Signalstörung

Jetzt kommt, obwohl ich ja eigentlich keine Erzählungen mag, ein Erzählband, der 1977 in Chemnitz geborenen Kirsten Fuchs, von der ich “Heile, heile” gelesen habe und, wie ich dem Klappentext entnommen habe, Star der Berliner Lesebühne ist, ein Buch, das erstaunlich realistische Themen aufgreift, was mir sehr sympathisch ist und mich auch etwas erstaunte, weil ich den Roman ja, glaube ich, als eher “worträuschig”erlebte.

Also erstaunlich interessante Geschichten zu höchst aktuellen Themen sprachlich originell und, wie ich meine, auch etwas vorwitzig erzählt.

Nach zwei Aufwärmgeschichten, die vom Fußballspielen auf einer Insel und einem nächtlichen Schwärmer, der auf Grund eines einschneidenden Erlebnissen zu trinken aufhört, geht es gleich hinein in das Medias res, oder nein, eigentlich zu einem Journalisten, der in einem Club kommt, um eine Band zu interviewen. Er ist zu früh dran, so bringt ihm der Angestellte dort ein Bier und erzählt ihm dann eine Geschichte, wie er zu trinken aufgehört hat, was wie man merken kann, ein Thema für Kirsten Fuchs sein dürfte.

Seine Frau hat ein Haus geerbt, weil sie vorher das Ehepaar, das dort lebte, gepflegt hat. Jetzt steht der tote alte Mann, der, wie der Erzähler meinte, am Ende seines Lebens rassistisch wurde und vorher, weil er wahrscheinlich keine Wahl hatte, bei den Wehrmachtssoldaten, im Garten und erzählt dem nächtlichen Heimkehrer, wie es war im Krieg, wo er in die Leute geschossen hat, aber eigentlich nicht viel davon gesehen hat, weil er beim Schießen immer die Augen schloß.

Man sieht höchst originell, nicht nur die Themenwahl, die das bei dieser Geschichte ja nicht wirklich ist, sondern auch der Ton, in dem erzählt wird und so geht es auch gleich weiter zu einem anderen Hausmeister, einem der in einer Kita arbeitet, also meistens im Keller steht und dort die kaputtgegangenen Spielzeuge reparieren soll. Seine Chefin namens Sabine hat ihm aufgetragen, sich ein wenig herumzuhören, denn sie hat einen “unangemessenen Brief” bekommen. Also tut er es aus dem Fenster und hört, wie die Mamis ihren Kleinen, die zum Teil “Minala” oder anders heißen, erklären, warum sie leider leider, obwohl sie es nicht wollen, da die Mami arbeiten muß, in die Kita müssen. Die lebt vom Integrationsbedarf ihrer Integrationskinder und als er den Drucker reapieren mußt, stellt sich Herr Gustav vor, wie der Erzieher auf ihn eigeredet hat und formuliert dabei die Flosklel, die er dabei verwendet hat.

Da ist dann von “Einfühlungsvermögen”, also “Sag mir doch mal, was du hast, hm. Bestimmt versteh ich dich viel besser, wenn du es mir sagst. Hast du ein Blatt quer sitzen?”- bis zu “Soziale Isolation als Strafe” – “Du kommst jetzt runter zum Hausmeister”, der natürlich sofort weiß, woran es liegt und den Schatten beheben kann.

In diesem Tonfall geht es munter weiter zur “Signalstörung”, der dem Buch den Titel gebenden Geschichte. Und da sitzen zwei Frauen namens Nermin und Jagwida in einem aufgelassenen Schulungscenter der Bundesbahn und sollen die Pläne für die Bahn erstellen. Es sind offenbar die Zeiten der Flüchtlingswelle und Sonderzüge müssen eingeplant, Demonstrationen beachtet werden und die Gerüchteküche spielt  natürlich auch eine große Rolle und ganz besonders zynisch und wahrscheinlich, wie ich, die ich ja auch sehr viel mit vom AMS betreuten Klienten arbeite, ein wenig hilflos, anmerken möchte, ist das “Kleinjobcenter” und auch ein bißchen autobiografisch, denn da heißt, die Heldin “Frau Fuchs” und die hatte eine Krise oder eine Schreibhemmung. So kam der schon geplante Vorschuß nicht und sie muß für ein halbes Jahr “Unterhaltsbevorschußung” beantragen.

Wie das erzählt wird, ist köstlich bis tragisch komisch, denn man stolpert da zuerst über jede Menge von “Hartvierwitzen”, da man zuerst gar nicht lustig findet. Dann kommt die Antragsstellerin zu ihrer Betreuungskraft, macht zuerst ein paar Vorschläge, die auch wohlwollend, “Wir werden einen Antrag stellen!”, aufgenommen werden und dann, als sie gehen will wird sie noch gefragt, ob sie auch einen Antrag auf den ihr zustehenden monatlichen “Hartzvierwitz” machen will und der Clou der gar nicht so lustigen Geschichte ist, das Geld kommt, ein halbes Jahr später, für das es ja eigentlich gedacht war, so daß sie es gleich ihren wohlwollenden Freunde, die ihr inzwischen aushalfen, zurückgeben und sich wahrscheinlich denken konnte, daß sie sich den Aufwand, wenn er nicht Recherchematerial für eine Geschichte gewesen wäre, sparen hätte können und sie fügt dann noch die Frage an, wie es wohl denen geht, die nicht nur verrübergehend und auch nur recherchieren auf die Leistungen des Jobcenters angewiesen sind?

In “Onkel” fährt eine Frau von Besuch bei einer Freundin vom Stadtrand im Bus nach Hause und belauscht dabei das Gespräch eininger Jugendlichen, die zu ihrer Clique am anderen Ende der Stadt fahren:

“Hast du was?” -“Nee” – “Scheiße. Wo kriegen wir was her?” – “Weiß nicht.”…., während in “Casablanca” einer zum Flughafen fährt, sich dort in ein Cafe setzt, wo er schon die Stammgäste kennt und auf seine Freundin wartet, mit der einmal in dem berühmten Film war und die ihn danach verlassen hatte, weil er dabei nicht weinen und auch nicht “Ich liebe dich!”, zu ihr sagen konnte.

Und in “La Schuhkran” wird 2003 nach Syrien gereist, wo man das noch gefahrlos konnte. Das heißt, so ganz gefahrlos war es auch nicht, wenn man zu Weihnachten eine Freundin besuchen wollte, die auf der deutschen Botschaft arbeitete, wenn man vorher in Israel war. Gut, da konnte man sich einen anderen Pass besorgen, aber weil man das 2004 nicht schon wieder tun konnte, wudre man in Amerika am Flughafen aufgehalten und genau befragt, was man da gemacht hat.

Weihnachten gefeiert ganz klar, aber wo bekommt man in Damaskas Weihnachtsgeschenke her, wenn man am Markt von jeden angesprochen wird, in Geschäfte gelockt und dann mit Datteln herauskommt, so kommt am Schluß ein doppeltes Zungenküßen und vielleicht ein Partnertausch heraus.

In “Erbe” kommt einer in das verfallene Haus mit Garten in dem verfallenen Dörfchen seiner Jugend zurück, um seinen Vater zu pflegen und wahrscheinlich auch biographisch, fährt ein paar mit Kind einen “Nachtschrank” zum Schuster, denn der Schlüßel ist verloren und darin steckten Tagebücher, die die Mutter mit zwölf, also im Jahr der Wende geschrieben hat. Die Tochter fragt neugierig nach, was der ganze Aufwand soll und versteht nicht ganz, warum man einem Land, das es nicht gibt, nachspüren will?  Das versteht nur der Schuster Roman, der auch aus einem solchen kommt.

Und dann ist noch eine Frau zu Hause, weil das Kind krank geworden ist. Sie beschließt die Wohnung zu putzen, bleibt aber am Türspion hängen, um von dort das Gespräch der Nachbarn am Gang zu erlauschen, während das Kind Pfirsiche essen will.

Surreal kann es Kirsten Fuchs auch und spielt das in allen Tönen, so habe ich “Maran” nicht ganz verstanden, während es im “Rosa Mantel” offenbar, um die  verdrängten Anteile geht. Da liegt eine Frau in der Badewanne hat eine Haarspülung am Kopf, fürchtet sich vor dem Fremden und bekommt die ganze Zeit, die Begegnung und den Geruch der Obdachlosen, die sie in der U-Bahn begegnete, nicht aus dem Kopf und dann ist die plötzlich in der Wohnung und wird von ihr gebadet.

