Judith Gruber-Rizy ist eine von den Autorinnen, die in der Standard- Lese und Schreibausgabe fehlten, heute aber ihr neues Buch “Einmündung” im Amerlinghaus bei den “Wilden Worten”, dieser Montag Veranstaltung von Richard Weihs, Michaela Opferkuh und Franz Hütterer vorstellte.
Da bin ich hingegangen und darüber wollte ich auch schreiben, kenne ich Judith Gruber-Rizy ja schon lange.
Vor zehn bis fünfzehn Jahren hat sie mir Arthur West bei einer Lesung, ich glaube es war im Kirchweger Haus vorgestellt. Dann lesen wir schon lang gemeinsam bei den Volksstimmefesten und treffen uns immer wieder, zum Beispiel bei den Lesefrauen des ersten Wiener Lesetheaters und einige Beschreibungstexte meiner Bücher hat sie auch verfaßt.
Ihren Roman “Aurach” habe ich gelesen und diverse Romanausschnitte bei den Volksstimmefesten gehört und da ist mir aufgefallen, daß ihre Hauptperson immer “Rosa” heißt.
Das ist originell und so weit ich weiß einzigartig und der neue Roman handelt vom Reisen und von der Beziehung der Heldin “Rosa” zu ihrer Mutter, die als deutsches Mädchen in Holland deutsche Lieder sang.
Ein bißchen davon habe ich schon am Volksstimmefest gehört.
So habe ich mich auf die Lesung sehr gefreut, wäre beinahe aber am falschen Ort gelandet, da die “Wilden Worte” ja, wie ich glaube, früher einmal im “Siebenstern” stattfanden.
Ich war aber nie dort und so war es eine Premiere, während mir die Wunschgedichte vertraut waren, weil Richard Weihs sie jeweils bei den Poet-Nights vorstellt.
Diesmal habe ich einen Zettel in die Hand gedrückt bekommen und konnte mir also eines wünschen, was ich zu meiner Stimmung passend (heute ist mein Anrufbeantworter eingangen) mit dem Titel “Depression im Herbst” und als ersten Satz “Soll ich dir ein Glas Wein holen?” (Das war die Frage Alfreds) und dann noch mit den Worten: Effektin, Denaxit und Neuronal machte.
Mal sehen, was Michaela Opferkuh, Franz Hütterer und Richard Weihs dazu einfällt.
Elfriede Haslehner und Bruni Langthaler habe ich unter anderem auch getroffen. Elfriede Haslehner ist über eine Stiege gestolpert und hat sich die Schulter verletzt, nächste Woche aber ihre Geburtstagslesung. In der Pause habe ich Richard Weihs darauf angesprochen, daß ich auch gerne lesen will.
“Kannst du gleich nach der Pause machen!” antwortete er und kannte meinen Namen nicht, obwohl wir uns auch schon seit mindestens zehn Jahren immer wieder regelmäßig bei Lesungen treffen.
Da ich aber immer meine zwei letzten Bücher in der Tasche hatt, war das kein Problem und so habe ich ganz überraschend ein Stückchen aus “Novembernebel” vorgetragen und so verläuft dieser Blog anders als vorgenommen, denn eigentlich wollte ich ihn “Einmündung” nennen.
Es kommt eben immer unerwartet und noch etwas Trauriges zum Schluß. Wendelin Schmidt Dengler, der Germanist der Nation ist heute, wie ich im Kulturjournal hörte, überraschend mit 66 Jahren gestorben, es hat mich sehr getroffen obwohl ich nicht Germanistik studiert habe.
“Standard”-News
Der Standard widmete dieses Wochenende seine Ausgabe dem Schreiben und dem Lesen und ließ eine Reihe Schriftsteller und Schriftstellerinnen zu diesem Thema schreiben.
Es waren zwar dieselben bekannten Namen, die in diesem Rahmen immer gebeten werden, was bei mir Unbehagen auslöste,
da das Handbuch der IG-Autoren “Literarisches Leben in Österreich”, ein paar tausend Namen aufzuweisen hat, die auch interessant wären, wenn man sie nach und nach kennenlernen könnte.
