theolgiestudentin namens Maria, die immer kritische Fragen stellt.

Fred hat auch eine Mappe, wo Unterlagen über Klara stehen, zum Beispiel die Telefonnummer der Schwester, die im Todesfall benachtrichtigt werden soll.

Sonst scheint es aber Spannungen zwischen ihr und Klara zu geben, über die Klara nicht spricht und nun hat Fred, das Buch spielt kurz vor Weihnachten, einen Einfall, der eigentlich ganz natürlich sein sollte, aber entsetzlich schiefgeht, er lädt beide Schwestern zu sich und zu seinem dreizehnjährigen Sohn Phil zu einer Weihnachtsfeier ein.

Klara verläßt, sobald sie die Schwester sieht, die Wohnung und bricht die Begleitung ab. Fred muß sich deswegen auch in der Supervisionsgruppe entsetzt ansehen lassen.

Wie kann man denn nur, diese Grenze überschreiten und wird stattdessen den Nachtwachen zugeteilt, wo man nichts mehr falsch machen kann.

Denn dort ist immer das Fenster offen, damit die Seele leichter hinausgleiten kann, wenn einer gegangen ist und solche Geschichten habe ich auch schon bei meinen Supervisionen gehört.

Klara hat aber vorher schon den dreizehnjährigen Phil, der ein heimlicher Dichter ist und Schwierigkeiten mit seiner esoterischen Mutter hat, die ihm immer Wachstumspräperate schickt, weil er ein wenig kleinwüchsig ist, engagiert, um ihre Fotos zu scannen.

Klara war Tänzerin oder Musikerin. In ihrer Wohnung hängen Bilder von einer Rockgruppe aus den Siebzigerjahren namens “Grateful Dead”.

Sie hat auch lange in Spanien gelebt,  einen Spanier geheiratet, so heißt sie Jenner-Garcia und ist erst zum Sterben wieder nach Deutschland zurückgekommen und so ist Phil eine Zeitlang, der Ersatz- Sterbebegleiter, weil Fred ja nicht mehr zu ihr darf.

Es gibt aber auch eine junge Frau namens Rona, die in in einem Cafe jobbt und sich in Prostituiertenkleidung von einem Maler im Haus malen läßt, was auch zu Mißverständnissen führt und einen Hausmeister namens Leo Klaffki, ein Althippie, der im Gegensatz zu Fred, die Rockband kennt und sich, um Klara kümmert, gibt es auch.

So ruft Leo Klaffki Fred auf einmal an, als Klara im Lift steckengeblieben ist und es dauern kann, bis der Reparaturdienst erscheint. Er soll kommen und sich mit Klara unterhalten.

So darf Fred wieder zu ihr und betreut zusammen mit Phil, der unbedingt noch alle Fotos einscannen will, obwohl die Zeit wahrscheinlich nicht mehr dazu reicht, in Verbindung mit dem Hausarzt und der Frau vom Pflegedienst, weiter Klara, die beschließt, ihr Sterben etwas zu beschleunigen, in dem sie nichts mehr ißt und trinkt.

Rona schläft bei ihr in der Nacht, Vater und Sohn wachen am Tag, der Hausmeister stiftet eine Fußballkerze. Phil, der ihre Kameria geschenkt bekommen hat, liest ihr vor und am Schluß übergibt Klara noch das Fotoalbum, das sie mit Achtzehn ihrer Schwester davongetragen hat und weshalb es vielleicht zum Bruch kam, damit er es an sie zurückschicken kann.

Ein sehr einfühlsames Buch, das alle Konflikte eines alltäglichen Leben leicht überhöht, wie es für einen Publikumsverlag wahrscheinlich sein muß, enthält und das ich allen, die sich mit diesem schwierigen Thema, das man, wie ich glaube, nicht verdrängen soll, weil es einen ja einholen und betreffen wird, nur empfehlen kann.