Dann fährt eine junge Frau mit einem Hund mit dem Rad von Berlin an die Ostsee, will Zelten und die Angst,  was da alles geschehen kann, läßt sie nicht aus, obwohl und das ist vielleicht das Teufliche an der Sache, gar nichts passiert und um den Kreis zu schließen, geht es noch einmal in die DDR zurück, in die Zeiten, wo ich Erzählerin zwölf war, die Mauer fiel, das erste Tagebuch geschenkt wurde und auch die erste Monatsblutung passierte, die im Osten offenbar “Besuch aus Moskau” genannt wurde, natürlich Blut ist rot und das ist die rote Armee offenbar auch und am Schluß wird noch vom ersten Mai erzählt.

Den “Tag der Arbeit”, wo die Männer an der Demonstration teilnahmen, die Mutter mit der Neuen ihres Sohnes kocht und am Schluß sitzen alle im Garten und beglückwünschen sich:

“Als die Männer sagten, daß die beiden Köchinnen hoch- hoch- hochleben sollten, schauten beide streng.”

Es ist wirklich die ganze Variante des Lebens in allen seinen Facetten und literarischen Gattungen, die Kirsten Fuchs da in neunzehn Geschichten vor ihren Lesern ausbreitet.

“Nun kann man Kirsten Fuchs als glänzenden, vielseitige Geschichtenerzählerin entdecken: Ihre mal komischen, mal ernsten, schrägen, schnoddrigen und in hundert anderen Farben leuchtenden Storys erzählen so originell von unserer Gegenwart, wie es selten gelingt, und erfassen wie nebenher das Wesentliche, was einem so  beim Leben passieren kann.”, steht so auch am Klappentext.

Fische

Nun kommt das Debut einer amerikanischen Twitterin Melissa Broder “Fische”, bei “Ullstein” erschienen, das ein Kultbuch werden könnte und von dem ich nicht recht weiß, ob es mir gefallen hat oder ob ich den sehr packend geschriebenen Roman nicht für Erotik-Kitsch halten soll?

Es geht um Liebe und Einsamkeit, lese ich in der Beschreibung, um die Liebessucht der Frauen an die vierzig und ihre Beziehungslosigkeit und das Ganze sehr flott dahin geschrieben, könnte auch eine Parodie auf die amerikanische Frau vor der Midlifekrise sein.

Es gibt einige Stellen, die mich durchaus in Bahn zogen, die, wie Lucy zum Beispiel in Veenice Einkaufen und zum Friseur geht, um sich auf ihre Dates vorzubereiten und auch die, wo sie in dem teuren Dessoushop angefeuert von der Verkäuferin und einer Freundin, die Reizwäsche für den Sex, der später in einer Hoteltoilette stattfindet wird, ausprobiert.

Alles andere vor allem die Erotikszenen erscheinen mir der wahrscheinlich prüden Mittesechzigerin zu aufgesetzt und auch sonst scheint mir diese Achtunddreißigjährige ein wenig übertrieben.

Da ist also Lucy, sie ist achtunddreißig, wohnt in Phoenix in der Wünste und schreibt schon endlos lang an ihrer Dissertation über “Sappho”. Bekommt, was mich ein wenig verwundert hat, von der Universität auch ein Stipendidum dafür. Das heißt nicht mehr lang. Jetzt soll sie endlich einmal fertig werden und sie hat auch einen Freund namens Jamie, einen Geologen, von dem sie offenbar nicht recht weiß, ob sie ihn liebt.

Sie führt mit ihm jedenfalls eine sogenannte freie ungebundene Beziehung und als er, als sie ihm eine Trennung vorschlägt, unerwartet darauf eingeht und nicht widerspricht, dreht sie durch.

Sie besucht ihm und gibt ihm einen Faustschlag, macht einen Selbstmordversuch und wird dann von der Polizei auf der Autobahn in ihrem Auto im Nachthemd mitten von einem Berg von Donuts erwischt, was zu einer Zwangstherapie führt, damit sie nicht ins Gefängnis muß.

Die Schwester Annika, die in Los Angeles in einer Luxusvilla lebt und den Sommer in Europa verbringen will, bietet ihr an, in den Stadtteil Venice zu kommen, den Hund Dominic zu hüten und die Dissertation fertig zu schreiben. Sie tut das widerwillig, schleppt sich an die Promenade von Santa Monica, beobachtet neidisch die Liebespaare, schläft lustlos mit dem Hund auf ihren Knien und muß in die Zwangsgruppentherapie.

Dann gibt sie eine Kontaktannounce auf, will Sex auf der Straße oder so, lernt zwei Männer kennen, kleidet sich für sie, wie schon erwähnt, neu ein, schläft mit dem einen in der Hoteltoilette und ist enttäuscht von ihm und dann lernt sie und das ist das Höhepunkt des Buches auf einem Felsen, den Fischmann Theo kennen, der auch einiges, als sie jünger ist.

Das heißt, er sieht nur so aus, in Wahrheit ist er schon mindestens vierzig. Und das führt zu Komplikationen. sie schleppt ihn im Bollerwagen an Land. Der Hund Dominic ist eifersüchtig und fängt zu knurren an, so daß sie ihn betäuben muß. Am Schluß will sie reumütig zu Jamie zuirück, der bekommt aber von seiner Liebhaberin ein Kind, der Hund stirbt an der Überdosis der Beruhigungstabletten, die sie ihm gegeben hat. Theo dreht durch, als sie ihn verlassen will und so will sie mit ihm ins Meer gehen. Das geht aber nur als tote Frau, so daß sie es sich doch noch überlegt, den Fisch ziehen läßt und mit ihrem Koffer zu ihrer Schwester und ihrem Schwager zurückgeht und die Dissertation ist auch nicht fertig geworden. Das heißt schon, sie erscheint ihrem Doktorteam aber als zu narriativ und zu wenig wissenschaftlich und so ist in dem Buch eigentlich alles schiefgegangen, was nur schiefgehen kann, obwohl es ohne Zweifel sehr stark frech und rotzig geschrieben ist.

Aber mir der schon erwähnten eher prüden Mitsechzigerin wahrscheinlich etwas zu offensiv erotisch war und das mit dem Fischmann, die Methapher und die Metaphorik dahinter, hat, wie sie zugeben muß, die Psychologin auch nicht so ganz verstanden.

Super und dir?

Das ist die ewig gleiche Antwort, auf die höchst banale Frage, wie es einem denn so ginge, die höchstwahrscheinlich ohnehin niemand wissen will und nur aufhalten würde, wenn jemand ehrlich “Beschißen!”, darauf antworten würde oder “Ich brauche Zeit und Geld!” oder so, die aber die Generation über dreißig der prekären Arbeitswelt gerade entkommen, die nach ihrem Studium in den angeblichen Traumberuf eingestiegen ist, zu geben sich veranlaßt fühlt oder denkt und glaubt, daß die Gesellschaft, das von einem erwarten würde, wurde man doch höchstwahrscheinlich  so erzogen.

Die perfekte Fortsetzung  auf das vorher gelesene Buch, hier war es die österreichische Gegenwartsliteratur, die in einem Hochstaplerroman von einem berichtet, den das “Super und dir!”, auch nicht so gelungen ist, hier erzählt die1985 geborene deutsche Kathrin Weßling, die Online-Redakteurin ist und in einem ihrer vorigen Bücher, glaube ich, schon über ihre Depression geschrieben hat.

Da ist es nicht weit zum Burn-Out und zur Drogensucht und Kathrin Weßling könnte man veranfacht sagen, erzählt, wie viele andere, auch hier von der Krankheit der Jugend in einer Gesellschaft wie dieser und sie tut es mit einer unheimlichen Wucht, wenn auch nicht immer linear, nicht immer ganz nachvollziehbar und nicht immer mit der gleichen Dichte und auch in unterschiedlichen Textsorten.

Da ist also Marlene Beckmann, die ist gerade einundreißig geworden und soll ihren Geburtstag feiern und man merkt, da stimmt etwas nicht, denn die Person ist trotz ihrer vielen Facebookfreunde fertig und am Ende.

Das von den Facebookfreunden steht schon so im Klappentext: “Marlene Beckmann Anfang dreißig. Social Media Managerin in einem multiinternationalen Unternehmen, hat es geschafft. Sie hat 532 Freunde auf Facebook, einen Freund, der sie liebt und einen Job den alle haben wollten. Und wenn sie noch weniger schläft, noch produktiver ist, fröhliche Selfies postet und dabei in ihren Chacren atmet, wird das Leben noch besser.”

