Tragik beim linken Wort am Volksstimmefest

Das betrifft nicht die Tatsache, daß ich wieder nicht beim linken Wort gelesen habe, sondern ist das Thema der heurigen Literatur am Volksstimmefest und die linke Wort Lesung wurde von Arthur West 1975, glaube ich, eingeführt, um die kritische Literatur unter das Volk zu bringen.

Ich habe mit dem “Arbeitskreis schreibender Frauen” das erste Mal dort gelesen. Vor mir war die Waltraud Haas, glaube ich, dran und hat mir gesagt, daß sie sehr aufgeregt wäre. Ich war das auch, denn damals haben ja die Jelinek, der Peter Turrini, die Marie Therese Kerschbauer, etcetera, dort gelesen.

1989, als das sozialistische System zusammengebrochen ist und wir gerade von unserer Amerikareise zurückgekommen sind, habe ich dann als Einzelperson aus meinen “Hierarchien”, glaube ich, gelesen und ich kann mich erinnern, daß mich Peter Turrini interessiert fragte, ob das ein Roman wäre?, während Arthur West tapfer versichert hat, daß der Sozialismus nicht gestorben wäre.

Das ist er wahrscheinlich nicht, trotzdem hat sich die Lesung ab da verändert, keine Elfriede Jelinek mehr, aber Franz Kain, Erika Danneberg, Arthur West, Ernst Hinterberger, etcetera. Ich habe ab da fast jedes Jahr gelesen. Ein Jahr gab es, glaube ich, kein Fest und einmal war ich durch die Betreuung meines Vaters verhindert und Arthur West ist 2000 gestorben. Vorher hat er die Organisation schon an Helmut Rizzy abgegeben, der dann auch mit den Anthologien begonnen hat und Christoph Kepplinger und Roman Gutsch haben es dann anschließend organisiert. Zuerst zu zweit, später Christoph Kepplinger allein, der dann 2019 oder vielleicht auch schon früher die Lust daran verloren hat. Aber dann kam ohnehin schon Corona und 2020 kein Fest. Anschließend hat dann Alex Hartl die Organisation übernommen und mich im April oder so eingeladen zu lesen .

“Gern!”, habe ich geantwortet, aber ohne G-Test und Maskenpflicht und ich bin auch im Programm gestanden. Alex Hartl wollte den Text vorher sehen und ich überlegte, was schicke ich hin? Daß die Kickl-Demo vielleicht nicht ganz passend wäre, habe ich schon geahnt und eigentlich wollte ich aus dem “Frühlingserwachen” lesen, habe aber dann im August 2021 gefunden, daß das nicht mehr aktuell ist. Damals habe ich gerade die “Hundert Seiten Depression” korrigiert und eine Szene hingeschickt und ein paar Tage später die Antwort bekommen, daß ich verstehen müße, daß ich das nicht da lesen kann.

“Warum oder drei Fragezeichen!”, habe ich hingemailt und dann noch ein längeres Mail geschrieben und mich auch mit Alex Hartl getroffen, der meinte, die Szene aus dem “Frühlingserwachen” könnte ich lesen, aber es gibt jetzt zwei G. also nicht.

Ich bin aber am Sonntag trotzdem hingegangen und gesehen, daß die Lesung anders geworden ist. Weniger und andere Lesung, nicht mehr die vielen, die in den letzten Jahren aufgetreten sind.

Aber vielleicht im nächsten Jahr habe ich gedacht, denn die Lesung auf dem Fest war mir ja sehr wichtig und eigentlich mein größter öffentlicher Auftritt.

Ist aber nichts daraus geworden, wieder wenige und andere Lesende und im Jänner dieses Jahres habe ich überraschenderweise ein Mail von Alex Hartl erhalten, der mich eingeladen hat, an einer Veranstaltung über Erika Danneberg mitzumachen. Da habe ich ihm dann noch einmal gesagt, daß ich gerne lesen würde und er hat geantwortet, er hätte es verstanden, aber leider leider wieder nichts.

Macht ja nichts oder schon, denn wir waren jetzt ja drei Wochen in Frankreich und sind extra so zurückgekommen, daß es sich mit dem Fest, das auch dem Alfred sehr wichtig ist, ausgeht und als ich kurz vor vier die Sigi Maron-Bühne erreichte, hat mich Alex Hartl freundlich begrüßt und mir den Programmfolder übergeben. Denn der neue Organisator, der sich die Moderation mit Barbara Urbanic teilte, macht es sehr genau. Es gibt ein Motto. Diesmal war es die “Tragik” und an Christa Wolfs Kassandra, die es jetzt vierzig Jahre gibt, wurde auch erinnert, sowie an Erwin Riess, auch ein Stammleser, der ja diesen Frühling gestorben ist.

