Kerbungen

Die 1933 geborene Elfriede Haslehner und die 1939 geborene Hilde Langthaler, genannt Bruni, was sie später aber gar nicht wollte, waren in den späten Siebzigerjahren, als ich in den “Arbeitskreis schreibender Frauen” gekommen bin, sicher meine prägensten literarischen Begegnungen. Als sich der “Arbeitskreis” 1984 auflöste, beziehungsweise ich in keinen Verein eintreten wollte, habe ich mit den Beiden und mit der in den Neunzigerjahren verstorbenen Valerie Szabo noch jangelang in den verscheidensten Wohnungen und Cafes zum literarischen Austausch getroffen.

Die Elfriede hat erst kürzlich ihre von der Ruth, die ich erst später kennenlernte, organisierten “Gedenklesung” im Lesetheater gehabt, die Bruni ist Anfangs 2019 gestorben und hat da auch einige Gedenklesungen gehabt und jetzt habe ich von ihrem Mann, dem lieben Richard, der ihr ein rührender Nachlaßverwalter ist, einen Bildband mit seinen Holzschnitten, die er, glaube ich, seit den Sechzigerjahren betreibt und vierzig ihrer Lyrik- oder Prosatexte herausgegeben, so daß ich im Monat März, wo wir ja noch immer der Lyrik gedenken mich wieder an eine wichtige Wegbereiterin meiner literarischen Karriere, die ja keine ist, gedenken kann.

Mein Verhältnis zu der Bruni war immer etwas schwierig und wir haben auch einige Auseinandersetzungen gehabt. Sie war mir glaube ich zu unsicher und zögernd und das habe ich nur schwer ausgehalten und sie hat sich wahrscheinlich an meiner Unsicherheit gestört. Besser ist das erst geworden, als ich “losgelassen” habe und sie nicht mehr unbedingt überzeugen wollte, daß ich eine gute Freundin bin.

Das Vorwort zu dem Band hat Susanne Ayoub geschrieben mit der die Bruni sehr befreundet war und sie hat das beschrieben, was ich auch so sehen würde. Die Bruni war sehr bemüht, hat ihre Texte immer wieder überarbeitet, war nie damit zufrieden und hat sie auch mehrmals und öfter herausgegeben.

Geboren wurde sie 1939 in Graz, als Tochter einer Ärztin, ihr Onkel war Theodor Sapper auch ein eher schwieriger Lyriker, die Großmutter Agnes hat ein immer noch existierendes Kinderbuch geschrieben, das ich einmal im Schrank gefunden habe.

Sie war in den Siebzigerjahren als ich sie kennenlernte und ist das wahrscheinlich immer, sehr engagiert und hat sich an tausenden Projekten beteiligt, was wahrscheinlich auch ihre Unzufriedenheit mit sich ausmachte. Sie hat Medizin studiert und war in den Siebzigerjahren auch noch als Ärtzin tätig. Sie hat den “Wiener Frauenverlag” mitbegründet und den “Ohrbuch-Verlag” wo sie zum Teil afrikanische Literatur herausgegeben hat, hat viele Reise nach Afrika und auch anderswohin gemacht und hat, glaube ich, auch einige Semester lang Film studiert und jetzt durch das Buch mit den schönen Holzschnitten des lieben Richard, die man unbedingt ansehen sollte.

Es gibt derzeit pünktlich zu seinem Achtziger auch eine Ausstellung und von den Texten, wo man das Zögern und das Zaudern und die Snnlosikgeit des Lebens deutlich ablesen kann, habe ich einige schon gekannt bzw, sondern sie in ihren früheren Publikationen enthalten.

“ADRIA 1993- Sarajevo” heißt der erste Text, da erlebt sie an den Badestränden den Krieg

“bei all der herrlichkeit des meeres und der sonne?

angst -wovor – und warum ich?

Und daneben sieht man am Holzschnitt, Sonnenschirme, Badende auf Decken und darüber schwirren die Flugzeuge.

“allein über die brücke

und doch so allein gehen wir

über die brücke-

so mutterseelenallein.”

“an deiner hand

an deiner hand will ich durch die blumen gehn

und auf keine treten

denn eine zarte blume ist die liebe

zertritt sie nicht”

Der gelassenere Richard war wohl ihr Lebensmensch und die Beziehung war, glaube ich, sehr gut und hat ihr vielleicht auch Halt und Stütze gegeben.

“als wir uns damals kennengelernt haben in hamburg,

warst du einmal bei mir im tropenkurs.

du hast mich da besucht

es wurde von der bilharziose gesprochen von einem wurm,

der sich in die haut eingräbt

und ich hab damals so einen gedanken gehabt,

ich möchte auch sowas sein,

das sich in dich,in deine haut eingräbt,

und immer bei dir ist

und von dir herumgetragen wird

und mit dir mein leben verbringt.

so ist es auch gekommen.

mein geliebter goggi,ich danke dir!”

“endloser tag

warum quält es mich

was soll der Tag, der endlose

und wohin führt er

warum kann ich nur mit meinen augen sehen

und mit meinen sinnen fühlen

immer wieder, wieder, wieder

endet niemals diese qual?”

“im hamsterrad

ich trete, trete

höre nicht auf zu treten, wenn auch immer auf der stelle.

seit anbeginn, seit ich mich erinnern kann.”

Daneben ist das Hamsterrad mit einem Bruni-Gesicht zu sehen und der nächste Text heißt passend

“im kopf-ein mühlenrad”, die “unsichtbare netze” gibt es auch.

Es gibt Texte, die sich mit dem Los der agerikanischen Frauen beschäftigen, die täglich ihre Lasten zum Markt schleppen, obwohl es ja Ochsen gäbe, aber was hätten sie sonst zu tun?, sinniert der Pfarrer, den die Bruni danach fragt.

Und zum Schluß, damit das nicht zu endlos wird, zwei meiner Lieblingstexte:

“von fäden gezogen

in normen geschnürt

marionetten

hastend

vom heute ins morgen” und

“wir kommen aus der ewigkeit

wir gehen in die ewigkeit

und in der kurzen zeit dazwischen…

schauen wir ständig auf die uhr”

Das Gedicht gibts glaube ich schon im Blog. Trotzdem waren in dem Büchlein auch einige Neuentdeckungen und so kann ich noch einmal Abschied nehmen von einer Weggefährtin, deren Unischerheit mich manchmal etwas genervt hat. Aber das bin ich auch selber und so stark und so direkt, wie sie kann ich meine Gefühle, wohl nicht ausdrücken, obwohl ich wahrscheinlich mehr und länger schreibe und dann auch nicht so unzufrieden mit meinen Texten bin.

