Halbzeit bei den O-Tönen

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Der vierte Abend des heurigen Literaturfestes im Museumsquartier, das diesmal wieder im Haupthof stattfand und als ich mit dem Alfred vor halb acht dort eintraf, war es schon ziemlich voll und schwer einen Platz zu finden, den wir dann ganz hinten, eine Reihe vor Nadine Kegele und anderen Jungliteratinnen zu denen auch Pia Piuk, die diesmalige Debutantin, kamen, fanden.

Brigitte Schwens-Harrant, Jurymitglied des österreichischen Buchpreises und Staatspreisträgerin für “Literaturkritik” moderierte und stellte auch die Debutantin vor, deren Buch ich inzwischen gelesesen habe und das mich sehr beeindruckt hat.

Leider waren beim Vorgelesen bekommen die vielen abgebrochenen Sätze, in denen Pia Piuk ihre hyperaktive Protagonistin durch das Leben taumeln, beziehungsweise durch die Luft fliegen läßt, fast störend, beim Selberlesen habe ich es nicht so bemerkt, trotzdem ein spannendes Buch und  sehr beeindruckend der Realismus mit dem die Debutantinnen das harte Leben des Erfolgs und Scheiterns im Neoliberalismus schildern und dann kam als Hauptlesender Michael Köhlmmeier mit seinem “Das Mädchen mit dem Fingerhut”, eine Mischung zwischen Märchen oder Flüchtlingsschicksal, das ich in Leipzig, wo das Buch am blauen Sofa vorgestellt wurde, versäumte, das, wie Brigitte Schwens-Harrant in ihrer Einleitung erklärte, durch die Parabel besser rüber kommt, als wenn die harten Fakten der unbegleiteten Flüchtlingsschaft direkt angesprochen würden.

Da weiß ich zwar nicht so genau, ob ich dem zustimme, es gab auch diesmal kein Gespräch, so daß Michael Köhlmeier nichts erklärte und man gleich in Medias Res geworfen wurde oder mit der Einleitung der Moderatorin auskommen mußte.

Petra Piuk

Petra Piuk

Michael Köhlmeier

Michael Köhlmeier

Es geht jedenfalls, um ein wahrscheinlich namenloses, stummes, sechsjähriges Mädchen, das von einem Onkel auf einen Markt zu einem Bodgan geschickt wird.

Es versteht die Sprache nicht oder nur mangelhaft, hat von diesen Onkel und einigen Frauen aber Unterweisungen bekommen. So stellt es sich einfach hin und schaut, bis es zu Essen bekommt und wenn es das Wort “Polizei” hört, fängt es an zu schreien.

Auf diese Weise geht es eine Weile gut, bis der Onkel, der das Kind  jeden Abend von dem Geschäft des Bodgans, wo es den Tag verbringt, abholt, nicht mehr erscheint und es alleine loszieht, in einer Mülltonne landet und schließlich in einem Cafe von der Polizei aufgegriffen wird.

In Zeiten, wie diesen ein interessantes und sehr wichtiges Thema und ein Buch warhscheinlich, das man auch auf den beiden Listen, die es ja in ein paar Wochen gibt, finden wird.

Der 1949 geborene Michael Köhlmeier ist ja vor zwei Jahren mit seinen “Zwei Herren am Strand”, ein Buch, das ich inzwischen gefunden habe, auf die Longlist gekommen, ein Jahr früher mit seinen “Joel Spazierer” nicht.

Brigitte Schwens-Harrant hat noch ein paar andere Kählmeier Werke aufgezählt und nächste Woche wird es mit der Grande Dame, Friederike Mayröcker weitergehen, deren “fleurs” ja auch der österreichischen Liste stehen kann, die am sechsten September veröffentlicht wird.

Ein schöner, spannender und recht kurzer Abend. Gustav Ernst habe ich auch noch im Publikum gesehen.

Ein Adventkalender im August

Das neue Buch

Das neue Buch

Jetzt kommt etwas scheinbar ganz und gar Unpassendes, nämlich die Präsentation meines, wenn ich richtig gezählt habe, da tue ich mir schon etwas schwer, neunundreißigstens selbstgemachten Buches und dem dritten Teil der sogenannten “Flüchtlingstrilogie”, obwohl das “Serienschreiben” nicht geplant war und es eigentlich auch keine richtige Serie ist.

Aber das “Sommerbuch” und das “Winterbuch” hängen durch die Person der Fatma Challaki zusammen, die in beiden Büchern vorkommt. Bei den “Sommererlebnissen” ist die Literaturstudentin Sandra Winter Protagonistin ist und die ist die Freundinvon Nika Horvath und beide Bücher habe ich mehr oder weniger unfertig im “Read!!ingroom” vorgestellt, beziehungsweise probegelsen.

Die Fatma Challaki, wenn auch noch in einem anderen Rahmen, kommt auch in der “Pensionsschockdepression”vor und  in allen drei Büchern geht es um den IS Terror und die Flüchtlingsfrage.

Um die prekären Arbeitsverhältnissen von Literaturstudentinnen geht es in Buch zwei und drei und so hängen die drei, glaube ich, irgendwie zusammen und so habe ich sie auch “Flüchtlingstrilogie” genannt und um die Sache weitervoranzutreiben, wird auch in den “Berührungen”, wo es noch keine Vorschau gibt, auf sie Bezog genommen, da hat allerdings die Schriftstellerin Anna Augusta Augenstern sie geschrieben und schreibt jetzt einen Roman über eine pensionierte Lehrerin, die auf Reisen gehen will oder nicht will und die eine ehemalige Schlerin trifft, die mit zwei Studenten, ein Stück probt, in dem sich Heimito von Doderer und Stefan Zweig am 12. 2. 1934 im Cafe Central  treffen.

“Die Pensionsschockdepression oder Selmas Kopftuch” habe ich im Frühjahr 2015 geschrieben und das Buch am 23. 1. 2016 hier präsentiert, die Sommergeschichte, im vorigen Sommer in der Sommerfrische geschrieben, wurde im März fertig und zu Ostern hier präsentiert und da inzwischen, die im Jänner und Februar geschriebene Transgendergeschichte “Paul und Paula” nach dem Urlaub erschienen ist, sieht man, daß ich heuer bresonders schnell oder besonders fleißig bin, denn “Nika Weihnachtsfrau oder ein Dezember” ist schon das vierte Buch das 2016 von mir erscheint.

Flüchtlingstrilogie

Flüchtlingstrilogie

Manche werden das zu Recht oder zu Unrecht vielleicht kritisch sehen, ich bin aber stolz darauf und freue mich und die Idee des Adventkalenders ist ja eigentlich auch eine, die ich schon lange vor mich hertragen.

Eigentlich hat sich die Figur der Nika, Weihnachtsfrau schon 2013 entwickelt, als ich da in der Sommerfrische “Die Dreizehn Kapitel” geschrieben habe.

Beim vorigen “Nanowrimo” im letzten November habe ich dann den “Adventkalender” geschrieben und das Korrigieren der Geschichte hat ein bißchen länger gedauert, so daß das Buch erst jetzt nach der Transgendergeschichte erschienen ist.

Hurrah, Hurrah, ich präsentiere stolz und löse die Gewinnspielfragen auf, auch wenn es gar nicht zur Jahreszeit passt und ich meine Leser natürlich um Rezensionen bitte und solche Exemplare verschicke, kann man damit auch noch einige Monate warten und vielleicht inwischen vorher, wenn man noch nicht hat und noch will die “Sommergeschichte” lesen und rezensieren.

Die “Nika” schließt sich ohnehin thematisch daran an und man trifft bekannte Personen wieder.

Wer die “Prekären Sommerereignisse” beziehungsweise die ersten drei bis vier Szenen daraus, noch dazu mit Musikbegleitung  live hören will, dem kann ich empfehlen nächsten Montag um zwanzig Uhr ins Kulturcafe 7’* zu kommen, da ich da die Lifestimme bei einem Konzert mit Bernadette Zeilinger und Diego Mune darstelle. Die Bücher werden dort auch aufliegen.

