Joseph Roths Gesamtausgabe

Es gibt ja eine Joseph Roth-Gesellschaft dessen Präsident der ehemalige Literaturhausleiter Heinz Lunzer ist und so finden jährlich, glaube ich, im Literaturhaus Joseph Roth Veranstaltungen statt, wo sich die Mitglieder der Gesellschaft versammeln und austauschen.

Ein paar davon habe ich besucht und ich kann mich auch, als ich die “Radiosonate” geschhrieben hat, es im Literaturhaus eine große Ausstellung gab, die mich auch ein bißchen inspiriert hat und von Joseph Roth auch einiges gelesen. Da kann ich mich erinnern, daß es einmal ein Jubläumsjahr gab und da habe ich mir nach einigen Zögern, drei TBs gekauft.

Das “Hotel Sayoy ” war, glaube ich, dabei und das “Spinnennetz”.Den “Radeztkymarsch habe ich aus der Bibliothek meiner Eltern mitgenommen und gelesen und jetzt liegt ein Buch auf meinen Badezimmetstapel Lea Singers “Die Heilige des Trinkers” über, wie am Cover steht Roseph Roths vergessene Liebe und das war offenbar eine Andrea Manga Bell. Joseph Roth scheint aber außer seiner Frau einige Lieben gehabt zu haben und die Erste des 1894 in Brody Geborenen war offenbar eine Sylvia Zappler, eine Zahnärztin, die von Wien über Frankreich nach New York emigirierte und 1968 in Genf starb.

Leonore Handl hat einen Vortrag im Literaturhaus über sie und ihre Famiiengeschichte gehalten und daß mit der Liebe und Geliebten war eigentlich nur herauszuhören, obwohl Leonore Handl sie in einigen seiner Romanfiguren erkannte, hat aber nicht verraten in welchen.

Dann kam der 1948 geborene Heinz Lunzer mit den Werkausgaben, denn die “Gesellschaft” gibt das Werk des Meisters offenbar Jahr fürJahr heraus und ist jetzt bei 1923 bis 1924 gelandet.

Die Bände konnten sich die Mitglieder mitnehmen und in dieser Zeit ist, glaube ich, auch das “Hotel Savoy entstanden, das dann in den Neunzehndreißgerjahen in einem Wiener Verlag noch einmal herauskam.

Joseph Roth und der Film war auch ein Thema, da war ich auch einmal bei einer Veranstaltung und Heinz Lunzer erklärte genau den Unterschied zwischen dem Journalisten und dem Schriftsteller oder eigentlich gibt es da keinen, denn der heilige Trinker, der in Paris 1939 elediglich gestorben ist, war offenbar beides und jetzt muß ich noch das Buch über die vergessene Liebe lesen, bis es im nächsten Jahr zu der nächsten Joseph Roth Veranstaltung kommt.

Ostende

Vom Bodensee geht es jetzt nach Ostende und von der Zerstörung der Arbeiterkultur in den Sommer 1936, wo sich Stefan Zweig, Joseph Roth und noch einige andere aus Deutschland Vertriebene trafen.

Ich habe mich ja im vorigen Jahre für meine “Berührungen” intensiv mit Stefan Zweig beschäftigt, da fast alles, was ich im Hause hatte von ihm gelesen, die Ausnahme war die Biografie von Marie Antoinette aus der Arbeiterbibliothek meiner Eltern, denn die hatte ich noch in meiner Hauptschulzeit gelesen und wollte es nicht nochmals  tun.

Da bin ich auch auf zwei Bücher über Stefan Zweig gestoßen, nämlich auf Volker Weidermanns, dem 1969 in Darmstadt geborenen, der jetzt das literarische Quartett moderiert, “Ostende” gestoßen, sowie auf Ulrich Weinzierls “Stefan Zweigs brennendes Geheimnis”, wo dieser nachweisen will, daß Zweig ein Exhibionist und Homosexuell gewesen ist.

Etwas, was ich mit Skepsis  betrachtet, es geht mich auch nichts an, auf das Weidermann-Buch war ich aber sehr neugierig und hoffte es irgendwann in einem der Bücherschränke zu finden. Dann bin ich im März nach Leipzig gefahren, habe mich dort mit Ulrike Meier von “Kiepenheuer & Witsch” getroffen, die mit mir die Herbstvorschau ihres Verlags durchgegangen ist und mich darauf hinwies, von VolkerWeidermann wird ein neues Buch erscheinen.