Kommune, Kunst und Landarbeit in der Alten Schmiede

Drei Buchvorstellungen in der “Alten Schmiede”, die Johannes Tröndle mit den drei Begriffen “Kommune, Kunst und Landarbeit” einleitete und da begann der 1965 in Klagenfurt geborene Felix Kucher mit seinen vierten, wieder bei “Picus” erschienenen Roman “Vegetarianer” wo es um den Maler und Sozialreformer Karl Wilhelm Diefenbach 1851 bis1913 ging, der ein Urahn der Grünbewegung war, in München und dann in der Wiener <kommune am Hmmelhof, dem Vorläufer der berühmten Künstlerkolonie Monte Verita lebte, nackt oder mit wallenden Gewändern herumlief und Grundsatzreden gegen das Fleischessen und für die Heilung durch die Natur hielt. Das ist die Stelle mit der Felix Kucher seine Lesung begann. Dann kam noch eine Szene, wo Diefenbach sein neues Atelier bezog und hoffte, nun nicht mehr als “Kohlrabiapostel” bezeichnet zu werden und ein Buch mit dem er sehr berühmt geworden ist, hat er auch geschrieben.

Felix Kucher berichtete dann von Tagebüchern Diefenbachs, die aber nicht sehr ergiebig waren, so daß er den Alltag in der Kommune erfinden mußte und meinte auch, daß er für das Buch eine bewußt schwulstige Sprache gewählt hat. Der Vegetarianismus war damals sehr modern, es hat auch Impfgegner gegen die Pockenimpfung gegeben und der Vegetarianismus und die Naturheilkunde war von übertriebenen Idealismus geprägt, daß es damit keine Kriege und nur mehr ein gutes Leben geben würde, obwohl Diefenbach seine Frauen gar nicht gut behandelt und die Kirche abgelehnt hat. Die letzten dreizehn Jahre seines Lebens hat er dann auf Capri verbracht.

Als nächstes kam dann die 1983 in Maribor geborenen, in Berlin und Slowenien lebende Natasa Kramberger mit ihrem autofiktionalen Projekt “Verfluchte Misteln”, 2017 in Slowenisch erschienen, wo es um die Übernahme eines ökologischen Bauernhofes geht und der nicht chronologische Roman in Kapitel, die Monatsüberschriften haben, aus dem Leben der Protagonistin, den bürokratischen Hürden, die ihr in den Weg gelegt werden und ihrer Familie erzählt.

Natasa Kramberger begann ihre Lesung mit dem Monat März und interessant ist auch, daß sie, die ich, glaube ich, auf der Donauschifffahrten und dann auch im Literaturhaus hörte, eine große rote Blume in ihr Haar zu einem graukarierten Kostüm oder Kleid trug.

Das Gespräch drehte sich dann auch um den Idealismus mit der die Schriftstellerin ihre Landwirtschaft betreibt, was ihr niemand zutraut und von der Erzählerin auch mit viel Selbstironie erzählt wird um die Wahrheit ging es dann in der Diskussion auch.

Einblicke in einen landwirtschaftlichen Betrieb gab es dann auch bei Reinhard Kaiser-Mühlecker von dem ich schon einiges gelesen habe und ihn auch schon auf einigen Lesungen hörte.

“Wilderer” heißt der neue Roman, der wieder im besonderen Maß der Herkunftsgegend verpflichtet ist. “Der ange Hang durch die Stationen” hieß der erste Roman, “Magdalenenberg” spielte wieder in der Gegend und dem bäuerlichen Milieu, wie auch in seinen Romane “Roter und schwarzer Flieder”

Jakob heißt der junge Bauer in dem neuen Roman und die Vorgeschichte finden wir in dem Buchpreisbuch “Fremde Seele, dunkler Wald”.

Jakob ist jetzt zwanzig und lebt in dem Hof in dem sonst nur noch die Großmutter wohnt, die ihr Geld der rechten Partei vermachen will, obwohl Jakob es in den Hof investieren möchte. Dann gibt es Katja, eine bildende Künstlerin aus Salzburg, die sich an Jakobs Arbeit sehr interessiert zeigt, bei ihm als Praktikantin beginnt und dann den Hof nach ihren Vorstellungen auf Bio umsattelt und der Betrieb dann ausgezeichnet wird. Sie bekommen auch das Geld der Großmutter, obwohl trotzdem alles auf die Katastrophe zusteuert, wie Johannes Tröndle in seiner Einleitung zitierte und Reinhard Kaiser Mühlecker hat dann einige Stellen aus dem ersten Teil gelesen und am Schluß gab es wieder eine Diskussion darüber.

Ein interessanter Abend mit drei interessanten Büchern über einen Vegetarier im neunzehnten Jahrhundert und zwei Künstler, die sich auf einen Bauernhof zurückgezogen haben und dort Landwirtschaft betreiben.

Hansjörg Zauner aufgefrischt

Der zweite Autor, den sich Markus Köhle für seine “Aufgefrischt-Reihe” ausgesucht hat, ist der 2017 an den Folgen einer Hüftoperation verstorbenen Hansjörg Zauner, den ich, als ich in die GAV gekommen bin, im Kreise des “Fröhlichen Wohnzimmers” der Ilse Kilic, die damals dort Sekretärin war, kennenlernte und der durch die rosa Anzüge und den großen Brillen, die er immer trug, auffiel. Er ist, glaube ich, ein Obertrauner Wirtsohn, der sich der experimentellen Sprache gewidmet hat und der 1996 als ich dort einmal zuhören fuhr, gelesen hat und mir stolz erzählte, daß er in der “Edition neue Texte” des Heimrad Beckers verlegen würde.