Gelesen haben am Samstag sieben Autoren und zwei, die aus der “Kassandra” gelesen und die zeitgeschichtlichen Zusammenhänge kommentiert haben.

Begonnen hat es mit Petra Piuk, die, glaube ich, früher schon gelesen hat und die hat, glaub ich, aus “Wenn rot kommt” gelesen.

Der 1979 in NÖ geborene und in Bratislava lebende Martin Just folgte mit einer spannenden Geschichte von einer Physikerin, die plötzlich alle Katzen grün und blau sieht. Eine Melodie aus dem “Schwanensee” spielt dabei auch eine Rolle.

Die 1989 in Wen geborene Mercedes Konrberger war mir bisher auch unbekannt. Sie organisiert Lesungen und brachte einen sehr spannendes Text über eine Frau, die zu einer AMS-Maßnahme verdonnert wurde.

Richard Schuberth war mir dagegen bekannt und hat auch schon früher mit mir gelesen und er brachte einen Text, der mir etwas zu brutal war, nämlich eine Szene aus einem Theaterstück, das sich sehr kritisch mit der Flüchtlingsproblematik auseinandersetzte.

Kurto Wendt hat auch schon am Volksstimmefest gelesen und sein Text war ebenfalls sehr kritisch und beschäftigte sich mit einer Art Dystopie, nämlich mit einer Wahrsagerin, die voraussagte, daß die Welt in viereinhalb Jahren untergeht und was macht man bis dahin?

Wird man sein Leben ändern oder so weitermachen, wie bisher?, war die Frage und ob, die 1983 in Klagenfurt geborgen Elena Messner schon beim “Linken Wort” gelesen hat, weiß ich jetzt gar nicht. Ich habe sie aber vor kurzem bei dieser Literaturhausveranstaltung getroffen und sie hat aus ihren Roman “Schmerzambulanz” gelesen.

Da hat es kurz zu schütten angefangen, aber bald wieder aufgehört, so daß ich mit dem Afred den Rest des Abends beim Kuba-Stand verbracht habe, viele Bekannte darunter auch Robert Misik traf, den der Alfred auf seine 0e24TV-Diskussionen angesprochen hat und wissen wollte, was er damit erreichen will? Er will die Rechten überzeugen und zum Sozialismus führen, war in etwa seine Antwort, etwas was in Zeiten, wo sehr über den Kommunismus geschimpft und vor ihm gewarnt wird, sehr wichtig wäre und morgen geht es dann wieder mit dem Fest weiter.

Am Sonntag ist es dann beim linken Wort mit der 1985 in Wien geborenen Barbara J. Krammer weitergegangen, die mit starker Sprache einen sehr frauenbewegten Text von einer Frau, die keine Kinder will und bis vierzig braucht bis sie endlich die gewünschte Gebärmutteroperation bekommt, vortrug. Ein Text über den man sicher sehr diskutieren kann, von Erika Pavlovsky, die von mir wissen wollte, warum ich nicht gelesen habe, begeistert beurteilt wurde.

Die nächste Leserin war Barbara Eder, die auch schon am Fest gelesen hat und die jetzt in Berlin lebt und ihr Text behandelt das Radio und die Veränderungen, die es dort gegeben hat.

Dann folgte der in Berlin geborene Alexander Keppel, der den Traum eines Mannes beschreibt, der seiner Hochzeit entfliehen will, dann aber doch vom Schwiegervater aufgeweckt, sich dort hinbewegen wird.

Katharina Pressl, die 1992 in Wolfsberg geboren wurden las einen Text mit dem Titel “Tanzende Tiere”, der für das Fest geschrieben wurde und von einer Hanne mit einer Schuppenflechte handelt, die sich in Pension begibt.

Dann kam der mir bisher ebenfalls unbekannte Historiker Anton Tantler, der die Wüsten im Marchfeld beschrieb und die historischen Zusammenhänge erläuterte.

Die 1991 geborene und ebenfalls in Berlin lebende Anna Gien, die beim letzten “Bachmann-Preis” gelesen hat, beschäftigt sich in ihren Texten mit dem weiblichen Körper, las einen Ausschnitt aus ihrem Roman “Paris in Rom”, der mich der an die junge Valerie Fritsch erinnerte.

Simon Angerers Text “Die Kotmaschine” beschäftigte sich auf sehr experimenteller Weise mit den menschlichen Ausscheidungen und Maria Hofer deren zweiter Roman “Arsen” im Oktober in der Hauptbücherei vorgestellt wird, brachte, wie sie sagte, einen Nonsensenstext mit dem spannenden Namen “Wozu braucht man eine Weltraumpolizei?”