Da habe ich sie gefragt, ob sie mir vielleicht “Ostende” schicken könne?

Sie tat es und jetzt habe ich das knapp über hundertfünzig Seiten dünne Büchlein gelesen, das, wie man vielleicht sagen könnte, ein Zeitbild von 1936 gibt, wo sich Stefan Zweig mit seiner damaligen Sekretärin, die auch schon seine Geliebte war, Lotte Altmann nach Ostende begab, um eifrig seine Bücher zu schreiben. Deshalb sollte das Fräulein Lotte auch die Schreibmaschine mitbringen und, wie Volker Weidermann meint, noch einen schönen Sommer zu verleben, bevor der Krieg ausbrach und das Anfang vom Ende begann.

Zweig ist schon einmal, nämlich 1914 in Ostende, wo ja auch ein Krieg begonne hat, gewesen und er war mit Joseph Roth befreundet, dem Monarchisten und Trinker, der damals schon so versoffen war, daß Stefan Zweig dem amerikanischen Verleger vor dem Abfall der Qualität warnte, worauf sich der weigerte, die weiteren Bücher zu verlegen. Sonst hat Zweig, der Millionär, wie er im Buch genannt wird, Roth aber finanziell untersützt. Hat ihm zuerst eine Hose und dann noch eine Anzugjacke nähen lassen und sich mit ihm auch regelmäßgi im Cafe Flore getroffen. Er hat auch geschaut, daß der Trinker regelmäßig eine warme Mahlzeit zu sich nahm und an die frische Luft kam, was Roth nicht so wollte, weil, wie er laut Volker Weidermann sagte, “Die Fische ja auch nicht in Kaffeehaus gingen.”

Es gab aber noch andere Künstler, die im Sommer 1936 Ostende besuchten. Eine davon war die einzige Nichtjüdin in der Runde, nämlich Irmgard Keun, deren Bücher aber von den Nazis verboten wurden. Sie klagte zwar dagegen, hatte aber keine Chance. So kam sie nach Ostende, verliebte sich in Roth, der wie Volker Weidermann erkärt, schon dünn wie ein Gespenst war und kaum Zähne mehr hatte und begann mit ihm eine Beziehung, wo er sie, wie Weidermann schreibt zum Trinken, sie, ihn davon wegbringen wollte, aber Roth hat gesiegt.

Außerdem war noch der rasende Reporter Egon Erwin Kisch mit seiner Frau Gisela da, das Ehepaar Troller, Hermann Kesten und Arthur Koestler und Volker Weidermann erzählt ein bißchen die Bigorafien der Freunde “Sommer der Freundschaft”, ist ja der Untertitel, aber auch was sonst noch in diesem Jahr passierte.

Schuschnigg ließ sich auf einen Pakt mit Hitler ein, in Deutschland gab es die olympischen Spiele, Klaus Mann hat seinen “Mephisto” herausgebracht und als der Sommer zu Ende war, zerstoben die Freunde in alle Richtungen.

Zweig fuhr zuerst zum Pen-Kongreß nach Argentinien und dann zum ersten Mal nach Brasilien um zu erkunden, ob das Land eine Lebensform für ihm wäre, wo er sich ja 1942 umbrachte.

Der Film “Vor der Morgenröte”– “Ich grüße alle meine Freunde, mögen sie die Morgenröte noch sehen nach der langen Nacht! Ich, allzu Ungeduldiger gehe ihnen voraus!”, zeigt davon.

Joseph Roth befand sich in finaziellen Nöten, ging mit Irmgard Keun nach Paris, wo sie sich bald von ihm trennte und starb  im Mai 1939.

Irmagard Keun wurde  in den Siebzigerjahren durch die Zeitschrift “Emma” wiederentdeckt. Da habe ich jedenfalls von ihr gehört, mir ihre Bücher gekauft und gelesen und Volker Weidermanns Zeitbild über den Sommer 1936 kann ich allen an der Geschichte und der Literatur interessierten sehr emfpehlen und mein Buch über die Schreibkrisen und das Theaterstück einer jungen Exil-Iranerin, wo sie Stefan Zweig und Heimito von Doderer am 12. 2. 1934 im Cafe Central treffen, natürlich auch.