An einer Jörg Haider Wahlveranstaltung vorbei, bin ich heute wieder etwas verspätet in die alte Schmiede gekommen.
Diesmal fand die Veranstaltung direkt in dieser, also zwischen alten Werkzeugen statt, wurde ja eine Literaturzeitschrift vorgestellt.
Den Volltext, den es seit 2002 gibt und der in der österreichischen Literaturzeitschriftenlandschaft etwas Besonderes ist. Das Zeitungsformat nämlich, dann wird sie auch an Kiosken vertrieben, um direkt an die Leser zu kommen und eine größere Auflage zu erreichen.
Ein ehrgeiziges Ziel, das einmal sogar als Buchmessenbeilage im deutschen Raum, gigantische Ausmaße annehmen sollte, aber daran gescheitert ist.
Ich kenne die Zeitschrift trotzdem gut, bringt sie mir doch Alfred öfter mit, wenn er am Samstag zum “Morawa” geht, machmal wird sie auch bei Veranstaltungen verteilt. Die Bachmannpreisberichterstattung ist dabei lobend zu erwähnen, denn da kann man schon vorher die Portraits der Teilnehmer und einen ihrer Texte lesen.
Ansonsten finde ich sie ziemlich Deutschland-lastig, was ich einmal auch dem Herausgeber gemailt habe, aber leider keine Antwort bekam.
Versuchter Mainstream halt und nur das Beste ist für uns genug und das sind dann oft die deutschen Brüder und Schwestern, sind wir ja ein kleines Land, was man übrigens auch am Bachmannpreis merken kann.
Thomas Keul hat die Zeitschrift vorgestellt, dann haben bei der Kolumne “Unwürdige Lektüre”, die inzwischen auch als Buch erschienen ist, drei österreichische Autoren und Autorinnen, nämlich Sabine Gruber, Franzobel und Martin Amanshauser ihre Texte gelesen.
Dann kam noch eine andere Kolumne dran, nämlich “Neulich” von Andreas Maier aus Bad Nauheim.
Von ihm habe ich auch ein ungelesenes Buch im Badezimmer liegen und in der Nummer, die ich mitgenommen habe, liest er Adolf Hitler und scheint ihn mit Thomas Bernhard zu vergleichen.
In dieser Nummer wird aber auch groß und wuchtig, das neue Buch von Norbert Gstrein vorgestellt und der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Dann ist aber wieder Alban Nikolai Herbst an der Reihe und der hat in einer älteren Nummer einen ganzen Roman abgedruckt und Heike Geißler, die heuer beim Bachmannpreis gelesen hat, stellt die Dr. Norden Groschenromane als unwürdige Lektüre vor.
Die hat sie nämlich gelesen, als ihr als Deutschlektorin in Archangelsk, die deutschen Bücher ausgingen, ihr aber eine andere Sprachassistentin einen Stapel dieser Groschenromane hinterlassen hat. Interessant, denn Sabine Gruber hat von ihrem Zimmermädchenjob in Rom gelesen, wo sie nach der ausgelesenen Anna Karenina einen Stapel italienischer Fotoromane von ihrer Arbeitskollegin bekommen hat.
Martin Amanshauser schwämte dagegen von einer wunderbaren Gerhard Berger Biografie, während Franzobel die Zeitschrift “News” beschimpfte und seither dort nicht mehr vorkommen darf.
Ich bin mit einem Zeitschriftenstapel nach Haus gegangen, habe noch kurz ins Zelt der Grünen hineingeschaut und mir Werbematerial, sowie eine CD, auf der Mieze Medusa singt, mitgenommen und dann ein mail an Anni Bürkl geschickt, denn die schrieb als lizenzierte Ich-Agentur ein Gewinnspiel aus, bei dem man sich, um einem Wunschkrimi zum Thema “Rufmord” bewerben kann und weil ich mir vor zwei Wochen bei den wilden Worten, ein Gedicht zum Thema “Depression im Herbst” wünschte, habe ich gleich meine “Bewerbungsunterlagen” zum Thema “Wahlkampf in neoliberalen Zeiten” hingeschickt. Mal sehen, ob ich die glückliche Gewinnerin bin, sonst muß ich den Krimi selber schreiben.
Material habe ich in den letzten Tagen ja genug bekommen. Denn am Donnerstag habe ich beim Frühstück mit dem Bezirksvorsteher zum Tag der offenen Tür, die alten Frauen über die zuvielen Ausländer und die zuwenigen Polizisten schimpfen gehört und am Freitag wurde Alfred in der Kettenbrückengasse fast zusammengeschlagen und trägt jetzt einen Kopfverband. Und die Reaktion der Leute, denen wir das mitteilten, war auch psychologisch interessant.
Listenstress
Christiane Zintzen hat mich in ihrem Inadaequat am Donnerstag wieder sehr von meiner “Radiosonate” abgelenkt, denn sie war die erste von der ich die Namen der berühmten Shortliste erfahren, die uns bis Weihnachten sehr interessieren soll, damit wir auch die richtigen Bücher kaufen.
Mich interessiert es schon ein wenig unter dem vielen anderen anderen und von den sechs erwählten Namen habe ich Uwe Tellkamp, Ingo Schulze und Sherko Fatah gekannt und schon etwas von ihnen gelesen.
Diethmar Dath, Rolf Lappert und Iris Hanika müßte ich dagegen noch entdecken.
Dann bin ich gleich in den FAZ-Lesesaal gegangen, der nicht mehr reading-room heißt, was man zwar belächeln könnte, aber schon logisch und auch wichtig ist und mich auf die Kritikermeinungen und in die Diskussion über das Dilemma der richtigen und falschen Auswahl gestürzt.
Die sehr genau die Fragwürigkeit des Unterfangens zeigt und ich denke auch, der einzige Sinn der Sache ist, daß ich jetzt die Namen Iris Hanika und Rolf Lappert kenne und vorige Woche auch nur der Longlist wegen, Sherko Fatah gelesen habe, der den Sprung geschafft hat.
Ich habe auf der FAZ-Seite gleich mitgestimmt, spontan und vom Augenblick behaftet. Denn ich habe keines der erwählten Bücher gelesen, was man auch angeben konnte.