Die Antworten aus der Vorschau sind:
Wie schon erwähnt, die Idee kam nach dem Schreiben der “Dreizehn Kapitel” und geschrieben habe ich die Geschichte im vorigen November anläßlich meines fünften “Nanowrimos”.

Die “Nika Weihnachtsfrau” kommt schon in den “Dreizehn Kapitel” vor.
Joe Prohaska ist ein Schauspieler, der in einem Kellertehater in Goegthes “Faust” den Faust spielt und der Vater der noch nicht geborenen Zoe-Philippa.

 

So das Gewinnspiel ist jetzt geschlossen, zwei Bücher habe ich gestern an die NB und an die “Alte Schmiede” um vielleicht wieder einen Textvorstellungstermin, vieleicht im Dezember, etcetera zu bekommen und ein drittes in den “Wortschatz gelegt.

Als ich von der Post zurück gekommen bin, war das Buch schon weg und kurz darauf hat mich, die Dame die es gefunden hat, angerufen, sich dafür bedankt und sich gefreut, daß es sie so frisch und neu, datiert mit dem 2. August gefunden hat und ich habe mich auch gefreut, bekommt man ja gerne Rückmeldungen. wer seine Bücher liest oder findet und in meinem Blog wird es im Dezember sicher wieder das eine oder andere Häppchen aus dem Kalender geben, habe ich ja vor einen Blogroman daraus zu machen.

Jetzt bin ich nur noch neugierig ob die “Berührungen”, die ich ja, wie ich hoffe, im Endstadium gerade korrigiere und dabei bin das Ganze derzeit laut zum zweiten oder dritten Mal laut vor mich hinzulesen, auch noch in diesem Jahr erscheinen werden und wann ich die Vorschau bei der es diesmal statt der drei Fragen ein “Mimikry-Ratespiel” geben wird,  präsentieren kann.

Das nächste wäre dann der Kroatienroman “Claire-Klara-Clarisse”, aber dem wird es wahrscheinlich erst 2017 geben. Alles andere wäre ohnehin zu viel, wie mir der Alfred immer sagt, der allerdings meine letzten Bücher sehr schnell lektoriert und die Endfassung erstellt hat, so daß ich heute stolz mein neues und viertes Buch in diesem Jahr präsentieren kann.

 

 

Wirf den Schaffner aus dem Zug

Von dem 1958 in Wels geborenen Dietmar Füssel, ein GAV-Kollege, habe ich schon viele Bücher gelesen und bin auch auf einigen seiner Lesungen gewesen, kann ich mich doch erinnern, daß ich ihn über den “Max von der Grün-Preis”, den er einmal gewonnen hat, ich nie, kennenlernte und dann später, als ich schon zu bloggen begonnen hatte, auf seine Website gestoßen bin, denn da gibt es ja ein monatliches Gewinnspiel, wo man eines seiner Bücher gewinnen kann und so bin  ich in Kontakt mit ihm bekommen und habe viele seiner Bücher gelesen.

Alle nicht, denn der Bibliothekar, Aktionskünstler und “Panthokanarier”, wie er sich nennt, hat sehr viele Bücher geschrieben, 1983 beispielsweise, eine Sammlung, seiner schwarzen Erzählungen mit dem Titel “Wirf den Schaffner aus dem Zug”, das auf der Frankfurter  Buchmesse mit dem “Preis des besten deutschsprachigen Erstlingswerk” ausgezeichnet wurde.

Das ist lange her und ich habe  erst mit “Rindfleisch”, das, inzwischen auch neuaufgelegt wurde und jetzt anders heißt, mit dem Lesen angefangen.

Zum Glück gibt es aber jetzt bei Vito von Eichborn oder bei “Vitolibro”, das ist, glaube ich ein neuer alternativer Kleinverlag, eines aktiven Literaturaktivisten, eine Neuauflage, die überarbeitet wurde, so werden die Preise darin in Euro und nicht, wie vermutlich früher in Schillingen angegeben und es sind auch Texte aus dem Nachfolgerband “Dietmar Füssels Wunderhorn”, der mir ebenso entgangen ist, darin enthalten.

Eine Menge kurzer böser Texte, denn Dietmar Füssels Eigenart und Besonderheit ist wahrscheinlich sein schwarzer Humor, mit dem er die Welt verdreht und so auf das Bizarre, das uns umgibt und das uns daher gar nicht mehr auffällt mit spitzer Stimme  oder Feder hinweist.

Sehr makabre kurze Texte und ich kann und will sie gar nicht alle nacherzählen, was man, da man ja selber lesen soll, auch gar nicht braucht.

Da fährt also einer mit dem Zug, der Schaffner verlangt, die Fahrkarte und wirft sie aus dem Fenster, dann verlangt er sie noch einmal und weil der Reisende sie nicht mehr hat und auch kein Geld für eine neue, wird er zum Tod verurteilt.

Zum Glück ist das wirkliche Leben nicht ganz so grausam, wie Dietmar Füssels schwarze Phantasie, denn da geht auch einer auf die Post, um einen Brief aufzugeben, bezahlt die Marke und sieht, wie der freundliche Beamte, den Brief in den Mistkübel wirft, darauf angesprochen zeigt er ihm drei Leichen von lästigen Fragestellern im Kasten. Der Erzähler geht zu Polizei wird verhaftet, denn man findet nun in seinem Kasten, die Leichen von drei Postbeamten.

Da kann man nur an die inzwischen mit der BAWAG vereinigte österreichische Post denken, daran, daß die Briefe oftmals erst am Nachmittag kommen  und man seine Pakete sich inzwischen beim “Heimtierprofi” einem Weinhändler oder einem Schneider abholen kann.

Alois Brandtstetter hat darüber auch ein berühmtes Buch geschrieben, das ich vor kurzem gelesen habe.

Bei Dietmar Füssel geht es aber munter weiter, da schickt ein Vater seinen Sohn in nächste Gasthaus, eine Flasche Bier zu holen, was jetzt streng verboten ist, 1983 war es das wahrscheinlich noch nicht, der Sohn trinkt also das Bier aus, wird von einer Hexe in die Flasche verzaubert, die nun der Vater trinken muß.

Eine Kellnerin beschwert sich über die betrunkenen Männer, die ihr auf den Po klopfen, ein Chef verwünscht seinen Buchhalter bei seiner Pensionierung, ein Obdachloser wird als Pharao in den Sarg des kunsthistorischen Museums gelegt, ein Mann wird schwanger und gebiert ein Stacheschwein und so weiter und so fort, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt und das Lesen der schwarzen bösen makabren Dietmar Füssel-Geschichten macht Spaß und regt zum Nachdenken an.

Das Lachen, das vielleicht kommen könnte, wird natürlich im Halse erstickt, so wie Eva, der Apfel, den sie vom Baum der Erkenntnis aß und mit dem sie Adam zum Bösen verführte, nicht schmeckte und sie stattdessen Bauchweh bekam, weil er natürlich vergiftet war.

Bei einigen Geschichten outet sich der Autor, als Erzähler und nennt sich Didi F., der vor seiner Lesung seinen Text erklärt und am Schluß in einer Irrenanstalt landet, weil er sich für den größten Erzähler aller Zeiten hält.

So schlimm ist es wahrscheinlich nicht und man kann mit diesem Irrglauben im Normaloland, das, glaube ich, auch öfter vorkommt, ganz normal leben, ein “Plagiat” im Untertitel der Geschichte “Die Verwandlung” gibt es auch und die ist dann natürlich ein bißchen anders, als die Berühmte von Franz K. und Sherlock Holmes wird vom Gevatter Tod mit der Sense in den Himmel geholt und dort langweilt er sich, weil es für ihn nichts Böses gibt und versucht Gott dazu zu zwingen, das für ihn zu erschaffen.

