Wieder mit dem Rohtext fertig?

Ich kann es nicht anders, wird mein Freund Uli sicher sagen, da schwärme ich von den ellenlangen Romanen, die ich gerne schreiben will, dann buche ich ein Jurenka Jurk-Gratisseminar, habe große Pläne, nehme mir vor, es diesmal wirklich richtig zu machen, mir Zeit zu lassen, plotten, planen und je Seitenstrang einen Roman schreiben, damit ich über die fünzigtausend Nano-Worte, die, wie ich höre, ohnehinsehr kurz sind, komme, fange motiviert an, schreibe zwei drei Wochen und bin dann nach zwanzigtausend Worten und an die zwanzig Szenen und vierzig oder fünfzig Seiten fertig.

Früher war das an ders. “Die Radiosonate” ist, glaube ich, sehr lang geworden, die “Absturzgefahr” hatte auch ihre sechzigtausend Worte.Bei den “Nanowrimos”, die ich dann geschrieben habe, habe ich angestückelt. Der letzte war die “Flora Faun”, da habe ich, glaube ich, auch zwei Wochen mit dem Rohtextschreiben gebraucht, hatte aber die “fünfzigtausend Worte” und dann hat Jurenka Jurk in diesem Jahr schon sehr viele Gratisankurse angeboten. Sie ist da sehr großzügig und so sind die “Drei Frauen” wo ich die Idee ja schon hatte, danach sehr schnell entstanden. Das noch nicht an die Druckerei gegagen ist. Es gibt aber schon eine Vorschau” und dann hat es im Februar gleich wieder ein Gratiswebinar über die drei Fehler die man nicht machen oder sich ein starkes Ziel suchen soll und mein “Ukraine-Blues”, wo ich mich mit der Frage, ob man gegen Waffenlieferungen und gegen den Krieg, trotz der herrschenden Meinung, daß man dann ein Friedensschwurbler ist, sein darf, ist entstanden.

Das liegt jetzt beim Alfi und ist sehr kurz geworden, obwohl ich meine Heldin vor der Staatspolizei bis bis nach Chisinau flüchten ließ. Achtundvierzig Seiten zwar, weil ich eine große Schrift wählte, aber nur siebzehntausend Worte und siebzehn Szenen und jetzt ist mir das bei den “Toten” schon wieder passiert. Da ist mir die Idee ja beim Lesen von “Als wir Vögel waren” gekommen, denn da geht es ja um Tote und da dachte ich, da lasse ich eine Schwester, um ihren verstorbenen Bruder trauern und dann geht sie auf eineParty und sieht dort jemanden, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht und die demente Großmutter Emilie lässt sich partout nicht ausreden, daß das der verstorbene Bruder ist.

So weit so what, im April, bevor wir zur “Literatur und Wein” und dann nach Leipzig gefahren sind, ist mir diese Idee gekommen und dann hatte ich zwei Monate keinen Computer, mit dem Rad sind wir dazwischen auch von Bamberg nach Mainz gefahren und das Gstöttmeier-Buch war zu lektorieren, so daß ich fast darauf vergessen habe.

Dann kam wieder ein Jurenka Jurk-Seimnar, wie man sich die Idee einen Roman zu schreiben erlauben kann und auf was man dabei achten muß und ich habe losgeschrieben. Das heißt nicht so gleich. Zuerst habe ich ein bißchen geplottet, denn ich war mit dem “Ukraine Blues” noch nicht fertig. Dann habe ich die Fenster geputzt, bin dann auch wandern gewesen und der Roman hat sich entwickelt. Eigentlich ein Roman im Roman, denn da habe ich ja ein paar Horrorvideos gesehen, wie es mit dem sozialen Kreditsystem weitergehen und wie das Leben aussehen könnte, wenn die nicht Systemrelevanten in ein fünfzehn Minuten, fünfzehn Kilometer, fünftzehntausendfünfhundert Punkte-Grundprogramm ausgegliedert werden und ich dachte, das bietet Stoff für einen langen Roman. Also schaffe ich die fünfzigtausend oder noch mehr Worte und habe mit einer “2035-Szene” im Blog bekonnen. Dann kam die Zweite und ich habe nicht recht gewußt, wie integriere ich sie in den Roman, wo ich schon die Szene hatte, wo die Julia, den Fabian Krataky auf der Geburtstagsparty ihrer Freundin Mila trifft und tue ich das überhaupt? Habe dann vom Szenestückeln abgesehen und den Fabian über den Roman erzählen lassen und dann war ich auf einmal mit achtzehntausend Worten u nd achtzehn Szenen fertig. Die Oma ist zuerst auf die Uni ausgerissen, der Faban, der dort eine Vorlesung über Thomas Bernhard hielt, hat sie gefunden und die Julia angerufen, die sich nicht in ihn verlieben will. Dann hat die Mila den obdachlosen Soziologen Jury Steiner getroffen und der trifft dann die Emilie in der Hauptbücherei getroffen und am Ende finden sich der Fabian, die Julia und die Großmutter am Zentralfriedhof, wo der Fabian, der Großmutter seinen Roman vorliest.

Da hatte ich dann noch große Pläne, daß das jetzt ein langer Roman wird, habe die zwei Szenen, die ich schon im Blog hatte, eingefügt und dann noch eine dritte Szene geschrieben. Die liest der Fabian am Zentralfriedhof vor und Emilie Moser klatscht in die Hände und sagt “Jetzt glaube ich, daß du nicht mein Enkelsohn bist!” und einen Bart hat sich der auch wachsen lassen. So weit, so what, über fünfundvierzig Seiten, 22 189 Worte und siebzehn Szenen plus den drei Romanszenen, die nun eigene Namen tragen, sind es im Rohtext geworden.

Es tut mir leid oder auch nicht und natürlich habe ich das Ganze korrigiert, so daß noch ein paar Worte weggefallen sind und ich jetzt bei einundzwanzigtausend Worten stehe und dann das Ganze nochmals und länger schreiben und wirklich drei Geschichten aus den drei Handlungssträngen machen, noch was bezüglich Emil und dem Jury anfügen.

Eine Jury Steiner- Szene hätte ich ja schon, die ich am Tag unserer Main-Abreise am Hauptbahnhof erlebt habe und den utopischen Roman könnte man vielleicht auch noch länger machen. Ich nehme es mir ganz ehrlich, wie immer vor. Daraus ist zwar noch nie etwas geworden und es wäre auch egal.

Schreibe ich eben Kurzromane. Gedichte sind noch kürzer. Ich schreibe länger. Aber Monsterromane scheine ich nicht mehr zusammenzubringen. Macht ja nichts, ist egal und das, was ich brauche, wäre ohnehin mehr Aufmerksamkeit, will ich doch nicht noch einmal zehn Jahre alleine vor mich hinschreiben. Aber schauen wir mal, ob es so bleibt oder doch länger wird? Ich werde mich bemühen und dazwischen können meine Leser, die Gewinnspielfragen bei der “Dreimäderlhaus-Vorschau” auflösen.

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