Die Infantin trägt den Scheitel links

Nun kommt Buch sechs der deutschen Longlist, der zweite Roman der 1983 in Oberndorf bei Salzburg geborenen helena Adler, die eigentlich Stehphanie Helena Prähäuser heißt und deren erstes Buch bei “Arovell” erschienen ist. Der zweite bei “Jung und Jung” erschienene Roman hat dann eingeschlagen, ist auch auf die “Öst” gekommen und bisher bei mir wegen dem Titel und dem Cover, wo es ein Kinderbild mit Beschmierungen und einer Augenklappe zu sehen gibt, an mir vorbeigegangen ist, denn was heißt denn das?

Das Buch ist auch an mir vorbeigegangen, als es bei den O- Tönen vorgestellt wurde, denn da hat es geregnet.

Malte Bremer der im Literaturcafe die Longlisttitel nach ihrer Lesbarkeit bewertet, war von den der “schwarzen Regensuppe zum Nachtmahl” und dem Bruegel-Gemöde im Eingangskapitel, des “Antiheimatromans”, wie das Buch auch genannt wird, nicht begeistert und ich habe, als ich auf Seite siebzehn war, gleich einen Kommentar geschrieben und bin dann ein bißchen hin und hergeschwankt, ob das jetzt ein tolles Buch ist und sprachlich noch viel besser als Valerie Fritsch oder vielleicht doch ein bißchen übertrieben und manche Formulierungen zu sehr abgehoben?

Ich weiß auch jetzt noch nicht so genau, ob ich es auf die Shortlist geben würde, sie ist aber sehr beeindruckend, diese Heimatgeschichte vom Aufwachsen im Dorf, die, außer im Literaturcafe überall gelobt wird und mit Winkler und Innerhofer verglichen wird.

Das erscheint mir mir vielleicht auch ein bißchen übertrieben, es ist aber auf jedenfall sehr beeindruckend das Buchm das wahrscheinlich Autobiografisches in einer sehr ungewöhnlichen, zum Teil rotzigen Sprache erzählt.

Das beginnt außer beim Titel schon bei den Kapiteln, die Namen wie “Glaube Hoffnung Liebe”, “Der Triumpf des Todes”,”Tod des Helden”, “Bäuerin eine Kuh melkend”, etcetera tragen und die offensichtlich, wenn auch vielleicht weniger klar, wie beim Eingangskaptiel Assoziationen zu berühmten Gemäden, die im Anhang zitiert werden, darstellen sollen und dann wird die Geschichte der aufmüpfigen Ich-Erzählerin, der Infantin, die am Schluß auch mit einem Kind an ihrer Brust endet, in einundzwanzig Kapitel erzählt.

Sie lebt im Dorf mit Urgroßeltern, Großeltern, Eltern und den Zwillingsschwestern, die sie mobben und unterdrücken. Es beginnt gleich damit, daß sie den Stall abfackelt, der Vater zwinkernd vom “Blitz” spricht und grinsend zur Feuerversicherung geht und dann wird von Kapitel zu Kapitel mit der Familie abgerechnet.

Die Mutter erscheint am Anfang noch ganz vernünftig, später erscheint sie dann bigott, denn sie will vom Vater eine Kapelle erbaut haben weil ihr eine Marienerscheinung begegnete. Es war aber nur die Maria des Vaters.

Soviel zum Stil, manche Formulierungen wie die “ÖVP Frisur” oder die der “selbst diagnostizierte Sozialverwaisung” haben mich sehr begeistert und an Angela Lehners Debutroman vom Vorjahr erinnert, so daß dieser Antiheimatroman sicher, als stärker zu interpretieren ist als Petra Piuks “Toni und Moni”.

Es geht dann von den Urgroßeltern, deren Tod beschrieben wird, weg, bis ins Gymnasium, in das die Lehrerin die aufmüpfige infantin schickte, um “Sozialstudien” zu machen. Dort gerät sie in schlechte Gesellschaft oder an schlechte Freundinnen, während sie selbst den Drogen, die die “schwarze Anna” auf die Psychiatrie bringt, widerstehen kann. Die Mutter ist entsetzt, gerät aber auch an Beruhigungssmittel und in Streit mit dem Vater, der mit seinen Gewehren alle zu erschießen droht. Die Mutter zieht in die Stadt, der Vater kommt ins Gefängnis und sie ist zuerst auf dem großen Hof, wo es auch eine Beziehung zum Cousin, Inzest ist natürlich auch ein Thema, wie der Mißbrauch in dieser Antiheimatgeschichte, allein, bevor sie von den Schwestern hinausgeworfen und um ihren Pflichtteil betrogen wird.

Ein starkes Buch auf jeden Fall, mir vielleicht wieder ein bißchen zu übertrieben, obwohl mich die Überhöhung der Alltagssprache, die ich so noch nie gelesen habe, sehr begeistert hat und ich Helena Adler alles Gute wünsche, gespannt bin, was ich von der jungen Frau mit der starken Sprache noch so alles hören oder lesen werde und wieder nur empfehlen kann, ein Buch auch weiter als bis zur ersten Seite zu lesen, obwohl mein Eindruck in diesem Fall ja eher in die umgekehrte Richtung, als die von Malte Bremer ging.

Aus der Zuckerfabrik

Jetzt kommt schon oder erst Buch fünf der heurigen deutschen Buchpreisliste, Dorothee Elmigers Recherchetagebuch “Aus der Zuckerfabrik” und ich kenne die 1985 Schweizer Schriftsttellerin, die am Schweizer Literaturinstitut studierte, seit 2010, weil sie mit einem Auszug aus den “Waghalsigen” in Klagenfurt gelesen hat.

Sie hat das Buch, das ich gelesen habe, in der Hauptbücherei präsentiert, hat den “Fried-Preis” bekommen und nun ein sehr poetisches Buch geschrieben, das schön zu lesen, aber schwer zu verstehen ist und man dazu, glaube ich, eine große Portion Konzentration benötigt, um mitzukommen.

Worum geht es?