Nach seinem Tod gab es, glaube ich, in den “Manuskritpen” seine Texte und eine Lesetheateraufführung im Weinhaus Sittl gab es auch und jetzt hat Markus Köhle, der Texte und den Lebenslauf zitierte, den 1960 geborenen Christian Futscher, als Auffrischer ausgewählt, der glaube ich mit dem Hansjörg auch befreundet war. Zumindest gibt es ein Foto von einer Lesung im El Speta, zu dem mich der Rudi, der ja, glaube ich, auch zu dem Kreis gehörte, eingeladen hat, wo er gelesen hat oder Zuhörer war und er erzählt in seinem Text auch von seinen Erlebnissen mit Hansjörg Zauner, der in der Straßenbahn gern Reinhard Priessnitz zitierte und mit Futscher Bücher bei “Droschl” hatte. So zitiert er seine Leblings-Zaunersätze und beschäftigt sich auch mit dem Sport, der für Zauner, den er auch als Visionär bezeichnet, offenbar sehr wichtig war.

“Schmiede bleibt Risengecko verkehrt” ist einer der visionären Sätze und als Christian Futscher Mitte zwanzig war, hat er ihn das erste Mal in der “Schmiede” gehört und ich weiß nicht, ob ich Hansjörg Zauner auch einmal dort hörte. An eine Galerienlesung kann ich mich da eher erinnern, aber ich blogge ja erst seit 2008 und kann daher auch nicht wirklich nachsehen.

Christian Futscher erzählte, daß Hansörg Zauner wenig Geld hatte und daher Null-Schillingtage eingeführt und da wenig gegessen hat und sich als Künstler fühlte, obwohl er bei seinen letzten Lesungen kaum Publikum hatte und seine Bücher auch nicht sehr verkaufte.

Dafür wird er jetzt von der Nachwelt sehr geehrt und als nächste Lesende hat sich Markus Köhle , die 1997 geborene Tara Meister ,ausgesucht, die ich glaube ich, schon mal beim Slam B hörte. Sie hat Medizin studiert. Wird jetzt nach Leipzig ans Literaturinstitut gehen und auch bald ihren ersten Roman verlegen und hat den Hansjörg wohl kaum sehr gekannt, sich aber, wie sie sagte mit seinen Texten beschäftigt und da das Cafe Jolly zitiert, in das der Hansjörg gern ging und glaube ich auch einen Text diesen Namens hat. Dann kamen ihre Texte aus dem “Wasserzyklen”, wo toten Fische auf der Straße liegen, weil der Hansjörg einen ähnlichen Text hatte, um den “Peter Pan” geht es auch. Einen Text hat sie auf Hansjörg Zauners “Marzipankleid” gedichtet.

Markus Köhle fragte dann, ob man etwas unvorstellbares schreiben könne und kam zu dem Schluß, daß es immer um die Sprache ginge. Ein “Feribord” von Gerhard Jaschke aus 2016 gibt es auch, daß ich in Wien haben müßte und als nächster kam der 1986 geborene Jopa Jotakin, der jetzt als geschäftsführender Sekretär in der GAV tätig ist, sich in vielen Vereinen betätigt und auch viele Bücher geschrieben hat, der wild und lautstark aus Zauners Wortschöpfungen zitierte und Markus Köhle hat auch augedeutet, daß Hansjörg Zauner ein sehr sinnlicher Autor war, was Jopa Jotakin sehr gut zum Ausdruck bringen konnte.

“Nicht ich bin das Wort, sondern die Schnur, ich zerschneide das Glas und sage Temperatur”, wie es beispielsweise bei Zauner heißt oder hat es Jopa Jotakin so nachgereimt?Die “Wörter haben ihn jedenfalls angerichtet” und Jopa Jotakin ist, glaube ich, im Schreiben auch Hansjörg Zauner im Schreiben sehr ähnlich und am Schluß performte er noch mit zweimal Jolly-Eis, während die Texte vorgetragen wurden und es war sehr fein, denke ich, sich wieder einmal mit Hansjörg Zauner zu beschäftigen und sich an ihn zu erinnern. Die “Aufgefrischt-Reihe” wird wie Markus Köhle versprach auch im Herbst weitergehen.

Die gestohlenen Jahre

Da habe ich ja am Donnerstag wahrscheinlich mit zu vielen Anführungszeichen, wie meine Kritiker meinen könnten, die “Uhren” abgeschlossen und dem Alfred übergeben und bin dann das Wochenende in Harland ziemlich orientierungslos herumgetappt.

Ich weiß nicht über was ich schreiben soll? Aber das muß ich doch, sonst fühl ich mich leer. Denn was soll ich außer meinen Stunden sonst anderes tun? Lesen ja. Aber das Spazierengehen und das andere ist ja derzeit immer noch sehr eingeschränkt. Ich habe dann meine Bücher geordnet.

Es gibt, herhören vierundfünfzig Selbstgemachte, dann die “Hierarchien” aus der “Edition Wortbrücke” des Jack Unterwegers,, die zwei Fach–und Sachbücher übers Stottern und dann die drei, die noch fertig werden müßen.

Der “Arbeitstitel”, wo noch das Cover fehlt, sonst könnte es schon an die Druckerei gehen , dann das “Frauenleiden” und die “Uhren”. Ich habe wieder ein bißchen in den Romanideenartikele der Jurenka Jurk gesurft. Da Wörter aus Bücher schreiben oder Clustern. Aber über was, wenn ich da drei Wörter habe und über Corona will ich eigentlich nicht mehr, was aber sonst?

Dann bin ich am Sonntag mit dem Alfred auf die Rudolfshöhe gegangen und da sind wir dann “Die gestohlenen Jahre” eingefallen. Ja da habe ich und all die anderen zwei Jahre plus nach oben offen verloren.

Die Kinder und die Jugendlichen betrifft das ja besonders und wie man jetzt an dem Geschrei über die Gratistests, die es ab ersten April nicht mehr unbegrenzt gibt hört, sind ja alle traumatisiert. Beschimpfen den Gesundheitsminister, daß er schon wieder versagt hat. Aber wenn er was sagt, schreien alle “Das wollen wir nicht!”

Wie kommen wir aus der Situation heraus? Das ist ja die Frage. Nicht mehr testen, Maske tragen, wenn man will. Ansonsten aufpassen, denke ich. Aber ein Drittel schreit nach mehr Maßnahmen, das andere will alles öffnen und das dritte steht dazwischen und Eigenverantwortlichkeit ist überhaupt kein Thema.