Für Sherko Fatah habe ich gevotet und gesehen, daß die wenigsten FAZ-Leser am Donnerstag der Meinung waren, er würde den Preis gewinnen.
Natürlich wäre es logischer gewesen auf Ingo Schulze zu tippen, der wahrscheinlich viel bekannter ist und dessen “Neue Leben” noch immer im Harlander Badezimmer liegt.
Uwe Tellkamps Namen kenne ich von den Listensiegern auch und kann ein Bonmont über seine Literatur beziehungsweise seine Bewertung von mir geben.
Der Ostdeutsche Unfallchirurg, der mit dem Romanauszug “Der Schlaf der Uhren”, 2004 den Bachmannpreis gewann, hat mich, als ich den Text im Radio hörte, sehr beeindruckt. Da habe ich, was ich zugegeben, nicht oft tue, spontan gedacht, der schreibt besser als ich!
Die Jury mit darunter Daniela Striegl hat ihn auch für den besten gehalten.
Dann bin ich ein paar Jahre später, das Buch “Der Eisvogel” war erschienen und wurde in der literarischen Soiree besprochen ins Radio-Kulturcafe gegangen und habe gehört, wie sich die Kritikerrunde (darunter Daniela Striegl) öffentlich, es wurde in Ö1 gesendet über das Buch lustig machten und ein paar Sätze vorgelesen haben, über die dann alle lachten.
“Ein Buch davon können wir verschenken, wenn Sie es haben wollen!”, hat der Moderator gesagt und noch so einen lustigen Satz darauf geschoben.
Danach war ich zum Glück die einzige Interessentin, es auf einer Schiwoche in Obergail gelesen und durchschnittlich gefunden.
Wie es auch nicht anders sein kann. Rowohlt und Suhrkamp haben sicher ihre Lektoren, die zu wissen glauben, was die Leser wünschen, bzw. sich gut verkauft.
Das neue Buch “Der Turm”, wo es auch um einen Unfallchirugen und den real existierenden Sozialismus geht, ist übrigens unser Buch der Woche (eine Aktion von Presse und Ö1) und wird heute in Ex libris vorgestellt.
Da habe ich am Donnerstag statt zu korrigieren viel herumgesurft und literarischen Termine sind vorige Woche auch gekommen.
So die Einladungen zu den Jurysitzungen, wo ich mich ein bißchen wichtig machen kann und das Literaturhausprogramm.
Kommende Woche könnte ich jeden Tag zu einer Lesung gehen:
Am Montag in die alte Schmiede zur “Volltextpräsentation”, am Dienstag ins Literaturhaus zur Eröffnung des “Dialektjubels”, am Mittwoch in die Gesellschaft für Literatur, wo Literatur der Zigeuner, Roma, Sinti, vorgestellt wird , am Donnerstag in den Jour fixe der Werkstatt Galerie der Ruth Aspöck mit Gregor Lepka zum Thema “Missisippi Tales und am Freitag gbt es zum Drüberstreuen etwas von der anderen Identitätsseite, nämlich die Premiere des Salons Philosophique mit Prim. Univ. Prof . Dr. Michael Musalik “Zur Ästhetik des Umgangs mit Patientinnen” in der Schleifmühlgasse.
Da könnte, wenn ich nicht sehr aufpasse, die eigene literarische Arbeit untergehen, also sollte ich schleunigst an der “Radiosonate” weiterkorrigieren. Mal sehen wie es mir gelingt.
Literaturmarathon
Dieser Freitag und Samstag war also sehr intensiv. Vierundzwanzig Stunden Literatur bei “Rund um die Burg” und zehn Stunden “Poet-Night” des ersten Wiener Lesetheaters. Beides Veranstaltungen, die ich nach Möglichkeit non-stop besuche.
Das Problem war diesmal nur, daß beides Freitag um 16 Uhr begann. Da man nur an einem Ort gleichzeitig sein kann, war es klar, daß ich mich splitten muß. Ich wußte nur nicht, wie ich es machen soll. Bis Samstag zwei Uhr früh im Siebensternkulturzentrum zu bleiben und dann zum Burgtheater gehen, war die eine Möglichkeit. An die habe ich gedacht, als ich noch nicht wußte, wann ich lesen werde.
Dann kam die Information, Freitag von 17.30-17.40. Also die Möglichkeit, mir ab achtzehn Uhr die Hochliteratur zu geben, damit ich für die zu erwartende Bücherliste schon etwas über die Neuerscheinungen der österreichischen Verlage weiß.
Variante drei kam von Otto Lambauer, der mailte, daß es in seinem Zelt ab achtzehn Uhr Lesungen von Texten des “Ohrenschmaus-Literaturpreis 2008” gibt und da ich in der Jury war und bin, wäre es ja interessant, nach einer kurzen Poet-Night, mir die Ohrenschmaus-Lesungen anzuhören und dann ins Hauptzelt hinüberzugehen, wo sie mich nicht lesen lassen, ja nicht einmal mehr auf meine Anfragen antworten.
Die Poet-Night ist eine Veranstaltung des ersten Wiener Lesetheaters, das sonst Texte anderer präsentiert. Aber einmal im Jahr können die, die selber schreiben, acht bis zehn Minuten lang ihre Texte lesen.
Im Gegensatz zu “Rund um die Burg” ist das eine eher geschlossene Veranstaltung. Die Lesenden kommen eine halbe Stunde früher, holen sich das kleine Honorar und hören sich hauptsächlich selber zu, da es nicht viel öffentliche Werbung gibt. Diesmal hing sogar ein Zettel an der Türe des Extrazimmers, daß hier eine geschlossene Veranstaltung stattfiindet!
Ich bin um halb fünf gekommen, habe daher den Thomas Northoff versäumt und etwas früher als geplant gelesen. Und zwar eine Szene aus “Novembernebel”, in der es auch um eine Lesetheateraufführung geht.