Am Buchrücken, wo es leider keine Biografie zu lesen gibt, steht “Dorothee Elmiger folgt den Spuren des Geldes und des Verlangens durch die Jahrhunderte und die Weltgegenden. Sie entwirft Biografien von Mstikerierinnen, unersättlichen Spielern, Orgiastinnen und Kolonialisten, protokolliert Träume und Fälle von Ekstase und Wahnsinn. “Aus der Zuckerfabrik” ist die Geschichte einer Recherche, ein Journal voller, Beobachtungen, Befragungen und Ermittlungen.”

Das ist schon einiges, für eine Realistin, die sich gerne am Handlungsfaden fortbewegt, aber sehr wenig. Es gibt Abschnitte oder Kapitel, die schöne Namen , wie beispielsweise “Plaisier” tragen und dann springt die Ich-Erzählerin, die Schriftstellerin ist, es ist ja ein Tagebuch, lustig hin und her und erinnert in ihrer Schreibweise an die große Friederike Mairöcker, heißt es da doch öfter “Sagte ich zu A”, etcetera.

Daß es um die Geschichte des ersten Schweizer Lottomillionärs geht, beschreibt Dorothee Elmiger in einem Filmchen, das der “Buchpreis” über sie drehte, es geht aber auch um, die Eßstörung einer Ellen West die vom Schweizer psichiater Binswanger in einem Buch beschrieben wurde.

Es geht überhaupt viel um Literatur, Marie Luise kaschnitz wird erwähnt, der “Radetzkmarsch”, aber auch, daß die Autorin sich während ihrer Recherche in Leipzig und Berlin aufhielt, aber auch die Werke eines E. G. Wakefields, der in einem Buch beschreibt, wie Kinder im neunzehnten Jahrhundert kriminell gemacht wurden.

Um Zucker geht es natürlich auch, um das Zucker essen, Zuckerrohr und Zuckerplantagen, wobei wir wieder bei der Sklaverei wären. Dorothee Elmiger war in Amerika, aber auch im Max Frisch-Archiv, denen “Montauk” spielt eine Rolle und dann geht es um die Frage, ob man einfach so Erzählen oder Erfinden, füge ich hinzu, kann, wenn einem das Alltagleben, das man ja draußen haben will, denn der Text hat ja, wie ich immer höre, ganz selbstverständlich nichts mit dem Autor zu tun, auch wenn ich den dann eins zu eins in der Biografie wiederfinde, dann liegt es an mir, wenn ich das glaube und es taucht auch ein Lektor auf, der sagt, wenn die Recherchen erst einmal veröffentlicht sind, müssen wir “Roman” darauf schreiben.

Da bin ich nicht ganz sicher, ob das nicht vielleicht doch ironisch gemeint ist, es steht auch nicht darauf, aber der “Deutsche Buchpreis” ist einer, der den Roman des Jahres sucht, also dürfte Dorothee Elminger poetisches Herumschwadronieren, wie auch einige andere Bücher, nicht darauf stehen, tut es aber.

Es folgen Textstellen über dieses Lottomillionär W. Bruni, der sein Glück Ende der Neunzehnhundersiebzigerjahre machte, sich dann laut “Spiegel” einen Lamborghini kaufte, damit einige Urlaubsreisen machte und schließlich in die Karibik fuhr. In den Achtzigerjahen ging er dann in konkurs, sein Besitz wurde versteigert und Dorothee Elmiger fragt sich immer wieder, wie weit die Sprache die Wirklichkeit erfassen kann und ob die Erinnerung nicht trügt?

Man kann sich auch fragen wohin das Recherchetagebuch führt und wozu es angelegt wurde? Um einen Roman über den Lottokönnig zu schreiben?, wie es die realistischen Autoren wahrscheinlich machen. Dazu funken wahrscheinlich zuviele Assoziationen hinein und am Ende bleibt ein sowohl sprachlich schöner, als auch verwirrender und viel Konzentration erfordender Text, die man in Zeiten, wie diesen vielleicht gar nicht hat, zurück.

Es gibt am Schluß die Belege für die Zitate und das von Elmiger verwendete Textmaterial und ich würde mir die Frage nach dem Titel, damit beantwortet, daß das die Werkstatt für Elmigers Elmigers Textassoziationen ist, die zeigen, was im Kopf eines Schriftstellers vorgeht und, wie man zu dem Resultat seiner Recherchen kommen kann.

Die österreichische Buchpreisliste

Dre Wochen nach der deutschen wurde jetzt auch die österreichische lange Liste bekanntgegeben, die aus zehn Titel mit einer zusätzlichen dreier Debutantenshortlist besteht, bekanntgegeben, die es seit 2016 gibt und zum Unterschied zur deutschen Liste nicht nur aus Romanen sondern auch aus Erzählbänden, Gedichten, etcetera, bestehen kann.

Und, wie auch bei der deutschen Liste kann ich sagen, es schaut sich einmal gut an, ich habe ja im Vorfeld schon ein bißchen gerätselt, habe gedacht, Michael Scharangs “Aufruhr” könnte dabei sein, Josef Haslingers “Fall”, Valerie Fritschs “Herzklappen”, Cornelia Travniceks “Feenstaub”, etcetera.

Einige andere Treffer hätte ich auf auf der deutschen und bei der Debutantenliste geschätzt und da wären wir schon bei

1. Helena Adler “Die infantin trägt den Scheitel links” was ja schon auf der deutschen Leseliste steht und demnächst von mir gelesen werden wird.

2. Xaver Baier “Geschichten mit Marianne“, da war ich ja kurz vor dem Shutdown im Literaturhaus bei der Präsentation, habe mich am überfüllten Buffet unter anderen an Jochen Jung vorbeigedrängt und mir gedacht “Uje, Uje, eine Quarantäne oder ein Lockdown kommt in dem Buch, glaube ich, auch vor

3. Melitta Breznik “Mutter”, da weiß ich wenig, nur daß das Buch auf der ORF-Bestenliste stand und ich es deshalb auf meine Spekulationsliste geschrieben habe um sie zu füllen.

4. Ludwig Fels “Mondleben”, ein mir eher unbekannter Großer der Literatur und auch bei “Jung und Jung”, erschienen, der ja auch wieder prominet, gleich mit drei Titeln auf der Liste vertreten ist.

5. Monika Helfer “Die Bagage”, da habe ich schon etwas gelesen und das Buch wurden von vielen schon auf der deutschen Lste erwartet.