Es gab zwar noch die Fotos der fünfundvierzig Schriftsteller und Schriftstellerin zu sehen, die für die Album-Beilage in den letzten Ausgaben über ihre Grenzerfahrung schreiben durften, deren Texte man unter www. derstandard.at/Literatur nachlesen kann. Aber da waren schon einige Überschneidungen dabei.
Trotzdem ist es interessant und wichtig, soviel über das Schreiben zu lesen und ich habe es dieses Wochenende in Harland auch sehr intensiv betrieben.
Josef Haslinger schrieb über seine mährische Großmutter. Daniel Glattauer und Paulus Hochgatterer über ihre Leseerfahrungen mit Winnetou. Interessant, daß Karl May offenbar viele Schriftsteller prägte, während die Schriftstellerinnen , wie Linda Stift und Karen Duve von Tieren und von Pixi-Büchern schwärmten.
Karen Duve ist offenbar auch das Beispiel von der Diskussion am Donnerstag, daß der Autor und die Autorin einen besonderen Lebenslauf braucht, um literarisch anerkannt zu werden. Denn ihr Beruf als Taxifahrerin wurde im Publikum besonders erwähnt.
Dann gab es noch Berichte von Analphabeten und ein Interview mit der Unterrichts- und Kulturministerin.
Robert Huez ist seit 1. September, als Nachfolger von Heinz Lunzer, der neue Leiter des Literaturhauses, konnte man erfahren, wenn man es noch nicht wußte und als Hoffnungsblick in Richtung des “Über des Tellerandhinausschauens”, den ich mir wünsche, gab es einen klitzekleinen Bericht über das “Schreiben und Büchermachen in Eigenregie”.
Da wurde ein im Eigenverlag geschriebenes Buch erwähnt und abgebildet und zwar ein ganz besonderes Unikat, das unverkäuflich ist und es offenbar nur einmal gibt.
Da hat eine inzwischen Dreizehnjährige, mit fünf Jahren auf Standard Bögen ihr Buch gemalt und da sie noch nicht schreiben konnte, hat sie auf Hörbasis ihre eigene Orthografie erfunden.
Ein kleiner Hinweis darauf, daß es auch die Book on demand Produktion und den Digtialdruck gibt und, daß manche Autoren ihre Bücher selber machen.
Zu Paulus Hochgatterer fällt mir noch ein, daß ich ihn voriges Jahr möglicherweise aus der “Ohrenschmaus”-Jury vertrieben habe, als ich ihm von Christa Nebenführs Engagment gegen ungerechte Preisvergaben bei der Staatsstipendien-Jury berichtet habe.
Besessen
Das letzte “Eine STADT.Ein-BUCH”-Gratisbuch, den Nick Hornby habe ich lange unbenützt im Badezimmer liegen lassen, denn Fußball interessiert mich wirklich nicht.
Inzwischen habe ich ein paar Seiten gelesen und bin auf eine Gemeinsamkeit draufgekommen.
Nämlich die Besessenheit, Nick Hornby soll sich für Fußball interessieren, ich interessiere mich sowohl aktiv, als auch passiv seit über fünfunddreißig Jahren für das Schreiben und da bin ich schon bei der gestrigen Diskussionsverstaltung in der alten Schmiede und meinen disbezüglichen Frust.
Denn das, was ich dabei am meisten bedauert habe, ist das Desinteresse an den anderen, was ich so stark spürte.
Das “Das interessiert mich nicht- das ist ist nicht gut genug!”, während ich mich eigentlich für sehr viel interessiere und ein breites Spektrum habe.
Und da hat Antonio Fian, so überheblich es vielleicht auch klang, auch recht, die Bücher die man auf den “Bestenlisten” findet, sind wirklich schon sehr zurechtgeformt und gleichgeschaltet, während man das authentische und ehrliche, vielleicht wirklich in den Kleinverlagen findet und vielleicht auch im Internet.