Ein kleines Kind wünscht sich dagegen vom lieben Gott ein “Nein zu Zwentendorf”, so steigt der auf die Erde herab konferiert mit dem Bundeskanzler, dem Kardinal und hält auch eine Brandtrede, die allerdings nichts nützt, so daß er Österreich das Atomkraftwerk, als Strafe wünscht, aber das, lieber größer Schriftsteller aller Zeiten, haben ja die Wähler verhindert und ein Papst hält seinen Gläubigen eine zu kritische Rede, so daß er von seinem Kardinal eliminiert werden wird.

Spannend, spannend diese “frivolen und fröhlichen, makabren und haarsträubenden, ironischen wie selbstironischen Geschichten, die Tabus berühren”, wie am Buchrücken steht und ich, die ich ja mit dem Humor manchmal meine Schwierigkeiten habe, habe mich gut unterhalten und empfehle also meinen Lesern, Dietmar Füssel zu lesen, der vielleicht nicht wirklich, der größte Schriftsteller aller Zeiten ist, aber ein sehr umtriebiger und bemühter, der noch dazu das Buch höchstwahrscheinlich bei seinem Gewinnspiel verlost. So, daß man man es mit etwas Glück gewinnen kann, obwohl es für dieses Monat vielleicht schon vergeben sein wird.

Also weiter seine Homepage lesen und es im nächsten Monat wieder versuchen, so habe ich es jedenfalls einige Male gemacht.

Literatur und Musik im Ground Zero

Die Einladungen zu den “Pfeifer-Kunst-Projekten” in der “Galerie Kunst Studio 38” in die Pazmanistengasse am “2. im 2. um 20 Uhr” bekomme ich schon lange, bin aber nie hingegangen, weil ich unterm Jahr ja mit  der “Alten Schmiede”, “Literaturhaus”, “Gesellschaft für Literatur”, etcetera,  beschäftigt bin, aber diesmal stellte Christian Schwetz, der Stiefsohn meiner Cousine Irmi sein neues Buch “Am Anfang war das A” vor und dem, den ich nach Ostern im vorigen Jahr beim Bücherdienstag im “Read!!ingroom” kennenlernte, habe ich ja einmal versprochen zu einer seiner Lesungen zu kommen und diesen etwas anderen Sommer etwas anders zu nützen, beziehungsweise möglichst alle Wiener Literaturangebote zu besuchen, statt immer nur auf den Rathausplatz zu gehen, habe ich mir auch vorgenommen.2

Heute war überhaupt ein literarisch interessanter Tag, ist doch die Kiste mit den “Nika-Exemplaren” angekommen, beziehungsweise konnte ich sie mir bei einem Weinhändler in der Ziegelofengasse  abholen, weil der aber erst um zehn Uhr sein Geschäft öffnet, habe ich vorher noch die ersten vier Szenen des Pedant dazu, der “Sommergeschichte” abgestoppt, denn hurra, hurra, als ich Samstags total erschöpft vom Hochschab zurückgekommen bin, hatte ich eine Einladung von Bernadette Zeilinger, die ich bei einem der “Margaretner Feste für Kunst und Kultur” kennenlernte, ob ich mit ihr am nächsten Montag nicht eine Spontanlesung im Kulturcafe 7* machen will und ich war zuerst auch noch so blöd ihr abzusagen, weil ich diesen Sommer ja am Montag in Harland bin, als ob ich nicht schon am Nachmittag nach Wien zurückfahren könnte?

Nun gut, das wurdegeklärt und ich habe mir beim ehemaligen literarischen Agenten in der Schäfergasse noch ein paar billige Bücher gekauft, dann habe ich mir Spaghetti gekocht, der Irmi, die zufällerigerweise heute auch zu Besuch gekommen ist, ein paar Krapfen aufgetaut und nach meinen zwei Stunden, meine inzwischen schon sehr kleine Bücheraussendung gemacht und eine Widmung in ein Buch geschrieben “Viel Spaß beim Lesen, Eva Jancak”, um es, wie es jetzt immer mache, bevor ich zur Post ging, in den “Wortschatz” zu legen. Als ich zurückkam, war es schon weg und ich dachte noch, das würde mich interessieren, wer es genommen hat, als ich ein paar Stunden später einen Anruf von einer Frau bekam, die sich für das Buch bedankte.

Dann bin ich in die Pazmanitengasse eingetroffen und war erstaunt Hilde Langthaler, ihren Mann Richard und Hermann Hendrich, neben Christian Schwetz anzutreffen und eine Ausstellungseröffnung, gab es in dem Gasthaus, in dem das “Studio 38” angesiedelt ist, auch.

Nach der Eröffnung und der Begrüßung ging es in den Keller, denn die heutige Veranstaltung war ein Crossover, der verschiedensten Ausdrucksformen und so hat zuerst Sabine W. Kaup ihre “Gedankensplitter” vorgestellt, und von “Liebe”, “Freundschaft”, “Tod”, etcetera gelesen.

Dann kam schon Christian Schwetz von dem eine Reihe von Büchern am Büchertisch zu finden waren und  das vorgestellte, war eine Reise durch das Alphabet, vom “A” des Dada, bis zum “Z” und dazwischen gab es Musikbebleitung, Gesang und Gitarre von “Novsad”, die schon viele Schwetz-Texte vertont haben.

Sehr interessant diese Reise durch die verschiedenen Buchstaben, das Aufwachsen in Floridsdorf und das Leben in Favoriten kam vor und die Reise durch das Leben “Wann i erst…., was dann wieder und wieder nichts geworden ist.

Ein eindrucksvoller musikalisch, literatrischer, fotografischer Abend, dazwischen bellte noch der Hund des Veranstalterpaars und nachher ging es wieder hinauf in das Gasthaus zum sich Unterhalten.

Richard Langthaler wird im nächsten Monat ausstellen, einen Karl Kraus Abend wird es geben und mal sehen ob es mich wieder Mal am zweiten in den Zweiten verschlägt.

Unnützes HamburgWissen

Nach den “Sommernomaden” geht es gleich weiter, mit den Sommer beziehungsweise Reisebüchern, denn im Sommer soll man ja reisen, obwohl ich ja  nicht so besonders reiselustig bin.

Ich nehme mir aber in die jeweiligen Urlaubsdesitnationen immer Bücher der jeweiligen Autoren mit, lese in Ungarn also Ungarn-Bücher, in Kroatien, die von Marica Bodrozic und Jagoda Marinic, im Salzkammergut, die übers Salzkammergut und am Hochschwab, wo wir ja Freitag und Samstag waren, nicht den “Hochschwab-Blick” aus dem “Haus” und auch nicht Peter Rosegger oder was anderes Lokalpatriotisches, nein, meine Leser werden staunen, , auf das Schießtlhaus, wo ich ja schon Judith Frank, Melamar und anderes  gelesen habe, habe ich diesmal das “Unnütze HamburgWissen” mitgenommen, bin aber bald daran gescheitert, beziehungsweise habe ich das Lesen über den Klaus Störetbcker und das Alsterwasser bald aufgeben und man wird fragen, wie ich auf diese vielleicht auch ein bißchen unnütze oder unverständliche Idee gekommen bin?

“Der Holzbaum-Verlag oder “Stadtbekannt” haben Schuld daran, denn die schicken mir ja alle ihre Publikationen zu und haben inzwischen drei Bände mit “Unnützen Wien Wissen” herausgegeben, wovon ich zwei gelesen habe und dann das über Habsburg, die Musik, etcetera und weil das so großen Erfolg hat, vielleicht die Stadt Hamburg einen solchen Band in Auftrag gab.