Mechthild Podzeit-Lütjen ist mit ihren Text über eine Elfriede, die fünfundsiebzig ist, sich die Haare noch immer rot färbt und kein wirklicher Sozialfall ist, genauso aktuell gewesen, hat sie sich offenbar auf die Geburtstagslesung am Mittwoch bezogen und das auf ihre Art sehr poetisch gemacht, was mich beeindruckt hat. Da war Elfriede Haslehner noch gar nicht da.
Elfriede Gerstl hat als prominenter Gast gelesen, Beppo Beyerl seinen Tschechenroman vorgestellt, Richard Weihs etc. . Monika Giller für die ich letztes Jahr ein Veto für ihre Aufnahme eingelegt habe, hat mich mit “Auf dem Totenbett”, wieder einmal sehr beeindruckt.
Anderes habe ich versäumt (Ruth Aspöck, Judith Gruber-Rizy ect…), da wir uns, nachdem Alfred gekommen ist, mir ein Glas Wein brachte und Fotos machte, entschlossen haben, noch eine Weile zuzuhören und dann um halb zehn zum Burgtheater gegangen sind.
Die Ohrenschmaus-Lesungen also versäumt und im Hauptzelt Xaver Bayer. Da bin ich nach einem kurzen Rundgang und Begrüßung Ottos gerade zu der Lesung von Anna Kim zurecht gekommen. Anschließend hat Angelika Reitzer gelesen, deren “Frauen in Vasen” mich ja interessierte. Dann kam der Burgtheater-Block mit einer Erich Kästner Performance. Danach ist Alfred gegangen, was ihm nicht gut tat, weil er auf der Kettenbrückengasse einen Faustschlag abbekommen hat.
Im Literaturzelt gab es inzwischen den Krimi-Block mit Eva Rossmanns “Die Russen kommen”, Manfred Wieninger und Thomas Raab u.a.
Im Zelt war es allerdings sehr kalt. Viel kälter als gewöhnlich, so daß ich zwischen zwei und drei ernsthaft überlegte, zu gehen. Und mich nur abhalten ließ, weil ich ja überall herumerzählte, daß ich nonstop bleiben will.
Der Erotik-Block, der früher nie sehr aufregend war (und das ist ja die Zeit der größten Müdigkeit, zwischen zwei und fünf, ab fünf ist es dann meistens übertaucht), hatte aber diesmal sehr interessante Frauen anzubieten. Vor allem Mieze Medusa, die für Manfred Rumpl um vier Uhr früh eingesprungen ist, war ein wirklicher Gewinn.
Ich bin also geblieben. Zum Essen und Trinken hatte ich mit und auch einen Extrapullover, den Schal hatte ich leider vergessen.
Am frühen Morgen war das Zelt ziemlich leer, da war ich wieder die einzige Dauerhörerin. Außer mir gibt es nur einen Fotografen, der non-stop bleibt und die Lesenden fotografiert.
Ich bin, wie besprochen, nach der Lesung von Eduard Habsburg-Lothringens Gesellschaftsroman zu Ottos Stand gegangen, habe mit ihm Kaffee getrunken und mich auch ein bißchen umgeschaut.
So gab es im Bücherzelt Gratis-Teepackerln der Firma Sonnentor, was, wenn man bedenkt, daß es sich bei einem guten Tee besser lesen läßt, eine nette Idee ist, obwohl die Firma Sonnentor ja nicht ins Bücherzelt passt. Anni Bürkl nennt ihren Blog aber auch “Texte und Tee” und dann gab es auch eine Schokoladeverkostung. Nämlich einen Tisch, wo man sich, wenn man wollte, eine mit verschiedenen Alkoholsorten gefüllte Nußpraline, holen konnte.
So übertauchte ich meine Müdigkeit. Thomas Northoff hat in der Früh hereingeschaut und zu Mittag Ruth Aspöck und Robert Egelhofer, die wundern sich dann immer über meinen non-stop Eifer. Ein bißchen peinlich ist das ja schon. Ich muß aber sagen, es hat etwas gebracht und es tut mir immer leid, wenn ich früher gehe.
Damit es nicht zu lang wird, nur mehr ein paar Highlights. Denn es ließen sich ja noch ganze Seiten über die vierundzwanzig Stunden Literatur füllen. Vielleicht kommen noch ein paar andere Artikel heraus.
Für heute also nur, zu Mittag gabs eine Stunde mit der “Schule für Dichtung”.
Robert Schindel hat gelesen, Franz Schuh und Johannes Gelich und wenn mir auch einiges nicht so gut gefallen hat, war es eine interessante Zusammenstellung und ist eigentlich, auch trotz der mangelnden Antwortbereitschaft und fehlenden Lesemöglichkeit eine tolle Sache, sich einen ganzen Tag lang non-stop Literatur zu geben. Ich habe auch ein paar Bücher, Autorensolidaritäten und Zeitschriften vom Literaturhausstand nach Hause gebracht. – Und jetzt gehe ich schlafen.
Noch färb ich meine Haare rot
Das ist der Titel zu Elfriede Haslehners Lesung zum 75. Geburtstag, Mittwoch abend im Amerlinghaus aus ihren Gedicht- und Prosatexten, veranstaltet von “Frauen lesen Frauen” im Rahmen des ersten Wiener Lesetheaters mit Elfriede Haslehner, Helga Eichler, Monika Giller, Judith Gruber- Rizy, Heidi Hagl, Hilde Langthaler, Erika Parovsky, Mechthild Podzeit-Lütjen, Gabriela Schmoll und Hilde Schmölzer.
Ein Grund über Elfriede Haslehner zu schreiben, denn ich kenne sie schon lang und zähle sie zu meinen literarischen Bezungspersonen, wenn es soetwas gibt.
1978 war es, als mich Monika Jensen in den Arbeitskreis schreibender Frauen gebracht hat und ich eine sehr unsichere junge Frau war, die noch nicht mit dem Psychologiestudium fertig war.
Damals habe ich Elfriede Haslehner kennengelernt, die gerade den Frauenverlag mitgegründet hat und die erste Anthologie “Aufschreiben” herausgegeben hat.