Mir fehlt jedenfalls die Anerkennung und es frustriert mich auch, daß man fünfunddreißig Jahre vor sich hinschreiben kann und es wird nicht bemerkt.
Während es wahrscheinlich sehr positiv ist, daß ich mir die Freude und das Interesse an dem Schreiben anderer immer noch bewahrt habe.
Ich gehe ja gern und begeistert zu Lesungen und sammle Literatur und Informationen darüber, obwohl ich mich nicht als Fan bezeichne. Das wirklich nicht. Ich habe kein Lieblingsbuch und wahrscheinlich auch keinen Lieblingsschriftsteller, obwohl ich mich natürlich für das realistische, sozial bewegte, das Kleine und Verborgene sehr interessiere.
So habe ich vorgestern auch entdeckt, daß es von Marlene Streeruwitz einen neuen Wahlkampfroman unter dem Titel “Das Leben geht weiter”, gibt, den man sich jeden Donnerstag ausdrucken kann und die Hörprobe von Eva Rossmanns neuen Krimi “Die Russen kommen” habe ich mir auch angehört.
Antworten
Mit einem Kurzstreckenfahrschein und etwas verspätet bin ich in der alten Schmiede angekommen, um mir die Diskussion zum Literaturbetrieb, das Ende der Podium-Sommerreihe zum Saisonstart anzuhören.
Voriges Jahr gab es schon so eine Diskussion moderiert von Christa Nebenführ unter anderem mit Margit Schreiner. Diesmal moderierte Sylvia Unterrader und stellte als ich den Saal betrat, viele Fragen.
An die zwei Journalisten von der Presse und vom ORF und an Antonio Fian, Barbara Neuwirth und Elisabeth Reichart von der Autorenseite und mir war lange nicht klar, worum es eigentlich ging?
Darum, daß weniger Autorinnen, als Autoren lesen dürfen oder ob man nur mehr eine Chance am Buchmarkt hat, wenn man eine interessante Biografie aufzuweisen hat?
Die schreibende Volksschullehrerin vom zehntausend Seelen Dorf in Oberösterreich hat Pech, wenn sie nicht gerade eine lesbische Familie aufzieht, ätzte Harald Klauhs und mir war nicht klar, meint er das ernst oder nicht?
Spürte aber Unbehagen und war froh, daß Barbara Neuwirth, dann den Zynismus als Schlag in die Magengrube outete.
Denn es ist schon kompliziert. Da gibt es die Bücherflut über die alle stöhnen, aber zum Glück einen einigermaßen existierenden Bildungsstand, da durch die allgemeine Schulpflicht ja alle lesen lernen. Allerdings produzieren unsere Schulen, wie man so hört schon wieder zwanzig Prozent sekundären Analphabetismus.
Die Journalisten diskutieren selbstbewußt und abgehoben, von den Autoren war Brotneid und Verunsicherung zu spüren und ich habe mich wieder einmal ganz unten und verletzlich gefühlt.
Christa Nebenführ wünschte sich die allgemeine Depression, als Chance, damit wieder mehr Leser etwas anderes, als Hera Lind lesen wollen und hat Gelächter und Unverständnis geerntet, während Antonio Fian über den neuen Roman von Norbert Gstrein, der auf der Longlist steht, ätzte. Er liest diese Bücher nicht, sie seien ihm zu sehr zurechtgebogen und dem Massengeschmack angepasst.
Daß sich Peter Handke soetwas antut, wird bedauert, aber Peter Handke hat seine Nominierung, wie ich heute im Kulturjournal hört, ja schon abgelehnt.
Soll der Autor in den Zeitungsredaktionen anrufen, damit sein Buch besprochen wird?, wollte Dine Petrik wissen, Harald Klauhs schüttelt den Kopf und antwort gequält, daß das wohl ungünstig sei.
Ich habe nichts gesagt, Otto Lambauer, mit dem ich später ein Glas Wein trinken war, schon.
Er hat sich tapfer in die Diskussion eingemischt und das viele Jammern beklagt. War es früher wirklich besser?, hat er gefragt.
