Trojanow trifft Deniz Utlu

Das ist ja eine Reihe in der “Alten Schmiede”, wo Ilija Trojanow ein Gespräch mit einem Autor führt und der oder die aus dem jeweiligen Buch liest.

Jetzt in der letzten Veranstaltung in diesem Jahr war der 1983 in Hannover geborene Deniz Utlu, der Gesprächspartner und der hat, glaube ich, heuer in Klagenfurt einen Ausschnitt aus seinem Buch “Vater Meers” gelesen und das ist ja interessant, denn da gibt es einen anderen in Deutschland geborenen jungen Türken, der 2021, glaube ich, in Klagenfurt gelesen hat und mit “Vatermal” auf der deutschen Shortlist gestanden ist.

Interessant denn bei Necati Öziri liegt der Sohn im Krankenhaus und denkt an seinen ihm unbekannten Vater, bei Deniz Utlu besucht der Sohn den Vater und der ist dreizehn Jahre alt, als sein Vater nach zwei Schlaganfällen in ein Koma fällt und bis zu seinem Tod zehn Jahre später ist die Kommunuikation nur durch Augenbewegungen möglich und so muß sich der Sohn das Vaterbild erfinden oder neu erschaffen.

Die erste Stelle die Deniz Utlu gelesen hat, handelt von Schwimmen, da springt der Sohn auf eine Aufforderung des Vaters ins Wasser und der sagt “Mach mir nie wieder solche Angst!”

Das Gespräch zwischen den beiden Autoren war sehr interessant und Deniz Utlu hat wahrscheinlich eine kunstvollere Sprache als Necati Öziri, der eigentlich dicht an der Realität bleibt.

Darüber drehte sich das Gespräch und am Ende wies Iijia Trojanow auf das neue Programm hin und lobte die “AS”, “wo die Literatur noch nicht so ausgedünnt wo anderswo ist!”

Seien wir also gespannt, ob es so bleibt und im Februar gibts, glaube ich, die nächste “Trojanow trifft…- Veranstaltung.

Trojanow trifft Dzevad Karahasan

“Trojanow trifft…”, so heißt eine Reihe in der “AS” bei der ich schon öfter war oder sie streamte, wo der 1965 geborene Ilija Trojanow immer imteressante Bücher oder Autoren vorstellt und vorher hatte er glaube ich eine sozialpolitische Reihe und da bin ich zu spät gekommen, daß ich kaum einen Platz mehr fand.

So bin ich diesmal extra früh gekommen und habe trotzdem nur mit Ach und Krach ganz am Eck in der dritten Reihe einen Platz gefunden und Ilija Trojanow ist ja ein charmanter Moderator mit einem vielleicht sarkastischen Witz, so kann ich mich noch an eine “Literatur im Herbst” erinnern, die ich streamte, streamen muß und um das “Odeon” ist eine Maßnahmendemo vorbei gezogen: “Das sind die Menschen, die für die Freiheit kämpfen krank zu werden”, hat ilija Trojanow gewitzelt.

Vielleicht hat er auch “Idioten” gesagt und ich denke, all die, die da dabei gewesen sind, leben wahrscheinlich noch immer und den 1953 in Duvno geborenen Dzevad Karahasan,, der auch schon öfter seine Bücher in der “AS” vorstellte, stellte er als großen Selbstgesprächer vor oder einen, der in der Welt von Platon und Dante lebt und er ist auch ein Chronist des belagerten Sarajewos und darum geht es auch in seinem neuen Buch “Einüben ins Schweben”, das vorgestellt wurde.

Da geht es um einen englischen Dichter und einen Einheimischen, die sich durch das Buch dialogisieren und die erste Stelle, die der Autor gelesen hat, handelt von einer Braut, die eigentlich schon Witwe ist und trotzdem das blutige Hemd ihres Verlobten heiratet und dann schon hochschwanger in das Haus der Schwiegermutter zieht.

Daran knüpfte sich die Diskussion über die Pardoxien, die Dzevad Karahasan in seinem Roman verfolgt und da hat er die Rolle des Humors hervorgehoben, die da sehr wichtig war und von einem Treffen mitten im Krieg erzählte, wo er und seine Besucher lautstark lachten, so daß sogar ein Nachbar kam und mitlachen wollte. Der Humor ist gerade in Krisensituationen sehr wichtig und ein Abwehrmechanismus, das weiß man schon seit Sigmund Freud.

