Die Brüder Grimm bekommen Besuch

Es war kurz vor Mitternacht am Hanauer Marktplatz vor dem Naustädterrathaus, als die beiden Herren auf dem berühmten Denkmal sich zu regen begannen und aus einem tiefen Schlaf zu erwachen schienen.

“Hallo Wilhelm!”, sagte der Stehende zu dem neben ihm Sitzenden.

“Was meinst du? Wollen wir wieder unsere Plätze tauschen, um die Touristen, die uns suchen kommen, zu verwirren?”

“Aber nein, Jacob!”, sagte der und schüttelte den Kopf.

“Laß doch diese kindischen Spiele, die sie irgendwo in ihren Führern eingetragen haben, um die Suchenden anzulocken! Laß das doch, das ist genauso Unsinn, wie die roten Schals, die sie uns vor kurzem umgehängt haben! Hast du eine Ahnung, was das bedeuten soll?”

“Nein, Wilhelm!”, sagte Jacob Grimm und hob sich seine Hand suchend vor die Augen.

“Schau einmal! Merkst du was? Wir haben um die Mitternacht besuch bekommen! Schau einmal ,was da angeschlichen kommt!”, fragte er und Wilhelm schob ebenfalls seine Hand vor seine Augen.

“Keine Ahnung, Jacob!”, antworte er dann .

“Oder doch! Ich sehe einen Esel, der einen Hund auf sich sitzen hat, darauf thront eine Katze und das Ganze wird von einen Hahn abgerundet! Natürlich, Jacob! Das sind die Stadtmusikanten, die wir in unserer Märchensammlung beschrieben haben! Aber was wollen sie in unseren Geburtsstädtchen Hanaus, sind sie doch in Bremen zu Hause, weil sie dort ins Ausgedinge wollten! Was meinst du? Sollen wir sie danach fragen?”, wolltee er wissen und sah den Esel energisch nicken.

“Jahwohl! Scharf erkannt, wir sind die Stadtmusikanten! Haben aber Bremen verlassen und wollen in den “Hanauer Märchenpfad” aufgenommen werden! Da gibt es elf Attraktionen! Das Rotkäppchen , den gestiefelten Kater, den König Drosselbart, das Dornröschen und sogar das Schneewittchen, obwohl sich das die Lohrer geknallt und zur Touristenattraktion gemacht haben! Nur wir fehlen, obwohl wir doch auch berühmt sind, genauso bekannt, wie die anderen, das ist doch ungerecht! Und da haben wir gedacht, verlassen wir das schöne Bremen und gehen noch einmal auf Wanderschaft, um uns zu beschweren! Und das tuen wir hiermit!”

“Jahwohl!”, krähte der Hahn.

“”Die Katze und das Hündchen sind auch dieser Meinung! Wir sind in unsere Geburtsstadt Hanau zurückgegkommen und wollen auch hier und nicht nur in Bremen unser Denkmal haben!”

Wilhelm Grimm schüttelte den Kopf und schaute seinen Bruder etwas ratlos an

“Was meinst du, Jacob? Ist das ungerecht? Wahrscheinlich! Ich fürchte aber, wir können da nicht viel machen und euch nichts helfen! Sind wir ja selber stumm und steif auf dieses Denkmal gesetzt und können uns nicht wehren, daß sie uns einen roten Schal umgebunden haben, obwohl wir diese Farbe hassen und keine Sohzialisten sind! Aber seid nicht so unbescheiden! Gibt es doch die Hanauer “Grimm-Spiele” und da werdet ihr regelmäßig aufgeführt und in Bremen habt ihr euer Denkmal und euren Ruhm! Was wollt ihr allso mehr?”

“Unsere Meinung sagen und uns nicht alles gefallen lassen!”, sagte jetzt die Katze.

“Habt ihr Meisterforscher denn keine Ahnung, daß das heute noch viel nötiger ist, als damals, als sie uns ins Ausgedinge schicken wollten? Das war ungerecht! Wir haben uns gewehrt! Sind berühmt geworden und kommen jetzt zurück, um unsere Stimme zu erheben und wenn wir auch ein Denkmal in Bremen haben, spricht nichts dagegen, uns auch hier ein Bildnis zu geben! Deshalb sind wir da! Unser Denkmal in Bremen ist leer und die Bremer und die Touristen werden Augen machen, wenn sie morgen hinkommen, um uns zu fotografieren und uns nicht mehr finden werden! Und jetzt, Hündchen, was meinst du? Jetzt stellen wir uns hier einfach auf! Der Marktplatz ist ja groß genug! Wir suchen uns ein schönes Plätzchen und werden die Touristen, die morgen euch Sprachforscher besuchen kommen, verwirren! Ich freue mich schon zu erfahre, was die dann sagen oder schreiben werden! Die Stadtmusikanten aus Bremen verschwunden und in Hanu wiederentdeckt! Hey, das wird eine Aufregung geben und ein Spaß! Und jetzt gute Nacht, verehrte Sprachschöpfer! Wir sind von der lagen Reise ein wenig müde und wollen ein Nickerchen machen! Sind auf die morgendliche Entdekcung gespannt und jetzt, Esel los! Such uns ein schönes Plätzchen und euch werte Herren, eine gute Nacht!”