6.Karin Peschka “Putzt euch, tanzt, lacht” von der Alpha-Preisträger, die den 2015 mit “Watschenmann” gewonnen hat, habe ich schon einiges gelesen, dieses Buch noch nicht, die “Gesellschaft für Literatur” hat es aber schon auf ihrer Online-Linie vorgestellt.

7. Verena Stauffer “Ousia”, das ist, glaube ich, ein Gedichtband.

“Orchis”, habe ich gelesen und das stand glaube ich auch auf einer der Bloggerdebutshortlisten.

8. Michael Stavaric habe ich auch schon gelesen und gehört sein “Fremdes Licht” steht auf der Liste und wurde auch schon von der “Gesellschaft” vorgestellt.

9.Cornelia Travnicek “Feenlicht” habe ich gelesen und die Autorin von ziemlich Anfang an ihre Karriere mitverfolgt und auch eine Zeitlang als Blogkommentiererin gehabt.

10.Ilija Trojanow auch kein Unbekannter. Seine “Doppelte Spur” ist es aber schon. Daher wäre ich auf das Lesen sehr gespannt. Die Bücher sind auch schon alle angefragt.

Und nun zu den Debuts, die ich ausgehend von den O-Tönen mir eher anders erwartet hätte, da habe ich ja mir ja “Dominik Barta von Land”, vielleicht auch Benjamin Quaderer “Für immer die Alpen” erwartet. Die “Infantin hatte ich aufgeschrieben, die steht aber auf der Hauptliste auf der deutschen und der öst und Stephan Roiss, der steht nur auf der deutschen, hat mir aber sehr gefallen, so sind es auch mit ein paar O-Töne Treffer

1.Leander Fischer “Die Forelle” geworden, von Buch und Autor habe ich noch nicht soviel gehört,

2.Günther Neumann “Über allem und nichts” wurde bei den O-Tönen vorgestellt, ebenfalls, wie

3. Mercedes Spannagel “Das Palais muß brennen”, ein Buch das mir bei der Vorstellung, besser als Lisa Eckharts “Omama” gefallen hat und ich auf das lesen sehr neugierig wäre.

Also lesen, lesen, lesen, meine Leseliste ist ja sehr lang und ich komme derzeit auch nicht sehr weiter, weil mich seit der Bekanntgeabe der deutschen Ll einige lange Brocken aufgehalst habe, aber heute gibt es wieder O-Töne da werden Sandra Gugic und der schon erwähnte Stephan Roiss präsentiert und ich werde mir, falles es nicht regnen sollte, Dorothee Elmingers Longlistbuch als Lektüre mitnehmen, während ich heute morgen Eva Roman “Pax” als E-Pub angefangen habe.

Der Halbbart

Nun kommt Buch vier der deutschen Longlist und das erste das ich nach der Verkündung gelesen habe, obwohl es schon lange auf meinen Bücherstapel lag.

Ich interessiere mich für Bücher ja hauptsächich nach den Autorennamen, so habe ich als mir “Diogenes” seine Herbst oder Sommervorschau schickte Charles Leweinsk und Bernhard Schlink angefragt, sind das ja bekannte nnamen von denen ich schon was gelesen habe und stolperte dann über den Titel “Der Halbbart”, denn, was soll das heißen und dachte erst einmal “Das interessiert mich nicht!”

Dann bin ich noch draufgekommen, es ist wohl ein historischer Roman, denn er spielt im vierzehnten Jahrhundert.

Uje,uje und, als ich dann noch bei einem Podcast, der die Ll bespricht und die Hörer nach den Genres raten ließ, hörte, daß, da nach einem Schelmenroman gefragt wurde, dachte ich, wohl wieder “Uje, uje!” oder “Nein!”, da war ich schon beim Lesen und bin irgendwann darauf gekommen, daß der “Halbbart” damit gemeint sein könnte.

Den 1946 in Zürich geborenen Autor kenne ich genaugenommen seit 2014, denn da stand sein “Kastelau” auf der Longlist und ich habe das Buch in Folge der Longlistleseaktion gewonnen und besprochen, den “Stotterer” habe ich auch gelesen, weil mir “Diogenen” durch das Bloggerdebutlesen Des Genies”, die Vorschau schickte und ich interessiere mich nun einmal für die bekannten Namen.

Da waren wir schon einmal und, um mich nicht wieder zu wiederholen kann ich gleich spoilern, daß ich das Buch, als mein zweites für die shortlist sehen würde, ich habe zwar erst vier gelesen, aber immerhin und es ist wieder ein Buch über das Erzählen und darüber wie Geschichten entstehen und noch darüber hinaus, wie man die Wahrheit von der Lüge unterscheidet oder wie Lüge letztlich durch das Erzählen zur Wahrheit werden kann.

Wahrscheinlich ist es das Alterswerk des Autors, der darin seine ganze Weisheit legt und großen Spaß beim Erzählen hat und dabei auch ein bißchen dreht und wendet, so daß es, was ein guter Roman ja sein muß, wie ich immer höre, etwas Neues und noch nie dagewesenen trotz der Millionen schon geschriebener Romane hat.

Da wäre Erstens, daß der titelgebende “Halbbart” eigentlich gar nicht die Hauptfigur ist und, daß man eigentlich gar nicht soviel von ihm erfährt oder wahrscheinlich nicht alles und Zweites, daß es einen Erzählstil hat, wie ich ihn auch manchmal verwende.

Es tappt sich von Szene zu Szene voran und beginnt mit Wiederholungen. Das tue ich öfter. Der Autor geht darüber hinaus, überspringt auch einiges und Erzähler ist der Sebi oder Eusebius, das ist ein kleiner Bub, im Dorf aufgewachsen, der sehr schwach ist, dadurch nicht zum Bauern geeignet ist und auch nicht zum Soldaten. Dafür vielleicht zum Mönch, sagt man im Dorf, denn er hat ein gutes Gedächtnis.

Es kommt aber immer alles anders, als man denkt, das sage jetzt ich und der Sebi beginnt das Buch, in dem er erzählt, wie der Halbbart ins Dorf gekommen ist, denn der ist eine sonderbare Erscheinung. Hat er ja ein halb verbranntes Gesicht oder einen halbverbrannten Körper und der ist auch sehr gescheit, beziehungsweise versteht er sich auf das Heilen, obwohl er wie er sagte, nie Medizin studierte. Aber das konnte man im vierzehnten Jahrhundert wahrscheinlich auch nicht wirklich.