Und die begierige unnützes Wienwissenerforscherin kann gleich anmerken, denn jetzt habe ich das Büchlein ja in der Harlander Badewanne ausgelesen beziehungsweise überfolgen, daß es für eine Wienerin, die drei Mal in ihrem Leben in Hamburg war, vielleicht wirklich ein bißchen unnütz ist, sich unnützes Wissen über eine Stadt zu erlesen, die amn gar nicht kennt oder sagen wir, nicht so effektiv, denn Wien kenne ich ja sehr gut und weiß daher, was nützen kann und was nicht, über Hamburg kann ich das auch jetzt nicht sagen, so daß ich das Buch eher den Hamburgern oder den nach Hamburg reisenden empfehlen würde, aber dennoch war ich daran interessiert, denn ich war ja nicht nur dreimal in meinem  über sechzigjährigen Leben in Hamburg, ich hörte auch literairsch in letzter Zeit sehr viel davon, lebtdoch Martina Gercke, die Chefstewardess und Autorin vom “Holunder- und Champagnerküßchen” und anderen selbstgemachten Büchern dort, Norbert Gsrein wohnt jetzt dort und Dörte Hansen hat ein Buch über das “Alte Land” geschrieben und das ist ein Teil der Elbestadt, wie ich spätestens nach meiner unnützen Hamburg Lektüre weiß und Mara Giese die Buzzaldrin Betreiberin ist vor einem Jahr auch dorthin gezogen und stellt seither mehr oder weniger regelmäßig die wichtigsten Hamburgischen Buchhandlungen vor und weil die Literatur und Bücher ja nicht unnütz sind, kommen sie in dem blauen Büchlein, das einen Schwan am Cover hat auch nicht vor.

Die Stadt ist aber trotzdem  interessant und wichtig, hat die Reeperbahn in St. Pauli, den Hafen und den Hans Albers und ich hatte eine Tante, die Frau meines Onkel Hans, die aus Hamburg stammte und obwohl sie schon über vierzig Jahre in Wien lebte, immer noch ihren Norddeutschen Akzent nicht verleugnen konnte, während meine Tannte Mella, die in Kriegszeiten zum Spargelstechen nach Hannover ging und sich dort verehlichte, ihren Wienerischen Akzent bald verloren hatte und mit ihr und meinen Eltern habe ich als Zwölfjährige das erste Mal Hamburg besucht und bin die berühmte Reeperbahn entlanggegangen, wo ich mich an einem Nachtclubausrufer erinnern kann, der uns anlocken wollte und dann verstummte, als er mein Alter erkannte.

Dann war ich im Sommer 1975 oder 1976, in jenem Jahr jedenfalls, als in Wien, die Reichsbrücke einstürzte, dort bei einem Workcamp in St Georg, wo ich den Pfarrer Blazejewski kennenlernte, den ich dann zwei Jahre später über Weihnachten besuchte.

Das waren meine Hamburger Aufenthalte und das ist lange her und so wird sich die Stadt inzwischen sehr verändert haben, ich kann mich aber noch an eine Paddelbootfahrt erinnern, die ich als Nichschwimmerin damals mit der Gruppe an der Alster unternommen habe und an das Alsterwasser, das ich anschließend getrunken habe und wundere mich noch heute, daß ich das Bier Limo Gemisch hinunterbrachte und ich so schüchtern war, daß ich nicht gegen beides protestierte.

Was das Alsterwasser ist und woraus es besteht, wird in dem Buch, das aus sieben Kapitel: Historisches, Kulinarisches, Unterhaltsames, Verruchtes, Musikalisches, Sportliches und Mobiles besteht, genau erklärt, dazwischen gibt es noch schöne Bilder und für alle, die es noch nicht wissen, füge ich noch hinzu, daß es kein Reiseführer ist, sondern eine Aufzählung von Fakten, die vielleicht für Hamburg brauchbar sind, in Wien, in Harland und am Hochschwabgipfel aber wahrscheinlich nicht so besonders wichtig. Trotzdem weiß ich jetzt, wer Klaus Störtebeker war, daß die Hamburger groß und selbstbewußt sind, der Helmut Schmidt, der Kettenraucher, von dort stammte und auch die jetzige Bundeskanzlerin von Deutschland dort geboren wurde und erst danach mit ihrer Familie in die DDR umzog.

Sicherlich nicht sehr wichtig, all das zu wissen.  Johannes Brahm wurde auch dort geboren und verbrachte  seine Sommerfrischen in Mürzzuschlag, wo er ein eigenes Museum hat, füge ich etwas vielleicht auch nicht sehr Nützliches hinzu, was nicht in dem Büchlein steht, Hans Albers und die Reeeperbahn, nachts, um halb eins, wird erwähnt, das ist schon wieder etwas nützlicher und eines ist wohl der Wert des Buches, wenn man es, als eingefleischte Wienerin am Hochschab und in der Badewanne liest, es machte auch die nicht sehr Reiselustige, neugierig auf die Stadt.

Vielleicht finde ich einmal Dörte Hansens “Altes Land” in den Kästen, vielleicht lese ich Martina Gerckes Facebooknotizen und Mara Gieses Buchhandelsberichte noch ein bißchen begieriger und vielleicht komme ich wieder einmal in die Stadt-, die einen großen Hafen hat, wo der “Hamburger”, den ich ja sehr gern esse, das weiß ich jetzt gar nicht so genau, erfunden oder nicht erfunden wurde, jedenfalls seinen Namen daher hat und als ich in Hambrug war, habe ich beim Einkaufen genau gewußt, daß ich beim Schlachter, nicht beim Metzger oder Fleischhauer, wie man bei uns sagt, Hackfleisch und kein Faschiertes verlangen muß, -um mir die Sehenswürdigkeiten anzuschauen, durch die Mönckebergstraße, der teuersten Einkaufsstraße mit den größten Geschäften zu flanieren oder  mir Altona oder Blankenese anzusehen.

Vielleicht ist noch zu erwähnen, Hamburg ist eine Hansestadt und ein echter Hanseate muß mehrere gebürtige Vorfahren haben, ansonsten kann jeder sich so nennen oder eine Hanse betreiben und die “Niveacreme” in den blauen Dosen wird auch dort erzeugt.

Ein interessantes  Büchlein für das Sommerloch, wenn man depressiv auf der Terrasse oder im Strandbad liegt, würde ich vermuten, als Souvenier den Hamburgern mitzubringen oder auch neben dem Reiseführern für den Stadtaufenthalt, aber auch als Abendunterhaltung auf dem Hochwabgipfel geeignet, weil es leicht den Berg hinaufzutragen ist, auch wenn man dann wahrscheinlich nicht sehr viel oder nur Bahnhof versteht.

Sommernomaden

Jetzt kommt ein Sommerbuch, zehn Stories von Marianne Jungmaier, die ja das “Saiko-Reisestipendium” bekommen hat, die einen hinführen an die Orte dieser Welt und dennoch eigentlich viel weniger von den Städten oder Ländern, als von Lebensgefühlen und Beziehungen und, das alles in einer sehr poetisch schönen Sprache, die von vielen englischen Ausdrücken untersetzt ist, erzählen.

Ja, Marianne Jungmaier, 1985 geboren ist ein Kind der Achtzigerjahre aufgewachsen in den Neunzigern, “wo Bill Clinton Präsdient war, Dolly geklont wurde und der Disc- den Walk man ablöste”.

So reißt es die in Linz geborene herum, deren Debutroman ich im letzten Herbst gelesen habe und die ich auch einmal on der “Alten Schmiede” hörte, sie reist herum und schreibt Briefe oder Mails, wie das  heutzugtage heißt aus allen Gegenden, die sie dann beispielsweise mit Erika Kronabitter bei den “Wilden Worten”, las.

In Indien erfährt man von ihrem Großvater, der aus Kroatien flüchten mußte und von Miro, der kein spanischer Maler ist, sondern Miriolsav heißt, ebenfalls aus Kroatien kommt und in Indien so eine Art Hostel zu betreiben scheint.

Ihn hat Marianne Jungmaier beziehungsweise die Ich-Erzählerin “im Reiseführer für Fremde, dem ungeschriebenen Atlas der Unbekannten, die man einmal Freunde nennen wird”, gefunden.