Einen meiner ersten Texte habe ich, das war dann schon ein bißchen später (ich war gerade fertig und habe mit meiner Gesprächspsychotherapieausbildung begonnen), hingeschickt und Elfriede, die meinem Schreiben ja immer sehr kritisch gegenübergestanden ist, hat ihn mir mit einem Brief zurückgeschickt, in dem sie mir vorsichtig formulierend geraten hat, stattdessen in Therapie zu gehen.
Ich habe mit dem Schreiben nicht aufgehört und sie, nach dem sich der Arbeitskreis 1984 aufgelöst hat, in der GAV wiedergetroffen. 1987 wurde ich dort aufgenommen, wir haben uns noch lange mit Valierie Szabo Lorenz und Hilde Langthaler in den jeweiligen Wohnungen getroffen und wollten auch ein Vier-Frauenbuch herausgeben, das leider an der Verlagsfindung gescheitert ist.
1978 war sie eine aufstrebende Lyrikerin, die gerade von der Frauen- und Friedensbewegung entdeckt wurde und ihre ersten Gedichtbände und Anthologien herausgebracht hat. Später wurde sie von den Ellenbogen jüngerer Frauen aus dem Frauenverlag herausgedrängt, der heute Milena-Verlag heißt und keiner mehr ist und hat darunter, wie ich glaube, sehr gelitten.
Sieben Gedichtbände gibt es von ihr. 2002 hat Anita Schaub, die Frauenlesegruppe des 1. Wiener Lesetheaters gegründet, die unsere Lesejausen ablöste.
Inzwischen gehe ich nicht mehr zu den Jour fixes, weil ich, da berufstätig, nicht monatlich die Texte anderer lesen will, erstens habe ich keine Ausbildung als Schauspielerin und zweitens würde das eigene Schreiben zu kurz kommen, was ich nicht will.
Das wurde mir, glaube ich, übel genommen und da es, außer Alfred, niemanden gibt, der mein Schreiben fördert, hat es mit dem Gelesen werden meiner Texte nicht sehr gut geklappt.
Inzwischen organisiert Judith Gruber-Rizy die Lesungen und heute gab es die Lesung zum 75. Geburtstag. Die zum 70. habe ich versäumt, obwohl ich sie bei der GAV eingereicht habe und auch mitlesen wollte. Aber damals habe ich zum zweiten Mal einen kleinen Luitpold Stern Preis (den es wegen der BAWAG Affäre nicht mehr gibt) gewonnen und die Preisverleihung war zufällig am 17. Juni. Es gab keine Konkurrenzveranstaltung und so konnte ich die frauenbewegten, kritischen, pazifistischen und auch die Dialektgedichte sehr genießen. Ich habe auch mein Lieblingsgedicht “Bilanz” heißt es, das Elfriede am Schluß gelesen hat. Ich kann es nicht auswenig und zitierte aus dem Gedächtnis.
“Ich habe nicht unter der Brücke geschlafen, war nicht in Steinhof und in Kalksburg, es wurde an mir kein AIDS diagnostiziert und ich bin noch nicht an Krebs gestorben, welch ein erfolgreiches Leben.” – Das trifft auch auf mich zu und ich sage mir es manchmal in den Momenten der Depression.
Die Lesung war also interessant. Bekannte getroffen, Ruth Aspöck, Richard Langthaler und Elfriedes Freund Franz. Erste Ahnbahnungen für mein Geburtstagsfest am 7. November gemacht, Rolf Schwendter mein Unbehagen über die Überschneidung von “Rund um die Burg” und der “Poet Night” mitgeteilt, Rotwein getrunken und mich am Buffet mit Käsestangen und Aufstrichbroten gelabt.
Ein zweites Lieblingsgedicht, das von der Vernissage, zu der man sich schön anziehen soll, damit man nicht für eine Sandlerin gehalten wird, die wegen dem Buffet kommt, habe ich auch, das heute nicht gelesen wurde.
Am Freitag gibt es dann die Poet Night, bei der wir uns wiedertreffen. Ich werde zwischen 17 und 18 Uhr lesen und kann, wenn ich will, schon früher zu “Rund um die Burg” gehen, um mir die österreichischen Neuerscheinungen anzuhören, die sogenannte Subkultur im Amerlinghaus war aber auch sehr interessant.
Die Gefahren der Vielseitigkeit
Jetzt gibt es doch einen Blog-Beitrag über die “Friedrich Torberg”- Ausstellung von mir. Eigentlich dachte ich, ich hätte es schon in den “Wiener Literatur Schauplätzen” abgehandelt. Ich bin eben eine Vielschreiberin, meine Freundin Elfriede Haslehner, ist deshalb auch unzufrieden mit mir.
Nach meiner letzten Stunde und nur einer einzigen korrigierten Szene bin ich gestern mit meinem grünen Leiner-Promotion- Schirm frühzeitig, wie ich glaubte, hingegangen.
Aber obwohl ich schon zwanzig Minuten vorher da war, gab es nur mehr Stehplätze, die freien Sitze waren reserviert und mit Jacken belegt und man sah die Leute winken und ihre Freunde auf die Plätze lotsen.
Nun gut, das habe ich schon erlebt und eine Stunde vorher schaffe ich es nicht. Als ich es einmal im Jugendstiltheater tat, saß ich ganz hinten, während die später gekommenen, die nicht eingenommenen VIP-Plätze stürmten.
Es gab ein paar Eröffnungsreden und einen streitbaren Fritz Muliar, der laut “Haben Sie aber einen schiachen Hintern!”, rügte, als einer der Kuratoren einem in der ersten Reihe etwas zuflüstern wollte.
Aber eigentlich war Fritz Muliar von der falschen Farbe, hat sich Torberg, wie man hören konnte, Zeit seines Lebens gegen die Kommunisten und die Sozialdemokraten eingesetzt. Muliar, die die Regel bestätigende Ausnahme, hat ein Anti Brecht Gedicht gelesen und eines, das die Sehnsucht nach dem Ausseer-See in New York zeigte.
Dann gab es eine Ehrung mit der Torberg-Medaille an einen verdienten Herrn und eine Rede einer Torberg-Nichte, bevor es in den ersten Stock gehen sollte. Ging es aber nicht.
“Keinen Zutritt mit Schirm!”, sagte streng ein Herr zu mir. An der Garderobe war man aber damit beschäftigt, denen, die schon nach Hause wollten, ihre Jacken zu geben.