Der Sebi, der sich mit dem Fremden, der ihm nach und nach seine Geschichte erzählt, anfreundet, hat zwei ältere Brüder den Poli und den Geni und nur noch eine Mutter, die auch bald stirbt, aber eine vernünftige Frau gewesen scheint, die dem Sebi viele Lebensweisheiten in Sprüchen mitgab und eigentlich nicht an Gott glaubte.

Es geht gleich weiter, daß der Geni beim Holzfällen verletzt wird und der Halbbart rät, daß man ihm sein Beim amputieren muß, damit er nicht stirbt und er baut ihm mit Hilfe eines Schmiedes auch noch ein künstliches Bein, so daß er wieder gehen kann-

Dann erzählt er dem Sebi nach und nach seine Geschichte. Er wurde der Gotteslästerei beschuldigt und sollte daher verbrannt werden, konnte sich retten, hat aber alles verloren, wurde auch zur Schau gestellt und dem hämischen Volk ausgeliefert, so hat er einen großen Haß auf die Habsburger. Er wird auch in dem Dorf, der Hexerei veschuldigt, es kommt zu einem Prozeß. Da kann er seine Unschuld beweisen und der Geni, der ein sehr gescheiter Bursch ist, wird sogar zum Gehilfen, Sekretär oder Assistenten oder, wie immer man das damals nannte des Landammanns bestellt und, als die Mutter gestorben ist, wird er zum Vormund des Sebi und schickt ihm ins als sogenanntes Abtmündel ins Kloster.

Dort darf er, die Schafe hüten, beziehungsweise im Garten arbeiten und als ihm der Prinor einen besonderen Auftrag gibt, nämlich ein totes Kind zu begraben, nimmt er entsetzt Reisaus und ist von den Patres aufs Erste einmal enttäuscht.

Rührend fand ich die Szene, wie er die kleine “Perpetua”, wie seine Schwester heißen sollte und er die Kinderleiche daher so nennt, begräbt, in dem er sie, damit sie doch in den Himmel kommt, vorher tauft und ihr später auch ein Holzkreuz schnitzen läßt.

Der andere Bruder, Poli, ist das Gegengteil von Geni, nämlich ein Raufbold, der unbedingt zu den Soldaten will und, auch als Vorbild, den Onkel Alisi hat, der bei den Soldaten war ins Dorf zurückkommt und sich als Familienhaupt in das Haus der Brüder einquartiert, dazu holt er den Sebi, der sich inzwischen unter anderen Namen bei einem Schmied versteckt hat, zurück und will unbedingt einen Soldaten aus ihm machen. Das mißlingt genauso, wie das Angebot des Totengräbers, den er Sebi immer geholfen hat, sein Nachfolger zu werden, der nun weiß. was er werden will, nämlich Geschichtenerzähler und geht deshalb zur Teufels-Anneli in die Lehre und die gibt ihm auch gleich die richtigen Ratschläge, die vom Autor stammen, nämlich, daß man eine Geschichte immer so erzählen muß, wie sie nicht wirklich war, deshalb vielleicht mein literarischer Mißerfolg, weil ich ja gerne realisitsch schreibe, aber, wie heißt es so schön, jede gute Geschichte ist besser als die erfundene Wirklichkeit.

Daniel Kehlmann hat es ja einmal gemeint, daß ein Autor lüget, wenn er erzählt und in den Schreibseminaren lernt ja, “Erzähle das Schlimmste pawas dir passiert ist, dann wird es gut!”

Der Sebi lernt das, beim Teufels-Anneli, die sich selbst vergiftet, weil sie sich mit Käutern betäubt, um besser fabulieren zu können und die guten Ansätze des Lebens, werden durch die Mord- und Rauflust des Onkesl und seinen Kumpanen sofort zerstört, denn zuerst überfällt er mit dem Dorf und dem Neffen das Kloster, dann macht er einen Feldzug gegen die Habsburger und der Sebi, der zu all dem ja ungeeignet ist, steht daneben und erzählt seine Geschichten so, daß er die Wahrheit übertreibt. Da dann nieman,d wie er meint, sie glauben kann. Der Onkel ist aber begeistert und das Teufels-Anneli nimmt ihm zur Seite und meint “Das war eine sehr schöne Geschichte, Eusebius. Man wird sie bstimmt noch lange erzählen, und irgendwann wird sie die Wahheit sein.”

Da merkt man, denke ich, die Schelmenkunst des Erzählers, der ja eigentlich sehr grausame Sachen erzählt und vieles nur anschneidet, so hätte ich wahrscheinlich mehr vom Leben des Halbbart, der am Ende seine Rachsucht auch nicht überlebt oder über die Kinderleiche erfahren und da läßt derAutor, den Sebi sie ihm in einem Fiebertraum noch als Engel erscheinen und dann gibt es eine zarte Liebesgeschichte, die böse endet und leidet auch irgendwie unvollendet bleibt. Denn der Schmid bei dem der Sebi eine Zeitlang in der Lehre war, hat eine Tochter, das Kätterli, in die er sich ein wenig verliebt. Die kommt eines Tages bleich und stumm vom Kirchgang zurück und man erfährt, sie wurde von einem Mönch vergewaltigt. Nachdem das klar ist, verschwindet sie auf ihren Wunsch selbst im Kloster und man hört nie wieder etwas von ihr. Der Schmid schließt sich in seiner Rachsucht, obwohl sonst ein vernünftiger Mann, dem Onkel und Neffen bei ihren Klosterfeldzug, wo alles geschändet und geplündert wird und den Sebi entsetzt daneben stehen läßt, an.

Die neue deutsche Buchpreisliste

Hurrah, sie ist, trotz Corona-Zeiten, da, die neue deutsche Buchpreisliste und sie war mir diesesmal obwohl ich ja bei meinen Buchpreisspekulationen, etwas anderers vermutet hättte gar nicht so unbekannt, weil fünf Treffer.

Ein paar unbekannte Autoren und wahrscheinlich Neuentdeckungen gibt es auch und das ist gut, aber drei Bücher habe ich davon schon gelesen, eines liegt in meinem Badezimmer, von dreien habe oder hätte ich bei den O-Tönen gehört und auch ein paar Serientäterinnen, also Bücher von Autoren, die schon mal auf der Liste standen, sind auch dabei.

