Das Polykrates-Syndrom

Da ich soviele Neuerscheinungen habe, komme ich kaum, wie vorgenommen zum Backlistliesen, obwohl ich da ja ein Backlistbuchpreis-Lesen plante, weil ich auf Flohmärkten oder sontwo Bücher bekommen habe, die einmal auf den Buchpreislisten standen. So ist es mit Antonio Fians “Polykrates-Syndrom.”

Und weil wir bei der “Fanin” sind, ich bin auch sowas bei dem 1956 in Klagenfurt geborenen, den ich einmal irgendwo im Zug der GAv oder sonstwo kennengelernt habe. Wahrscheinlich war durch eine Lteraturzeitschrift, dann hat Gerhard Jaschke einmal ein “Freibord” herausgegeben, wo er alle Staatspreisträger vorstellte. Antonio Fian war dabei, hat dann seine Dramolette im Standard” da habe ich meine Favoriten und sehr viele “Droschl-Bände” herausgegeben. Ich war bei seinen Lesungen in Stream oder auch live, live sogar im Bregenzer Wald und bei der “Literatur und Wein” und ich war glaube ich auch beider ersten Kolik Lounge im Schauspielhaus, wo er aus seinem “Polykrates-Syndrom”, das ja 2014 auf der dBp stand, gelesen hat, wo es um einen Angestellten eines Coypshops geht, der von einer schönen Frau besucht wird, derer dann nachgeht, etcetera.n Ansbach habe ich von der damaligen deutschen Buchpreisliste erfahren, da hat es ja noch Buzzaldrins Buchpreislesen gegeben und damals in der Form, das sie die Bücher vorstellten und man sich um sie bewerben mußte. Ich habe das getan, “Kastelau” bekommen, die Streeruwitz und Antonio Fian nicht, obwohl “Atalante”, glaube ich, damals sagte, gebt es der Österreicherin!

Mußte nicht sein, denn manche Bücher kommen auch so zu mir und so lag das Buch ohne Schuthzumschlag vier Jahre später, ich glaube, um fünf Franken in der Züricher Volksbuchbhandlung und voila wenigstens ein Backlistbuch geht sich aus und ich muß wieder schreiben, eine Üüberraschung, obwohl ich über Antonio Fians Stil und was ein Polykrates-Syndrom ist, nicht länger nachgedacht habe.

Nun gut, da geht einer einer Frau nach, das kennt man schon von den Dramuletten. die Überraschung war dann da, als plötzlich eine Liche in der Küche lag, davon habe ich im Schauspielhaus und auch später bei der Buchpreisdiskussion nichts mitgekommen und ich muß sagen, es ist auch ein Wien-Buch, denn Antonio Fian führt einen durch Favoriten und auf den Karmelitermarkt und er führt auch ganz schöne Sprachspieie an. So wird das einzige Fest der Kommunisten jährlich auf der Jesuitenwiese im Wiener Prater abgehalten, inzwischen hat, nun gut, auch Herbert Kickl dort gesprochen, Der Karl Marx Hof befindet sich in Heiligenstadt, zum Radiokulturhaus kommt man meistens von der Taubstummengassen und Polykrates war laut Antoio Fian oder auch so einer, der an sein Glück nicht glaubte und es sich durch Opfer erkaufen wollte und da wären wir bei der Fragen, welchem Genre ich das Buch zuordnen soll?

Ich denke,es ist ein schwarzer oder satirischer Liebeskrimi. Lleicht lesbar und man erfährt viel dabei von Antio Fians skurrilen Humor, der seine Stärke zu sein scheint, von Wien, vom Leben der Mittelschicht, etcetera. Das Buch wurde vielleicht schon früher geschrieben. Jedenfalls zahlt man in Schilligen und Harald Juhnke scheint auch noch zu leben, sonst scheint das Buch aber sehr aktuell zu sein.

Das ist Arthur, er hat Geschichte studiert, arbeitet aber nicht als Lehrer, sondern Halbtags in einem Copyshop, gibt Nachhilfestunden,hat einen Freund der Taxi fährt, mit dem er Billard spielt, seine Frau Rita ist AHS-Lehrerin und möchte Direktorin werden. Seine Mutter war ebenfalls Lehrerin, lebt jetzt in seinem Altersheim und fühlt sich dort verfolgt.

Das ist die Ausgangslage, wo eines Abends kurz vor Geschäftsschluß, eine schöne junge Frau in einem grünen Mantel in dem Shop auftaucht, auf einen Zettel “Das ist ein schönes Hemd!”, schreibt und ihn auf der Kopierplatte liegen läßt. Er geht bzw. fährt ihr in der U-Bahn nach. Sie wohnt in Favoriten, der Copyshop in Uninähe. Sie wird von einem Arschloch” bedroht und als er ihr helfen will, wird er zusammengeschlagen.