Mir ist die Sprache weggeblieben, weil ich das ohnehin schon weiß, aber leider nicht verändern kann. Die Schere ist, wie ich an solchen Diskussionen merke, sehr auseinander gegangen. Die Kulturkritik und der Buchhandel will das Event und nominiert die besten zwanzig deutschen (davon zwei bis drei österreichische) Bücher, die wahrscheinlich ohnehin nicht gelesen werden. Ich mache meine Bücher selber und schreibe meine Literaturansichten, die dann Otto Lambauer liest.
Trotzdem sehe im Internet eine Chance zur Veränderung. Denn es gibt immer mehr Leute, die schreiben. Die haben ihre Blogs und verfassen ihre Rezensionen in den Leseforen, die wie Harald Klauhs feststellen mußte, manchmal sogar sehr professionell sind.
Nach einer Stunde wurde die Diskussion beendet und die Fragen sind offen geblieben, die im nächsten Jahr vielleicht wieder gestellt werden und eigentlich wollte ich Sylvia Unterrader meinen “Novembernebel” für die Kriminacht bringen . Aber das habe ich mich nicht mehr getraut.
Änderungen
Bei dem wirklich wunderschönen Sommerwetter bin ich wieder in meinen literarischen Wiener Alltag zurückgekommen, was mit kleinen Schwierigkeiten verbunden war.
So war das Wochenende mit dem traditionellen Volksstimmefest im Wiener Prater verplant und ein Haus auf der Höhenstraße, das mit einem Kindheitstrauma verbunden ist, muß auch betreut werden.
Am Montag habe ich ein wenig Werbung für meinen Blog gemacht, beziehungsweise Ilse Kilic auf das Foto von ihr und Fritz Widhalm hingewiesen, da ich mit einem anderen Foto, das von mir und einer Autorenkollegin, vor zwei Jahren in der “Autorensolidarität” erschienen ist, auch traumatische Erfahrungen gemacht habe.
Ilse Kilic konnte meinen Blog wegen eines fehlenden “e” vorerst nicht öffnen, hat mich aber aufmerksam gemacht, daß Friederike Mayröcker um 19 Uhr im Amerlinghaus liest.
Da hatte ich zwar eine Stunde und mich anschließend mit Alfred am Rathausplatz verabredet, da es dort, durch die Fußball-EM bedingt, zwei Wochen länger, ein Opern- und Musikprogramm gibt.
Die alte Nurejew-Auffühung, die es Montag gab, habe ich aber schon im Juli gesehen, so habe ich einen kleinen Umweg über das Amerlinghaus gemacht und von Christa Stippinger schon in der Stiftgasse erfahren, daß die Mayröcker ist schon weg ist, Ilse Kilic und Fritz Widhalm aber noch im Garten sitzen.
Die habe ich dann nicht gleich gefunden, der Wein in Galerie war aber schon aus, so daß ich nicht zu spät auf den Rathausplatz gekommen bin.
Und heute habe ich im Morgenjournal gehört, gibt es bei Thalia auf der Mariahilferstraße um 19 Uhr eine Lesung mit Ingrid Noll aus ihrem neuen Roman “Kuckuckskind”.
Dahin könnte ich also statt auf den Rathausplatz gehen, da es durch eine Terminverschiebung ohnehin nicht sicher ist, ob ich es morgen in die alte Schmiede schaffe.
Ja und mit dem Korrigieren bin ich nicht so schnell, wie erwartet vorangekommen, da die Wohnung und die Praxis durch die längere Abwesenheit wieder geputzt werden mußte. Der Garten war vertrocknet und in meinem Mail Programm scheint es einen Fehler zu geben. So vervielfältigen sich die alten Mails, so oft ich sie zu löschen versuche immer mehr und mehr, was zu einer Endlosspirale führt, die ich von meinen Textkorrekturen sehr gut kenne und die mich immer sehr verunsichern.
Daher eine erfreulichere Mitteilung zum Schluß.
