Wieder literarisches Geburtstagsfest

Mein literarisches Geburtstagsfest gibt es schon seit den Achztigerjahren. Zuerst in der Gumpendorferstraße, dann in der Reinprechtsdorferstraße und jetzt in der Krongasse.

Drei Mal habe ich vor Coronaa keines gemacht, einmal so, dann weil ich stattdessen ein Praxiseröffnungsfest mchte und 2019 weil wir nach Basel zur Buch-Basel gefahren sind.

Dann kam Corona mit den Besuchsbeschränkungen, also zwei Jahre kein Fest und im Vorjahr wieder ein vorsichtiges, wo Ruth Aspöck, Doris Kloimstein und ich gelesen haben.

Ich habe ja immer drei bis fünf Leute eingeladen, die mit mir gelesen haben. 2013 zu meinen

sechzigsten Geburtstag habe ich allein gelesen und jetzt zum siebzigsten wieder.

Aber seit Corona habe ich meine Einladungsliste etwas reduziert, bisher habe ich an die fünfzig Leute eingeladen. Zwanzig bis fünfundzwanzig Leute sind dann gekommen, dann war es schon sehr voll. Diesmal habe ich etwa zehn Leute eingeladen, Angela, Josef, Andi Pianka, Doris Kloimstein, die Brigitte W-N, die Christa Kern, die Iris, meine Hauptschulfreundin Christa U., den Karli und die Anna.

Der Alfred hat während ich auf der Buch-Wien war, das Buffet vorbereitet, das macht er jetzt sehr teuer und genau. Bei meinen ersten Festen habe ich ein paar Salzstangerln und ein paar Käsewürfel vorbereitet und gelesen habe ich ein paar Szenen aus dem utopischen Roman, die in den “Toten” enthalten sind und dann die ersten zwei Szenen aus der “Stalking Story”.

Geschenke habe ich auch bekommen, Bücher und Broschüren von der Iris, dem Andi und der Doris. Wein, Blumen, und Süßigkeiten. Nachher gab es noch eine intensive politische Situation, ob wir zuviele Ausländer haben oder nicht? Eine Meinung, die ich eigentlich nicht habe und vor einem Antiislamismus der sich jetzt auszubreiten scheint, warnen würde.

Literatur & Ethik

HANS AUGUSTIN, ELMAR MAYER-BALDASSERONI, MARGOT KOLLER, WOLFGANG KAUER, WALTER BACO

HANS AUGUSTIN, ELMAR MAYER-BALDASSERONI, MARGOT KOLLER, WOLFGANG KAUER, WALTER BACO

Unter diesen Motto veranstaltete heute Walter Baco im “Roten Salon” in der Wipplinger Straße, in dem ich schon einmal war, eine GAV-Veranstaltung zu der mich Margot Koller eingeladen hat.

Ein interessantes Thema, wie Walter Baco auch in der Einleitung erwähnte, die schriftstellerische Verantwortung.

Wie weit dieser politisch sein soll oder muß? Wie weit er Partei nehmen darf oder sich feige heraushalten kann und von Blumen und von Bienen schreiben, während draußen der dritte Weltkrieg oder die Ausländerhetze pur passiert, zu thematisieren.

Nur leider haben sich die eingeladenen Autoren nicht sehr an diese Vorgabe gehalten, ihre ethische Haltung zu erklären, sondern einfach ihre Texte ohne viel Diskussion, hinuntergelesen und so ist es ein bißchen wie Kraut und Rüben durch den literarischen Garten gegangen.

Am ehesten hat sich noch der 1957 in Linz geborene und in Salzburg lebende Wolfgang Kauer mit dem ich dort schon zweimal gelesen habe, an diese Vorgabe gehalten.

Zwar hat er auch die Gedichte aus seinem “Portrait-Heftchen” verlesen, dazu aber immer  den Zusatz “Schriftstellerische Ethik ist für mich…”, gehabt.

Dann kam die sehr rührige, vielseitige und umtriebige Margot Koller mit der ich einmal vor vielen Jahren die “Selbstmordanthologie der GAV” herausgegeben habe, die sich in letzter Zeit mit Philosophie beschäftigt und die mit ihren Text “70 Jahre Menschenrechte – ein nicht sehr beachtetes Jubiläums”, einen schnellen Streifzug durch die Philosophie vollzogen hat.