Also habe ich ihn auf einen der inzwischen freien Sitze abgelegt und bin nach oben gestürmt, um meine Torberg Erinnerungen aufzuwecken. Denn ich habe, habe ich in meinem Bibliothekskattlog nachgesehen, vier Bücher von ihm. Den Schüler Gerber auch im Film gesehen, von “Hier bin ich mein Vater”, das mich sehr beeindruckt hat, Auszüge aus dem Fortsetzungsroman, der sozialistischen Zeitung “Frau” und dann noch “-und glauben es wäre die Liebe” und “Auch das war Wien”.
Was ich alles gelesen habe. Die “Tante Jolesch” nicht. Das dachte ich, interessiert mich nicht, aber vielleicht ist das ein Vorurteil und wenn ich mich nicht irre, hat Friedrich Torberg auch die junge Brigitte Schwaiger entdeckt und gefördert.
Der Ausstellungsrundgang war sehr interessant, die schon bekannten Bücher-Ausgaben wiederzufinden und an den einzigen jüdischen Minnesänger und die Theaterkritiken erinnert zu werden. Die Zeitschrift “Forum” wurde vom CIA finanziert, was ich nicht gewußt habe. Ich habe mir lang das Torberg-Interview und seinen Lebensbericht angeschaut und war von der suggestiven Art des Meisters und seiner sanften Stimme beeindruckt. Irgendwie hat er ja die Sechziger und die siebziger Jahre geprägt.
“Mein ist die Rache” wird wiederaufgelegt, dieses Buch ist mir bisher entgangen. Es soll, hat einer der Redner gesagt, in der kurzen Novelle mehr über den Holocaust zu erfahren sein, als in Littells tausenddreihundert Seiten. Was verständlich ist. Torberg war ein Betroffener und einer der ersten Zeitzeugen, während Littell, das Recherchierte, nach kreativer Writing Manier zu einem spannenden Roman zu schreiben versuchte, was bei diesem Thema Widerstand auslösen muß. Er hat es nicht erlebt. Torberg schon.
Ich bin lange mit Kopfhörern bei der kleinen Videowand gestanden und habe einigen Besuchern zugewinkt. Annas ehemaliger Zeichenlehrerin zum Beispiel, Daniela Striegl habe ich beim Betrachten der Vitrinen beobachten können.
In dem Zimmer wo man die “Tante Jolesch” hören konnte, nur kurz ausgehalten und als ich meinen Schirm holen wollte, war der Vortragssaal zugesperrt.
Warum habe ich ihn nicht in den Schirmständer des Kaffeehauses abgestellt? Zum Teufel mit der Hemmung und der Schüchternheit. Aus diesem Grund bin ich auch nicht von einem der Herrn zum anderen gelaufen, um ihn wiederzubekommen, sondern gegangen und mich etwas mißmutig in die Badewanne gelegt, Julia Schoch fertigzulesen.
Es ist aber ein authentischer Bericht über ein aktuelles Stück Wiener Literaturgeschichte und meiner Gefühlswelt, der dann fehlen würde und heute hörte ich im “Leporello”, es gibt noch ein neues Buch.
Einen Briefwechsel, Torberg soll ja 50.000 Briefe in der Nacht geschrieben und der Welt und der Wien-Bibliothek hinterlassen haben. Ein Torberg-Kishon- Briefwechsel wurde am Montag in der Nationalbibliothek vorgestellt, von dem ich bisher keine Ahnung hatte.
Verabredungen mit Mattok
Louise Doughty (Ein Roman in einem Jahr) und Andreas Eschbach empfehlen in ihrem Ratgebern für das Schreiben viel zu lesen.
Anderes lesen, um den Schreibenden auf die Schliche zu kommen und ihre Baupläne für die Textkonstruktion nachvollziehen zu können.
Weil das logisch klingt, habe ich mir von meinen ungelesenen Bücherbergen ein paar der jüngeren Bachmannpreisautorinnen in das Badezimmer gelegt.
Eines davon, das ich mir im Vorjahr bei Buchlandung um einen Euro kaufte (da gab es relativ viele Bachmannpreisträgerinnen, die ihre Erst- und Zweitbücher in deutschen Literaturverlagen herausgebracht haben dabei) ist Julia Schochs “Verabredungen mit Mattok” (Piper).
Die 1974 geborene gilt als ostdeutsches Fräuleinwunder und hat 2005 einen der Bachmannpreise gewonnen. 2004 ist ihr erster Roman erschienen, ich glaube, ich habe sie im Herbst 2005 auch im Radiokulturhaus bei einer Lesung gehört, wo sie mir durch ihren Ernst aufgefallen ist. Außerdem übersetzt sie Fred Vargas Kriminalromane, was ich interessant finde.
Das 131 Seiten umfassende Buch habe ich mir als nächsten Lesestoff herausgesucht, um von einer weit jüngeren zu lernen, beziehungsweise zu sehen, wie sie es bei ihrem ersten Roman machte.
Einen Ostseetext habe ich mit “Möwenflug oder Sedelmeyers Begnungen” 2001 allerdings auch schon geschrieben.
In diesem Kurzroman, den ich auch mehr für eine Novelle halten, als Endzeitnovelle würde ich es von der Stimmung her bezeichnen, geht es um einen nebeligen Frühsommer in einem Ostseebad.
An der Küste ist gerade ein Tanker auseinander und eine Umweltkatastrophe ausgebrochen, während die Katastrophe für die Taschentrickkünstlerin Claire in der Unheilbarkeit ihres Ekzems der rechten Hand liegt.
Sie bekommt die Diagnose auf Seite eins verkündet, wirft daraufhin dem Mediziner eine schwere asiatische Dekorationskugel am Gesicht vorbei, um anschließend Mattok kennenzulernen und mit ihm am Strand spazieren zu gehen, wo die Helfer ihre Rettungsversuche starten, das Ostseebad immer leerer und das Hotel immer unbewohnbarer wird.