Ich habe damit ja meine Schwierigkeiten würde mich da laut Dzevad Karahasan in Sarajewo schwer tun, so wie das auch der berühmte ivo Andrivdem Autor tat und dann kam die zweite Stelle mit dem Lieblingswitz, der natürlich nicht lustig war. Denn da geht einer frühmorgens aus dem Haus, um sich die alten Kipferln aus der Bäckerei zu holen und wird dann von einer Granate zerfetzt und der ist früher im Mai leicht bekleidet herumgegangen, obwohl rundherum Schnee lag, aber warum sollte er sich anpassen, das Wetter war falsch.

So ging es weiter durch das Buch, das dann auch empfohlen wurden. Aber ich lese ja gerade den Erzählband einer jungen bosnischen Autorin und da hat mich der Mann, der neben mir saß angesprochen und sich gewundert, wieviel ich beim Lesen unterstreiche.

Trojanow trifft Sergej Lebedew

Diesmal stellte Ilija Trojanow in seiner neuen Reihe den russischen Autor Sergej Lebedew vor, der 1981 in Moskau geboren wurde, derzeit in Berlin lebt und bei S. Fischer schon vier Romane herausgebracht hat.

Sein letzter und in der “Schmiede” vorgestellter Roman heißt “Das perfekte Gift” und ist so spannend, wie ein Thriller erklärte Ilija Trojanow und fügte noch hinzu, daß er deshalb den inhalt nicht verraten würde.

In der Beschreibung kann man lesen, daß er Einblicke in die Abgründe Russlands gibt. Es scheint um Giftanschläge, wie die an Alexej Nawalny oder Sergej Skripal zu gehen, beziehungsweise um einen russischen Agenten, der in Berlin aus dem Fenster gefallen ist, zu gehen.

Iija Trojanow sprach noch weiter, daß man hinter der spannenden Handlung in die Geschichte Russland geführt wird. Dann lasen er und der Autor eine Stelle, wo es um ein geheimes Labor ging, in dem Experimente an Affen gemacht wurden.

Der Rest des Abends bestand aus einem in Englisch geführten Gespräch zwischen Ilija Trojanow und dem Autor, der aus einer Geologenfamilie kommt, selber Geologie studierte und der, als er fünfzehn war und auf seine ersten geologische Expeditionen ging, die Reste der Gulage entdeckte, die ihn so sehr zu interessieren begann, daß er seine Romane über die Geschichte Russland zu schreiben begonnen hat. Weiters erzählte er von einem Onkel, der ihn als Kind oder Jugendlichen sehr interessiert hat, weil er in einer fünf Zimmerwohnung wohnte, was für Moskau sehr ungewöhnlich war, der ihn sehr fazinierte und er ihn für einen Künstler gehalten hat. Später hat er dann herausgekommen, daß er General in einem medizinischen Labor oder Fabrik war. Der zweite Mann, der Großmutter hat als Aufseher in den Gulags gearbeitet und all das hat er erst nach 1991, als die SU schon zerbrochen war, herausbekommen, wie, daß er deutsche Vorfahren hatte, was in Sowetzeiten ein großes Geheimnis war, weil Stalin solche Leute sehr verfolgte und so hat Sergej Lebedow, der die ersten zehn Jahre seines Lebens im Sowetsregime verbrachte, es sich zur Aufgabe gemacht die Vergangenheit aufzudecken und in spannende Romane zu verarbeiten.

Mir hat sich aus der gelesenen Textpassage, die Handlung nicht ganz erschlossen. Es war aber spannend einen neuen interessanten Autor kennenzulernen und in seine Sicht über das Leben in der SU einzutauchen und da fällt mir ein uraltes Buch von Alfred Kurella ein, daß ich einmal, glaube ich, auf einem Volksstimmefest gefunden habe, in denen der 1895 geborene DDR Autor durch die SU fuhr und die in höchsten Tönen lobte.

Eugen Ruges “Metropol”, ein Buch aus der Stalinzeit habe ich auch gelesen, sowie Julian Barnes “Lärm der Zeit” und in Stephan Teichgräbers Workshops haben wir uns auch einige Semester lang durch alte sowetische Romane, wie die Trilogie “Der Leidensweg”von Alexej Tostoj gelesen.

Den “Meister und Margarita” habe ich natürlich, in seiner alten Übersetzung gelesen.

Ansonsten war ich bei einigen Lesungen, wo Vladimir Sorokin, der ja auch ein bedeutender russischer Gegenwartsautor ist und so ist es sicher spannend einmal an eines der vier Bücher des inzwischen vierzigjährigen russischen Autors zu kommen und sich in seine SU-Kritik einzulesen und auf der Übersetzerschiene der für den “Preis der Leipziger Messe-Nominierten” ist auch ein russischer Roman zu finden.

Argentinischer Schachroman

Ariel Magnus in der “Alten Schmiede”, ein argentinischer Autor, der von Ilija Trojanow moderiert, seinen neuen Roman “Die Schac hspieler von Buenos Aires” vorstellt.2

“Wer ist das? Kenne ich den Autor?”