Das weiß ich eigentlich auch nicht. Das Thema für das nächste Jahr steht aber auch schon fest und wird “Farce” heißen. Ich bin gespannt und könnte schon einen diesbezüglichen Text schreiben. Jetzt wurden aber die bisherigen Anthologien verschenkt und wir sind auf die Arbeitsweltbühne zur Tina Trampler gegangen, die politische Lieder sang und wir die Ilse Kilic, den Fritz Widhalm, den Andi Pianka und die Eva Schörkhuber getroffen haben.

Dann gab es noch ein Abschlußkonzert auf der Volksstimmefestbühne mit den “Attwengers”, das die Leute sehr begeisterte und am Heimweg haben wir in der Straßenbahn Ljuba Arnautovic getroffen, die von mir wissen wollte, wann die österreichische Buchpreisliste bekanntgegeben wird?

Am Dienstag ist es so weit und jetzt hinein in den literarischen Herbst und das Fest war wieder sehr schön.

Aus Tagebüchern

Jetzt kommt ein skurriles Leseerlebnis, nämlich Erika Pluhar “Aus Tagebüchern” aus der Reihe “Neue Frau”, in den Siebzigerjahren erschienen und die 1939 in Wien geborene Erika Pluhar, die Burgschauspielerin, hat, glaube ich, nach Ende ihrer Karriere zu schreiben begonnen oder hat das früher schon getan. Die Tagebücher mit den schönen Zeichnungen sicher. Sonst bin ich auf die Autorin aufmerksam geworden, als es eines Tages an der Türe läutete oder ich im Postkästchen ihr “Spätes Tagebuch” gefunden habe. Da habe ich an einem Gewinnspiel teilgenommen und es längst vergessen und später noch das “Ende des Garten” im Schrank gefunden, wo es auch um das autofiktione Schreiben geht, das die Schauspielerin, die in den Siebziger-Achtzigerjahren, um Peter Vogel, Andre Heller, etcetera auch skandalumwittert war, wahrscheinlich mit der letzten Nobelpreisträgerin gemein hat, obwohl es auch erzählende Texte und Romane von ihr gibt, wo ich auch schon einiges gefunden habe und die Reihe “Neue Frau” an die ich damals unser Arbeitskreis-Manuskript “Spuren sichern Gewalt an Frauen- Frauen gegen Gewalt” schickte und von Angela Praesent, der Herausgeberin zu hören bekam, daß ein Expose etwas anderes ist.

Trotzdem habe ich mir die Reihe als frauenbewegte feministischte Frau gekauft, so auch Erika Pluhars “Aus Tagebücher” aber höchst wahrscheinlich nicht gelesen und so habe ich vor einer Woche aufgejauchzt, als in Saint Denis d´ Oleron vor dem kleinen offenen Bücherkästchen stand und da zwei deutschprachige Bücher fand.

“Hast du sie hineingestellt?”, habe ich die Doris gefragt, die den Kopf schüttelte, aber in dem gegenüberliegenden Bücherflohmarkt hat es auch einige deutsche Bücher aus den Siebzigerjahren gegeben und keine Ahnung, daß ich das Buch schon hatte. Ich habe es aber auf der Rückfahrt als ich mit den drei französischen Büchern, wo zwei davon auch noch sehr dünn waren, fertig war, damit begonnen, weil ich mich doch nicht an das Französische trauen wollte und das Buch ist auch sehr interessant. Es gibt schöne Zeichnungen und handschriftliche Notizen und am Buchrücken steht, daß die Autorin “Ihre Tagebücher zur Selbstbewahrung in einem Beruf, der fordert sich den Menschen auszuliefern”, schreibt und das Buch enthält Texte von 1969 und 1980, also eine Zeit, wo ich von der Straßergasse auf die Uni wechselte, Psychologie studierte und im Jänner 1980 promovierte und auch schon Mitglied im “Arbeitskreis schreibender Frauen” war.

In dieser Zeit bin ich auch manchmal ins Burgtheater gegangen und habe da wahrscheinlich auch die Pluhar, wie im Fernsehen gesehen, die sich auch als Sängerin betätigte und sich politisch engagierte.

irgendwo in dem Buch steht etwas von einer “hatscherten bürgerlichen Sozialistin”. Die Angst vor dem Alter kommt vor, damals war die Pluhar dreißig, die Neurosen und die Angst, um ihre Tochter Anna, die inzwischen, glaube ich, gestorben ist. Das “Späte Tagebuch” thematisiert diesen Thema. In dem Ersten geht die Tochter in der Schweiz in die Schule und wenn man an dem Buch etwas kritisieren kann, ist, daß die Anmerkungen fehlen. So wird erzählt, daß sie da und dort mit dem und dem unterwegs war und man weiß nicht recht ist der H. jetzt der Heller und der Franz ist das wahrscheinlich auch.