Nein, denn alles muß von oben angeordnet sein und dann hört man immer alles wird teurer. Die Semmeln, die Ostereier, die Energie und wir müssen uns entscheiden essen oder heizen? Dann könnte auch noch der Atomkrieg kommen. Also alles sehr beschissen und noch viel mehr Jahre verloren. Was ja wieder mein Problem sein könnte, wenn ich so tue, als wär schon alles vorbei! Ach nein, denn im Herbst kommt vielleicht schon der nächste Virus und gegen Atomkrieg helfen die Masken auch, wie ich von Werner Gruber hörte, der ja alles sehr viel besser weiß, so daß wir die vielleicht nie mehr loswerden und ich nie mehr einkaufen kann.

Also ein paar Jahre in die Zukunft gehen. Da gibt es eine Barbara, die gerade in Medizin promoviert. Sie ist fünfundzwanzig und am 13. 3. 2020, als die Pandemie begann, achtzehn geworden. Da gab es keine Party oder nur ein heimliches Treffen mit ihrem Freund Simon. Jetzt hat sie promoviert. Die Facharztausbildung in Anästhesie wartet und die Großtante Hedwig, achtzig, eine gewesene Journalistin schenkt ihr ein Buch, das die “Gestohlenen Jahre” heißt, das von einem Simon Bauer stammt. Sie wohnt bei der Großtante und der Großmutter Anna, fünfundsiebzig, ehemals praktische Ärztin. Ist 2022 nachdem ihr Vater Franz und Statistiker, bei dem nach der zweiten Impfung ein Krebs ausgebrochen ist, an Covid verstarb und sich die Mutter Margit, eine Sozialarbeiterin, deshalb eine Überdosis Schlaftabletten nahm, zu ihr gezogen.

Da hat sie sich auch mit ihren Freund Simon, mit dem sie im selben Gymnasium war, zerstritten, der an der WU studierte. Da gab es 2G und er ist verschwunden. Vorher waren sie sich uneinig, denn Simon wollte mit ihr immer auf Demos gehen und war Corona kritisch. Sie war eigentlich angepasst und geimpft, wie die Großmutter und die Mutter, deren Weltbild nach dem Tod des Vaters zerbrach. Die Tante war da kritischer und jetzt liest die traumatisierte Barbara, die die letzten Jahre durchtauchte und angepasst fertig studierte, das Buch und macht sich auf die suche nach Simon, denn sie dann bei einer Lesung in der “AS” wiedertrifft.

So weit, so what. Das ist die Grundidee, wo ich schon ein paar Notizen und Charakterbögen habe. Auch die Arbeitsbögen der Jurenke Jurk sind ausgefüllt. Was ich mir erwarte ist, daß ich endlich einen längeren Text, der zumindestens “Nano-Maße” erreicht. Das ich mir Zeit lassen kann, ist klar. Da bin ich jetzt ja eher hektisch. Den Roman kommen, wachsen lassen und das lang und genau beschreiben, wie die Pandemie, das Leben der zwei jungen Leute zerstörte und dazwischen das Zeitgeschehen beobachten. Anschauungsmaterial habe ich ja genug. Also wieder was Neues, Freunde es, geht weiter und wird das einundsechzigste Buch. Ich werde darüber berichten, mal sehen wie es euch gefällt?

Ein Präsident verschwindet

Julia Danielczyk hat ja bei der letzten “Wien Reihe” gefragt, wie man das macht, reale Personen in einen Roman einzubeziehen. Ralf Langroth das Psedudonym für einen erfolgreichen Autor, der in Hannover lebt, hat diese Frage mit seiner “Akte Adenauer” und “Ein Präsident verschwindet” schon verantwortet. Denn Konrad Adenauer war der erste Bundeskanzler der BRD und Otto John ,ein Verfassungsschutzpräsident, der am zwanzigsten Juli 1954 in den Osten verschwunden ist. Dann wieder auftauchte, verhaftet wurde und bis zu seinem Tod 1997 in Innsbruck, nicht mehr rehabilitiert wurde, obwohl er sich sehr darum bemühte.

Das sind die historischen Fakten, die auch auf einer Zeittafel festgehalten wurden. Dann gibt es zwei Personen, die schon im ersten Band eine Rolle spielten. Den Ermittler Philipp Gerber, der 1939 in die USA emigrierte und jetzt, das Buch spielt 1954, Kriminalhauptkommissar des BKA ist und die Journalistin Eva Herden, seine Freundin, die bei einem kommunistischen Blatt in Bonn, das ja damals die Hauptstadt Deutschlands war, arbeitete.

Das ist die Ausgangslage und es beginnt, vor allem wenn man den ersten Band nicht gelesen hat, sehr verwirrend und schwierig in die Fakten hineinzukommen, obwohl die Handlung eigentlich eher banal ist. Oder auch nicht, ganz im Gegenteil, denn es wird geschossen und gemordet, entführt und ein rauher Ton verwendet. Was das mit dem realen John zu tun hat, ist wahrscheinlich unklar oder natürlich, nach dem wird damals wohl auch gesucht worden sein.

Also der Hauptkommissar wird am Anfang zu Adenauer zitiert, der eigentlich zurück in den Schwarzwald will. Er soll nach John suchen und seine Freundin Eva ist offenbar in seine Entführung verwickelt und selbst in den Osten abgehauen oder verschwunden. Der Inhaber der kommunistischen Zeitung und seine Sekretärin werden ermordet. Eva ist auch in einen Mord verwickelt und Gerber fliegt mit einen Kollegen nach Berlin, dort sieht er ständig Eva, die zwischen Ost und West hin und herpendelt. Es gibt einen windigen Fotografem und einen “französischen Agenten” namens Walter Dorst, der mordet, Botschaften überbringt und dann auch mithilft Gerber in den Osten zu bringen. Dort wird er von der “Nachthexe”, eine russische Kampfliegerin namen Katya mit “y”, wie sie betont und dem Präsidenten verhört. Evas Vater, der der Lckvogel für sie war, wird ermordet und am Schluß kehrt John in den Westen zurück, obwohl er von Gerber gewarnt wird und wird, wie schon geschrieben verhaftet.

Besonders spannend habe ich diese Krimihandlung nicht empfunden, sondern eher, wie bewußt klischeehaft, um den realen Fall gelegt, um einen spannenden Thriller daraus zu machen. Aber das liegt wahrscheinlich an mir, daß mich diese kalte Kriegsgeschichten nicht so interessieren. Aber das Buch gelesen habe, weil mich ja historische Romane interessieren. Ein Widerspruch nicht wahr, aber das Lesen ist, wie das Leben widersprüchig, erweitert aber den Horizont und jetzt bin ich an der Auflösung des Pseudynym unseren Autors, der übrigens in der “Blauen Stunde” beim “Blauen Sofa” in Leipzig aufgetreten ist, sehr interessiert.