Die Schöne, die Alice heißt, taucht nochmals in dem Shop auf und bestellt ihn in ein Cafe. Er verliebt sich kopfüber in sie. Seine Ehe ist nicht sehr gut. Sie scheint nicht immer die Wahrheit zu sagen und hat auch seltsame Ideen. Und dann findet er, als er mit einem Blumenstrauß in ihre Wohnung kommt, “Arschloch” tot am Boden liegen. Sie erzählt ihm eine skurrile Geschichte. Er hilft ihr die Leiche wegzuräumen, verstrickt sich dabei in einige Lügen. Sie taucht dann plötzlich, die Geschichte spielt um Weihnachten und Rita hat einen großen teuren Weihnachtsbaum besorgt, in der Wohnung auf und behauptet einige Meinungsumfragen durchführen zu wollen. Vorher ist schon nackt vor seinem Nachhilfeschüler aufgetaucht, der ihm die Geschichte, daß sie seine Schwester wäre, nicht glaubte. Dann behaupten, um Arthur noch ein bißchen zuzusetzen, beide Frauen von ihm schwanger zu sein und als Arthur, Weihnachtsgeschenke besorgen war und in seine Wohnung zurückkommt, findet er Alice tot am Boden und Rita erzählt ihm dieselbe durchsichtige Geschichte und verlangt von ihm die Leiche wegzuräumen.

So kommt es zu der skurrilen Situation, daß er, während im Nebenzimmer stimmungsvolle Weihnachtsmusik läuft, die Leiche zersägt und interessant dabei ist noch, daß ich diese Stelle, noch ehe ich beim Lesen so weit war, schon bei einer ORF Rezension gefunden habe und, ich dachte, man dürfe nicht spoiler

Es gibt noch einige skurrile Situationen, bis dieLeiche glücklich in schwarze Müllsäckeverpackt in der Abfalltonne liegt. Seltsamerweise schmeißen die beiden sie in die ihres Hauses hinein und die Polizei scheint sich auch nicht sehr um die Verschwundenen zu kümmern. Seine Mutter ist auch noch gestorben und man weiß nicht recht, war an der Geschichte, daß die Schwestern, die Bewohner umbringen wollten, etwas dran oder nicht. Der Lainz-Skandal, wo einige überforderte Hilfsschwestern, das vor einigen Jahren taten, wird erwähnt und Arthur ist auch noch ein erfolgloser Sketscheschreiber, der all das, was um ihn herumpassiert auch noch aufschreibt, um es mal an das Fernsehen zu verkaufen. Arthur, der seineleser ständig ansprich, kommuniziert auch noch mit dem toten Arschloch und der toten Alice, die ihm ständig Ätzes oder ihm beschimpfen geben, was das Lesen wieder etwas erschwert, weil man dann nicht weiß, was ist da Wahrheit und was Phantasie oderdie innensicht des Protagonisten.

Ein skurilles Buch vom erfolgreichen Dramolettenschreiber, den ich ja sehr mag. Es ist nicht auf die Shortlist gekommen und Antonio Fian hat den Preis auch nicht gewonnen. Es ist aber wieder interessant, was so alles auf den Nuchmpreis -Listen steht und man es erst bemerkt, wenn man die Bücher liest.

Zwei Herren am Strand

Ich habe mir auf unserer Bodensee-Radrundfahrt ja eifrig heimische, sprich Vorarlberger Literatur mitgenommen. Literatur von Vorarlberger Autoren, obwohl der Bodensee ja nur zu einem eher kleinen Teil in Österreich liegt.

Aber Schweizer- Bodensee-Autoren sind mir keine eingefalen, von den deutschen nur der Martin Walser, der aber dort lebt und auch sehr viel darüber schreibt, während der Vorarlberger Michael Köhlmeier, zwar  in Hard am Bodensee, wo wir, glaube ich, waren und ein Eis gegessen haben, geboren wurde, aber in Hohenems und in Wien lebt.

In Hohenems sind wir, dank Erika Kronabitter und der Konditorei, wo man sehr gute Schokolade kaufen konnte, auch gewesen und der 1949 geborene Michael Köhlmeier ist mir auch ein Begriff.

Also ein Vorarlberger und kein so besonderer Bodensee-Autor, aber als wir mit Erika Kronabitter im Bregenzer Wald gewesen sind und Clou am Rande dort ausgerechnet Antonio Fian und das Kollegium Kalksburg hörten, hat der erstere, als Zugabe auch eine Köhlmeier Hommage gebracht, beziehungsweise sich in einem Dramulette darüber lustig gemacht, daß der das Telefonbuch vorliest und alle sind begeistert und wollen die CDs haben.