Dann wechselt das Bild von der eher schwachen Person, die unfähig ist, trotz Anruf ihrer Mutter, ihre Geburtstagsparty zu planen und wir kommen zu einer Jugendlichen, deren Welt zusammenbricht, als ihre Eltern ihr bekannt geben, daß sie sich trennen wollen. Das heißt für die Mutter ist das eigentlich die Katastrophe, sie greift zum Alkohol und zu dem vom Arzt verschriebenen Beruhigungsmittel, der Vater säuselt, es wird alles gut und verschwindet, die Tochter räumt die Flaschen weg und verspricht der Englischlehrerin, die sie in der Schule auf ihr gelegentliches Fehlen und ihren Leistungsabfall anspricht, daß alles Super ist und sie sich zusammenreißen würde, was zu den dichtesten Stellen des Buches zählt

Das tut sie dann auch, denn sie ist die Beste ihres Abisjahrgangs, Vater und Mutter sind zur Feier gekommen, spielen heile Welt, der Direktor hält eine Lobesrede. Dann schafft sie ihr Studium und tritt die oben erwähnte Stelle an. Die Firma in die sie einsteigt, wird ein bißchen wie Dave Eggers “Circle” geschildert, neben ihr wird noch eine zweite Volontärin aufgekommen und nur eine wird, besonderes grausiges Spiel, den Job bekommen.

So lächelt sich Marlene durch, betreut Bloggerinnen, macht für ihren Chef die Präsentationen, die er dann als seine ausgibt, weist Maya, die ein bißchen zu viel getrunken hat, bei einer Afterwork-Party zurecht, schläft zuwenig und ißt ihren Freund Jakob, weil sie nicht zum Einkaufen kommt, den Lieblingspudding weg. Der spricht sie darauf an, daß offenbar etwas nicht in Ordnung ist, sie verspricht ihm, sich zu ändern. Ein Ulraub wird geplant, den sie aber, weil in der Firma zu viel zu tun, verschieben muß.

So weit der erste Teil. Im Zweiten ist Jakob  offenbar allein in den Urlaub geflogen. Sie bricht nicht zusammen, geht nicht zur Arbeit, sondern zum Arzt, erzählt ihm, nachdem sie ihm etwas von einem Darmvirus vortäuscht, um zu einer Krankschreibung zu kommen,  weinend von ihrer Drogensucht, der nimmt sie nicht erst, sagt “Sie sind doch kein Junkie!” und verschreibt ein sanftes Beruhigungsmittel und von Stefan, ihrem Chef kopmmt die Nachricht, daß leider, leider, sie solle es nicht persönlich nehmen und es ist auch nichts gegen sie, sich die Firma doch für Maya entschieden hat.

Dazwischen wird noch eine Abtreibung erwähnt, die Marlene einmal hatte, weil es mit ihren damaligen Freund Davind nicht der richtige Zeitpunkt zum <kind war und am Ende geht es wieder zu dem nicht gefeierten Geburtstag zurück und zu den Anrufen, die vom Vater, der den üblichen Scheck verspricht, der Mutter und der glücklicheren Kollegin Maya kommen.

Ein sehr beklemmend dichtes Buch, in dem wahrscheinlich viel selbst Erlebtes und viel von dem Druck, den unsere Gesellschaft auf die Jugend von heute, den erfolgreichen Superkindern, die immer lächeln und leisten müssen und damit überfordert sind, macht, steckt.

Eines das sich nahtlos an die traurigen Freiheit und auch noch einige andere Bücher einiger anderer Dreißigjährigen reiht und das auch schon von “Literaturen” und “Herzpotential” gelesen wurde, die glaube ich, ebenfalls beeindruckt waren.

Mittwoch-Geplauder

Jetzt bin ich in der letzten Woche kaum zu literarischen Veranstaltungen gekommen, weil am Dienstag erster Mai, am Montag und Mittwoch Abendstunden und am Wochenende sind wir wieder zu unserem üblichen Programm nach Harland gefahren, so daß es sich erst am Montag wieder wenigstens zu zwei Dritteln für die “Alte Schmiede” und zu einem “Poliversale-Abend” ausgegangen ist.

Gestern den “Tag des Freiheit des Wortes” versäumt, dafür habe ich aber in meinen Stundenlücken ein wenig an der “Unsichtbaren Frau” korrigieren können, wo ich ja hoffe, bald fertig zu werden und heute Mittwoch wieder das “Utopie-Workshop” in der Spengergasse, da bin ich ja jetzt mit  Stephan Teichgräber allein und das literarische Plaudern überwiegt, obwohl Stephan Teichgräber intensiv an seinem Skriptum weiterarbeitet.

Aber da habe ich, als ich am achtzehnten April im tschechischen Zentrum war ein Heftchen zur neueren tschechischen Literatur ab 1990 bekommen, da ich heute mitgebracht habe, weil ich seine Meinung zu den angeführten Autoren wissen wollen, so daß er sie mit mir durchgegooglet hat und Überraschung, einen von ihnen werde ich nächste Woche beim “Centrope-Festiva”l kennenlernen, denn Marek Sindelar ist da ja neben Mechthild Podzeit-Jonke, Anna Weidenholzer, Reinhard Kaiser-Mühlecker und Franzobel eingeladen und nach dem Workshop hatte ich noch zwei Stunden, während der Alfred parallel ein Fest für seine Betriebsratkollegen veranstaltet hat, so daß es ein sehr gutes Essen gegeben hat.

Morgen ist wieder Feiertag und am Freitag und am Wochenende ist die “Kritlit”, die kritischen Literaturtage, wo ich wieder zu ein paar literarischen Veranstaltungen kommen werde und ansonsten ist diese Woche sehr von Michael Köhlmeier dominiert, habe ich den doch nicht nur am Montag als Lyriker kennengelernt, nein, er hat auch am letzten Freitag zum Kriegsende eine Rede im Parlament gehalten, wo er die schwarz-blaue Regierung sehr kritisierte und dafür sowohl Lob, als auch Tadel bekam. Das war im Fernsehen zu sehen und im “Falter” zu lesen und ich habe mich durch meine Rezensionsexemplare jetzt auch langsam durchgelesen, so daß ich höchstwahrscheinlich bald zu den anderen Büchern komme, die sich in meinem Badezimmer angesammelt haben.

Dann gibts noch zwei Maiwochen, mit dem “Wildgans-Preis”, den diesmal Sabine Scholl bekommen wird. Es gibt das Centrope-Festival im Theaterbrett, “Rund um die Burg” das letztes Wochenende war, habe ich versäumt.

Es kommt dann Pfingsten, wo wir etwas verkürzt wieder in Harland sein werden und dann im Juni fliegt der Alfred wieder für ein Monat nach Amerika, wo ich mir zumindestens die Wochenende für möglichst intensive Writer-Retreats vorgenommen habe, um endlich mit der “Unsichtbaren Frau” fertig zu werden.

Denn die Idee danach wartet schon, beziehungsweise, hat sich diese dopptelte Magdalenageschichte, die ihre Depression ins Netz outet und ihre Vergangenheit noch einmal durchlebt ein wenig umgewandelt.

Da gibt es dann noch eine idee einen jungen Syrer einzuführen und eine Supermarktkassiererinidee, als Nebenfigur habe ich auch.

Mal sehen, wie lange ich noch zum Korrigieren brauche, denn Anfang Juli gibts ja das zehn Jahre Jubläum und dann die Sommerfrischenwochenenden, wo ich eigentlich mit dem Schreiben beginnen könnte, wenn es nicht wieder ein “Nanowrimo” werden wird.

Ansonsten habe ich Nachricht vom Chritoph Kepplinger bekommen, am ersten und zweiten September wird es wieder ein Volksstimmefest geben, wo ich ja, das Motto steht noch nicht so ganz fest,  meine Jonathan Geschichte mit der Nobelpreissitzung lesen könnte und die ist ja höchst aktuell.

Zwar schlägt er da  die Lilly mit ihrer “Unsichtbaren Frau” vor, aber aktuell hat sich die Kommission ja so zerstritten, daß sie heuer keinen <preis vergeben wird, während es bezüglich des Volksstimmefest noch die zwei letzten Anthologien fertig werden müssen.