Das Mann Frau-Verhältnis habe ich jetzt nicht nachgezählt, denn das ist mir eigentlich egal.

Ich habe also die Verlage angeschrieben, freue mich auf das Lesen und gehe nun für alle Interessierten, die Liste durch.

1. Helena Adler “Die Infantin trägt den Scheitel links”, ein Jung & Jung-Buch ist ja immer dabei, wahrscheinlich hat der Jochen ein Abonement darauf- Das Buch wird derzeit sehr prominent erwähnt und wurde bei den O- Tönen-Debuts vorgestellt, aber da konnte ich, weil Regen nicht ohne Maske in die Ovalhalle.

2. Birgit Birnbacher “Ich an meiner Seite”, die “Bachmannpreis-Trägerin” vom letzten Jahr, die inzwischen bei “Zsolnay” verlegt, da war ich bei den O-Tönen, “Wir ohne Wal” habe ich auch gelesen.

3. Bov Bjerg “Serpentinen” auch ein “Bachmann-Leser”und ein Buch das ich schon gelesen und auf der Liste erwartet habe.

4. Arno Camenisch “Goldene Jahre”, ein Schweizer Verlag, sagt mir jetzt nichts, bin also gespannt.

5.Roman Ehrlich “Male”, wahrscheinlich auch ein “Bachmann-Leser”, ansonsten auch eher unbekannt.

6. Dorothee Elmiger “Aus der Zuckerfabrik”, eine “Bachmann-Leserin” von der ich schon was gelesen habe.

7.Valerie Fritsch “Herzklappen von Johnson & Johnson”, da war ich auch bei den O-Tönen, begleite die Autorin seit sie sich um die Aufnahme bei der GAV beworben hat, habe das Buch auf der Liste erwartet und glaube nach dem was ich auf der Lesung hörte, daß es mir besser als “Winters Garten” gefallen wird.

8.Thomas Hettche “Herzfaden”, ein schon bekannter Autor und glaube ich auch ehemaligerger Bachmann-Juror und gelesen habe ich auch schon einiges von ihm.

9.Charles Lewinsky “Der Halbbart” liegt auf meinem Badezimmerstapel und wird nchste Woche gelesen, da es da erscheint, ansonsten habe ich 2014 beim Longlistenlesen meine erste Erfahrung mit Charles Lewinsky gemacht.

10.Deniz Ohde “Streulicht”, bis jetzt völlig unbekannt, also sehr gespannt.

11.Leif Randt “Allegro Pastell”, stand schon auf der Liste für den “Leipziger Buchpreis”, deshalb habe ich es auch schon gelesen.

12.Stephan Roiss “Triceratops”, damit habe ich mich am Wochenende beschäftigt, ein Debut und ein gutes Buch, das mir sehr gefallen hat, ich drücke alle Daumen.

13.Robert Seethaler “Der letzte Satz” ein Mahler-Roman, wurde von Wolfgang Tischer auf dem Literaturcafe zerlegt oder zerissen.

“Findet man alles bei “Wikepedia!”, das werde ich jetzt überprüfen und habe am Sonntag bei Alfreds Grillfest vom Karl “Ein ganzes Leben”, der Bestseller von vor ein paar Jahren überreicht bekommen, so habe ich es angefragt. Das “Feld” das auf der östBp stand und bei den O-Tönen präsentiert wurde, habe ich gelesen.

14. Eva Sichelschmidt “Bis wieder einer weint”, völlig unbekannt, bin gespannt.

15. Anne Weber “Anette, ein Heldinnenepos”, klingt interessant und von Anne Weber habe ich schon einiges gelesen und gehört.

16. Olivia Wenzel “1000 Serpentinen Angst”, klingt auch interessant und war mir bis jetzt unbekannt.

17.Frank Witzel “Inniger Schiffbruch”, das ist, glaube ich der Buchpreisträger von 2015 und das war ein Buch,, das mich sehr beeindruckt hat.

18. Iris Wolff “Die Unschärfe der Welt”, da hat die Autorin einmal den “Alpha” gewonnen, ich muß gestehen, ich habe das Buch noch nicht gelesen, vielleicht klappt es aber jetzt

19. Jens Wonneberger “Mission Pflaumenbaum”, klingt auch sehr interessant und spannend, ansonsten ebenso bis jetzt alles unbekannt.

20. Christine Wunnicke “Die Dame mit der bemalten Hand”, stand schon zweimal auf der langen Liste, deshalb kenne ich sie und die damals nominierten Bücher. Jetzt hat mir der Verlag das neue schon versprochen.

Interessant finde ich und bin sehr neugierig, ein paar Debuts, nichts so viele mittelalte berühmte Männer, die an ihren Midlifekrisen leiden, was ich auch sehr schön finde und jetzt wieder lesen, lesen.

Wer tut es mir nach und da ich drei Bücher ja schon gelesen habe, ist es auch nicht so viel und so viele hatte ich, glaube ich, vorher noch nie gelesen, obwohl ich mich ja immer sehr um den Buchpreis bemühe und den wirklich spannend finde.

Frühling der Barbaren

Jetzt geht es wieder zum Backlistbuchpreislesen, dem letzen wahrscheinlich, bevor es ab achtzehnten August zum richtigen “Buchpreisbloggen” kommt, nämlich zum Jahr 2013, dem Jahr wo zwar nicht alles begann, ich mir aber zum ersten Mal überlegte, ob mich das nicht doch reizen könnte und ich das Leseprobenbüchlein besprochen habe.

Den 1976 in der Schweiz geborene Jonas Lüscher, der mit “Frühling der Barbaren” auf der Longlist stand, habe ich damals nicht gekannt und die Perfektionistin in mir bemängelt auch, daß er eigentlich nicht darauf stehen hätte dürfen, ist das Buch doch eindeutig als “Novelle” gekennzeichnet und wurde auch als solche geschrieben.

Sie stand trotzdem auf der Liste, die den besten deutschsprachigen Roman sucht und ich betone noch, daß Jonas Lüscher mit seinem Roman “Kraft” 2017 nochmals auf der DBp-Liste gestanden ist und auf die Longlist des Bloggerdebuts kam, denn dann war es ja der erste Roman, also eigenlich ganz schön verrückt oder ein Hinweis darauf, wie sinnlos diese Gattungsbezeichnungen vielleicht sind.