Sie wird ihn wieder verlieren, denn das Leben und die Reisen der Sommernomadin geht ja weiter und sie wird ihn auch so niemals wiedertreffen “weil wir nicht gleich bleiben. Weil die Person, deren Reiseführer wir lesen, eine andere sein wird, schon im nächsten Moment.”

Wunderschön poetisch ausgedrückt und schon geht es weiter nach Venedig oder an den Banhof von Linz, wo sie “Eli mit den braunen Lederschuhen, den dunkelgrünen Wollsocken und einer Plastikmargarite im kurzen blonden Haar “trifft, mit der sie in Vededig ihren Geburtstag feiern wird.

Die schenkt ihr schon in Salzburg ein blaues Kleid und sie wird sie, die “so viel Verständnis für Neurosen hat”, auch verlieren, “denn  sie kann nur dann ich sein, wenn sie alleine ist”, sie wird sie aber auch wiederfinden, denn der Geburtstag ist noch lang und sie wird ihre Küße auch elf Monate, bis zu Elis Geburtstag in “Stanniolpapier” aufbewahren.

Nach Beldgrad in eine Stadt “in die man vor und während des Krieges offenbar nicht reiste”, ich war 1998 vor dem Kosovkrieg mit Anna und dem Alfred da um meine Tante Dora zu besuchen, geht es offenbar zu einer Lesung oder eine Kulturveranstaltung, dennnoch teilt sie mit Sergio, das Schlafsofa in ihrer Gastwohnung und denkt wieder an ihren Großpapa, der  von dort flüchtete und danach nach Norwegen ging, um dort eine neue Familie zu gründen.

In Berlin und London trifft sie sich  mit Mitgliedern ihrer “Reisefamilie”, die sie in Indien kennenlernte, besucht mit ihnen Nachtlokale, wo man  der Drogen wegen, die man später konsumieren wird, besser vorher den Weg am Handy markiert, hat mit ihnen Sex und man sieht, wie die Geschichten zusammenhängen und das Leben und die Beziehungen einer modernen Reisenomadin aussehen kann, während sie nach Island, eine sehr starke Geschichte, offenbar mit ihrer Mutter reist, mit der sie Schwierigkeiten hat.

Sehr zart werden die Differenzen, das Ausweichen und das Nichtaushalten von Nähe angedeutet, die nur “sie” genannte Reisepartnerin zahlt für sie, was der Erzählerin Schwierigkeiten macht, denn “wo bleibt da der Ausgleich des Gebens und Nemens?”

In “Die Heimat der Kolibris” geht es nach Brasilien, das Land der Zukunft, wie Stefan Zweig vor über siebzig Jahren schrieb.

Marianne Jungmaier wird es anders erlebt haben, geht es doch mit einer Nachbarin, der deutschen Wiebke oder Wi zu einer Caroline, die sie im Flugzeugt kennenlernte und die ihr auffiel, weil sie dort die Decken einsammelte, dann erzählte sie ihr, daß sie einer Religion angehöre, die ihre Feste mit einer drogenähnlichen Substanz zelebriert. Zu so einer Zeremonie, wo alle weiß gekleidet sind, brechen die beiden auf und die Kolibris, die Namengeber der Geschichte, flirren ums Haus.

In Schottland geht es wieder in ein “Writer Retreat” oder zu einem Stipendienaufenthalt, wie sich die prekären Arbeitsverhältnisse aufstrebender Jungautoren abzuspielen scheinen und zwar in ein ganz spezielles, in ein Schloß einer alten Dame namens H, das von einem Manager geleitet wird, der gleich beim Ankommen erklärt, “daß es der Ettikette entspricht, daß sich Günstlinge und Gebende nicht begegnen”.

Ja, es ist hart  das Mäzenatentum auch noch im einundzwanzigsten Jahrhundert und die Jungautoren sind wohl auf solche Begünstigungen angewiesen, so sind gerade  zwei Frauen und zwei Männer anwesend. Namen darf der Manager nicht nennen, es gibt drei Mahlzeiten am Tag, eine große Bibliothek, aber kein Internet und auch keine Möglichkeit außer halb des Parkes die Gegend zu erforschen oder einkaufen zu gehen. Denn das Schreiben ist das Wichtigste. Begegnungen mit den anderen Günstlingen gibt es also nur beim Frühstück mit der selbstgemachten Zitronenmarmelade oder abends beim drei- oder viergängigen Dinner. Da huscht dann auch manchmal die Mäzenin, begleitet von einem Gewehr vorbei und Marianne Jungmeier hat Zeit an ihren Texten zu arbeiten oder  eine makaber schöne Geschichte zu schreiben.

Es geht dann noch nach Nevada  und am Schluß nach Kerala zu einem Jogalehrernamens Steve, der mit einem Scooter fährt und mit dem sie Silvester verbringt, womit sich der Kreis wieder schließt und wir sind an den Anfang der Geschichten  zurückgekommen, die von Trennungen und Begegnungen, sich Verlieren und dem Wiederfinden, Sex, Drogen, Vegie-Momos, Cuppuccinis, Keksen, etcetera handeln und, wie nicht nur der letzte Text zeigt, nicht nur im Sommer spielen.

Der Klappentext hat noch ein Foto der sehr fotogenen jungen Frau, die vor einem Stapel alter Koffer posiert, wahrscheinlich ist sie eher mit Rucksack und Trolley losgereist, um “Ihre Geschichten aus dem Inneren der Ferne voll magischer Momente und einzigartiger Begegnungen”, wie am Buchrücken steht, zu erleben.

Sommergeschehen

Daß der heurige Sommer mit den Sommerfrischenwochenenden ein wenig anders werden wird, als die vorigen, habe ich schon geahnt, bin ich ja nur für ein verlängertes Wochenende in Harland bei St. Pölten, wo ich dem Alfred an den Freitagen meistens helfe, die Thujen, die er abschneidet, wegzuräumen, am Samstag sind wir am Markt, am Sonntag auf der Rudolfshöhe, da bleibt nicht sehr viel Zeit für mein Schreiben, beziehungsweise dem Korrigieren der “Berührungen”.

Das habe ich dann in Wien, in den Zeiten wo ich keine Stunden habe, getan, habe da wieder gedacht, ich bin bald fertig und kann bald mit meinem Sommerroman “Claire Klara Clarisse” beginnen, dann aber prompt Fehler um Fehler gefunden und da ich in der vorigen Woche ja einige Mails vom User Uli bekommen habe, der meinte, daß ich nicht schreiben kann und nur unverständliches Zeug fabriziere, bin ich in mich gegangen und habe angefangen, den Text laut vorzulesen, womit ich mit dem Korrigieren wieder am Anfang war und wahrscheinlich den Rest des Sommers damit beschäftigt sein werde.

Aber eigentlich habe ich das ohnehin so vorgehabt und ist mir bei meinen früheren Texten auch so gegangen.

Diese Woche hatte ich aber nicht viel Zeit dazu, denn am Montag habe ich dem Alfred nicht mit den Thuljen geholfen und bin auch nicht. wie die zwei Wochen davor in Wien gewesen, weil ich doch Stunden hatte oder der Alfred seine Begtriebratsitzungen, sondern wir haben einen Auflug in das Mühlviertel gemacht.

Einen alternativen Shoppingtag könnte man so sagen, denn der Alfred hat eine Sendung des bayrischen Rundfunks über das alternative Handwerk in Oberösterreich gesehen, dann sind wir zuerst in das Landbrauhaus Hofstetten gefahren, um einzukaufen, weil es im August wieder ein Geburtstagsfest geben wird,  dann waren wir in Lembach in einem tollen Bio-Restaurant Mittagessen, bevor wir zu “Naturfaser Fölser”, einem kleinen Betrieb in Helfenberg fuhren, wo sich der Alfred zwei Hosen bestellte.

Dann haben wir noch seinen früheren Arbeitskollen besucht, der in der Nähe mit seiner Frau einen alternativen Bauerhof betreibt, haben seine Schafe und seine Enten bewundert und Felizitas hat mir von ihrer Tante Maria Hauser erzählt, die eine Lokaldichterin ist und da bin ich darauf gekommen, daß ich mir aus Leipzig ein Buch von ihr mitbrachte, da dort der Stand der Oberösterreicher ja immer Gratisbücher zu freien Entnahme hat, das ich noch lesen muß.