“Nein!”, habe ich gedacht, als ich mich heute mangels eines Alternativprogramm in die “AS” aufmachte. Morgen ist dort die Friederike Mayröcker, aber da habe ich wieder nicht geschaut und mir zwei Abendstunden eingeteilt und Ariel Magnus klingt interessant, habe ich vielleicht noch dazu gedacht, als ich die Stiegen in den Keller hinuntergestiegen bin.

Von oben ist mr ein mir unbekannter Mann entgegengekommen, in dem ich erst später den Autor erkannte und, daß ich diesen doch schon kannte, habe ich dann gleich durch Ilija Trojanows Einleitung mitbekommen.

Denn 2010 war ja Argentinien Gastland in Frankfurt und da bin ich kurz vorher zu einer Veranstaltung in die Hauptbüchereie gegangen, wo ein argentiniescher Autor seinen Roman “Ein Chinese auf dem Fahrrad” vorstellte.

Das hatte ich, ich habe in dieser Zeit die “Absturzgefahr” geschrieben oder korrigiert, inzwischen schon vergessen, aber Ilija Trojanow der auch damals schon moderiert hat, hielt das Buch in die Höhe, sagte: “Lesen Sie das, wenn Sie was lustigies  wollen!” und dann ist mir eingefallen, ich habe den gut deutschsprechenden, 1975 in Buenos Aires als Kind einer emigrierten jüdisch sprechenden Familie schon in der Hauptbücherei gehört und dann noch einmal, während meines Frankfurtsurfings und jetzt hat ihn Ilija Trojanow offenbar in die “As” eingeladen, sprach von den siebzehn Romanes des Autors.

Drei davon gibt es schon auf Deutsch, neben dem “Fahrrad” eines das seiner Großmutter gewidmet ist und das mit dem “Schachspielen” beschäftigt sich mit seinem Großvater, der 1937 dreiundzwanzigjährig von Hamburg nach Argentinien emigrierte.

Das Buch gebinnt aber mit einer Seite aus der berühmten “Schachnovelle”, denn da fährt ja auch ein Schiff nach Argetninien zu der dort stattfindenden Schachweltmeiterschaft und der Großvater hat dem Enkel ein Tagebuch hinterlassen und der hat beschlossen einen Roman darüber zu schreiben.

Ein Stück hat der Autor gemeimsam mit Ilija Trojanow gelesen und dann viel über seine Üübersetzungsarbeit und wie das mit dem argentinischen spanisch ist, gesprochen und das Tagebuch des Großvaters war ja auch auf Deutsch geschrieben. Die Fragen die sich daran renkten drehten sich darum, ob man das österreichische Deutsch ins argentinische Spanisch übersetzen kann und  lIija Trojanow empfahl die Lektüre aller drei auf Deutsch erschienenen Romane und kleines Detail am Rand, als ich die alte Schmiede wieder verließ, um nach <hause zu gehen, sprachen mich zwei junge Männer an: “Entschuldigen Sie, wer war der Moderator!”

“Ilija Trojanow, ein gebürtiger Bulgare und relativ berühmter Autor. Schlagen sie doch bei “Google” nach!”

“Wrden wir tun!”, versprachen sie und da kann man dann von “Macht und Widerstand” der “Deutschen Buchpreisliste von 2015″, etcetera, etcetera, nachlesen und ich habe zwar keinen neuen Autor kennengelernt, aber doch mein Wissen über einen von mir inzwischen schon vergessenen wieder aufgefrischt.

Weltbefragung mit literarischen Diskurs

Nachdem wir am Sonntag noch im Cafe Central waren und dort am Eingang am Peter Altenberg vorbei um einen Platz anstellen mußten, sind die Hundertmarks mit dem Rad ab nach Budapest gefahren und ich bin in mein zehntes Literaturgeflüsterjahr gegangen.

Neun Jahre Bloggen, dreitausend Artikel und niemand nimmt es wahr,interessiert sich dafür.

Auch ein Teil des literarischen Diskursen und so bin ich, kann ich vielleicht ein bißchen übertreiben, um meinen Bloggeburtstag zu feiern in die “Alte Schmiede” gegangen.22

Das stimmt so natürlich nicht ganz, denn ich wäre, da es sich praxismäßig ausgegangen ist, auf jeden Fall hingegangen und vom Thema hat es zufälligerweise ganz gut gepasst.