Den Essayband “Ins Erzählen flüchten” habe ich Anfang März gelesen und die Novelle, die sich in einem wahrscheinlich gewollt altmodischen Tonfall, sowohl der Finanzkrise, als sich auch dem arabischen Frühling annimmt, wurde überall hoch gelobt.

Man kommt in das hundertzwanzig Seiten starke Buch, zuminstest ist mir das passiert, nur schwer hinein, irritiert am Anfang doch der altmodische Tonfall, dann wird es aber packend und ich schließe mich den Kritikern an, eine köstliche Geschiche, die ja ein wenig an die Dystopie, die wir hier erleben, wo ein Virus die Wirtschaft zum Zusammenkrachen bringt, alle Masken tragen und im Frühling das Klopapier ausverkauft war, erinnert, obwohl das Buch ja schon früher geschrieben ist.

Ich habe ja nicht Literarurwissenschaft studiert, daß die Novellen früher, und ich nenne meine Sachen, der Länge wegen, auch manchmal so, obwohl sie nach den strengen wissenschaftlichen Kriterien wahrscheinlich keine sind, oft mit einem Erzähler beginnen, weiß ich aus den “Radiogeschichten” und oft er erzählt der dann eine Geschichte, die ihm von einem, den er irgendwo kennenlernte, erzählt wurde.

in diesem Fall ist es der Schweizer Geschäftsmann Preising, das heißt, er ist ein reicher Erbe, offiziell Vorstand seiner Firma, die ihm längst von einem Bosnier aus der Hand genommen wurde, der ihm, wie die Geschichte beginnt, auf Urlaub nach Tunesien geschickt hat.

Jetzt befindet Preising sich in der Psychiatrie und erzählt dem Mitpatienten seine Geschichte, wie er da mit dem von der Haushälterin gepackten Koffer, in der sich lauter helle Wüstensachen befinden, zum Fugzeug chauffiert wird, selbst hat er kein Auto. In Tunesien erwarten ihn Geschäftsfreunde, einer will ihm mit einer seiner sechs Töchter verheiraten und zu krummen Sachen überreden. Er entkommt und ffährt mit der Tochter eines anderen in ein Wüstenressort, das bezeichneterweise “Tousands and one night” heißt und nach der Phantasie aus Werbeprospekten nachempfunden wurde. Dort soll eine Hochzeit reicher britischer Finanzleute stattfinden. Preising freundet sich mit der Mutter des Bräutigams an und fährt am Vortag mit dem Vater auf Wüstenbesichtigung. Das wird ähnlich makaber geschildert, wie vorher die Kamele, die einen Bus zum Umstürzen brachten. Der Kameltreiber ist bankrott. Für Preising wäre es ein Knacks ihm das verlorene Geld zu geben, er überlegt und überlegt, tut es dann nicht.

Und während die Hochzeit stilvoll von statten geht, krachen in England, die Banken zusammen und die jungen Leute haben nichts mehr, um ihre Rechnung zu bezahlen, denn ihre Konten sind gesperrt. So läßt Saida, die Hotelmanagerin, das frugale Frühstückbuffet abräumen, nur Preising hat seinen Extratisch. Es kommt zu Plünderungen. Der Kärntner Hotelkoch ist mit dem Schlüßel zur Speisekammer abgetaucht. So beschließen die betrunkenen Engländer ein Kamel zu braten. Das führt zu einem Wüstenlbrand und überstürzter Flucht und der letzte Satz des Buch auf die Frage des Erzählers, was Preising damit beweisen wollte, lautet “Du stellst schon wieder die falsche Frage” und am Buchrücken steht “Eine Entdeckung, weil es ein so komplexes Thema, wie die Finanzkrise in einer schmalen ökonomischen Novelle bündelt, deren Schauplätze nicht besser gewählt sein könnten: eine psychiatrische Anstalt und die Wüste”, “Der Spiegel”, “Treffend beoabachtet, altmodisch und zugleich modern erzählt, urkhmisch und kühn”, “Die Welt” und “Ein absolut brillantes Buch. Für mich ist Jonas Lüscher die große Endeckung in diesem Jahr”, Ijoma Mangold, “Die Zeit”.

Mutter brennt

Jetzt kommt das vierte öst Longlist Buch und das zweite von der Shortlist, Sophie Reyers “Mutter brennt” aus der kleinen “Edition Keiper” aus der Steiermark von der ich schon einiges gelesen habe und die 1984 geborene Sophie Reyer kenne ich auch schon lang von Veranstaltungen.

So war sie glaube beim “Lockstoff” der  jungen wilden Reihe des “Podiums” dabei, ich habe sie bei den “Wilden Worten” gehört, ihr “Schildkrötenbuch” wurde in der “AS” vorgestellt. Beim “Radio Rosa” hat sie gelesen, etcetera. Sie hat schon mehrere Romane geschrieben, gelesen habe ich jetzt erst das Shortlistbuch von ihr und das war gar nicht so leicht.

Denn es ist ja nicht, wie der Titel erwarten lassen könnte, ein Buch über die Schwangerschaft, wie etwa “Cherubino” Es ist auch keine reine Familiengeschichte. Es ist viel mehr, es ist alles oder nichts und infolgedessen ein wenig verwirrend.

Es geht um Luise, die Mutter. Die hat zwei Kinder Clemens und Ina und einen Ex-Mann, der behauptet, sie hätte gar keine Kinder, denn sie hat sie abgetrieben.

Das wird im Prolog geschrieben. Dann gibt es drei Teile, die sich sehr wohl mit dem Leben Luises und ihren Kindern beschäftigt, die in einem Wäschegeschäft arbeit.

Es gibt auch eine Großmutter, namens Eva, die war eine Trinkerin und hat sich, glaube ich, umgebracht, als Luise mit Clemens schwanger war. Da hat sie versucht ihn abzutreiben und diese Eva erscheint nun als Geist bei Clemens und erzählt ihm ihr Leben.

Sie war ein Kriegskind, hat im Luftschutzkeller aus Angst zu trinken angefangen, war Hausmeistertochter und später selber Hausmeisterin und Luise ist ein <kuckuskind, nämlich die Tochter eines französischen Allierten, der Eva vergewaltigt hat.