Ja, das Mühlviertel ist, sowohl was den Genuß und die Naturfasern betrifft, als auch bezüglich der Literatur aktiv, hatte die Ruth ja auch einmal ihren Verlagssitz dort, als sie noch die “Edition die Donau hinunter” betrieb und diesen Freitag und Samstag bin ich mit dem Alfred auf dem Hochschwab gewesen, etwas was mich fast ein wenig übernommen hat, aber auch sehr schön war.

Morgen werde ich mir den Text weiter laut vorlesen und hoffen bald damit fertig zu werden und die “Nika” wird am Montag warhrscheinlich auch ausgeliefert werden.

So daß es eigentlich ein intensiver Juli gewesen ist, der mit dem “Bachmannpreis” und der “Sommerakademie” begonnen hat.

Bei einigen literarischen Festivals bin ich in Wien gewesen, habe mir zweimal die Ö-Töne und zweimal die “Podium- Sommerlesungen” angehört, am Karlsplatz beim Filmfestival bin ich gewesen und vorigeWoche auch zweimal am Rathausplatz und im August wird es mit einem Ausflug nach Innsbruck und dem Besuch eines Hauermarktes weitergehen und natürlich auch mit dem Korrigieren der “Berührungen”, die ich wirklich hoffe einigermaßen fehlerfrei hinzukriegen, so daß es bald auch eine Vorschau mit einem “Mimikry-Gewinnspiel” geben wird.

Das Cover mit den Bücher, die in dem Roman vorkommen, haben wir schon gemacht und die “Bierdosengeschichte” aus der letzten Schreibgruppe werde ich verkürzt, als Beschreibungstext nehmen und ein schönes Gedicht von Richard Weihs wird es als Motto auch geben.

Zwei Tiroler mit viel Freiheit

Friederike Gösweiner

Friederike Gösweiner

Nachdem ich letzte Woche die O-Töne ausgelassen habe, weil ich Eva Schmidt schon in der “Alten Schmiede” gehört und Irmi Fuchs Debut schon gelesen habe, habe ich mich diesen Donnerstag mit dem Alfred im Museumsquartier getroffen.

Die O-Töne finden ja abwechselnd im Haupthof und bei den Boule Bahnen, je nach Prominenz der Lesenden offenbar, statt.

Wenn es regnet geht es ins Quartier 21, wo übernächste Woche auch Friederike Mayröcker lesen wird, diesmal also in dem kleinen Hof, dafür zwei Moderationen, da Daniela Strigl offenbar die Debutreihe betreut, während die Hauptlesenden  von abwechselnden Hauptmoderatioren angekündigt werrden, der diesmal Klaus Zeyringer war, der auch  bei “Literatur und Wein” den Samstag moderiert und ein Bild der diesmaligen Debutantin gibt es schon in meinem Blog, hat sie ja Alfred in Leipzig im Österreich-Cafe fotografiert und auch ihr Buch gekauft, während mir die 1980 in Tirol geborene Autorin bisher eher unbekannt war.

Ihr Roman  “Traurige Freiheit” ist bei “Droschl” erschienen und handelt von der schönen neuen freien Arbeitswelt des Prekariats, ein trauriges Buch, wie Daniela Strigl ankündigte, beziehungsweise hat es Karl Markus Gauss so beschrieben, das von einer Hanna handelt, die mit einem Jakob, einen Arzt, in einer Stadt wie Innsbruck lebt und in Berlin die Chance auf ein Volontariat bekommt.

Norbert Gstrein

Norbert Gstrein

Jakob will zwar keine Fernbeziehung, eine Freundin stellt ihr aber eine Wohnung zur Verfügung, das Volontariat geht offenbar schief, zu Jakob kann sie  nicht zurück, so bleibt sie in Berlin, hat kein Geld, arbeitet tagsüber in Bibliotheken, nimmt Abends Schlaftabletten.

Das Leben ist hart und Daniela Strigl hat in ihrer Einleitung auch noch vom Scheitern gesprochen.

Friederike Gösweiner bedankte oder beschwerte sich danach, daß sie als Vorhut lesen müsse oder dürfe und meinte, daß der ebenfalls Tiroler Norbert Gstrein, der, glaube ich, aber inzwischen in Hamburg lebt, ihr Buch schon Korrektur gelesen habe, der lobte es dann sehr, bevor er mit seiner “Freien Welt” begann und da habe ich die Buchvorstellung auch schon in der “Alten Schmiede” gehört und da las Norbert Gestrein aus dem Roman, wo ein österreichischer Schriftsteller namens Hugo, den Lebensspuren des jüdischen Schriftstellers John, der kein Opfer sein will, aufspürt, fast die gleichen Stellen, nur bei der ersten, wo die Beiden ein Jahr vor Johns Tod durch die Wüste fahren, bin ich mir nicht ganz sicher, dann kam aber die Stelle mit dem Nachruf in der Buchhandlung in San Francisco und auch die letzte Stelle wo er nach Israel fliegt und mit John Mauthausen besucht, habe ich, glaube ich, schon gehört.

Neu war für mich, daß Norbert Gstrein, wie Klaus Zeyringer betonte, seine Schreibprozesse immer in seine Romane einbezieht und das finde ich  sehr interessant und am Schluß wies der Autor noch auf ein Buch von Claude Simon hin, das er in den offenen Bücherkästen Hambrugs gefunden habe und das man lesen solle.

20160728-202011

Man soll vielleicht auch “In der freien Welt” lesen,  jedenfalls konnte man sich das Buch, wie auch das von Friederike Gösweiner signieren lassen und ich bin gespannt oder erwarte es mir eigentlich, daß es entweder auf die deutsche oder österreichische oder vieleicht sogar  auf beide Buchlisten kommt und dann bin ich gespannt, ob es zu mir kommt.

Ansonsten warten in meinen Regalen von meinen Bücherfunden ja noch “Die englischen Jahre” und “Das Handwerk des Tötens” auf mich. “Einer” und “Anderntags”, die Frühwerke habe ich aber, glaube ich, auch noch nicht gelesen.

Die Stadt Anatol

Nun kommt wieder eines der Bücher von Alfreds Bücherstapel.

“Die Stadt Anatol”, des von 1879-1951 lebenden DDR-Schriftstellers Bernhard Kellermann, 1932 geschrieben, 1936 verfilmt, 1980 in dritter Auflage bei “Volk und Welt” erschienen.

“Wikipedia” entnahm ich, daß Bernhard Kellermann mit dem Roman “Der Tunnel” bekanntgeworden ist, 1920 den Roman “Der neunte November” geschrieben hat, womit er bei den Nazis in”Ungnade” fiel, worauf er aber weder emigrierte, noch Widerstand leistete, sondern fortan Trivialromane schrieb.

In der DDR gründete er dann mit Johannes R. Becher einen Kulturbund, bekam auch den Nationalpreis.

Ob es sich bei der “Stadt Anatol”, um einen der besagten Trivialromane handelt, ist mir nicht ganz klar geworden, die Verfilmung wird als Abenteuerfilm bezeichnet, mir scheint das Ganze eher eine Farce auf den Kapitalismus zu sein. Das verschlafene Städtchen Anatol liegt irgendwo neben Europa, da auch von Belgrad und Bukarest die Rede ist, wird es wohl im Osten sein und im Klappentext steht etwas davon, “daß man am Morgen, auch wenn man im besten Hotel abgestiegen ist, am Morgen beim Aufwachen das Geschwätz von Bäuerinnen und das Gequietsch von Schweineherden hört.”