Da ist in der einen ja meine Fabianszene aus dem “Bibliotheksgespenst” drinnen und in dem anderen die Himmelssezene aus den “Berührungen und was die “Kunst im öffentlichen Raum” betrifft, gibt es auch etwas zu berichten und zwar ist da  die Ruth letzte Woche zu mir gekommen und wir haben für 2019 die “U-Bahntexte” eingereicht und da mir Erika Kronabitter empfohlen hat, die Texte auch an “Art Science” zu schicken, habe ich das getan.

Mal sehen, vielleicht wird ein Buch daraus, noch habe ich keine Antwort bekommen, aber wenn etwas daraus wird, könnten wir es ja in der “Gesellschaft für Lteratur” vorstellen, wo man mit selbstgemachten Bücher  noch immer nicht lesen darf.

Mal sehen noch ist es nicht so weit und wer jetzt wissen will, wie es mit der Schreibgruppe weitergehen wird, da werden wir uns am nächsten Mittwoch wiedertreffen und da könnte ich, wenn da ein paar Leute kommen werden, vielleicht wieder eine Szene für mein work in Progress schreiben.

Der Neubauer

Jetzt kommt der  vierte Roman, der 1986 geborenen Cordula Simon, die ein paar Jahre in Odessa studierte und beim “Bachmann-Preis” gelesen hat. Ich habe sie, glaube ich, im Literaturhaus persönlich kennengelernt, treffe sie regelmäßig beim “Alpha” wo sie einmal auf der Shortliste stand und habe, ich schreibe es gleich, ihren sehr modernen und hippen Schelmenroman, sehr sehr spannend und auch originell gefunden.

“Schlechten Menschen geht es immer gut!”, ist ein Satz der im Klappentext steht und einer mit dem sich der Held und namenslose Ich-Erzähler durchs Leben und durchs Buch schummelt, dabei öfter auf die Schnauze fällt, vielleicht auch ganz durchkommt, je nach welcher Perspektive man es betrachten will und der titelgebende Neubauer ist eine ominöse Figur, die sich durch das Buch durchzieht, alle sprechen auf den Parties, die sie besuchen, von ihm. Am Ende taucht er auch höchst originell auf einem Friedhof auf, verschwindet aber wieder, als wäre er nie dagewesen und nur eine Phantomgestalt.

Und das Buch spielt in der hippen Welt der Mittelschichtstudenten und Pesudoontellektuellen, die sich vielleicht auch nur von einem prekären Job zum nächsten hanteln, das aber nie zugeben würde und der Held, der Hochstapeler, der nicht “Felix Krull” heißt, vielleicht aber auch ein “Taugenichts” ist, kommt aus anderen, weniger priveligierten Schichten, könnte also auch “Kevin” heißen, aber so niveaulos tut es Cordula Simon nicht.

Er arbeitet in einem Supermarkt und weil er das nie zugeben darf, weil er sonst alle seine Freunde auf deren Parties er sich herumtreibt, verlieren würde, wird er, als einmal doch Bekannte dort auftauchen, entlassen.

So beginnt die Geschichte, die vielleicht nicht ganz logisch ist, denn er geht nach Hause, kann dort seinen Mietzinsrückstand nicht zahlen, verstaut seine Sachen im Keller und taucht bei seinen Freunden auf, um sich dort für die nächsten Tage einzuquartieren.

Und weil er auf ihre Frage nach dem “Warum?” natürlich nicht sagen kannn, daß er wohnungs- und mittellos ist, erfindet er eine Verfolgung von der Mafia, was ihn erst recht in Schwierigkeiten bringt.

Er hat auch eine Freundin “Die Taran” genannt, daß sie mit Vornamen Violetta heißt, erfährt man erst am Schluß des Buches und die pflegt auf rumänisch zu denken.

Ja, das habe ich jetzt noch vergessen, eine kleine surreale Wendung von Cordula Simon ist, daß sie ihren Helden, wenn er Akohol getrunken hat, die Gedanken seiner Freunde lesen läßt. Man kann auch sagen, daß sich Leute, die sich durchs Leben pumpen, eine gehörige Menschenkenntnis und Feinfühligkeit dazu benötigen und so geht es höchst amusant voran oder bergab.

Er kommt dadurch in Schwierigkeiten, verrät der Klappentext, was heißt, er zieht von Wohnung zu Wohnung, denn Wiesner, wo er es zuierst versucht, wird er von dessen Freundin Moni behindert, die bei ihm auch nur eingezogen ist, weil sie zu faul ist, sich selber eine Wohnung zu suchen, wie uns derHeld oder Cordula simon etwas schnoddedrig verraten.

Bei einem anderen Freund gibt es nur veganes Essen, ein Horratrip, nicht nur für den Schnorrer, sondern auch für des Hausherren Katze, namens Gina, die heftet sich, was ich sehr köstlich finde, fortan an des Helden Spuren und läßt ihn nicht mehr los. Denn der hat ein Herz für Tiere, so nimmt er sie in ein Restaurant mit, in das er von Wiesers Mutter eigeladen wurde.

Er muß auch vor der Polizei flüchten, denn die Mafia-Geschichte macht unter den Freunden die Runden und weil er Geld für den Eintritt in einen Club braucht, geht er in ein Autohaus, gibt sich dort als Verkaäufer aus und zieht einer Dame, immer mit Gina an seiner Seite, hundertdreißig Euro aus der Tasche.

Man sieht, Cordula Simon mangelt es nicht an skurrilen Einfällen, wie auch der es ist, daß er bei dem Clubbesitzer einbrechen will. Dazu selber den Aufsperrdienst holt, aber in der falschen Wohnung landet, wo ihn eine alte Dame mit einem Gewehr erwartet, die ihn mit Braten und Knödel füttert und ihn dann noch einen Ring und ein bißchen Kleingeld in die Tasche steckt.

Am Ende treffen sich alle, wie shon erwähnt, am Friedhof bei einer nächtlichen Party, da taucht dann auch  der ominöse Neubauer auf, der aber, wie ebenfalls schon erwähnt, vielleicht nur ein Phantom ist.

Der Held und die Taran, die ihm gesteht, daß sie auch nur Kellnerin in einem Coffeeshop war und dort entlassen wurde, kommen zusammen. Sie verliert dabei noch einen Finger, den ihr der Held bricht, als er ihr den von der alten Dame bekommen Ring an den Finger stecken will.

Aber das Leben geht weiter oder “Die Welt ist schlecht mein Liebchen, so wie wir.”, wie der Held resumiert und am Schluß Cordula Simon “Wir hatten uns etwas Schönes ausgedacht. Eine neue Geschichte für die neue Stadt. Jeder erzählt sich sein Leben zurecht”, Cordula Simon schreiben läßt, die im “Neubauer” eine köstliche Parodie auf die Zustände unserer heutigen schönen Hipsterwelt mit der Flüchtlingskrise, den “Paradeflüchtling”, der dann in der Hipsterwohnung auf den Parties das syrische Buffet serviert oder den anderen Fragen, ob man  seine Kinder anti-oder autoritär erziehen soll, in einer starken rotzigen Sprache geschaffen hat.

“Eindeutig mein bisher liebstes Buch von Simon!”, hat eine Rezensentin auf “Amazon” geschrieben. Das kann ich, weil ich sonst noch keines von ihr gelesen habe, nicht so  beurteilen. Dieses hat mir aber, das habe ich schon erwähnt, sehr gefallen.

Und es ist das sechste Buchanfang, das dem Gratisbuch, das der Hauptverband des Buchhandels zum heurigen “Welttag des Buches” herausgegeben hat.

Zerissenheit und Spannung

Michael Köhlmeier

Michael Köhlmeier

Jetzt ist es sich doch noch für den dreizehnten Abend des heurigen Poliversale-Festival ausgegangen, zu zwei Drittel jedenfalls, das erste Drittel zu Hertha Kräftners neunzigsten Geburtstag habe ich versäumt, obwohl mich Dine Petrik, die ihre Gedichte gelesen hat, extra dazu eingeladen hat und meiner natürlich höchst unliteraturwissenschaftlichen Meinung nach, waren es höchstwahrscheinlich, die einzigen Gedichte dieses Abends.

Denn Petra Ganglbauers experimentelle Textmontagen würde ich eigentlich, die ich ja immer noch von Gerald Bisingers Gedichtvariantion “Ich sitze im Zug, trinke ein Glas Rotwein und denke an Karl August”, die ja eigentlich auch keines ist, begeistert bin, nicht für ein solches halten.