Claire weigert sich jedoch abzureisen, besucht mit Mattok, der mit einem Koffer voller Kleingeld, das von einem Bankraub zu stammen scheint, herumzieht, das Geburtshaus eines berühmt gewordenen Dichters, von dessen Existenz die Kartenveräuferin bis zur Museumseröffnung nichts wußte und in dessen aus der Großstadt herbeigeschafften Arbeitszimmer, Hausschuhe und unlesbare Manuskripte ausgestellt werden.
Sie gehen ins Kino, essen in dem nur mehr notbeleuchteten Hotel Cornedbeef und Brotscheiben, das sie auf einem Geschirrwagen bereitgestellt finden, bis Mattok nach einem Fluchtversuch in eine schmutzige Düne fällt und Claire an den Strand hinauszieht und ihre Hände solange in das angesammelte Öl steckt, bis sie von den Helfern in das Lieblingslokal zurückgetragen wird.
Eine charmante schräge Liebesgeschichte, lese ich in den mir ausgedruckten Rezensionen, minimalistisch und kühl erzählt. Genau geschildert und schöne, teilweise sehr originelle, Bilder würde ich selbst beschreiben.
Wiener Literatur Schauplätze
Ich habe ein neues Buch, Alfred hat es mir gestern von seinem Samstags-Einkauf mitgebracht und zwar auf den Spuren großer Namen “Wiener Literaturschauplätze” von Anna Lindner (Wienfacetten 2008 im Metro-Verlag), das er, glaube ich, in dem“WieWien”, dem einzigartigen Wiener Souveniergeschäft, auf der Kettenbrückengasse besorgt hat. Zumindest hat er es dort einmal bestellt.
Denn die 1984 geborene Autorin kennen wir. Ist sie ja mit meiner Tochter Anna in die Schule gegangen und hat bei meinem literarischen Geburtstagsfest vor ein paar Jahren (damals war sie vierzehn oder fünfzehn) ein eigenes Sportstück gelesen, das sie dem der Jelinek nachempfunden hat.
Sie schreibt ihre Diplomarbeit über Robert Musil , ich habe sie im Juni in der Gesellschaft für Literatur bei der Buchpräsentation von Florina Ilis “Der Kreuzzug der Kinder” getroffen, mit ihr darüber gesprochen und das große Selbstbewußtsein in der Behauptung “Den Mann ohne Eigenschaften verstanden zu haben” bewundert.
Jetzt hat sie einen Wiener Literaturführer geschrieben. Da könnte man neidisch werden, aber über das literarische Wien weiß ich auch einiges zu sagen.
So habe ich mir im Sommer 2001 die literarischen Spaziergänge “Wien durch Vergangenheit und Gegenwart” geschnappt, die mir Alfred ebenfalls geschenkt hat und von Richard Miklin geschrieben wurden, mit dessen Tochter Lisa, Anna die Volksschule in der Hofmühlgasse besucht hat und bin einen Sommer lang durch Wien marschiert und die Spaziergänge nachgegangen. Der 11. September hat mich damit aufhören lassen. Aber kurz vor den Schreckensmeldungen, bin ich auf der Wiedner Hauptstraße vor einer Buchhandlung gestanden und habe in einem John Irving mit Wien-Bezug (Pension Grillparzer) geblättert.
Da habe ich viel gelernt und auch den Margareten Spaziergang mit der Frau Bezirksrat Steininger gemacht und bei den Bachmann Veranstaltungen im Juni 2006, zum achtzigsten Geburtstag der Dichterin, gab es auch einen Ingeborg Bachmann Spaziergang, wo wir mit einem Fahrschein herumgefahren sind, die Wohnhäuser anschauten ( in einem gibt es auch eine Tafel, man muß nur hineinkönnen, das heißt sich von einem zufällig vorbeikommenden Hausbewohner aufsperren lassen), durch die Blutgasse gingen und bis zum Cafe Raimund gekommen sind.
Das und der Hans Weigel sind mir beim gestrigen schnellen Durchlesen abgegangen. Aber über die Wiener literarischen Schauplätze lassen sich ganze Bibliotheken schreiben und man muß wahrscheinlich auch älter als vierundzwanzig Jahre sein, um sie zu kennen. Ich habe jedenfalls mit vierundzwanzig gerade das Cafe Hawelka gekannt, bin aber nicht hineingegangen.
Der Friedrich Torberg ist mit dem Hakoah Sportzentrum in der Simon Wiesenthal Gasse aber enthalten und der Friedrich Torberg hat am Dienstag seinen hundersten Geburtstag.
Da gibts im jüdischen Museum eine Ausstellung. Da habe ich vor hinzugehen und über die Beziehung Torbergs zu Marlene Dietrich und deren Briefwechsel “Schreib-Nein, schreib nicht” , gibts ein neues Buch und die dazupassende Austellung wurde in der Wien-Bibliothek im Mai, noch vor dem Fußball-Spektakel eröffnet.
Um die Wiener literarischen Schauplätze kommt man nicht herum, wenn man sich für Literatur interessiert, ich werde sicher noch öfter darüber schreiben und beim linken Wort des Volksstimmefestes, vor zwei Wochen, habe ich Anna Lindner, um ganz konkret zu sein, das letzte Mal gesehen, davon gibts sogar ein Foto.
Im Grenzland
Der 1964 in Berlin geborene und in der DDR aufgewachsene Sherko Fatah steht mit seinem Roman “Das dunkle Schiff” auf der Liste für den deutschen Buchpreis.
Ich habe schon lange seinen Debutroman “Im Grenzland” und die Erzählung “Donnie”, von einem der Büchertürme der Literatur im März nach Haus gebracht und lange nicht gelesen.
Jetzt hat mich die Buchpreisberichterstattung dazu angeregt, mich mit dem Debutroman zu beschäftigen und eine Kurzrezension zu schreiben, was ich hier noch nicht gemacht habe.
Was nicht so leicht ist, denn vieles bleibt vage in dem Roman und angedeutet. Im Klappentext kann man erfahren, daß es um kleine Geschichten über Krieg, Willkür und Folter geht.
Es war mir lang nicht klar, in welchen Land der 2001 erschienene Roman spielt.