Dazwischen hat der 1952 in Wien geborene Walter Baco, der auch sehr vielseitig, Komponist, Autor, Verleger und noch vieles anderes ist, mit dem ich 1995 einmal bei der von der Ruth organisierten Textvorstellungen in der “AS” gelesen habe, immer wieder auf den bereitstehenden Bösendorfer improvisiert und dann selber, wie er schon sagte, ältere Texte gelesen, wo man die Verantwortlichkeit des Schriftsteller und seine Stellungnahme zur politischen Situation indrirekt finden konnte, während ich das bei dem 1949 geborenen Hans Augustin, den ich, glaube ich, schon einmal in der “Alten Schmiede” hörte, vollkommen vermißte, brachte er doch einen Textauszug über zwei Architekten die in Patagonien eine Siedlung aufbauen wollen und sich dabei mit einem Fischer unterhalten.

Der Text des mir bisher unbekannten Elmer Mayer-Baldasseroni, der 1977 in Mürzzuschlag geborenen wurde, brachte mich etwas in Schwierigkeiten, war er doch vom Thema her sehr politisch und beschäftigte sich mit der blau-türkisen Regierung, war aber in einem eher komplizierten Stil geschrieben und einige mich eher störende erotische Anspielungen gab es auch.

Trotzdem  ein interessanter GAV-Abend.  Walter Baco, der ja, glaube ich, parallel zur Buch-Wien auch einmal eine Buchmesse in Linz veranstalte, die aber vom Hauptverband eher ignoriert wurde, einen Kleinverlag und noch vieles andere hatte, macht in diesem Rahmen, glaube ich, regelmäßige Veranstaltungen.

Nachher sind wir noch mit Margot Koller und einer befreundeten Philosophin, bei der sie, glaube ich, schon einmal eine Veranstaltung machte, etwas trinken gegangen.

Parallelwelten bei den Textvorstellungen und Richard Schuberth im Schwarzenberg

Heute gab es wieder einmal Parallelveranstaltungen, nämlich, um sieben “Textvorstellungen” in der “Alten Schmiede” wo Friedrich Hahn unter dem Titel “Anderswelten”, Texte von Christian Locker, Anett Krenlesberger und Alfred Paul Schmidt vorstellte.

Der 1963 in Wien geborene Maler und Autor Christian Locker begann mit seinem Parallelroman “Den Galgenvogel abgeschossen”, in der “Edition Roesner” erschienen, ein buntes dickes Buch, ich wußte gar nicht, daß es bei “Roesner” statt Gedichte und kurzen Texte auch Romane gibt, das Bild am Rücken, daß den Autor als Skizze für den Plotaufbau diente, hat er selbt gemalt und es geht dabei, um einen Ministeriualbeamten, einen Juristen, Burschenschaftler, also ziemlich unsampathisch, der zum Zahnarzt geht, zuviel Äther während der Betäubung bekommt und dann in einer anderen Welt aufwacht.

So bringt ihm die Kellnerin in dem Wirtshaus wo er zu Mittag ist, das “Wiener Tagblatt” in gotischer Schrift, statt dem “Standard” und obwohl die Zeitung das heutige Datum hat, ist er trotzdem in die Monarchie versetzt. Dann geht er nach Hause, das Stubenmädchen macht dem Hern von Prunnhübner auf und sagt knickesend “Die Frau Mutter wartet schon mit dem Tee!”, dabei ist seine Mutter schon längst in einem Altersheim gestorben.

Ein interessanter Text von einem interessanten Autor, der betonte, daß er seine Texte gut recherchiert hat und das mit den Parallelwelten auch von einem Wissenschaftler überprüfen ließ, der ihm erklärte, daß es Parallelwelten und nicht Zeitreisen heißt und in eine “Empathiewelt”, wie Friedrich Hahn so schön formulierte, ging es dann gleich mit dem dritten Erzählband der 1967 in Wien geborenen Anett Krendlelsberger, bei “Kitab” erschienen.

“Gute Literatur in kleinen Verlagen, also nicht nur immer “Suhrkamp” “Fischer” und “Hanser” lesen!”, empfahl Friedrich Hahn noch und AnettKrendelsberger las eine Geschichte, die aus einer Szenenfolge zusammengesetzt war.

“Beziehungslose Beziehung”, nannte es Friedrich Hahn.