Michael Köhlmeier ist ein fleißiger Schreiber, er ist auch, glaube ich, GAV-Mitglied und ich kann mich an eine GAV- GV vor Jahrzehnten erinnern, wo Thomas Rothschild  aufstand und sagte, er würde jetzt das Buch des Mitgliedes Köhlmeier lesen.

Damals war er mir noch nicht so ein Begriff, inzwischen habe ich einiges von ihm gelesen und gefunden und die “Zwei Herren am Strand”, ein Buch über Charlie Chaplin und Winston Churchill, beziehungsweise über die Depressionen der zwei berühmten Männer stand 2014 auf der Longlist des dBps.

Da waren wir, wieder Detail am Rande gerade im Elsaß urlauben und sind einen Tag nach Bekanntgabe der Liste nach Ansbuach zurückgekommen, wo mir die freundliche Buchhändlerin die Liste ausdruckte.

Damals habe ich noch nicht Buchpreis gelesen, das Buch aber später einmal im “Wortschatz” oder im “Bücherschrank” gefunden und es noch nicht gelesen. Was lag also näher, als es auf meine Leseliste zu setzen und es auf die Radreise mitzunehmen?

Eigentlich nichts, außer daß es  gar nichts mit dem Bodensee zu tun hat und Michael Köhlmeier auch nicht sehr oder doch vielleicht wieder, denn wir sind ja zweimal kurz in Hohenems gewesen, haben da zwar Michael Köhlmeier genausowenig gesehen, wie in Überlingen Martin Walser.

Das Buch habe ich aber in Konstanz zu lesen angefangen, dann in Rorschach weiter gelesen und im Hotel Bodensee in Bregenz beendet und es spielt hauptsächlich in Amerika, wo  laut Michael Köhlmeier, also wieder nicht sehr klar, ob jetzt wirklich oder erfunden, Charlie Caplin und Winston Churchill bei einer Party in Sanct Monica aufeinander trafen, dort am Strand spazierengingen und beide eine Freundschaft für das Leben schlossen.

Das Buch ist in fünf Teile gedliedert und wird von einem wahrscheinlich wieder fiktiven Ich-Erzähler erzählt, der höchstwahrscheinlich nicht Michael Köhlmeier ist, sondern von seinem Vater Unterlagen vererbt  bekam und jetzt schildert er in fünf Teilen einen Teil des vergangenen Jahrhunderts. Er schildert auch Charlie Chaplins Flme “Der Tramp”, “Der Große Diktator” und und und…

Ich bin, wahrscheinlich im Gegensatz zu Michael Köhlmeier, keine Chaplin Spezialistin und habe, glaube ich, auch keinen dieser Filme gesehen und von Winston Churchill war ich bis jetzt nur sehr erstaunt, daß der 1953 den “Nobelpreis für Literatur” bekommen hat.

Wie bitte? Das war doch ein Staatsmann und Politiker und hat trotzdem hitstorische Romane geschrieben. Laut Köhlmaeier soll er in seinen Depressionen auch gemalt haben und die Depression wird in dem Buch “der schwarze Hund” genannt.

Roman steht in dem Buch und es ist wieder keiner, sondern biografphische Episoden über die beiden Männer. Es wird nicht chronologisch erzählt, sondern in den fünf Teilen hin und hergesprungen und die Buchhändlerin in der Margaretenstraße, die ich ja irgendwie in Verdacht habe, daß es ihr Leseexemplar ist, das ich da auf meiner Radrundfahrt gelesen habe, hat mir im Vorjahr, als ich nach dem Leseprobenbüchlein des östBp fragte, das Buch sehr empfohlen.

Es sei besser als das “Mädchen mit dem Fingerhut” hat sie gemeint. Das kann ich nicht beurteilen, denn “Deuticke” oder “Hanser” schicken mir ja keine Rezensionsexemplare und bei diesen war ich vielleicht nicht in der richtigen Stimmung, interessiere ich mich ja ganz ehrlich weder so besonders für Charlie Chaplin, als für Winston Churchill und in diesen Fall war ich auch eher an Bodenseebezügen interessiert.

Aber wir haben in dem Schloßcafe Fenkart in Hohenems Kaffee getrunken und Schokolade für die Anna eingekauft und die “Idylle mit Hund” muß ich erst lesen, das “Mädchen mit dem Fingerhut” finden, der “Joel Spzierer” hat mir, soweit ich mich erinnern kann, gefallen und die letzte Köhlmeier-Helfer Lesung in der “Alte Schmiede” habe ich leider versäumt, weil ich eine achtzehn Uhr Stunde hatte und dann zu spät hingekommen wäre.