Jetzt will Luise ihr Leben genißen und verreist mit einer Freundin nach Frankreich. Die Kinder läßt sie inzwischen von einer thailändischen Putzfrau, die aus dem Mund stinkt und im selben Haus wohnt oder arbeitet betreuen. Dort lernt sie einen Mark kennen, der wie sich herausstellt der Neffe von jenen Vergewaltiger ist.

Dann gibt es noch die Tochter Ina, die viel lest, was der Mutter gar nicht recht ist. Sie ist aber auch in einem Chor und hat sich in einen Walter verliebt, der wenn ich es recht verstanden habe, schon über vierzig ist.

Sie wird auch wahnsinnig, kommt in eine Klinik, wird von einer Therapeutin und einer Sozialarbeiterin betreut und eine “Zaunreiterin” oder “Hexe” oder “Heilerin” namens Elmira taucht auch noch auf, denn das buch geht ja über die Zeiten hinweg, sprengt diesselben, was man schon beim Lese bemerkt, weil da nicht wirklich klar wird, wie alt jetzt die, vielleicht ohnehin agetriebenen Kinder sind? Zwölf und dreizehn steht irgendwo, aber dann spielen sie mit Legosteinen, dürfen nicht alleine U-Bahn fahren, Ina geht mit einem roten Abendkleid auf einen Ball, etcetera.

Auch das läßt sich durch die Aufhebung der Zeit und das nicht chronologische Schreiben erklärt. Es ist aber auf jedenfall ein sperriges, experimentelles Buch, was ich mir, da ich Sophie Reyer ja kenne, auch erwartet habe.

Gefallen hat es mir trotzdem und es freut mich auch, daß es auf die Shortlist kam, was ich eigentlich nicht erwartet habe.

Der Sommer meiner Mutter

Buch siebzehn der dBpliste ist das zweite das sich mit der Mondlandung vor fünfzig Jahren, im Juli 1969 beschäftigt, offenbar hat dieses Ereignis, die mittelalten und mittelberühmten Schriftsteller sehr geprägt und ich finde es sehr interessant, die beiden Bücher zu vergleichen.

Der 1960 geborene Ulrich Woelk, der Physik und Philosophie in Tübingen studierte, geht es kleinbürgerlicher an, als Norbert Scheuringer, der seine Mondlandungsgeschichte viel dramatischer mit Folterungen in einem Erziehungsheim, einer ausgebrochene Mörderin, dem gesamten Jahrhundert und dann das Berühmtwerden eines Genies in Amerika und dessen Scheitern schildert.

Held und Erzähler ist auch hier ein Kind, der elfjährige Tobi, der in einer sehr bürgerlichen Umgebung in einem Vorort von Köln aufwächst. Der Vater ist Ingenieur, die Mutter, wie sich das damals wohl gehörte, Hausfrau, die immer auch bei Grillfesten in ihrem Garten pastellfarbene Kostüme trägt und die erste Szene ist schon sehr eindrucksvoll.

Da fährt die Mutter mit dem Sohn in die Stadt, um ihm eine Jeans zu kaufen. Das ist damals hochmodern, dafür in einen Jeans-Store zu gehen und sich seine Levis und Wranglers selber auszusuchen und die Mutter verblüfft den Kleinen mit der Frage, ob sie sich nicht auch eine kaufen soll?

Was ihn verwirrt und er auch ablehnt, seine Muttter soll so etwas nicht tun, sie macht es dann vorerst auch nicht. Es ist aber bezeichnet für die Veränderung und den Roman, der ja schon mit dem verhängnisvollen Satz beginnt “Im Sommer 1969, ein paar Wochen nach der ersten benannten Mondlandung nahm sich meine Mutter das Leben.”

Der Veränderung sollen weitere folgen, in das Nachbarhaus aus dem ein alter Mann hinausgestorben ist, zieht ein Paar mit ihrer fast zwei Jahre älteren Tochter ein.

Rosa, nach der Rosa Luxemburg benannt, und die Nachbarn sind Kommunisten. Der Vater Professor an der Uni, wo er sich mit Adorno und der Psychoanalyse beschäftigt. Die Mutter Frau Leinhard übersetzt englische Kriminalromane.

Das will Tobis Mutter auch tun. Der Vater ist dagegen, seine Frau hat das nicht nötig. Frau Leinhard vermittelt aber und so kommt es vor, daß es zu Mittag kein Essen gibt und sich Vater und Sohnemann ihre Brote selber streichen müßen.

Der Vater kauft der Mutter aber trotzdem ein Auto zum Geburtstag und es macht einen Augenblick lang auch den Anschein, als würden die Paare sich gegenseitig verlieben und einen Partnertausch vollziehen, während Tobi, der für die Raumfahrt schwärmt, Rosa näher kommt und mit ihr die ersten Sexspielchen erlebt.

Die Mondlandung kommt immer näher, die beiden Familien schauen sie sich im Haus des Onkel Harthmuth an, dessen Frau Mechthild heimlich trinkt, das sind so die kleinen Milieuschulderungen, die Ulrich Woelk seinen Protagonisten naiv erleben läßt.

Richtig, der hat noch seine Eltern dabei erlauscht, daß der Vater mehr Sex von der Mutter wollte, sie ihm den verweigert und der Kleine versteht das alles nicht so richtig und erfährt nur, daß die Mutter schuld ist, daß er keine Geschwister hat.

Später belauscht er die Mutter noch einmal. Das eine Mal wollte er sich  Batterien aus der Küche holen. Das zweite Mal sich die <mondlandung im Fernsehen ansehen. Da erwischt er aber die beiden Frauen beim Sex und die Katastrophe beginnt. Der Mond wurde bemannt, die beiden Männer ziehen aus. Rosa geht nach England mit ihrem Vater und Tobis Vater verheiratet sich drei Jahre nach dem Selbstmord der Mutter, die es nicht aushielt, daß ihr Sohn nach dem was er gesehen hatte, nicht zu ihr wollte, noch einmal.

Ist das weniger dramatischer, als das, was Norbert Scheuringer in seinem fünfhunderter Seiten Buch schildert?

Wahrscheinlich realistischer, obwohl die Frauenliebe in dem kleinbürgerlichen Milieu der Sechzigerjahre auch fast schockartig wirkt, während es normal gewesen wäre, wenn der Vater seine Frau mit der Nachbarin betrogen hätte.