Gab da ja wieder Ilija Trojanow einen Abend seiner “Weltbefragung” und mit dessen “Macht und Widerstand” habe ich mich ja im Centrope-Workshop an den letzten Mittwochen mehr oder weniger intensiv beschäftigt und wenn ich mich nicht irre, bin ich, als ich an einem anderen Nachmittag einmal in der “Dokumentationsstelle für osteuropäische Literatu” gegangen bin, danach in die “Alte Schmiede” wo es einen Abend der “Weltbefragung” gab, das waren ja vor zwei Jahren die Abende, wo Ilija Trojanow sich zu einem gesellschaftspolitischen Thema mit einem diesbezüglichen Experten traf.

Sechs solcher Abende hat es gegeben und im letzten Herbst eine “Enquette zur Literaturvermittlung” im Odeon und darauf sollte Ilija Trojanow heute antworten, beziehungsweise mit dem Philosophen Thomas Macho diskutieren und als ich das letzte Mal bei einer solchen Veranstaltung war, war die “Alte Schmiede” sehr voll.

Heute war sie das weniger, also kein Problem einen Platz zu bekommen und am Nachmittag wurde zufälligerweise in der “Literarischen Soiree” auch ein Trojanow-Buch besprochen.

Vielleicht auch noch interessant, was meine Verständlich- oder Unverständlichkeit des Schreibens betrifft, war ich da ja einmal bei einem bulgarischen Abend und habe das Feedback bekommen, meine Blogartikel versteht man nicht, was mich ein bißchen betroffen hat, denke ich doch, ich schreibe ohnehin verständlich.

Offenbar ist das doch nicht so oder die Aufmerksamkeit der Blogleser begrenzt, Ilija Trojanow eröffnete die Veranstaltung auf jeden Fall mit einer Zusammenfassung der Enquette.

Es gibt jetzt sehr viele literaturveranstaltungen, die meisten solcher Besucher sind weiblich und auch schon über sechzig und über die Frage ob jetzt mehr Leute schreiben als lesen, wurde auch gestritten.

Ich glaube ja eigentlich schon, daß immer mehr Leute schreiben und immer weniger lesen und finde das mit dem Schreiben eigentlich sehr gut, lese selbst sehr viel und Thomas Macho der Pragmatiker erklärte, das wäre immer schon so gewesen, daß nur die Leute gelesen haben, die auch schreiben konnten, das waren wohl die Mönche in den Klostern aber dann kam die allgemeine Schulpflicht und die nur Leser und jetzt hört man soviel über den Untergang der Literatur.

Aber ist das wirklich wahr?

Bücher werden  als Geschenk gekauft und nicht weggeworfen. Thomas Macho hat immer gern seine Ungelesenen am Bettrand und  schon als Kind sehr viel gelesen, wollte auch Schriftsteller werden und über die Frage des Kanons wurde auch diskutiert, auch über die Aufhebung der Generegrenzen, die Vielleser würden angeblich alles lesen.

Da denke ich, es gibt immer noch Voruteile gegenüber Krimis und Liebesromane und das Publikum durfte auch fragen stellen,  tat es aber nur sehr wenig, war aber da, weil es sich für das Thema interessiert.

Das tue ich auch und Kurt Neumann, der neben mir saß, meinte, daß man den Literaturbegriff umdefinieren müße, wenn die jungen Autoren nicht mehr lesen und am Anfang hat er gemeint, daß Ilija Trojanow einer der wenigen gesellschaftspolitischen Autoren sind, die wir noch haben.

Da würde ich zwar ein wenig widersprechen und mich auch solcherart definieren und ich finde solche Themen  sehr interessant und an meinen Bloggeburtstag auch sehr passend. höre ich ja auch immer daß ich nicht schreiben kann, vielleicht auch nicht darf, wenn ich keine Absätze mache und  unverständlich bin, bin aber stolz auf mein Literarurarchiv und gehöre zu denen, die mehr als sechsmal im Jahr Literaturveranstaltungen besuchen.

Einen schönen Sommer mit schönen Lektüren wünschte Ilija Trojanow noch und ich habe  schon einige Sommerbücher vorbereitet, die ich als nächstes lesen will, bevor dann im August  die LL- List kommt und ich wieder zur Vielleserin werde, auch wenn ich keine offizielle Buchpreisbloggerin bin.

Etwas ist vielleicht noch interessant, denn ich warte, wenn ich zu den offenen Bücherschränken gehe, ja immer ein bißchen darauf, ob ich vielleicht einmal Clemens Bergers “Streichelinstitut” finde.

Am Bloggeburtstag war es dann zwar auch nicht soweit, zumindest nicht zur Gänze, ich habe ich da in einem der Kästen, die es neben dem englischen Lebensmittelgeschäft gibt, aber die Leseprobe  gefunden.

So werde ich also demnächst mit meinen Sommerbüchern in die Sommerfrischewochenende gehen, aber noch gibt es eine Woche literarisches Programm, das ich noch nützen werde.