Schon wieder ein neues Buch

Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Denn meine letzten Corona-Texte sind sehr kurz. So daß ich fast alle zwei Monate was Neues herausbringen kann. Also hurrah, hurrah, es ist schon das der fünfte Corona-Text, wenn man die “Literaturgeflüstertexte”, die im “Corona-Texte-Buch” enthalten sind, nicht mitzählt.

Meine fünfte Corona-Erzählung, das heißt ein Buch, das über oder in der Corona-Zeit spielt, diesmal geht es direkt ums Thema. Denn im Herbst, wo ich das Buch geschrieben habe, ist es ja um die Impfpflicht gegangen und in OE24-TV wurde sehr oft davon gesprochen, daß man den “Schwurblern, die sich nicht impfen lassen wollen, zwar nicht ihr Geld wegnehmen und sie nicht einsperren wird, aber sie dürfen dann halt nicht überall ihr Leberskäsesemmerl essen und ihre Schuhe kaufen und so ist mit dem “Lockdown für Ungeimpfte” ja auch einige Monate gewesen, ist es in Wien beim 2G Regime auch immer und da habe ich einen zur Impfung treibenden Starvriologen erfunden, der solche Sachen im Fernsehen sagt, die impfkritische Übersetzerin Alberta Wassermann hört ihm zu und geht am Kutschkermarkt, weil man das ja durfte, einkaufen, dort oder im Währingerpark trifft sie seinen Vater, den alten Psychiater Hans, Knirsch, der obwohl er in einer Seniorenresidenz lebt, sich auch nicht impfen und sich nicht testen läßt und so mit der reschen Oberschwester Elfriede im Dauerclinch gerät und sein zwölfjähriger Enkel Felix hat Schwierigkeiten, weil ihm sein Vater impfen lassen will. So büchst er aus, um mit dem Jugendamt keine Schwierigkeiten zu bekommen und Hans Knirsch nimmt auf einer Demo Partei für ihn, während sich Alberta Wassermann mit Philiph Knirsch am Karlsplatz trifft.

Zur Erinnerung, die schon erschienenen Covid-Erzählungen sind:

  1. “Kein Frühlingserwachen mehr”

2. “Ein braunrot kariertes Notizbuch”

3. “Mathilde im Coronaland”

4. “Wo wir waren oder Hundert Seiten Depression”

Der “Arbeitstitel Wien 2021”, der in New York und Wien im Jahr 2053 spielt, das

“Frauenleben Frauenleiden” und

eine Geschichte, womit ich vielleicht die Covid-Situation beenden kann

“Die Uhren haben ihre Zeit verloren oder Fritzi Jelinkek such einen Autor- ein Verschwörungsroman in vierzehn Episoden” werden noch folgen und da, beim neunten Corona-Text ist mir das Kunststück gelungen, den Rohtext in zwei Tagen hinunterzuschreiben.

Jetzt bin ich beim Korrigieren und halte bei 60 Seiten und 29.000 Worten. Ja, meine Texte sind jetzt sehr kurz und das Ganze ist in zwei Teilen geschrieben. Da gibt es die Geschichte, wo der Verleger Martin Gruber, Fritzi Jelinek, die jetzt freiberufliche Lektorin ist, anruft, denn Hans Haller bekommt für seinen “Uhrenroman” den “Rauriser-Förderungspreis”. Aber wo ist der Autor? Weder Verleger noch Lektorin haben ihn je gesehen. Es gibt nur eine Postfachadresse und ein Foto, das dem Manuskript beilag, das einen kleinen Buben mit einer Schultüte zeigte. Solche Fotos waren auch in alten “Nobelpreisträger–Schinken”, die Fritzis Nachbarin im Bücherschrank gefunden hat. Die hat die Sprachkunststudentin Emma Baldinger, die wir schon von “Frauenleiden” kennen, hineingeräumt. Denn ihr Großonkel Bernhalrd Wilhelm ist gerstorben und sie muß jetzt die Wohnung ausräumen und dazwischen ranken sich die vierzehn Episoden. Beginnend mit dem Egon aus dem “Frühlingserwachen”, der an eine Invasion vom Mars glaubt, weil alle maskiert auf der Josefstädterstraße herumrennen. Dann kommen die Mathilde und die Lena-Szenen, den “Traum vom Friseur” und den “Hasen Hoppel” gibt es auch und in Rauris löst sich dann alles auf und der Autor oder besser die Autorin ist gefunden.

So weit so what und jetzt viel Spaß beim Lesen meines fünften Corona-Buchs und um die Gewinnspielfragen aufzulösen. Das Foto wurde am Donaukanal aufgenommen, Alberta Wassermann ist wie schon erwähnt Übersetzerin, Philip Knirschs Schwester Martina Zahnärztin und spricht auf einer Anticorona-Demonstration für ihren Neffen Felix.

Über eine Diskussion über dieses oder meine anderen Corona-Bücher würde ich mich sehr freuen!

Wie geht es meinen Lesern mit Corona-Texten? Interesssieren sie sich dafür oder halten sie sie vielleicht nicht für literarisch?

Deshalb biete ich für eine Leserunde, wo wir darüber diskutieren können, wieder ein paar Leseexemplare an. Wer sich dafür interessiert bitte melden! Über eine Rezension, die ich in meinen Blog stellen kann oder auch anderswo würde ich mich ebenfalls sehr freuen.

Und Indiebookday ist heute auch, also postet euch mit meinem neuen Buch oder einem anderen, denn ich betrachte mich ja irgendwie auch als Indiebookautorin, obwohl ich ja kein unabhängiger Verlag bin, sondern bei druck.at liefern lasse.



Drachen jagen

“Heroin auf Alufolie rauchen, wird in der Szene Drachen jagen”, genannt “und im sogenannten normalen Leben ist es die Jagd nach dem Erfolg”, schreibt die 1965 in Bremen geborene Journalisten Kerstin Herrnkind in ihrem Memoir oder besser wahrscheinlich Personal Essay in dem sie den Drogentod ihres Bruders Uwe beschreibt und es ist ein Buch, das man gelesen haben sollte, sei es zur allgemeinen Information oder wenn man als Angehöriger wissen will, wie es den Betroffenen geht und Kerstin Herrnkind geht ihre Recherche oder Bewältigungsarbeit sehr vielschichtig an.