Bei www.schriftsteller-werden.de ist die Sommerpause beendet, so daß man sich, wenn einem Leipzig oder Hildesheim nicht nimmt und man sich kein teures Textcoaching leisten will, hier über das Schreiben lernen informieren kann.
Saisonstart
Die Sommerfrische ist vorbei, ich bin wieder regelmäßig in Wien und kann auch regelmäßig in meinem Blog meine kleinen Literaturansichten von mir geben, alle ein- bis zwei Tage habe ich geplant.
Ich bin ja eine Vielschreiberin, aber die Arbeit an der “Radiosonate” neben meiner Psychologisch-pschotherapeutischen Praxis soll nicht zu kurz kommen.
Und dann beginnt langsam das literarische Leben.
Die Programme von der alten Schmiede und der Gesellschaft für Literatur sind schon gekommen. Das Literaturhaus läßt noch auf sich warten und die erste Lesung zu der ich gehe, wird wahrscheinlich am Donnerstag in der alten Schmiede sein.
Und zwar ist das das Ende der Podium Sommerreihe, zu der ich wegen meiner Sommerfrische auch nicht gekommen bin. Am Donnerstag gibt es ein Podiumsgespräch mit Sylvia Unterrader, so daß ich einen Eindruck von dem bekommen kann, was ich versäumt habe.
Ich kann auch schon das erste Resume bezüglich des Literaturgeflüsters ziehen. Vier Kommentare habe ich bekommen und Otto Lambauer hat mit einem Blog begonnen, der vielleicht ein literarischer werden wird – fipsthinks.wordpress.com.
Bei seinem letzten Eintrag ging es jedenfalls ums Lesen und da schrieb er von seinem Joseph Roth Projekt.
Da gab es im Frühjahr eine schöne Ausstellung im Literaturhaus und dort wurde die Soma Morgenstern Biographie als Einstiegslektüre empfohlen, eine kleine Anregung also für den Fips mit dem Philosophenknochen und noch einen Erfolg gibt es, den ich bisher nicht erwähnt habe.
Beim Thalia-Krimiwettbewerb war ich unter den ersten dreißig Einsendern und habe seit einigen Wochen, die praktische Fußmatte “Willkommen im Martyrium” in Harland liegen.
Aber jetzt bin ich nach Wien zurückgekommen, habe Zeit mich an den Literaturstart zu gewöhnen, zwei Wochen gibt es noch das Musikfestival auf dem Rathausplatz und als Lektüre habe ich mir jetzt endlich, das Gratisbuch der Stadt Wien von 2007, Nick Hornbys “Fever Pitch” herausgesucht.
Auf dem Volksstimmefest war ich gestern auch noch einmal. Nach dem euphorischen Beginn am Samstag gestern wieder alte Bekannte getroffen. So die Schreibe- und Lesefrauen und die Lesung war auch wieder sehr interessant.
Judith Gruber Rizy hat aus ihrem neuen Buch gelesen, Helmut Rizy seine 1968 Erinnerungen an die Demonstration gegen das Schah Regime und ein Konzert eines später berühmt gewordenen Jimi Hendrix vorgestellt.
Ottwald Johns Performance “Witz und und Spott im dritten Reich” habe ich mir auch noch angehört und das Christina Zürbrügg Konzert auf der Jura-Soyfer-Bühne.
Volksstimmefest
Hier also mein Bericht vom ersten Tag des Volksstimmefest, dem schönsten Fest Wiens, wie es so stimmig heißt, mit dem die Ferien enden und die Schule beginnt.
Das erste Mal habe ich beim linken Wort in den frühen Achtzigerjahren noch mit dem Arbeitskreis schreibender Frauen gelesen. Ich war schrecklich aufgeregt, schließlich war es eine meiner ersten Lesungen, habe das Waltraud Haas gesagt, die neben mir gesessen ist und meinte, daß das bei ihr genauso ist.
Inzwischen regen mich Lesungen nicht mehr auf, wie damals noch Elfriede Jelinek, Peter Turrini und Marie Therese Kerschbaumer gelesen haben, die das auch nicht mehr tun.