Zuerst kamen eine Reihe Sätze, wie “die Zähne putzen, ein Butterbrot essen, in die Knie gehen”, etcetera, also so, wie ich in meiner Frühphase auch geschrieben habe, es aber aufgab, weil es keine Anerkennung fand.

Man kann aber offenbar mit dieser Indirektform auch Literaturpreise und Stipendien bekommen, aber einige kleine Preiserln habe ich ja auch und der Text von Anett Krendlessberger, die ich glaube ich schon mal bei einer Veranstaltung hörte, ging dann weiter, wo sich zwei in einem Kaffeehaus gegenübersitzen und aneinander vorbeireden und im dritten Teil gaben sie sich dann noch Anweisungen oder waren mit einander unzufrieden.

Den dritten Autor, den 1944 geborenen Grazer, Urgestein der Grazer Literaturszene, kann man so sagen, Alfred Paul Schmidt kenne ich schon von einer “Schmiede-Veranstaltung”, habe auch eines seiner frühen Bücher gelesen und ein anderes, ebenfalls bei dem eher kleinen Verlag “Keiper” erschienen, wie das, das er heute vorstellte, habe ich mir. glaube ich, einmal beim “Morawa-Abverkauf” gekauft und der Autor hat schon wie er sagte, zweiundzwanzig Bücher und dreißig Drehbücher geschrieben, weil er schon seit seinem dreißigsten LA schreibt und in dem Roman “Aus dem Grenzenlosen komm ich dir entgegen”, geht es um den Literaturbetrieb und, um einen Autor, Schmidts Alterego, der auch in ein Kaffeehaus geht, dort einen Roman über einen Graf und eine Gräfin schreibt, Schmidt philosophiert dabei über Gott und die Welt und läßt den Autor seinen Text dann auch noch ins Internet stellen, damit die Leser ihm sagen, wie es damit weitergehen soll. Also eigentlich sehr fortschrittlich für einen Fünfundsiebzijährigen.

Die Lesung dauerte eine gute Stunde, jeder Leser hatte zwanzig Minuten und dann gab es noch ein kurzes Gespräch dazu und um acht stellte es im “Schwarzenberg” im ehemaligen “Ostclub” Richard Schuberth, der mir ja immer die Einladungen zu seinen Veranstaltungen schickt, seinen bei “Klever” auch ein kleiner österreichischer Verlag wiederaufgelgetes Karl Kraus Buch “30 und drei Anstiftungen vor und es gab wieder ein Konzert dazu.

Bei einem solchen bin ich ja schon bei der Präsentation seiner “Chronik einer fröhlichen Verschwörung” gewesen, da bin ich früher weggeangen, weil der Alfred noch ins Kino wollte, diesmal bin ich später hingegangen, weil ich den Zyniker und ebenfalls scharfen Sprachanalytiker, obwohl er mir  ein wenig zu derb männlich ist, gerne mag und ich eigentlich gar nicht wußte, daß er ein Karl Kraus Experte ist.

Draruaf hat mich erst Hilde Schmölzer, die ja ebenfalls ein Buch über Karl Kraus, beziehungsweise über seine Frauen geschrieben hat, beim letzten “Volksstimmefest” hin.

Seine Aphorismen kenne ich aber, war auch bei einigen Lesungen und jetzt bin ich gerade zurecht gekommen, als Richard Schuberth gerade seine “Kleine Einführung in die Sprachkritik der elektronischen Sprachmüllhalden” las, die sehr scharf und sehr analystisch war.

Als er damit fertig war sang Jelena Poprzan eine Lied aus der “Herzogin von Geroldstein”, war Karl Kraus ja Offenbachhfan.

Dann las Richard Schubert noch zwei Buchstaben aus seinem Personenregister vor und wies auf den Büchertisch hin und im Anschluß einige Kraus Aphorsmen, bevor er sich bezüglich seiner Kraus-Liebe outete. Die stammt schon von seinem Vater und seinem Großvater her, so daß er die “Letzten Tage der Menscheit”, die ich nur als “Cartoon” kenne,  noch in der Original-Fackel gelesen hat.

Dann sang wieder Jelena Poprzan begleitet von Lena Neuner einige Lieder, Apohorismen von Nestroy und von Richard Schuberth und ich habe eine sehr interessante literarische Parallelveranstaltung erlebt,  obwohl ich den Konzertteil ausgelassen habe und schon in der Pause gegangen bin, um nicht zum Bloggen zu spät zu kommen.