Sie hat aber bei “Art und Science”, wo ich wegen unserer “Kunst im öffentlichen Raum-Spontantete” jetzt auch hingeschrieben habe. Mal sehen ob eine Antwort kommt, einen Band “Zur Lage” herausgebracht und den hat Kurt Neumann sehr genau erkäutert. Es gehe um drei Zyklen, einen terristischen, einen sprachlichen und einen extratertrestrischen. Er erzählte noch etwas von zwei Erzählstimmen und  Listentexten und Petra Ganglbauer, deren “Wasser im Gespräch”, ich ja gelesen habe, begann mit ihten Wortlisten zum Thema Flucht, Vertreibung und Entgrenzung, ein Thema, das sie, wie sie im anschließenden Gespräch erläuterte, schon sehr lange verfolge und da setzte es dann die Listen in allen ihren Varianten und Widerholungsformen.

“Windel –  Wiege – Ursprung” – “Hautgrenze- Sprachgrenze, Bewegungsgrenze….”.- und so weiter und so fort, bis es zum zweiten Teil, der sprachlichen Begrenzung ging und im dritten extraterrestischen, ging es dann astronomisch zu und um ein Buch und dessen leeren Seiten mit dessen Inhalt sich der Leser auseinanderzusetzten hat, ging es in irgendeinen dieser Teile auch und schade, daß ich in das Bändchen nicht hineingeschaut habe, da es dort, wie Kurt <neumann um Großschreibung und graphische Gestaltung ging, die man beim Lesen natürlich nicht so hören konnte, obwohl Petra Ganglbauer deutliche Zeichen setzte, die  für mich aber nicht so leicht zu erkennen waren.

Dann ging es in den Keller zum Doyen, der österreichischen Gegenwartsliteratur, wie ich Michael Köhlmeier fast bezeichnen möchte und den, den großen habe ich schon heute morgen im “Leporello” gehört. Da ging es um ein Hörspiel und, daß “Ein Vorbild für die Tiere”, sein zweiter bei “Hanser” erschienenener Gedichtband ist, habe ich, wie ich gestehen muß, erst bei der Veranstaltung mitbekommen, bin aber immer noch der Meinung, daß es keine Gedichte sind, die Michael Köhlmeier da vortrug, obwohl Kurt Nneumann in seiner Einleitung von verschiedenen Textformen in Strophen und sogar in Sonettform sprach.

Da habe ich wohl etwas verschlafen oder überhört, denn für mich waren es Prosatexte, die die Erzählstimme Österreichs, Antonio Fian hat da, glaube ich, einmal ein Dramulett geschrieben, wo Michael Köhlmeier das Telfonbuch verliest, da vorgetragen hat und der Titel des Bandes, stammt aus einem Text namens “Der Idiot”.

Der Lektor hat dann fünf Kapitel, die alle Tiernamen tragen, daraus gemacht und interessant ist auch die Entstehungsweise, die Michael Köhlmeier im anschließenden Gespräch freimütig äußerte. Er setzt sich in den Zug oder in den Park, nimmt den Bleistift, übt  das freie Schreiben und da,s was dann herauskommt, bearbeitet er, solange bis ein Gedicht entsteht, während er bei seine Romanen und Erzählungen anders vorgeht.

Interessant, habe ich gedacht, da habe ich doch bisher immer gehört, daß Gedichte ganz anders entstehen, aber Michael Köhlmeier ist wahrscheinlich kein Lyriker und sprach auch selbst beim Vorlesen von “Prosagedichten”, mit denen er offenbar auch Schwierigkeiten hatte, denn nach einer Weile des Lesens hat er sich selber unterbrochen und sich fortan selber kommentiert.

Das Publikum das aus einer Reihe von älteren damen bestand, gefragt, ob er die Texte nicht zweimal lesen solle, die begeistert nickten, Rainer Kunze tut das auch, ist aber wahrscheinlich der reinere Lyriker und so schwer verständlich waren die Prosatextsammlungen meiner Meinung nach auch nicht, schienen Michael Köhlmeier aber teilweise, wie er sich kommentierte, selber zu beglücken uind er erzählte dann immer wieder etwas ihm faszinierendes dazu.

Für mich waren zwei Passagen besonders eindrucksvoll, das “Der Roman” genannte Gedicht, eigentlich eine Shortstory. wie Kurt Neumann erläuterte.

“Echt wahr!”, sagte der Dichter und Kurt Neumann verwies auch auf den Blues, etwas, das ich nicht nachvollziehen konnte.

Beindruckt hat mich aber der Text, da schickt ihm ein elfjähriges Mädchen den Roman seiner Mutter und bittet ihm, den berühmten Dichter, dafür einen guten Verlag zu suchen.

“Wow!”, hätte ich da gedacht.

“So eine Tochter müßte man haben, wo bekommt man eine solche Tochter her?”, vielleicht war das Erlebnis autobiografisch und heute habe ich auch eine Doko bei “You Tube” gesehen, wo zwei Hartz IV Empfänger gemobbt wurden, weil der ältere gerne mit den Kindern der Siedlung spielte und ihnen auch mal ein Eis einkaufte, Es wurde dann gleich eine Azeige wegen sexuellen Miußbrauc hdrauras und einen solchen Prosatext hat Michael Köhlmeier auch geschrieben.

Es folgten dann auch, noch zweimal gelesen, “Drei Eindrücke”, die der weißen Männerhaut auf weißen Laken, die der Knien der osteuropäischen Freuen und das Vogelschwingen bei Richard Ford kam dann auch noch vor.

Ein sehr interessanter Abend der lyrischen Kontraste, habe ich dann zu Petra Ganglbauer gesagt, die sich freute, daß ich doch kommen konnte.

Ein anderer hätte die Köhlmeier Lyrik vielleicht kitschig emfpunden, die Damen im Publikum waren aber, glaube ich, begeistert und Petra Ganlbauers Lyrik war mehr experimentell und Hertha Kräftner habe ich versäumt, obwohl sie Dine Petriksicherlich emphatisch vertreten hat, kann sie aber, da ich in Harland ein paar iherer Bände habe, jederzeit nachlesen.

und Vietnam und

Von der aktuellen deutschen Gegenwart geht es jetzt zurück in das Jahr 1968, denn da wird ja die Studentenbewegung gefeiert und “Wagenbach” hat dazu eine eigene Buchreihe “Politik ist lesbar” herausgegeben, von der ich nur “Paris, Mai 68” gelesen habe. Aber da hat es ja auch den Vietnamkrieg gegeben, der an mir in meiner Volksschulzeit so ziemlich vorübergegangen ist und wenn ich “Paris, Mai 68” schon im April gelesen habe, so las ich Erich Frieds Vienamgedichte am ersten Mai, bevor ich mit dem Alfred zur Alberta und dann zum Parlament gegangen bin und Erich Fried ist zu seinen Lebzeiten muß ich gestehen, auch so ziemlich an mir vorbeigegangen. Einmal war glaube ich eine Großveranstaltung mit ihm im NIG.

“Magst gehen?”, hat der Alfred mich wohl gefragt und ich habe irgendwie keine Lust gehabt. Heute tut  das einer Leid, was sie da versäumt hat und auch an die Gedichte bin ich erst später rangekommen und zitierte sie manchmal als Vorwort bei meinen Büchern oder vor meinen Kritikern “Es ist was es ist sagt, die Liebe”, wenn beispielsweise wieder jemand sagt, daß ich nur Schwachsinn schreiben würde.

Gelesen habe ich, muß ich gestehen, auch nicht viel, zwar immer wieder, die Textproben, die es in der “Ziwebel” “Wagenbachs-Programmheftchen”, die ich gesammelt habe und zum “Fried Symposium” und zur “Friedpreis-Verleihung” gehe ich auch seit Jahren aber da wird in der letzten Zeit auch nicht mehr sehr über Erich Fried gesprochen und auch das schöne Portrait, das Heidi Heide einmal machte und das früher bei dieser Veranstaltung im Literaturhaus aufgehängt wurde, ist jetzt verschwunden.

Erich Fried also im Original.

“Wagenbach” macht es möglich, denn es hat seine 1966 Vietnam einundvierzig Gedichte wieder  aufgelegt mit einem Nachwort von Klaus Wagenbach versehen und eine Chronik und eine Landkarte, die, glaube ich von Fried stammt, gibt es auch, so daß ich mein geschichtliches Wissen, das, wie ich schon geschrieben habe, sehr lückenhaft ist, auffrischen kann.