Beginnen tut es mit dem Besuch zweier Polizisten um halb zehn Uhr Abends in Lübeck, die ihr den Tod des zweiundfünzigjährigen Bruders, der seit 2007 in einem Berliner Obdachlosenheim lebt, mitteilen, weil die Berliner Polizei vermerkt hatte, daß die Schwester verständigt werden will.

Ob das wirklich so passierte? Ich hätte eher gedacht, daß die Sozialarbeiterin Miriam des Heimes, die Verständigung übernimmt. Aber gut, die Polizisten sind freundlich, sagen sie haben Zeit, als Kerstin Herrnkind geschockt erzählt, daß der Bruder begabt gewesen sei, aber nie etwas daraus gemacht hätte und dann geht es los mit der Beschreibung, nachdem die in Spanien lebende Mutter verständigt wurde und Kerstin dem Bruder auch eine schöne Bestattung ermöglichte, wo auch die Sozialarbeiterin und die Kumpels aus dem Heim, Uwes neue Familie, wie Kerstin Herrnkind schreibt, anwesend waren.

Dann wird in der eigenen Familie bis in die Großelterngeneration recherchiert. Da sind wir im Krieg und die Familie kommt aus ärmlichen Verhältnissen, die Trauma und Gewalt erlebte und die auch an die Kinder weitergegeben hat. Es gibt eine Großmutter Helene und die Eltern haben den Drachen auf ihre Weise gejagt, als sie ihren Kindern ein besseres Leben ermöglichen wollte. Der Bruder Uwe war drei jahre jünger als Kerstin und drei Monate zu früh auf die Welt gekommen, was vielleicht einiges erklärt. Die Mutter ist sehr besorgt und behütend. Der Vater ambivalent, auf der einen Seite besorgt, die Kinder hatten auch die besten Kleider und Spielsachen und die Familie ist aus den Sozialwohnungen Bremens und Hamburgs bald in ein Haus ins Grüne gezogen, wo sie dann wieder isoliert und einsam waren und dann gibt es die Geschichte mit dem Strolchi, das ist Uwes Hund, aber als sich die Eltern scheiden ließen, hat der Vater den Hund einfach einschläfern lassen, was Uwe ihm nie verziehen hat.

Uwe hat Automechaniker gelernt und da schon zu trinken angefangen, weil man das da halt so macht. Später wollte er Technik studieren, hat das aber nicht geschafft, weil er, wie manche interpretieren, durch seine Frühgeburt so verhätschelt war, weil ihm alle Steine aus dem Weg geräumt wurden, daß er immer den leichteren Weg, das Studium also abgebrochen hat, gegangen ist.

Uwe hat zu kiffen angefangen, als die Schwester, die nach der Schule ein Jahr in Amerika war, von dort wieder zurückgekommen ist. Die Beziehung zwischen Bruder und Schwester war immer sehr eng. Die Schwester hat sich immer um ihn gekümmert, ihn besucht, Geld geschickt. Die Mutter tat das aus Spanien, wo sie Ferienanlagen betreut, auch. Der Vater war verschwunden und tat das nicht. Aber ein Zusammenleben der Beiden ging nicht gut. Uwe brach sein Versprechen nicht zu kiffen, fing zu dealen und dann auch den Drachen zu jagen an. So schmiiß sie ihn hinaus. Er zog in das Obdachlosenheim, wo er auch einen Hund haben konnte und sich die Sozialarbeiterin um ihn kümmerte.

Ein weiterer Teil des Buches ist die Sicht der Mutter, der Freunde, der Kumpels aus dem Heim gewidmet, die auch ihre Geschichte erzählen. Kerstin Herrnkind klärt die Frage, warum Uwe und nicht sie drogenabhängig geworden ist, mit der Geschichte, daß sie als Jugendliche mit einer Freundin Hanfsamen rauchen, beziehungsweise verkaufen wollte. Die Polizei kam darauf, es kam zu einer Anzeige. Hanfsamen sind zwar nicht gefährlich, aber Kerstin Herrenkind war für ihr Leben bekehrt. Mir ist das mit Sechzehn beim Rauchen so gegangen, als ich da von meiner Mutter eine Ohrfeige bekam. Auf der anderen Seite habe ich in der Rahlgasse, als da einmal Polizisten über das Thema Drogen informierten, gehört, daß man das einmal probiert haben muß und das hat auch Doris Nussbaumer zu mir gesagt, als ich ihr von meiner “Miranda” erzählte. Man kann nicht über einen Joint schreiben, wenn man keinen geraucht hat, was ich nicht so sehe und die Joints auch nicht für so ungefährlich halte, weil ich sowohl bei meinen Klienten als auch im Freundeskreis mehrere Psychosen, die dadurch ausgelöst wurde, erlebt habe.

Ein interessantes Buch, wo man viel darüber lernt, wie das Leben mit Drogenabhäniggen aussehen kann, das auch leicht zu lesen ist, obwohl mir Kerstin Herrnkind manchmal zu weitschweifig war. So zitiert sie die Nazivergangenheit eines Lehrers durch sein Entnazifierungsschreiben. Da frage ich, wie sie dazu gekommen ist? Sie läßt auch die Mutter und die Kumpels in ihrer Sprache sprechen, was mich anfangs irritierte, als das die Mutter bei einer Drogenberatungsstelle anruft und die Antwort bekommt “Das muß Ihr Sohn selber wollen!” und ich dachte, Sohn das ist ja die Schwester, weil Kerstin Herrnkind auch in der Ich-Form schreibt und ich die Überschrift “Mutters Sicht” überlesen habe. Ansonsten aber interessant, wie Kerstin Herrnkind versucht, Uwes Schicksal aus der Kriegsvergangenheit seiner Eltern- und Großelterngeneration zu erklären und diese Familiengeschichtentraumen habe ich auch beim Leipziger- Surfen beobachten können, daß das auch andere Autoren in ihren Romanen so beschrieben.

Daniel Wissers erfundene Frau

Der 1971 in Klagenfurt geborene Daniel Wisser scheint ein Vielschreiber zu sein, hat er doch nach dem 2021 “Wir bleiben noch” und dem politischen Band schon wieder einen Erzählband herausgebracht, der auch in Leipzig auf dem Sofa von Katja Gasser vorgestellt wurde.