In der Schneewittchen-Stadt

Als wir vor ein paar Wochen in Leipzig waren, hat mir Andreas ein Fotobuch bezeigt, in dem Bilder von seiner Radtour waren, die er im Vorjahr offenbar mit seiner Familie machte und da ist Lohr am Main vorgekommen und es gab verschiedene Schneewittchenskulpturen und Bilder zu sehen. Und als ich dann noch mitbekam, daß wir bei unserer Main-Radfahrt auch dorthin kommen, war ich sehr gespannt und habe mir eine Art Schneewittchenmuseum, wie das Karikaturmusem in Krems vorgestellt, wo ich im Shop ein passendes Geschenk für den vierten Geburtstag der kleinen Lia kaufen kann.

Dann sind wir ungefähr in der Mitte unserer Reise, die bisher trotz einiger Erschöpfungsmomente und Verspannungen gut mit vielen Bücherfunden und Weinerlebnissen, gut verlaufen ist, von Karlstadt die dreißig Kilometer dorthin geradelt. In einer kleinen Stadt durch die wir durchgekommen sind, gab es vor einem Papiergeschäft zwei Kisten zur freien Entnahme. In einer lagen Schulkalender, in der anderen bunte Maske, die man vor den sterilen FFP2-Masken tragen mußte und da hat es eine kleine mit Eulen und eine andere bunte gegeben, die ich für die Anna als Erinnerungsgack mitgenommen habe.

Weinhaus Mehling in Lohr am Main

Vor zwölf haben wir die Lohrer Altstadt erreicht, in einem Gastgarten Mittag gegessen. Ich Rostbratwürstl mit Sauerkraut, der Alfred Käsespätzle gegessen und dabei drei ältere Herren beobachtet, die von der Semper-Oper schwärmten, Schinken im Brotteig aßen und dazu einen Silvaner oder Bier tranken.

Dann sind sie mit ihren E-Byces weitergefahren und wir zum Hotel Bundschuh gegangen, ein, wie im Führer stand, anderes Hotel mit einem bunten Schuhdesign, das man am Haus, an den Wandbildern und Tapeten bewundern kann. Und wo ich eine Toruistenbroschüre “Es war einmal… Schneewittchen eine Lohrerin”, bekam, auf dem am Cover ein schönes Mädchen in einem blauen Kleid, langen Haaren und einen Apfel zu sehen war.

“Ein Büchlein aus Lohr zum Träumen, entdecken und immer wieder lesen” in dem ich, während der Mittagspause entdeckte, daß es ein einen “Schneewittchenwanderweg”, eine “Schneewittchenrallye” und die Lohrer Annahme gibt, daß Schneewittchen, daß ja aus der Volksmärchensammlung der Gebrüder Grimm stammt, am 19. Juli 1725 im Lohrer Schloss, als Tochter des Freiheit Philipp Christoph von Ertal auf die Welt kam und die eine Stiefmutter hatte, der er zur Hochzeit offenbar den berühmten Spiegel schenkte und die, das Freifräulein Maria Sophia Margareta Catharina dann über die berühmten sieben Berge jagte, die man auf den fünfunddreißig Kilometer langen Wanderweg auch entdecken kann und die Zwerge, die im Ort überall als Pappfiguren aufgestellt sind, waren kleinwüchsige Menschen, die es im achtzehnten Jahrhundert in Lohr gegeben hat, die, als Bergarbeiter tätig waren und offenbar auch Kapuzzen trugen.

Im Hotel Bundschuh

Das wäre also, behauptet das Büchlein, die Geschichte oder der Urspurng des Märchens, das 1986 dem Lohrer Apotheker und Historiker Dr. Karlheinz Bartels, unterstützt von seiner Stammtischrunde, eingefallen ist.

“Und wers nicht glaubt, zahlt einen Taler”, denn die Brüder Grimm stammten aus Hanau, in das wir im Lauf unserer Reise auch kommen werden, “wo sie sicherlich von den Lohrer Begebenheit gehört haben”, wo auch der Glassarg und die eisernen Pantoffeln auf die Glasmanikatur und Eisenhämmer im früheren Spessart hinweisen und Lohr hatte seine Touristenattraktion.

Nicht nur die aufgestellten Pappzweige, sondern auch verschiedenen Skulpturen und Bilder, die man in der Stadt sehen kann.

So sitzt ein modernes weißes Schneewittchen auf einer Bank neben dem man sich fotografieren lassen kann.

Am Spielplatz gibt es ein Zwergenhäuschen und am Schloßplatz, wo es heute das “Spessartmuseum” gibt, wo es auch den berühmten Spiegel zu besichtigen gibt, erscheint an bestimmten Sonntag, das Schneewittchen mit einem Korb und verteilt Äpfel an die Passanten oder liest den Kindern, das Märchen vor.

Man kann das Schneewittchen auch buchen oder, wenn das zu aufwändig ist, die Räselralley machen. Nämlich zu den in der Stadt verteilten sieben Zwergenmützen gehen und die darunter versteckten Fragen auflösen. Die Kinder können sich in der Touristeninfo ein Malbüchlein holen und in dem erwähnten Prospekt, ist sowohl das Märchen zu lesen, als auch die verschiedenen Attraktionen und Angebote, wie der Wanderweg und die Ralley, beschrieben und so bin ich mit dem Alfred auch auf den Spuren Schneewittchens durch die Stadt gegangen, habe sowohl den Bücherschrank, in dem eine Annie Erneux lag, von der ich noch nichts gelesen habe, entdeckt, der aber gar nicht so leicht zu betreten war, weil er von Jugendlichen umringt war, die ihn zum Fußballspielen benützen, als auch die Mützen gefunden und eine Ansichtskarten vom “Märchenhaften Lohr am Main mit dem Schneewittchen, dem Schloß und den sieben Zwergenmützen, kann man auch nach Hause schicken.