In diesem Hotel steigt  der junge Ingenieur Jacques Gregor, ein Sohn der Stadt, der aber in Wien studierte und jetzt offenbar von Paris zurückkommt und wird vom Hotelier zuerst fast hinausgeworfen, hat er doch seine letzte Zeche nicht bezahlt und seine Brüder, ein Rechtsanwalt und ein Gelehrter weigerten sich das für ihn zu tun.

Das Städtchen hat aber noch andere Bewohner, eine Baronin, die für ihre Tochter Sonja, den besten Ehemann sucht. Jacques Freund Janko, ein Offizier, der spielt und trinkt und hoch verschuldet ist und dann gibt es noch einen seltsamen Bauern und Einsiedler, dessen Tochter Franziska, was eigentlich sehr modern ist, den Vater anklagte, sie mißbraucht zu haben.

Er wurde aber freigesprochen, die Tochter für verrückt erklärt und ist  im Städtchen nicht gut angesehen. Sie hat bei einer Tante in Bukarest gelebt, jetzt kommt sie , nachdem der Vater  gestorben ist, zurück und wohnt im Hotel neben Jacques.

Warum der überhaupt in einem Hotel absteigt, ist mir nicht ganz klar geworden, er benimmt sich aber sehr geheimnisvoll, spaziert in der Stadt herum, nimmt Gesteinsproben und telegraphiert immer mit einem Berliner Bankhaus mit dem er Geschäfte machen will.

Er befreundet sich auch mit Franziska, die, als sehr bäuerlich, beziehungsweise ordinär geschildert wird, ihn aber immer spöttisch anlächelt, als würde sie ihn durchschauen.

Von ihr will der Berliner Bankier, der nun doch mit Jaques Geschäften einverstanden ist, den Bauernhof ihres Vaters kaufen, sie weigert sich aber und verpachtet ihn nur, der Bruder Roul, will  Jacques, damit er sich nicht mehr länger im Städtchen herumtreibt und ihm Schande macht, Geld anbieten, damit er wieder ins Ausland geht.

Dann kommt aber ein Telegramm und die Nachricht, daß in dem Brunnen des Bauernhofes Erdöl gefunden wurde. Das Städtchen verändert sich über Nacht und die Rechtsanwälte und Bankbeamten haben viel zu tun. Neben dem Hotel wird ein Schild “Anatol Naphta AG-Alvensleben & Co – Berlin -New York” aufgestellt.

Spekulanten, Erdölarbeiter und Ingenieure kommen, der Hotelier Koroschek will neben dem “Trajan” ein neues Hotel ganz aus Glas aufstellen, der Kaufmann Rotkehl mit den beiden verheirateten Töchtern, die aber kurz nach der Hochzeit wieder  zu ihm zurückgekommen sind, will ein sechsstöckiges Kaufhaus bauen und die Vergügungsetablissements florieren.

Ein Kinopalast namens “Traumland” entsteht, man sieht Bernhard Kellermann ist wirklich sehr modern, der Buchhändler breitet Bücher über Sex und Verhütung in die Schaufenster und die jungen Frauen, Mädchen aus bürgerlichen Familien stehen davor Schlange und der Doktor Wossidlo, Sohn des Apothekers beginnt eine Abtreibungsklinik, zu moderaten Preisen, zu betreiben.

Auch die Schwindler kommen und schütten Erdöl über den Friedhof und Janko wird von seinem Bruder Boris, der auch eine Erdölgesellschaft gegründet hat, nach dem Tod des Vaters aus dem Haus geworfen, der gewinnt aber plötzlich durch die Erdölspkulationen Riesensummen und wirbt, um Sonja weiter, die aber sehr fromm und keusch,  zuerst von ihren Verehrern nichts wissen will.

Köstlich, die Veränderung von Jaques Bruder Roul, dem Notar, dem sein Püppchen Olga, die sehr eifersüchtige Ehefrau, aus dem Hause treibt, als er eine Bardame, die sich nun auch in dem verschlafenen Städtchen angesiedelt hat, beraten will.

So gibt es Geschichte um Geschichte und auf und abs. Bauern werden zu Millonären und andere werden von Spekulanten aus dem Haus getrieben.

Die Baronin verliert ihr Geld und geht mit dem von Janko auf Reisen, der sich plötzlich zum Guten zu verändern scheint und sich dann doch wieder in die Bordelle zum Spielen und zum Trinken begibt.

Boris Erdölgesellschaft macht bakrott und nun muß er sich an den Bruder wenden und die von Jacques gegründete, wechselte die Besitzer und die neuen werfen auch ihn, der, wie Franziska, die sich zur feinen Dame gewandelt hat, die Geschehnisse durch einen spöttischen Schleier sieht, hinaus.

Janko verlobt sich schließlich doch mit Sonja, will sie in Wien heiraten und baut ihr schon ein Haus aus Gold und Marmor, mit, wie sie es sich wünscht,einem Musikzimmer und einer Bibliothek, dann wird er aber ermordet. Jaques hat die Stadt verlassen und die Spekulanten und moralsch Herabgekommenen bleiben in Anatol zurück.

Am Schluß gibt es noch eine Notiz, beziehungsweise eine Erklärung des Verlags, daß es Bernhard Kellermann nicht nur um einen “Erdölroman” gegangen ist, obwohl er sich die Funde, die es in Rumänien und Baku gegegeben hat, sehr wohl angesehen hat.

“Nicht das Öl sei der Held des Roman, sondern die kleine, stille Balkanstadt, am Rande der Zivilisation  gelegen: der Held, das sind ihre Bürger. Die soziale Struktur der Provinzstadt wird gesprengt, die gesellschaftlichen Schichtungen verwerfen sich, die moralischen und ethischen Grundmauern, die fest, wie Felsen schienen, gehen in die Brüche.

Diese symptomatische Vorgang, die Auswirkungen des technischen Fortschrittes unter kapitalistischen Bedingungen, ist das eigentliche Thema des Romans. Kellermann kommt zu denm Schluß: “Solange die Bodenschätze der privaten Spekulation ausgeliefert sind, werden die Menschen nicht anders handeln, als die Leute in Anatol.”

Was wohl ein Grund dafür ist, daß das Buch aus denNeunzehnhundertdreißigerjahren 1980, in der DDR, die es ja schon lange nicht mehr gibt, erschienen ist.

Bernhard Kellermann ist inzwischen wahrscheinlich auch vergeßen und der Roman nur mehr im Antiquariat erhältlich. Die Spekulationsgeschäfte des Kapitalismus gehen aber lustig weiter, wenn sie auch heute eine andere Form angenommen haben und die Spekulanten anderen Namen tragen.

Lucy fliegt

Jetzt kommt ein Buch, das ich fast übersehen hätte, obwohl ich ja auf der “Kremayr&Scheriau-Release-Party” war und mir Gustav Ernst dort Petra Piuk vorstellte und “Bücherwurmloch”, die unermüdliche Salzburger-Bloggerin, hatte es, glaube ich, mal auf ihrer Faebookseite und bei den O-Tönen, wird auch vorgestellt.

Da bin ich dann auf Petra Piuks “Lucy” fliegt gekommen, habe das Buch, weil Debuts ja wichtig sind und es ja jetzt auch einen “Debutpreis” gibt, bestellt und gelesen und war wieder einmal überrascht über den neuen frischen Ton, in dem da eine die Nöte oder “Krankheit der Jugend” beschreibt.

Dabei ist die 1975 geborene Petra Piuk, die, wie viele junge Literaturstars, die “Leondinger Akademie” besuchte, vielleicht hätte ich das auch machen sollen, aber vielleicht hätte Gustav Ernst mich nicht genommen, gar nicht mehr so jung, sie hat aber lange im “Doku-Soap-Bereich” gearbeitet, wie ich dem Klappentext entnehme und genau darum geht es in diesem Buchdebut, in dem die Nöte, Ängste, Schwierigkeiten, die junge Frauen heutzutage haben, wieder einmal sehr treffend und auf andere Art und Weise beschrieben werden, wie es beispielsweise Helene Hegemann, Ronja von Rönne, Ekatarina Haider, Olga Grjasnowa, um nur ein paar Bücher, die ich gelesen habe, zu nennen, tun.