Also hinein in das politische Geschehen von 1968 und früher und Klaus Wagenbach schreibt in seinem Text, den ich als Erstes gelesen habe, daß die Gedichte damals kaum Resonanz und auch kaum Rezensionen hatte. Also totgeschwiegen, während der politische Liebesdichter erst ein paar Jahre später von der Jugend so richtig entdeckt wurde und heute, glaube ich, bei jedem Maturanten im Bücherschrank steht oder vielleicht auch nicht mehr so ganz, denn der Mai ist vorbei, hat Peter Henisch schon vor Jahrzehnten geschrieben und die Zentralmatura interessiert sich ja, wie ich immer höre, nicht für Literatur. Also wird es da keine Lyrik-Interpreationen als Thema geben und ich muß es selber machen und schreibe gleich dazu, daß der kurze lyrische Gang durch die Geschichte sehr beeindruckend war undich es wirklich jeden nur empfehlen kann, Erich Fried zu lesen und sein Geschichtswissen aufzufrischen:

“Das land liegt sieben Fußtritte

und einen Schuß weit

seine südliche Hälfte

heißt Demokratie

In ihrer Hauptstadt Sodom

regiert ein Soldat der Mein Kampf lernt

Die Mönche sind buddhistisch

oder katholisch

Die buddhistischen Mönche

werden oft Rote genannt

In Wirklichkeit sind sie gelb

aber nicht wenn sie brennen”

Geht es gleich direkt hinein in die Landeskunde und man staunt über die Detailkenntnisse Frieds, der meines Wissen nach nicht vor Ort gewesen ist, sondern in London lebte.

Ich füge noch rasch die biografischen Daten an.

1927 in Wien geboren, 1938 vor den Nazis nach London geflohen, wo er bis 1988 lebte und er war, glaube ich, auch der Trauzeuge Arthur Wests, der ebenfalls nach London emigrierte.

Nach diesem Vorgedicht wird es  konkreter und es werden die “Gründe” angeführt, warum man eben manches tut und manches unterlassen hat.

“Weil das alles nichts hilft

sie tun ja doch nur was sie wollen

Weil ich mir nicht nochmals

die finger verbrennen will”

und so weiter und so fort bis zu

“Weil man nie weiß

wie einem das schaden kann”

“Aha!”, kann man da nur sagen und hat wahrscheinlich schon seine diesbezüglichen Ausredeerfahrungen gemacht.

Also gleich zu “Pastor R. in Hamburg”,

der keine Ausreden gelten läßt

“Ich habe gesprochen

gegen russische Panzer in Ungarn

Soll ich heute schweigen?”

In “Was alles heißt”  wird es wieder konkreter:

“Schwarze Jacken und Hosen tragen

heißt Bauer sein

nicht Vietcong sein

Getötet werden

heißt nachher

Vietcong gewesen sein.”

Und “Zun vietnamesischen “Fest der Kinder” warfen U.S Flugzeuge Spielzeug ab, auch auf Dörfer, in deren ihre Bombn noch kurz zuvor Kinder getötet hatten.”, heißt es als Fußnote zu:

“Gezieltes Spielzeug

Hätte das Flugzeug

lieber vor vierzehn Tagen

Spielzeug heruntergeworfen

und jetzt erst die Bomben

hätten meine zwei Kinder

noch vierzehn Tage

durch eure Güte

etwas zum Spielen gehabt”

Man sieht, sehr dicht, die Fried-Gedichte und so geht es gleich auch in

“Beim Zeitungslesen in London” weiter

“Außerdem ist es eine “nichtgiftige Abart”

ein “nichttödliches Reizgas”

es “verursacht nur Kopfweh und Brechreiz

und In einigen Fällen

vorrübergehende Blindheit.””

Und so weiter und so fort, könnte man sagen. In  drei Abteilung lyrisch durch die Geschichte. Sehr beeindruckend auch das “Greuelmärchen” vom Menschenfresser.

“Der Menschenfresser frißt keinen

der nicht sein Feind ist

Wen er fressen will

den macht er sich erst zum Feind.”

Und am Schluß, wenn sich der Reigen wieder schließt und der Krieg vielleicht beendet ist, kommt es natürlich zur

“Anpassung

Gestern fing ich an

sprechen zu lernen

Heute lerne ich schweigen

Morgen höre ich

zu lernen auf.”

Hoffentlich nicht zu lesen, denn ich habe ja nur wenige Gedichtzeilen zitiert. Also wieder selber lesen. Erich Frieds Vietnam-Gedichte und natürlich auch all die anderen und wenn möglich auch in die “Alte Schmiede” zur “Poliversale” gehen, von der ich heuer wegen meiner Stunden und anderen Ereignissen, auch sehr viel versäumte.

Die Politik und ihr Wahnsinn

Jetzt kommt wirklich etwas leichter zu Lesendes und, auch wenn es der Titel nicht verrät, etwas sehr viel Spannenderes. Ein Krimi, ein Politthriller, eine Satire auf das gegenwärtige Unbehagen auf die Zustände im deutschen Lande, das ja sowohl die Rechtspopulisten, die AfD, als auch die sogenannte Reichsbürgerbewegung, von der ich bis vor kurzem noch nicht wußte, daß es eine solche gibt, auf den Plan ruft und natürlich die Autoren und da ich ja gerne etwas Politisches lese und mich gerade auch selbst darin versuche, eine unsichtbare Frau auf den Plan zu rufen, die nächtesns die Mächtigen der Welt besucht, um sich aus ihrer Hilflosigkeite zu befreien, habe ich gerne zugegriffen, als mir “Literaturtest” ein solches Buch angeboten hat, das mir noch dazu vom  Ralph Llewellyn, seinem Autor, der in den USA geboren wurde und heute in Heidelberg lebt, als <Informatiker und Gesellschafter einer Immobilienfirma gearbeitet hat und seit 2005 Fanatsy-Romane und mystische Thriller schreibt, handschriftlich gewdmet hat.

“Für Eva, ich wüsche Dir viel Spaß beim Lesen!”, hat er  geschrieben und ich kann gleich spoilern, den habe ich gehabt und das Buch fast nicht mehr aus der Hand gelegt und in zwei Zügen ausgelesen, obwohl der Inhalt natürlich völlig unrealistisch ist, aber das wünschen sich ja auch manchmal realistisch schreibende Autoren und hoffen auf das Unmögliche und so ganz unrealistisch beziehungsweise mystisch-phantastisch ist es auch nicht, denn es wird im Gegenteil  sehr viel Politik zitiert und es beginnt auch gleich mit den berühmten Worten der deutschen Kanzlerin, die in den letzten zwei Jahren soviel Unmut erregten und Bewegungen, wie die oben genannten ausriefen oder verstärkten und die ich eigentlich ganz ehrlich immer noch für selbstverständlich halte und aus der deutschen Geschichte heraus auch gut verstehen kann.

Es bleibt dann auch gleich realistisch, denn es geht in die Welt von vier Iimmobilienmaklern, das heißt eigentlich dreien, denn die vierte heißt Susanne und ist eine Maklerin und die sind, wie auch im Beschreibungstext steht, so unterschiedlich, wie es gar nicht anders sein kann.

Hans ist ein Zwangsneurotiker und ich, die ich ja einige solcher Klienten habe, finde die Charatasierung eines Mannes, der sich niemanden die Hand zu geben traut, überall Bakterien und Viren vermuten, die ihn auch in zwischenmenschliche Schwierigkeiten beziehungsweise in ein starkes Vermeidungsverhalten bringen, treffend geschildert.

Dann gibt es Frank, den Alkoholiker, der sich gern so stark betrinkt, daß er am Morgen an der Seite von fremden Frauen und manchmal auch Männern aufwacht und er sich an das Davorgeschehende nicht mehr erinnern kann und ihn, obwohl  nicht gläubig, zu Gesprächen mit dem lieben Gott veranlaßt.

Ronaldo, ein schwuler Jüngling, der gerade von seinem Freund verlassen wurde und die schon erwähnte Susanne, die sehr ordentlichund sehr ehrgeizig ist, bei ihren Geschäften aber auch manchmal ihren weiblichen Charme einzusetzen weiß.

Sie alle haben einen schlechten Tag gehabt, denn das Maklergewerbe ist  von der Politik und der Gesellschaft nicht hoch angesehen und so finden sie sich, die alle an einem Symposium teilnehmen, am Abend in einer Bar ein, betrinken sich  schandhaft und beschließen in diesem Zustand sich an der Welt und den Politikern zu rächen und den Reichstag zu verkaufen.