Meine nächste Volksstimmefestlesung war 1989 ( und seither fast immer und regelmäßig), kurz vor der Wende. Wir sind gerade aus Amerika zurückgekommen, ich habe wieder neben den großen drei gelesen, die später nicht mehr aufgetreten sind.
Ich habe meine “Hierarchien” vorgestellt und Peter Turrini, der ja sehr freundlich ist, hat mich gefragt, ob das ein Roman ist?
Arthur West hat das Linke Wort organisiert, nachher gab es Kaffee und von Edith West gebackenen Kuchen im Favoritner Stand und Erika Danneberg auch eine treue Leserin, die letztes Jahr gestorben ist, tauschte mit Arthur West ihre politische Meinung aus.
Später hat Helmut Rizy die Organisation übernommen. Er gab auch die Anthologie heraus, die man kurz vor Weihnachten zugeschickt bekam, so daß ich immer das passende Weihnachtsgeschenk hatte.
Aber nicht nur Arthur West ist gestorben, der Volksstimme ist dann auch das Geld ausgegangen oder sie hat sich zerstritten. So gab es dann einmal kein Fest, zumindestens kein offizielles.
2005 habe ich, glaube ich nicht gelesen, sondern war stattdessen mit Alfreds Wandergruppe am Hochschwab und die letzten beiden Lesungen wurden improvisiert. Jetzt gibt es wieder zwei sehr engagierte Organisatoren, nämlich Roman Gutsch und Christoph Kepplinger und auch ein Vorbereitungstreffen und ein Thema.
Zu dem “Aus dem Bilanzbuch des zwanzigsten Jahrhunderts” soll es im Oktober wieder eine Anthologie geben, die im Globusverlag erscheinen wird.
Roman Gutsch hat drei Kuchen gebacken und da Christoph Kepplinger Germanist ist und beim Elfriede Jelinek-Forschungszentrum mitarbeitet, gab es auch eine fachkundliche Moderation und neue junge Leser und einen großen Beitrag vom Werkkreis Literatur der Arbeitswelt, bei dem ich auch auf einige bekannte Gesichter traf.
Es war also sehr schön und alles hat gut geklappt. Die Texte interessant, das Mikrofon hat zwar geknackt und gerauscht, die Essiggurken- und Kasperltheater-Ansager haben aber nicht zu sehr gestört. Und auch sehr viel Publikum.
Elfriede Gerstl ist wieder eine Zeitlang vorne gesessen. Ilse Kilic und Fritz Widhalm habe ich im Hintergrund stehen gesehen. Elfriede Haslehner war da und Waltraud Haas. Beim Kaffeetrinken habe ich mich sehr angeregt mit Güni Noggler und Stephan Eibel Erzberg unterhalten und mit ihnen Bücher getauscht und mit Ruth Aspöck und Robert Egelhofer haben wir, wie im letzten Jahr am Abend, als es schon finster war, noch etwas getrunken.
Ingo Schulze
Nachdem ich mit meinem Beitrag über das literarische Margareten meine Sommerfrische beendet habe, möchte ich über Ingo Schulze schreiben.
Sein “Neues Leben” liegt in Harland im Badezimmer und am Mittwoch und Donnerstag habe ich noch einmal hundert Seiten gelesen.
Das andere wartet, bis ich an den Wochenenden wiederkomme beziehungsweise den Weihnachtsferien.
Persönlich kennengelernt habe ich den Autor vor ein paar Jahren im literarischen Quartier der alten Schmiede. Damals war er ein Newcomer und hat aus seinen “Simple storys” gelesen.
Das Buch habe ich ein paar Jahre später bei Thalia in St. Pölten, um einen Euro oder vielleicht sogar noch um zehn Schilling gekauft und gelesen und die prekären Verhältnisse des neuen Osten haben mich sehr beeindruckt, so die jungen Männer, die im Fischkostüm verkleidet, für ein Nordseelokal Reklame machen.