Ein Erzählband mit sehr vielen Frauengeschichten oder solchen, die solche Namen tragen und Daniel Wisser hat nach der langen Einleitung von Peter Clar, der die Moderation von Jana Volkmann übernommen haben dürfte, die Geschichte “Ingrid” gelesen und dann wurde gefragt, wie ein Mann Frauengeschichten schreiben kann?

Natürlich kann er das und Ingrid ist eine Mutter, die vom Erzähler wiedergetroffen wurde und eine Geschichte von einer Party, wo Alkohol getrunken wurde und es dann Schwierigkeiten mit der Fahrzeugkontrolle gab.

Die nächste Geschichte hieß “Benno “und da geht es wieder, um die Identitätsfrage, beziehungsweise die Tochter Angela, die in einer Bank als CIO arbeitet, eine Geschichte die aus fünf Szenen besteht und von einem allwissenden Erzähler erzählt wird,wo Herr und Frau Gelich nach Wien in ein teures Restaurant fuhren, wo statt der Tochter eine andere Frau auf sie wartet, weil die noch etwas für eine Geeschäftspartnerin erledigen muß und ein Koffer irrtümlich nach Kiew geschickt wurde und Benno dann ihre Sekretärin küsste.

Gefragt wurde dann warum sich Daniel Wisser für keinen Plot interessiert, aber die Namen und die Altersangaben immer genau gegeben werden, “eine blöde notorische Art mit Fakten umzugehen”, war Daniel Wissers Antwort.

Dann ging es um die “Verknappung” die Daniel Wisser sehr wichtig ist, er aber für keine Tugend der österreichisch deutschen Autoren hält.

Es ging dann um Daniel Wissers Sprache, die von Peter Clar als sehr einfach bezeichnet wurde. Die Geschichte von der Frau Ilse, die beim “Meinl” am Graben immer die Sachen kauft, die ihr toter Mann gegessen hat und sie nach Ende des Ablaufdatums wegwirft, womit Daniel Wisser die Einsamkeit thematisieren wollte, hat er schon in Leipzig gelesen und diese Geschichte, beziehungsweise ihr Stil oder Sprache hat mich stark an die “Königin der Berge” erinnert, mit der Daniel Wisser, ja den Öst gewonnen hat. Diskutiert wurde dann noch, ob es wichtig ist, daß man in den Erzählingen Wien erkennt, was Peter Clar für sich negierte, für mich aber schon so ist

Dann ging es um die Schwierigkeit einen Erzählband zu verlegen, es gibt aber drei längere Erzählungen in dem Band und Daniel Wissers Lektor vom “Luchterhand-Verlag” saß auch in der ersten Reihe. Peter Clar verwies dann natürlich auf den Büchertisch und munterte das Publikum auf, sich das Buch gleich zweimal zu kaufen, weil es jetzt schon eine zweite Auflage gibt.

Und als nächstes wurde noch erklärt, wird von Daniel Wisser eine Roadnovel erscheinen.

Alle zwei Monate ein Roman?

Ja gibt es das? Darf das sein? Schreib nicht so schnell, höre ich schon meine Kritiker schreien und ich will ja auch einmal einen richtig dicken Roman schreiben. Ein Jahr oder mehr daran arbeiten, das wäre fein! Das nehm ich mir vor. Geht aber, wie ich fürchte derzeit nicht und ist eigentlich auch nicht so schlimm, wenn ich kürzer und dafür mehr schreibe und inzwischen gibt es ja auch sowas wie Serie oder Personen, die sich in meinen Texten wiederholen und immer wieder vorkommen und Covid ist ja für die realistische Schreiberin soweieso das große Thema, das mich jetzt schon zwei Jahre lang beschäftigt und außer den Blogartikel im “Corona Texte Buch” gibt es jetzt ja schon acht Covid-Texte oder richtiger es gibt sie noch nicht alle gedruckt, aber im Rohtext vorhanden und in Bearbeitung und da kann ich mich an Jaqueline Vellguth von “schriftsteller-werden.de” erinnern, die einmal beschlossen hat, einen Roman imMonat also zwölf Bücher in einem Jahr zu schreiben und das auch umsetzte.

Ich bin einmal von sechs Wochen für den Rohtext ausgegangen und dann noch ein paar Montae zur Bearbeitung, bin aber jetzt schneller geworden.

2019 habe ich mit dem “Fräulein No” ,den siebenten “Nano”, glaube ich geschrieben. Dann kam die Idee meine Schreibtexte mit den Romananfängen der siebenundzwanzig Bücher, die es seit dem Blog gibt entstanden sind, herauszubringen.

Dann kam Corona und ich wollte eigentlich eine Beziehungsgeschichte zwischen einer älteren Frau und ihrem Assistenten schreiben. Da kam dann Corona hinein und es entstand kein “Frühlingserwachen mehr”. Dann kam das “Braunrotkarierte Notizbuch” und die “Mathilde”,, die ist, glaube ich,im Juni 21 erschienen. Dann habe ich meine “Corona-Artikel” zusammengestellt und immer wieder neue geschrieben.

Im Sommer 21 kamen dann die “Hundert Seiten”, die Geschichte über eine feministische Oma, den Demo besuchenden Sohn und die Enkeltochter mit der Corona-Matura, aus dem ich eigentlich beim Volksstimmefest lesen wollte. Ging dann nicht, weil entweder dem Christoph Kepplinger nicht gefallen oder ich den 3 Gs nicht entsprechen wollte und dann kam das “Impfpflichtgerede” verweigt im “Seitengewitter”, im Herbst geschrieben und dann kam der November und die Frage, schreib ich jetzt bei Nanowrimo mit oder nicht? Aber da war ich mit dem Korrigieren, glaube ich, noch nicht fertig. Das hat sich dann bald geändert und die Idee die Corona-Dystopie aus der Zukunft zu beschreiben, war dann auch da. Dann habe ich zwischendurch gestartet und bin mit dem “Arbeitstitel 2021 Wien” im Dezember fertig geworden. Ein sehr kurzer Text, der auf die “Wiener Verhältnisse” meinem ersten “Digi” Bezug genommen hat, beziehungsweise die Joana Bernard eine Nachfahrin des Jakob Mandelbaums sein ließ.