“Ja, dürfen sie denn das?”, würde der alte österreichische Kaiser nun sicherlich fragen und die Leser werden aufschreien, den Kopf schütteln und “So ein Unsinn!”, murren.

Aber es gibt auch einen Notar, den Susanne offenbar spät nachts angerufen hat, der zwar auch den Kopf schüttelt, aber nachdenklich dazusetzt, daß das eigentlich gehen dürfte. Denn der Reichstag gehört dem deutschen Reich und dafür ist die BRD eigentlich kein Rechtsnachfolger oder so, wie sich die Gelehrten streiten und die Verschwörungsfanatiker auf den Plan gerufen haben.

Die Nacht vergeht und die vier wollen eigentlich nur nach Hause,  um den Kater auszuschlafen. Hans kotzt sich dabei noch ein bißchen an. Aber da, wie Ralph Llewellyn genüßlich ausführt, Deutschland ein Überwachungsstaat ist und der CIA sogar das Handy der deutschen Kanzlerin überwacht, hat die besoffene Geschichte der vier längt den BND, den CIA und den KGB auf den Plan gerufen.

Russland will den Reichstag kaufen, der amerikanische Präsident zitiert seine Berater, der CIA den deutschen Botschafter, der BND wird aktiv, Susannes Wohnung untersucht, was sie wieder aktiv werden läßt und so weiter uns sofort….

Was jetzt passiert ist eigentlich wieder die ganz banale und schon oft gelesene Thrillergeschichte. Die vier werden überwacht und bedroht. Der russische Käufer bietet die Millionen, aber wenn das schiefgeht, sind die Helden tot, der Bundesnachrichtendienstt ein Schweigegeld und rät der entsprechenden Ministerin den Reichstag selbst zu kaufen, damit die Russen ihn nicht bekommen.

Es kommt noch zu einigen Verkleidungs- und Verwirrungssspielchen, bevor sich die vier bei dem schon erwähnten Notar, der das Geschäft vermittelt in seinem eleganten Büro in der Bundeshauptstadt treffen. Die Überwachungsdienste haben sich auch eingefunden.

Der Deutsche wird als ein bißchen vertrottelt geschildert, Russland droht mit Waffengewalt und der amerikanische Übervater weiß zu vermittelt, so daß der Coup gelingt. Am Ende sind alle zufrieden und die vier können, “Wir schaffen, das!”, sagen und befinden sich schließlich auf einem herrlichen Sandstrand, mit dem nur Hans seine Schwierigkeiten hat und lieber seine Schuhe anläßt, schlürfen Champagner und können sich  schon den nächsten Cooup überlegen.

“Wißt ihr eigentlich, wenn die golden Gate Bridge in San Fransico gehört”, fragt Frank und lächelt breit.

Nein, das ist nicht das Ende des Buches. Denn dem gehört noch ein  Epilog, wo die politische Lage noch einmal phiosophierend moralisch belehrend zusammengefaßt wird, was zwar eine Spezialtät von Ralph Llewellyn sein dürfte.

Ich aber weglassen würde, weil es dem Ganzen, glaube ich, die Spannung nimmt und ich hätte auch das Buch reißerischer genannt “Der Reichstag wird verkauft”, beispielsweise. Und auch der Beschreibungstext ist nicht so dramatisch, wie er sein könnte. Hat da dem Autor vielleicht der Mut gefehlt?

Und spannend wäre es natürlich sich zu überlegen was passieren würde, wenn jemand wirklich versucht, den Reichstag zu verkaufen, aber wahrscheinlich ist das noch niemanden eingefallen.

Tentakel

Da habe ich doch etwas großspurig versprochen, als nächstes Buch etwas Verständlicheres zu lesen und bin prompt über Rita Indianas “Tentaktel” gestolpert, das “Quartbuch” das mir “Wagenbach” freundlicherweise geschickt hat und das, wie der Klappentext ebenso großmundig verspricht “mit magischen Treibstoff lateinamerikanische und karibische Traditionen zu verbinden und die Grezenen  hinter sich zu lassen.”

Also “Einen Roman, der unsere Fragen nach Identität, Sex und Gender auf ganz eigene Weise verhandelt – und eine so bemerkenswerte, wie befreiende Antwort findet.”

Das macht naürlich neugierig, umsomehr, als die obige Buchbeschreibung etwas von “einer verwüsteten Strandpromenade der dominikanischen Republik, Überwachungsrobotern, die die haitischen Flüchtlinge töten” und dem Hausmädchen Alcide erzählt, “das bei einer Voodoo- Priesterin arbeitet und sowohl Restaurantchef, als auch ein Mmann werden will” erzählt.

Und Rita Indiana liest man auf der anderen Seite des Klappentextes, wurde 1977 in Santa Domingo geboren und ist eine der bekanntesten dominikanischen Musikerinnen.

Das macht auch neugierig und dann war ich etwas verwirrt von der Verquickung, des magischen Schreibstils mit den lateinamerikanischen und karibischen Traditionen und stellte fest, daß sich der nicht weniger schwierig, als Elisabeth Wandeler-Decks Konzeptkunst liest.

Obwohl natürlich es gibt eine Handlung und die kann man wahrscheinlich nacherzählen oder auch nicht, denn die Handlungsstärönge spielen sich mindestens in zwei oder drei Zeitebenen ab und, um Konzeptkunst geht es in einer dieser Ebenen zufälligerweise auch. Aber nicht nur, sondern auch, um vieles anderes und dabei liest sich der Klappentext von dem dominikanischen Hausmädchen, das vor der Entscheidung steht, ob sie dem “Kult oder sich selbst vertrtauen soll?” ganz einfach.

Das Buch füge ich gleich hinzu, ist das nicht, sondern sehr verwirrend und so habe ich mich ähnlich, wie bei Elisabeth Wandelers Decks Konzeptkunst nicht ganz ausgekannt.

Es beginnt dystopisch, das Hausmädchen saugt Staub bei ihrer Herrin und beobachtet dabei, wie die Roboter, die später keine Rolle mehr spielen, einen Flüchtig töten und wir sind, wie öfter in Romanen, in einer düsteren, heruntergewirtschafteten <zukunftswelt.

Das Hausmädchen war einmal Stricherin und will eigentlich ein Mann werden. Dazu gibt es, das Buch scheint in der Zukunft zu spielen, aber auch das ist nicht so ganz klar, beziehungsweise wird sich das verändern, eine neue Methode, die ihr, wenn sie das Geld dazu hat, der Assistent der Priesterin, der kubanischer  Arzt Eric verhelfen kann.

Die Vodoo-Pristerin hat eine geheimnisvolle Seeanemone, die will Alcide verkaufen, ein Stricherfreund soll ihr dazu verhelfen. Der tötet die Pristerin. Alcide muß mit der Seeanmone im Rucksack fliehen und wird ein Mann und inzwischen lernen wir in einem anderen Kapitel einen <Maler namens Argenis kennen, der sich offenbar auf einem Sommercamp in Santa Domingo befindet und etwas malen soll, das die Meeresbiologin Linda, die das Camp veranstaltet, verkaufen kann, um damit das Meer und die Umwelt zu retten.

Aber das Meer soll auch, die zum Mann umbegewandelte Alcide retten und der Maler hat während er den Vorträgen lauscht, Hallizinationen, die ihn in eine andere Zeitebene versetzen, wo er Rinder zerlegen soll.

Beide Charaktere haben Meereserfahrungen. Das heißt, sie werden aus ihm wiedergeboren oder herausgefischt und während das Alcide bei einem Gärtner tut, ist er gleichzeitig im Gefängnis. Man sieht also, der magische Schreibstil ist nicht weniger verwirrender, als die Konzeptkunst.

Dabei lesen sich die Klappentexte und die Buchbeschreibungen sehr einfach:

“Alcide fühlt sich nicht wohl in ihrer Haut, und Dienstmädchen zu sein, genügt ihr nicht. Ein Voodoo-Kult erkennt in ihr die Auserwählte – und Alcide muß sich entscheiden, ob sie der Prophezeiung gehorcht oder ihrem Eigensinn…

Ein kompromißloser und unkonventioneller Roman vom Strand der Zukunft – und die uralte Frage,  brennend wie der Kuss einer Seeanemone: WER IST ICH?”