Also eine sehr intensive Einsichtsnahme in das Gefühlsleben einer ungewöhnlichen Frau, die wahrscheinlich ehrlicher und authentischer sind, als dasm was jetzt wahrscheinlich lektoriert werden würde. Schwer zu verstehen ist es wahrscheinlich für einen, der nicht in Wien lebt und sich daher bei einigen nicht ganz auskennen wird. Aber trotzdem interessant und auch das Leseerlebnis, das Buch 2023 auf der Rückfahrt von Frankreich zu lesen.

Als ich in meinen Buchkatalog sah, daß ich das Buch schon hatte, habe ich von der Doris den Kommentar bekommen, daß es wahrscheinlich nach Österreich zurückwollte.

Jetzt werde ich es also in Wien in den Kasten stellen, wo sich die Finder wahrscheinlich nicht freuen werden, denn Erstens unterstreiche ich ja alles und Zweitens ist das Buch schon sehr alt und daher beim Lesen etwas zerfallen.

Das andere werde ich bei meinen Bücherbergen aber nicht mehr finden. Aber trotzdem interessant, den Werdegang des Buches nachzuvollziehen und jetzt würde ich noch gerne wissen wollen, wer es in Frankreich in den Schrank stellte?

Theodor Kramer-Preis an Tanja Maljartschuk

Tanja Maljartschuk

Wieder einmal “Theodor Kramer Preis für das Schreiben im Widerstand und Exil”, den Konstantin Kaiser im Jahr 2001, glaube ich, gegründet hat und der seither Jahr für Jahr vergeben wird. Zuerst haben ihn die im zweiten Weltkrieg vertriebenen Autoren bekommen. Inzwischen werden die Preisträger jünger und seit einigen Jahren findet die Veranstaltung im Pfarrsaal in Niederhollabrunn statt, das ist die Marktgemeinde, wo Theodor Kramer geboren wurde.

Da gab es früher Führungen durch das Geburtshaus, die wurden, weil die Teilnehmer, das wahrscheinlich schon kennen, inzwischen abgeschafft und einen Shuttlebus der die meist Wiener Teilnehmer hinbringt, gibt es auch.

Wir sind heuer mit dem Auto von Harland gekommen und die 1983 in Iwano-Frankiwsk geborene Tanja Maljartschuk. die 2011, der Liebe wegen nach Österreich gekommeen ist, kenne ich schon lang, habe ich doch ihr zweites bei “Residenz” erschienenes Buch “Biografie eines zufälligen Wunders”, gelesen, das sie, glaube ich, auch bei “Buch und Wein” vorstellte.

20018 hat sie den “Bachmann-Preis” bekommen. Ihr Roman über einen ukrainischen Widerstandskämpfer “Blauwal der Erinnerung” habe ich gelesen und heuer hat sie die “Klagenfurter Rede zur Literatur” gehalten und der Ukraine Krieg hat sie, glaube ich, sehr getroffen und scheint sie in ihrem Schreiben zu behindern, wie sie in Klagenfurt thematisierte.

Peter Roessler hat diesmal moderiert. Der Bürgermeister eine kurze Begrüßngsrede gehalten. Musikeinlagen gab es auch und die Laudatio auf Tanja Maljartschuk hat Annemarie Türk gehalten von der Peter Roessler behauptete, daß sie die Autorin am längste kenne.

Ich kenne sie seit 2013, also auch schon ziemlich lang und die Autorin hat sich in ihrer Rede beim Publikum und bei der Jury für den Preis bedankt und am Schluß, was ich sehr spannend fand, das sehr berührende Kramer Gedicht “Wer läutet draußen an der Tür” auf Ukrainisch gelesen.

Es war wieder sehr voll in dem Pfarrsaal, Speck und Schinkenbrote, Topfenstrudel, Weintrauben, Wein und anderes hat es gegeben und ich habe einige bekannte Gesichter gesehen. Darunter Julia Danielczyk, die mir versicherte, daß sich durch die Auflösung der Literaturabteilung der Stad Wien nichts an der Stipendkienvergabe, etcetera ändern wird.

Was die Autoren wahrscheinlich beruhigen wird und mir egal sein kann, habe ich ohnehin nie eines bekommen und reiche auch nicht mehr ein.

Es sagt aber wahrscheinlich schon einiges über den Stellungswert der Literatur in der Gesellschaft aus, wenn die jetzt in die Abteilung für Mode, Kunst und Sport eingegliedert wird.

Der “Theodor Kramer Preis” war aber diesmal sehr beeindruckend. Man konnte auch Bücher der Gesellschaft kaufen und für die Ukraine spenden und mein “Ukraine Blues” wird ja jetzt auch bald erscheinen.