In meinen Texten, die die Wiener prekären Verhältnisse schildern, kommen solche rotgekleideten Werbemädchen auch immer wieder vor.
Vorigen März war ich in Leipzig auf der Messe, da hat er, glaube ich den deutschen Buchpreis bekommen oder wie die Leipziger Variante heißt und den Sommer darauf gab es bei Thalia um 3.99 Abverkauf von die “33 Augenblicke des Glücks”.
Das war ein frühes Buch und nicht das letzte, wie ich fälschlich dachte und ausgelesen habe ich es diesen Juni am Hochschab auf dem Schiestlhaus.
Die Russlandschilderungen des Autors, der wirklich eine sehr prägnante lyrische Sprache hat, sind ein wenig fremd, aber doch beeindruckend und unverwechselbar.
Und diesen Sommer, unter anderem also “Neue Leben”, das habe ich, weil ich nur ein dickes Buch wollte, nach Tatranska Lomnika mitgenommen und beim Frühstück, dann die Stelle mit dem italienischen Kuchen gelesen, der in der Fußnote als “Tiramisu” erklärt wird.
Köstlich und solche Neueindrücke habe ich vor fünfzuehn Jahren in Berlin ja selbst erlebt.
Jetzt gibt es wieder einen Roman von ihm, der auf der Long-Liste erwähnt wird.
Jetzt sitze ich auf der Terrasse in der Krongasse mit dem Laptop auf den Knien, schließe den Pilotversuch meines Blogs ab und werde, wo ich wieder in Wien bin, wohl einen anderen Schreibrythmus finden und am Nachmittag geht es zum Volksstimmefest.
Darüber werde ich dann sicher zu schreiben haben.
Literarisches Margareten
Bevor ich am Montag nach Harland gefahren bin, habe ich Anni Bürkls (texteundtee.blogspot.com) “Literarische Kultur-Tour” gelesen und dabei ein deja vue Erlebnis gehabt.
Habe ich doch vor wahrscheinlich schon zehn Jahren mit der damaligen Bezirksrätin Brigitte Steininger auch eine literarische Margareten-Tour, einen sogenannten Frauenspaziergang gemacht und dabei hatten wir, die Handvoll Frauen, die mitgegangen sind auch einige Erlebnisse.
So sind wir im Schütte-Lihotzky-Park gestanden und haben uns nach der berühmten Architektin, mit der damals noch lebenden Jeannie Ebner beschäftigt und als wir durch den Durchgang und den kleinen Park in Richtung Zentagasse marschierten, die alte Dame etwas verloren mit einer Zigarette auf einer Bank sitzen gesehen.
“Das ist die Frau Ebner!”, habe ich ausgerufen. Die Frau Bezirksrat hat sich gleich vorgestellt, die Autorin war erfreut und es gab ein schönes Foto in der Berzirkszeitung.
Friederike Mayröcker haben wir in der Zentagasse nicht getroffen.
Die Begegnung mit Jeannie Ebner, die damals in der Schloßgasse wohnte, hat mich aber sehr beeindruckt. Habe ich sie ja vorher einige Male in der Gesellschaft für Literatur getroffen, wo sie immer sehr offen über die Leiden des Alters redete und meinte, daß sie sich vor den Insassen des “Mittersteiges” sehr fürchte und die Taxichauffeure immer bitten würde, zu warten, bis sie in ihrem Haus verschwunden ist.
Inzwischen ist die alte Dame verstorben und wurde vorher von Paul Wimmer, der in der Krongasse wohnte, in dem Pflegeheim, in das sie später übersiedelt ist, besucht und betreut.
Paul Wimmer ist inzwischen ebenfalls verstorben, jetzt wohne nur mehr ich als Literatin in der Krongasse.
Bin mir aber nicht ganz sicher, ob nicht auch Thomas Glavinic dort wohnte, zumindest macht er in seinen letzten Roman “Das bin doch ich” einige Anspielungen darauf.
Margareten gibt also literarisch sehr viel her.