Da ist Luca, 23, die eigentlich Linda heißt und von ihr handelt der Roman, auf dem es auf jeder Seite ein kleines Flugzeug zu sehen gibt.

Denn Lucy fliegt, wie schon der Titel sagt, nach Hollywood oder L.A, um dort eine Karrere als Schauspielstar hinzulegen, den Oscar, zu empfangen, der rote Teppich ist schon ausgebretet und wem diese Jungmädchenphatasien zu heavy sind dem kann ich daran erinnern, daß die fast dreiundsechzigjährige Blogbetreiberin, ja auch vom Nobelpreis träumt und dann jedesmal aufjapst, wenn wieder einer schreibt, “Kann es nicht sein, daß Sie nicht schreiben können, gute Frau!

Auch die Form ist bestchend. Denn da gibt es immer ganz kurze Abschnitte, die mit “Lucy 23, will nach oben” oder “Lucy 23, hat pralle Brüste”, etcetera beginnen und dann folgt das jeweilige Kapitel.

Um gleich ein bißchen zu mäken, mir scheinen diese Überschriften, wie man sie ja vielleicht auch in der E.T.A Hofmannschen Manier finden wird, dann nicht immer von dem folgenden Kapitel genügend abgehoben, wenn da ein Lektorat vielleicht darauf geachtet hätte, daß das zwei paar Schuhe sind und oben knapp zitiert wird, was unten dann ausgeführt, wäre es vielleicht mehr gewesen oder dichter geworden.

Und dann hinein in das Leben oder in den Flug dieser jungen, Frau, dieser dreiundzwanzigjährigen Linda, die in einem Wiener Gemeindeau aufgewachsen ist, Schöpfwerk oder Rennbahnsiedlung würde gut passen, das Buch spricht von Floridsdorf, der Vater hat sich irgendwann verabschiedet, bevor er die Kindergartenzeichnung, der Vierjährigen mißachtete, die alleinerziehende Mutter ist mit der aufgeweckten Kleinen  überfordert, denn die bricht die Schule ab, fickt alle Burschen, ist also frühreif und hat hohe Pläne.

Denn Lucy will ja, wir wissen es schon, hoch hinaus, sie will Schauspielerin werden, aber nicht nur irgendeine gewöhnliche, die dann vielleicht als Statistin auftritt oder Joghurt Reklamen dreht, sie will den Oskar, sie will nach L.A und dafür ist sie bereit alles zu tun.

Sie hat auch jede Menge Ratgeberbücher dafür schon gelesen oder in der Tasche und darin steht dann all das Zeug, wie man es beispielsweise auch auf der Autorenseite von Annika Bühnemann, die ja junge Autorinnen auf dem Weg zu dem Erfolg berät, finden kann, wie “Du hast dein Leben in der Hand!”, “Alle Türen, stehen, dir offen”,”Du bist deines Glückes Schmid!”, “Denk positiv!”, etcetera.

Und so wurschtelt sich Linda tapfer und entschlossen auf dem Weg nach oben. Sie nennt sich dazu, als erstes Lucy, denn Linda ist zu banal und klingt nach Gemeindebau und, daß man, wenn man Jennifer oder Jessica heißt, beispielsweise schon Punkte auf der Karriereleiter verloren hat, kann man ja inzwischen auch in den diversen Ratgebern lesen.

Also kippt sie sich selbst eine Flasche Sekt über den Kopf und beginnt ihr neues Leben, während das alte nach dem Schulabbruch bedeutet, daß sie kellnert, weil sie aber nach L.A will, bewirbt sie sich als Stewardess, wird aber bem Assessment nicht genommen, weil bei den Rollenspielen, die Phantasie mit ihr durchgeht und sie dem Passagier dem schlecht ist, gleich die Notfallstropfen auf die Nase drückt, statt, wie es eine erfolgreichere Bewerberin tut, ihm einfach ein Glas Wasser anzubieten.

Jetzt sitzt aber Lucy im Flugzeug, dieses hebt noch nicht ab und sie gebraucht auch ihre Notfallstropfen, denn sie hat Flugangst und sie quasselt oder denkt sich durch das Buch. Ihre Fantasie, die sie zweifellos hat, geht mit ihr durch, so denkt sie einerseits,”Tief durchatmen!”, was ich meinen Panikpatienten auch raten würde, dann sieht sie sich schon in sämtlichen Turbulenzen und mit den Passagieren neben oder hinter ihr will sie auch anbandeln.

Allmählich bekommt man heraus, daß das Flugzeug gar nicht nach L.A. sondern nach Düsseldorf geht und, daß Lucy, die sich nach der Bewerbung, als Flugbegleiterin auch in eine private Schauspielschule begeben hat, aus der sie auch hinausfliegt, nachdem sie zuerst die Hauptrolle und dann die Nebenrolle, die sie bekommt, mit ihrer überbordenden Phantasie vermasselt hat, Turbulenzten mit diversen Männern und eine Schwangerschaft gibt es auch, in eine dieser Realityshows begeben hat, wo man, wenn man gewinnt, eine kleine Rolle in einem Film in Hollywood bekommt.

Lucy ist in der zweiten Runde, sieben der Aufgenommenen sind schon hiausgeflogen, die anderen sieben müssen nach Düsseldorf fliegen und das wird offenbar gedreht und Lucy spielt also eine Rolle, bekommt aber prompt einen Panikanafall und dann tritt noch eine Mia auf, von der mir nicht ganz klar ist, ob, das jetzt die Stewardess ist, die während der Bewerbung statt Lucy genommen wurde oder die Produktionsleiterin, die das ganze überwacht, die hat aber Lucy während des Aufnahmegespräches: “Du kannst mir Vertrauen!”, entlockt, daß sie nach dem Kellnern in einer Escortagentur gearbeitet hat, die hat das dann trotz Versprechen in die Zeitung gesetzt und als Lucy das erfährt, dreht sie endgültig durch.

“Verbissen klammert sie sich an ihre Traumwelt, bis sie die Realität vollkommen aus den Augen verliert!”, steht im Klappentext, was in der Realität der jungen Frau aus dem Wiener Gemeindebau, die ganz nach oben will, bedeutet, daß sie schon die roten Teppiche sieht, während in Wahrheit die Ambulanz anrückt und der Doktor mit der Spritze und der Zwangsjacke, was vielleicht nicht mehr gan2z der Realität von 2016 entspricht, sie aus dem Flugzeug holt.

Petra Piuk wird aber auf den Sets, der “Soap-Opern” schon einiges von den Nöten der jungen Frauen gesehen haben, die ganz nach oben, nach Hollywood oder in die “Austra next Supermodels-Kreisen” wollen und dafür sehr viel tun, sei es, daß sie sich auf eine Anorexie hinunterhungern, mit den wirklichen oder vermeintlichen Produktionsleitern ins Bett gehen, koksen, saufen spritzen und dann doch nicht nach oben kommen, denn der Weg dorthin ist ja sehr dünn und auf der Spitze ist nur wenig Platz und so habe ich jetzt ein sehr beklemmendes beindruckendes Buch gelesen, die ich ja auch so Träume habe und mit meine zweiundsechzig Jahren in der Realität, weder nach Klagenfurt noch auf eine Buchpreisliste kam und es trotzdem weiter versucht.

Denn man soll ja seine Träume leben, steht in den Ratgebern, wenn es einem das Gegenüber, die Filmfirmen, die Castingshows, aber auch die Verlage oder die Literaturagenturen,  so schwer machen, hat man es nicht leicht und man wird scheitern, wenn man von untern kommt, keine Beziehungen hat, sprich keinen Vater,  der Regisseur ist und einem die Einladung für die Premierenparty in die Hand drücken kann, wie Lucy meint und das auch ununderbrochen vor sich hindenkt.

Petra Piuk wird demnächst ihr Debut bei den O-Tönen vorstellen. Ich freue mich schon darauf.