Slavko Grum übersetzt von Erwin Köstler

Ein von Traduki veranstalteter Übersetzerabend im Literaturhaus, wo der 1964 in Trier geborene Erwin Köstler, der auch Medizin studierte seine zweiteilige Werkausgabe mit Slavko Grums Werken moderiert von Ana Marwan präsentierte. Petra Nagenkögel hat die Textstelen des 1901 geborenen slowenischen Autors gelesen, der in Wien Medizin studierte, da auch schon zu schreiben begonnen hat und 1926 nach Slowenien zurückging. Dort war er, drogen und alkoholabhängig als Arzt tätig, hat seine Prosatexte in denen er sich auch mit der Psychoanalyse beschäftige und als der slowenische Kafka bezeichnet wurde, in verschiedenen Feuilletons veröffentlichte und als Schriftsteller eher unbekannt geblieben ist. Er hat auch Theaterstücke geschrieben und wissenschaftliche Vorträge gehalten und ist 1949 gestorben.

Erst nach seinem Tod wurde er in Slowenien entdeckt und wie beschrieben mit Kafka verglichen, was sein Übersetzer energisch bestritt und erzählte, daß er während seines Medizinstudium wo er Ivan Cankar, übersetzte, irgendwann auf Slavko Grum gestoßen ist, wo er in einen Übersetzerseminar von einer Kollegin auf ihn aufmerksam gemacht wurde.

Inzwischen hat er Slavko Grum mehrmals übersetzt, es hätte auch eine Burgtheateraufführung eines seiner Theaterstücke, für das er auch in Slowenien einen Preis bekommen hat, geben sollen und jetzt ist die zweiteiige Werkausgabe herausgekommen.

Der erste Text den Petra Nagenkögel gelesen hat, trug den Titel “Ratten” und hat mich sehr an Kafka herinnert, aber eigentlich wird wahrscheinlich in expressionistischer Manier eine Psychose geschildert, die mich sehr beeindruckt hat. Da hat einer Ratten im Zimmer, wird deshalb gemeidet und schließlich von ihnen angemissen.

Sehr eindrucksvoll geschrieben oder übersetzt und Erwin Köstler erwähnte im Gespräch noch eine andere Erzählung, wo einer am Dachboden lebt, weil er sich nicht auf die Straße traut und aus einer Nebenwohnung immer Geräusche oder die Gespräche zwischen einer Mutter und einer Tochter hört, aber als er endlich hinübergeht, ist drüben alles leer.

Im Gespräch betonte Erwin Köstler, daß Slavko Grum sehr ambivalent gewesen ist und in poetisch schöner Sprache immer von Widersprüchen gelebt hat.

Die zweite Geschichte hat er offenbar während seines Turnus aufgeschnappt. Da beschreibt er eine Krankenschwester, die auf der Geburtenstation immer Nachtwachen macht und sich da heimlich die Babies holt, sie badet und an ihre Brust legt

Es gab noch einen dritten Text und ich habe wieder einen mir bisher unbekannten sehr interessierten Autor kennengelernt.

Annemarie Türk war da, Astrid Nischkauer, Henrike Blum, Cornelius Hell und zu meinen Erstaunen sogar Stephan Teichgräber.

Übersetzt von Erwin Köstler

Im Literaturhaus scheint es, organisiert von der IG Übersetzerinnen eine Reihe “Übersetzt ins Deutsche von…” zu geben und heute war Erwin Köstler an der Reihe, der 2010 den österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzung  bekommen hat und aus dem Slowenischen übersetzt.

Unter anderen den 1958 in Ljubiana geborenen Prosaist, Lyriker und Dramatiker Franjo Francic von dem ich, glaube ich, einen Erzählband mal gefunden habe und auf ihn gestoßen bin, als ich mir die Lektüre für unsere Kroatienreise vor zwei Jahren heraussuchte und das Bch natürlich, weil ja kein Kroate liegengelassen habe, dabei bin ich heute daraufgekommen, daß er seit Mitte der Achtzigerjahre in Istrien lebt.

So kann man sich irren oder so wächst alles zusammen, obwohl ja im ehemaligen Jugoslawien die Nationalismen aufblühent und in den Neuzigerjahren zum Krieg führten.

Aber heute im Literaturhaus ging es sehr festlich her, der Autor, der in einer Latzhose und mit einer großen Tasche am Podium saß, teilte an seine Übersetzer und an die Frau vom slowenischen Kulturinformationszentrum Geschenke aus, Bilderrahmen und Blumensträuße aus seinen eigenen Feld, wie Erwin Köstler später erklärte.

Eine Frau, die wahrscheinlich von der Übersetzergemeinschaft war, eröffnete. Dann kam Erwin Köstler und der Autor und ein Schauspieler der übersetzte, beziehungsweise die Lesung aus dem gerade bei “Sisyphos” erschienenen Buch “Kindheit” gestaltete, saßen am Podium und der Autor, ein uriger und vielleicht auch etwas machohafter Typ, die Frauen und das Trinken spielten in seinen launigen Reden eine große Rolle, er sang auch einige Schanklieder dazu, scheint, wie auch in “Wikipedia” steht, eine schwereKindheit gehabt zu haben. In diversen Kinderheimen, von ihm Schloß genannt aufgewachsen und die Buch “Kndheit”, das in Slowenien in einem Kinderbuchverlag erschienen ist, handelt von einem Dialog des Autors mit seiner sterbenden Mutter.

Franjo Francic ist also, habe ich, gehört ein autobiografischer Autor und das Buch ist in verschiedene Geschichten aufgeteilt, denen alle ein Motto vorangestellt ist.

Die schwere Kndheit kommt darin vor und Erwin Köstler erläuterte, daß die und das Schloß in verschienenen Werken des Autors, warhscheinlich ähnlich wie bei Josef Winkler und Florjan Lipus, vorkommt.

Der Autor war in der Diskussion, wie schon erwähnt, sehr gesellig und gesprächig, meinte, daß die Leute nicht mehr sehr viel lesen, daß für ihn das Schreiben, die Frauen und das Trinken aber sehr wichtig wären.

Am Bchertisch konnte man eine Auswahl von Erwin Köstlers Übersetzungen bewundern. Trinken konnte man auch. Ob es ein slowenischer Rotwein war, der kredenzt wurde, habe ich nicht so genau geschaut und wieder einen interessanten Autor kennengelernt, der höre und staune, auch einen Teil seiner Werke im Eigenverlag herausgebracht hat.