Und am Klappentext steht noch etwas von:

“Ein kompromißloses schnelles, unverschämtes Buch, an dem sich nicht nur die Voodoo-Geister scheiden – wie immer wenn Literatur etwas wagt.”

Mir war es, wie schon beschrieben, etwas zu schnell. Ich habe mich in den verschiednen Zeitebenen nicht ganz zurechtgefunden, beziehungsweise ist mir das Konzept des Buches nicht ganz losgisch oder eben sehr verwirrend erschienen.

Trotzdem war es sehr interessant, etwas sehr Magisches von einer dominikanischen Musikerin zu lesen und zu erfahren, daß die Literatur dort offenbar ganz anders ist.

Visby infra – ordinaire

  • Jetzt kommt wieder eines meiner Kunststücke, nämlich, wie bespreche ich ein Buch, das ich nicht verstanden habe oder das eigentlich keinen Inhalt hat, den man erzählend, spoilernd, chronologisch…, wie ich es ja so gerne tue, wiedergeben kann?

Dararan bin ich natürlich selber Schuld, denn ich schaue ja immer so gerne über den Tellerrand und stecke meine Nase bevorzugt in fremde Töpfe, sprich gehe zu Veranstaltungen der experimentellen Literatur, obwohl ich ja realistisch schreibe, lerne dabei experimentelle Autoren kennen, die mich zu ihren Lesungen einladen oder mir Hinweise zu ihren neuen Büchern schicken.

Im konkreten Fall betrifft das die 1939 in Zürich geborene Elisabeth Wandeler -Deck, die ich in der “Alten Schmede”, ich glaube, bei einem noch von Christiane Zintzen kurartieren “Literatur als Radiokunst-Veranstaltung”, die ja, was zumindestens den Beruf betrifft, auch einige Gemeinsamkeiten mit mir hat.

Hat sie ja auch Psychologie studiert, allerdings auch Architektur und sie kommt öfter nach Wien und liest in der “Alten Schmiede” und jetzt hat sie die der “edition taberna kritika”, ein neues Buch herausgegeben und ich dachte mir, frage ich es als Rezensionsexemplar an, bin ich ja an jeder Art von Literatur interessiert und dann habe ich sofort das PDF bekommen.

Zum Glück, dann auch das Büchlein, obwohl ich ja auch Oswald Eggers “Val di non” als PDF gelesen habe und Joshua Cohens “Buch  der Zahlen” und der erste ist wahrscheinlich mindestens genauso experimell, wie  das vor mir liegende Bändchen und dann habe ich  noch das handschriftliche Exemplar von Rudi Lasselssberger “Willi” gelesen, bin also mit außergewöhnlichen Textsorten schon sehr erfahren und in der GAV-Aufnahmejury war ich auch zwei Jahre, wo ich es auchhauptsächlich mit experimneteller Literatur zu tun hatte.

Trotzdem war ich am Anfang, ich schreibe es gleich, ein wenig ratlos, denn schlägt man das Büchlein auf  kommt man sofort auf einen Listenkatalog eingeteilt in 1 bis 1.8.1.1.1 beispielsweise und man sieht auf den ersten Blick keinen Zusammenhang. Dann wird noch in verschiedenen Farben gearbeiteut und die Titelunterschrift “listen, würfeln, finden”, sowie das Nachwort des mir  ebenso als sehr experimentell bekannten Autors Florian Neuner, half mir zunächst auch nicht weiter.

Es gibt zwar auch Anmerkungen der Autorin, daß sie der Koomponistin Margret Schenker und dem Baltic Center for Writers and Composers dankt, sowie,  daß sie von” Jaques Roubaud mit Tokyo infra-ordinaire, Waltraud Seidelhofer  mit “Singapur oder Lauf der Dinge” und noch einigen anderen mehr, begleitet wurde.

Es gibt dann noch einen Beipackzettel des Verlags, der ein bißchen mehr erklärt.

“Der Text inszeniert und dokumentiert, eine an die psychographischen Experimente der Situonisten gemahnende Methode, gewissermaßen einen Keil in die geläufige, wie von selbst funktionierende Praxis zu treiben, mit der wir uns in einer durchschnittlichen europäischen Stadt – sei es in Winterhur, in Budweis oder eben in Visby -aufgrund unseres Vorwissens und unserer Erfahrung meist mühelos orientieren können.”

Da stammt ebenso von Florian Neuner und mit der mühelosen Orientierung tat ich mir noch immer etwas schwer.

Am Buchrücken findet man  untereinander geschrieben, anstelle einer Zusammenfasung:

“‘#044

#alatorik

#farbdruck

#liste

#würfel(motiv)

#konzeptliteratur

#pataphysik

#roubaud (motiv)

und allmählich wird es etwas klareeer.

Jaques Roubaud ist jedenfalls ein 1933 geborener französischer Schriftsteller und Mathematiker und er hat offenbar die Vorlage für Elisabeth Wandeler-Decks Text geschrieben, die im Juli 2014 mit der Kompnistin Margret Schenker das “Baltic Center for Writers and translaters” der Stadt Visby in Gothland ausuchte und dazu eine Stadterkundung nach Vorlage des Roubaud Buches schreiben wollte.

Dann gibt es noch Würfeltexte. Aber dazu später. Zuerst ist sie ja noch in Zürich und packt ihren Koffer und das wird in den einzelnen Farbabschniten  genau angemerkt, wie es ja immer wieder auch zu anderen Textsorten kommt.

So gibt es beispielsweise auf Rot die 2.4.1.1.1. Anmerkung auf Seite 11 “Du bist ausgebilldete Architektin. Welche Rolle spielt dieser Hintergrund für dein Schreiben? (Aus einem Interview von Florian Neuner.”

Das ist vielleicht auch im Nachwort ein bißchen besser ausgeführt.

Dann fährt oder fliegt die Autorin dortihin, schreibt von ihrem Tagesablauf mit seinen “Zeitspannen als Formangebot”, in Rot als 3. 2. und in Blau bei  3.1.1.1.1. darüber heißt es “Woran dabei gedacht wird: Erzählinseln. Erzählflösse, Erzählpodeste, Erzähltreppen, Erzählteppiche, Erzählstühle, Erzählräder, Erzählfähren, Erzählbäume, Erzählrhizome, Erzählmikroludien, Erzählthriller”

Also immer noch sehr kompliziert für die nichtexperimentele Leserin.

Obwohl Florian Neuner in seinem Nachwort ja etwas vom mühelosen Stadterkunden schreibt und das wird offenkundlich mit der Würfeltechnik so gemacht.

“WÜRFELN (we do this by throwing  the dice)

Es ist der 30. Juli. Es ist sehr heiss. 2014, im nachhinein ein nachweisslich heißer Sommer”.

Und dazu gibt es noch Anweisungen in braun unter 3.1.1.1.1. auf Seite 54:

“Eigener Textversuch? Lassen wir das. Oder doch. Was ist ein Würfelgedicht. In Analogie zur Frage Roubauds, was ein Metrgedicht sei. Bei inem Würfelgedicht entsteht die erste Zele zwischen zwei Würfelwürfen. Diese wird am Zielort des vorhergehenden  Würfelwurfs niedergeschrieben. Die folgende Zeile bilet sich auf dem Weg zum Zielort des eben vollzogenenen Würfelwurfs.  Diese wiederum wird transkribiert nach Erreichen  des neuen Ziels. Nie wird während des Gehens notiert. Der letzte Vers entsteht während der letzten gewürfelten Etappe.”

“Aha!”, könnte man jetzt sagen und “Das ist ja noch komplizierter!”

Jetzt könnte die realistisch schreibende Verhaltenstherapeutin den Versuch wagen, das Ganze zu vereinfachen und Elisabeth Wandeler-Decks Buch wieder eine gespoilerte Inhaltsangabe zu verpassen:

Das Ganze ist also ein sehr experimentell verfaßter Bericht eines Aufentahlts in Skandinavien und man hat auf höchst komplizierte Art und Weise  von Elisabeth Wandeler-Decks Reiseerlebnissen erfahren.

Iich würde das Ganze  viel einfacher verfassen. Aber ich bin  eine realistisch schreibende Autorin, die aber angeblich auch sehr unverständlich ist und ich schaue immer noch gerne über den Tellerrand. Freue mich also auf das nächste Wandeler- Decker Buch oder Lesung, obwohl ich als nächstes zum Glück zu etwas wahrscheinlich Einfacheren greifen werde.