So hat ja auch Helmut Eisendle in der Schäffergasse gewohnt und da gab es ja auch das Antiquariat und literisches Quartier “Buch und Wein” (das ist aber schon in Wieden), das es auch schon länger nicht mehr gibt.
Literaturherbst
Der ist zwar noch nicht so ganz eingebrochen, aber die Temperaturen sind schon merklich kühler und ich befinde mich am Montag den 25. August in meiner letzten Sommerfrischewoche wieder für einen Tag in Wien (der allerletzte ist dann der Freitag, bis alles wieder gewohnt und normal weiter gehen wird) und habe gerade meine mails durchgesehen.
In der vorigen Landwoche war ich am Mittwoch mit Alfred im Dunkelsteinerwald Schwammerlsuchen. Wir haben außer ein paar Eierschwammerln nur Gallenröhrlinge gefunden und am Wochehnende mit der Wandergruppe von Alfreds Lehrer im Mariazellerland.
Aber jetzt habe ich meine Lieblingsblogs durchgelesen und bin da wieder bei Christiane Zintzen www.zintzen.org fündig geworden.
Den blog, den ich schon öfter erwähnte, denn er gibt viel her an Informationen, wenn man vor allem, wie ich vom Land tageweise nach Wien pendelt.
Im Juli hat sie von dem Loglist-Lesebuch geschrieben, das man ab dem 20. August, wenn diese berühmte Liste bekannt gegeben wird, kostenlos in jeder Buchhandlung holen kann.
Ich habe mich schon darauf gefreut und geplant morgen mit dem Rad zuerst in den Klangturm von St. Pölten und dann zu Thalia in die Kremsergasse zu fahren, um mir das Buch zu besorgen.
Aber leider, leider, lese ich in ihrem Blog, ist die Auflage schon vergriffen und ich kann mir die Mühe sparen. Dafür listet sie die Namen der zwanzig Gekürten.
Ingo Schulze ist mit “Adam und Evelyn” dabei, aber ich bin mit den “Neuen Leben” ja noch immer nicht sehr viel weiter gekommen.
Habe ich dazwischen ja einen alten Harkan Nesser vorgenommen und über die psychologischen Hintergründe sehr gestaunt und dann gibt es noch die neue Olga Flor, den neuen Norbert Gstrein und einen etwas älteren Peter Handke auf der Liste.
Bücher mit denen ich mich beschäftigen sollte, aber vorerst gibt es das Volksstimmefest am Wochenende und da die Lesungen zum linken Wort jeweils Samstag und Sonntag zwischden 16 und 18 Uhr.
Da gibt es inzwischen auch eine sehr informative Homepage, der man die Namen, die Lebensläufe und die bisherigen Publikationen entnehmen kann. www.linkes-wort.at.
Und eine Einladung zu Kaffee und Kuchen gibt es auch. Das als kleiner Hinweis zur sozialen Lage der österreichischen Autorenschaft, einen etwas breiteren kann man dem Standard vom letzten Freitag entnehmen, da wird nämlich über eine aktuelle Umfrage berichtet, aus der hervorgeht, daß der österreichische Durchschnittsautor etwa 1000 Euro monatlich verdient.
Und am Samstag gab es im Album einen Text von Hanno Millesi über Peter Altenberg. Christiane Zintzen berichtete auch darüber und Hanno Millesi ist auch irgendwie ein Geheimtip der österreichischen Literatur.
Besonders seine Kindertexte beeindruckten mich ja sehr. Während der Text über den großen Dichter etwas anders ist. Ich habe ihn schon gestern in der Nähe von Mariazell gelesen, aber da war mir schlecht, weil ich bei der geselligen Runde am Samstag vielleicht etwas zu viel Rotwein getrunken oder am Sonntag zu viel und zu schnell gefrühstückt habe.
Auf dem großen Zellerhut war es trotzdem schön, während jetzt noch geklärt wird, ob ich in Hinkunft unter www.literaturhaus.at auf der Startseite zwischen Christoph Janacs und Ernst Jandl zu finden sein werde oder doch nur im Hintergrundregister.