Fatah ist der Sohn eines Kurden und einer deutschen Mutter, in der DDR aufgewachsen und lebt in Berlin. Das Buch soll im Grenzland von Iran, Irak, Türkei spielen, habe ich dann nachgelesen. Es geht um einen Schmuggler, der keinen Namen hat. Ein Kleinkrimineller der Konsumgüter, wie Computer durch das Grenzland schmuggelt, dabei in die Fänge der inneren Sicherheit gerät und in einem roten Haus landet, das mich auch an die DDR erinnert hat und dann geht es, nach ein paar politischen Andeutungen und Erklärungen, um eine Vater-Sohn Geschichte. Der dreizehnjährige Sohn hat sich mit den falschen Leuten eingelassen, wird verhaftet und verschwindet. Der Vater verläßt seine Frau, besorgt sich von seinen Schwestern Geld und sucht nach dem Sohn, dabei wird er gefoltert und einen geheimnisvollen Beno, der in der inneren Sicherheit mit ihm zusammenarbeitet, gibt es auch.
Das Ganze sehr vage und verschwommen, ein bißchen hat es mich an Kafka erinnert und weniger an das orientalische Erzählen.
Eine Geschichte von der Hitze in der Stadt, in der die Meteorologen im Fernsehen jeden Tag von 40 Grad Celsius sprechen, obwohl die Leute auf ihren Thermometern über fünfzig Grad haben und dann, als sie sich beschweren, vom Reporter vor laufender Kamera erfahren, daß von oberster Stelle angeordnet wurde, daß die Hitze nie mehr als 40 Grad betragen darf, gibt es auch. Aber die hat mich auch mehr an die DDR erinnert. Da hat man solches ja gehört.
Interessant also Buch und Sprache eines in Deutschland aufgewachsenen Märchenerzählers, der Philosophie und Kunstgeschichte studiert hat und über das Grenzland schreibt.
Der neue Roman spielt auch dort und ist, wie ich ebenfalls gelesen habe, auf der Shortlist für den Leipziger Buchpreis gestanden. Für den jetzigen gibt es noch keine solche, die wird erst nächste Woche verkündet und dazu soll es auch sogenannte “Blinddate”-Lesungen geben. Das habe ich aus dem Standard at.
Dort gab es heute auch ein paar Preisankündigungen.
So wird Katja Lange-Müller den Raabe-Preis für “Böse Schafe” bekommen, Daniel Kehlmann den Per Olov Enquist Preis und Bettina Balaka den Friedrich Schiedel Literaturpreis.
Das wird mir mit meinen Digitalbücher nicht passieren. Das ist der Nachteil des Selbermachens, so angenehm die Eigenständigkeit sonst auch ist.
In eigener Sache habe ich heute ein bißchen über das Otto Wagner Spital und “Hundert Jahre Steinhof” recherchiert und ausgedruckt, obwohl ich wahrscheinlich noch sehr lang an der “Radiosonate” arbeiten werde.
Bestseller
“Wie schreibe ich einen Bestseller?”, fragte sich gestern Jaqueline Nagel von schriftsteller-werden.de und meinte, daß man dafür ortsunabhängig, zeitenunabhängig, genreübergreifen und etwas Neues schreiben muß.
Mir ist dazu eingefallen, daß es 1998, glaube ich, beim Libro im Donauzentrum (den es auch schon lang nicht mehr gibt), eine Art Leserclub gegeben hat. Man konnte sich dafür im Libro-Journal ein Thema wünschen.
Ich habe “Wie wird ein Buch ein Bestseller?” vorgeschlagen. Libro hat dafür ein Buch versprochen (Handkes “In einer dunklen Nach ging ich aus meinem stillen Haus”, habe ich mir ausgesucht, weil ich “Die Luftgängerin”, den damaligen Bestseller, schon hatte) und einen Herrn von einem deutschen Großverlag eingeladen, der einen Vortrag zu diesem Thema gehalten hat.
Neues habe ich dabei nicht erfahren, jedenfalls nicht, wie man einen Bestseller schreibt, allerdings habe ich Walter Famler im spärlichen Publikum getroffen, der ja eine kurze Verlags- und Geschäftsverbindung mit Libro eingegangen ist.
Inzwischen denke ich, daß hauptsächlich die Förderung des Verlages dazu gehört, der muß das Buch aufbauen und eine Menge Geld hineinstecken. Und das tun die Verlage, habe ich vorige Woche bei der Diskussion in der alten Schmiede gehört, immer weniger und ich glaube man braucht auch einen bekannten Namen, damit sich die Verlage das trauen. So passiert das manchmal bei berühmten Schauspielerinnen und Künstlern, wie Erika Pluhar oder Madonna (das ist wahrscheinlich auch eine Chance für Ghostwriter.)
Bei Harry Potter habe ich gehört, daß das Buch nur zufällig ein Erfolg wurde und zuerst abgelehnt wurde. Aber hier haben wir den spannenden Inhalt, der gut vermarktet und aufgebaut wird und da sind wir schon beim Thema Kriminalromane.
Den wünschen sich die Verlage , weil das die Leute gerne lesen und veranstalten Events wie Kriminächte und Krimifestivals, die auch überlaufen sind.
Da ist dann schon das Spiel mit dem Verbotenen, Negativen dabei.
Bei unseren zwei großen Autoren Thomas Bernhard und Elfriede Jelinek liegt, glaube ich, der Erfolg im negativen Inhalt und der musikalischen Sprache.
Beide werden aber von den Durchschnittslesern eher nicht verstanden und oft abgelehnt.
Für den spannenden Inhalt, dem hartnäckigen konsequenten Arbeiten und einer guten Förderung wäre Daniel Kehlmann mit seiner “Vermessung der Welt” ein Beispiel.
Das ich nicht gelesen habe, weil mich das Thema nicht sehr interessiert. Wie ich überhaupt gern wissen würde, wieviel der hunderttausenden verkauften Bücher gelesen werden? Ich würde einmal schätzen, daß es nicht sehr viele sind.
Faszinierend sind auch die sogenannten Fehleinschätzungen der Verlage und die Beispiele der Autoren, die es meist mit dem ersten Buch geschafft haben, an die Spitze zu kommen. Dann aber fallen gelassen wurden und meist sehr lang daran leiden.