Mir hat das Buch, glaube ich, besser gefallen, weil es, glaube ich, realistischer ist. In der Rezeption ist es, glaube ich, nicht so gut weggekommen und eindrucksvoll natürlich, wie sehr die mittelalten und mehr oder weniger berühmten Schriftsteller von der Mondlandung vor fünfzig Jahren beeindruckt wurden.

Hier sind Löwen

Buch vierzehn des dBps Katerina Poladjans “Hier sind Löwen”, schließt sich eigentlich ziemlich nahtlos an Alexander Osangs “Das Leben der Elena Silber”, an, wurde die Autorin, die armenische Wurzeln hat und schon beim “Bachmannpreis” gelesen hat doch 1971 in Moskau geboren und sie hat auch einen Familienroman, in dem es um Wurzeln und die Herkunft ihrer Familie geht, geschrieben.

Die Buchrestauratiorin Helen oder Helena Mazavian, Tochter der Künstlerin Sara, die sie ohne ihrem deutschen Vater allein aufgezogen hat und sie als Kind dadurch verstörte, daß sie ihre Puppen und Stofftiere zerschnitt und neben die Fotos toter armenischer Kinder performiertte, reist nach Jerewan, um dort eine bestimmte Art der armenischen Buchbindekunst zu erlernen.

Sie solle eine Bibel restaurieren und findet in ihr einen bestimmten Satz.

“Hrant will nicht aufwachen!”

Das veranlaßt sie nach ihrer eigenen Familie zu forschen, um herauszufinden, wie das mit ihrer Großmutter war.

Das bleibt aber vage und unbestimmt, weil sie eigentlich keine Informationen dazu bekommt und auch keine wirklichen Spuren findet.

Sie, die in Deutschland ihren Freund zurückgelassen hat, nimmt in Jerewan eine Beziehung zum Sohn der Chefin des Archivs auf, einem Soldaten, der im Laufe des Romans stirbt und die fiktive Geschichte von zwei Kindern, denen die Bibel gehört haben könnte und die mit ihnen während des Völkermordes zu flüchten versuchten und die Helenes Vorfahren sein könnten, wird auch immer wieder eingestreut.

Eine ähnliche vage Geschichte, wie die von Alexander Oslang, die aber doch ein wenig einführt in die armenische Geschichte, die Suche nach den Wurzeln ihrer Familie, die aber auch Helen nicht wirklich findet, wie sie auch ein wenig vage, widersprüchig und undefiniert geschildert wird, die aber doch einen interessanten Einblick und die Motivation geben kann, sich weiter mit der Geschichte der Armenier zu befassen und da habe ich ja erst heute einen Roman darüber im Bücherschrank gefunden, den ich mir aus genau diesem Grund mitgenommen habe und ein Sachbuch über den Völkermord in Armenien habe ich auch einmal zum Geburtstag bekommen.

Die Leben der Elena Silber

Jetzt kommt Buch dreizehn des dBps und es spielt wieder in Berlin, in der EX-DDR und in Russland, ein wahrscheinlich autobiografischer Familienroman des 1962 in Berlin geborenen Alexander Osang, von dem ich schon ein Weihnachtsbuch gelesen habe und mir vor ein paar Monaten beim Schubert in St. Pölten einen Erzählband aus der Abverkaufskiste gezogen habe.

In zwei Strängen wird das Buch erzählt, beginnend in Russland, wo 1903 Jelena geboren wurde, deren Vater ein paar Jahre später von zaristischen Attentätern ermordet wurde,  dann geht es abwechselnd nach Berlin zu dem Filmemacher Konstantin, dessen Mutter Maria oder Mascha eine Tochter Jelenas oder Lena, die in Berlin zur einer Elena wurde, den an Demenz erkrankten Vater gerade in ein Pflegeheim abschiebt, in dem auch Jelena gestorben ist.

Aber zuerst geht deren Mutter mit den zwei Kindern von Gorbatov weg, ein paar jahre später kehrt sie mit ihrem zweiten Mann, der Jelena mißbraucht, zurück.

Es kommt zu einem Prozeß, Jelena freundet sich mit dem Sohn eines der Attentäters an. Er wird ihre große Liebe. Sie heiratet aber den deutschen Ingenieur Robert Silber und geht mit ihm 1936 nach Deutschland.

Zuerst nach Berlin, dann nach Schlesien, wo er herkommt,  sein Großvater eine Fabrik besaß und eine Kirche erkabuen ließ.

Jelena hatte fürnf Töchter, zwei davon noch in Rußland geboren, die kleineste Anna, 1942 geboren, verstarb 1944 an Diphterie und als die Russen nach Schlesien kamen, wurde Robert von ihnen in den Fuß geschoßen. Jelena trifft ihren Jugendfreund wieder, der Robert hilft, der verschwindet aber und Jelena zieht ihre vier Töchter, Lara, Vera, Maria und Katja alleine auf.

Maria, Konstatntins Mutter, rät ihm sein Thema zu finden und vielleicht einen Film über seine Familie zu machen. So sucht er die auf, kommt sogar nach Russland in den Geburtsort Jelenas und das Buch endet im Herbst 2017, als der Vater aus dem Altersheim verschwindet, von einem Freund aber gefunden wird und 1990 als Jelena dorthin übersiedelt, damit einer ihrer Neffen ihre Wohnung haben kann.

Neunhundertsechzig Seiten hat das E-Book, im Print werden es wohl sechshundert sein und ich denke, es sind einige zulang, weil man das Meiste schon viel früher erfährt und sich vieles  wiederholt.

Am eindrucksvollsten haben ich die Szenen über den Demenz kranken Vater und sein Leben in dem Pflegeheim gefunden, wo er verwirrt nach einem Klo sucht oder im Aufenthaltsraum sitzt, wo der Pfleger lustlos aus einem Buch vorliest, das die anderen Bewohner hinterlassen haben und das dann “Literarischer Zirkel” genannt wird.

Bücher spielen in dem Buch überhaupt eine große Rolle. So wird Julian Barnes “Der Lärm der Zeit” erwähnt und Dostojewskis “Schuld und Sühne” das nun  “Verbrechen und Strafe” heißt.