Dann kam der Jahreswechsel und da besuche ich seit einigen Jahren ja immer die ,”Plan dein Romanjahr- Webinare” der Jurenka Jurk, die da immer Kursteilnehmer sucht, die sich ihren “Traum einen Roman zu schreiben”, wie sie es nennt, erfüllen wollen.

Da schreib ich ja immer mit und hatte am dritten Jänner, glaube ich, die Idee vom “Frauenleiden” oder die einen alten Lektor als Hauptperson zu haben. Enen alten Psychiater hatte ich ja schon im “Seitengewitter” und wieder, das wird jetzt ein Jahrhundertroman. Der Bernhard Wilhelm gibt seiner Großnichte die “Effi Briest”, das “Gretchen”, die “Fromme Helene” und die schreibt dann aus der aktuellen Situaation einen Roman darüber. Der ist dann wieder sehr kurz geworden und dann, wie gehts weiter? Wie man Fließband, alle zwei Monate was Neues. Das ist ja toll, auch wenns dem Ulinicht gefällt und sich auch sonst niemand dafür interessiert.

Was mache ich also?, habe ich vor drei Wochen gefragt? bin dann auf die Fritzi Jelinek bekannt aus der “Absturzgefahr” und der “Pensionsschockdepression” “gekommen und als ich das das erste Buch durchblätterte, hatte ich schon die Struktur, nämlich den Roman im Roman und das sind meine Blogartikel, die es zum größten Teil schon im “Corona-Texte-Buch” gibt. Die Emma Baldinger aus dem “Frauenleiden” hat den Roman geschrieben. De Fritzi hat ihn lektoriert. Jetzt soll Hans Haller, wie sie sich nannte, den “Rauriser Förderungspreis” bekommen. Aber wer ist Hans Haller? Ein kleiner Bub mit Schultüte aus den Siebzigerjahren. Das Foto lag dem Manu bei und Thekla Morgenstern, die Nachbarin hat noch andere im Bücherschrank gefunden. Ja damit bin ich jetzt auch fertig geworden. Hab den Text den Alfred gegeben, der gerade das Cover für den “Arbeitstitel” macht. Das “Seitengewitter” ist vor ein paar Tagen gekommen, in den Schrank gelegt, an die NB und die “Schmiede” geschickt und was mach ich jetzt?

Jetzt steh ich da ich armer Tor und habe schon wieder keine Idee für das nächste, fühle mich ausgeschrieben, aber ohne Idee fühl ich mich auch leer, wie mach ich also weiter?

Die Fenster sind geputzt, recherchieren ist derzeit immer noch ein wenig schwierig. Aber natürlich will ich die Ideen kommen lassen und wenn es geht auch etwas abseits von Corona schreiben. Die Ideen also kommen, wachsen, reifen lassen. Mal sehen, wie es weitergeht und wann ich wieder “Die Idee ist schon da!”, schreiben werde und dazwischen meine acht Corona-Texte vermarkten. Das wäre ja auch fein. Wieder mal, wo lesen und das Work on progress präsentieren. Da wärs fein, daß ich mich mit dem schon vorhandenen beschäftigen sollte, denke ich mir auch immer und das “Literaturgeflüster” ist ja auch mein Schreibtagebuch in dem ich immer über mich und meine Schreibprojekte berichte.

Voila, bin gespannt, wie es weitergeht und das Wochenende geht es wieder nach Harland. Dann gibts die “Fried-Tage” im Literaturhaus und nächste Woche schon den Osterspaziergang, um den Viehofner See und da habe ich vor teilzunehmnen und meinen “Meister Hoppel” zu lesen.

Marie Gamilschegs Meerestiere

Auf den zweiten Roman, der 1992 in Graz geborene und jetzt in Berlin lebende Marie Gamillscheg, die mit “Alles was glänzt” 2018 den Debutlist des Öst gewonnen hat und ich glaube auch auf der Shortlist des Bloggerdebuts stand, bin ich vorige Woche auf dem “Blauen Sofa” in Leipzig, aufmerksam geworden und es scheint zu den prominenten Frühjahrsneuerscheinungen zu stehen und wurde jetzt auch moderiert von Ines Scholz in der “Gesellschaft für Literatur” vorgestellt.

Es geht um eine Meeresbiologin namens Luise, die sich mit der Meereswalnuß, einer Quallenart, beschäftigt und dann den Auftrag bekommt im Tierpark von Graz ein Projekt zu übernehmen, so daß sie wieder in ihre Heimatstadt und da in die Wohnung ihres Vaters fährt, zu dem es eine schwierige Beziehung gibt.

Marie Gamillscheg erzählte im Gespräch, daß sie auf die Idee des Buches gekommen ist, weil sie sich sehr für Zoos interessiert und sie auch wissen wollte, wie Geschichten entstehen. Der Zoodirektor kommt vor und Luise erinnert sich auch sehr an die Tiersendungen, die sie als Kind gesehen hat. Der Umgang mit Mensch und Natur kommt vor, obwohl sich Marie Gamillscheg, wie sagte, mehr für die Beziehungen zwischen den Menschen und weniger für die zwischen Mensch und Natur interessiert.

Marie Gamillschegs Sprache ist wieder sehr poetisch und der Aufruhr der beschrieben wird, passiert eher im Inneren von Luise, im Zwiegespräch mit sich selbst, die auch an Neurodermitis leidet und erst mit der Beschäftigung mit sich selbst, wieder den Kontakt nach Außen aufnehmen kann.

Es gab dann noch einen zweiten Lesestrang, wo die Meerwalnuß und ihre Eigenarten beschrieben wurde, im zweiten Gesprächsteil ging es dann um die schwierige Beziehung zum Vater und die Sprachlosigkeit, die zwischen Luise und ihm besteht. Sehr psychologisch also die Traumatisierungen und die Beziehungslosigkeit der Luise und ihre Annäherung zur Welt, die Marie Gamillschegg sehr eindrucksvoll zu beschreiben versuchte und am Schluß gab es noch einen Leseblock im Zoo, den Luise mit dem Zoodirektor besucht, um den Unfall, der einmal passierte und um eine Begegnung mit einem Affen ging es auch.

Ein interessantes Buch, das man wahrscheinlich erst lesen muß um Marie Gamillschegs Absichten zu verstehen und ich kann mich erinnern, daß es mir bei “Alles was glänzt” ähnlich ging, daß ich das Buch erst als ich es gelesen habe, verstanden habe, während ich bei den O-Tönen eigentlich noch nicht so begeistert war.