Brigitte Schwaiger ist es mit “Wie kommt das Salz ins Meer” so gegangen. Sie hat dann noch sehr viele Romane geschrieben und ist erst jetzt wieder mit ihren Psychiatrieerfahrungen in den Medien.
Ein anderes Beispiel ist natürlich Robert Scheider. Da hört man auch, daß “Schlafes Bruder” zuerst abgelehnt wurde, dann der große Erfolg, während die Kritik mit seiner “Luftgängerin” nichts anfangen konnte und ihn ziemlich abgeurteil hat. Sein Roman “Die Offenbarung” wurde im Jänner in der Hauptbücherei von Angelika Reitzer vorgestellt und hat auch seine Leser, während sich die Fachwelt ein wenig schwer tut und mit dem Kitschvorwurf kommt.
Karin Struck ist noch ein Beispiel, das mir einfällt. In den Siebzigerjahren mit der ” Mutter” eine gefeierte Suhrkamp Autorin mit “Zwei Frauen” ist sie dann zu einem kleineren Verlag gewechselt, inzwischen verstorben und den Lesern glaube ich, nicht mehr sehr bekannt.
Der Erfolg liegt also nicht am Schreiben, denn das können glaube ich, alle der Genannten und noch viele mehr. Der wird, glaube ich gemacht und lohnt sich oft offenbar nicht mehr und ich denke, es könnte auch an den Lesern liegen, denn die können sich ja aussuchen, was ihnen gefällt, so daß nicht immer ständig dasselbe Thema wiederholt und variiert werden muß.
Die Holocaust-Romane sind ein Dauerbrenner, die mich auch sehr interssieren .
Es geht dabei aber sicher viel verloren und das wurde bei der Diskussion am vorigen Donnerstag auch beklagt.
Und leider scheint es wirklich so zu sein, daß “schreiben” allein nicht mehr genügt, obwohl oft behauptet wird, daß man nur gut genug sein muß.
Jaqueline Nagels Lesergemeide sieht ihre Hoffnung in der Nische, die sich jeder Schreiber suchen kann und das, denke ich, hat etwas an sich und ich praktiziere es auch.
So habe ich im Juli beim Thalia-Krimi-Wettbewerb mitgemacht und prompt die Türdacke gewonnen und einmal eine Hautcreme und eine Chris-Lohner-Cassette, weil ich meinen “Letzten Versuch” zu einem Wettbewerb einer Hautcremefirma schickte, die wissen wollte, was es für Probleme beim Älterwerden gibt. Um Literatur ist es dabei gar nicht gegangen.
Lesen und schreiben persönlich
In der Badewanne habe ich gerade den Nick Hornby ausgelesen und kann darüber keine Rezension schreiben, denn Fußball interessiert mich wirklich nicht, obwohl Nick Hornby ein hervorragender Schreiber ist, wie ich merken konnte, als ich vor ein paar Jahren beim Thalia damals noch Amadeus-Hörbuchwettbewerb überraschend den dritten Preis gewonnen habe und mir von den damit verbundenen Hörbuchgutscheinen “How to be good” ausgesucht habe.
Aber diesmal habe ich das Buch einfach weggelesen, damit ich zu den anderen Büchern meines ziemlich umfangreichen Bücherstapels im Badezimmer komme.
Denn es stimmt schon, auch wenn es niemand hören will.
Ich persönlich komme durch die neuen Medien weniger zum Lesen, obwohl ich an diese Veränderung nicht geglaubt habe, als ich, ich glaube, es war 2000 oder 1999 für den Lise Meitner Preis mein “Vier mal Lisa oder MMT” geschrieben habe und mich damals erstmal mit den Bücher-Brokern beschäftigte .
Danach bin ich ziemlich zögernd in das Internet eingestiegen, aber jetzt entdecke ich immer mehr die Vorteile des Lesens darin und so habe ich mir heute auch die Nachrufe auf Wendelin Schmidt-Dengler durchgelesen, der auch ein bekennender Fußballfan gewesen ist.
Also haben wir eine Gemeinsamkeit, dabei bin ich auf einen Doderer-Blog gestoßen, den ich noch nicht gekannt habe und dann habe ich im Autorenlexikon des Autorenhausverlages die Web Site von Dietmar Füssel und sein Gewinnspiel gefunden und das habe ich noch nicht geschrieben, Gewinnspiele faszinieren mich als Konsumverweigerin ja sehr.
Ich habe natürlich nichts gewonnen. Kann ich auch nicht, wenn ich am 10. September, die erste für den Monat sein soll. Ich war die dritte hat mir Dietmar Füssel zurückgemailt und das ist wieder die kommunikative Seite des Internets.
Denn ich kenne Dietmar Füssel glaube ich, seit ich, vor urlangen Zeiten mich das erste Mal für den Max von der Grün Preis interessiert habe, den es schon lange nicht mehr gibt und den er damals, glaube ich, gewonnen hat und dann hat er einmal, das war 1991 oder 1992 bei einer von mir organisierten Lesung im Wiener Literaturhaus, bei der der Österreichteil der belgischen Literaturzeitschrift “Krautgarten”, den ich gemeinsam mit Arthur West zusammengestellt habe, vorgestellt wurde, gelesen und sonst habe ich immer wieder einmal von ihm gehört.
Aber heute schaute ich mir während des Korrigierens das Autorenlexikon des Autorenhausverlags an und fand da seine ziemlich umfangreiche und originelle Homepage mit dem Gewinnspiel und dem Buch, das ich nicht gewonnen habe.
Aber die, die mich kennen wissen, daß ich an Büchern keinen Mangel leide und derzeit weniger als früher lese, aber mehr schreibe, fast täglich nämlich eine Seite “Gedanken über den Literaturbetrieb” und wie ich darin übergangen werde und dann habe ich mir nach der Badewannen- Lesestunde, die ORF-Bestenliste angeschaut, wegen der Neuerscheinungen in den österreichischen Verlagen, die ich ja kennen sollte, selber aber nur lauter alte Bücher im Badezimmer und in den Regalen habe.



